Spezial: Kettenverteidigung

Nach wie vor heiß diskutiert wird die defensive Ausrichtung der SGE. Inzwischen dürfte klargeworden sein, dass eine spielerisch stark besetzte Mannschaft wie die SGE auf defensive Stabilität angewiesen ist.

Vorbemerkungen & Statistisches

In den letzten beiden Spielzeiten sorgten jeweils Gegentorschwemmen dafür, dass die SGE in der Bundesliga keine besseren Platzierungen erreichen konnte. In der Saison 2020/21 kassierte man, damals war noch Adi Hütter Trainer, 53 Gegentore, also 1,56 pro Spiel. Glasner gelang es in seiner ersten Saison als Trainer, diese Quote etwas zu senken, in der Saison 2021/22 kassierte die SGE „nur“ noch 49 Gegentreffer (1,44 pro Spiel), was aber mit deutlich weniger eigenen Treffern einherging (45 statt 69 in der Hütter-Saison). Insgesamt waren das im Durchschnitt der vergangenen beiden Jahre exakt 1,5 Gegentore pro Spiel. Eine tabellarisch vergleichbare Mannschaft wie Union Berlin hatte im gleichen Zeitraum eine Quote von 1,28, Leverkusen kam auf 1,26 Gegentore, das Mittel der Champions League-Teilnehmer lag in den vergangenen beiden Spielzeiten bei 1,22 Gegentoren pro Spiel. Das ist übrigens im internationalen Vergleich immer noch extrem viel. Die Top-4 der Premier League ließen im Vergleichszeitraum nur 0,92 Gegentore pro Spiel zu, die spanischen Top-Teams sogar nur 0,88.

In den 13 Spielen der Europa League der Saison 2021/22 kassierte die SGE insgesamt indes 13 Gegentreffer, also genau eins pro Spiel, die Quote war also deutlich besser als in der Bundesliga.

Allein diese statistischen Werte legen nahe, dass Erfolg im Fußball zu einem großen Teil von der Fähigkeit abhängt, möglichst wenig Gegentore zuzulassen, womit wir in medias res wären, also der Frage danach, wie modernes Defensivspiel funktioniert, gelehrt wird und wie es bei der Eintracht durchgeführt wird, welche Stärken und Schwächen das von Glasner trainierte Defensivkonzept hat, wie die Unterschiede zwischen 4er und 5er-Kette zu bewerten sind und welche Rolle diese Systemfrage im Gesamtkonstrukt spielt.

In der Trainingslehre, also der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Didaktik und Methodik fußballspezifischer Inhalte, gibt es zwar durchaus unterschiedliche Ansichten in Detailfragen, die Grundabläufe sind jedoch relativ klar zu beschreiben. Einer der Vorreiter im deutschen Ausbildungsbereich bezüglich des Vermittelns des Kettenverteidigens war und ist der DFB-Ausbilder Ralf Peter. Von ihm gibt es auch ein Online-Seminar zum Thema, das als Grundlegung maßgebend ist und das hier auch als Faktengrundlage zu gelten hat. Wer sich umfassend mit der Thematik vertraut machen möchte, kann sich das gesamte Seminar ansehen, es ist kostenfrei und hat insgesamt eine Laufzeit von rund 55 Minuten. Für weitergehende Literatur bietet der Philippka-Verlag ein großes Sortiment an Trainingslehre und Taktikschulung.

Aber zur Sache.

Theorie und Praxis der Kettenverteidigung

Beim Kettenverteidigen wird im Unterschied zum Spiel mit Libero und Manndeckern seitlich und auf einer Höhe verschoben. Das hat den entscheidenden Vorteil, dass die Kette eine Abseitshöhe bildet, die gegnerischen Stürmer also weiter vom Tor ferngehalten werden, als wenn stets ein Libero noch hinter dem hintersten Innenverteidiger zur Absicherung stehen muss. Dieser Vorteil ist einer der entscheidenden Gründe dafür, dass sich das Kettenverteidigen inzwischen weltweit durchgesetzt hat. Auch Peter zeigt das in seinem Seminar:

Links Ralf Peter, rechts sein Beispiel, hier im abgedunkelten Bereich. Der blaue Innenverteidiger steht nicht auf einer Höhe mit den beiden anderen Verteidigern (er steht also wie ein klassischer Libero) und öffnet damit den breiten Raum für den gegnerischen (roten) Stürmer, der damit hier nicht im Abseits steht.

