SGE – SC Freiburg 1:2 (0:1)

Im Duell mit einem direkten Konkurrenten um die europäischen Plätze verlor die Eintracht, obwohl sie die bessere Mannschaft war. Wie konnte das passieren? Eine analytische Antwort.

Die Aufstellung

SCF: Flekken – Günter, N. Schlotterbeck, Lienhart, Kübler (82. Schmid) – Grifo (88. Haberer), Höfler, Eggestein, Sallai (61. Petersen) – Höler (61. K. Schlotterbeck), Demirovic (61. Jeong) – Trainer: Christian Streich

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch (aus statistischen Spieldaten) generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

Quelle: Youtube

Das Spiel

Die SGE war wie in fast allen Spielphasen die technisch etwas bessere Mannschaft, auch kombinationsstärker als die Freiburger, bestimmte das Spiel fast über die gesamte Spielzeit, machte aus den vielen Chancen aber viel zu wenig, nämlich nur ein Tor und schenkte den Gästen eines durch eine katastrophale Abwehrarbeit vor dem ersten Gegentor.

Ein kurzer Blick auf die Abschlüsse und Highlights des Spiels.

torfähige Abschlüsse und Tore:

11. Minute: Abschluss Borré

Nach Pressing-Ballgewinn im Mittelfeld und Schnellkombination über Rode, Hauge und Borré die erste Chance des Spiel. Borré bringt den freien Abschluss nicht einmal aufs Tor.

17. Minute: Abschluss Hauge

Wieder nach Pressing-Ballgewinn im Mittelfeld (Freiburg hatte technisch deutlich größere Probleme mit dem Engmachen der Räume als die SGE): Schnellkombination über Hauge, Kostic auf linksaußen, Kostics flache Hereingabe landet dann über Borré und Lindström wieder bei Hauge:

Hier die Passfolge: Kostic, Borré, Lindström, Hauge spielen hier eine One-Touch-Kombination im gegnerischen Sechzehner (sieht man auch nicht so oft), Hauges Abschluss ist dann eine Rückgabe, Hauge bekommt keinerlei Druck auf den Ball. Trotz klarer Überzahl in Ballnähe können die Freiburger den Abschluss nicht verhindern.

Hauge muss den direkt nehmen, daher ist das technisch sehr anspruchsvoll, aber das ist schon zum ersten Mal viel Glück für Freiburg. Wenn Hauge den einigermaßen gut trifft, ist das eine große Torchance aus 11 Metern. In dieser Szene sieht man aber auch, dass das extrem schnelle, laufintensive und mit wenigen Kontakten durchgeführt Kombinationsspiel der SGE nur sehr schwer zu verteidigen ist, selbst in defensiver Überzahl. In den Bewegtbildern sieht man noch viel besser, wie die Lauf- und Passwege inzwischen automatisiert sind: Kostics Hinterlaufen bei Ballbesitz Hauge auf dem Flügel, Borrés Antritt auf den kurzen Pfosten, Lindströms Erkennen der Situation in einem extrem engen Raum und die Ablage auf Hauge (eintracht.tv ab 19:24). Das sind wirklich starke Kombinationen, die in der Genauigkeit und Frequenz in der Bundesliga kaum einen Mannschaft spielt.

22. Minute: Erste Freiburger Chance

Nach einem überragenden Tiefenpass von Grifo auf Günther kann Ndicka dessen Hereingabe blocken. Vorausgegangen war ein einfacher Stellungsfehler von Tuta.

27. Minute: Abschluss Hauge

Dem Gegentor ging ein guter Angriff samt 20-Meter-Abschluss von Hauge voraus, den Flekken halten kann. Auch das ist eine durchaus gute Chance. Der Ball landet dann noch mehrfach bei Eintracht-Angreifern, deren Schüsse werden aber alle geblockt. Schließlich landet der Ball bei Ndicka.

27. Minute: Tor Grifo

Zum 0:1 kommen die Freiburger wie die Jungfrau zum Kinde, im Grunde ist das ihr erster wirklicher Abschluss und es brauchte ein Super-Abwehrchaos der SGE, um es überhaupt zu ermöglichen.

Zunächst spielt Ndicka zentral vor dem Freiburger Tor bei komplett aufgerückter SGE einen Katastrophenpass auf Rode, den sich Eggestein mit starkem Sliding Tackling vor Rode angelt. Sallai macht sehr schnell und aggressiv Druck auf Ndicka, ein Abdrehen und nach hinten Spielen wäre für Ndicka hier aber noch gut möglich gewesen, er trifft hier einfach eine sehr schlechte Entscheidung.

