Barca-Check

Am Donnerstag steht das wohl aufsehenerregendste Spiel der letzten Jahre an. Mit dem FC Barcelona stellt sich eines der europäischen Top-Teams im Waldstadion vor, das in der aktuellen Verfassung auch aktuell zu den besten Teams Europas gehören dürfte. Ein kurzer analytischer Blick auf Barca anhand des Spiels vom Sonntag gegen Sevilla und ein Ausblick auf die Aussichten der SGE.

Die Gegner-Analyse

Barcelona hat viele Stärken, sowohl im taktischen, als auch insbesondere im individuellen Bereich. Die wichtigsten Merkmale im Barca-Spiel sind:

Erstens

Die Mannschaft hat mit Dembélé einen sehr präsenten Spielmacher, der allerdings nicht in der Zentrale spielt, sondern fast immer von der Rechtsaußenposition. Kaum ein Angriff, bei dem Dembélé nicht einbezogen wäre, das ist sehr auffällig. Dabei wird er meist als Vorbereiter gesucht, also nicht direkt zum Tor angespielt. So entstand auch das einzige Tor gegen Sevilla.

Hier der lange Flugball von Piqué auf de Jong, der den Ball per Kopf auf Dembélé verlängert. De Jong hatte zuvor einen Tiefensprint angesetzt, wollte eigentlich zum Tor angespielt werden, kann den Pass dann aber nur verlängern.
Hier der Rückpass von Dembélé auf Pedri. Sevilla vergisst hier völlig die Rückraumsicherung, steht sehr tief.

Pedri macht dann das Tor aus der zweiten Reihe mit einer überragenden Einzelleistung und einem extrem präzisen Abschluss.

In dieser Szene, bei dem langen Pass auf de Jong sieht man aber auch ein weiteres Strukturmerkmal des Barca-Spiels:

Zweitens

Mit viel Ballbesitzaufwand und hoher Passgenauigkeit versucht Barca, wenn sie nicht über Dembele spielen oder durch Dribblings Räume für Flachpassspiel zu eröffnen (was gegen Sevilla selten gelang, weil der Gegner sich sehr darauf konzentrierte, tief und breit zu stehen), auffällig häufig entweder diagonale Flug- oder Chippässe in die Spitze (wie hier auf De Jong), oder auch Longline-Flugbälle auf den schnellen Linksaußen Ferran.

Drittens

Barca baut, wie viele europäische Top-Teams, mit viel Personal in der Spitze auf. Es ergibt sich im eigenen Aufbau dann eine sehr breite 4er-Spitze:

Barca steht hier mit 4 Spielern in der vorderen Spitze. Auffällig ist, wie weit außen die Außenstürmer stehen, sowohl Dembélé als auch Ferran stehen direkt an der Auslinie, verschaffen sich so Räume und provozieren gleichzeitig, dass die zentralen Verteidiger des Gegners zu weit auseinanderrücken, weil sie Breite herstellen müssen. Man sieht hier, dass das gelingt, die Abstände der Sevilla-4er-Kette zwischen Innen- und Außenverteidger sind zu groß, beide Außenstürmer sind trotzdem anspielbar.

Viertens

Ähnlich wie Nagelsmann bei bei Bayern setzt Barca-Trainer Xavi zur Absicherung der oft sehr offensiven Formation, die oft nur mit einem 2er-Aufbau, also bei eigenem Ballbesitz hinten in 2-4-4-Formation steht, in erster Linie auf schnelles Gegenpressing. Das hat gegen Sevilla in fast allen Situationen sehr gut funktioniert. Trotzdem ist das, wie bei fast allen Spitzenteams, die auf Ballbesitz-Gegenpressing setzen, ein Einfalltor für Konter, so wurde auch Sevilla fast nur dann gefährlich, wenn nach Balleroberungen das Gegenpressing von Barcelona einmal überspielt werden konnte.

Fünftens

Bei Ballbesitz/Aufbau des Gegners zieht sich Barca je nach Ballort in eine 4er- bzw. 6er-Kette zurück, wobei Dembélé und Ferran, also Rechts- und Linksaußen – ähnlich wie bei der SGE Knauff und Kostic – als „Schienenspieler“ agieren und die Viererkette hinten rechts und links ergänzen. Da Sevilla nur sehr selten in eigene Aufbau-/Positionsspielsituationen kam, war das nur selten der Fall, wie hier in der 24. Minute:

Man sieht Barcas 6er-Kette mit den äußeren Gliedern Dembélé und Ferran rechts und links. Man sieht aber auch, dass die Barca-Kette vergleichsweise eng steht, daher ganz außen etwas zu große Räume ermöglicht. Sevilla besetzt hier auch beide Außenräume, muss um diese Situation provozieren zu können, mit 6 Spielern in der vorderen Reihe plus Ballbesitzer Jordan agieren, also mit 7 Spielern im vorderen Drittel arbeiten – was natürlich ein enormes Konterrisiko birgt.

Ändert sich der Ballort des Gegners Richtung eigene Hälfte bzw. eigenes Tor, schieben Dembélé und Ferran schnell wieder nach vorn, Barca steht dann mit 4er-Kette hinten:

Bei solchen Manövern entstehen hinter den herausrückenden Schienen Freiräume, die angelaufen und angespielt werden könnten, was Sevilla auch versucht (am unteren Bildrand).