Peter insistiert in dieser Sequenz (ab 9:25) auch darauf, dass mit der Viererkette nicht auf, sondern mit Abseits gespielt werden sollte, also im Normalfall eine Kette keine gezielte Abseitsfalle stellt (also auf ein Signal bewusst herausrückt, um einen Gegner ins Abseits zu stellen), sondern immer auf Höhe agiert und damit Stürmer, die die Abseitslinie übertreten, automatisch ins Abseits stellt. Dieses „auf Höhe spielen“, ein Grundablauf beim Kettenverteidigen, sorgt bei der SGE regelmäßig für Probleme, wie etwa hier beim Gegentreffer zum 3:4 im Spiel gegen Werder Bremen:

Ndicka steht (wie ein Libero) hinter den Abwehrkollegen, Ducksch steht daher nicht im Abseits, Ndicka foult ihn dann, was zum Elfmeter führt. Hier könnte man noch diskutieren, ob das „Nach-hinten-Absetzen“ von Ndicka richtig ist, dann hätte das aber auch Tuta durchführen müssen und in den Zweikamf gegen Ducksch laufen, da er den kürzeren Weg hatte.

Ebenfalls in diesem ersten Kapitel geht es um das seitliche Verschieben der Kette. Auch dabei können Probleme entstehen.

Hier in der Übersicht:

Aus der Grundformation (Abstände der Kettenspieler sollte max. 10 bis 12 Meter betragen) muss der Ballbesitzer außen vom Außenverteidiger angelaufen werden.

Dadurch öffnet sich naturgemäß ein Raum zwischen dem rechten Innenverteidiger und dem Außenverteidiger. Hier:

Da der rechte Außenverteidiger (RA) herausrücken muss, um den Gegner zu stellen, entsteht zwischen ihm und dem ballnahen Innenverteidiger (IV) ein zu großer Abstand.

Zunächst ist entscheidend, dass der Außenverteidiger (AV) den Gegner außen nur anläuft und nicht direkt auf Ballgewinn in den Zweikampf rennt, wodurch er leicht ausgedribbelt werden kann. Wenn in einer solchen Situation der AV auf diese Weise ganz aus dem Spiel ist, wird der freie Raum natürlich noch größer, wie hier beim SGE-Gegentor gegen Lissabon:

Hier ist der AV Jakic sogar komplett aus dem Spiel und Tuta übernimmt hinter ihm das Schieben auf die Außenbahn. Zwischen ihm und dem nächsten IV Ndicka entsteht ein sehr großer freier Raum, über den Sporting dann das Tor erzielt.

Aber selbst wenn die Kette komplett ist, ergibt sich der zu große Abstand, der irgendwie geschlossen werden muss. Zum Schließen dieses Raumes gibt es drei Lösungsansätze:

Erstens: Die Kette schiebt komplett durch:

So sind alle Räume geschlossen, aber in der Zentrale stehen nun zwei Offensivspieler jeweils im Rücken der Verteidiger und hinter dem linken AV ergibt sich ein großer Freiraum.

Peter weist im Video noch darauf hin, dass Außenverteidiger häufig eher kleine, technisch starke Spieler sind und es unpassend ist, wenn sie in der zentrale 1 gg. 1 gegen den gegnerischen Mittelstürmer stehen.

Dennoch ist das eine recht gute Lösung, denn in der Zentrale können die Sechser mit recht kurzen Wegen eine Überzahl in oder an der Box herstellen.

Zweitens: Die IV bleiben innen, der Freiraum wird von einem Sechser zugelaufen.

Die IV bleiben innen, der Sechser schließt den Raum hinter dem rechten AV.

Vorteil ist, dass die Innenverteidigung nicht gesprengt wird und die meist zweikampf- und kopfballstarken IV bei den gegnerischen Stürmern bleiben können.

Nachteil (auch darauf weist Peter in dem Seminar hin): Die Bälle nach außen werden oft von der Sechserposition aus gespielt, die Wege für die Sechser in die letzte Reihe werden also oft sehr weit und daher kann das schnell schief gehen:

Hier öffnet sich der Raum zwischen IV und AV. Sow müsste ihn längst geschlossen haben, ist aber zu spät. Der Ball landet dann bei dem Kölner und Sow kann gerade noch zur Ecke klären.

Aber auch diese Lösung ist durchführbar, dafür müssen die Abstände Kette-Sechser aber gering gehalten werden, damit die Sechser keine allzu langen Wege nach hinten in die Kette haben und die Sechser müssen sehr aufmerksam sein und dürfen ihre Wege nach hinten nicht verschlafen.

