SGE – Greuther Fürth 0:0

Trotz totaler Überlegenheit in allen Belangen kommt die SGE nur zu einem Punkt. Nach wie vor ist die Mannschaft nicht in der Lage, massiv und tief stehende Fünferketten zu überwinden. Dafür gibt es einige Gründe. Ein analytischer Blick darauf.

Die Aufstellung

Fürth: Linde – Itter, Viergever, Bauer – Willems (84. Asta), Christiansen, Raschl (66. Green), Meyerhöfer – Tillmann – Hrgota (84. Pululu), Nielsen (56. Leweling) – Trainer: Leitl

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch (aus statistischen Spieldaten) generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

Quelle:Youtube

Das Spiel

Während das gesamten Spiels ergab sich die Spielsituation, dass Fürth der SGE weitgehend den Ballbesitz überließ, gelegentlich eigene Konter versuchte, jedoch keine einzige Spielphase dominant gestalten konnte und in allen Spielphasen unterlegen war. Die SGE selbst kam mit Ausnahme einer einzigen Situation kaum in Bedrängnis, erspielte sich aber zu selten selbst große Chancen. Daher in diesem Spiel ein besonderer Blick auf die Probleme der SGE bei eigenem Ballbesitz gegen eine tief und breit stehende Kette.

Hier eine Szene aus der Anfangsphase: Die Fünferkette der Fürther steht sehr diszipliniert, hat gute Abstände auf dem ganzen Feld. Die sehr breite Kette und die 5-3-Defensive ist natürlich schwer zu bespielen, da aus dieser Formation jeder offensive Versuch sofort nach vorne und abgesichert, also aggressiv, attackiert werden kann.

Genau das machen die Fürther, rücken bei jedem ersten Offensivball der SGE sofort schnell und ohne zögern in die Zweikämpfe.

Gegen eine solche Formation helfen vor allem:

  • gewonnene Offensivzweikämpfe vor allem am Flügel + Hereingabe

Davon gab es schlicht zu wenig. Wenn es Kostic oder Knauff einmal gelang, sich offensiv durchzusetzen, wurde es auch direkt gefährlich. Ein schönes Beispiel ist der Abschluss von Kamada in der 33. Minute, nachdem Kostic außen gleich zwei Fürther auf sich gezogen und ausgespielt hatte. Kamada schießt dann neben das Tor. (eintracht.tv ab 34:40). Insebsondere Knauff tat sich sehr schwer, hatte in dieser Hinsicht praktisch kaum erfolgreiche Situationen. Das einzige gelungene 1 gg. 1 rechts mit Abschluss Kamada gelang nicht Knauff, sondern Kostic in der 69. Minute, als er nach einer von ihm getretenen Ecke noch rechts außen weilte. Kamada vergibt die Hereingabe von Kostic völlig freistehend. Der Volley-Abschluss war allerdings technisch auch sehr anspruchsvoll (eintracht.tv ab 26:14).

  • schnelle, direkte Seitenwechsel in der vorderen Reihe

Die größte Chance der zweiten Halbzeit in der 80. Minute entsteht aus einem solchen Seitenwechsel.

Hier der lange Ball von Knauff auf Kostic. Hinter dem letzten Fürther Verteidiger entsteht ein kleiner Raum. Diesen bedient Knauff mit dem langen Seitenwechsel-Flugball.

Die Kostic-Flanke landet dann über Knauff bei Paciencia, dessen Abschluss aus 12 Metern aber vollkommen ungenau ist und von Linde einfach gehalten werden kann. Trotzdem ist das ein gutes taktisches Mittel gegen solche breiten Ketten, denn auch die breite Kette muss natürlich seitlich verschieben und bei diesen Bewegungen entstehen auf der anderen Seite Räume, die dann genutzt werden können.

