Real Madrid – SGE 2:0 (1:0)

Die SGE hielt gegen Real gut mit, hatte aber letztlich aufgrund zu vieler Fehler keine reelle Chance das Spiel zu gewinnen. Das Analytische im Überblick.

Die Aufstellung

Real: Courtois – Carvajal (85. Rüdiger), Eder Militao, Alaba, Mendy – Casemiro, Modric (67. Rodrygo), Kroos (85. Tchouameni) – Valverde (76. Camavinga), Benzema, Vinicius (85. Dani Ceballos)

SGE: Trapp – Touré (70. Alario), Tuta, Ndicka – Knauff, Sow, Rode (58. Götze), Lenz – Lindström (58. Kolo Muani), Kamada – Borré

Die Statistik

gibt es hier und hier

Die Highlights

Die Spielanalyse

Im Gegensatz zum Bayern-Spiel agierten Knauff rechts und Lenz links diesmal deutlich disziplinierter und ergänzten die Dreierkette hinten vergleichsweise konsequent zur Fünferkette, wodurch das SGE-Spiel in der hinteren Reihe oft ausreichend Breite hatte, um viele Real-Angriffe abwehren zu können. Letztlich war die Niederlage dennoch zu vielen recht einfachen Fehlern in der Defensive geschuldet.

Die Spielanlage der Spanier ist eine ganz andere als die der SGE oder der Bayern. Madrid presst nur selten in der vorderen Reihe, ließ die SGE viel mehr mitspielen und setzt auf die eigenen langen Positionsspielphasen, die sie dann sehr ruhig und ballsicher ausspielen.

Glasner reagierte damit, das Angriffspressing weitgehend auszuschalten, die Presszone ins Mittelfeld zu verlegen und selbst weiterhin auf Schnellkombinationen zum Abschluss zu setzen. Das gelang in der Anfangsphase gut, die SGE war in den ersten zehn Minuten die Mannschaft mit den besseren Aktionen in die Spitze, die interessanteste war ein Abschluss von Lindström in der 12. Minute nach einem schnellen Positionsangriff über Lenz, Sow und Borré. Hier war gut zu sehen, dass Glasner dieses Element dem Spiel offenbar wieder hinzugefügt hat, nachdem es in der vergangenen Saison nach den vielen Unentschieden zum Saisonstart monatelang kaum zu sehen war und dem Dauerpressing und der Konzentration auf Gegenstöße geopfert worden war.

Mit der neuen Saison also wird das Positionsspiel wieder öfter versucht und gegen die wie üblich im vorderen Bereich luftig verteidigenden Madrilenen funktioniert das auch sehr gut.

Hier der Angriff. Ausgangspunkt ist Lenz, der auf Halbrechts verlagert und Sow, der dann mit einem starken Tiefenpass vorne das 2 gg. 2 aktiviert. Borré spielt den direkt auf Lindström durch, der dann aber knapp im Abseits steht und den Abschluss auch nicht vollenden kann.

In der 14. Minute muss die SGE im Grunde in Führung gehen. Nach einem starken situativen Pressing rechts gewinnt Knauff den Ball gegen Mendy:

Das ist die Situation kurz vor dem Ballgewinn von Knauff. Alaba und Mendy gehen der SGE hier voll auf den Leim, Alaba spielt einen viel zu kurzen Pass auf Mendy direkt in die Pressingfalle der SGE, der Ball wird von Knauff sofort aggressiv und auf Ballgewinn attackiert. Knauff gewinnt den Ball, Borré ist aufmerksam und steckt ihn auf den zum Tor ansprintenden Kamada durch, der völlig allein vor Courtois frei abschließen kann.

Viel Glück hier für die Spanier. Mit etwas mehr Übersicht hätte Kamada den Ball in die kurze Ecke einschieben können.

Das war bis dahin die beste Chance des Spiels und die SGE in der Anfangsviertelstunde die bessere Mannschaft.

Mit dem Kamada-Abschluss verstärkt Real dann aber die Bemühungen und das Tempo und kommt in der 17. Minute zur ersten Großchancen durch Vinicius Junior, dessen Abschluss Tuta noch von der Linie kratzen kann, sehr viel Glück für die SGE in dieser Szene. Die Szene sollte, wer sich für die Charakteristik des Spiels, typische SGE-Fehler und die Stärke von Real interessiert, noch einmal im Bewegtbild anschauen und zwar am besten in der Entstehung. Das ist nämlich ein Konter der Spanier nach einem einfachen Passfehler von Lindström vorne (eintracht.tv ab 24:14). Dadurch bekommt Real Tempo in die Aktion, Casemiro schickt Valverde rechtsaußen, aber selbst hier wäre die Situation noch zu verteidigen gewesen, da Lenz durchaus im Sprint noch Zugriff auf Valverde hatte.