Auch sollten die Außenverteidiger sich nicht aus dem Spiel nehmen lassen, indem sie zu schnell auf einen ballführenden Gegner laufen, was bei der SGE eine der Hauptfehlerquellen im Abwehrverbund ist.

Peter zeigt in Kapitel 3 ab 4:50 in einer konkreten Trainingssituation mit Jugendspielern, worauf beim 1 gg. 1 außen mit Gegner mit Gesicht zum Tor zu achten ist: Den Gegner Stellen mit Distanz, um ihn etwas auszubremsen und dem Doppelpartner die Chance zu geben, in den Zweikampf zu kommen, Tempo des Gegners seitlich aufnehmen, aus dieser Situation in den Zweikampf kommen:

Hier zeigt der Trainer die richtige seitliche Distanz zum anlaufenden Stürmer, das Bild ist ungefähr aus Torperspektive aufgenommen. Deutlich zu sehen das seitliche Anlaufen und Aufnehmen der Laufrichtung des Gegners.

Ab 6:30 im 3. Kapitel sieht man, wie das mit Jugendlichen geübt wird und in dieser Szene macht der kleine Verteidiger auch schon vieles richtig (verzögern, Distanz halten, auf den Gegner reagieren, immer im Spiel bleiben).

Drittens: Man spielt statt mit Fünfer- statt mit Viererkette

Damit sind ebenfalls alle Räume zugestellt, kein Sechser muss eingreifen.

Vorteil: Die Wege hinten werden kürzer, dadurch entfällt ein Teil der Fehlerquellen.

Nachteil: Der zusätzliche Verteidiger fehlt naturgemäß im Offensivbereich oder im Mittelfeld. (Genaueres siehe weiter unten)

Hier die Fünferkette gegen den VfB. Alle können sorglos seitlich schieben, selbst die kleineren Stellungsfehler (Höhe) schlagen hier kaum zu Buche. Im weiteren Verlauf dieser Szene ist das noch deutlicher. (eintracht.tv ab 19:14)

Die grundsätzlichen Abläufe beim seitlichen Schieben ändern sich also in keiner Weise, allein die Wege beim Schieben werden kürzer, auch die Abstände zwischen den Kettenmitgliedern insgesamt können kürzer gehalten werden. Sonst ändert sich wenig bzw. nichts. Detailliert und anhand verschiedener Animationen erklärt Peter die verschiedenen Verhaltensweisen beim Schieben nach außen im zweiten Teil des Online-Seminares ab 4:40.

Zurück zur Trainings- und Spiellehre. Peter kommt in seinem Vortrag dann auf das „Höhe halten“ bzw. nach hinten absetzen. (ab 10:27) Er argumentiert, dass die Kette (Vierer- oder Fünferkette ist unerheblich) in der Zentrale bei allen Spielsituationen grundsätzlich die Höhe hinten halten und in bestimmten Fällen sich nach hinten absetzen sollte, nämlich

dann, wenn die Sechser bzw. das Mittelfeld überspielt ist und der Gegenspieler mit Tempo auf die Kette zuläuft.

und zweitens

wenn absehbar lange Bälle von hinten gespielt werden.

Im ersten Fall ist die Abbildung etwas unglücklich, denn im Raum des andribbelnden Gegners sollte durchaus eher herausgerückt werden, statt sich auf einer Höhe nach hinten abzusetzen, bzw. eine gut eingespielte Kette macht beide Bewegungen gleichzeitig, versucht also den Gegner zu stellen und gleichzeitig sich dabei nach hinten abzusetzen. Korrektes Verhalten sähe also eher so aus:

Hier sieht man auch, warum die letzte Reihe hier zurückweichen sollte: Zum einen, um den Mitspielern die Möglichkeit zu geben, wieder in die Situation zu kommen, bzw. weil es wenig ratsam ist, einen Gegner im Tempodribbling offensiv anzulaufen, da man dann schnell ausgespielt ist was in dieser Situation dann eine Unterzahl evozieren würde. Ziel dieses Zurückweichens ist also einerseits wieder Überzahl zu erlangen, andererseits, den Gegner auszubremsen.