Sechstens

Eine weitere Stärke von Barca sind Standards. Meist getreten von Dembélé wurden sowohl Ecken als auch insbesondere seitliche Freistöße mehrfach sehr gefährlich und sind nur schwer zu verteidigen

Fazit und Ausblick

Die große Frage „Hat die SGE eine Chance“ kann so pauschal natürlich kaum beantwortet werden.

Das erste Problem wird darin bestehen, dass die SGE technisch stark unterlegen sein wird, was in der Bundesliga im Grunde nur gegen 4 Gegner der Fall ist, also ungewohnt.

Das zweite große Problem dürfte sein, dass die SGE-Kette nach wie vor nicht immer schnell genug und richtig antizipiert bzw. immer noch gelegentlich Stellungsfehler produziert und Barcelona mit seinem stark auf Ballbesitz und Positionsspiel angelegten Spiel sehr auf das Provozieren solcher Kettenfehler aus ist. Dabei nutzt Barca häufig wiederkehrende Muster:

  • Longline-Flugbälle in den Lauf der Außenstürmer Ferran und Dembélé.
  • diagonale Chip- oder Flugbälle in die Spitze
  • Tiefenbälle nach Schnellkombinationen in der Zentrale (über de Jong und Pedri), allerdings versuchten sie das gegen Sevilla selten

Das Hauptmerkmal des Barca-Angriffsspiel ist also ein variables Positionsspiel mit „Spiel aus der Spitze“, also einem Vierer-Sturm, deren Mitglieder entweder (oft aus dem Abseits) entgegen kommen, um in den Fuß angespielt werden zu können oder Tiefenläufe mit einigen Metern Anlauf anbieten (oft außen links Ferran) bzw. (sehr oft) Spiel über Dembélé.

Es wird darauf ankommen, wie die defensive 5er-Kette der SGE das verteidigen kann. Große Tempoprobleme dürfte Tuta mit Ferran haben, die immer etwas wacklige defensive linke Seite mit Ndicka/Kostic wird mit dem in fast jedem Angriff einbezogenen Dembélé viel zu tun haben. Insbesondere die enorme individuelle Stärke Barcas wird die SGE vor große Herausforderungen stellen, Dembélé dürfte derzeit einer der weltweit besten Rechtsaußen sein, mit Pedri und Ferran verfügt Barca über zwei weitere Spieler an der Schwelle zur Weltklasse.

Dennoch: Das Team ist nicht unverwundbar und mit Trapp hat die SGE sogar auf einer Position die Nase ziemlich vorn (ter Stegen wirkte gegen Sevilla nicht sehr sicher und hätte mit einem Fehler kurz vor Schluss fast noch einen Gegentreffer verursacht). Besonders interessant wird sein, inwiefern die SGE ihre eigenen Offensivwaffen einsetzen kann. Insbesondere die Stärke bei Schnellkombinationen nach Ballgewinn dürfte Barca wehtun, denn das ist ihr größtes Einfallstor für Gegenangriffe. Zudem könnte die Barca-Kette mit dem enormen Tempo von Kostic und Lindström Probleme bekommen, Piqué ist nicht der antrittsstärkste und der junge Araujo produziert regelmäßig kleinere Stellungsfehler und ist, ähnlich wie Tuta, in manchen Zweikampfsituationen (noch) zu ungestüm.

Auch das von der SGE meist durchgeführte frühe Dauerpressing dürfte Barca nicht gefallen, zumal wenn sie hinten nur mit 2-2-Aufbau agieren.

Von den Feldspielern war gegen Sevilla eigentlich nur der inzwischen 38jährige Dani Alves, der allerdings in der EL nicht spielberechtigt ist, sehr fehleranfällig und so etwas wie ein Schwachpunkt. Ihn dürfte der junge Sergino Dest ersetzen. Auch das Duell Dest-Kostic könnte eines sein, indem die SGE einen Vorteil hat.

Barca ist qualitativ grob auf einem Niveau mit den Bayern einzuordnen, legt auch das Spiel ähnlich an und gegen derart ambitioniert auf Ballbesitz-Gegenpressing spielende Gegner sah die SGE – wie ja auch in den beiden Spielen gegen die Bayern in dieser Saison – so fürchterlich schlecht nicht aus. Sofern frühe Gegentore verhindert werden können, dürften die beiden Spiele also durchaus – mindestens taktisch – interessant werden.

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SGE – Greuther Fürth 0:0

Trotz totaler Überlegenheit in allen Belangen kommt die SGE nur zu einem Punkt. Nach wie vor ist die Mannschaft nicht in der Lage, massiv und tief stehende Fünferketten zu überwinden. Dafür gibt es einige Gründe. Ein analytischer Blick darauf.

Die Aufstellung

Fürth: Linde – Itter, Viergever, Bauer – Willems (84. Asta), Christiansen, Raschl (66. Green), Meyerhöfer – Tillmann – Hrgota (84. Pululu), Nielsen (56. Leweling) – Trainer: Leitl

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch (aus statistischen Spieldaten) generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

Quelle:Youtube

Das Spiel

Während das gesamten Spiels ergab sich die Spielsituation, dass Fürth der SGE weitgehend den Ballbesitz überließ, gelegentlich eigene Konter versuchte, jedoch keine einzige Spielphase dominant gestalten konnte und in allen Spielphasen unterlegen war. Die SGE selbst kam mit Ausnahme einer einzigen Situation kaum in Bedrängnis, erspielte sich aber zu selten selbst große Chancen. Daher in diesem Spiel ein besonderer Blick auf die Probleme der SGE bei eigenem Ballbesitz gegen eine tief und breit stehende Kette.