Danach spielen die Freiburger den Konter sehr schnell aus, Höler spielt den Ball von Eggestein direkt tief in die linke Spitze auf Demirovic, der direkt nach Halbrechts auf den mitgelaufenen Sallai. Nun verzögert sich der Angriff etwas, Zeit für die SGE, Zugriff und Ordnung zu organisieren, aber leider:

Hier die Situation bei dem Pass von Demirovic nach rechts. Im Grunde ist das hinten noch recht gut zu verteidigen. Wie man sieht, steht die SGE im hinteren Bereich sogar noch in 3-2-Überzahl, selbst wenn Grifo, Höler und Rode nachrücken, ergäbe sich noch keine Überzahl für Freiburg. Es kommt in einer solchen Situation natürlich auf die Organisation der Restverteidigung an und wie man sieht, kann auf Seiten der SGE keine Rede von so etwas wie Organisation sein. Stattdessen rennen Hinteregger, Tuta, Ndicka und letztlich auch Rode alle Richtung Zielspieler Sallai.

Man muss es so hart sagen: Dass im Rückwärtsgang nicht alle zum Ball rennen sollen, ist im Grunde Trainingsinhalt F-Jugend. Es sieht bei der Torvorlage von Sallai dann wirklich so aus: (kein Photoshop!)

Die Eintracht-Restverteidigung stellt ein 4 gg. 1 gegen Sallai und produziert damit ein 0 gg. 3 am/im eigene Sechzehner. Vor allem Rode und Tuta haben da bei Sallai wirklich nichts zu suchen und wären als Absicherung und um Passwege zuzustellen auf den Kettenpositionen oder mit 1:1-Zuordnung richtig gewesen.

Für Grifo ist es dann eine leichte Übung, den Ball ins Tor zu legen. Trapp ist chancenlos.

52. Minute: Abseitstor Lindström

Da es abseits war, ist das Tor nicht sonderlich analytisch relevant. Interessant aber ist, dass Lindström dieses 1 gg. 1 gegen Flekken sehr ruhig und technisch sauber löst und den Ball ins lange Eck legt. Diese Situationen beim Torabschluss waren zuletzt ein großes Problem bei Lindström und seine Aktion hier ist in diesem Sinne ein echter Fortschritt. (eintracht.tv ab 7:30).

54. Minute: Tor Kostic

Das Tor ist aus einem Tuta-Einwurf von rechts hinten entstanden.

Borré verlängert den Einwurf per Kopf zu Hauge. Die Freiburger Viererkette ist hier zu weit nach links eingerückt, die letzte Reihe hat keine ausreichende Breite mehr, auch Sallai ergänzt die letzte Reihe hier nicht, bzw. schlecht. Ganz links (hier nicht im Bildausschnitt) lauert Kostic alleine auf einen Pass zum Tor.

Hauge spielt den Ball dann perfekt getimt auf Kostic, der im 1 gg. 1 gegen Flekken den Ball ziemlich einfach und sicher verwandelt.

57. Minute: Abschluss Kostic

Glück für Freiburg. Nach einer Einzelaktion von Kostic geht der Ball nur knapp am langen Pfosten vorbei.

58. Minute: Abschluss Borré

Nach langem Flugball von Hinteregger aus der letzten Linie läuft Borré in der Spitze seinem Gegenspieler Nico Schlotterbeck davon, trifft aber nur das Außennetz.

68. Minute: Tor durch Petersen

Man kann viel darüber diskutieren, wie Petersen bei Freistoßflanken zu verteidigen ist. Darüber rätselt die halbe Liga, das ist wirklich schwierig. Nichts zu diskutieren gibt es hingegen über das Zweikampfverhalten von Tuta in der Situation, die zum Freistoß führt und dass man gegen die extrem Standard-starken Freiburger keine seitlichen Freistöße provozieren sollte, besonders wenn Petersen auf dem Platz ist, ist nun wirklich kein Geheimnis.

Tuta rennt frontal in den Gegenspieler, statt richtig Abstand zu halten, seitlich Tempo aufzunehmen und damit im Spiel zu bleiben. Das ist ein krasser Zweikampffehler, zumal die Situation nicht Richtung Tor ging.