Der zweite Fall, in dem sich die Kette nach hinten absetzen muss, sind lange Bälle aus dem Aufbau direkt in die Spitze, zumindest dann, wenn die Kette in einer Pressingform steht, die es dem Gegner andernfalls möglich machen würde, den Ball über die beiden Innenverteidiger und in den Lauf eines Mitspielers zu spielen:

Bei einem solchen langen Ball aus dem Aufbau sollten die Innenverteidiger nicht in die Situation kommen, in ein Laufduell direkt zum eigenen Tor zu müssen, daher sollten sie sich frühzeitig nach hinten absetzen, wenn ein solcher langer Ball zu erwarten ist. (Kamptel 2: Animation ab 13:57)

In welchen Situationen die Kette die Höhe halten muss und in welchen sie zurückweichen muss, erklärt Peter im zweiten Kapitel etwas ausführlicher ab 10:33 und im Detail ab 13:20.

Alles in allem lässt sich das reine Kettenschieben auf zwei Grundsituationen herunterbrechen:

Seitliches Verschieben in die Außen. bzw. Halbräume mit jeweils Anschluss der übrigen Kettenverteidiger. Ob Vierer- oder Fünferkette spielt keine Rolle.

Ein Fehlverhalten, das wir bei der SGE bereits häufiger gesehen haben, thematisiert Peter in Kapitel 2 ab 11:15: Das zu frühe Herausschieben der Innenverteidiger (zu mannorientiert):

Hier im eingefärbten Bereich gut zu sehen, dass der rechte IV relativ weit mannorientiert aus der Kette läuft und damit hinter ihm ein Raum entsteht, in den eine Spitze kreuzen kann.

Hier wird klar, wie wichtig richtige Abstände sind. Peter vernachlässigt hier allerdings etwas die Frage der Passwinkel. Sofern die beiden Mitspieler in der Kette etwas nach innen schieben und die Abstände zwischen sich etwas verkleinern, kann der IV hier auch etwas weiter herausrücken, Das gleiche gilt für den Fall, dass die gesamte Kette etwas nachschiebt. Grundsätzlich gilt, darauf weist auch Peter mehrfach hin, dass es im Detail durchaus verschiedene Möglichkeiten, riskantere und weniger riskante, aggressive und weniger aggressive, gibt, um offene Passwege hinter dem jeweiligen Zweikämpfer zu schließen.

Noch zwei weitere wichtige Aspekte des Kettenspiels gilt es kurz zu beleuchten.

Zum einen das Verhalten der offensiven Mitspieler inkl. der Sechser, die in den Situationen, in denen die hintere Reihe arbeitet, helfen müssen. Das spielt bei der SGE eine große Rolle, daher hier noch ein kurzes Spotlight darauf.

Eine Szene aus dem Hinspiel gegen Sporting: Jakic als RV ist weit außen im Zweikampf, zum „Nach hinten-Doppeln“ kommt hier Kamada dazu.

Dieses Doppeln nach hinten ist bei der SGE sehr ausgeprägt, alle Spieler der Pressingabteilung sind beteiligt, wer am günstigsten steht, unterstützt die hintere Reihe, das ist in den Spielen sehr häufig zu beobachten.

Zum anderen das defensive Zweikampfverhalten der IV in der Zentrale gegen Gegner mit Rücken zum Tor. Das ist eine Grundsituation, die im Spiel häufig vorkommt und ebenfalls regelmäßige Fehlerquelle ist, entweder weil der zuständige IV zu weit aus der Kette herausrückt, oder weil die Zweikämpfe falsch bestritten werden. Trainings- und Spiellehre werden ausführlich von Peter im 3. Kapitel ab 10:25 erörtert, hier nur ganz Grundsätzliches. Erstes Ziel des Verteidigerspiels hier ist es, zu verhindern, dass der Stürmer selbst aufdrehen kann und wenn er das doch schafft, sofort aggressiv seitlich in den Körperzweikampf zu kommen. Zwei Dinge sind entscheidend:

Einmal wieder die korrekte Zweikampfdistanz:

Hier das Bild, das auch Peter benutzt: Der Abstand sollte eine Unterarm- bis Armlänge betragen, hier ist jedenfalls direkter Körperkontakt falsch, da das dem Stürmer die Möglichkeit gibt, sich um den Gegner herum aufzudrehen. Eine größere Distanz wäre auch falsch, da sich der Stürmer dann zu einem frontalen (gefährlicheren) 1 gg. 1 aufdrehen könnte. Ganz falsch wäre, mit einem langen Bein den abgedeckten Ball zu attackieren.
Aus der korrekten Disanz kann der Stürmer im Moment des offensiven Aufdrehens seitlich attackiert und der Ball gewonnen werden.

Diese klaren individualtaktischen Abläufe sorgen bei der SGE nach wie vor häufig für Probleme, nur zwei Beispiele.