Hier eine Szene aus der Anfangsphase: Die Fünferkette der Fürther steht sehr diszipliniert, hat gute Abstände auf dem ganzen Feld. Die sehr breite Kette und die 5-3-Defensive ist natürlich schwer zu bespielen, da aus dieser Formation jeder offensive Versuch sofort nach vorne und abgesichert, also aggressiv, attackiert werden kann.

Genau das machen die Fürther, rücken bei jedem ersten Offensivball der SGE sofort schnell und ohne zögern in die Zweikämpfe.

Gegen eine solche Formation helfen vor allem:

  • gewonnene Offensivzweikämpfe vor allem am Flügel + Hereingabe

Davon gab es schlicht zu wenig. Wenn es Kostic oder Knauff einmal gelang, sich offensiv durchzusetzen, wurde es auch direkt gefährlich. Ein schönes Beispiel ist der Abschluss von Kamada in der 33. Minute, nachdem Kostic außen gleich zwei Fürther auf sich gezogen und ausgespielt hatte. Kamada schießt dann neben das Tor. (eintracht.tv ab 34:40). Insebsondere Knauff tat sich sehr schwer, hatte in dieser Hinsicht praktisch kaum erfolgreiche Situationen. Das einzige gelungene 1 gg. 1 rechts mit Abschluss Kamada gelang nicht Knauff, sondern Kostic in der 69. Minute, als er nach einer von ihm getretenen Ecke noch rechts außen weilte. Kamada vergibt die Hereingabe von Kostic völlig freistehend. Der Volley-Abschluss war allerdings technisch auch sehr anspruchsvoll (eintracht.tv ab 26:14).

  • schnelle, direkte Seitenwechsel in der vorderen Reihe

Die größte Chance der zweiten Halbzeit in der 80. Minute entsteht aus einem solchen Seitenwechsel.

Hier der lange Ball von Knauff auf Kostic. Hinter dem letzten Fürther Verteidiger entsteht ein kleiner Raum. Diesen bedient Knauff mit dem langen Seitenwechsel-Flugball.

Die Kostic-Flanke landet dann über Knauff bei Paciencia, dessen Abschluss aus 12 Metern aber vollkommen ungenau ist und von Linde einfach gehalten werden kann. Trotzdem ist das ein gutes taktisches Mittel gegen solche breiten Ketten, denn auch die breite Kette muss natürlich seitlich verschieben und bei diesen Bewegungen entstehen auf der anderen Seite Räume, die dann genutzt werden können.

Einen solchen Wechsel mit Kurzpässen versuchte die SGE bspw. in der 91. Minute über Rode, Sow und Hauge zu Kostic, dessen Flankenfuß so freigespielt wurde. Die Flanke ist dann aber ungefährlich. (eintracht.tv ab 48:57)

  • Schussstärke aus der zweiten Reihe

Kam natürlich zu selten, aber immerhin Knauff versuchte es mit diesem Element einmal ziemlich gefährlich nach einem abgewehrten seitlichen Freistoß. In der 41. Minute muss Linde seinen Abschluss über das Tor lenken. (eintracht.tv ab 42:53)

  • präzise Flanken auf kopfballstarke Spieler zum Abschluss

War in der ersten Halbzeit kaum ein Thema, mit der Einwechslung von Paciencia in der 59. Minute dann eher, aber sehr gefährlich war das auch dann nicht, obwohl Kostic es jetzt viel häufiger mit diesem Element versucht. Die größte Chance nach einer Kostic-Flanke vergibt letztlich Knauff in der 64. Minute, der aus bester Abschlussposition aber versucht, den Ball per Kopf noch einmal in die Mitte zu legen. (eintracht.tv ab 21:50)

  • diagonale (Flug-)bälle in die tiefe Spitze, bei aufgerückten Kettenspielern

Ein solcher Angriff gelang der SGE beispielsweise in der 34. Minute. Hier:

Hier der lange Diagonalpass in die Spitze. Kamada ist rechtzeitig gestartet, Meyerhöfer war aufgerückt, hinter ihm ergibt sich der Freiraum. Auch ein recht guter Ball von Jakic, ziemlich freie Bahn für Kamada.

Kamada vertändelt den Ball dann im Dribbling gegen Bauer, aber das ist eine gute Möglichkeit, solche breite Ketten auszuspielen.

Auch die größte Chance im Spiel entstand dann in der 42. Minute aus genau so einem diagonalen Spitzenball, diesmal von Sow auf Lindström. Die SGE hatte diesen Sow-Pass zuvor mit einer Schnellkombination über Kostic-Kamada-Borré vorbereitet:

Hier die starke Kombination und der diagonale Pass von Sow auf Lindström und in dieser Situation kann Itter den schnellen Lindström dann nicht halten.

Lindström scheitert dann mit seinem Abschluss an Linde.

In der 45. Minute gelingt Hasebe noch ein großartiger Tiefenpass auf Lindström, aber auch den vergibt er gegen Linde etwas unentschlossen.