Mit diesem individuellen Fehler ermöglicht Tuta den Freiburgern eine ihrer Lieblingsstandards: Seitliche Hereingabe Grifo auf Petersen.

83. Minute: Innenpfostenschuss Hrustic

Der Schuss war ein Freistoß von Hrustic in die Freiburger Mauer, erst den Nachschuss knallt Hrsutic dann an den Pfosten. Interessant ist die Entstehung des Freistoßes, denn das war ein toller Pass von Paciencia auf Jakic nach starkem Aufbauball von Hinteregger.

Hier die schnell gespielte Situation. Die starke Idee von Hinteregger und sein präziser Pass, die Weiterleitung in den Lauf von Jakic.

Der Pass von Paciencia ist nicht optimal, Jakic verliert bei der Ballmitnahme daher etwas Tempo, läuft aber dennoch mit hohem Tempo Richtung Flekken, was Lienhart veranlasst, ein ziemlich heikles Foul zu begehen. Das war knapp an der Notbremse und Lienhart sieht zu Recht gelb. Den Freistoß-Nachschuss schießt Hrustic dann an den Pfosten. Viel Glück für Freiburg.

86. Minute: Abseitstor Kamada

Nach einer technisch sehr starken Diagonalflanke von Jakic köpft Kamada den Ball aus kurzer Distanz am langen Pfosten ins Tor. Kamada stand aber knapp im Abseits, das Tor wird zurückgenommen.

93. Minute: Foul an Hinteregger im Strafraum

Nochmal viel Glück für Freiburg. Die Situation ist sicher eine Kann-Situation, das muss nicht gepfiffen werden, aber es gibt durchaus Schiedsrichter, die da Elfmeter geben, zumal Hinteregger wohl an den Ball gekommen wäre, wenn er nicht geschoben worden wäre.

Fazit

Im Duell zweier in den letzten Jahren Richtung oberes Tabellendrittel drängender Vereine war zu beobachten, dass beide noch einiges von den Top-4 der Liga trennt, auf Seiten Freiburg vor allem technisch stärkeres Personal, auf Seiten der SGE vor allem eine zu hohe Fehlerquote in der hinteren Reihe und bei Abschlüssen und letzten Bällen.

Ähnlich wie im Hinspiel war die SGE in vielen Belangen die bessere Mannschaft, insbesondere technisch überlegen. Die Freiburger haben mit Grifo aber einen Unterschiedsspieler, der in zwei Situationen zwei Tore produzierte.

Das hat das Spiel entschieden, sowie zwei Bereiche, in denen die Freiburger Vorteile haben, nämlich bei Standards und in der hinteren Reihe. Die Viererkette der Gäste produzierte schlicht einen krassen Fehler weniger als die hintere Reihe der SGE, die beim ersten Gegentor ein großzügiges Gastgeschenk verteilte.

Insbesondere Tuta wird inzwischen wieder zu einem Sicherheitsrisiko, im Grunde gehen beide Gegentore zu großen Teilen auf seine Kappe. Er ist ein junger Spieler, da sind auch größerer Formschwankungen nichts Ungewöhnliches. (Diese sind meist auf Rückfälle in früher falsch automatisierte Verhaltensmuster zurückzuführen. So auch hier. Zwischenzeitlich hatte Tuta seine Fehlerquote in den einschlägigen Situationen deutlich gesenkt.) Dennoch muss Tuta daran arbeiten, wenn er nachhaltig auf Bundesliganiveau spielen will. Es sollte auch dringend eine Alternative, mindestens ein starker Backup für Tuta gefunden werden.

Im Rennen um den Europa-League-Platz ist tabellarisch im Übrigen nichts verloren. Sofern Leipzig den DFB-Pokal gewinnt, reicht Platz sechs, den momentan Hoffenheim belegt, auch Platz sieben wäre dann mit Conference League noch europäisch, diesen Platz belegt derzeit Union Berlin, Hoffenheim und Berlin haben beide 5 Punkte Vorsprung vor der SGE, gegen beide muss die Eintracht noch spielen und zwischen Frankfurt und den beiden steht nur Köln, das ist also rein arithmetisch noch gut machbar, aber dafür müsste die SGE anfangen, zuverlässig zumindest die Spiele zu gewinnen, in denen sie die insgesamt besser Mannschaft ist. Das hat gegen Freiburg nicht geklappt.

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