Werder Bremen – SGE 3:4 (2:3)

Nach einer Woche mit vielen Diskussionen gewann die SGE ihr erstes Bundesligaspiel der Saison 22/23. Anhand des Spiels diesmal eine Diskussion einiger grundsätzlicher Thesen zum SGE-Spiel.

Die Aufstellung

SVW: Pavlenka – Pieper, Veljkovic, Friedl – Weiser (77. Burke), Groß (65. Gruev), Jung (65. Buchanan) – Bittencourt (30. Schmid), Stage (66. Schmidt) – Füllkrug, Ducksch

SGE: Trapp – Jakic, Tuta, Ndicka, Pellegrini (65. Lenz) – Sow, Rode (77. Chandler) – Kamda, Götze (86. Alario), Lindström (77. Knauff) – Kolo Muani (Borré)

Die Statistik

gibt es hier, hier und hier.

Die Highlights

Quelle: Youtube

Die Spielanalyse

Diesmal zu einigen interessanten Fragen, die in den sozialen Medien zuletzt heiß diskutiert wurden und die hier anhand des Bremen-Spiels behandelt werden sollen:

1 – Ist die Offensivreihe so stark wie hier seit langem behauptet?

Die Mannschaft produzierte gegen Bremen nicht nur 4 Tore und spielte diese teilweise großartig über Schnellkombinationen heraus, sondern hatte weitere gute Chancen, etwa ein Abseitstor in der ersten Halbzeit (Kamada) nach Positionsspiel über Rode, Sow, Jakic und dessen Tiefenpass auf Kolo Muani (eintracht.tv ab 22:23) und den Safe von Pavlenka in der 27. Minute gegen Lindström (eintracht.tv ab 30:40). Letztere Situation war Folge eines sehr starken Rebounds von Sow im vorderen Bereich und der Speed-Skills von Lindström. Und solche Fähigkeiten (starke Antizipation von Sow, Schnelligkeit, technische Umsetzung von Lindström) sind Fähigkeiten, die sich auf die Dauer auszahlen.

Auch der 2:2-Ausgleich durch Muani muss unter „Stärke des Offensivkaders“ abgelegt werden. Ursächlich für die Situation war zwar ein krasser Fehlpass des Bremers Friedl, aber in diesem Moment steht die Bremer Restverteidigung noch in Überzahl:

Muani muss hier seine ganze Stärke im Dribbling ausspielen. Entscheidend ist, dass Friedl aufgrund der Kontersituation zwar schnell wieder in der Aktion ist, aber von der „falschen“ Seite zum Doppeln anlaufen muss, also gegen die Laufrichtung Kolo Muanis. Dieser löst das dann im Dribbling gegen Friedl und Pieper (der eine bessere Doppelposition hat, aber etwas zu weit weg steht) optimal und schließt mit zwei schnellen Bewegungen ab.

Dieses Tor machen nicht viele Bundesligastürmer, also auch hier wieder: Beleg für die individuelle Klasse des offensiven SGE-Kaders.

Das 2:3 durch Lindström war dann ein Positionsspiel der SGE aus der hinteren Reihe (direkt nach einer Großchance der Bremer übrigens):

Hier der Angriffsvortrag über Tuta, Jakic (dessen Pass auf Sow ist gut gedacht, aber etwas knapp gespielt, sodass da fast ein Bremer drangekommen wäre), Götze und Rode, der dann den „Todespass“ auf Lindström spielt. Alle beteiligten Spieler ab dem Jakic-Pass müssen sehr handlungsschnell und technisch sauber arbeiten, damit das funktionieren kann. Auch hier wieder also ursächlich für das Tor das starke spielerisch-technische Niveau der SGE-Akteure, und erneut der Speed von Lindström. (eintracht.tv ab 42:53)

Das mit Abstand hochwertigste Tor des Spiels war aber das 4:2 nach einem Ballgewinn ganz hinten, wieder spielt Rode den Tiefenpass von der Sechserlinie in die Spitze, diesmal auf Kolo Muani. Kolo Muani hält den Ball kurz und spielt dann Kamada in der Zentrale an.

