VfB Stuttgart – SGE 1:3 (0:1)

Mit drei Standard-Toren gewinnt die SGE verdient in Stuttgart. Das Spiel wirkte souverän geführt. Ein Blick auf die Highlights und die Schlüssel zum erfolgreichen Spiel.

Die Aufstellung

SGE: Trapp – Ndicka (83. Smolcic), Hasebe, Tuta – Knauff, Rode (67. Ebimbe), Sow, Jakic – Götze (75. Chandler), Kamada, Kolo Muani (68. Borré) — Trainer: Glasner

VfB: Müller – Ito, Anton (86. Kastanaras), Mavropanos – Sosa, Karazor (59. Egloff), Führich (65. Tiago Tomas) – Silas, Ahamada (65. Ahamada), Endo – Guirassy — Trainer: Matarazzo

Die Statistik

gibt es hier, hier und hier

Die Highlights

Quelle: Youtube

Die Spielanalyse

Anders als zuletzt der VfL Wolfsburg versuchten es die Stuttgarter mit aggressivem Anlaufen, auch schon in der vorderen Reihe, mit auf den Seiten geschaffenen Überzahlsituationen, in die die Bälle dann gespielt wurden und mannorientiertem Spiel im 6er-Bereich und oft auch in der letzten Reihe.

Dieses Konzept ist für die SGE aufgrund ihrer technischen (Pass-)stärke praktisch auf dem ganzen Platz besser zu bespielen als die totale Raumverengung in den Defensivreihen wie es zuletzt der VfL Wolfsburg betrieben hat.

Die Entstehung des Kamada-Freistoßes, der zum 0:1 führte, war eine Blaupause für diese Erkenntnis.

Das VfB-Pressing ist hier nicht auf Ballgewinn vorne angelegt, Ahamada presst hier nicht auf Ballgewinn, sondern soll die SGE zwingen, den Ball nach außen zu spielen. Die SGE hat hier beim Rasenschach aber gute Karten. Es öffnen sich zwei Passwege. Der eine, auf Jakic, ist der vom VfB gewünschte, dort hätte man Zugriff. Allerdings hat Kamada dort für einen Anschluss gesorgt. Der andere Passweg, in die Zentrale auf Kolo Muani, entsteht, weil der VfB diesen offenlässt. Das ist sicher so nicht geplant. Endo deckt hier keinen relevanten Raum und auch Ahamadas Anlaufen genügt nicht, um den Innenbahn-Pass zu verhindern.

Dennoch ist das ein riskanter, technisch anspruchsvoller Pass und dass Tuta den spielen kann und spielt, ist schlicht Passqualität, Übersicht und Selbstvertrauen des Spielers, also technisch-individuelle Stärke. Mit diesem Pass ist die VfB-Pressing-Linie überspielt und im Grunde schon eine Notsituation für die Stuttgarter hergestellt. Die SGE versucht die Situation sofort mit Tempo auszuspielen. Sow rückt nach, bekommt den Klatsch-Pass von Kolo Muani, spielt dann aber einen sehr ungenauen Chip- bzw. Halbflugball Richtung Kolo Muani, der bei Anton landet.

Obwohl der Ball schlecht gespielt ist und bei Anton landet, stehen hier die Chancen der SGE auf einen Gegenpressing-Rebound ausgesprochen gut. Der Ball müsste schon genau bei Endo landen, damit der VfB wieder in kontrollierten Ballbesitz kommen könnte, aber selbst einen solchen halbhohen Ball könnte Rode sofort attackieren, auf alle anderen Anschlussspieler der Stuttgarter hat die Eintracht direkten Zugriff. Der Ball landet in den Füßen von Kamada.

