1. FSV Mainz 05 – SGE 2:2 (1:2)

Auch das letzte Saisonspiel der SGE war vollkommen bedeutungslos. Dennoch hier wieder kurz die Highlights in der Analyse.

Die Aufstellung

Die Statistik

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Die Highlights

Quelle: Youtube

Das Spiel

Das 0:1 bereits in der 9. Minute entsteht – mal wieder – nach einem haarsträubenden Fehler. Wer in seiner Jugend- oder Amateurzeit einmal einen guten Trainer hatte, wird sich vielleicht daran erinnern, dass man beim Einwurf-Training eingebläut bekommt, niemals, vor allem nicht um die Mittellinie herum, eigene Einwurfe quer zu werfen. Das wird deshalb vermieden, weil dabei das Konterrisiko viel zu hoch ist, denn die eigene Mannschaft ist ja bei einem eigenen Einwurf auf Offensive eingestellt und daher bei Ballverlust ungeordnet. Kostic jedoch:

Kostic wirft den Ball quer auf Rode. Ingvartsen geht dazwischen, spielt den Ball direkt auf Stach, der sofort mit einem Tempodribbling den Angriff einleitet.

Wer seinen Spielern einmal demonstrieren möchte, warum man Einwürfe im Mittelfeld niemals quer wirft, kann diese Szene als Anschauungsunterricht präsentieren.

Stach spielt dann zwar einen Fehlpass, aber Ndicka schafft es zweimal nicht, den Ball zu klären, sodass er jeweils wieder bei den Mainzern landet. Schließlich schießt Ingvartsen den dann ins Tor. Ndicka sieht in der Szene unglücklich aus, aber das ist einfach etwas Pech, solche Schnellangriffe des Gegners können so laufen. Das Problem ist hier der Katastropheneinwurf, der den Mainzern diese Kontersituation gegen die ungeordnete, im Laufen befindliche SGE-Abwehrreihe ermöglicht.

Das 1:1 in der 25. Minute fällt nach einem Freistoß. Zuvor hatte die SGE eine längere eigenen Ballpassage, Borré holt im vorderen Mittelfeldbereich im Dribbling den Freistoß geschickt heraus. Der Flugball von Kostic war scharf Richtung Torwart geschossen, schwer zu verteidigen für Mainz, Tuta ist sehr aufmerksam und fix und macht das Tor. Ein sehr guter, erfahrener Bundesligatorwart wäre der Kostic-Flanke aggressiv entgegengegangen und hätte versucht, den Ball gar nicht erst verwertbar zu machen. Der junge, unerfahrene Ersatzkeeper Finn Dahmen bleibt auf der Linie und hat dann keine Chance, den Ball zu halten. (eintracht.tv ab 30:10).

Für die Freunde extremer Endgeschwindigkeit und wie man sie gewinnbringend und richtig einsetzt, sei noch der Notzweikampf von Touré in der 30. Minute zur Ansicht empfohlen (eintracht.tv 34:44), der hier dem auf Trapp zustürmenden Burkardt absprintet, dass es eine wahre Freude ist. Im Standbild ist das kaum zu zeigen.

Das zweite SGE-Tor in der 34. Minute fällt nach einem Aufbaufehler des Mainzers Brosinski und einem Schnellangriff der SGE.

Hier gut zu sehen, dass das SGE-Pressing Brosinski zu diesem Offensivpass zwingt. Der Rückweg auf Stach ist zwar genauso möglich wie ein Querpass zu Kohr, beide Möglichkeiten bergen aber das große Risiko, dass Borré bzw. Kamada den Pass jeweils aggressiv attackieren können. So muss Brosinski einen schwierigen Flugball one-touch mit dem Außenrist spielen.

Das ist für Brosinski eine (zu) schwierige technische Aufgabe, der Pass gerät viel zu hoch und ungenau, landet zwar noch grob bei Stach, dessen Kopfballweiterleitung landet dann aber bei Rode. Der köpft weiter zu Borré und dessen Spielfortsetzung gemeinsam mit Knauff ist dann schlicht überragend.

Hier die Spielfortsetzung durch Borré, sein direkter Pass auf Knauff rechts an der Mittellinie. Die Aktion muss sofort mit Tempo weitergeführt werden, aber ein direkter Tiefenpass ist für Knauff kaum möglich, er müsste warten, bis Hauge mit seinem Sprint nach außen genug Freiraum vor sich hat, um in den Lauf angespielt werden zu können. Das würde zu lange dauern und so nutzt Knauff seine Superkraft Tempodribbling und sprintet mit Ball am Fuß in den freien Raum.

Neben dem Extrem-Tempodribbling von Knauff sind hier auch die Laufwege von Hauge und Borré sehr stark. Das ist zwar eine basale Angriffssituation, die im Training einstudiert wird, aber hier mussten die drei beteiligten Spieler die Situation schnell erkennen und alle Wege schnell und konsequent machen. Das tun sie.

Hier die Situation beim Pass von Knauff zu Borré. Zunächst sehen wir hier den Kettenfehler der Mainzer, Niakathé steht zu tief, öffnet den No-Abseits-Raum hinter Bell und genau dort fordert Borré den Ball mit einem diagonalen Lauf und bekommt den Pass von Knauff. Hinter Knauff sehen wir die Mainzer Boetius und Aaron, die Knauff mit seinem Sprint überlaufen hatte. Auch Hauge ist nach seinem Laufweg nach außen hier noch eine Passoption.

Ein sehr stark durchgeführter Schnellangriff der drei Beteiligten Knauff, Borré und Hauge, der mit seinem Laufweg zumindest die Aufmerksamkeit von Niakathé beansprucht.

Der Ausgleich der Mainzer kurz nach der Halbzeit in der 49. Minute ist erneut ein Tempogegenstoß und es ist auch wieder ein krasser individueller Fehler der SGE-Defensive mitverantwortlich.

Zunächst ging der Aktion ein Ballbesitz der SGE voraus, Sow ist beteiligt, Kamada versucht dann einen Tiefenpass auf Kostic, der aber sehr ungenau ist und bei Brosinski landet.

Brosinski macht dann nur ein paar Meter und spielt den Ball steil auf Kohr. Hier der Moment der Ballabgabe und man sieht gut, dass Jakic Kohr in den freien Raum laufen lässt, ohne ihm zu Folgen. Jakic ist aber der einzige, der in dieser Szene irgendwie Zugriff auf Kohr erlangen könnte, weil Sow aufgerückt ist. Jakic vergisst hier seine Absicherungsaufgabe.

Das ist zwar ein Fehler von Jakic, aber einer, der immer passieren kann. Um solche Stellungsprobleme im Mittelfeld abzusichern, hat man normalerweise eine letzte Reihe, aber bei der SGE ist in dieser Saison leider eine individual- und gruppentaktische Slapstick-Garantie eingebaut. So auch diesmal:

Nachdem Jakic aus dem Spiel ist, entsteht außen eine 2 gg 1 – Situation für Mainz. die Situation ist aber noch zu verteidigen, Ndicka hat Zugriff auf Kohr, muss unbedingt im Spiel bleiben und steht hier auch noch auf der Innenbahn. Er muss versuchen, Kohr auf der Innenbahn zu verzögern, um seinen Mitspielern, vor allem Kamada links gegen Stach, eine Chance zu verschaffen, wieder Zugriff auf die Gegenspieler zu bekommen.

Was Ndicka auf keinen Fall machen sollte, ist, sich mit einer Harakiri-Grätsche selbst aus dem Spiel zu nehmen. Aber leider:

Durch Ndickas Sliding-Fun in Mainz sind nun Kohr und Stach natürlich durch und völlig frei und Stach kann dann schön den Moment abwarten, bis Ingvartsen am kurzen Pfosten vor Tuta ist und einschießen kann.

Für Tuta in der Zentrale ist das sehr schwer zu verteidigen, die Fehler machen hier Jakic und vor allem Ndicka mit einer katastrophalen individualtaktischen Entscheidung. Solche Sliding-Tacklings sind absolute Notaktionen und müssen sitzen, da man sonst eben auf dem Boden liegt und aus dem Spiel ist.

Nun mag das bei einem bedeutungslosen Sommerkick wie diesem gegen Mainz irrelevant sein, nur ist das eben genau das Muster, das für die SGE eine viel bessere Platzierung verhindert hat: Relativ einfache individual- bzw. gruppentaktische Fehler der SGE in der hinteren Reihe, die so krass sind, dass jeder Gegner in der Bundesliga daraus Tore macht.

In der 75. Minute hat die SGE viel Glück, dass ein Tor von Burkardt zurückgepfiffen wurde.

Fazit

Auch das letzte Bundesligaspiel war strukturell ein Abbild der gesamten Saison.

Die SGE war technisch-spielerisch dem Gegner überlegen, stark im Pressing und in den Schnellkombinationen, allerdings erneut nicht in der Lage, das eigene Tor fehlerfrei zu verteidigen.

Klar passieren beim Mannschaftssport immer Fehler, aber was die SGE in dieser Saison an Einladungen und Geschenken verteilt hat, musste bestraft werden und wurde bestraft.

So beendet die SGE mit einem Kader, der während der gesamten Spielzeit nur von Leverkusen, Bayern und Dortmund technisch-spielerisch überboten wurde und diese enorme Stärke auch in der Europa League mit Siegen in je zwei Spielen unter anderem gegen den FC Barcelona und West Ham United bewies, sage und schreibe auf Platz 12. Das muss man auch erst einmal hinkriegen.

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SGE – Borussia Mönchengladbach 1:1 (0:1)

Da das Spiel seitens der SGE mit einem besseren B-Team absolviert wurde, das zu einem relativ großen Teil aus Spielern bestand, die in der kommenden Saison voraussichtlich nicht mehr dem SGE-Kader angehören werden, war das Spiel analytisch weitgehend irrelevant. Daher diesmal nur ein sehr kurzer Blick auf die wenigen Highlights.

Die Aufstellung

BMG: Sippel – Bensebaini, Friedrich, Beyer (86. Scally) – Netz, Neuhaus, Hofmann, Lainer – Plea (86. Herrmann), Stindl – Embolo – Trainer: A. Hütter

Die Statistik

gibt es hier.

Die Highlights

Quelle: Youtube

Das Spiel

Die SGE spielte mit einer etwas veränderten Grundformation, Ilsanker spielte einen zentralen Sechser, ergänzt um zwei Achter auf den Halbpositionen (links Barkok, rechts Hrustic), dazu zwei äußere Schienenspieler (Chandler links, Da Costa rechts) und zwei Stürmer.

Bereits in der 4. Minute kassierte die SGE das 0:1. Dabei wird die hintere Reihe klassisch ausgespielt, das Tor entsteht nach einem längeren Gladbacher Ballbesitz. Das war in erster Linie gut und schnell gespielt von den Gladbachern. Auf Seiten der SGE sind mehrere Spieler mit Fehlern an der Situation beteiligt:

Das ist die entscheidende Situation, hier spielte Stindl den Pass nach außen auf Lainer. Fragwürdig ist, ob Hasebe hier mit einem langen Bein in den Zweikampf gehen sollte: eher nicht. Hier hätte es genügt, den Gegner zu stellen und beim Abspiel schnell wieder die zentrale Postion Richtung eigenes Tor anzusprinten. Mit dem langen Bein hier ist Hasebe aus dem Spiel. Auch Barkok sieht nicht gut aus, muss entweder aggressiver zum Ball, um Hasebe aus dem Zweikampf zu halten, oder er muss Stindls Passweg nach vorne zustellen. Den entscheidenden Fehler hier macht aber Chandler. Sein Kettenabstand zu Ndicka ist gut einen bis anderthalb Meter zu groß und natürlich sind solche Kettenfehler in der Bundesliga ein Einfallstor. Genau durch diesen offenen Raum spielt Stindl den Ball auf Lainer.

Der Querpass von Lainer auf Plea wäre zwar von Tuta in der Zentrale auch noch mit einem sehr schnellen Weg zum Ball oder einem starken Sliding Tackling eventuell zu verhindern gewesen, aber da war die Elfmeter-Gefahr dann schon sehr groß. Der Fehler passiert zuvor in der Szene oben.

Grundsätzlich gilt beim Kettenspiel in der hinteren Reihe, dass sich die Außenverteidiger bei Angriffen des Gegners durch die Zentrale an den Innenverteidigern orientieren müssen. Grundsätzlich gibt der hinterste Innenverteidiger in jeder Situation die Abseitshöhe vor und die doppelnden Innenverteidiger (hier Tuta und Ndicka) auch die Breite. Man kann darüber diskutieren, ob Ndicka hier etwas zu weit eingerückt ist, aber selbst dann muss Chandler sich an ihm orientieren und seinen Abstand zu Ndicka entsprechend angleichen. Grundsätzlich gilt, dass Innenbahnpässe, also so wie hier der von Stindl auf Lainer, also Pässe, die zwischen Innen- und Außenverteidiger nach außen gespielt werden, von dem Außenverteidiger verhindert werden müssen. Das geht nur durch korrektes Stellungsspiel.

Nach außen hätte Chandler Lainer noch verteidigen können, wenn aber der Ball auf der Innenbahn durchgespielt wird, wie hier von Stindl, kann Lainer sich die Anschlussaktion aussuchen. Das machen Lainer und Plea dann routiniert.

In der zweiten Halbzeit stand mit Ndicka nur noch ein echter Innenverteidiger auf dem Platz, sodass Trapp mehrmals allein auf ihn zustürmende Gegenspieler am Toreschießen hindern musste (Bsp. in der 49. Minute gegen Embolo). Zu den Kettenfehlern und den vielen individuellen Fehlern von Hasebe als Innenverteidiger wurde hier im Laufe der Saison genug gesagt und dokumentiert, Da Costa spielte das rechte Glied der Dreierkette recht zuverlässig, aber auch nicht fehlerfrei.

So sehr Hasebe in der hinteren Reihe Fehler produziert, so sehr gehört er nach wie vor zu den besten Passgebern der Liga. Sein Pass auf Kamada vor dem Ausgleichstreffer durch Paciencia in der 66. Minute war überragend.

Hier der knapp 20-Meter-Flachpass Hasebe-Kamada. Mit dem extrem scharf gespielten Pass auf Kamada nimmt Hasebe die komplette Mittelfeld- und Angriffsreihe der Gladbacher aus dem Spiel, insgesamt 5 Spieler.

Auch die Anschlussentscheidung von Kamada ist dann stark, nämlich den Ball one-touch auf Paciencia zu spielen, der im Gegensatz zu Kamada selbst, bereits „aufgedreht“ war, also nicht mit dem Rücken zum gegnerischen Tor stand, sondern schießen konnte. Dadurch entstand für Paciencia erst so viel Raum, dass er Maß nehmen und einen solch gezielten Schuss abgeben konnte. Entscheidend aber war der Weltklassepass von Hasebe. Hier noch einmal:

Die Einstellung täuscht etwas, trotzdem kann man sehen, dass der Passweg (knapp 20m) extrem eng ist, der muss fast zentimetergenau sitzen und muss maximal scharf gespielt werden.

Im Bewegtbild sieht man das noch viel besser, unbedingt noch einmal anschauen (eintracht.tv ab 23:39), so viele dieser Pässe von Hasebe dürfte man wohl nicht mehr zu sehen bekommen.

Fazit

In dem Spiel stand eher die Verabschiedung einiger Abgänge im Vordergrund, die hier ihr letztes Heimspiel für die SGE absolvierten.

Barkok demonstrierte eindrücklich, dass er nach wie vor in erster Linie hinsichtlich der Handlungsschnelligkeit zu weit weg ist von Bundesligaanforderungen.

