SGE – 1. FC Köln 1:1 (0:0)

Auch gegen die Kölner reichte es nicht zu einem Sieg. Analytisch besonders interessant ist die neue Defensivformation mit Viererkette, darauf hier ein besonderes Augenmerk.

Die Aufstellung

SGE: Trapp – Jakic, Tuta, Ndicka, Pellegrini (80. Lenz) – Rode (63. Knauff), Sow – Kolo Muani (80. Alidou), Götze, Lindström (69. Kamada) – Borré (69. Alario)

FC: Schwäbe – Schmidt, Kilian, Hübers, Hector – Skhiri – Ljubicic (56. Maina), Olesen (75. Duda), Kainz (87. Schindler) – Tigges (56. Dietz), Adamyan (56. Thielemann)

Tore: 1:0 Kamada (71. direkter Freistoß; nach gutem Tiefenpass von Alario war Kamada linksaußen gefoult worden), 1:1 Thielmann (82. Direktabhnahme aus 18m, nach Schmitz-Flanke von rechts und zu kurzer Kopfball-Abwehr von Knauff)

Die Statistik

gibt´s wie immer hier und hier.

Die Highlights

Quelle: Youtube

Die Spielanalyse

Dass die neu formierte Offensive noch einige Abstimmungsprobleme beim Spiel in die Spitze hatte, war auch ohne Standbilder und Analytik gut zu sehen, bei der hohen technisch-spielerischen Qualität der Einzelspieler dürfte es aber nur eine Frage der Zeit sein, bis das besser zusammenpasst. Entscheidend für Erfolg und Misserfolg dürfte hingegen die defensive Organisation bleiben, daher diesmal ein Blick auf die neu formierte Viererkette mit Jakic, der die Position des Rechtsverteidigers erstmals spielte, Tuta, Ndicka und Neuzugang Pellegrini.

Hier eine Szene aus der 10. Minute. Die Viererkette arbeitet hier zunächst gut. Beide Außenverteidiger halten die Höhe des hinteren Innenverteidigers (hier Tuta), so steht Tigges hinten dauerhaft im Abseits. Ndicka rückt korrekt heraus, alle Abstände stimmen hier und die letzte Reihe hat auch genug Breite.

Tuta läuft dann sehr zügig zum Doppeln Richtung Zweikampf und auch Ndicka führt den Zweikampf gegen Ademyan nicht optimal, alles in allem arbeitet die Viererkette aber hier richtig, beim Pass auf Tigges steht dieser folgerichtig Abseits.

Diese Szene ist aber nicht unbedingt repräsentativ, denn die SGE-Defensive war auch als Viererkette fehleranfällig. Weiterhin sind beide SGE-Innenverteidiger im Stellungsspiel nicht sicher genug. Einige Beispiele:

In der 17. Minute entsteht nach einem Longline-Pass in den Rücken des zu weit aufgerückten RV Jakic großes Chaos (eintracht.tv ab 18:03), weil beide Innenverteidiger Tuta und Ndicka viel zu schnell und zu weit nach außen Richtung Ballbesitzer Ademyan sprinten und die Zentrale komplett aufgeben. Hier der Moment, in dem Hectors Flanke in der Mitte ankommt:

Beide Innenverteidiger stehen auf der Rechtsverteidigerposition, die Zentrale ist völlig verwaist und obwohl Tuta und Ndicka ja meinten, rechts an der Seitenauslinie die Flanke verhindern zu können/müssen, gelingt ihnen das nicht. Wenn die Hector-Flanke nur etwas genauer gekommen wäre, hätte Ljubicic völlig frei vor Trapp gemütlich das 0:1 erzielen können. Der nächste SGE-Verteidiger steht rund 8 Meter entfernt am kurzen Pfosten (Pellegrini, steht übrigens richtig, da er den tornahen Stürmer decken muss).

