1. FSV Mainz 05 – SGE 2:2 (1:2)

Auch das letzte Saisonspiel der SGE war vollkommen bedeutungslos. Dennoch hier wieder kurz die Highlights in der Analyse.

Die Aufstellung

Die Statistik

gibt es hier

Die Highlights

Quelle: Youtube

Das Spiel

Das 0:1 bereits in der 9. Minute entsteht – mal wieder – nach einem haarsträubenden Fehler. Wer in seiner Jugend- oder Amateurzeit einmal einen guten Trainer hatte, wird sich vielleicht daran erinnern, dass man beim Einwurf-Training eingebläut bekommt, niemals, vor allem nicht um die Mittellinie herum, eigene Einwurfe quer zu werfen. Das wird deshalb vermieden, weil dabei das Konterrisiko viel zu hoch ist, denn die eigene Mannschaft ist ja bei einem eigenen Einwurf auf Offensive eingestellt und daher bei Ballverlust ungeordnet. Kostic jedoch:

Kostic wirft den Ball quer auf Rode. Ingvartsen geht dazwischen, spielt den Ball direkt auf Stach, der sofort mit einem Tempodribbling den Angriff einleitet.

Wer seinen Spielern einmal demonstrieren möchte, warum man Einwürfe im Mittelfeld niemals quer wirft, kann diese Szene als Anschauungsunterricht präsentieren.

Stach spielt dann zwar einen Fehlpass, aber Ndicka schafft es zweimal nicht, den Ball zu klären, sodass er jeweils wieder bei den Mainzern landet. Schließlich schießt Ingvartsen den dann ins Tor. Ndicka sieht in der Szene unglücklich aus, aber das ist einfach etwas Pech, solche Schnellangriffe des Gegners können so laufen. Das Problem ist hier der Katastropheneinwurf, der den Mainzern diese Kontersituation gegen die ungeordnete, im Laufen befindliche SGE-Abwehrreihe ermöglicht.

Das 1:1 in der 25. Minute fällt nach einem Freistoß. Zuvor hatte die SGE eine längere eigenen Ballpassage, Borré holt im vorderen Mittelfeldbereich im Dribbling den Freistoß geschickt heraus. Der Flugball von Kostic war scharf Richtung Torwart geschossen, schwer zu verteidigen für Mainz, Tuta ist sehr aufmerksam und fix und macht das Tor. Ein sehr guter, erfahrener Bundesligatorwart wäre der Kostic-Flanke aggressiv entgegengegangen und hätte versucht, den Ball gar nicht erst verwertbar zu machen. Der junge, unerfahrene Ersatzkeeper Finn Dahmen bleibt auf der Linie und hat dann keine Chance, den Ball zu halten. (eintracht.tv ab 30:10).

Für die Freunde extremer Endgeschwindigkeit und wie man sie gewinnbringend und richtig einsetzt, sei noch der Notzweikampf von Touré in der 30. Minute zur Ansicht empfohlen (eintracht.tv 34:44), der hier dem auf Trapp zustürmenden Burkardt absprintet, dass es eine wahre Freude ist. Im Standbild ist das kaum zu zeigen.

Das zweite SGE-Tor in der 34. Minute fällt nach einem Aufbaufehler des Mainzers Brosinski und einem Schnellangriff der SGE.

Hier gut zu sehen, dass das SGE-Pressing Brosinski zu diesem Offensivpass zwingt. Der Rückweg auf Stach ist zwar genauso möglich wie ein Querpass zu Kohr, beide Möglichkeiten bergen aber das große Risiko, dass Borré bzw. Kamada den Pass jeweils aggressiv attackieren können. So muss Brosinski einen schwierigen Flugball one-touch mit dem Außenrist spielen.

Das ist für Brosinski eine (zu) schwierige technische Aufgabe, der Pass gerät viel zu hoch und ungenau, landet zwar noch grob bei Stach, dessen Kopfballweiterleitung landet dann aber bei Rode. Der köpft weiter zu Borré und dessen Spielfortsetzung gemeinsam mit Knauff ist dann schlicht überragend.

Hier die Spielfortsetzung durch Borré, sein direkter Pass auf Knauff rechts an der Mittellinie. Die Aktion muss sofort mit Tempo weitergeführt werden, aber ein direkter Tiefenpass ist für Knauff kaum möglich, er müsste warten, bis Hauge mit seinem Sprint nach außen genug Freiraum vor sich hat, um in den Lauf angespielt werden zu können. Das würde zu lange dauern und so nutzt Knauff seine Superkraft Tempodribbling und sprintet mit Ball am Fuß in den freien Raum.

Neben dem Extrem-Tempodribbling von Knauff sind hier auch die Laufwege von Hauge und Borré sehr stark. Das ist zwar eine basale Angriffssituation, die im Training einstudiert wird, aber hier mussten die drei beteiligten Spieler die Situation schnell erkennen und alle Wege schnell und konsequent machen. Das tun sie.