Das ist die Situation direkt vor der Großchance. Gut zu sehen, dass Valverde hier von Lenz verfolgt wird und gar nicht den Weg nach innen sucht, sondern sehr weit außen ist. Warum nun Ndicka nach außen sprintet und damit innen ein 3 gg. 2, bzw. 2 gg. 1 für Real ermöglicht, ist völlig unerklärlich und ein krasser individueller Stellungsfehler von Ndicka. Mit seinem Weg nach außen veranlasst er Tuta, sich ebenfalls zum Durchsichern nach außen zu begeben, womit die SGE-Kette im Grunde freiwillig den Strafraum räumt.

Das ist ein hanebüchener Fehler und um so ein Abwehrverhalten auszunutzen braucht man keine Starspieler wie Valverde, Vinicius und Benzema, jeder Bundesligist wird derartiges Verhalten zu Toren nutzen können, das wird sich in den nächsten Wochen zeigen, sofern Glasner nicht sehr schnell etwas einfällt, um das Kettenchaos und die nach wie vor viel zu hohe Fehlerquote bei Ndicka zu reduzieren. Ndicka darf in dieser Situation natürlich niemals auf die Außenbahn laufen, sondern muss seine Halbposition im Sechzehner halten.

Ndicka und Tuta laufen einfach aus der Situation und lassen Benzema und Vinicius 2 gg. 1 gegen Touré stehen. Da kann man nur noch staunen.

Immerhin ist Tuta so geistesgegenwärtig, dass er den Abschluss von Vinicius noch von der Linie kratzen kann, aber dieses Kettenverhalten hier hat mit Profifussball nicht entfernt etwas zu tun. Alle stehenden Situationen verteidigt die Mannschaft allerdings inzwischen viel besser als noch unter Hütter. Entscheidend sind aber solche Situationen wir hier, wo die Kette wirklich gefordert ist.

Und das ist wirklich schade, denn im Spiel nach vorne war die SGE den Spaniern kaum unterlegen und konnte regelmäßig gefährliche Angriffe organisieren, oft über den sehr starken Kamada, wie etwa in der 24. Minute (eintracht.tv ab 31:31). Hier übrigens wieder das Element Positionsspiel, sehr gut zu sehen, dass Glasner hier mit den Spielern gearbeitet hat, umso unverständlicher, dass er die viel leichter zu korrigierenden Stellungsfehler hinten partout nicht in den Griff bekommt.

Die Eintracht bleibt bis zur Halbzeitpause gleichwertig, ein Klassenunterschied ist bei weitem nicht zu erkennen.

Die Szene, die zu der Ecke führt, aus der Real dann das 1:0 macht, war übrigens kein Kettenfehler, sondern ihr ging ein Abstimmungsproblem im Anpressen voraus, Kamada, Rode und Knauff lassen beim Einschieben einen großen und langen Tiefenpassweg auf Benzema offen, wodurch Vinicius dann zum Abschluss kommen kann, Trapp hält den aber sehr stark. Nicht optimal das Pressing-Verhalten hier, da stimmten mehrere Abstände nicht, aber das kann mal passieren.

Das Gegentor selbst ist dann aber ein Torwartfehler, Trapp darf hier nicht sein Tor seitlich verlassen. Die Führung für Real ist zu diesem Zeitpunkt etwas glücklich, allerdings häufen sich nun wieder die SGE-Fehler hinten und Benzema hätte das in der 41. Minute zum 2:0 nutzen müssen. Viel Glück für die SGE nach einem erneuten relativ einfachen Kettenfehler, hier allerdings auch eine starke Aktion von Kroos.

In der zweiten Halbzeit nutzte Real die sich zunehmend öffnende Räume sehr gut, mit jedem offensiven Wechsel, angefangen mit Götze für Rode, wurde das SGE-Spiel schwächer, ein schönes Beispiel dafür, dass offensive Wechsel oft nicht die gewünschte, sondern die gegenteilige Wirkung haben. Besonders technisch extrem starke Teams wie Real, die auch defensiv individuell sehr stark sind, können das oft ohne große Not verteidigen und werden dann mit den größeren Räumen vorne immer gefährlicher. So geschehen in diesem Spiel.

Nach dem 2:0 schalteten die Spanier dann auch etwas herunter und so passierte nicht mehr sehr viel.

Noch ein Blick aber auf das entscheidende 2:0. Das Tor entsteht aus einem Positionsangriff aus der letzten Real-Reihe und hier verweigert die SGE erneut sinnvolle Gegenwehr.

Knauff rückt 10m (!) aus der Kette heraus und steht nun im vollkommen leeren Raum, weil das Angriffspressing von Kolo Muani fast 20 Meter von der Abwehkette entfernt angesetzt wird. Da, wo Knauff hier in der Szene steht, ist er völlig unbrauchbar. Genauso gut könnte er sich neben das Feld stellen. Entweder muss er hinten die Kette ergänzen und für ausreichende Breite gegen Vinicius sorgen, oder er muss gemeinsam mit Kolo Muani vorne Mendy am Pass hindern. Nichts davon tut Knauff und so kommt der lange Ball von Mendy longline auf Vinicius und Touré muss sehr weit nach außen rücken. Hier auch gut zu sehen, dass Sow viel zu weit vorne steht, um seine Aufgabe hinten, die Rückraumsicherung, wahrnehmen zu können, von einem zweiten Sechser ist hier ohnehin nichts mehr zu sehen.

