VfL Wolfsburg – SGE 2:2 (2:2)

Während Glasner nach dem Spiel mit dem Punkt zufrieden war, blicken wir erneut auf die Abwehrleistung der SGE und die erneut auftretenden Fehler, aber auch auf die beiden erzielten Treffer.

Die Aufstellung

SGE: Trapp (3+) – Tuta (2), Hasebe (3), Ndicka (2-) – Buta (3+), Rode (3), Kamada (3), Max (3) – Lindström (4), Kolo Muani (3), Götze (4)

eingew. 74. Lenz (3), Jakic (3); 85. Knauff, Borré

VfL Casteels – Baku, Lacroix (75. Bornauw), van de Veen, Otavio – Svanberg (85. F. Nmecha), Arnold, Gerhardt – Wimmer (68. Paredes), Marmoush (85. L. Nmecha), Kaminski

Die Statistik

gibt es hier, hier und hier

Die Highlights

Quelle: Youtube

Die Spielanalyse

Die SGE versuchte es gegen Wolfsburg in der Anfangsphase mit Angriffspressing, versuchte bereits die Aufbaubemühungen der Gastgeber zu stören, offenbar hatten die SGE-Analysten dieses als Schwäche erblickt und tatsächlich hatte die SGE auch mehrere Ballgewinne, die daraus resultierten.

Die erste gute Abschlusschance hatte hingegen Kamada in der 9. Minute nach einem starken Aufbau-Flugball von Hasebe und folgender Schnellkombination über links.

Mit der nächsten Aktion fällt das 1:0 für Wolfsburg. Vorausgegangen war ein Ballbesitz der Eintracht, langer Ball Ndicka in die Spitze, der von den Wolfsburgern abgefangen wird. Nun geht die SGE ins Gegenpressing und zwar so:

Kamada rennt Richtung Arnold ohne wirkliche Chance auf den Ball, Rode steht fast auf einer Höhe, also ohne versetze Absicherung in die Zentrale zu sein und so steht Gerhardt hinter den beiden SGE-6ern völlig frei und kann den Steilpass auf Marmoush spielen, der dann zum Tor führt.
Gerhardt ist nach vorne völlig unbedrängt, kann den Pass in die Spitze frei spielen. Die hintere Reihe der SGE steht auf drei verschiedenen Höhen, Ndicka hebt hinten das Abseits auf, Tuta und Hasebe stehen viel zu weit auseinander, Tuta dazu noch zu weit aufgerückt.

Das ist ungefähr derselbe Abwehrfehler wie vor dem 2:0 gegen Leipzig: offene Mittelfeldzentrale, zu großer Abstand Hasebe-Tuta (gegen Leipzig Tuta-Knauff), Aufhebung der Abseitslinie, diesmal durch Ndicka und vor allem dass hier ohne Einrücken auf einer Linie verteidigt wird und ohne Rückwärtsbewegung (um Marmoush die Tiefe nehmen zu können), ist völlig indiskutabel. So kann man in der Bundesliga nicht verteidigen und so sehr Glasner die Mannschaft in anderen Bereichen weiterbringt: Er ist nun seit fast 2 Jahren Trainer und in dem isolierten Spiel der Dreierkette ist jegliche Weiterentwicklung ausgeblieben, die Mannschaft bewegt sich in diesem Bereich im Grunde auf einem Niveau, das kaum bundesligatauglich ist und man wird wohl bei wenigen anderen Bundesligisten eine letzte Reihe finden, die derart unfähig ist, Angriffe isoliert zu verteidigen. Dazu bedürfte es gruppentaktischer Detailarbeit, die offenbar seit fast zwei Jahren ausgeblieben ist und nachdem ja auch Glasner nun seit Wochen wieder in der Analyse immer wieder die gleichen Fehler von seinen Spielern präsentiert bekommt, ist das weiterhin schon sehr erstaunlich. In der Analyse zum Leipzig-Spiel wurde hier detailliert aufgeführt, welche Fehler die Kette macht, man möge das bitte dort nachlesen, es sind in dieser Situation exakt dieselben. In der zweiten Hälfte gegen Wolfsburg gab es einige weitere, zum Teil noch haarsträubendere Fehler der Kette, bei denen die SGE viel Glück hatte, das Spiel dadurch nicht noch zu verlieren.