Hier die Situation beim Pass von Knauff zu Borré. Zunächst sehen wir hier den Kettenfehler der Mainzer, Niakathé steht zu tief, öffnet den No-Abseits-Raum hinter Bell und genau dort fordert Borré den Ball mit einem diagonalen Lauf und bekommt den Pass von Knauff. Hinter Knauff sehen wir die Mainzer Boetius und Aaron, die Knauff mit seinem Sprint überlaufen hatte. Auch Hauge ist nach seinem Laufweg nach außen hier noch eine Passoption.

Ein sehr stark durchgeführter Schnellangriff der drei Beteiligten Knauff, Borré und Hauge, der mit seinem Laufweg zumindest die Aufmerksamkeit von Niakathé beansprucht.

Der Ausgleich der Mainzer kurz nach der Halbzeit in der 49. Minute ist erneut ein Tempogegenstoß und es ist auch wieder ein krasser individueller Fehler der SGE-Defensive mitverantwortlich.

Zunächst ging der Aktion ein Ballbesitz der SGE voraus, Sow ist beteiligt, Kamada versucht dann einen Tiefenpass auf Kostic, der aber sehr ungenau ist und bei Brosinski landet.

Brosinski macht dann nur ein paar Meter und spielt den Ball steil auf Kohr. Hier der Moment der Ballabgabe und man sieht gut, dass Jakic Kohr in den freien Raum laufen lässt, ohne ihm zu Folgen. Jakic ist aber der einzige, der in dieser Szene irgendwie Zugriff auf Kohr erlangen könnte, weil Sow aufgerückt ist. Jakic vergisst hier seine Absicherungsaufgabe.

Das ist zwar ein Fehler von Jakic, aber einer, der immer passieren kann. Um solche Stellungsprobleme im Mittelfeld abzusichern, hat man normalerweise eine letzte Reihe, aber bei der SGE ist in dieser Saison leider eine individual- und gruppentaktische Slapstick-Garantie eingebaut. So auch diesmal:

Nachdem Jakic aus dem Spiel ist, entsteht außen eine 2 gg 1 – Situation für Mainz. die Situation ist aber noch zu verteidigen, Ndicka hat Zugriff auf Kohr, muss unbedingt im Spiel bleiben und steht hier auch noch auf der Innenbahn. Er muss versuchen, Kohr auf der Innenbahn zu verzögern, um seinen Mitspielern, vor allem Kamada links gegen Stach, eine Chance zu verschaffen, wieder Zugriff auf die Gegenspieler zu bekommen.

Was Ndicka auf keinen Fall machen sollte, ist, sich mit einer Harakiri-Grätsche selbst aus dem Spiel zu nehmen. Aber leider:

Durch Ndickas Sliding-Fun in Mainz sind nun Kohr und Stach natürlich durch und völlig frei und Stach kann dann schön den Moment abwarten, bis Ingvartsen am kurzen Pfosten vor Tuta ist und einschießen kann.

Für Tuta in der Zentrale ist das sehr schwer zu verteidigen, die Fehler machen hier Jakic und vor allem Ndicka mit einer katastrophalen individualtaktischen Entscheidung. Solche Sliding-Tacklings sind absolute Notaktionen und müssen sitzen, da man sonst eben auf dem Boden liegt und aus dem Spiel ist.

Nun mag das bei einem bedeutungslosen Sommerkick wie diesem gegen Mainz irrelevant sein, nur ist das eben genau das Muster, das für die SGE eine viel bessere Platzierung verhindert hat: Relativ einfache individual- bzw. gruppentaktische Fehler der SGE in der hinteren Reihe, die so krass sind, dass jeder Gegner in der Bundesliga daraus Tore macht.

In der 75. Minute hat die SGE viel Glück, dass ein Tor von Burkardt zurückgepfiffen wurde.

Fazit

Auch das letzte Bundesligaspiel war strukturell ein Abbild der gesamten Saison.

Die SGE war technisch-spielerisch dem Gegner überlegen, stark im Pressing und in den Schnellkombinationen, allerdings erneut nicht in der Lage, das eigene Tor fehlerfrei zu verteidigen.

Klar passieren beim Mannschaftssport immer Fehler, aber was die SGE in dieser Saison an Einladungen und Geschenken verteilt hat, musste bestraft werden und wurde bestraft.

So beendet die SGE mit einem Kader, der während der gesamten Spielzeit nur von Leverkusen, Bayern und Dortmund technisch-spielerisch überboten wurde und diese enorme Stärke auch in der Europa League mit Siegen in je zwei Spielen unter anderem gegen den FC Barcelona und West Ham United bewies, sage und schreibe auf Platz 12. Das muss man auch erst einmal hinkriegen.

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