Einen weiteren dieser langen diagonalen Aufbaupässe gelingt Hasebe in der 78. Minute:

Hier der 55-Meter-Sensationspass von Hasebe. Der landet exakt und unerreichbar für die Fürther Verteidiger im Fuß von Hauge.

Hauge Kostic und Paciencia spielen das dann auch recht gut aus, die Kostic-Flanke auf den Kopf von Paciencia ist dann aber nicht optimal und Paciencia kann den nicht verwerten.

Um solche Situationen erzielen zu können, müssen also Flanken-, Pass- oder Schussfüße freigespielt werden. Das gelang der SGE zu selten. Warum?

Die Offensivspieler der SGE wurden mit dem ersten Offensivball sofort attackiert. Hier sieht man, dass Itter sehr schnell und aggressiv aus der Kette läuft, Lindström wird vom defensiven Mittelfeldspieler Christiansen gedoppelt und bricht den Angriff dann sofort ab.

Ein weiterer Grund ist das sehr starke 1 gg. 1 – Verhalten der Fürther. Ein lehrbuchhafter frontaler Zweikampf von Itter gegen Lindström lässt sich z.B. in der 39. Minute beobachten. Itter macht in dieser Szene alles perfekt, hält gegen den antrittsstarken Lindström die Distanz etwas größer, verzögert ihn so, zwingt Lindström zum Abdrehen und versucht ihn dann in der Drehung zu attackieren. Lindström holt in der Situation ziemlich clever noch einen Freistoß heraus, aber das Zweikampfverhalten von Itter war hier wie sehr oft überaus wirksam. (eintracht.tv ab 41:33)

Dass die Fürther genau so auf der hinteren Reihe agieren würden, war nicht sehr überraschend. Viel zu oft, wie hier in der 22. Minute, brachen die Offensiven der SGE die Aktionen sofort ab, wenn sie das Gefühl hatten, sich nicht drehen zu können oder direkte Schnellkombinationen im vorderen Bereich ihnen zu riskant vorkamen. Hier wäre ein schneller Seitenwechsel über Sow und Kamada durchaus möglich gewesen. Warum Lindström und Co. oft mit so wenig Risiko agierten, ist schwer zu sagen, eventuell spielt da in den Hinterköpfen tatsächlich das anstehende Barcelona-Spiel ein Rolle.

Die zweite Schwierigkeit, die sich aus der Fürther 5-3-Verteidigung ergab, ist, dass der Versuch der SGE, in den vorderen Außenräumen Überzahlsituationen herzustellen, um darin und daraus dann die Schnellkombinationen zum Tor zu spielen, häufig von den Fürthern verhindert werden konnte, eben weil sie das mit sehr viel anwesendem Personal zustellen konnten. Hier eine Situation aus der 81. Minute:

Hier im abgedunkelten Bereich der übliche Versuch der Überzahlherstellung durch die SGE. In dem kleinen Flügelraum sind gleich vier SGE-Spieler präsent, dazu Sow hinten als Anspielstation. Durch die breite Verteidigungslinie der Fürther können diese hier allerdings eine Flügelunterzahl verhindern und haben hier sogar eine 5-4-Überzahl.

Damit wurde eine weitere wichtige SGE-Waffe, das Schnellkombinationsspiel aus den Flügelräumen, erheblich erschwert und konnte nur selten gewinnbringend eingesetzt werden.

Die Fürther hatten in der ersten Halbzeit eine gute Chance: In der 17. Minute musste Trapp gegen Hrgota im 1 gg. 1 klären. Vorausgegangen war die einzige etwas längere Angriffssequenz der Fürther und ein schlecht abgewehrter langer Ball in den Eintracht 16er von Tuta auf Willems.

Danach entsteht diese Situation. Man sieht, dass die Kette hinten von Kostic ergänzt wird und richtig steht, keine Abseitsräume offen, Tuta im richtigen Raum etwas herausgerückt. Man sieht hier aber schon, dass Tillmann zwischen Tuta und Jakic zu frei steht, um Tillmann mit der Ballannahme attackieren zu können.

Das sind einfach 30 Zentimeter zu viel Abstand, aber genau diese Kleinigkeiten entscheiden oft über den Erfolg. Hier steht die SGE eigentlich 3 gg. 2 und lässt sich trotzdem ausspielen.

Hier dann der überragende Pass von Willems auf den gut getimt startenden Hrgota, Trapp muss den dann im 1 gg. 1 gegen Hrgota entschärfen. Trotzdem gut zu sehen, dass hier kein Kettenfehler vorliegt, das war gut gemacht von Willems, Tillmann und Hrgota, den Zugriff hätte die SGE zuvor beim Willems-Tillmann-Doppelpass haben müssen.

Fazit

Die Eintracht war den Fürthern in allen Belangen, auch den statistischen, heillos überlegen, dabei kamen aber zu wenige Großchancen heraus. Insbesondere in der zweiten Hälfte, in der die SGE sage und schreibe 76 Prozent Ballbesitz hatte, aber bis auf den guten Abschluss von Paciencia in der 80. Minute kaum zu gefährlichen Abschlüssen kam, zeigte erneut, welch große Schwierigkeiten die SGE gegen gut organisierte, tiefe und breite Defensivblöcke hat.