Ilsanker machte ein gutes Spiel. Seine bekannten Schwächen im Passspiel waren auch gelegentlich sichtbar, der Spieler ist aber in allen defensiven Anforderungen so stark und auch so sprintstark, dass sein Auftritt nur noch einmal die Frage aufwarf, warum Glasner ihn nicht häufiger ins Team rotierte. In der 52. Minute hatte er nach einer Ecke sogar die große Chance auf einen Abschiedstreffer, den aber Plea auf der Torlinie verhinderte.

Da Costa machte ein solides Da Costa – Spiel mit Höhen (meist in den defensiven Abläufen und Aktionen) und Tiefen (kaum offensive Aktionen). Er wird in Mainz sicher zu mehr Einsätzen kommen.

Lammers hingegen bleibt ein Rätsel. Auch gegen Gladbach zeigte er in einigen Szenen sein Potential, seine Schnelligkeit, sein Spielverständnis und auch eine gute Technik. Dennoch bringt er kaum eine Aktion zum Erfolg, in fast jeder Aktion „geht irgendetwas schief“. Für ihn dürfte ähnliches gelten wie für Barkok: Für das ganz hohe Profiniveau wird es nicht reichen.

Hier aber eine Szene aus der 46. Minute (Nachspielzeit erste Halbzeit) der beiden, in der sie ihre Stärken gut ausspielen können:

Barkok hat genug Platz, um in Ruhe diese Situation zu überblicken, spielt dann einen perfekten Tiefenpass auf Lammers. Dieser hatte zuvor sehr schnell und gut erkannt, dass zwischen Friedrich und Bensebaini kein Kontakt mehr besteht und er daher in den Raum hinter Bensebaini starten muss. Mit seiner Schnelligkeit lässt er Bensebaini auch keine Chance, ihn nochmal einzuholen.

Auch sein Querpass im Sechzehner auf Paciencia, der dann völlig frei aus rund elf Metern kläglich vergibt, ist gut, technisch sauber. Eine tolle Szene der beiden baldigen Abgänge (eintracht.tv ab 54:58).

Auch die Gladbacher investierten wenig in das Spiel, auch bei ihnen war deutlich zu sehen, dass mehr als ein möglichst verletzungsfreier Saisonausklang nicht mehr zu erwarten war.

So entwickelte sich ein sehr friedlicher Sommerkick, der analytisch kaum relevant war.

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SGE – West Ham United 1:0 (1:0)

Spätestens nach der Roten Karte hatten die Engländer kaum mehr eine Chance gegen die SGE. Hier die Spielanalyse zum Finaleinzug.

Die Aufstellung

WHU: Areola – Cresswell, Zouma, Dawson – Fornals (74. Benrahma), Rice, Soucek, Coufal (87. Yarmolenko) – Lanzini (22. Johnson), Bowen – Antonio

Die Statistik

Spielstatistiken

Die Highlights

Quelle: Youtube

Das Spiel

Für den Spielverlauf waren entscheidend:

*1 Mit der Auswechslung von Hinteregger bereits in der 7. Minute verändert sich zwar nicht die Statik des SGE-Spiels, aber die Umstellungen sind durchaus gravierend. Touré kam mit wenig Spielpraxis früh ins Spiel und Tuta war auf der zentralen IV-Position ebenfalls kaum eingespielt. Viel hing davon ab, dass Tuta im Aufbau, Touré in den defensiven Abläufen und die neu formierte Dreierkette insgesamt schnell und teilweise spontan zueinanderfanden. Das gelang recht gut, aber nicht ohne Probleme.

Hier eine Szene aus der 57. Minute, in der es zu Abstimmungsschwierigkeiten kam:

Hier gut zu sehen, dass die Abstände der Dreierkette zu gering sind und weder Kostic noch Knauff die Kette korrekt vervollständigen. Dadurch sind beide tiefen Außen offen – eine sehr gefährliche Situation. Die Hammers spielen dann über Fornals und Bowen die Szene auch stark aus, den Querpass von Bowen muss Touré am langen Pfosten kurz vor Antonio mit einem langen Bein retten.

Vor allem Touré hat wie hier, das ließe sich an einigen weiteren Szenen gut zeigen, oft Probleme mit dem Einschätzen und Einhalten der Abstände, er steht oft zu nah an Tuta. Auch in dieser Szene versucht Tuta, ihm kurz zuvor zu bedeuten, dass er weiter außen stehen muss.

Gerade in der zweiten Halbzeit funktionierte die defensive Organisation aber oft auch sehr gut. Hier eine Szene aus der 70. Minute:

Hier ist die 5er-Kette von Knauff und Kostic ergänzt, die SGE hat auf alle Offensiven des Gegners Zugriff, durch das Durchschieben kann die SGE gegen den Ballbesitzer Rice doppeln und gewinnt den Ball. Tuta gibt hier als zentraler IV die hintere Höhe richtig vor, auch Touré ist gut positioniert mit Zugriff auf Antonio und auf Doppelposition für Knauff/Rode.

*2 Die frühe Rote Karte für West Ham in der 19. Minute veränderte das Spiel entscheidend. In UNterzahl wurde die technische Stärke der SGE noch tragender, durch die zusätzlichen Räume war es für die Eintracht einfacher, das Spiel, auch mit viel Ballbesitz, zu kontrollieren.

*3 Auch zwei taktische Entscheidungen seitens Glasner waren recht auffällig. Zum einen spielte die SGE, auch schon vor dem Platzverweis, auffällig häufig wieder längere Ballpassagen auch aus der letzten Reihe. Das ist interessant, da in der Bundesliga, in der viele Mannschaften sehr früh aggressiv pressen, die Eintracht auf dieses Element oft verzichtet. Schon im Hinspiel war das gegen West Ham, die relativ lange schieben bis sie einen Zugriffspunkt finden, und eher auf unforced errors spielen als sehr früh die Zweikämpfe zu suchen, eine taktische Auffälligkeit, die die SGE da auch beim zweiten Tor mit ihrer technisch-spielerischen Stärke ausgenutzt hatte.

Es war auch diesmal zu beobachten, dass Glasner und die Mannschaft auf dieses etwas zurückhaltendere Pressing des Gegners mit mehr eigenem Risiko in den Aufbaureihen reagierte. Ab 22:26 kann hier so eine Szene eingesehen werden (aus der 12. Minute, also noch vor der Roten Karte). Hier spielt die SGE 13 Pässe hintereinander, alles in der hinteren Reihe, bzw. über Rode, es werden also Angriffsversuche über lange Aufbauphasen und Positionsspiel versucht. Der Versuch hier endet dann mit einem longline-Pass von Touré rechts, der im Aus landet, aber man konnte das über die gesamte Spielzeit beobachten. Auch die vermutlich spielentscheidende Szene, nämlich die Rote Karte, entsteht nach einem solchen Positionsspiel aus der hinteren Reihe.

Anders, und das ist die zweite taktische Entscheidung Glasners gewesen, die auffällig und wichtig war, agierte die Eintracht: Ähnlich wie im Hinspiel und nach dem Platzverweis wieder sehr häufig aktivierte die Eintracht ihr aggressives Pressing in der vorderen Reihe. Das war schon im Hinspiel so praktiziert worden und setzte auch diesmal den Engländern stark zu.

Hier gut zu sehen: Cresswell wird von Hauge eng angelaufen, die SGE presst vorne mit sechs Spielern, Knauff läuft den Cresswell entgegenkommenden Fornals sofort zu, Cresswell bleibt nur der lange Ball. Hier sieht man auch wieder den üblichen Aufbau der Hammers 1-2, bzw. Dreieraufbau, das gleiche also wie im Hinspiel.

Besonders die Spieler Cresswell (solange er auf dem Feld war) und Dawson hatte Glasner offenbar als technische Schwachpunkte ausgemacht, weshalb sie regelmäßig attackiert wurden.

Die West Ham – Kette ist hat hier etwas zu große Abstände, vor allem Cresswell steht zu weit links und etwas zu tief, so entsteht ein Freiraum zwischen ihm und Dawson und hinter dem ebenfalls zu weit aus der Kette gerückten Zouma. Hier gut zu sehen, wie Hauge die Situation erkennt, Kamada zeigt, wo er den Ball hinhaben will und den Freiraum ansprintet.

Diese Aktion geht zu großen Teilen auf die gute Freilaufentscheidung von Hauge.

Hier die Auflösungerscheinungen in der West Ham – Kette: Die vier Verteidiger haben vier verschiedene Höhen, Cresswell muss mit dem recht schnellen Hauge ins 1 gg 1 Richtung eigenes Tor.

Cresswell macht es im Zweikampf zunächst gut, bleibt am Gegner und attackiert ihn von der Torseite, dann spekuliert er aber zu früh darauf, den Ball erreichen zu können und ist somit aus dem Zweikampf. Er kann und muss, wenn er verhindern will, dass Hauge allein aufs Tor zuläuft, diesen umreißen, dafür erhält er dann zurecht die Rote Karte. Klarer Zweikampffehler von Cresswell, er hätte im Zweikampf bleiben müssen und können, dann hätte ihn Hauge ersteinmal ausspielen müssen. So sorgt er für eine frühe Unterzahl seines Teams und entscheidet damit zu großen Teilen dieses Halbfinale. Stark aber auch gemacht von Hauge, sowohl im Erkennen der Situation, als auch in der aggressiven Durchführung.

Nach dem Foul nimmt Moyes sofort Lanzini vom Feld und bringt mit Johnson einen neuen linken Verteidiger um die Viererkette, die das Herzstück sowohl des West Ham – Aufbauspiels (siehe Analyse Hinspiel), als auch des Defensivkonzeptes der Mannschaft ist. Mit Lanzini geht ein Offensiver, ein großer Vorteil für die SGE, jetzt einen Offensiven weniger in der Zentrale bzw. der Halbposition verteidigen zu müssen.

Auch das einzige Tor des Spiels fällt aus einem solchen Positionsspielangriff. Die Eintracht spielt in der Sequenz im Grunde zwei Angriffe aus Positionsspiel hintereinander. Die ganze Angriffssequenz beginnt mit einem Einwurf von Knauff rechts zurück auf Tuta. Es folgen zunächst einige Querpässe, Aufbauversuche über Ndicka und die Sechser Sow und Rode.

Hier die Einleitung des ersten Angriffs in dieser Sequenz. West Ham spielt kein Pressing mehr, alle Aufbau-Optionen der SGE sind möglich, mit Sow und Rode beide ohne Gegnerzugriff anspielbar, Knauff und Kostic außen anspielbar. Das ist im Grunde hier Aufbau-Wunschkonzert.

Rode leitet dann über die Halbposition den Angriff mit einem Pass auf Knauff außen ein, der geht sofort ins Tempodribbling Richtung Sechzehner, die SGE versucht eine Schnellkombination, die die Engländer aber schließlich blocken können. Allerdings landet der geblockte Ball wieder bei der SGE. Hier:

Sow hat hier zwar noch drei Passoptionen, doch die sind alle nicht sehr erfolgversprechend. Zu Rode ist der Passabstand zu klein, auf Kamada haben die Engländer Zugriff und Hauge könnt nur in den Fuß angespielt werden, könnte dann von den Engländern gedoppelt werden. Sow entscheidet sich vollkommen richtig für den Abbruch des Angriffs und Neuaufbau. Nicht im Bild hier ist Knauff, der sich da noch weiter links als Kostic befindet und nicht im Bildausschnitt zu sehen ist.

Knauff hatte zuvor versucht, mit einem diagonalen Lauf in die Spitze gefährlich zu werden. Sows Angriffsabbruch ist für Knauff und die anderen das Signal, wieder die Grundformation vorne einzunehmen und die Aufbauspieler verzögern die Situation so lange, bis die Grundordnung vorne wiederhergestellt ist und startet dann den nächsten Angriff (eintracht.tv ab 35:58).

Auch der ist wieder klares Positionsspiel. Der Aufbaupass kommt von Tuta, entscheidend ist dann das perfekt getimte Zuspiel von Touré in den Lauf von Knauff, dessen Schnelligkeit und sein Laufweg, der zunächst seitlich Raum zu Zouma gewinnt und dann in die Tiefe startet, sein präziser Pass und die Absetzbewegung von Borré in der Zentrale nach hinten. Ein Angriff aus dem Lehrbuch (eintracht.tv ab 36:05). Zouma hätte das Tor mit richtigem Zweikampfverhalten und ausreichend Schnelligkeit verhindern können, aber bei solchen Tiefensprints Richtung Grundlinie hätte er so eng an Knauf bleiben müssen, dass dieser sich nicht Richtung Zentrale drehen kann. Das hat er gegen den schnellen und handlungsschnellen Knauff nicht schaffen können. Hier auch eine wichtige Einzelleistung von Knauff.

Fazit

Mit dem Feldverweis und dem 1:0 war das Halbfinale entschieden. Die Engländer waren bei weitem nicht stark genug, um in Unterzahl auswärts zwei Tore zu erzielen, was ja dann notwendig gewesen wären.

In der Phase zwischen Tor und Halbzeitpause bestand zwischen den beiden Teams fast schon ein Klassenunterschied. In der zweiten Halbzeit verteidigte die SGE das Ergebnis ohne große Probleme.

In der zweiten Halbzeit spielt die Eintracht das Spiel ohne wirklich in Gefahr zu kommen, herunter (64% Ballbesitz, 87% Passquote), bleibt sehr zweikampfstark und aufmerksam. Insbesondere der überragende Ndicka ist von den Engländern im Zweikampf so gut wie nie zu bezwingen. Insgesamt ist die starke 3er-Reiher der SGE mit Ndicka (68% Zweikampfquote), Tuta (60%) und Touré (70%) neben der roten Karte und dem starken Positionsspiel der SGE in beiden spielentscheidenden Highlights der Schlüssel zum Erfolg.

Auch in der zweiten Halbzeit spielt die Eintracht teilweise starke Angriffe durch die Reihen, etwa vor dem Abschluss von Paciencia in der 83. Minute (eintracht.tv ab 38:53).

Entscheidend war letztlich, sowohl im Hin- wie im Rückspiel, dass die SGE spielerisch und technisch stärker war als der Gegner (ausführlich siehe Analyse des Hinspiels).

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Bayer Leverkusen – SGE 2:0 (1:0)

Auf das abgeschenkte Spiel gegen Leverkusen, das in einem sehr lauen Frühsommerkick endete, nur ein flüchtiger analytischer Blick.

Die Aufstellung

Hradecky – Kossounou, Tah, Tapsoba, Hincapie – Aranguiz (81. Palacios), Andrich – Diaby (88. Sinkgraven), Azmoun (87. Baumgartlinger), Paulinho (81. Bakker) – Schick (87. Alario) – Trainer: G. Seoane

Die Statistik

gibt es hier.

Die Highlights

Quelle: Youtube

Das Spiel

Wie oben erwähnt, wurde das Spiel von Trainer Glasner abgeschenkt, die SGE hatte in den 90 Minuten nie eine Chance gegen überlegene Leverkusener, denen man nach dem Spiel danken konnte, dass sie offenbar aus Bundesliga-Solidarität und wohl auch aus eigenen Schonungsgründen nach dem 2:0 im ersten Gang weiterspielten.

Ein solches Treiben ist selbstredend analytisch uninteressant, daher hier diesmal nur ein Blick auf die beiden Tore und die einzige echte Chance der SGE durch Hauge.

Zunächst das 1:0 durch Paulinho in der 18. Minute.