Hier gut zu sehen, dass Kamada zunächst einen Abschluss/ Pass auf Götze antäuscht und damit vier Bremer auf sich zieht. In seinem Rücken entsteht dadurch ein gewaltiger Freiraum, den Sow erkennt und anläuft.

Kamada dreht sich, spielt den Ball auf Sow, der ihn unhaltbar einschießt.

Diese Szene analysierte Werder-Trainer Werner direkt nach dem Spiel dahingehend, dass seine Spieler (hier ganz besonders Groß) den Raum halten müssten, womit der Raum hinter Kamada gemeint ist. Das ist ein häufiger Fehler: Alle Spieler orientieren sich Richtung Ballführer, es entstehen Freiräume in ihren Rücken. Hier geht durch das ballorientierte Angreifen von Groß jede Raumordnung der Bremer verloren und ein Scheunentor für Sow auf, wie man sehr schön im Bild oben sieht.

2 – Sind Rode und Sow keine richtigen Sechser, sondern eher Achter und ist das ein Problem?

Das Problem entsteht durch die Definition. Hier wie bei der Bezeichnung „10er“ sind die Vorstellungen davon, was ein „8er“, „6er“, etc. sein sollen, was sie können sollen etc. im tatsächlichen Spielgeschehen einem so starken Wandel unterzogen, dass Aussagen wie „der ist kein 6er“ im Grunde kaum sinnvoll anzuwenden sind. Nun soll der Satz, bezogen auf Rode und Sow bedeuten, dass die beiden in ihrer individuellen Spielanlage zu offensiv sind. Doch stimmt das? Für das Bremen-Spiel kann das kaum bestätigt werden. Bei der Entstehung vor dem 1:1, also der Entstehung der Ecke, stehen beide richtig, den Fehler macht hier Ndicka, im weiteren Spielverlauf ist besonders Rode ein dauernder „Staubsauger vor der Abwehr“, defensiv sehr aufmerksam und zweikampfstark. Beispiele wären der Ballgewinn vor dem 0:1, ein klassischer Sechser-Zweikampf in der Konterabsicherung, oder auch diese Szene aus der 16. Minute:

Rode wieder als Sechser vor der Viererkette mit dem sehr weiten Schieben nach links, unterstützt von Pellegrini von hinten und Tuta von vorne, auch Sow ist in Schlagdistanz, vielleicht etwas zu nah an der Situation, aber sonst stimmt hier die defensive Ordnung.

Die Probleme mit den zu großen Abständen zwischen Kette, Mittelfeld und Angriffslinie (vordere Pressinglinie) sind fast immer mannschafts- oder gruppentaktischen Stellungsfehlern geschuldet, praktisch nie dem undisziplinierten, zu offensiv ausgerichteten Verhalten von Rode und Sow (konkrete Gegenbeispiele sind willkommen). Insofern ist die „das sind keine Sechser“- These (die offenbar auch Glasner äußerte), analytisch nicht zu verifizieren, bzw. nicht sehr relevant, weil die Spieler als Sechser gut und richtig spielen (obwohl sie keine „sind“).

3 – Ist die Viererkette zur Absicherung des sehr offensiven Pressings und der vier Offensiven vorne die bessere Lösung?

Insgesamt, so viel lässt sich nach zwei Spielen vorsichtig sagen, scheint die Viererketten-Absicherung mit den beiden Sechsern davor besser zu funktionieren als die Dreierkette, was auch kein großes Wunder ist, da der Defensivblock mit nur zwei Sechsern außen per se viele Freiräume bietet. Diese sind, wie in der Szene oben (aus der 16. Minute) zu sehen, mit echten, herausrückenden Außenverteidigern natürlich einfacher zu schließen, als mit daueroffensiven Schienenspielern wie Kostic und Knauff auf den Außenbahnen. Hier ein Beispiel funktionierenden Kettenspiels aus der 47. Minute:

Die komplette SGE-Defensive anwesend, die Kette komplett, niemand steht näher zum Tor als IV Tuta (es hebt also niemand die Abseitslinie auf), die SGE hat in allen relevanten Räumen mindestens Gleichzahl, Ballführer Stage wird „von hinten“ attackiert, diesen Initialzweikampf übernimmt mit Lindström ein Offensiver, mit Sow und Rode stehen zwei Spieler schon für offensive Anschlussaktionen bereit, sind aber als Sechser auch noch in defensiver Schlagdistanz – die Situation hier ist ziemlich lehrbuchmäßig.

Tuta gewinnt den Ball auf der Halbposition, leitet über Sow und Rode sofort den Gegenangriff ein, der dann übrigens zum 2:4 durch Sow führt.

In der letzten Spielminute passiert dann aber doch noch ein einschlägiger und wirksamer Kettenfehler, wieder liegt der Fehler bei Ndicka:

Beim Pass von Friedl Richtung Ducksch steht Ndicka gut 2 Meter tiefer als die Kettenhöhe Tuta-Lenz. Dadurch steht Ducksch nicht im Abseits und Ndicka muss gegen ihn in den Zweikampf sprinten, wobei er ihn dann versehentlich foult und den Elfmeter zum 3:4 verursacht.

Man könnte zugunsten Ndickas argumentieren, dass er in dieser Szene die Abseitslinie vorgeben muss, also Tuta zu weit vorne steht. Das kommt darauf an, wie Glasner und das Team in solchen Situationen organisiert sind, ob der ballferne oder der ballnahe IV die Höhe vorgibt (beides möglich, beides hat Vor- und Nachteile).

Das ist eine defensive Grundsituation. Bei solchen langen Bällen mit Ansage ist entscheidend, dass die hintere Reihe eine Abseitslinie bildet und die beiden Innenverteidiger nebeneinander frühzeitig nach hinten laufen. Zu Vermeiden ist, dass die IV ihre Räume kreuzen, dass also, wie hier, Ndicka den langen Ball hinter Tuta verteidigen muss. Damit das funktionieren kann, müssen beide IV auf einer Höhe verteidigen und früh genug „Raum nach hinten“ gewinnen. Beides geht hier schief (auch Trapp könnte bei solchen abgekündigten langen Ball öfter einen „Torwartlibero“ spielen, wie etwa M. Neuer das regelmäßig macht). Ein Abwehrfehler (wieder Stellungsprobleme).

Die Entwicklung bleibt abzuwarten, auch gegen Bremen waren Tuta und Ndicka fehleranfällig (wenn auch schon etwas weniger als noch gegen Bayern und Köln) und auch eine Viererkette steht und fällt letztlich mit dem Spielverhalten der beiden Innenverteidiger. Ob Ndicka und Tuta mit der Zeit anhand der etwas übersichtlicheren Anforderungen der Vierer- im Vergleich zur Dreierkette mehr Sicherheit und Zuverlässigkeit in ihr Stellungsspiel bekommen, bleibt abzuwarten. Mit Onguéné und Smolcic stehen jedenfalls zwei weitere Innenverteidiger zur Verfügung, die auf ihren bisherigen Stationen gezeigt haben, dass sie eine Viererketten-IV gut bilden können.

4 – Hat die SGE keinen richtigen Spielmacher?