Die Gründe dafür wurden oben zusammengetragen. Neben den Möglichkeiten der defensiven Organisation (Verhinderung von Überzahlsituationen der SGE) und dem enorm stark eingespielten und abgestimmten individualtaktischen Verhalten der gesamten Fürther Mannschaft spielten weitere Aspekte eine entscheidende Rolle:

Zum einen spielte die SGE-Offensivreihe fast über das ganze Spiel, aber besonders in der ersten halben Stunde mit zu wenig Risiko, insbesondere offensive 1 gg. 1-Situationen wurden zu selten gesucht;

Zweitens enthielt das Offensivspiel zu viele individuelle Fehler, also falsche Entscheidungen, technische Fehler.

Letzteres ist und bleibt die entscheidende Ressource jeder Mannschaft. So vergaben in den beiden Situationen, die am ehesten zum Tor hätten führen können – Lindström in der ersten und Paciencia in der zweiten Halbzeit -die Spieler die Situationen, in dem sie technische Fehler machten, bzw. die korrekte Technik nicht beherrschten, die notwendig gewesen wäre, um die beiden Abschlüsse zu verwandeln.

Taktisch hingegen war das durchaus kein schlechtes Spiel, die SGE versuchte es variabel, startete Angriffe von verschiedenen Positionen und probierte es mit allen möglichen Elementen, die es gegen einen solchen Gegner braucht.

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RB Leipzig – SGE 0:0

Mit dem Punkt in Leipzig kann die Eintracht sehr zufrieden sein. Das Spiel blieb torlos, trotzdem ein kurzer analytischer Blick auf die wichtigsten Momente.

(Hinweis: Das Wappen der Leipziger wird hier nicht gezeigt, da die Seite werbefrei ist und bleiben soll. Das gilt umso mehr für ein Unternehmen, das von einem Rechtspopulisten geführt wird)

Die Aufstellung

Leipzig: Gulacsi – Simakan, Orban, Guardiol – Henrichs, Laimer (84. Haidara), Kampl (60. Forsberg), Angelino – Olmo (84. Szoboszlai) – Nkunku, Silva (72. Poulsen)

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch (aus statistischen Spieldaten) generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

Quelle: Youtube

Die erste Halbzeit

Auffällig: Die SGE setzte das Pressing – wie schon gegen Betis – etwas tiefer an als gegen technisch schwächere Gegner. Ähnlich die Leipziger. Da beide Teams große Stärken im Bereich Schnellkombinationen (aus engen Räumen) haben, ist es wenig verwunderlich, dass auch die Leipziger oft aus einer etwas tieferen Kompaktheit attackierten.

Hier gut zu sehen das Leipziger defensive 5-2-3-Konstrukt, mit dem sie die SGE bei deren Aufbau empfing. Gut zu sehen, dass die Leipziger das gelegentlich ziemlich tief stellen, hier (eine Szene aus der 15. Minute) komplett in der eigenen Hälfte. Es wird dann meist der Aufbauweg (erster Ball) der SGE abgewartet und dann dieser erste Ball attackiert.

Das Pressing der SGE hingegen wie üblich früh und extrem ballorientiert:

Hier gut zu sehen, dass auf SGE-Seite sechs Spieler an dem routinemäßigen Angriffspressing beteiligt sind, hier kurz nachdem der Ball Gvardiols Fuß verlassen hat.

Diese wie viele andere Situationen kann die SGE dann entschärfen, auch die technisch sehr starken Leipziger tun sich mit dem enormen Handlungsdruck schwer, der schon im Aufbau und im hinteren Mittelfeldbereich durch das frühe SGE-Pressing entsteht.

Aber auch die Leipziger haben spontanes Pressing an die hintere SGE-Reihe durchaus im Repertoire, was in der 20. Minute zu einer der besten Chancen der Leipziger in der ersten Halbzeit führt.

Gut zu sehen, dass Ndicka hier nach einem Rückpass von Lindström sofort attackiert wird, zwei Leipziger stellen die zentralen Anspielpunkte zu, Ndicka kann nur noch zu Trapp zurückpassen.

Auch Trapp wird dann sofort attackiert und kann sich nur noch mit einem unkontrollierten Befreiungsschlag helfen, der dann wieder bei den Leipzigern landet und von Kampl und Angelino sofort per Doppelpass scharf gemacht wird, die Hereingabe von Kampl köpft Silva dann zwar stark Richtung langes Eck, aber Hinteregger kann kurz vor der Linie klären. (eintracht.tv ab 25:57).

Die Eintracht bekämpfte die Tiefenpassversuche der Leipziger mit meist guter Staffelung hinten, die Dreierverteidigung hat sich wirklich stark konsolidiert und eingespielt. Die großen Chancen der Leipziger entstanden fast immer nach kleineren technischen Stockfehlern – wie von Hinteregger in der 26. Minute (eintracht.tv ab 30:41), der dann letztlich zu dem Scheibenschießen auf Trapp und dem Zweite-Reihe-Schuss von Nkunku führte, den Trapp dann mit einer starken Reaktion gerade noch so an den Pfosten lenkt – und teils krassen Fehlpässen, der schlimmste von Rode in der 46. Minute (eintracht.tv ab 51:08), der zu dem später wegen Abseits zurückgepfiffenen Tor von Nkunku führt (hier viel Glück für die SGE, dass Nkunku den Ball nicht für den einschussbereiten Henrichs durchließ, der stand nämlich nicht im Abseits und das Tor hätte gezählt.)