Das ist nach wie vor Taktik-Slapstick, Tuta und Ndicka haben nach wie vor in solchen Situationen keine Ruhe und laufen, man muss es so sagen, wie aufgescheuchte Hühner Richtung Ball, verlieren jeden Überblick und nehmen sich selbst freiwillig aus dem Spiel. Natürlich müssen die IV in dieser Situation zunächst innen warten, den Angriff verzögern und Jakic die Möglichkeit geben, wieder in den Zweikampf zu kommen. Im Grunde müssen hier beide IV wegbleiben und Ademyan, der mit dem Rücken zum SGE-Tor angespielt wird, nur verzögern und mit Distanz nach innen verteidigen. In jedem Fall hätte ein IV im Zweikampf gereicht, warum Tuta Ndicka hinterhersprintet statt innen die Flankenverteidigung zu organisieren, ist rätselhaft. Viel Glück hier für die SGE, dass Hectors Flanke in Trapps Armen landet statt bei Ljubicic.

Trainer Glasner wird nicht darum herumkommen, mit Tuta und Ndicka korrektes Stellungsspiel zu üben, da hilft auch die Umstellung auf Viererkette wenig, zumal auch Jakic in mehreren Situationen, ähnlich wie die Schienenspieler Knauff und Kostic in den Spielen zuvor viel zu weit und zu früh aus der Kette sprintet, so auch in dieser Situation, es ließen sich etliche weitere zeigen. Eine Viererkette, deren Mitglieder bezeichnenderweise mit Ausnahme des Neuzugangs Pellegrini praktisch in jeder zweiten Aktion Stellungsfehler begehen, wird letztlich genauso löchrig sein wie eine 3er/5er – Kette.

Weiteres Beispiel aus der 20. Minute:

Ein weiteres wiederkehrendes Problem ist das weite Rausrücken des RV, hier Jakic. Diesmal bleiben Tuta und Ndicka richtigerweise innen und halten mit Pellegrini die Zentrale dicht, also zumindest ein 3 gg. 3 in der Zentrale. Da Jakic sehr weit herausrückt, entsteht hinter ihm, also zwischen Tuta und und ihm aber ein großer Freiraum, in den Hector startet und den Ball von Kainz auch bekommt. Sow muss dann in einem Notsprint die Hereingabe von Hector zur Ecke klären.

In dieser Szene tauchen wieder viel typische Fehler der SGE-Defensive auf (eintracht.tv ab 21:43). Jakic läuft den Zweikampf mit Kainz viel zu schnell an, wird von Kainz mit einer kurzen Täuschung einfach aus dem Spiel genommen. Sow verschläft das Durchsichern, hätte also mit dem Sprint nach außen von Jakic sofort hinter diesem sichern müssen, also Hector sofort zustellen. Weil er das zu spät macht, kann er nur noch zur Ecke klären.

Auch hier also wieder zwei ziemlich krasse Stellungsfehler von Jakic (zu schnelles Anlaufen des Gegners, hätte auf der Innenbahn verzögern müssen) und Sow (Durchsichern verschlafen). Solche Fehler nutzen, das wurde hier mehrfach schon angemerkt, alle Bundesligisten aus. Jakic spielt nun seine zweite Bundesliga-Saison und rennt immer noch zu schnell in die Zweikämpfe, ähnlich wie Tuta. Insgesamt sieben Mal allein in der ersten Halbzeit müssen SGE-Verteidiger zur Ecke klären, es ergibt sich ein Eckenverhältnis von 2:7. Viele Gegner-Ecken (und auch tornahe Freistöße) sind immer Zeichen für viele angefallene Notsituationen bzw. schlecht organisiertes Verteidigen und die 7 Kölner Ecken in HZ 1 dokumentieren die Fehleranfälligkeit der SGE.

Letztes Beispiel aus der ersten Halbzeit und damit ein weiteres häufiges Problem in den defensiven Abläufen: Zu große Abstände zwischen den Mannschaftsteilen:

Hier versuchen Götze, Kolo Muani und Jakic ein Pressing gegen die hintere Reihe des FC und setzen Hector immerhin so unter Druck, dass der nur noch einen Notball Richtung Ljubicic schlagen kann. Das Problem ist, dass die defensive Mittelfeldreihe der SGE, bestehend aus Sow und Rode, knapp 30 Meter entfernt steht und so dieser Hector-Pass unbehelligt durchs Mittelfeld hoppeln kann und bei Ljubicic ankommt.