Dem 1:0 ging ein Ballverlust von Hauge im vorderen Bereich voraus, aber die Situation war noch gut zu verteidigen und Hauge muss im vorderen Bereich mit viel Risiko spielen.

Nach dem Ballgewinn der Leverkusener spielt Kossounou einen eher ungenauen Befreiungsschlag Richtung Mittelkreis.

Der entscheidende Fehler liegt bei der Sechser-Abstimmung und dann insbesondere bei Hasebe.

Das ist der herunterkommende Ball, der bei Azmoun landet. Hasebe verlässt seine Position als zentraler Innenverteidiger und geht in das für ihn aussichtslose Kopfballduell mit Azmoun. Dadurch sorgt er hinter ihm für eine verhängnisvolle Kettenreaktion, denn nun ist Schick ganz frei, Ndicka muss sich Richtung Schick orientieren, bei dem die Kopfball-Verlängerung von Azmoun landet, und damit ist Diaby rechtsaußen blank und kann von Schick Richtung Tor geschickt werden.

Diaby lässt sich so ein Geschenk natürlich nicht nehmen, startet mit einem Tempodribbling Richtung SGE-Sechzehner, spielt dann quer auf Paulinho, der gegen Trapp vollendet. Der Fehler liegt klar bei Hasebe, der hier nie und nimmer von Schick weglaufen darf, zumal Hrustic mit einem schnellen Lauf Azmoun noch hätte erreichen können, wenn der den Ball angenommen hätte. Ein weiterer klarer Stellungs- und Entscheidungsfehler von Hasebe und es ist schon ein bisschen spektakulär, wie ein 38jähriger Routinier immer wieder solche einfachen Stellungsfehler produziert, die dann zu Toren führen. Wenn diese Saison eines gezeigt hat, dann dass Hasebe alles ist, nur kein Innenverteidiger. Wäre Hasebe hier bei Schick geblieben, wäre diese Situation sehr gut zu verteidigen gewesen.

Der einzigen echten Chance der SGE in der 42. Minute ging eine gute Ballsicherung von Paciencia und Jakic im Mittelfeld voraus, Paciencia leitet dann weiter auf Kostic, der sofort einen schnellten Anschluss sucht und findet. Hier:

Hier der Anschlusspass von Kostic auf Hauge. Gut zu sehen, dass hier die Linienabstände bei den Leverkusenern zu groß sind, daher ist Hauge zwischen den Linien anspielbar. Er setzt sich dann gegen den etwas ungeschickt in den Zweikampf gehenden Tah durch und steht frei vor Hradecky.

Glück für Leverkusen in dieser Szene, dass Hauge den Abschluss völlig verzieht. Der Angriff war eine recht guter Angriffsvortrag der Beteiligten Paciencia, Jakic und vor allem Kostic und Hauge.

Dann das 2:0 in der 51. Minute und es ist fast schon tragisch, denn auch das Tor wird nur durch einen weiteren Stellungsfehler von Hasebe möglich. Machen wir es kurz und schmerzlos:

Hier gut zu sehen, dass Hasebe ohne Not das Abseits aufhebt. Touré und Ndicka stehen richtig, Ndicka hier auch mit guter Zweikampfführung.

Das Abwehrmanöver der SGE läuft hier eigentlich nach Plan, nur Hasebe macht mit seinem krassen Stellungsfehler die Bemühungen der Kollegen zunichte. In den Highlights oben kann man gut sehen, dass Schick zunächst selbst nicht glauben kann, dass da jemand hinter ihm das Abseits noch aufgehoben hat, aber da kennt er Hasebe schlecht.

Das Fazit

Um nicht falsch verstanden zu werden: Hasebe ist ein überaus verdienter Spieler der SGE und sicher einer der spielerisch besten Sechser, der jemals das Eintracht-Trikot getragen hat. Er gehörte auch im Leverkusen-Spiel zu den wenigen der zweiten Reihe, denen man anmerkte, dass sie fußballerisch Bundesliga-Format haben. Er ist auch nach wie vor ein auch auf diesem Niveau toller Passgeber. Mit den ziemlich komplexen Abläufen in der Letzte-Reihe-Kettenverteidigung ist er jedoch völlig überfordert und dass schon seitdem Kovac auf die Idee kam, ihn Innenverteidiger spielen zu lassen. Er kann diese Position nicht spielen ohne in jedem einzelnen Spiel haarsträubende Stellungsfehler zu produzieren. Man tut dem Spieler wie der Mannschaft einfach keinen Gefallen damit, Hasebe als Innenverteidiger Gegentore produzieren zu lassen und es wäre wirklich ein Schritt nach vorne, wenn Glasner aufhören würde, das immer und immer wieder nochmal sich vorführen zu lassen.

So waren die beiden Fehler von Hasebe hier spielentscheidend, allerdings stellten die Leverkusener nach dem 2:0 ihre Bemühungen auch weitgehend ein und es kann kaum ein Zweifel daran bestehen, dass der Gegner jederzeit das Tempo und den Druck wieder hätte erhöhen können, um das Spiel anderweitig zu entscheiden. Daher ist es natürlich albern, Hasebe hier allein den schwarzen Peter zuschieben zu wollen, überhaupt ist es nicht sein Fehler, wenn er auf einer Position eingesetzt wird, die er nicht spielen kann.

Neben der Hasebe-Problematik zeigte sich in dem Spiel erneut, dass Ragnar Ache so wenig ein kreativer Offensiver ist wie Hasebe ein Verteidiger. Für Ache gilt das gleiche, man tut ihm keinen Gefallen damit, ihn auf einer Halbposition einzusetzen. Der Spieler hat Stärken in den Abschlusstechniken, ansonsten hat er, das konnte jeder, der ihn in dieser Saison beobachtet hat, erkennen, technisch, spielerisch, seitens der Handlungsschnelligkeit und der Handlungsentscheidungsqualität kein Bundesligaformat. Man kann ihn als Zielspieler in der Spitze einsetzen, alles andere ist für den jungen Spieler schlicht eine Überforderung.

Letztlich bestätigte das Spiel ungefähr alle Einschätzungen, die hier im Laufe der Saison analytisch beobachtet wurden, neben den Einschätzungen zu den Einzelspielern die Tatsache, dass die zweite Reihe der SGE mit Ausnahme Hauge, Touré und mit Abstrichen Paciencia kaum einsatzfähig ist. Das ist aber nicht nur mangelnder Qualität der Spieler geschuldet, sondern auch Trainerarbeit. Wenn ein Trainer null Wert auf die Entwicklung der zweiten Reihe legt, ist es kein Wunder, dass diese sich null entwickelt und dass die SGE mit diesem Kader nun nicht einmal mehr in der oberen Tabellenhälfte zu finden ist, hat auch damit zu tun.

Letztes zum Abschenken: Dass die Mannschaft das Spiel nicht mehr prioritär betrachtet hat, ist verständlich, dass Glasner das auch offen so kommuniziert hat, mag zumindest ehrlich sein, besonders sportlich ist ein solches Vorgehen nicht.

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West Ham United – SGE 1:2 (1:1)

Der nächste Favorit lernte die Auswärtsstärke der SGE kennen. Obwohl die Londoner besser auf die SGE vorbereitet waren als Barcelona, konnte sie sich wieder durchsetzen. Zu den analytischen Eigenheiten des Spiels.

Die Aufstellung

WHU: Aréola – Johnson, Dawson, Zouma, Cresswell – Soucek, Rice – Bowen, Lanzini (66. Benrahma), Fornals – Antonio – Trainer: D. Moyes

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen (inkl. herausgeholte Elfmeter) und algorithmisch (aus statistischen Spieldaten) generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

Quelle: Youtube

Das Spiel

Zu dem erneut starken Spiel der SGE in der Euro League und den vergleichsweise schwachen Leistungen in der Bundesliga wird in den Medien ja bereits seit längerem nach Gründen gefahndet und einige der in solchen Fällen aufgerufenen Küchenpsychologien und Fußballphrasen kommen der Wahrheit möglicherweise durchaus nahe. So wäre es ja so unwahrscheinlich nicht, dass die Konzentration in den von den Spielern und – wer weiß – dem Trainer zumindest unbewusst als „wichtiger“ angesehenen Spielen der Europa League höher ist als in den als alltäglich empfundenen BL-Spielen. Nun lässt sich Konzentration ohne weiteres nicht messen, aber besonders konzentriertes Verhalten aller Spieler führt im Mannschaftssport zumindest ehrfahrungsgemäß zu mannschaftstaktisch erhöhter Disziplin. Auch diese ist nicht leicht zu messen, ein Indiz für mannschaftlich erhöhte Disziplin lässt sich indes an den Realaufstellungen ablesen. So sieht man etwa in dem vorliegenden Spiel, dass die vergebenen Positionen auch von Spielern, die sonst etwas taktisch undisziplinierter sind, wie etwa Lindström, deutlich genauer eingehalten wurden, als in fast allen Bundesligaspielen. Wer die Realverteilungsstatistik über die Saison verfolgt hat, wird erkennen, dass diesmal ein Schema entstanden ist, das der nominellen Mannschaftsaufstellung vergleichsweise sehr nahe kommt. Das ist wie gesagt nicht mehr als ein Indiz, aber viel mehr Belege gibt es für Abstraktionen wie die oben genannten nicht.

Allerdings deckt sich das Indiz mit den Spieleindrücken und selbstverständlich lässt sich vieles davon analytisch zumindest anhand einiger Szenen gut zeigen.

Neben der sehr hohen Konzentration und Disziplin seitens der SGE wird im analytischen Spielbericht besonders auf die Herangehensweise des Gegners, die wichtigste Bedingung des auf hohem internationalen Niveau erfolgreichen Eintracht-Spiels, nämlich das extrem hohe technisch-spielerische Niveau der ersten SGE-Elf und eine Antwort auf die Frage, ob eigentlich die vielen defensiven Fehler, die sonst in der BL regelmäßig erfolgreicheres Spiel verhindern, in der EL einfach nicht stattfinden und wenn das so ist, wieso im Mittelpunkt stehen.

Zunächst, weil es diesmal ja gar nicht mehr übersehbar der Schlüssel zum Erfolg war, zu der enorm hohen spielerischen Qualität der ersten Elf. In dieser Kategorie gehört die SGE ganz offensichtlich nicht nur zu den 5 stärksten Mannschaften in Deutschland, sondern auch in Europa zu einem Kreis weniger Teams, die hier ähnlich viel Qualität mitbringen.

Spielerische Qualität lässt sich kategorial grob unterteilen in

  • technische Genauigkeit der Einzelaktionen
  • Abgestimmtheit der Einzelspieler-Aktionen
  • Timing sowohl der durchgeführten Einzelaktionen, als auch der aufeinander abgestimmten Einzelaktionen
  • Adäquatheit spontaner Reaktionen auf Gegnerverhalten sowohl der Einzelspieler, als auch der an den Aktionen beteiligten Spielergruppen

Wie hier immer wieder vertreten, ist wirksames Defensivspiel auch mit durchschnittlichen Bundesligadefensiven sehr gut einstudierbar, das ist die Pflicht der Trainerarbeit. Um ein effektives Offensivspiel zu erzeugen sind hingegen besondere technische Voraussetzungen nötig. Wer erwartet hatte, die teuer zusammengekaufte Star-Truppe aus London (349 Mio.) sei dem deutlich weniger teuren SGE-Kader (199 Mio.) individuell, also in erster Linie technisch, stark überlegen, sah sich erneut getäuscht. Die Eintracht konnte ohne große Probleme spielerisch mithalten. Beide Tore konnten nur deshalb entstehen, das erste bereits nach nicht einmal einer Minute. Entscheidend dabei waren in erster Linie die technischen Einzelaktionen von Tuta, Lindström und insbesondere Borré.

Ausgangspunkt war ein indifferenter Angriffsversuch von West Ham. Der Ball landet bei Tuta.

Hier das einleitende Passspiel. Tutas One-touch-Ball mit dem linken Fuß auf Lindström, dessen Volley-Ablage auf Kamda und dessen sofortiger offensiver Anschluss per Dribbling.

Alle drei Aktionen sind natürlich technische Standardsituationen, aber es kommt auf die exakte Ausführung an. Ein kleiner Stockfehler und der Gegner kann einen entscheidenden Passweg zustellen und der Angriff muss abgebrochen werden.

Auch die beiden folgenden Aktionen finden gewissermaßen unter Anwendung von High-End-Technik statt:

Hier der Steckpass von Kamada auf Borré. Der ist schlicht Weltklasse: exakt so an Dawson vorbeigespielt, dass dieser keine Chance hat, ihn zu bekommen und perfekt in den Lauf von Borré.

Hier kommt dazu, dass Borré einen seiner typischen (diagonalen) Tiefenwege macht und damit die West-Ham-Viererkette zwingt, sehr weit auf die rechte Halbposition durchzuschieben, namentlich der halbrechte IV Zouma. Dadurch entsteht bei Dawson etwas Verunsicherung dahingehend, ob er Borré sofort wieder eng bearbeiten muss, oder mit Zouma die Position tauschen. Zouma geht davon aus, Doppelspieler zu sein und so geht keiner von beiden in den Zweikampf mit Borré.

Hier die Situation bei der Ballannahme durch Borré. Obwohl er schon Strafraumkontakt hat, hat kein West Ham – Spieler Zugriff. Zouma steht richtig auf der Sicherungsposition, auch die übrige Ordnung der Engländer hier ist richtig, allerdings hat Dawson nicht den Weg in den Zweikampf mit Borré gemacht. Ein klarer Stellungsfehler von Dawson. Der falsche Weg von Dawson und die Folge, dass nämlich Borré ohne maximalen Gegnerdruck seine technische Aufgabe durchführen kann, ist entscheidend für das Tor. Unter eintracht.tv ab 7.27 kann das nochmal in aller Ruhe nachvollzogen werden.

Danach kommt es wieder zu so einem High-End-Zusammenspiel. Die Flanke von Borré Richtung dem mit vollem Tempo und mit perfekt getimtem Laufweg gestarteten Knauff ist genauso stark wie der Steckpass von Kamada zuvor. Auch der Knauff-Kopfball ist dann sehr gut und unhaltbar.

Weitere solcher spielerischen Highlights finden sich in der 39. Minute (eintracht.tv ab 44:20) – hier eine Kontersituation mit Borré und Knauff, bei der man sehr schön sehen kann, wie wichtig das Timing in solchen Lauf-Pass-Kombinationen ist. Entscheidend ist, dass Knauff im richtigen Moment im Vollsprint eine Richtungsänderung vornimmt. Man kann das im Standbild kaum zeigen, die Szene ist aber sehr interessant und führte zu einer Großchance für Knauff. (auch oben in den Highlights ab 2:10 zu sehen).

Der vielleicht beste geplante Angriff der SGE führt in der 54. Minute zum 2:1-Siegtreffer nach einer langen Ballphase der SGE und es fragt sich wirklich, warum Glasner dieses Spiel über viel eigenen Ballbesitz und Positionsspiel in der Bundesliga über weite Strecken der Saison kaum spielen ließ. Hier der Angriff im Detail. Ausgangspunkt ist ein tiefer flacher Aufbaupass von Hinteregger:

Hier der Hinteregger-Pass. Das kann ein Initialpass sein, da er 5 Gegenspieler aus dem Spiel nimmt, Kamada entscheidet sich aber dafür, das Spiel nicht mit einem direkten Spiel zum Abschluss weiterzuführen, sondern setzt auf Positionsspiel, nimmt den Ball also zunächst an und lässt ihn im vorderen Drittel weiterzirkulieren.