Klassische Situation, Stürmer mit Rücken zum Tor, IV dagegen. Hier sucht der SGE-IV Körperkontakt zum Gegner und versucht unten den Ball zu attackieren, der Stürmer könnte sich jetzt um ihn herum aufdrehen und wäre dann frei Richtung Tor unterwegs. Er muss dann gefoult werden, wofür es die gelbe Karte gab. Das ist eine Situation aus dem Marseille-Spiel.

Hier das Fehlerbild in der Nahaufnahme:

Keine Distanz, Attackieren des unerreichbaren Balles, der verlorene Zweikampf kann nur nur noch durch Foul „gerettet“ werden.

Und das zweite Beispiel ist aus dem Stuttgart-Spiel.

Ähnliche Situation, gleicher Fehler, diesmal von Ebimbe. Keine Distanz zum Gegner, stattdessen Körperkontakt und Attackieren des Balles. Der Gegner kann sich aufdrehen. Das macht der Stuttgarter Stürmer dann auch und erzielt das Anschlusstor.

In beiden Zweikämpfen also die gleichen Fehler. Aus einer schlechten Abwehrposition wird versucht, unten mit den Füßen Richtung Ball zu gehen, was niemals funktionieren kann, da der Ball vom Gegner gedeckt ist und stattdessen die Gefahr birgt, dass man ihn am Knöchel trifft (Foul, Gelbe Karte, tornaher Freistoß), oder der Gegner kann sich gleich ganz aufdrehen und aufs Tor schießen. Dass beide Spieler, die hier die Fehler produzieren, gelernte Sechser sind und keine IV, ist sicher kein Zufall, aber auch Ndicka und Tuta unterlaufen solche Fehler noch zu oft.

Einen nahezu perfekten Laufzweikampf mit verschiedenen oben gezeigten individualtaktischen Anforderungen, Distanz halten, verzögern und schließlich dem Ballgewinn zeigte im Stuttgart-Spiel hingegen Smolcic (eintracht.tv ab 50:00).

Ab 12:56 im 3. Kapitel zeigt Peter dann anhand mehrerer Szenen sehr anschaulich, wie das Kettenspiel trainiert wird, für alle, die sich für die Abläufe im Spiel interessieren und insbesondere für Trainer, die mit ihrer Mannschaft an der Kettenverteidigung arbeiten wollen, ist das sehr zu empfehlen.

Auswirkungen der Systemumstellungen

Eine Frage wäre noch offen: Bei der SGE folgt die defensive Ausrichtung stark dem Angriffs- bzw. Mittelfeldpressing, es wird vergleichsweise früh angelaufen, die Mannschaft ist oft stark an ballorientiertem Druck machen interessiert, auch das birgt naturgemäß Fehlerquellen. Das Glasner-Spiel setzt also auf frühes Pressing und riskantes, ballorientiertes Verteidigen nach vorne. Daher spielt die Frage nach Vierer- oder Fünferkette auch eine nicht unerhebliche Rolle. Noch ein Blick darauf.

Hier die extrem aggressive Pressingformation der SGE mit Viererkette gegen Leipzig. Gegen den Ball, man sieht es hier, spielte Glasner hier ein 4-1-5. Aggressiver, offensiver kann man kaum mehr aufstellen. In dieser Formation hat man praktisch überall auf dem Platz Doppelzugriff, auch ganz vorne, also auf den ersten Aufbauball des Gegners.

Das wird riskant, sowie ein Gegner einen schellen Anschluss spielen kann, weswegen die Ballführer immer sehr schnell in den direkten Körperzweikampf verwickelt werden sollen.

Hier die Auswirkungen der Systemumstellung:

Oben das extrem aggressive Pressing mit 5er-Pressingabteilung gegen Leipzig, unten das deutlich defensivere, eher auf Mittelfeldpressing ausgelegte 5-1-4 gegen den Ball.

Aus analytischer und taktischer Sicht ist das 4-1-5-Pressing natürlich interessanter als das konventionellere Spiel mit der Fünferkette. Genaueres zu den Vor- und Nachteilen, den genauen Abläufe beider Systeme dann in einem Pressing-Spezial in der Winterpause.

Wer eine etwas klassischer agierende Viererkette in Aktion betrachten möchte, die den Lehrvideos von Ralf Peter schon recht nahe kommt, dem seien noch die Spiele der SGE-Frauen empfohlen, auch diese sind zumindest teilweise im Re-Live auf eintracht.tv einsehbar. Das genauer zu beleuchten hätte hier allerdings etwas den Rahmen gesprengt.

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