Die Kölner spielen das dann gut und schnell aus, Adamyan kommt aus spitzem Winkel zum Abschluss (eintracht.tv ab 47:57), Trapp hält, nächste Ecke. Aber selbstverständlich muss die zweite und dritte Reihe an die offensiv pressenden Spieler heranrücken, Abstände sollten dabei niemals größer als ca. 10 m sein, 30 m ist natürlich lächerlich.

In der zweiten Halbzeit noch ein Blick auf die beiden Tore.

Dem 1:0 durch Kamada ging ein starker Umschalt-Pass von Alario voraus.

Hier die entscheidende Situation: Alario hat im Mittelkreis etwas Platz, spielt den Ball schnell und perfekt in den Lauf von Kamada, der dann relativ weit außen ins 1 gg. 1 gegen Schmitz geht, der ihn nur noch foulen kann. Das war aus Sicht von Schmitz kein guter Schachzug, die SGE hatte zwar eine gute Boxbesetzung, aber die Kölner waren mit einem 4 gg. 4 im Sechzehner nicht in Unterzahl (eintracht.tv ab 25:31).

Kamada verwandelt den Freistoß dann direkt (mit etwas Glück, weil abgefälscht) zum 1:0 für die SGE.

Das 1:1 fällt nach einer weiteren, hier auch schon in den vergangenen Spielen dokumentierten Schwachstelle der SGE-Abwehr, der Rückraumsicherung.

Das ist die Flanke von Schmitz und man sieht, dass Knauff (gegen Kainz), Tuta (gegen Dietz) und Jakic mit direkten Gegnern gebunden sind. Alidou und vor allem Götze sollen und wollen wohl den Rückraum sichern, das kann man aber schlecht ohne Gegnerkontakt machen. Die Flanke von Schmitz ist schlecht, weil zu hoch, sodass Götze hier durchaus den berühmten „Schulterblick“ hätte machen können und früh genug Thielmann decken. Wenn Götze hier kurz nach hinten schaut, sich zu Thielmann orientiert, kann das Tor nie fallen. Macht er aber nicht, sondern lässt Thielmann frei stehen. Dieser macht dann das Tor.

Auch diese Rückraumsicherung ist seit langem ein großes Thema bei der SGE.

Das Fazit

Diesmal stand die neu formierte Viererkette im Fokus der Betrachtung. Wenig überraschend machen die Einzelspieler auch in der neuen Formation wieder die gleichen Stellungsfehler, nur Neuzugang Pellegrini war im Stellungsspiel sicher. Alle anderen machen nun ihre Fehler eben in einem neuen System.

Wenn sich an den immer gleichen Zweikampf- und Stellungsfehlern, am fehlenden Durchsichern, den zu großen Abständen zwischen den Mannschaftsteilen und der mangelhaften Rückraumsicherung nichts ändert, wird die SGE auch weiterhin von jedem Bundesligagegner mindestens ein Gegentor pro Spiel kassieren.

Trotzdem scheint der Schritt zur Viererkette richtig, immerhin hatte die letzte Reihe diesmal mehr Breite, konnte so die extrem starke linke Seite der Kölner mit Kainz und Hector und überhaupt das in der vorderen Reihe breit angelegte Kölner Spiel, zwar auf Kosten von insgesamt 9 Ecken der Kölner, aber immerhin meistens einigermaßen verteidigen.

Die Offensivebteilung wird auch noch einige Zeit zum Einspielen brauchen, hier hat Götze aber ein recht gutes Spiel gemacht, seine Tiefenbälle sollten demnächst Abnehmer finden und dass der Kader technisch sehr stark ist, war ebenfalls gut sichtbar.

So bleibt es dabei: Die Offensivabteilung gehört zum Besten, was es in der Bundesliga zu sehen gibt und die Aufgabe für Glasner wird auch mit einer Viererkette darin bestehen, die zu vielen gruppen- und individualtaktischen Fehler zu bearbeiten. Gelingt ihm das, wird die SGE bald sicher Spiele gewinnen können, gelingt es nicht, dürfte sich das Team auch in dieser Saison im Tabellenmittelfeld einreihen. Es bleibt in jedem Fall interessant, das Spektakel zu beobachten.

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