Einen solchen Wechsel mit Kurzpässen versuchte die SGE bspw. in der 91. Minute über Rode, Sow und Hauge zu Kostic, dessen Flankenfuß so freigespielt wurde. Die Flanke ist dann aber ungefährlich. (eintracht.tv ab 48:57)

  • Schussstärke aus der zweiten Reihe

Kam natürlich zu selten, aber immerhin Knauff versuchte es mit diesem Element einmal ziemlich gefährlich nach einem abgewehrten seitlichen Freistoß. In der 41. Minute muss Linde seinen Abschluss über das Tor lenken. (eintracht.tv ab 42:53)

  • präzise Flanken auf kopfballstarke Spieler zum Abschluss

War in der ersten Halbzeit kaum ein Thema, mit der Einwechslung von Paciencia in der 59. Minute dann eher, aber sehr gefährlich war das auch dann nicht, obwohl Kostic es jetzt viel häufiger mit diesem Element versucht. Die größte Chance nach einer Kostic-Flanke vergibt letztlich Knauff in der 64. Minute, der aus bester Abschlussposition aber versucht, den Ball per Kopf noch einmal in die Mitte zu legen. (eintracht.tv ab 21:50)

  • diagonale (Flug-)bälle in die tiefe Spitze, bei aufgerückten Kettenspielern

Ein solcher Angriff gelang der SGE beispielsweise in der 34. Minute. Hier:

Hier der lange Diagonalpass in die Spitze. Kamada ist rechtzeitig gestartet, Meyerhöfer war aufgerückt, hinter ihm ergibt sich der Freiraum. Auch ein recht guter Ball von Jakic, ziemlich freie Bahn für Kamada.

Kamada vertändelt den Ball dann im Dribbling gegen Bauer, aber das ist eine gute Möglichkeit, solche breite Ketten auszuspielen.

Auch die größte Chance im Spiel entstand dann in der 42. Minute aus genau so einem diagonalen Spitzenball, diesmal von Sow auf Lindström. Die SGE hatte diesen Sow-Pass zuvor mit einer Schnellkombination über Kostic-Kamada-Borré vorbereitet:

Hier die starke Kombination und der diagonale Pass von Sow auf Lindström und in dieser Situation kann Itter den schnellen Lindström dann nicht halten.

Lindström scheitert dann mit seinem Abschluss an Linde.

In der 45. Minute gelingt Hasebe noch ein großartiger Tiefenpass auf Lindström, aber auch den vergibt er gegen Linde etwas unentschlossen.

Einen weiteren dieser langen diagonalen Aufbaupässe gelingt Hasebe in der 78. Minute:

Hier der 55-Meter-Sensationspass von Hasebe. Der landet exakt und unerreichbar für die Fürther Verteidiger im Fuß von Hauge.

Hauge Kostic und Paciencia spielen das dann auch recht gut aus, die Kostic-Flanke auf den Kopf von Paciencia ist dann aber nicht optimal und Paciencia kann den nicht verwerten.

Um solche Situationen erzielen zu können, müssen also Flanken-, Pass- oder Schussfüße freigespielt werden. Das gelang der SGE zu selten. Warum?

Die Offensivspieler der SGE wurden mit dem ersten Offensivball sofort attackiert. Hier sieht man, dass Itter sehr schnell und aggressiv aus der Kette läuft, Lindström wird vom defensiven Mittelfeldspieler Christiansen gedoppelt und bricht den Angriff dann sofort ab.

Ein weiterer Grund ist das sehr starke 1 gg. 1 – Verhalten der Fürther. Ein lehrbuchhafter frontaler Zweikampf von Itter gegen Lindström lässt sich z.B. in der 39. Minute beobachten. Itter macht in dieser Szene alles perfekt, hält gegen den antrittsstarken Lindström die Distanz etwas größer, verzögert ihn so, zwingt Lindström zum Abdrehen und versucht ihn dann in der Drehung zu attackieren. Lindström holt in der Situation ziemlich clever noch einen Freistoß heraus, aber das Zweikampfverhalten von Itter war hier wie sehr oft überaus wirksam. (eintracht.tv ab 41:33)

Dass die Fürther genau so auf der hinteren Reihe agieren würden, war nicht sehr überraschend. Viel zu oft, wie hier in der 22. Minute, brachen die Offensiven der SGE die Aktionen sofort ab, wenn sie das Gefühl hatten, sich nicht drehen zu können oder direkte Schnellkombinationen im vorderen Bereich ihnen zu riskant vorkamen. Hier wäre ein schneller Seitenwechsel über Sow und Kamada durchaus möglich gewesen. Warum Lindström und Co. oft mit so wenig Risiko agierten, ist schwer zu sagen, eventuell spielt da in den Hinterköpfen tatsächlich das anstehende Barcelona-Spiel ein Rolle.