Das ist eine Stärke der SGE unter Glasner: sehr konzentriertes und gut organisiertes Gegenpressing. Das sieht man häufig und hier ist es voll wirksam. Kamada erkennt die Situation, geht sofort ins Dribbling, um das Spieltempo hoch zu halten und muss vom VfB aggressiv bearbeitet werden:

Recht gut im Standbild zu sehen: Kamada kommt im Dribbling an Anton vorbei, Mavropanos bewegt sich zum Ball, Götze bewegt sich in den freien Raum hinter ihm und Kamada hätte den Ball nur noch zu Götze bringen müssen, damit der frei vor dem Tor steht (im Bewegtbild noch besser zu sehen, eintracht.tv ab 9:52). Antons Foul ist eine Notaktion zur Verhinderung einer klaren SGE-Torchance. Die 3er-Verteidigung des VfB wird hier auch zu spät von Führich ergänzt.

Das hätte gut und gerne auch spielerisch das 0:1 sein können, insofern ist das Tor zwar nach einer Standardsituation gefallen, es wäre aber andernfalls auch ziemlich sicher ein herausgespieltes geworden.

Bei dem Angriff sieht man einige Elemente des SGE-Offensivspiels, die immer wieder zum Tragen kommen und auch live gut beobachtbar sind: Das starke, gut organisierte Gegenpressing, die schnellen gruppentaktischen und individuellen Anschlüsse (gruppentaktisch die Kombination Tuta-Kolo Muani- Sow, individuelle Klasse das Erkennen der Situation und das erfolgreiche Dribbling von Kamada) und das starke Laufspiel in der / in die Spitze von Götze (auch Borré, Lindström und Alario sind Experten in diesem Bereich, der Kader ist hier also sehr gezielt zusammengestellt). Das ist analytischer Anschauungsunterricht zum Thema offensive Manöver, die fast immer ein Zusammenspiel von eingeschliffenen gruppentaktischen Elementen und individueller Klasse sind.

Dass der abgewehrte Freistoß dann Rode auf den Kopf fällt, ist zwar etwas glücklich, aber auch das macht Rode stark und mit Übersicht.

Mit der Führung öffnet sich das Spiel natürlich noch mehr zugunsten der SGE, nun sind die Stuttgarter früh auf eigene offensive Ball-Initiative angewiesen. Nach Rückstand erhöht sich fast immer statistisch der Ballbesitzanteil der zurückliegenden Mannschaft, so auch in diesem Spiel, in dem die Stuttgarter in der ersten Halbzeit 58 Prozent Ballbesitz erzielten, auch das, also die Möglichkeit, auf Konter, Tempogegenstöße, Schnellkombinationen mit etwas Raum setzen zu können, kommt den Stärken und dem Entwicklungsstand der SGE entgegen.

Ein Blick auf die Spielanlage des VfB und die Arbeit der SGE dagegen:

Der VfB versuchte es häufig mit „Überladen“ der Seiten und sehr breiter Grundformation. Gut zu sehen, dass auf beiden Seiten die offensiven Außen an den Auslinien stehen, außerdem die Seiten schon in der Grundformation doppelt besetzt sind. Mit dem Initialpass nach rechts hier, starten zwei weitere Spieler in den Halbraum. Einer in die Spitze, der andere als Querpass-Anspielstation. Die SGE bearbeitete das mit der breiten Fünferkette und, wie hier gut zu sehen, mit zwei weiteren „nach hinten verteidigenden Spielern aus der „Pressingabteilung“.

Gegen einen solch breit aufbauenden Gegner ist naturgemäß viel Laufarbeit nötig, die SGE legt in dem Spiel 5 km mehr zurück als der Gegner, das ist relativ viel. Das Ziel des VfB-Spiels, offensiv außen Überzahl herzustellen, um dann mit schnellem Passspiel in die tiefen, torgefährlichen Räume zu kommen, gelang nur selten, die SGE konnte das mit der breiten Kette und den offensiven Helfern fast immer verhindern.

Allerdings ist das Aufbauspiel der Stuttgarter durchaus variabel, man reagiert auf die jeweiligen Gegebenheiten, also wie hoch, wie intensiv und mit wie vielen Spielern der Gegner anpresst, mal mit Zweier-Aufbau wie in dem Bild oben, mal mit Dreier-Aufbau, auch mit abkippendem Sechser (also einem Sechser, der sich im Aufbau nach hinten in die letzte Reihe fallen lässt, um den Initialpass zu spielen). Eine detailliertere Betrachtung würde hier aber den Rahmen sprengen und das konnte von der SGE auch meist entsprechend gut bearbeitet werden.