Auch das zweite Gegentor ist in der Entstehung, man muss es so sagen, von der SGE-Abwehr geradezu provoziert:

Zunächst steht die SGE-Defensive hier wieder sehr optimistisch: In der gefährlichen Zone hinter Rode, also Richtung eigenes Tor, ist hier bereits eine 2 gg. 3 -Unterzahl entstanden, da sich mit Max, Götze und Kamada gleich drei Spieler Richtung dem Ballbesitzer Baku orientieren bzw, ihm entgegenrennen, und zwar, wie man sieht, auf einer Höhe. Rode lässt Svanberg in den dahinter sich öffnenden Raum laufen, womit er nun auf Rechtsaußenposition völlig frei steht. Selbstredend lässt sich Baku das nicht entgehen und spielt Svanberg umgehend an.

Um Svanberg nicht völlig frei sich aufdrehen zu lassen, muss Ndicka nun aus der Kette heraus (ganzer Ablauf im Clip):

Auch bei dem folgenden Freistoß sieht die SGE-Hintermannschaft nicht sonderlich gut aus:

Hier ist der Ball noch nicht einmal in der Luft und 6 SGE-Spieler sind schon fröhlich auf dem Weg Richtung eigenes Tor. Auch 5 Wolfsburger schließen sich an, Gerhardt köpft ihn dann auch ins Tor.

Auch wenn das bei den meisten Profiteams inzwischen so praktiziert wird, dürfen leise Zweifel angemeldet werden, ob das so geschickt ist, bei einem so weit vorne ausgeführten seitlichen Freistoß „16er Schluss“ zu proklamieren, damit man dann gemeinsam mit dem Gegner voll in den hineingeflankten Ball Richtung eigenes Tor rennen muss, insbesondere wenn man, wie die Eintracht hier, gar nicht auf Abseits spielt, sondern schon vor der Freistoßausführung Richtung eigenes Tor rennt.

Noch zu den beiden SGE-Toren:

Das erste Tor durch Kolo Muani ist nicht herausgespielt, entsteht nach einer eher unübersichtlichen Mittelfeldsituation und einer guten Einzelleistung von Kolo Muani, der den Ball sichern und auf Lindström außen weiterleiten kann. Lindström knallt den Ball aus wenig aussichtsreicher Position dann Richtung Tor, statt ihn nach außen auf den völlig freien Buta zu legen. Dort landet der abgewehrte Lindström-Schuss dann aber doch, Buta schlägt eine Manni-Kaltz-Gedächtnis-Präzisionsflanke (aber von rechts) und Kolo Muani köpft im direkten Duell mit Baku ein. Das Tor den starken Einzelaktionen von Kolo Muani und Buta zu verdanken.

Das zweite SGE-Tor hingegen entsteht aus einem Eintracht-typischen, extremen Offensiv (Gegen-)pressing, hier ausgeführt vor allem von Rode. Dessen Flanke wird zwar abgewehrt, aber der noch wegen einer vorherigen Ecke aufgerückte Ndicka schießt dann den abgewehrten Ball per Dropkick von der 16er-Linie ins Tor.

Das Fazit

Es gibt nach dem Wolfsburg-Spiel analytisch wenig Neues zu berichten: Die letzte Reihe ist nach wie vor ein extremer Schwachpunkt und es ist kaum absehbar, wie die SGE in dieser Konstellation nachhaltig und langfristig erfolgreich sein kann.

Dabei zeigte die Mannschaft zumindest beim zweiten Tor, wie stark sie gruppentaktisch arbeiten kann (Gegenpressing) und beim ersten Tor, welch großartige Fußballer sie in ihren Reihen hat (Buta, Kolo Muani).