Aus gutem Grund, denn in dieser Szene ist die SGE mit allen Offensiven vorne besetzt und West Ham hat bis dahin keinen Zweikampfzugriff gefunden, verschiebt also noch im Raum. Als nächstes stellt die SGE eine multioptional ausspielbare gruppentaktische Ausgangsposition. Hier:

Man braucht kein großer Experte zu sein, um zu sehen, dass diese Situation multioptional ist und dass West Ham weder Zugriff noch eine klare, ausreichende Überzahl hat, um gefährliche Angriffsfortsetzungen wirksam verhindern zu können. Eingezeichnet ist nur die Kombination, die dann wirklich von der SGE durchgeführt wurde, nämlich ein Doppelpass Sow-Lindström-Sow, mit dem Sow frei vor Hammers-TW Areola auftaucht.

Um dieses Manöver durchführen zu können, benötigen Kostic, Sow und Lindström dann wieder ihre technische Stärke und ihr starkes Kombinationstiming. Im Bewegtbild sieht man sehr gut, wie exakt das getimt sein muss, damit es funktioniert. Sows Pass auf Lindström, Sows sofortiger Antritt, schließlich Lindströms Weltklasse-Uwe-Bein-Gedächtnispass auf Sow.

Dass der Doppelpass eine der wichtigsten gruppentaktischen Offensivmittel ist, ist eine Binse. Hier sieht man, dass der Doppelpass auch eines der voraussetzungsreichsten (vor allem technisch) Mittel überhaupt ist, da er unter hohem Gegnerdruck und mit Präzision durchgeführt werden muss. Der Pass hier von Lindström ist perfekt, ebenso der Laufweg von Sow.

Als nächstes ein Blick auf den Gegner. Die Hammers starten ihre Angriffe häufig mit 1-2-Aufbau, wahlweise über einen leicht abkippenden Sechser bzw. Mittelfeldspieler als Aufbauspieler, während die Außenverteidiger im Aufbau oft sehr weit vorne, nicht selten in oder hinter die Spitze aufrücken.

Hier gut zu sehen der 1-2-Aufbau hinten und dass die beiden Mittelfeldspieler Rice und Lanzini im Aufbau beteiligt sind. Beide Außenverteidiger sind weit aufgerückt.

In den statischen, tiefen Situationen, wie hier, lief die vordere 3er-Reihe der SGE nicht aggressiv an. Im Gegensatz zum Barcelona-Spiel war das Angriffspressing der SGE allerdings durchaus nicht komplett abgeschaltet. Im Gegenteil wartete die Mannschaft auf jede von diesem Standardaufbau abweichende Situation, um auch ganz bis nach vorne nachzuschieben und die Hammers bereits im eigenen Aufbau auch „echt“, also auf Zweikampf/Ballgewinn zu attackieren.

Nach einem Einwurf der Engländer nutzt die SGE die Standardsituation, um in vorderster Linie zu pressen. Lindström attackiert Cresswell auf Ballgewinn, also aggressiv. Der kann nur auf Fornals sicher passen und Fornals befindet sich mitten in der Pressingfalle zwischen Knauff und Lindström. Der Ball von Cresswell landet dann bei Knauff, der ihn allerdings nicht kontrollieren kann.

Aber solche Szenen ließen sich viele zeigen. Glasner und seine Scouts waren offenbar zu dem Ergebnis gekommen, dass West Hams Defensivspieler technisch deutlich schwächer seien als die von Barcelona und man sie daher gut und effektiv vorne anlaufen kann. Nicht nur in dieser Szene funktionierte das sehr gut.

Ein anderer taktischer Move der SGE im Spiel war, dass die Mannschaft von Glasner es schaffte, die Londoner häufig zu Halbfeldflanken zu zwingen. Es war offenbar bekannt, dass die Hammers sehr schnell den Weg in die Spitze suchen und gern schnell die Bälle auch aus dem Halbfeld in den Sechzehner flanken. Man kann gut sehen, wie die SGE also alle Tiefenbälle zustellt, die Halbfeldflanken aber zulässt, da man diese beim Empfänger recht gut verteidigen kann. Wie hier in der 91. Minute:

Gut erkennbar, dass drei tief stehende SGE-Verteidiger den langen Flankenball erwarten, während Rode, Touré und Sow die Tiefenpasswege zum Tor zustellen und Kamada und Kostic die nach außen auf Johnson. So bleibt Bowen hier nur ein Querpass oder die Halbfeldflanke. Er flankt, den Kopfball gewinnt dann Tuta.

Direkt im Anschluss flankt übrigens Rice vom Sechzehnereck auf Bowen, dessen Fallrückzieher dann an der Latte landet. So ganz ungefährlich ist es also nicht, den Gegner aus dem Halbfeld flanken zu lassen. Trotzdem war es eine effektive Entscheidung, das so zu machen, denn alles kann man nicht verhindern und diese hohen Flanken konnten die SGE-Verteidiger meist gut abwehren.

Schließlich zu der Frage, ob in der EL die Spieler plötzlich ihr ansonsten häufiges defensives Fehlverhalten einfach abstellen können. Die Antwort ist naturgemäß einfach: Können sie nicht. Man könnte viele Beispiele in dem Spiel zeigen, an dieser Stelle nur zwei, weil das hier auch schon öfter ausführlich gezeigt wurde. Hier die Szene aus der 34. Minute:

Hier gut zu sehen, dass Tuta hinten einen No-Abseits-Raum öffnet, indem er zu tief steht. Natürlich spekulieren die Engländer auf genau solche Fehler, Antonio steht in diesem Raum, auch Bowen spekuliert hier auf diesen Raum, steht allerdings dann doch einige Zentimeter im Abseits.

Und Szene Nr. 2 aus der 69. Minute:

Das ist ein abgewehrter Freistoß und Rückpass auf Benrahma. Gut zu verteidigen eigentlich für Rode und Hauge. Hauge kann gut seitlich in den Zweikampf kommen, Rode als zweiter Mann in den Zweikampf gehen. Stattdessen rennt Rode auf Benrahma los, der ihn mit einer einfachen Schussfinte aussteigen lässt und was Hauge in diesem Zweikampf macht, darüber einen dicken Wintermantel des Schweigens.

Mit dem Spieler Hauge muss aber wirklich dringend einmal darüber gesprochen werden, wie man in defensive Zweikämpfe kommt.

Dass die Fehler seltener als in den BL-Spielen auftauchen, kann tatsächlich gut mit erhöhten Konzentrationswerten erklärt werden, ebenso mit der oben schon erwähnten höheren taktischen Disziplin, analytisch letztlich auch damit, dass diese taktische Zusatzdisziplin dazu führt, dass mehr Spieler an den jeweiligen Defensivaktionen beteiligt sind, hier also erhöhte Quantität dazu führt, dass Fehler eher ausgebügelt werden können.

Fazit

Die SGE konzentrierte sich bei der defensiven Arbeit sehr stark auf die Tiefenverteidigung, ließ Halbfeldflanken bewusst zu, wusste wohl auch, dass die Engländer diesem Mittel nicht abgeneigt sind, und setzte dann alles daran, die Flugbälle dort zweikampfseitig zu verteidigen, wo sie herunterkamen. Das funktionierte meist recht gut und führte dazu, dass die Engländer nur zu relativ wenigen Großchancen aus dem Spiel kamen.

Tatsächlich hatte die SGE in drei Szenen etwas Glück, wobei der erste Pfostentreffer der Londoner ziemlich sicher nicht gezählt hätte, da in der Entstehung an entscheidender Stelle ein Foul an Tuta vorausgegangen war, daher auch analytisch irrelevant (obwohl Tuta da auch wieder sehr optimistisch in den Zweikampf rennt). Der zweite Pfostenschuss der Engländer war ein Fernschuss, nicht herausgespielt. Der Pfostenabschluss von Kamada in der 79. Minute hingegen war Ergebnis eines 2-Pass-Konters der SGE über Tuta und Borré, sowie einer starken 1 gg. 1 – Führung Kamadas (eintracht.tv ab 34:21). Viel Glück für West Ham, dass es da nicht 1:3 steht.

Im eigenen Ballbesitz setzte die SGE etwas überraschend oft auf ruhiges Positionsspiel und spielte ihre spielerische Stärke so optimal aus. Beide SGE-Tore waren sehr stark herausgespielt.

Im Rückspiel dürften sich die grundlegenden Voraussetzungen kaum ändern, die SGE wird erneut überaus konzentriert zu Werke gehen müssen, vor allem im defensiven Block die fehlende individuelle Zweikampfsicherheit durch Quantität und Disziplin, also zuverlässig zur Fünferkette ergänzte Dreierkette plus eine erneut starke Doppelsechs kompensieren müssen. Im vorderen Drittel ist die Mannschaft ohnehin so stark besetzt, dass sie kaum zu verteidigen ist.

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SGE – TSG Hoffenheim 2:2 (1:1)

Das Unentschieden gegen die Hoffenheimer brachte wenig Neues, dennoch ein kurzer Blick auf das Spiel und seine Höhepunkte.

Die Aufstellung

TSG: Baumann – Posch, Vogt, Akpoguma (46. Nordtveit, 89. Adams) – Raum, Stiller, Samassekou (67. Rudy), Bebou – Bruun Larsen (67. Rutter), Kramaric – Dabbur (87. Skov) – Trainer: S. Hoeneß

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen (inkl. herausgeholte Elfmeter) und algorithmisch (aus statistischen Spieldaten) generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

gibt es vorerst hier.

Das Spiel

Das 0:1 in der 12. Minute durch ein Eigentor von Ndicka ist nichts als ein Geschenk, denn Ndicka geht ohne Not zum Ball:

Hier stimmt eigentlich alles, die Kette steht richtig, Kostic ist eingerückt, wäre weit vor Bebou am Ball gewesen, die Flanke von Kramaric war ohnehin zu ungenau, Dabbur hatte keine Chance, dranzukommen, Ndicka hätte den Ball einfach durchlassen können, dann wäre er in Trapps Armen gelandet. Stattdessen köpft er den Ball unhaltbar ins eigene Tor.

Was aber noch interessant ist an dem Tor: Die Flanke war Ergebnis guten Positionsspiels der Hoffenheimer, ein Element, das die Eintracht seit der Unentschiedenserie vom Saisonbeginn praktisch komplett abgeschaltet hat. Vielleicht eine Erklärung dafür, dass der qualitativ ähnlich besetzte Kader der Hoffenheimer bisher sechs Punkte mehr sammeln konnte als die SGE.

Hier der Aufbau der TSG. Raum überspielt mit seinem gezielten Tiefenball ins Mittelfeld auf Kramaric gleich 3 SGE-Spieler und damit das komplette SGE-Angriffspressing. Danach spielen Kramaric und Bruun Larsen mit einem Doppelpass im 2 gg. 1 Tuta aus, dann flankt Kramaric und Ndicka köpft ins eigene Tor.

Hier liegt zwar auch ein ziemlich eindeutiger Stellungsfehler von Rode vor, der sich mindestens entscheiden muss, auf wen er Zugriff haben will, Stiller oder Kramaric. Wenn er sich, wie hier, zwischen die beiden Passwege stellt, kann er naturgemäß beide nicht verhindern. Im Optimalfall deckt er den tiefen Passweg auf Kramaric ab. Alternativ könnte Knauff den Ballbesitzer Raum auf der Innenbahn anlaufen, dann könnte Rode Zugriff auf Stiller erlangen und das Pressing wäre geordnet. Stattdessen ermöglicht die SGE den Tiefenpass aus Kramaric, womit die TSG im Tempo ist und den Angriff in die torgefährliche Zone vortragen kann.

So sehr das auch ein Stellungsfehler seitens der SGE gewesen sein mag, so sehr ist hier und im ganzen Spiel zu sehen, dass die Hoffenheimer solche Situationen suchen, das Spiel in der letzten Reihe breit anlegen und mit ähnlichen Mustern versuchen, über Positionsspiel – also kontrolliert – Tiefe in das eigene Spiel zu bekommen. Ein Element, das man bei der SGE kaum noch sieht.

Was so schade wie unverständlich ist, denn dass die Mannschaft technisch in der Lage ist, das umzusetzen und wie wirksam ein starkes Positionsspiel sein kann, zeigte die Mannschaft selbst in der 39. Minute, als man mit 9 Pässen die größte Chance der ersten Halbzeit herausspielte:

Hier der letzte Pass von Kostic auf Lindström, der dann frei aus 10 Metern an Baumann scheitert.

Hier der komplette Angriffsvortrag:

Mit dem Hinteregger-Pass auf Kamada, der sofort gegen zwei Hoffenheimer ins Dribbling geht, ist Tempo im Spiel. Kamadas Pass auf Kostic (4) spielt dieser one touch weiter auf Rode, eine Weltklasseaktion von Kostic, sowohl hinsichtlich Entscheidung als auch Präzision. Aber auch die Verarbeitung von Rode ist dann stark, wie auch sein Pass in den Lauf von Kostic.

Es ist wirklich sehr erfreulich, solch großartige Fußballer wie Kostic, Rode und Kamada im Waldstadion fußballspielen zu sehen. Umso wichtiger wäre es, diese spielerisch-technische Klasse auch öfter über solche Positionsangriffe auszuspielen.

In der 32. Minute erzielt Ndicka das 1:1 nach einer Kostic-Ecke. Ndicka macht das stark, allerdings ist in dieser Szene auch die Hoffenheimer Boxbesetzung etwas wunderlich, was aber nicht unser Problem sein soll. Viel interessanter ist die Entstehung der Ecke, denn sie ist idealtypisch für das SGE-Spiel.

Dies ist eigentlich eine Kontersituation der Hoffenheimer, aber die SGE ist hier sehr stark in der Kontersicherung, gut besetzt und klar in Überzahl. Hier gewinnt Jakic den entscheidenden Zweikampf gegen Kramaric. Der Ball landet dann über Ndicka bei Kostic.

Kostic startet dann ein starkes Tempodribbling bis zum Sechzehnereck und schießt von dort aufs Tor – Baumann muss mit einer starken Parade halten. Die folgende Ecke köpft Ndicka dann ins Tor.

Dem 2:1 in der 66. Minute geht eine starke Zweikampfleistung von Jakic im Gegenpressing voraus, allerdings auch ein sehr umständlicher Umschaltversuch der Hoffenheimer. Das Tor ist analytisch kaum interessant, zeigt aber das ganze Jakic-Dilemma (sehr motivierter, einsatzfreudiger, auch zweikampfstarker Spieler mit (zu) großen Schwächen bei den Anschlussaktionen, Handlungsentscheidungen, Handlungsschnelligkeit):

Hier gewinnt Jakic den Ball gegen Bebou (und zwei weitere Gegner):

Hier (keine Sekunde später) ist er von der Anschlusssituation überfordert und verliert den Ball wieder (zu weit vorgelegt):

Dass der Ball von Posch dann bei Ndicka landet, ist etwas Glück. Der Anschluss von Ndicka und Kamada ist dann natürlich sehr stark gemacht.

Dem zweiten Gegentor in der 76. Minute ging ein erbärmliches Zweikampfverhalten von Knauff und Hauge voraus und wo ja demnächst das Saisonfazit ansteht, kann man schon jetzt sagen, dass der Hauptgrund dafür, dass die SGE mit diesem Kader wohl nur Tabellenachter oder -neunter werden wird, die Tatsache ist, dass sich die Mannschaft in praktisch jedem zweiten Spiel mit einem defensiven Anfängerfehler mindestens einen Gegentreffer einfängt. Diesmal also Knauff und Hauge:

Hier die Situation vor dem Tor. Knauff und Hauge haben ein gewissermaßen ideales 2 gg. 1 gegen Raum. Hauge hat Zugriff, Knauff hier noch einen sehr guten Abstand zum Doppeln. Doch statt diese defensive Standardsituation professionell zu lösen, rennt Hauge völlig unmotiviert von hinten seitlich in den Körperzweikampf und Knauff rennt – noch unmotivierter – blindlinks Richtung Ball.