Noch ein Blick auf ein Spezifikum des SGE-Offensivspiels bzw. der SGE-Spielanlage: Die Ausrichtung auf den Tiefenpass. Das Glasner-Spiel in der Offensive ist ganz grob auf zwei Elemente zurückzuführen: Zum einen auf Ballzirkulation im Mittelfeld mit wenigen Kontakten, aber Überzahl im ballnahen Mittelfeldbereich und zum zweiten dem aus diesen Ballsicherungsphasen präzisen und schnellen Spiel in die Spitze auf Offensivspieler, die die freien Räume anlaufen.

Eine idealtypische Situation war gegen den VfB diese in der 32. Minute:

Das ist ein Aufbau-Positionsspiel der SGE. Der Ball zuvor kam von Trapp auf Jakic, der spielte zu Kamada. Hier sehen wir die folgende Passkombination Kamada-Götze-Rode. Kolo Muani sieht, dass hinter den beiden VfB-Verteidigern ein Raum für einen Tiefenlauf aufgehen könnte und orientiert sich in die Richtung. Entscheidend: Mit dem Pass auf Rode orientiert sich Ahamada nach innen, macht die Außenbahn auf. Rode erkennt das sofort, schickt Jakic mit einem Pass in den Lauf in die Offensivbewegung.

Und so:

Ahamada, man sieht es, hat die Außenbahn freigegeben, der Offensivpass von Rode auf Jakic öffnet die Situation, der Passweg in die Spitze ist nun offen. Kolo Muani gibt mit seinem Sprint in den offenen Raum das Signal für Jakic, der den Ball sofort longline spielt, womit die hintere Reihe des VfB ausgespielt ist. Allerdings steht Mavropanos hier viel zu tief, nicht mit den anderen Verteidigern auf Höhe und öffnet so erst den Freiraum für Kolo Muani.

Muani spielt den Ball dann quer, Führich kann am langen Pfosten gerade noch so vor Knauff klären (eintracht.tv ab 37:41). In dieser Szene wird ein weiteres wichtiges Element des Offensivspiels sichtbar: die Spontanität. Neben den geplanten Abläufen und der individuell-technischen Klasse der Einzelspieler ist das Element Spontanität hier wichtig. Rode, Jakic und Kolo Muani entscheiden hier schnell und spontan, wie der Angriff zu spielen ist. Ideengeber hier ist wieder Rode, der nach dem kurzen Einrücken von Ahamada spontan entscheidet, den Angriff auf der eigentlich engen rechten Seite weiterzuführen. Jakic und Kolo Muani reagieren sofort mit adäquaten Anschlüssen und so spielt die SGE hier einen tollen Positionsangriff von Torwart Trapp bis zum letzten Pass auf Knauff in 7 Zügen (Pässen) ohne dass ein VfB-Spieler den Ball berührt hätte. Das sind Spielzüge, die man regelmäßig im Normalfall nur von Spitzenmannschaften in der Bundesliga sieht.

Noch ein Blick auf die drei Tore der 2. Halbzeit.

Das zweite Tor der SGE entsteht nach einem Angriffspressing. Rode zwingt VfB-Torwart Müller zu einem weiten Schlag ins Mittelfeld. Den Ball köpft Jakic nach vorne Richtung Kamada, der weiter auf Kolo Muani. Dessen 1 gg. 1 – Versuch wird abgewehrt, Knauff holt den Rebound im Gegenpressing und wird dann von Mavropanos umgesenst. Der Kamada-Freistoß landet dann abgefälscht im Tor.

Ursächlich war also ein Angriffspressing und ein Gegenpressing/Rebound. Diese Szenen wurden hier anhand der letzten Spiele schon mehrfach gezeigt, daher hier nur der Hinweis auf die Entstehung. Interessant, dass die erste Initiative zu dem Manöver wieder von Rode kam, der erkannte, dass der schwach gespielte Rückpass auf Müller ein gutes Pressing-Signal war.