Die größte SGE Chance entsteht nach einer der üblichen Schnellkombinationen nach einem schwachen Tempodribbling von Simakan direkt in die aufgestellte SGE-Abwehrformation:

Hier der Moment, in dem Ndicka in dem Zweikampf mit Simakan, der sich den Ball zu weit vorlegt, den Ball gewinnt. Gut hier zu sehen die starke Staffelung der SGE: Alle Flachpass-Optionen sind eng gedeckt, und in der Spielzone außen hat die SGE 4-3-Überzahl – kein Durchkommen für die Leipziger.

So sah das häufig aus, allerdings waren die Leipziger gewarnt, dass genau so etwas – aufgerückte Verteidiger und Ballverlust – gegen die SGE mit ihren extrem schnellen Offensiven keine gute Idee ist. Und so:

Vier Pässe one-touch (mit dem ersten Zuspiel auf Borré) und ein Antritt von Lindström und Leipzig war ausgespielt, Lindström läuft auf Leipzig-Keeper Gulasci zu.

Lindström entscheidet sich dann aber fälschlicherweise für ein praktisch unmögliches Abspiel auf Borré, statt den Ball in die von Gulasci im Grunde nicht mehr abzudeckende lange Torecke zu legen. Diese zu häufigen Fehlentscheidungen von Lindström in den Abschluss- bzw. Letzter-Pass-Entscheidungen bleiben ein Problem und sollten mit dem Spieler schleunigst trainingsseitig bearbeitet werden. (Die ganze Szene hier ab 40:49).

Die Leipziger boten nicht nur in der ersten Halbzeit durchaus einige solcher Möglichkeiten an, die Situation oben ist aber eine der ganz wenigen, in denen die SGE den Angriff technisch sauber und konzentriert genug ausführte.

Mit zunehmender Spieldauer erhöhen die Leipziger den Anteil der Angriffspressingsituationen deutlich, der Druck auf die SGE wächst. Der zweite Lattentreffer der Leipziger durch Laimer (41. Minute) ist kein Kettenfehler und auch kein sonstwie systematischer Fehler, also analytisch nicht so interessant, eher ein Abstimmungsproblem der drei hier defensiv agierenden Mittelfeldspieler Rode, Jakic und Kamada, die sich zu sehr auf den linken Halbraum konzentrieren und Laimer in dem anderen freistehen lassen (eintracht.tv ab 45:39).

Die zweite Halbzeit

Glasner bringt in der Pause Hrustic für Rode, aus welchem Grund auch immer. Das Problem der zu hohen Fehlerquote im Passspiel wird durch diese Hereinnahme noch erhöht statt gesenkt: Während Rode immerhin eine Passquote von 75% aufwies, schaffte Hrustic gerade einmal 61% Passquote – viel zu wenig für einen Mittelfeldspieler, alle Kollegen auf den Positionen, also Jakic (76%) und Kamada (91%) waren deutlich besser. 61% Passquote ist für einen 6er/ 8er im Grunde Kategorie Fehlpassfestival.

Durch den Wechsel wird das SGE-Spiel also noch anfälliger, auch defensiv ist Hrustic schwächer als Rode, die Statistiker von kicker.de zählten bei Hrustic null gewonnene Zweikämpfe.

Es entwickelt sich in der zweiten Hälfte insgesamt ein Spiel, in dem die hintere Reihe der SGE häufig gefordert ist, die Situationen aber entweder mit Einzelskills (Beispiel Trapp mit Unterstützung von Tuta in der 52. Minute gegen Nkunku) oder gutem Kettenverhalten bereinigen kann.

Insgesamt ist insbesondere in der 2. Hälfte das Pressing der SGE aber deutlich weniger intensiv als sonst üblich. Hier dürfte der ersten Pressing-Reihe mit Lindström, Borré und Kamada das Spiel vom Donnerstag schlicht zu sehr in den Knochen gesteckt haben.

Umso wichtiger, dass die tiefe Kettenverteidigung in der letzten Reihe und die Einzelaktionen der Defensivreihe auf hohem Niveau funktionierten.

Die wirklich großen Leipziger Torchancen resultieren folgerichtig aus den relativ selten ermöglichten Kontern. Selten möglich waren die vor allem, weil die Eintracht-Defensive nicht sehr oft sehr weit aufrückte, das Risiko also deutlich niedriger ansetzte als sonst. Die wohl größte Chance der Leipziger entstand aus einem Konter nach Ballverlust Jakic im Mittelfeld in der 62. Minute.

Das ist wirklich ein Ballverlust aus der Hölle, die komplette SGE aufgerückt, gegen drei spielstarke und zwei schnelle Leipziger (Nkunku und Laimer). Von Laimer landet der Ball bei Silva, der mit zwei Kontakten Nkunku in den Lauf passt. Hier auch gut zu sehen: Ndicka hat in dem Moment, in dem Laimer hier seinen Sprint ansetzt, noch rund 10 Meter Vorsprung auf Laimer.

Mit Ballgewinn zieht Laimer den Sprint an und Ndicka hat trotz Vorsprung in diesem Sprintduell nicht den Hauch einer Chance. Das ist wirklich krass und hier (ab 17:51) gut zu sehen.

Hier das Ende vom Lied: Der Extremsprinter Laimer hat die gesamte SGE abgehängt und steht völlig blank 11 Meter vor Trapp.

