SGE – Borussia Mönchengladbach 1:1 (0:1)

Da das Spiel seitens der SGE mit einem besseren B-Team absolviert wurde, das zu einem relativ großen Teil aus Spielern bestand, die in der kommenden Saison voraussichtlich nicht mehr dem SGE-Kader angehören werden, war das Spiel analytisch weitgehend irrelevant. Daher diesmal nur ein sehr kurzer Blick auf die wenigen Highlights.

Die Aufstellung

BMG: Sippel – Bensebaini, Friedrich, Beyer (86. Scally) – Netz, Neuhaus, Hofmann, Lainer – Plea (86. Herrmann), Stindl – Embolo – Trainer: A. Hütter

Die Statistik

gibt es hier.

Die Highlights

Quelle: Youtube

Das Spiel

Die SGE spielte mit einer etwas veränderten Grundformation, Ilsanker spielte einen zentralen Sechser, ergänzt um zwei Achter auf den Halbpositionen (links Barkok, rechts Hrustic), dazu zwei äußere Schienenspieler (Chandler links, Da Costa rechts) und zwei Stürmer.

Bereits in der 4. Minute kassierte die SGE das 0:1. Dabei wird die hintere Reihe klassisch ausgespielt, das Tor entsteht nach einem längeren Gladbacher Ballbesitz. Das war in erster Linie gut und schnell gespielt von den Gladbachern. Auf Seiten der SGE sind mehrere Spieler mit Fehlern an der Situation beteiligt:

Das ist die entscheidende Situation, hier spielte Stindl den Pass nach außen auf Lainer. Fragwürdig ist, ob Hasebe hier mit einem langen Bein in den Zweikampf gehen sollte: eher nicht. Hier hätte es genügt, den Gegner zu stellen und beim Abspiel schnell wieder die zentrale Postion Richtung eigenes Tor anzusprinten. Mit dem langen Bein hier ist Hasebe aus dem Spiel. Auch Barkok sieht nicht gut aus, muss entweder aggressiver zum Ball, um Hasebe aus dem Zweikampf zu halten, oder er muss Stindls Passweg nach vorne zustellen. Den entscheidenden Fehler hier macht aber Chandler. Sein Kettenabstand zu Ndicka ist gut einen bis anderthalb Meter zu groß und natürlich sind solche Kettenfehler in der Bundesliga ein Einfallstor. Genau durch diesen offenen Raum spielt Stindl den Ball auf Lainer.

Der Querpass von Lainer auf Plea wäre zwar von Tuta in der Zentrale auch noch mit einem sehr schnellen Weg zum Ball oder einem starken Sliding Tackling eventuell zu verhindern gewesen, aber da war die Elfmeter-Gefahr dann schon sehr groß. Der Fehler passiert zuvor in der Szene oben.

Grundsätzlich gilt beim Kettenspiel in der hinteren Reihe, dass sich die Außenverteidiger bei Angriffen des Gegners durch die Zentrale an den Innenverteidigern orientieren müssen. Grundsätzlich gibt der hinterste Innenverteidiger in jeder Situation die Abseitshöhe vor und die doppelnden Innenverteidiger (hier Tuta und Ndicka) auch die Breite. Man kann darüber diskutieren, ob Ndicka hier etwas zu weit eingerückt ist, aber selbst dann muss Chandler sich an ihm orientieren und seinen Abstand zu Ndicka entsprechend angleichen. Grundsätzlich gilt, dass Innenbahnpässe, also so wie hier der von Stindl auf Lainer, also Pässe, die zwischen Innen- und Außenverteidiger nach außen gespielt werden, von dem Außenverteidiger verhindert werden müssen. Das geht nur durch korrektes Stellungsspiel.

Nach außen hätte Chandler Lainer noch verteidigen können, wenn aber der Ball auf der Innenbahn durchgespielt wird, wie hier von Stindl, kann Lainer sich die Anschlussaktion aussuchen. Das machen Lainer und Plea dann routiniert.

In der zweiten Halbzeit stand mit Ndicka nur noch ein echter Innenverteidiger auf dem Platz, sodass Trapp mehrmals allein auf ihn zustürmende Gegenspieler am Toreschießen hindern musste (Bsp. in der 49. Minute gegen Embolo). Zu den Kettenfehlern und den vielen individuellen Fehlern von Hasebe als Innenverteidiger wurde hier im Laufe der Saison genug gesagt und dokumentiert, Da Costa spielte das rechte Glied der Dreierkette recht zuverlässig, aber auch nicht fehlerfrei.