Hier wie bei der Diskussion um die „Achter“ stellt sich die Frage, was man sich unter einem Spielmacher vorstellt. Denkt man dabei an die große Zeit der echten „10er“, also an die Zeit bis zur flächendeckenden Einführung der pressenden Abwehrketten, die das Spiel über einen überragenden zentralen Mittelfeldspieler verunmöglichte, denkt man also an SGE-Spielmacher wie Detari oder Bein, dann muss man dem sicher zustimmen, allerdings gibt es diese Sorte echter Spielmacher heute grundsätzlich kaum mehr, da das Spielmacherspiel zu viele Angriffspunkte für pressenden Defensivketten gibt. Wenn man unter einem modernen Spielmacher hingegen einen Spieler versteht, der sich in jeder eigenen Ballbesitzsituation auf dem gesamten Platz mit Ideen und zu schaffenden Anspielmöglichkeiten anbietet und diese auch Um- und Fortsetzen kann, dann lassen sich mit Mario Götze und im Grunde auch Kamada sogar zwei dieser Spielertypen im SGE-Kader finden. Wie stark Götze in vielen Situation ist, zeigt sehr schön die Anfangsphase des Werder Spiels. Götze ist wirklich überall dabei, holt im Zusammenspiel mit Lindström die erste SGE-Ecke heraus:

Hier eine Szene aus der ersten Minute. Nach Ballgewinn Lindström rechts übernimmt Götze sofort Initiative, fordert den Ball in die Spitze, bekommt ihn von Lindström auch, holt dann gegen Pieper die erste Ecke heraus.

Aus dieser Ecke (eintracht.tv ab 6:02) entsteht ein Werder-Konter, den Rode links in der Restverteidigung abfängt:

Das ist der Moment, in dem Rode den Ball gegen Weiser gewinnt. Man sieht, dass der Konter der Bremer überhaupt nicht vorbereitet ist, in keiner relevanten Spielzone haben die Bremer Überzahl, stattdessen rennt Weiser ziemlich chancenlos in den Zweikampf mit Rode. Götze, der bei der Ecke zur Restverteidigung eingeteilt war, macht den Weg bis ganz hinten und sichert die Zentrale.

Rode gewinnt hier den Ball und spielt ihn sofort auf Kolo Muani longline in die Spitze, der im Zweikampf mit Veljkovic den Ball behaupten kann. Allerdings hält Veljkovic die Innenbahn, Kolo Muani ist darauf angewiesen, eine Anspielmöglichkeit im Rückraum zu finden und Götze hat nach seinem 40-Meter-Sprint nach hinten direkt den Weg wieder nach vorne gemacht:

Entscheidend für das Tor, ist die Positionierung von Götze im Rückraum, mit genug Abstand zum nächsten Bremer und dann auch seine Entscheidung, den Freiraum direkt zum Abschluss zu nutzen.

Dieses Tor geht zu großen Teilen auf die Kappe von Götze und „das Spiel machen“ heißt im Fußball eben im Grunde immer „es gefährlich machen“. Alle Eigenschaften modernen Spielmacher-Spiels zeigen sich in diesen ersten Minuten bei Götze: Große Initiative bei praktisch allen Angriffseinleitungen, Verständnis für Räume samt Antizipation der zugehörigen Laufwege, technische Präzision.

Insgesamt hat Götze bei drei von vier Toren seine Füße im Spiel und beim vierten steht er als Anspielstation bereit, viel mehr Spielmacher geht nicht.

5 – Und die in jedem SGE-Spiel brennende Frage: Wo lagen die Fehler bei den Gegentoren?

Das erste Tor entsteht nach einer Ecke. Diese ist nach einem von den Bremern gut überspielten SGE-Pressing entstanden. Dabei ergab sich wieder eine Fehlerkette:

Zwischen Ndicka hinten und Rode/Sow im Mittelfeld öffnet sich ein viel zu großer Raum, in dem Bittencourt völlig frei steht, in Ruhe den Ball von Pieper annehmen und den Angriff diagonal anschließen kann.