Trapp hält den dann mit seinem starken Stellungsspiel und einer Weltklasseparade. Trapp ist im Grunde seit Saisonbeginn und weit darüber hinaus die Lebensversicherung der SGE. Kaum ein Team könnte sich in der Bundesliga regelmäßig derartige defensive Fehlleistungen erlauben wie die Eintracht, die mit diesem Torwart hinter sich fast in jedem Spiel einen mehr gut hat als jeder Gegner. Mit ungefähr jedem anderen Bundesligatorwart im Tor gewinnt Leipzig dieses Spiel 2:0.

Der Clickbait-Journalismus, der Trapp in der frühen Saisonphase eine Krise andichten wollte, weil er einmal eine Ecke verhindern wollte, was dann fast schief gegangen wäre, ist inzwischen restlos blamiert, bleibt aber natürlich wider jeder Expertise bei seinem lächerlichen Narrativ. Tatsache ist, dass Trapp vom ersten Spieltag an – ähnlich wie in den vergangenen Spielzeiten – die SGE in praktisch jedem Spiel in der Partie hält, wie hier auch regelmäßig dokumentiert.

Neben den individuellen Stärken, über die der Kader verfügt, hat die SGE aber auch einen Trainer, der es endlich geschafft hat, das Chaos in der letzten Reihe etwas zu lichten.

Hier eine Szene aus der 71. Minute. Die Kette funktioniert leidlich, Knauff ist etwas zu weit außen, Hinteregger und Tuta mit etwas zu geringem Abstand, aber grundsätzlich steht die Kette gut. Sie hat hinter dem im richtigen Raum etwas herausgeschobenen Hinteregger eine Höhe, die Abstände sind ok, Jakic als Sechser attackiert Nkunku aus dem Mittelfeldbereich. Auch das ist exakt richtig koordiniert.

Das ist nur eine von vielen Szenen, in denen die hintere Reihe der SGE (fast) fehlerfrei arbeitet, ein Phänomen, das man in der vergangenen Saison und auch lange in dieser nur selten im Eintracht-Spiel beobachten konnte. Das ist offenbar trainingsseitig massiv bearbeitet worden, und so etwas bringt natürlich sofort Punkte. Zum Beispiel einen wichtigen gegen hoch dotierte Leipziger, gegen die die SGE plötzlich – trotz zweier englischer Wochen in den Knochen, die der Gegner nicht hatte und die der Eintracht sichtlich zusetzten – zu null spielen kann – wer hätte das gedacht?

Dennoch: Die Leipziger werden in der Schlussphase immer stärker und gefährlicher, Nkunku und Poulsen haben weitere gute Abschlussmöglichkeiten, die von der SGE teilweise durchaus auch mit etwas Glück vereitelt oder schlicht vergeben werden.

Das Fazit

Der Kader der Leipziger wird auf transfermarkt.de auf 454 Millionen Euro Marktwert taxiert, der der SGE auf knapp 200 Millionen – und das, obwohl der SGE-Kader sogar sechs Spieler mehr aufweist als der der Leipziger.

Dazu fehlte auf Seiten der SGE mit Sow der neben Kostic und Trapp in den letzten Wochen alles überragende Akteur. Hinzu kam, dass die SGE zwei englische Wochen hinter sich hat, während Leipzig im Grunde zwei Wochen regenerieren konnte. Auch die Tatsache, dass mit den anstehenden Duellen gegen den FC Barcelona für viele auch routiniertere Eintracht-Profis die Spiele ihres Lebens anstehen, was auch schon erfahrenere Teams als die Eintracht vom Bundesliga-Alltag abgelenkt hat, darf nicht ganz vergessen werden.

Dafür also, dass die SGE mit einigem Gepäck in das Spiel gegangen ist, ist das Ergebnis ein sehr gutes. Der Punkt war glücklich, die SGE hatte im Grunde in keiner Spielphase nachhaltige Dominanz, aber ziemlich wertvoll, insbesondere da zwei Konkurrenten um die europäischen Plätze, Hoffenheim und Freiburg, überraschend 2 (Freiburg gegen Fürth) bzw. sogar 3 Punkte (Hoffenheim gegen Hertha) liegen gelassen haben.

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SGE – Betis Sevilla

Ähnlich wie im Hinspiel entwickelte sich ein ziemlich dynamisches Spiel mit zwei Teams, die beide sehr offensiv denken. Trotzdem kam es nicht zu allzu vielen Torsituationen. Ein analytischer Blick auf die wichtigsten Szenen.

Die Aufstellung

Betis: Rui Silva – Miranda (46. Juanmi), Bartra, Pezzella, Sabaly – Canales (67. Carvalho), Rodriguez – Ruibal, Fekir (111. Sánchez), Joaquin (67. Lainez) – José (79. Iglesias)

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch (aus statistischen Spieldaten) generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

Quelle: Youtube

Die erste Halbzeit

Die Analyse konzentriert sich in diesem Spiel auf die Anfangsphase, die starke SGE-Phase gegen Ende der ersten Hälfte, die Phase vor dem Gegentor und die Tore und Großchancen.

Kurz zur Anfangsphase und den Spielanlagen.

Zunächst einmal reproduzierten beide Teams anlagenseitig das Spiel in Sevilla, die SGE setzte wie üblich auf ihr Pressing, wenn auch etwas tiefer und später angepresst wurde als sonst.