So sehr Hasebe in der hinteren Reihe Fehler produziert, so sehr gehört er nach wie vor zu den besten Passgebern der Liga. Sein Pass auf Kamada vor dem Ausgleichstreffer durch Paciencia in der 66. Minute war überragend.

Hier der knapp 20-Meter-Flachpass Hasebe-Kamada. Mit dem extrem scharf gespielten Pass auf Kamada nimmt Hasebe die komplette Mittelfeld- und Angriffsreihe der Gladbacher aus dem Spiel, insgesamt 5 Spieler.

Auch die Anschlussentscheidung von Kamada ist dann stark, nämlich den Ball one-touch auf Paciencia zu spielen, der im Gegensatz zu Kamada selbst, bereits „aufgedreht“ war, also nicht mit dem Rücken zum gegnerischen Tor stand, sondern schießen konnte. Dadurch entstand für Paciencia erst so viel Raum, dass er Maß nehmen und einen solch gezielten Schuss abgeben konnte. Entscheidend aber war der Weltklassepass von Hasebe. Hier noch einmal:

Die Einstellung täuscht etwas, trotzdem kann man sehen, dass der Passweg (knapp 20m) extrem eng ist, der muss fast zentimetergenau sitzen und muss maximal scharf gespielt werden.

Im Bewegtbild sieht man das noch viel besser, unbedingt noch einmal anschauen (eintracht.tv ab 23:39), so viele dieser Pässe von Hasebe dürfte man wohl nicht mehr zu sehen bekommen.

Fazit

In dem Spiel stand eher die Verabschiedung einiger Abgänge im Vordergrund, die hier ihr letztes Heimspiel für die SGE absolvierten.

Barkok demonstrierte eindrücklich, dass er nach wie vor in erster Linie hinsichtlich der Handlungsschnelligkeit zu weit weg ist von Bundesligaanforderungen.

Ilsanker machte ein gutes Spiel. Seine bekannten Schwächen im Passspiel waren auch gelegentlich sichtbar, der Spieler ist aber in allen defensiven Anforderungen so stark und auch so sprintstark, dass sein Auftritt nur noch einmal die Frage aufwarf, warum Glasner ihn nicht häufiger ins Team rotierte. In der 52. Minute hatte er nach einer Ecke sogar die große Chance auf einen Abschiedstreffer, den aber Plea auf der Torlinie verhinderte.

Da Costa machte ein solides Da Costa – Spiel mit Höhen (meist in den defensiven Abläufen und Aktionen) und Tiefen (kaum offensive Aktionen). Er wird in Mainz sicher zu mehr Einsätzen kommen.

Lammers hingegen bleibt ein Rätsel. Auch gegen Gladbach zeigte er in einigen Szenen sein Potential, seine Schnelligkeit, sein Spielverständnis und auch eine gute Technik. Dennoch bringt er kaum eine Aktion zum Erfolg, in fast jeder Aktion „geht irgendetwas schief“. Für ihn dürfte ähnliches gelten wie für Barkok: Für das ganz hohe Profiniveau wird es nicht reichen.

Hier aber eine Szene aus der 46. Minute (Nachspielzeit erste Halbzeit) der beiden, in der sie ihre Stärken gut ausspielen können:

Barkok hat genug Platz, um in Ruhe diese Situation zu überblicken, spielt dann einen perfekten Tiefenpass auf Lammers. Dieser hatte zuvor sehr schnell und gut erkannt, dass zwischen Friedrich und Bensebaini kein Kontakt mehr besteht und er daher in den Raum hinter Bensebaini starten muss. Mit seiner Schnelligkeit lässt er Bensebaini auch keine Chance, ihn nochmal einzuholen.

Auch sein Querpass im Sechzehner auf Paciencia, der dann völlig frei aus rund elf Metern kläglich vergibt, ist gut, technisch sauber. Eine tolle Szene der beiden baldigen Abgänge (eintracht.tv ab 54:58).

Auch die Gladbacher investierten wenig in das Spiel, auch bei ihnen war deutlich zu sehen, dass mehr als ein möglichst verletzungsfreier Saisonausklang nicht mehr zu erwarten war.

So entwickelte sich ein sehr friedlicher Sommerkick, der analytisch kaum relevant war.

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