Das Tor des VfB ist aus SGE-Sicht etwas unglücklich entstanden und nur schwer zu verhindern. Im Standbild ist das sehr schwer zu zeigen, aber die Situation ist analytisch interessant, sie zeigt nämlich, dass erstens die Abläufe in der hinteren Reihe komplex sind und dass da bei der SGE, zumindest in dieser Situation wieder einiges durcheinandergeht. Das ist aber nicht unbedingt ursächlich für das Tor. Wer das im Detail nachvollziehen will, muss sich das im Bewegtbild (eintracht.tv ab 37:09 oder in den Highlights) anschauen: Den ersten Zugriffspunkt auf Anton hat Borré, der aber den Zweikampf ohne Not abbricht, womit er das Anton-Dribbling auf die stehende SGE-Defensive zulässt und Sow zwingt, früh aus dem Verband zu laufen. Das ist ziemlich lustloses und schwache Defensivverhalten von Borré in dieser Situation. Daraus entwickelt sich diese Situation:

Die hintere Reihe der SGE ist hier nicht ganz auf einer Höhe, das ist aber nicht unbedingt entscheidend, weil Chandler rechtzeitig außen ansprintet und gegen Silas zuerst am Ball ist. Sein Abwehrversuch landet aber als Querschläger auf der anderen Seite wieder beim VfB.

Im Bewegtbild sieht man allerdings, dass in der letzten Reihe hier Konfusion herrscht: Zum einen muss Ndicka hier gar nicht so weit herausrücken. Steht er etwas tiefer, erreicht er vielleicht den Pass von Anton. Zum zweiten will hier zunächst Hasebe auf abseits spielen bzw. spekuliert auf einen diagonalen Pass, der dann aber nicht kommt (weshalb er hier auch noch etwas vor dem Rest der Kette steht), Jakic und Tuta rücken aber nicht mit heraus. Erst als Hasebe schon den Rückweg antritt, rückt plötzlich Tuta, offenbar irritiert von Hasebes Herausrücken, auch heraus. Jakic und Chandler hingegen bleiben durchgehend tief stehen und machen überhaupt keine Anstalten, hier herauszurücken, um auf Höhe mit dem hinteren IV zu kommen. Chandler steht durchgehend etwas zu weit außen, erreicht dann den Ball von Anton aber als erster. Wie gesagt, das ist hier nicht ursächlich, eher kleinere Abstimmungsprobleme, aber sauberes Kettenspiel sieht anders aus. Den zweiten und besten Zugriffspunkt hat Chandler und „gewinnt“ den Ball hier ja auch, aber sein Querschläger in dieser Situation ist vollkommen unkontrolliert, landet links bei Sosa, der ihn dann technisch stark in die Mitte auf den im Sechzehner völlig freien Tiago Tomas bringt. Der Querschläger von Chandler ist ziemlich lange in der Luft, die SGE mit Hasebe und Ndicka in der Zentrale gut besetzt, Tuta verschläft hier etwas, Tiago Tomas zu decken, aber das ist in den Sekundenbruchteilen auch schwierig. Letztlich ergibt sich diese gruppentaktische etwas knifflige Situation:

Die hintere Reihe der SGE steht tief im eigenen Sechzehner, Ebimbe übernimmt den Zweikampf gegen Tiago Tomas, Sow deckt Egloff. Tiago Tomas dribbelt dann im Bogen um Sow/Egloff herum und schließt frei aufs Tor ab. Der Ball wird abgefälscht und so für Trapp unhaltbar.

Das ist eine gruppentaktische, defensive Grundsituation (kann im Training gut geübt werden) und es gibt zwei Möglichkeiten, sie zu lösen. Entweder bleibt Ebimbe im 1 gg. 1 und verhindert das Aufdrehen von Tomas, oder Ebimbe übergibt an Sow, was er in der Situation auch tut. Welches Verhalten hier das richtige/bessere ist, darüber streiten sich etwas die Geister, Ebimbe hätte hier mit etwas Verzögern und Abstandhalten den seitlichen Zweikampf gegen Tomas ziemlich sicher alleine besser führen können. Auch die hintere Kette hätte früher und schneller herausrücken müssen, Ndicka merkt es dann, aber zu spät.