Raum ist dann selbst überrascht, dass ihm der Ball vor den Füßen landet und die zwei Frankfurter sich aus dem Zweikampf einfach freiwillig verabschiedet haben. Die Gegner in der Bundesliga können ihr Glück regelmäßig kaum fassen. Solche Szenen sind in der Bundesliga und im Profibereich – außerhalb von Eintracht Frankfurt – wirklich nicht oft zu beobachten:

Hier das Ergebnis: Die beiden Spieler, die eben noch eine gute Überzahlsituation hatten, sind völlig düpiert, Meter weit abgehängt von Raum. Dessen Flanke köpft Rutter dann in der Mitte ohne Probleme ins Tor.

Man möge sich das bitte einmal anschauen bei eintracht.tv ab 33:30

Solche Flanken sind dann oft schwer zu verteidigen, hier ist es ein verlorenes 1 gg. 1 von Ndicka gegen Rutter, also noch am ehesten von Ndicka zu verteidigen, wenn er früher einen Schritt zum Gegner gemacht hätte.

Um es noch einmal klar zu sagen: Fehler können passieren, das passiert auch in Profimannschaften, aber es kommt schon auf die Qualität der Fehler an. Solche krassen Abstimmungsfehler wie hier, sind einfach nicht Profilevel und defensive Abstimmung ist und bleibt Trainerarbeit.

Fazit

Mit dem Einsatz der eingespielten Offensivreihe Kostic-Kamada-Borré-Lindström-Knauff war die Eintracht – anders als noch gegen Union Berlin – wieder konkurrenzfähig. Die Eintracht war, wie in der Mehrzahl der Spiele und trotz der etwas ausgereifteren Spielanlage der Hoffenheimer, die bessere Mannschaft, konnte aber mit der Feldüberlegenheit (ziemlich deutliche 32% zu 22%) erneut nichts Entscheidendes anfangen.

Nach dem geschenkten 0:1 kämpfte sich Ndicka sehr konsequent ins Spiel zurück, holte sich in der 23. Minute bereits eine Lindström-Ecke und köpfte sie nur knapp übers Tor, kurz drauf macht er dann das 1:1 nach einer Kostic-Ecke. Das dokumentiert auch den Fortschritt, den Ndicka in dieser Saison gemacht hat.

Im übrigen ist die Entwicklung des Teams etwas zum Stillstand gekommen. Der im übrigen dumme neoliberale Spruch, wonach Stillstand Rückschritt bedeute, muss im Fußball, dessen Wesen die Teamkonkurrenz ist, zutreffen, denn wo es im Mannschaftssport keine Weiterentwicklung gibt, stellt sich oft Regression ein, was man dann manifest im Zurückfallen von Spielern, Mannschaftsteilen und ganzen Mannschaften in alte, falsche bzw. überwundene, also eigentlich weiterentwickelte, Verhaltensmuster beobachten kann. Das wurde hier anhand des Union-Spiels schon ausführlich an dem regressiven Zweikampfverhalten des Spielers Tuta dokumentiert, gegen Hoffenheim zeigten sich nun tendenziell mannschaftliche Regressionen, namentlich das Spiel über Kostic als Dauereinbahnstraße. Das sind nur Tendenzen, aber doch durchaus sichtbar.

Besonders krass und mittlerweile wirklich punktemäßig teuer sind die regelmäßigen krassen defensiven Fehler. Weder individual- noch gruppentaktisch ist Glasner mit den Spielern in der nun fast abgeschlossenen Saison entscheidend weitergekommen. Das ist bedenklich, zumal es sich um Fehlverhalten handelt, das so total falsch ist, dass man es eigentlich recht gut und schnell mit didaktischen Reihen bearbeiten und verbessern kann. Diese Arbeit ist ausgeblieben, wohl der Hauptgrund dafür, dass dieser starke SGE-Kader nur einen Mittelfeldplatz in der Bundesliga belegen wird.

Es steht zu befürchten, dass auch in den anstehenden Halbfinals gegen West Ham United diese extreme Schwäche nicht ohne Konsequenzen bleiben wird. Es ist kaum zu erwarten, dass noch einmal ein Gegner wie der FC Barcelona in vollendeter Arroganz auf eine Gegneranalyse einfach verzichtet und der Eintracht fröhlich in alle Fallen läuft und genauso spielt, wie es der SGE am liebsten ist.

Immerhin hat Glasner die dauernden Kettenfehler, das oft totale Kettenchaos, das er von Hütter geerbt hat, einigermaßen in den Griff bekommen können, das allein aber genügt nicht, um in der Tabelle mit den vor allem defensiv deutlich koordinierter agierenden Konkurrenten wie Köln, Freiburg oder Union Berlin mithalten zu können. Dafür müssen auch alle anderen defensiven Abläufe gut funktionieren und unforced errors gegen Null tendieren und das ist bei der Eintracht derzeit einfach nicht der Fall.

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Union Berlin – SGE 2:0 (2:0)

Die SGE hatte in dem Spiel nie eine Chance. Ein analytischer Blick auf das ziemlich betrübliche Treiben an der alten Försterei.

Die Aufstellung

Union: Rönnow – Jäckel, Knoche, Baumgartl – Ryerson (84. Trimmel), Haraguchi (67. Schäfer), Khedira, Prömel, Giesselmann (84. Oczipka) – Awoniyi (80. Michel), Becker (67. Voglsammer)

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen (inkl. herausgeholte Elfmeter) und algorithmisch (aus statistischen Spieldaten) generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

Quelle: Youtube

Das Spiel

Die einschlägigen Statistiken oben verraten es schon: dauerhaft mehr Ballbesitz als der Gegner und trotzdem mehr Ballzeiten im eigenen als im gegnerischen Drittel – bedenkliche Zahlen, da sie dafür sprechen, dass man mit dem vielen Ballbesitz wenig anzufangen wusste, bzw. auf gezieltes Daraufhinspielen des Gegners.

Und so ungefähr war es auch. Ähnlich wie in der Spätphase der vergangenen Saison haben inzwischen alle Bundesliga-Gegner verstanden, wie das SGE-Spiel funktioniert und wie es recht wirksam bekämpft werden kann. Das Problem, das hier seit der frühen Saisonphase angesprochen wurde, schlägt inzwischen voll durch: Während Glasner und das Team im ersten Saisonviertel noch das Element langer Ballpassagen aus der eigenen letzten Reihe bis zum Abschluss (Positionsspiel) zumindest gelegentlich und auch durchaus nicht ganz erfolglos in ihrem Spiel anwendete, hat Glasner das nach der Unentschiedenserie in dieser Saisonphase bis heute weitgehend eingestellt. Stattdessen spielt die SGE mit einem mehr oder weniger dauerhaften Angriffspressing und Schnellkombinationen nach Ballgewinnen im Pressing oder im Mittelfeld.

Union Berlin schlug die SGE in diesem Spiel mit den eigenen Waffen, in diesem Fall indem sie einfach ebenfalls Angriffspressing spielten, nur eben viel aggressiver und aufwendiger als die SGE. Außerdem standen die Berliner tiefer und spielten ihr Konter- und Pressingspiel viel konsequenter, überließen der SGE ganz bewusst die Initiative, mit der die Eintracht aber aufgrund des fehlenden bzw. eingestellten Positionsspiel nicht viel anfangen kann, was sich während der gesamten Saison zeigt und wie gesagt, inzwischen jedem Gegner bekannt ist. Hinzu kamen weitere entscheidende Faktoren:

  • Die schwachen Leistungen der SGE-6er Hrustic und Jakic

Hrustic, das wurde hier schon mehrfach dokumentiert, ist kein 6er und für diese Position ungeeignet. Inzwischen stellt sich die Frage, inwiefern der Spieler auf Bundesliganiveau überhaupt einsatzfähig ist. Der Leistungsunterschied zu den beiden Stamm-6ern Rode und Sow ist so groß, dass der Ausfall von beiden so schwer wiegt, dass es die Statik des SGE-Spiels insgesamt so stark beeinträchtigt, dass es instabil wird. Nur einige Beispiele für krasse Fehlleistungen beider SGE-6er, es ließen sich ein Dutzend weitere zeigen:

Hier eine Szene aus der 10. Minute, Stand 0:0 und eine recht gute Situation für die SGE. Man sieht, dass die Union-4er-Kette keinen Zugriff auf Kostic hat, der Passweg ist ebenfalls komplett frei, die SGE hat eine halbwegs brauchbare Boxbesetzung mit Paciencia, Hauge und Lindström, Jakic und Hrustic sind auch noch in Schlagdistanz. Natürlich muss der Ball hier nach außen gespielt werden, die ganze Mannschaft erwartet auch diesen Ball und eine Spielfortsetzung durch Kostic. Stattdessen schießt Hrustic den Ball hier aus fast 25 Metern drei Meter neben das Tor.

Das zweite Tor der Berliner in der 21. Minute ist ein krasser individueller Fehler von Jakic und dann ein starker Schuss von Prömel.

Hier die Situation vor dem Tor. Haraguchi sprintet hier in den Zweikampf mit Jakic, Tutas Pass ist zu schwach gespielt, überhaupt kann man fragen, ob Tuta am eigenen 16er hier einen solchen Pass spielen sollte – trotzdem muss Jakic da natürlich mit dem ersten Kontakt entscheiden, entweder ein Tempodribbling aus der engen Situation versuchen, einen Pass mit dem ersten Kontakt spielen, oder den Ball schlagen. Er nimmt ihn aber im Stand an (!) und so können die Berliner sich den Ball abholen und Prömel ihn dann ins Tor schießen.

Auch bei Jakic sind solche krassen Entscheidungsfehler keine Seltenheit, auch er wird zügig den nächsten Schritt machen und sich an den hohen Handlungsdruck im oberen Profibereich gewöhnen und seine Fehlerquote massiv reduzieren müssen, wenn er nachhaltig auf diesem Niveau spielen will. Beide Spieler sind noch meilenweit von Rode und Sow entfernt. Wenn einer der beiden auf dem Platz steht, mag das nicht so auffallen, allein sind Jakic und Hrustic nicht in der Lage, ein zentrales Mittelfeld in der Bundesliga angemessen zu bilden.

  • Das eigene zu inkonsequente Angriffspressing

Eine der Konstanten des SGE-Spiels war die ganze Saison über das frühe Anlaufen/Pressen des Gegners. Das ist ziemlich laufintensiv und macht nur Sinn, wenn ernsthaft auf Ballgewinne gespielt wird. Dazu müssen die Manöver mit großem Personal- und Laufaufwand durchgeführt werden. Ziel ist, auf alle konstruktiven Anspielstationen des Gegners Zugriff zu erlangen und so Ballgewinne zu erzwingen. Bei der SGE sahen die Bemühungen gegen Berlin oft so aus, wie in dieser Szene aus der 59. Minute:

Hier laufen Ache und Paciencia vorne an, erhalten aber keine Unterstützung von Hauge und Kamada, die mit viel zu großen Abständen keine Anstalten machen, sich an der Pressing-Situation zu beteiligen. So hat Rönnow zwei konstruktive Anspielstationen, die vollkommen frei stehen.

Ob man ein solches Element gegen einen Gegner, der im Grunde jeden Aufbauball nach vorne bläst, überhaupt einsetzen sollte, ist schon fragwürdig. Wenn man es jedoch tut, muss das sehr weit vorne und sehr aggressiv angesetzt werden. Nichts davon war von Seiten der SGE zu sehen, im Gegenteil.

  • individuelle Fehler in der Defensive

Das 0:1 fällt nach zwei langen Bällen der Berliner und einem Zweikampf- bzw. Stellungsfehler von Hinteregger (man kann aber gut und gerne auch die Ansicht vertreten, dass das ein ziemlich klares Foul an Hinteregger war. Nur wenn es kein Foul war, war es ein Fehler).

Im gesamten Spiel war Tuta, wie in den vergangenen Spielen, ein Schwachpunkt. Er ist inzwischen wieder vollkommen in sein altes, in jedem zweiten Zweikampf fehlerhaftes Spiel zurückgefallen und so im Grunde nicht einsetzbar. Inzwischen wissen alle Gegenspieler, dass sie mit Ball an Tuta einfach vorbeirennen können, da er in Zweikämpfen mit Gegner im Laufen einfach stehen bleibt, weder die Innenbahn konsequent zustellt, noch irgendwelche Anstalten macht, seitlich Tempo aufzunehmen und so in den Zweikampf zu kommen:

Bei dieser Top-Chance der Berliner aus der 63. Minute macht Tuta seinen katastrophalen Lieblingsfehler: Gegen den im vollen Tempodribbling auf die Innenbahn ziehenden Awoniyi bleibt er einfach stehen wie ein Stein und versucht, mit einem langen Bein den Ball zu gewinnen. Weder stellt er die Innenbahn zu, noch versucht er seitlich Tempo mit dem Gegenspieler aufzunehmen.

Es ist wirklich auch erstaunlich, dass der Spieler nicht selbst merkt, dass er mit derartigem Verhalten gegen keinen Bundesligastürmer mit etwas Tempo jemals einen Ball gewinnt. Wenn ein hochbezahlter Trainer wie Glasner über Monate nicht in der Lage ist, ein solches Fehlverhalten zu beheben, könnte der Spieler ja vielleicht selbst einmal darauf kommen, dass an dieser Art der Zweikampfführung etwas nicht stimmen kann und man dem Gegenspieler damit ungefähr so viel entgegenzusetzen hat wie eine Slalomstange. Dass Awoniyi hier völlig freistehend aus 16 Metern den Ball übers Tor schießt, ist pures Glück für die SGE.

  • Kettenfehler bzw. schlechte Abstimmung
Hier die Szene vor dem 1. Tor (17. Minute): Tuta muss im MIttelfeld den langen Ball von Rönnow verteidigen und gegen Becker in den Kopfballzweikampf. Tuta kommt zwar an den Ball, kann den Kopfball aber nicht platzieren, der Ball landet bei Khedira, der ihn direkt in die Spitze auf Awoniyi spielt. Dieser geht dann in den Laufzweikampf gegen Hinteregger, setzt sich (regeltechnisch durchaus grenzwertig) gegen Hinteregger durch und schießt das 1:0.

Es ist durchaus fraglich, inwiefern dieses extrem weite Aufrücken zum Angriffspressing zielführend ist gegen eine Mannschaft, die unentwegt lange Bälle spielt. Hinteregger in Sprintduelle gegen Awoniyi zu schicken, insbesondere wenn statt des stärksten 1 gg. 1 – Bundesligatorwarts Trapp mit Jens Grahl ein Spieler im Tor spielt, der seit Jahren kein Pflichtspiel mehr bestritten hat, ist ebenfalls fragwürdig. Die Mannschaft derartig ins Verderben laufen zu lassen, ist von außen kaum nachzuvollziehen.

Noch eine Szene aus der 23. Minute:

Der Pass wird von Haraguchi gespielt, gegen den Hrustic zuvor das gemacht hat, was er für Zweikampfführung hält, Haraguchi kann den Ball also unbedrängt Richtung Awoniyi spielen. Jakic ist ebenfalls links eingerückt, Hinteregger sehr weit (zu weit) nach links gerückt, Chandler hat zu spät die Kette ergänzt. Ergebnis: Berlin hat eine 4:2-Überzahl direkt zum SGE-Tor.