So ist, nicht nur im Wolfsburg-Spiels derzeit eine Stagnation der Entwicklung des Teams auf allen Ebenen, allerdings auch auf recht hohem Niveau, zu beobachten. Da die Mannschaft inzwischen im Grunde in praktisch jeder Konstellation und gegen nahezu jeden Gegner ziemlich zuverlässig ein bis zwei eigene Tore produzieren kann, zur Not auch durch starke Einzelleistungen, gerät die Defensive naturgemäß wieder in den Fokus. Wir haben hier bereits mehrfach und immer wieder die Probleme in und mit der letzten Reihe gezeigt, es sind immer die gleichen, inzwischen fällt die Mannschaft zunehmend auch wieder in ältere falsche Muster zurück, die zwischenzeitlich schon einmal besser gemacht wurden, insbesondere was die Abstände in der letzten Reihe selbst betrifft, aber auch bezüglich der Abstände zwischen der letzten Reihe und dem Mittelfeld. Insbesondere letzteres wird von Jakic als zentralem IV deutlich konsequenter organisiert als von Hasebe.

Sowohl gegen Leipzig wie auch jetzt in Wolfsburg bot die SGE zu große Räume an, war gegen beide Gegner nicht in der Lage, im Grunde einfache Standard-Abwehraufgaben zu bewältigen. In beiden Spielen bekam sie völlig wehrlos, weil viel zu weit auseinander, Pässe in die Spitze auf der Innenbahn durchgespielt, in beiden Spielen stand die Kette dabei nicht auf einer Höhe und hob somit das Abseits auf, in beiden Spielen stand die letzte Reihe dabei so hoch, dass sie nach hinten den schnellen Spielern wie Werner (Leipzig) und Marmoush (Wolfsburg) viel zu große Räume bot (und das mit einem zu langsamen, fast 40jährigen zentralen IV), und so tief, dass kein Druck per Durchsichern auf die Passgeber ausgeübt werden konnte. Diese fehlerhaften Muster sind in den Spielen immer und immer wieder zu beobachten, sie sind also systematisch, müssten eigentlich vom Trainer bearbeitet werden.

Ein zunehmendes Problem wird auch die Doppelsechs, die, wie schon gegen Leipzig, oft weder Druck auf die offensive Zentrale des Gegners bekommt, noch die Gegenspieler in der Tiefe abdeckt (zweites Gegentor, Rode). Das Glasner-Muster, wonach diese freien Gegenspieler aus der letzten Reihe durchgesichert werden müssen, birgt enorme Risiken und braucht extrem starke 1 gg. 1 – Spieler in der Abwehrkette, über die die SGE schlicht nicht verfügt. Insbesondere Ndicka (wie vor dem zweiten Gegentor), aber ebenso Tuta sind oft mit den sehr anspruchsvollen Zweikampfsituationen (wie oben gezeigt) schlicht überfordert und auch nicht hinreichend darauf vorbereitet. Zu der Problematik, mit Hasebe einen positionsfremden zentralen Innenverteidiger zu haben, der mit seinem oft IV-inadäquaten Spiel und seiner inzwischen auch unübersehbar nachlassenden Schnelligkeit seit langem eher Teil des Problems als der Lösung ist, wurde hier ohnehin immer und immer wieder hingewiesen.

Dass die SGE seit Jahren in der letzten Reihe, im isolierten Verteidigen der Kette, in den Bereichen Ein- und Nachschieben und Höhehalten (Spiel mit Abseits) große Probleme hat, haben wir hier regelmäßig dokumentiert, inzwischen muss man feststellen, dass es in der Bundesliga kaum einen andere Mannschaft gibt, die dort derartig fehlerhaft arbeitet, was die Mannschaft natürlich dauernd vor das Problem stellt, mit einer extrem schwachen Defensive dauerhaft gegen stärkere Defensivreihen Tore erzielen zu müssen.

Das geht mit der sehr starken Offensive noch meistens gut und reicht eben auch, um gegen Mittelteams wie Wolfsburg auswärts einen Punkt zu holen, warum aber das Trainerteam kein zuverlässiges defensives Konzept erarbeitet hat, bleibt schleierhaft.

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1 Kommentar

  1. Fahrudin sagt:

    Ist das Problem nicht das Mittelfeld, welches kaum (fast nie) kompakt besetzt wird? Ich denke, Tuta (Tor 1:0) sieht beide Wolfsburger (beide vor den Eintrachtlern) und versucht sich so zu stellen, dass er ggf bei beiden eingreifen kann (gut, schafft er dann letztendlich nicht ganz). Für mich steht Hase falsch?

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