In der Szene gibt es einige Abstimmungsprobleme, aber das sind keine krassen Kettenfehler, sondern eher Details und Tiago Tomas macht das auch sehr stark.

Noch kurz zum dritten und entscheidenden Tor für die SGE. Die Ecke entsteht nach einem cleveren weiten Einwurf von Chandler auf den ansprintenden Knauff, der dann im Dribbling die Ecke herausholt. Man möge sich das gerne nochmal im Bewegtbild anschauen (oben in den Highlights). Analytisch ist das nicht sehr relevant, obwohl es von den beiden Spielern toll gemacht ist und im Training solche Manöver beim Einwurf durchaus auch geübt werden können. Auch die folgende Ecke und das Tor von Jakic ist gut gemacht, aber der Ball fällt ihm mehr oder minder perfekt auf den Kopf.

Noch zwei Beobachtungen:

Erstens: Auch der VfB (wie bereits Marseille) spielte so häufig über die rechte SGE-Defensivseite, dass es naheliegt, dass auch das Matarazzo-Team Jakic/Tuta als defensive Schwachpunkte ausgemacht hat, bzw. bemerkte, dass dort am ehesten Räume entstehen. (Übrigens ist das Spiel des VfB in den drei vorangegangenen Spielen tendenziell eher rechtslastig gewesen, wie man bei Sofascore nachsehen kann.)

Zweitens: Nach der Einwechslung von Smolcic bestritt der Spieler drei Zweikämpfe und gewann sie in teilweise beeindruckender Art und Weise. Vor allem sein Laufzweikampf gegen Guirassy in der 92. Minute war individualtakisch perfekt geführt, immer auf der Innenbahn, ohne verfrühtes Stürzen auf den Ball und mit enormer Antritts- und Endgeschwindigkeit. (eintracht.tv ab 50:00)

Fazit

Das Ergebnis zugunsten der SGE ist verdienter als es aussieht („nur“ drei Standardtore). Dem ersten Freistoß geht eine Situation voraus, die ohne Freistoß wahrscheinlich gefährlicher geworden wäre, als ein Freistoß am Sechzehner, vor dem dritten SGE-Tor musste der VfB ebenfalls zur Ecke klären, weil Knauff allein auf Müller zugedribbelt ist.

Auch sonst war die SGE deutlich sichtbar die technisch bessere Mannschaft, mit der 5er-Kette hinten fast immer gut organisiert. Es wurde fast durchgehend im Mittelfeld gepresst, eigene Ballbesitzphasen sind inzwischen sehr sicher. Dem VfB ergaben sich nur sehr wenige Möglichkeiten, die SGE ließ im ganzen Spiel genau 2 Schüsse aufs Tor zu.

Das Spiel der SGE ist daher ungefähr das Gegenteil einer „Wundertüte“ (ein Journalist fragte Glasner auf einer PK zuletzt allen Ernstes, ob seine eigene Mannschaft für ihn auch eine solche wäre – da kann man wirklich nur noch staunen), sondern reihte sich in die Entwicklung der Mannschaft seit Saisonbeginn und darüber hinaus ein. Insbesondere die Reduzierung der Fehlerquote in der letzten Reihe kommt seit einigen Monaten voran, unübersehbar auch diesmal. Ob das nachhaltig ist, wird zu beobachten sein. Glasner ist, ähnlich wie in der vergangenen Saison, von seiner aggressiven, sehr häufig mit Angriffspressing arbeitenden Spielidee etwas abgerückt, mit der Fünferkette, die inzwischen sehr konzentriert gestellt wird, geht naturgemäß die Möglichkeit, vorne dauerhaft anpressen zu können, etwas verloren, weil ein Spieler weniger vorne dafür zur Verfügung steht. Die Vorteile des defensiveren, mehr auf Mittelfeldpressing setzenden Konzepts mit Fünferkette sind aber durchaus sichtbar: Zum einen sind die Wege hinten kürzer, es kann besser in der Breite verteidigt werden (wodurch individuelle und auch Ketten-Fehler nicht so ins Gewicht fallen), die etwas tieferen Ballgewinne geben den Offensiven der SGE etwas mehr Räume nach vorne. Sollte aber die Fehlerquote in den Abläufen hinten so niedrig bleiben wie bisher (wie auch schon in den Spielen mit Viererkette), spricht wenig dagegen, zu dem aggressiveren, offensiveren Spiel mit Viererkette zurückzukehren, sobald das Außenverteidiger-Personal wieder einsatzfähig ist.