Prömel schießt den dann freistehend neben das Tor. Viel Glück für die SGE.

Eine solche Kettenabstimmung im defensiven Block ist einer Profimannschaft schlicht unwürdig und diese Fehler bestehen so oder so ähnlich (man erinnere sich an die Gegentore gegen Freiburg zuletzt) seit Saisonbeginn. Zwischenzeitlich konnte die Mannschaft die Fehlerquote etwas reduzieren, inzwischen treten diese haarsträubenden Kettenfehler wieder regelmäßig auf, das ist und bleibt Trainerarbeit.

  • fehlende Kaderbreite

Neben dem Angriffspressing, das die Berliner gut umgehen konnten, ist die zweite gute Waffe der SGE die extrem starke, schnelle und technisch gute Offensivreihe Kostic-Kamada-Borré-Lindström-Knauff. Das Problem ist, dass diese Reihe stark aufeinander eingespielt und damit auch aufeinander angewiesen ist. Die SGE hat zwar einige Spieler im Kader, die spielerisch in der Lage sind, in diesem Reigen mitzuhalten (Hauge, Paciencia, mit Abstrichen Lammers), allerdings spielen diese Spieler so selten, dass sie so wenig mit den Kollegen eingespielt sind, und daher kaum einsetzbar sind. Auch ist der spielerische Qualitätsunterschied der 5 selbst zu Hauge noch sichtbar. Auch Hauge zerlegt eigene Angriffe mit falschen Passentscheidungen und/oder technisch schwach ausgeführten Pässen. Ein Beispiel:

16. Minute: Hier eine eigentlich recht gute und übersichtliche Angriffssituation der SGE: Chandler ganz rechts steht vollkommen frei, kann tief mit einem Tempoball angespielt werden, auch Lindström ist anspielbar, Hauge hat auch Platz für ein Tempodribbling, eigentlich auch eine seiner Stärken. Stattdessen entscheidet er sich für einen gewagten Flugpass in den Lauf von Paciencia, der bekanntlich nicht unbedingt im Ansprinten seine größte Stärke hat. Den Pass spielt Hauge dann auch noch schlecht und zu lang, Paciencia kann ihn nicht mehr vor der Auslinie erreichen.

Auch das 0:2 nimmt seinen Ausgang bei einem verlorenen Zweikampf von Hauge, allerdings tief in der Union-Hälfte.

Dennoch ist Hauge von den Spielern aus der 2. Reihe noch derjenige mit der größten Perspektive. Besonders die Szene in der 41. Minute, in der er mit einem starken Dribbling die einzige SGE-Chance der ersten Hälfte produziert, zeigt, welches Potenzial der Spieler mitbringt. (eintracht.tv ab 44:06)

Fazit

Die Berliner gewannen das Spiel fast ausschließlich indem sie die SGE zu Fehlern zwangen und ansonsten mit großem Aufwand ihr Tor verteidigten.

Die Berliner Spielanalage ist Anschauungsunterricht für Glasner und seine Mannschaft, da es zeigt, wie man auch als Mannschaft, die ihre Stärken nicht im Positionsspiel/ eigenem Ballbesitz hat, zuverlässig Spiele gegen ebenfalls eher auf Konter spielende Gegner gewinnen kann. Dafür stehen die Berliner auch gegen solche Gegner tiefer und geben ganz bewusst Initiative an den Gegner ab, so auch gegen die SGE. Das ist wie gesagt ziemlich durchschaubar und man muss Union nicht in die Falle gehen.

Gegen Union zeigte die SGE eines ihrer schwächsten Saisonspiele, einige Spieler, wie Tuta, aber auch Hrustic, haben seit Saisonbeginn kaum oder keine Fortschritte gemacht. Diese Spieler – es gibt weitere, wie etwa Ache oder Touré – sollten ernsthaft darüber nachdenken, wo, auf welchem Niveau und unter welchem Trainer sie ihre jungen Karrieren fortsetzen wollen. Solche Spieler brauchen sowohl viel Spielzeit, als auch einen Trainer, der mit ihnen intensiv an individuellem Fehlverhalten arbeitet.

Erst mit der Einwechslung von Hasebe in der 76. Minute auf der 6er-Position erhielt das SGE-Spiel etwas mehr Struktur. Es bleibt eines der großen Glasner-Rätsel, warum er Hasebe nicht als 6er einsetzt, der vielleicht nicht mehr in der Frequenz wie Rode und Sow spielen kann und in den Top-Spielen vielleicht auch nicht mehr das individuelle Tempo mitgehen kann, der aber nach wie vor die Position deutlich stärker spielen kann als Hrustic (was allerdings auch nicht sonderlich schwierig ist) und Jakic und der die sich häufenden Ausfälle von Rode und Sow etwas hätte abfedern können. Auch warum man einen soliden Bundesliga-6er wie Kohr jahrelang nach Mainz verleiht, ist inzwischen nur noch schwer nachzuvollziehen. Jakic wäre als vierter 6er auch regelmäßig einsetzbar, braucht aber sehr sichtbar einen sicheren Nebenmann auf der Position, um seine Unsicherheiten, Stellungsfehler, Handlungsentscheidungen und Übermotiviertheiten auszugleichen. Stattdessen ließ Glasner Hasebe oft als Innenverteidiger auflaufen, der er nicht ist, und machte ihn damit, wie zuvor schon Hütter, zum Sicherheitsrisiko. Mit einer solchen Personalpolitik tut man niemandem einen Gefallen.

Womit wir beim letzten Punkt wären: Das Union-Spiel hat erneut gezeigt, dass der Kader qualitativ zu wenig breit ist. Hinter der ersten Elf klafft eine große Lücke, die kaum gestopft werden kann. Das ist zum Teil der Kaderpolitik der letzten Jahre geschuldet, allerdings teilweise auch hausgemacht. Warum weder Da Costa, noch Touré, noch Durm, Hauge, Ilsanker oder Paciencia in eine dauerhafte, leichte Rotation aufgenommen wurden, ist rätselhaft. Diese Spieler sind gestandene Bundesligaspieler, die auf ihren Positionen jederzeit einsetzbar sind. Wenn man sie allerdings monatelang auf die Bank setzt und ihnen maximal Kurzeinsätze gibt, wird der Abstand zur Stammelf immer größer und es ist dann kaum verwunderlich, dass sie mit dem Rest der Mannschaft nicht eingespielt sind, und wenn sie dann einmal spielen müssen, hundert Missverständnisse auf dem Platz entstehen und kein Ablauf mehr passt. Wenn dann eine Situation wie vor dem Union-Spiel auftritt, in dem mehrere Stammspieler ausfallen bzw. geschont werden sollen, bricht das komplette Chaos in allen Mannschaftsteilen aus und man hat nicht mehr den Hauch einer Chance gegen eine sehr durchschaubar spielende und technisch unterlegene Mannschaft wie Union Berlin – das muss man auch erst einmal hinbekommen.

Bei aller Kritik muss aber auch festgehalten werden, dass es auch für Glasner die erste Erfahrung mit einer Mannschaft in voller Doppelbelastung ist, das gleiche gilt für viele der jungen Spieler.

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FC Barcelona – SGE 2:3 (0:2)

Wie es die SGE geschafft hat, den großen Gegner zu schlagen – in der Analyse.

Die Aufstellung

FC Barcelona: ter Stegen – Mingueza (61. Dest), Araujo, Garcia (70. L. de Jong), Jordi Alba – Pedri (46. F. de Jong), Busquets, Gavi – Dembélé, Aubameyang (61. Traoré), Ferran (80. Depay) – Trainer: Xavier Hernandez i Creus

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen (inkl. herausgeholte Elfmeter) und algorithmisch (aus statistischen Spieldaten) generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Das Spiel

Analytisch sind zur Erklärung des guten Ergebnisses für die SGE mehrere Faktoren entscheidend: Zum einen das frühe Führungstor, auf das Barca keine Antwort fand, zum zweiten das „den Gegner nicht ins Spiel kommen lassen“ der SGE. Doch wie funktionierte das genau? Drittens die Tatsache, dass Dembélé gut verteidigt werden konnte und viertens, dass das Schnellkombinationsspiel der SGE für Barca nur schwer zu verteidigen war und insbesondere Lindström und Kostic (mit ihrer Schnelligkeit) für Barca nicht zu halten waren. Im Detail:

  • das frühe Gegentor

Das 0:1 fällt aus einer längeren eigenen Ballpassage der SGE. Wie fast im gesamten Spiel bringt die SGE (durch Hinteregger) den ersten Aufbauball direkt lang in die Spitze auf den ansprintenden Lindström.

Hier die Angriffseinleitung durch Hinteregger. Lindstöm spielt mit dem diagonalen Weg in die Spitze seinen Schnelligkeitsvorteil aus, wodurch der „einfache“ lange Ball möglich wird. Hintereggers Pass ist gut, aber nicht optimal, sodass Lindström den nicht in vollem Lauf mitnehmen kann.

Dadurch kommt Barca wieder ins Spiel, kann sich defensiv wieder stellen. Die Eintracht spielt dann von links über Kamada und Rode einen Seitenwechsel. Der Ball landet bei Borré.

Gut zu sehen, dass die SGE mit sehr starker Boxbesetzung (Spieler gut gestaffelt) bei diesem Angriff Lindströms Gegenspieler Garcia stark unter Druck setzt. Garcia muss einerseits Lindström am Abschluss hindern und gleichzeitig eine Ablage auf den völlig freien Kamada oder Kostic verhindern, da der junge Pedri die Situation völlig verschlafen hat und die frische Abendluft in Camp Nou deckt statt Kamada. Garcia weiß sich dann nur zu helfen, indem er Lindström hält und zu Boden reißt – ein klarer Elfmeter.

So sehr die Situation auch von der SGE erzwungen gewesen ist, Garcias Zweikampfverhalten gegen Lindström hier ist natürlich katastrophal. Garcia hat mit seinen 21 Jahren bereits 15 Länderspiele für Spanien bestritten, hier kann er Lindström nicht adäquat bearbeiten. In den Bewegtbildern (eintracht.tv ab 7:40) ist gut zu sehen, dass Lindström vor dem Foul mit einem kurzen Sprint Garcia überläuft, was letztlich das Halten nach sich zieht.

  • das Verhindern des Barca-Spiels

Das Spiel der Spanier ist sehr auf die eigene breite Spitze ausgerichtet und zielt im Aufbau stark auf die beiden Außenstürmer, die wie immer sehr breit standen, also oft beide nahe der Außenlinie. Die Eintracht bekämpfte das wie im Hinspiel mit einer sehr disziplinierten (vor allem Kostic und Knauff) 5er-Kette. Immer wieder ergab sich das Bild wie hier in der 13. Minute:

Hier das sich immer wiederholende Bild: Die SGE hinten mit einer 5er Kette gegen die breite Spitze der Spanier, davor eine Viererreihe, die sehr ball- und Ballbesitzer-orientiert verschieben.

Entscheidend sind hier die Kettenabstände zwischen 5er- und 4er-Mittelfeldkette. Diese hält die SGE entgegen dem üblichen Spiel mit Angriffspressing sehr eng und tief. Hier im Bild sind die sehr knappen Abstände gut zu sehen, auch wie tief die SGE steht. Das Angriffspressingelement, das die SGE sonst standardmäßig spielt, hat Glasner in diesem Spiel weitgehend bzw. komplett abgeschaltet.

So hat die 5-4-Defensive der SGE immer und überall Zugriff und verwickelt die Spanier mit jedem Versuch, offensiv zu werden, ab dem Mittelfeld in gedoppelte Zweikämpfe. Aus diesen Ballgewinnen startet die SGE dann regelmäßig Konter.

Barca fällt gegen dieses 5-4-Mittelfeld Pressing über die gesamte Spielzeit kein geeignetes Gegenmittel ein. Ein wichtiger Schlüssel zum SGE-Erfolg.

  • Verteidigen von Dembélé

Mit Dembélé stand der im Barca-Spiel dominante Offensivspieler diesmal von Anfang an auf dem Platz und musste dementsprechend von der SGE bearbeitet werden. Das Problem bei Dembélé ist, dass er in praktisch allen technischen Disziplinen so stark ist, dass man ihn weder flanken, noch Sechzehnerpässe spielen, noch dribbeln, und schon gar nicht schießen lassen darf. Dembélé wurde daher von der SGE, wann immer möglich, sehr aggressiv gedoppelt, Kamada schob meist als dritte Absicherung zusätzlich in die Manöver gegen Dembélé.

Hier eine Situation, in der es sehr gut funktioniert. Ein typisches Barca-Manöver, Pedri startet nach außen, um einen Gegner etwas nach außen zu ziehen und innen den torgefährlichen Raum für Dembélé zu öffen. Der startet auch sofort das Tempodribbling, das aber von Kostic seitlich mitaufgenommen wird, Ndicka doppelt, Kamada gewinnt den Ball dann „aus dem Mittelfeld“: Die Arbeit der drei hier ist reif für einen Lehrfilm. (eintracht.tv ab 37:40)

Dieses Bearbeiten des Barca-Spielmachers war sicher ein sehr wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Auch das 0:2 durch Borré entstand aus einem Ballgewinn gegen Dembélé, allerdings im Mittelfeld, wo Jakic und Rode die Arbeit übernehmen, Borré „von vorne“ unterstützt. (eintracht.tv ab 41:19)

Hier die Situation direkt vor dem Tor. Rode und Jakic doppeln Dembélé, der spielt aus der Bedrängung einen schwachen Rückpass Richtung Busquets, den sich Jakic mit einem langen Bein holt und der dann von Kostic auf Borré durchgesteckt wird.

Borré nimmt den Ball mit und schießt ihn aus der zweiten Reihe ins Tor.

Die einzige ernstzunehmende Chance aus dem Spiel der Spanier in der ersten Halbzeit entstand aus einer Szene, in der Ndicka allein ins 1 gg. 1 gegen Dembélé musste:

Hier die Situation aus der 9. Minute: (eintracht.tv ab 14:10): Ndicka hat im 1 gg. 1 am Flügel gegen Dembélé keine Chance, Dembélé mit seinem typischen Move links am Verteidiger vorbei, die Flanke landet bei Aubameyang, der aus kurzer Distanz frei vor Trapp den Ball nicht richtig drücken kann.

Viel Glück für die SGE in dieser Szene, allerdings war das eine der ganz wenigen Situationen, in denen Kostic und Kamada/Rode nicht rechtzeitig die Überzahl gegen Dembélé herstellen konnten. Die Situation war aus einem Konter von Barcelona entstanden nach einem der wenigen Ballverluste der SGE im vorderen Drittel.

Mit zunehmender Spieldauer wirkte Dembélé von der SGE-Behandlung genervt, produzierte Konzentrationsfehler und war dann in der zweiten Halbzeit auch im 1 gg. 1 von Hinteregger, Rode und anderen in verschiedenen Situationen gut zu verteidigen, wenn er einmal etwas mehr Platz hatte. Ferran auf der anderen Seite war mit dem dauernden gedoppelt und gesichert werden im Grunde von Beginn an überfordert und kam kaum ins Spiel.

Mitte der zweiten Halbzeit schob Xavi Dembélé nach links, wohl in der Hoffnung, dass er sich dort besser würde durchsetzen können, allerdings ohne Erfolg – nun bearbeiteten eben Knauff und Touré den Barca-Star mit dem gleichen Ergebnis.

Für Dembélé spielte dann Traoré rechts und er brachte die linke Seite der SGE eher in Verlegenheit, zumindest erkannte er, dass er sich gegen die ballorientierten 3er-Blöcke nicht in direkte Dribblings ohne Tempo wagen sollte und stattdessen etwas früher auf Flanken setzen musste.