Solche zu großen Räume dürfen nicht entstehen, auch nicht bei riskantem Pressing. Der Fehler liegt hier ziemlich sicher bei Ndicka (den genauen Ablaufplan Glasners kennen wir natürlich nicht), denn er kann hier ohne Probleme aus der Kette herausrücken, innen sind beide Bremer Angreifer gedeckt. Erneut also ein unnötiger Stellungsfehler von Ndicka hier. Aber auch Jakic rennt nach dem Bittencourt-Pass auf Ducksch viel zu schnell in den Zweikampf und öffnet Ducksch damit den Weg zum Tor (ein struktureller individualtaktischer Fehler von Jakic, den wir aber bereits vergangene Woche gesehen haben). Lindström und Sow können den Ball zwar zur Ecke klären, aber das war schon wieder eine ziemliche Notaktion. Beim Verteidigen der Ecke selbst passieren auch wieder einige Abstimmungsfehler und Ndicka produziert einen Querschläger, den Jung per Direktabnahme ins kurze Eck nagelt – gut sah die SGE da auch nicht aus, aber das war eine unübersichtliche Szene, schwer zu verteidigen. Vielleicht hätten einige Spieler früher und schneller herausrücken müssen, nachdem der erste Eck-Flankenball verteidigt war, aber das ist wie gesagt schwer sauber zu verteidigen. Viel gravierender ist der Stellungsfehler von Ndicka in der Entstehung, da hätte nämlich schon der Eckball gut verhindert werden können.

Auch bei der Entstehung des zweiten Tores macht Ndicka den entscheidenden Fehler mit einem ziemlich unnötigen Foul. Wie bereits in den vergangenen Analysen angedeutet, ist ein Zeichen für defensive (individuelle) Unsicherheit der Protagonisten die Schwemme an Ecken und tornahen Freistößen. Die Situation vor dem 2:1 der Bremer ist ein Paradebeispiel:

Die Situation, die zum Freistoß führte: Die SGE-Defensive steht gut organisiert. Beim Pass von Weiser auf Bittencourt ist nur eine Anspielmöglichkeit frei, Stage in der Mitte im 1 gg. 2 gegen Jakic und Tuta (die hier bereits etwas weiter herausgerückt sein sollten um auch auf Stage den Passwinkel zu verkleinern, bzw. näher am eventuellen Zweikampf zu sein). Bittencourt hat kaum eine sinnvolle Möglichkeit der Spielfortsetzung.

Dennoch wird er von Ndicka hart von hinten attackiert und gefoult. Warum? Entweder Ndicka vertraut seinen Mit-Abwehrkollegen so wenig, dass er lieber einen tornahen, flankenfähigen Freistoß provoziert, als Tuta und Jakic in eine Situation gegen Stage zu schicken, oder er erkennt hier schlicht die Situation nicht richtig, hält sie für gefährlicher als sie ist. Dritte Möglichkeit wäre schlechtes individualtaktisches Verhalten in dem Zweikampf. Er hätte, um den einzigen möglichen gefährlichen Pass in die Mitte zu verhindern gar nicht so in Bittencourt reinrauschen müssen. Egal, was zutrifft, alle drei Erklärungsansätze sprechen nicht für Ndicka.

Beim folgenden Freistoß schläft dann Tuta als Gegenspieler von Bittencourt den Schlaf der Gerechten und auch Trapp scheint in der Situation noch nicht mit der Ausführung des Freistoßes gerechnet zu haben, hier wird die SGE-Abwehr von einem schnell ausgeführten Freistoß ziemlich überrumpelt und die verletzungsbedingte Auswechslung von Bittencourt in der 30. Minute war für die SGE-Defensive, die mit dem Spieler große Probleme hatte, ein Glücksfall.

(Das dritte Gegentor siehe weiter oben)

Das Fazit

Zunächst ist festzuhalten, dass analytische Betrachtungsweisen sich lohnen, denn sie schützen vor vorschnellen Falscheinschätzungen und Alarmismus einerseits, können andererseits auch frühzeitig auf gravierende Fehlentwicklungen hinweisen, können Entwicklungen exakt nachzeichnen und in allerdings sehr geringem Maße auch wahrscheinliche künftige Entwicklungen antizipieren.

Bezogen auf die aktuelle Situation der SGE bedeutet das, weiterhin die Kette in der letzten Reihe im Auge zu behalten, es bleibt dabei: Die defensive Stabilität (insbesondere Verringerung der Stellungs- und Kettenfehler) wird über Erfolg und Misserfolg der SGE entscheiden. Personell wäre ein Wechsel Ndicka-Smolcic in einem der nächsten Spiele kaum überraschend, da Ndicka momentan in vielen Situationen derjenige Spieler ist, der Fehler produziert.