Je variabler die verschiedenen Konzepte eingesetzt werden können, desto besser. Gegen Mannschaften, die viel auf Aufbau setzen und gut vorne angepresst werden können, wie Leipzig, ist das aggressivere Pressing, das die Viererkette ermöglicht, sicher das richtige Konzept, ebenso im Grunde im Spiel gegen Sporting. In anderen Spielen ist das Mittelfeldpressing und das breite Verteidigen vielleicht die bessere Lösung, wie etwa gegen den sehr stark auf Flügelspiel setzenden VfB.

Die defensiven Abläufe sind davon aber kaum betroffen, diese verändern sich im Grundsatz kaum und mit einer einzigen Personalie hat das rein gar nichts zu tun.

Dazu, wie angekündigt, mehr in einem Ketten-Special demnächst in der Länderspiel-Pause. (In dem auch ein Blick auf das Kettenspiel der SGE-Frauen im BL-Spiel gegen Bayern geworfen wird)

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2 Kommentare

  1. Was mir gefällt, ist die Verknüpfung von Spielanalyse und Pressekritik. Der Boulevardstil ist ja gerade im Fußballjournalismus anscheinend alternativlos, das geht schon bei den „Einzelkritiken“ los, die am Sinn des Mannschaftssports vorbeigehen. Dazu hat Paolo Sollier in „Calci e sputi e colpi di testa“ (deutsch etwas albern betitelt: „Ein Porträt des Fußballspielers als junger Mann“) bereits 1976 alles gesagt: „Diese Journalisten sind außerdem furchtbar eingebildet: es sind unsere Ergebnisse, die uns in die erste Liga gebracht haben, und ganz sicher nicht ihre beruflichen Fähigkeiten. Aber jetzt spielen sie sich scharfsichtige Kritiker auf…(…) Alles in allem denke ich, es ist weniger schlimm, den Ball nicht unter Kontrolle bringen zu können, als nicht schreiben zu können oder bloß idiotisches Zeug. Ich kann immer kämpfen, laufen, einen Rückpaß vorausahnen oder – was soll’s – als Jornalist anfangen. Aber sie?“ (S.143)

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    1. Ja, so ist es auch ein bisschen gedacht. Ich finde, Sportjournalismus und ganz besonders Fußballjournalismus hat im Grunde mit echtem Journalismus fast nichts (mehr) zu tun (Ausnahmen bestätigen die Regel) , vor allem nicht derjenige zB der Frankfurter Rundschau, aber ähnlich auch Hessenschau, Wiesbadener Kurier und was es da noch so an kuriosen Kurieren in der Umgebung gibt (und die alle mehr oder minder das gleiche schreiben), weil das, was da geschrieben wird, oft fast nichts mehr mit dem tatsächlichen Geschehen auf dem Spielfeld zu tun hat und stattdessen kitschige Narrative bedient werden (aktuell wieder mal der alte Mann, der alle besser macht und einfach amazing ist), weil man sich so all das erklären kann, wovon man nichts versteht. Das ist auch hinsichtlich professioneller Textproduktion wirklich das niedrigst denkbare Niveau und damit werden aber Zehntausende schlecht, falsch und irreführend informiert. Das soll zumindest am Rande auch weiterhin hier gelegentlich Thema bleiben. Das Buch, das du erwähnst, klingt interessant, vielleicht schau ich da mal rein. Danke.

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