Hier die Situation direkt vor dem 1:3 für Barca in der 91. Minute: Die SGE stellt wie immer die 3er-Formation gegen die Flügelspieler, doch Traoré flankt aus der Situation. Hinteregger kann dann zwar den Abschluss von Luuk de Jong blocken, der Nachschuss von Busquets geht dann aber ins Tor.

Früheres Flanken wäre sicher eine Möglichkeit für Barca gewesen, dem Dauerdruck auf die Außenspieler zu entgehen, denn der große personelle Aufwand der SGE gegen Dembélé, Ferran und später Traoré ging, wie hier, u.a. auf Kosten der Rückraumbesetzung im zentralen Bereich.

  • eigene Schnellkombinationen und Flugbälle hinter die Barca-Kette

Die Situation vor der ersten Barca-Großchance oben (Dembélé-Aubameyang) ist interessant, da sie ex negativo einen wichtigen Teil des Glasner-Matchplans gegen Barca zeigte. Es wurde im eigenen Aufbau praktisch ausschließlich versucht, mit langen Flugbällen hinter die Barca-Kette die schnellen Stürmer zu schicken bzw. die hohen Bälle über die Kette zu verlängern und dann mit vielen Spielern nachzurücken, siehe oben. Was dagegen unbedingt vermieden werden sollte, waren Bälle, die vor der Kette herunterkamen und dann von Barca als zweite Bälle attackiert werden konnten, genau das passiert aber hier:

Hier der verunglückte Aufbaupass von Hinteregger. Der Ball landet in der „Sechser-Zone“, wo Barca mit extrem spielstarken Fußballern besetzt ist, die sehr schnell den Weg auf die Außenstürmer suchen. Hier auch zu sehen, dass die SGE mit 5 Spielern nachrückt, also sehr weit aufgerückt ist. So entsteht der Konter, der dann bei Aubameyang landet.

Neben diesem fast immer gleichen Aufbaumuster versuchte es die SGE mit den üblichen Schnellkombinationen, also einer eingespielten Stärke.

  • Lindström und Kostic

Lindström holte den frühen Elfmeter heraus, weil sein kurzer Antritt von Garcia nicht adäquat bearbeitet werden konnte. Er hatte einen derartigen Antritts- und Endgeschwindigkeitsvorteil gegenüber Jordi Alba, dass einem der 33jährige 82fache Kapitän der spanischen Nationalmannschaft leid tun musste, er wurde mal um mal von Lindström überlaufen. Wer sich das einmal ansehen will (es ist wirklich krass), dem sei die Riesenchance von Lindström zum 0:3 in der 58. Minute empfohlen (eintracht.tv ab 14:04):

Hier die Situation kurz nach dem Ballgewinn von Kostic links, Kostic hier in Ballbesitz. Unten hat Jordi Alba noch knapp 2 Meter Vorsprung auf Lindström.

Die SGE spielt dann eine Schnellkombination über Borré und Kamada mit Seitenwechsel:

Lindström hat Jordi Alba hier auf dem Sprintweg knapp 4 Meter abgenommen und kann allein Richtung ter Stegen laufen.

Dass Xavi auf die Sprintstärke von Lindström, die schon im Hinspiel ein Faktor war, weder personell noch taktisch reagierte und der Eintracht dieses Einfallstor einfach wieder anbot, ist eine ziemliche Fehlleistung des Barca-Trainers.

Kostic spielte im Dauerduell gegen Dembélé ebenso eine wichtige Rolle wie als Doppeltorschütze und Vorlagengeber. Das Tor zum 0:3 erzielt er inzwischen im Schlaf und selbstredend darf man Kostic nicht im Strafraum derartig frei zum Abschluss kommen lassen. (eintracht.tv ab 23:30). Aber auch in seinem defensiven Spiel- und Zweikampfverhalten hat der Spieler in dieser Saison noch einmal einen Entwicklungsschritt gemacht und so war auch eine solche Leistung gegen Barcelona als echter Schienenspieler möglich.

Die beiden Spieler sind auch auf europäischem Top-Niveau in der Lage, Spiele entscheiden zu können, wie kaum zu übersehen war.

Fazit

Es gelang der Eintracht über 90 Minuten, gnadenlos ihr Spiel durchzusetzen und es Barcelona aufzudrücken: Im Aufbau ausschließlich lange Bälle und dann Attackieren der zweiten Bälle oder Nachrücken, wenn Lindström, Borré oder Kostic in den Lauf angespielt werden konnten. Dadurch hatte Barca praktisch null Ballgewinne im Mittelfeld und konnte daher praktisch nie schnell nach vorne spielen. Dazu eine extreme Raumverengung in der Zentrale. Blieb für Barca nur noch das Spiel über die Außenstürmer, die (vor allem Dembélé) super-aggressiv und mit viel Laufaufwand gedoppelt und gedreifacht wurden (siehe oben im Detail). Wohingegen die SGE selbst viele Kontermöglichkeiten hatte und im vorderen Drittel nach den langen Bällen häufig torgefährlich werden konnte.

Das ist eine extreme taktische Leistung gewesen, die viel Geduld und Bereitschaft der Spieler voraussetzt. Es war ein brillanter Plan, der auf die eigenen Stärken und die Schwächen des Gegners perfekt abgestimmt war und von den eingesetzten Spielern mit enormem Aufwand und Einsatz umgesetzt wurde.

Im Grunde war das 0:2 zur Halbzeit und das 0:3 nach 90 Minuten für Barcelona noch schmeichelhaft, mindestens Knauff hätte kurz vor Abpfiff der ersten Halbzeit nach Weltklasseseitenwechselflugpass von Rode und tollem Dribbling noch auf 3:0 erhöhen können (eintracht.tv 49:14), ebenso Lindström in der oben gezeigten Szene aus der zweiten Halbzeit. Es gab weitere gute Einschussmöglichkeiten für die SGE.

Neben den oben dargestellten Schlüsseln spielte ein weiterer Faktor eine wichtige Rolle: Die hier immer wieder benannte technische Stärke der SGE. Die Mannschaft war ball- und passsicher genug, um sich aus dem Gegenpressing der Katalanen zu befreien, auch eigene längere Ballsequenzen zu bekommen und Konter und Schnellangriffe nachhaltig auf den Platz zu bekommen. Das dürfte für Außenstehende, die sich nicht seit Saisonbeginn ausgiebig analytisch mit der Mannschaft beschäftigt haben, vielleicht die größte Überraschung gewesen sein: Die Tatsache, dass die Eintracht-Elf (Startaufstellungswert laut transfermarkt.de 134 Mio. €) mit dem Starsensemble aus Barcelona (363 €) auch technisch mithalten konnte.

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SGE – SC Freiburg 1:2 (0:1)

Im Duell mit einem direkten Konkurrenten um die europäischen Plätze verlor die Eintracht, obwohl sie die bessere Mannschaft war. Wie konnte das passieren? Eine analytische Antwort.

Die Aufstellung

SCF: Flekken – Günter, N. Schlotterbeck, Lienhart, Kübler (82. Schmid) – Grifo (88. Haberer), Höfler, Eggestein, Sallai (61. Petersen) – Höler (61. K. Schlotterbeck), Demirovic (61. Jeong) – Trainer: Christian Streich

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch (aus statistischen Spieldaten) generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

Quelle: Youtube

Das Spiel

Die SGE war wie in fast allen Spielphasen die technisch etwas bessere Mannschaft, auch kombinationsstärker als die Freiburger, bestimmte das Spiel fast über die gesamte Spielzeit, machte aus den vielen Chancen aber viel zu wenig, nämlich nur ein Tor und schenkte den Gästen eines durch eine katastrophale Abwehrarbeit vor dem ersten Gegentor.

Ein kurzer Blick auf die Abschlüsse und Highlights des Spiels.

torfähige Abschlüsse und Tore:

11. Minute: Abschluss Borré

Nach Pressing-Ballgewinn im Mittelfeld und Schnellkombination über Rode, Hauge und Borré die erste Chance des Spiel. Borré bringt den freien Abschluss nicht einmal aufs Tor.

17. Minute: Abschluss Hauge

Wieder nach Pressing-Ballgewinn im Mittelfeld (Freiburg hatte technisch deutlich größere Probleme mit dem Engmachen der Räume als die SGE): Schnellkombination über Hauge, Kostic auf linksaußen, Kostics flache Hereingabe landet dann über Borré und Lindström wieder bei Hauge:

Hier die Passfolge: Kostic, Borré, Lindström, Hauge spielen hier eine One-Touch-Kombination im gegnerischen Sechzehner (sieht man auch nicht so oft), Hauges Abschluss ist dann eine Rückgabe, Hauge bekommt keinerlei Druck auf den Ball. Trotz klarer Überzahl in Ballnähe können die Freiburger den Abschluss nicht verhindern.

Hauge muss den direkt nehmen, daher ist das technisch sehr anspruchsvoll, aber das ist schon zum ersten Mal viel Glück für Freiburg. Wenn Hauge den einigermaßen gut trifft, ist das eine große Torchance aus 11 Metern. In dieser Szene sieht man aber auch, dass das extrem schnelle, laufintensive und mit wenigen Kontakten durchgeführt Kombinationsspiel der SGE nur sehr schwer zu verteidigen ist, selbst in defensiver Überzahl. In den Bewegtbildern sieht man noch viel besser, wie die Lauf- und Passwege inzwischen automatisiert sind: Kostics Hinterlaufen bei Ballbesitz Hauge auf dem Flügel, Borrés Antritt auf den kurzen Pfosten, Lindströms Erkennen der Situation in einem extrem engen Raum und die Ablage auf Hauge (eintracht.tv ab 19:24). Das sind wirklich starke Kombinationen, die in der Genauigkeit und Frequenz in der Bundesliga kaum einen Mannschaft spielt.

22. Minute: Erste Freiburger Chance

Nach einem überragenden Tiefenpass von Grifo auf Günther kann Ndicka dessen Hereingabe blocken. Vorausgegangen war ein einfacher Stellungsfehler von Tuta.

27. Minute: Abschluss Hauge

Dem Gegentor ging ein guter Angriff samt 20-Meter-Abschluss von Hauge voraus, den Flekken halten kann. Auch das ist eine durchaus gute Chance. Der Ball landet dann noch mehrfach bei Eintracht-Angreifern, deren Schüsse werden aber alle geblockt. Schließlich landet der Ball bei Ndicka.

27. Minute: Tor Grifo

Zum 0:1 kommen die Freiburger wie die Jungfrau zum Kinde, im Grunde ist das ihr erster wirklicher Abschluss und es brauchte ein Super-Abwehrchaos der SGE, um es überhaupt zu ermöglichen.

Zunächst spielt Ndicka zentral vor dem Freiburger Tor bei komplett aufgerückter SGE einen Katastrophenpass auf Rode, den sich Eggestein mit starkem Sliding Tackling vor Rode angelt. Sallai macht sehr schnell und aggressiv Druck auf Ndicka, ein Abdrehen und nach hinten Spielen wäre für Ndicka hier aber noch gut möglich gewesen, er trifft hier einfach eine sehr schlechte Entscheidung.

Danach spielen die Freiburger den Konter sehr schnell aus, Höler spielt den Ball von Eggestein direkt tief in die linke Spitze auf Demirovic, der direkt nach Halbrechts auf den mitgelaufenen Sallai. Nun verzögert sich der Angriff etwas, Zeit für die SGE, Zugriff und Ordnung zu organisieren, aber leider:

Hier die Situation bei dem Pass von Demirovic nach rechts. Im Grunde ist das hinten noch recht gut zu verteidigen. Wie man sieht, steht die SGE im hinteren Bereich sogar noch in 3-2-Überzahl, selbst wenn Grifo, Höler und Rode nachrücken, ergäbe sich noch keine Überzahl für Freiburg. Es kommt in einer solchen Situation natürlich auf die Organisation der Restverteidigung an und wie man sieht, kann auf Seiten der SGE keine Rede von so etwas wie Organisation sein. Stattdessen rennen Hinteregger, Tuta, Ndicka und letztlich auch Rode alle Richtung Zielspieler Sallai.

Man muss es so hart sagen: Dass im Rückwärtsgang nicht alle zum Ball rennen sollen, ist im Grunde Trainingsinhalt F-Jugend. Es sieht bei der Torvorlage von Sallai dann wirklich so aus: (kein Photoshop!)

Die Eintracht-Restverteidigung stellt ein 4 gg. 1 gegen Sallai und produziert damit ein 0 gg. 3 am/im eigene Sechzehner. Vor allem Rode und Tuta haben da bei Sallai wirklich nichts zu suchen und wären als Absicherung und um Passwege zuzustellen auf den Kettenpositionen oder mit 1:1-Zuordnung richtig gewesen.

Für Grifo ist es dann eine leichte Übung, den Ball ins Tor zu legen. Trapp ist chancenlos.

52. Minute: Abseitstor Lindström

Da es abseits war, ist das Tor nicht sonderlich analytisch relevant. Interessant aber ist, dass Lindström dieses 1 gg. 1 gegen Flekken sehr ruhig und technisch sauber löst und den Ball ins lange Eck legt. Diese Situationen beim Torabschluss waren zuletzt ein großes Problem bei Lindström und seine Aktion hier ist in diesem Sinne ein echter Fortschritt. (eintracht.tv ab 7:30).

54. Minute: Tor Kostic

Das Tor ist aus einem Tuta-Einwurf von rechts hinten entstanden.

Borré verlängert den Einwurf per Kopf zu Hauge. Die Freiburger Viererkette ist hier zu weit nach links eingerückt, die letzte Reihe hat keine ausreichende Breite mehr, auch Sallai ergänzt die letzte Reihe hier nicht, bzw. schlecht. Ganz links (hier nicht im Bildausschnitt) lauert Kostic alleine auf einen Pass zum Tor.

Hauge spielt den Ball dann perfekt getimt auf Kostic, der im 1 gg. 1 gegen Flekken den Ball ziemlich einfach und sicher verwandelt.

57. Minute: Abschluss Kostic

Glück für Freiburg. Nach einer Einzelaktion von Kostic geht der Ball nur knapp am langen Pfosten vorbei.

58. Minute: Abschluss Borré

Nach langem Flugball von Hinteregger aus der letzten Linie läuft Borré in der Spitze seinem Gegenspieler Nico Schlotterbeck davon, trifft aber nur das Außennetz.

68. Minute: Tor durch Petersen

Man kann viel darüber diskutieren, wie Petersen bei Freistoßflanken zu verteidigen ist. Darüber rätselt die halbe Liga, das ist wirklich schwierig. Nichts zu diskutieren gibt es hingegen über das Zweikampfverhalten von Tuta in der Situation, die zum Freistoß führt und dass man gegen die extrem Standard-starken Freiburger keine seitlichen Freistöße provozieren sollte, besonders wenn Petersen auf dem Platz ist, ist nun wirklich kein Geheimnis.

Tuta rennt frontal in den Gegenspieler, statt richtig Abstand zu halten, seitlich Tempo aufzunehmen und damit im Spiel zu bleiben. Das ist ein krasser Zweikampffehler, zumal die Situation nicht Richtung Tor ging.

Mit diesem individuellen Fehler ermöglicht Tuta den Freiburgern eine ihrer Lieblingsstandards: Seitliche Hereingabe Grifo auf Petersen.