Und so:

Vinicius kann zwar nicht selbst Richtung Tor agieren, weil Touré den Zweikampf stark verzögert und alles richtig macht, aber Tuta und Ndicka bleiben beide tief stehen, statt den Passweg auf Benzema zuzulaufen oder zumindest in Zugriffsnähe zu ihm zu kommen. Sow ist trotz langen Sprints nicht in der Lage, den Rückraum zuzulaufen und so lässt die SGE-Abwehr den momentan besten Mittelstürmer der Welt vollkommen frei aus 16 Metern abschließen.

Auch in dieser Szene muss Real seine ganze individuelle Klasse gar nicht auspacken, ein einfaches Ausnutzen der SGE-Fehler bei den Abständen und im Erkennen von Box-Situationen genügt, um das 2:0 zu erzielen, auch bei diesem zweiten Gegentor sieht Trapp nicht besonders gut aus.

Das Fazit

In der sechswöchigen Vorbereitung hat das Team mit dem Positionsspiel ein wichtiges spielerisches Element erarbeitet, das auch munter eingesetzt wird und auch gut funktioniert. Auch das situative Angriffspressing funktioniert weiterhin gut, das schnelle Spiel in die Spitze ebenfalls und so konnte die SGE sowohl gegen Magdeburg und Bayern, als auch gegen Real Madrid jeweils einige große Tormöglichkeiten herausspielen. In diesen Bereichen ist die SGE voll wettbewerbsfähig. Umso ärgerlicher, dass der Gap zu den Leistungen im Abwehrverhalten nach wie vor extrem ist. Das Trainerteam um Glasner wirkt inzwischen auch ratlos und wirr in dieser Hinsicht, gegen Real nahm Glasner mit Touré in der 70 Minute den einzigen Verteidiger aus dem Spiel, der mit den schnellen Situationen nicht überfordert war.

Um es noch einmal kurz zusammenzufassen: Die SGE-Kette kämpft, wie fast die gesamte vergangene Saison mit systematischen Fehlern, mit Fehlverhalten also, das die Spieler nicht aus Versehen und gelegentlich machen, sondern das immer wieder reproduziert wird, also schlicht nicht klar ist, was das richtige Verhalten ist, bzw. die Abstimmung fehlt:

  1. Stellungsfehler der Einzelspieler. Vor allem Ndicka verliert in schnellen, hektischen Situationen viel zu oft den Überblick und rennt vollkommen falsch aus der Kette heraus oder zu nah an den Mitspieler heran, erkennt auch seine Fehler nicht und produziert so in fast jedem Spiel Räume für den Gegner. Tuta ist etwas weniger fehleranfällig, ist für solche Sachen aber auch immer gut (siehe Bayern-Spiel bei Gegentor Nr. 5). Touré hat in dieser Hinsicht inzwischen die niedrigste Fehlerquote.
  2. Die Abstände zwischen Pressinglinie und hinterer Verteidigungslinie sind zu oft zu groß, siehe zweites Gegentor oben als Beispiel.
  3. Kettenabläufe sind unklar. Knauff beim zweiten Gegentor steht zwischen den Linien ohne Gegenspieler und Zugriff, hat eigentlich noch Zeit zu erkennen, dass er sich irgendwo nützlich machen muss, versteht aber nicht, dass er falsch steht.
  4. Ebenfalls zu oft falsch ist das Verhalten in der Box bei überspielter Kette außen. Wenn eine Kette außen ausgespielt ist bzw. ein offensiver Gegner im torgefährlichen Raum am Ball, muss in der Zentrale sofort von Raum- auf Manndeckung umgeschaltet werden, bei einer Flanke oder Hereingabe ist es sinnlos den Raum zu decken. Beim zweiten Gegentor kommt das zum Stellungsfehler von Knauff noch dazu.
  5. Die Rückraumsicherung fällt nach wie vor zu oft aus, wird von den Sechsern verschlafen oder verpasst, weil die Abstände zu groß sind und von den Verteidigern werden die Passwege ebenfalls nicht zugelaufen (siehe zweites Gegentor).

Natürlich ist es kein Beinbruch, das Supercup-Finale gegen Real zu verlieren, aber dass die Spanier nicht mal ihr großes individuelles Können in die Waagschale werfen mussten, weil sie nur die drei ganz krassen Abwehrpatzer der SGE nutzten mussten, um zu zwei Treffern zu kommen ist aus einem Grund ärgerlich und aus einem anderen bedenklich:

Ärgerlich, weil die SGE bis zum zweiten Gegentor ziemlich gut im Spiel und auch gefährlich war, also durchaus nicht chancenlos und bedenklich deswegen, weil solche Supersonderangebote, wie sie die SGE-Defensive macht, eben auch von Spielern wie Plattenhardt und Selke ausgenutzt werden können.

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