Die zweite Schwierigkeit, die sich aus der Fürther 5-3-Verteidigung ergab, ist, dass der Versuch der SGE, in den vorderen Außenräumen Überzahlsituationen herzustellen, um darin und daraus dann die Schnellkombinationen zum Tor zu spielen, häufig von den Fürthern verhindert werden konnte, eben weil sie das mit sehr viel anwesendem Personal zustellen konnten. Hier eine Situation aus der 81. Minute:

Hier im abgedunkelten Bereich der übliche Versuch der Überzahlherstellung durch die SGE. In dem kleinen Flügelraum sind gleich vier SGE-Spieler präsent, dazu Sow hinten als Anspielstation. Durch die breite Verteidigungslinie der Fürther können diese hier allerdings eine Flügelunterzahl verhindern und haben hier sogar eine 5-4-Überzahl.

Damit wurde eine weitere wichtige SGE-Waffe, das Schnellkombinationsspiel aus den Flügelräumen, erheblich erschwert und konnte nur selten gewinnbringend eingesetzt werden.

Die Fürther hatten in der ersten Halbzeit eine gute Chance: In der 17. Minute musste Trapp gegen Hrgota im 1 gg. 1 klären. Vorausgegangen war die einzige etwas längere Angriffssequenz der Fürther und ein schlecht abgewehrter langer Ball in den Eintracht 16er von Tuta auf Willems.

Danach entsteht diese Situation. Man sieht, dass die Kette hinten von Kostic ergänzt wird und richtig steht, keine Abseitsräume offen, Tuta im richtigen Raum etwas herausgerückt. Man sieht hier aber schon, dass Tillmann zwischen Tuta und Jakic zu frei steht, um Tillmann mit der Ballannahme attackieren zu können.

Das sind einfach 30 Zentimeter zu viel Abstand, aber genau diese Kleinigkeiten entscheiden oft über den Erfolg. Hier steht die SGE eigentlich 3 gg. 2 und lässt sich trotzdem ausspielen.

Hier dann der überragende Pass von Willems auf den gut getimt startenden Hrgota, Trapp muss den dann im 1 gg. 1 gegen Hrgota entschärfen. Trotzdem gut zu sehen, dass hier kein Kettenfehler vorliegt, das war gut gemacht von Willems, Tillmann und Hrgota, den Zugriff hätte die SGE zuvor beim Willems-Tillmann-Doppelpass haben müssen.

Fazit

Die Eintracht war den Fürthern in allen Belangen, auch den statistischen, heillos überlegen, dabei kamen aber zu wenige Großchancen heraus. Insbesondere in der zweiten Hälfte, in der die SGE sage und schreibe 76 Prozent Ballbesitz hatte, aber bis auf den guten Abschluss von Paciencia in der 80. Minute kaum zu gefährlichen Abschlüssen kam, zeigte erneut, welch große Schwierigkeiten die SGE gegen gut organisierte, tiefe und breite Defensivblöcke hat.

Die Gründe dafür wurden oben zusammengetragen. Neben den Möglichkeiten der defensiven Organisation (Verhinderung von Überzahlsituationen der SGE) und dem enorm stark eingespielten und abgestimmten individualtaktischen Verhalten der gesamten Fürther Mannschaft spielten weitere Aspekte eine entscheidende Rolle:

Zum einen spielte die SGE-Offensivreihe fast über das ganze Spiel, aber besonders in der ersten halben Stunde mit zu wenig Risiko, insbesondere offensive 1 gg. 1-Situationen wurden zu selten gesucht;

Zweitens enthielt das Offensivspiel zu viele individuelle Fehler, also falsche Entscheidungen, technische Fehler.

Letzteres ist und bleibt die entscheidende Ressource jeder Mannschaft. So vergaben in den beiden Situationen, die am ehesten zum Tor hätten führen können – Lindström in der ersten und Paciencia in der zweiten Halbzeit -die Spieler die Situationen, in dem sie technische Fehler machten, bzw. die korrekte Technik nicht beherrschten, die notwendig gewesen wäre, um die beiden Abschlüsse zu verwandeln.

Taktisch hingegen war das durchaus kein schlechtes Spiel, die SGE versuchte es variabel, startete Angriffe von verschiedenen Positionen und probierte es mit allen möglichen Elementen, die es gegen einen solchen Gegner braucht.

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