Die Offensive bleibt stark, das von Glasner und dem Team organisierte Pressing funktioniert nach wie vor gut (gegen Bremen wieder besser als gegen Köln), auch das von Glasner wieder stärker betonte und noch besser organisierte Positionsspiel funktioniert zunehmend besser, ebenfalls die große Stärke der Offensivabteilung, die Schnellkombinationen mit Tiefe sind eine kaum auszuschaltende Waffe.

Personell bringt vor allem Kolo Muani mit seiner Stärke im offensiven Zweikampf (sowohl Bälle sichern, als auch Offensivzweikampf/ Dribbling) ein wichtiges Element ein, das zuvor gefehlt hat.

Dass die Fixierung auf Kostic und sein Flanken/Abschluss – Spiel das SGE-Spiel auch sehr stark festgelegt und hinsichtlich anderer Lösungsmöglichkeiten limitiert hat, ist eine durchaus interessante These. Das Bremen-Spiel deutete an, dass die SGE durch die neue Flexibilität tatsächlich schwieriger auszurechnen ist.

Letztes: Auf twitter und anderen medialen Kanälen wie dem eintracht-Forum entstehen gelegentlich interessante Diskussionen (empfohlen seien gern und erneut die Beiträge etwa von Nik Staiger oder „Balljungs“, aber auch die oft sehr kundigen Beiträge einiger interessierter User), auf einige davon wurde oben eingegangen.

Daneben wird aber leider auch allerlei Unsinn verzapft, leider oft befeuert von zu wenig kundigen und unbelegten Beiträgen einiger Frankfurter Sportjournalisten. So kamen auch wieder einige Thesen auf, die hier und andernorts eigentlich als hinlänglich besprochen gelten können, inklusive der nun wirklich einigermaßen bizarren Meinung, der bald 40jährige Makoto Hasebe könne der hinteren Reihe der SGE irgendwie besondere Sicherheit verleihen. Statt irgendeines Beleges präsentierten die einschlägigen Figuren aus dem Frankfurter Sportjournalismus zur Untermauerung ihrer These den hübschen Satz: „Wenn man sucht, kann man jedem Spieler Stellungsfehler ankreiden“, was, nun ja, ziemlich exakt die Aufgabe und Funktion von Spielanalysen beschreibt. Ein anderer meinte, es sei eine gelungene Kritik an „kleinteiligen, mühevollen Analysen“, dass sich die Analytiker dabei „auf gewisse Thesen versteifen“, die sich aber „nicht immer mit den Beobachtungen der Trainer“ deckten. Zunächst ist es weder die Aufgabe von Spielanalysen, noch überhaupt von Journalismus, Thesen aufzustellen, die sich möglichst mit den Ansichten der jeweiligen Trainer decken, stattdessen aber sehr wohl, aufgestellte Thesen zu belegen. Darüber hinaus (man muss wirklich alles erklären) werden bei genauem Hinsehen bei fast allen Mannschaften strukturelle Fehler sichtbar, die sich, das bedeutet „strukturell“ in diesem Zusammenhang, natürlich wiederholen, sonst wären sie nicht strukturell. Bei einer Fußballanalyse über einen längeren Zeitraum werden sich dementsprechend immer bestimmte Fehler so lange wiederholen, bis sie trainings- oder transfermarktseitig behoben werden (an beidem arbeiten die Verantwortlichen der SGE unübersehbar seit geraumer Zeit). Noch einmal: Solche strukturellen Fehler zu ermitteln, ist Aufgabe von Analyse. Das Ergebnis, nämlich die Fixierung sich wiederholender falscher Verhaltensweisen als „Versteifen auf gewisse Thesen“ misszuverstehen – das muss man auch erstmal hinkriegen.

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