83. Minute: Innenpfostenschuss Hrustic

Der Schuss war ein Freistoß von Hrustic in die Freiburger Mauer, erst den Nachschuss knallt Hrsutic dann an den Pfosten. Interessant ist die Entstehung des Freistoßes, denn das war ein toller Pass von Paciencia auf Jakic nach starkem Aufbauball von Hinteregger.

Hier die schnell gespielte Situation. Die starke Idee von Hinteregger und sein präziser Pass, die Weiterleitung in den Lauf von Jakic.

Der Pass von Paciencia ist nicht optimal, Jakic verliert bei der Ballmitnahme daher etwas Tempo, läuft aber dennoch mit hohem Tempo Richtung Flekken, was Lienhart veranlasst, ein ziemlich heikles Foul zu begehen. Das war knapp an der Notbremse und Lienhart sieht zu Recht gelb. Den Freistoß-Nachschuss schießt Hrustic dann an den Pfosten. Viel Glück für Freiburg.

86. Minute: Abseitstor Kamada

Nach einer technisch sehr starken Diagonalflanke von Jakic köpft Kamada den Ball aus kurzer Distanz am langen Pfosten ins Tor. Kamada stand aber knapp im Abseits, das Tor wird zurückgenommen.

93. Minute: Foul an Hinteregger im Strafraum

Nochmal viel Glück für Freiburg. Die Situation ist sicher eine Kann-Situation, das muss nicht gepfiffen werden, aber es gibt durchaus Schiedsrichter, die da Elfmeter geben, zumal Hinteregger wohl an den Ball gekommen wäre, wenn er nicht geschoben worden wäre.

Fazit

Im Duell zweier in den letzten Jahren Richtung oberes Tabellendrittel drängender Vereine war zu beobachten, dass beide noch einiges von den Top-4 der Liga trennt, auf Seiten Freiburg vor allem technisch stärkeres Personal, auf Seiten der SGE vor allem eine zu hohe Fehlerquote in der hinteren Reihe und bei Abschlüssen und letzten Bällen.

Ähnlich wie im Hinspiel war die SGE in vielen Belangen die bessere Mannschaft, insbesondere technisch überlegen. Die Freiburger haben mit Grifo aber einen Unterschiedsspieler, der in zwei Situationen zwei Tore produzierte.

Das hat das Spiel entschieden, sowie zwei Bereiche, in denen die Freiburger Vorteile haben, nämlich bei Standards und in der hinteren Reihe. Die Viererkette der Gäste produzierte schlicht einen krassen Fehler weniger als die hintere Reihe der SGE, die beim ersten Gegentor ein großzügiges Gastgeschenk verteilte.

Insbesondere Tuta wird inzwischen wieder zu einem Sicherheitsrisiko, im Grunde gehen beide Gegentore zu großen Teilen auf seine Kappe. Er ist ein junger Spieler, da sind auch größerer Formschwankungen nichts Ungewöhnliches. (Diese sind meist auf Rückfälle in früher falsch automatisierte Verhaltensmuster zurückzuführen. So auch hier. Zwischenzeitlich hatte Tuta seine Fehlerquote in den einschlägigen Situationen deutlich gesenkt.) Dennoch muss Tuta daran arbeiten, wenn er nachhaltig auf Bundesliganiveau spielen will. Es sollte auch dringend eine Alternative, mindestens ein starker Backup für Tuta gefunden werden.

Im Rennen um den Europa-League-Platz ist tabellarisch im Übrigen nichts verloren. Sofern Leipzig den DFB-Pokal gewinnt, reicht Platz sechs, den momentan Hoffenheim belegt, auch Platz sieben wäre dann mit Conference League noch europäisch, diesen Platz belegt derzeit Union Berlin, Hoffenheim und Berlin haben beide 5 Punkte Vorsprung vor der SGE, gegen beide muss die Eintracht noch spielen und zwischen Frankfurt und den beiden steht nur Köln, das ist also rein arithmetisch noch gut machbar, aber dafür müsste die SGE anfangen, zuverlässig zumindest die Spiele zu gewinnen, in denen sie die insgesamt besser Mannschaft ist. Das hat gegen Freiburg nicht geklappt.

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SGE – FC Barcelona 1:1 (0:0)

Das „Jahrhundertspiel“ Teil 1 in der Analyse.

Die Aufstellung

FC Barcelona: ter Stegen – Jordi Alba, Garcia, Piqué (23. Lenglet), Araújo – Gavi (de Jong), Busquets, Pedri – Ferran Torres, Aubameyang, Traoré (62. Dembélé)

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch (aus statistischen Spieldaten) generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

Quelle: Youtube

Die Analyse

Für das gute Spiel und Ergebnis der Eintracht gab es mehrere ausschlaggebende Gründe:

  1. Barca-Rotation

Barcelona-Trainer Xavi rotierte zwei seiner zentralen und wichtigsten Spieler aus der Mannschaft, sowohl Mittelfeldspieler Frenkie de Jong als auch Spielmacher-Rechtsaußen Dembélé blieben draußen. Insbesondere das Fehlen von Dembélé machte sich stark bemerkbar und veränderte auch die Statik des Barca-Spiels. Dembélé-Ersatz Traoré ist zwar auch ein starker, antrittsstarker Rechtsaußen mit Stärken im 1 gg. 1, er ist aber eben kein Ideengeber und da Barca sonst von den Impulsen Dembélés stark abhängig ist, sah das Spiel der Gäste bis zur Dembélé – Einwechslung entsprechend aus und war von der SGE meist recht gut zu verteidigen.

Dass Xavi diese Wechsel vornahm und sie später korrigieren musste, um nicht als Verlierer vom Platz zu gehen, ist ein Indiz dafür, dass Xavi trotz anderslautender Beteuerungen die SGE ziemlich unterschätzt hatte.

2. Herausragende Einzelleistung von Hinteregger

Da die 5er-Kette bzw. die hintere Reihe insgesamt vergleichsweise breit stehen musste, um die beiden Außenstürmer mit Ballannahme bekämpfen zu können, kam viel darauf an, wie Hinteregger in der Zentrale die Situationen gegen Aubameyang & Co würde lösen können. Daher stand Hinteregger sehr oft im Fokus und Aubameyang kam fast über das gesamte Spiel nur dann zu Abschlüssen, wenn Hinteregger mal ein Fehler unterlief, wie in der 17. Minute (eintracht.tv ab 20:41), was aber selten vorkam. (Beim Gegentor steht er allerdings einen halben Meter zu tief, kann daher den ersten Steckpass von Ferran nicht verhindern.)

Stattdessen war Hinteregger in fast allen Situation extrem antizipations- und zweikampfstark, hier eine Szene aus der 28. Minute:

Das ist natürlich eine Großchance, starker Steckpass von Jordi Alba auf Gavi, aber Hinteregger ist hier schon auf dem Weg in den Zweikampf.
Selbst im Standbild ist das lehrbuchhafte Zweikampfverhalten von Hinteregger zu erkennen: Seitliches Anlaufen des Gegners, Körperkontakt mit der Körperseite, möglichst den eigenen Körper zwischen Gegner und Ball drücken, erst Arbeit mit dem Oberkörper, dann mit den Beinen, alles perfekt hier, in der bewegten Zeitlupe bei eintracht.tv ab 31:34 natürlich noch besser zu sehen.

Übrigens spielte Hinteregger auch einige sehr starke Aufbaupässe, meist flache Halbdistanzbälle, aber auch einige diagonale Flugbälle, war sehr passsicher.

3. Starke Breitenverteidigung der SGE

Die Eintracht-Kette war von Glasner sehr gut auf das extrem breite Barca- „Spiel in der Spitze“ vorbereitet worden und bearbeitete die Versuche, über die sehr weit außen postierten Außenstürmer zu spielen, durch breites und sehr schnelles, konsequentes Anlaufen. Hier eine Szene aus der Anfangsphase:

Die 5er-Kette der SGE steht breit, Knauff läuft den langen diagonalen Ball sehr weit nach außen und auf Ballgewinn an, hat Zugriff auf Ferran. So konnte die SGE das wichtigste offensive Element von Barca in dieser Szene und in vielen anderen blockieren.

Dazu mussten beide Schienenspieler Kostic und Knauff allerdings sehr diszipliniert nach hinten arbeiten, was sie in dieser und vielen anderen Szenen taten. Erst mit der Einwechslung von Dembélé bekommt Kostic links Probleme.

4. Starke Gegenpressing-Überwindungsstrategie der Eintracht

Wie in dem hier veröffentlichten Barca-Check bereits angenommen, passte die größte Eintracht-Stärke, die Spieleröffnung aus engen Räumen durch Schnellkombinationen, gewissermaßen perfekt auf das größte Einfallstor für Gegenangriffe bei Barcelona. Das zeigte sich bereits in der 6. Minute eindrucksvoll bei der Mega-Chance von Sow. Ausgangspunkt war ein von Barca abgefangener SGE-Angriff.

Hier der Moment des Ballgewinnes durch Sow nach einem Fehlpass von Jordi Alba in der eigenen Hälfte. Vor allem der LV von Barcelona, Jordi Alba, ist hier extrem weit aufgerückt, hinten bleibt nur noch eine Dreier-Absicherung gegen – man sieht es hier schon – 5 Spieler der SGE, die in den Angriff einbezogen werden können.

Sow leitet den Schnellangriff dann stark ein, überwindet zunächst 15 Meter per Tempodribbling, um den ersten Defensiven von Barca zu binden:

Hier der kurze Tiefenpass von Sow auf Borré. Sow zwingt damit Pedri einen langen Sprint nach links zu machen, so kann Pedri nicht die defensive Zentrale verstärken. Der Rest des Angriffs ist dann perfekt ausgespielt, Borré schließt mit einem weiteren Tempodribbling an, Lindström übersprintet Garcia (der Tempovorteil von Lindström hier ist krass) und bekommt den Ball von Borré perfekt in den Lauf gespielt.

Den Lindström-Rückpass auf Sow setzt dieser dann völlig freistehend neben das Tor, aber diese Situation zeigt, wie sehr die SGE-Stärke bei den Schnellkombinationen zum Tor das Barca-Gegenpressing überspielen kann (eintracht.tv ab 9:52).

5. Überzahl im Mittelfeld

Um möglichst viele Bälle schon zu blocken bzw. zu gewinnen, bevor sie bei den schnellen, 1 gg. 1 – starken Ferran und Traoré, später Dembélé landen konnten, setzte die SGE auf dauerhafte Überzahl im Mittelfeld und verzichtete dafür auch meist auf das sonst praktizierte Angriffspressing.

Hier eine Szene aus der 26. Minute, in der man sieht, dass die SGE sich auf das Mittelfeldpressing konzentriert, enger steht als sonst und somit auch das Risiko etwas minimiert, ausgespielt zu werden. Hier in der dunklen Zone 5-4-Überzahl in der Breite, 4-3-Überzahl in der Zentrale.

6. Eigenes SGE-Aufbauspiel hauptsächlich über Flugbälle auf die Außen

Die Eintracht probierte es aber durchaus auch über eigene Aufbausituationen und das gar nicht so unerfolgreich. Meist wurde ein 2- bis 3- Stationenaufbau versucht, fast immer mit Flugbällen aus dem defensiven Mittelfeldbereich Richtung offensive Außen, also wahlweise Kostic, Borré, Lindström oder Knauff. Ein sehr schönes Beispiel dafür findet sich in der 28. Minute mit dem Angriffsablauf Tuta-Sow-Knauff-Borré (eintracht.tv ab 31:46).

Auch der Ecke in der 47. Minute, aus der dann das 1:0 entstand, ging ein solches Aufbauspiel voraus:

Hier der lange Aufbaupass auf Außen Lindström. Lindström geht dann gegen Jordi Alba und Busquets direkt und mit vollem Risiko ins Tempodribbling, kann die beiden alten Herren abschütteln, in den 16er dribbeln und fällt dort.

Das gibt zwar zu Recht keinen Elfmeter, aber der Nachschuss von Jakic wird zur Ecke abgefälscht und diese abgewehrte Ecke schießt Knauff dann zum 1:0 für die SGE ins Tor.

Das Fazit

Wer die Entwicklung der SGE in dieser Saison aus der Nähe verfolgt hat, dürfte kaum überrascht gewesen sein davon, dass die Stärken der Eintracht perfekt auf die Schwächen von Barca passen, dass sie mit ihren extrem starken Schnellkombinationen auch ein Barca-Gegenpressing überwinden kann und dass die Eintracht mit Lindström, Knauff und Kostic drei Spieler mit Tempovorteilen hat, die von Barca in direkten Duellen kaum zu halten sind. Eine Szene, in der das sehr deutlich wird, ist die Riesenchance von Lindström in der 49. Minute (eintracht.tv ab 3:41), bei der Barca weder ein Gegenpressing gelingt, noch die Mannschaft von Xavi irgendeine Chance gegen das Tempospiel von Kostic, Borré und Lindström hat.

Auch das inzwischen perfekt automatisierte Pressing ist für jeden Gegner unangenehm und kann von der Mannschaft auch in verschiedene Spielfeldzonen verlagert werden.

Erstaunlich hingegen, dass die 3er-5er-Kette auch gegen Barca inzwischen fast fehlerfrei arbeiten kann und dass Spieler wie Borré, Kamada, Knauff, Lindström und Sow auch auf dem ganz hohen Niveau das hohe Tempo mitgehen können, ohne größere technische Probleme zu bekommen. Nur bei Tuta und Jakic war häufiger zu sehen, dass sie auf diesem Niveau noch an Grenzen kommen.

Insbesondere in der Situation, in der Tuta die Rote Karte erhält, wird das deutlich:

Der Rückpass von Kamada ist natürlich schwach, aber trotzdem muss Tuta da einfach wegbleiben, denn Pedri kann den Ball gar nicht kontrollieren und auf seinem Weg nach außen ist Knauff noch als Absicherung da. Überhaupt ist das eine Szene am gegnerischen Strafraum, wo man sich sicher keine Rote Karte abholen muss.

Erst mit der Einwechslung von Dembélé und de Jong änderte sich das Spiel und erst danach war Barcelona das bessere Team. Wie wichtig Dembélé für Barca ist, wurde beim 1:1-Ausgleich sichtbar, denn die Idee zu dem Spielzug und die Ermöglichung geht auf seine Kappe.

Hier zu sehen, wie die beiden Spieler die Situation gezielt stellen. Als Dembélé sein Tempodribbling nach innen startet, bewegt sich de Jong von der Innen- auf die Außenbahn. Dieser gegenläufige Lauf-Passweg ist einstudiert. Verhindert werden kann das nur von Kostic im Zweikampf mit Dembélé oder von Ndicka, wenn er körperlich eng an de Jong steht. Auch Hinteregger hätte mit dem Tiefenpass von Dembélé sofort press an Ferran rücken müssen, verpasst das aber.

Im Grunde ist das ein Standardspielzug, in dieser Präzision, wie hier von Barcelona gespielt, aber nur sehr schwer zu verteidigen.

Insgesamt war die Eintracht sehr präzise auf den Gegner vorbereitet, besonders die größte Stärke der Spanier, das Spiel über ihre Außenstürmer, aber auch die Diagonalanspiele in die Spitze konnten gut verteidigt werden, wenn auch nur mit extremem körperlichen und Laufaufwand.

Selbst nach der roten Karte gegen Tuta blieb die Eintracht sehr mutig, offensiv und aufmerksam. Insgesamt war die Eintracht über die komplette Spielzeit die gefährlichere Mannschaft, 16:7 Torschüsse und 1,77 : 1,29 XGoals sprechen auch statistisch eine deutliche Sprache.

Xavi dürfte im Rückspiel von Anfang seine beste Elf aufstellen.

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