Hier gut zu sehen, der sehr breite Aufbau von Betis, beide Außenverteidiger stehen nicht hoch, sondern in direkter Flachpassnähe zu den Innenverteidigern – typisch für ein Team, das Positionsspiel versucht, also die Angriffe über eigenen Ballbesitz und Passstafetten und Flugbälle. Ebenfalls gut ersichtlich, dass die SGE hier noch nicht die Aufbauspieler der Spanier attackiert, was sie in vielen Spielen sonst macht.

Glasner und die Mannschaft haben ihr Pressingverhalten also durchaus etwas dem Spielstand und der Tatsache, dass ein Unentschieden gereicht hätte, angepasst.

Das Offensivspiel der Spanier geht dann zumeist über wenige Stationen Richtung offensive Außen, wo dann entweder direkt der Durchbruch (gewonnene 1 gg. 1 bzw. Flanken/ Hereingaben) gesucht wird, oder mit einem Seitenwechsel die Räume auf der anderen Seite bespielt werden. Das spielen sie praktisch wie im Schlaf, das ist sehr stark automatisiert und entspricht auch den personellen Stärken des Kaders. Mit diesem auf Breite ausgelegten Spiel haben Teams, die wie die SGE mit einer zentral orientierten 3-2-Verteidigung naturgemäß oft Probleme.

Die Entstehung der größten Chance des gesamten Spiels, nämlich des Lattentreffer von Knauff in der 14. Minute zeigt die weiteren wichtigen Charakteristika des Spiels.

Hier der dem SGE-Konter vorausgehende Aufbauversuch von Betis. Oben sieht man, dass die Spanier hier in der vorderen Linie extrem breit stehen, also hier schon auf den Seitenwechselanschluss spekulieren.

Durch das breite Stellen des Offensivspiels bleiben in der jeweiligen Aktion oft nur 2 bis 3 Spieler, um die Aktion durchzuführen. Hier:

Im abgedunkelten Bereich steht Sevilla 2 gg. 4, Sabaly kommt von hinten, aber selbst wenn er sich noch in den Angriff einschalten kann, steht die SGE immer noch in Überzahl.

Das ist die Idee der SGE gegen das breite Spiel der Gäste: Man versucht, auf den Seiten möglichst immer Überzahl zu haben und in diesen Überzahlräumen sehr früh und aggressiv zu attackieren. In dem Beispiel oben ist Hinteregger im Zweikampf gegen José sehr weit außen, um die Überzahl herstellen zu können und gewinnt den Zweikampf auch. Hier geht das SGE-Konzept auf, wichtig dabei ist aber auch das Einrücken von Knauff in die Kette auf der rechten Seite, da sonst die Betis-Spieler auf der anderen Seite zum Tor hin freistünden.

Nach dem Ballgewinn von Hinteregger greifen nun die SGE-Automatismen, die Mannschaft startet sofort einen Schnellangriff.

Hier die Kombination mit der die SGE den Angriff einleitet. Nach dem Ballgewinn von Hinteregger gehen, man sieht es hier, Sabaly, Fekir und Rodriguez sofort ins Gegenpressing, aber die Kombinationsstärke „aus engen Räumen“, wie es in der Fachsprache heißt, ist ein Schwerpunkt seit Glasners Antritt und funktioniert inzwischen in vielen Situationen sehr gut. Kostic und Kamada spielen hier auf engstem Raum einen Doppelpass und Kostic rennt dann einfach mit Ball am Fuß durch die beiden etwas schlecht gestaffelten Fekir und Rodriguez. Damit sind – inklusive der auf der anderen Seite auf den Seitenwechsel wartenden – sechs Betis-Spieler überspielt.

Dieses technisch saubere, schnelle Lösen aus engen Räumen ist, wie hier auch in anderen Spielen schon gezeigt, neben dem Pressing die stärkste Waffe der SGE. Hier einmal der gesamte Angriff in der Übersicht:

8 Pässe ohne Gegnerkontakt.

Das war nicht nur die größte Chance des Spiels, sondern auch der beste Angriff. Den ganzen Angriff kann man sich hier ab 20:04 noch einmal ansehen.

Damit ist Sow in der Situation diesen Uwe-Bein-Gedächtnispass auf Knauff spielen zu können. Sows Pass ist perfekt, Knauffs Laufweg ebenfalls, Betis-Torwart Rui Silva kommt Knauff entgegen, Knauffs Abschluss wird dann von Rui Silva noch an die Latte abgefälscht.

Hier also in einer Szene die wichtigsten taktischen Maßnahmen der SGE gegen Betis: Auf den immerzu angesteuerten offensiven Außenseiten Herstellung von Überzahl plus das übliche Mittelfeld- und Angriffspressing, schnelles Umschalten mit schnellen Passkombinationen und Tiefenpässen.

Das ist nicht der einzige dieser Angriffe in der ersten Halbzeit. Wie überhaupt die SGE das gefährlichere Team ist. 7:3 Schüsse und 3:0 Torschüsse legen das auch statistisch nahe. Ab der 20. Minute ist die Eintracht teilweise minutenlang in Ballbesitz und erarbeitet sich mehr Spielanteile als die Gäste.

Weitere Beispiel für schnelles Kombinationsspiel finden sich in der 19. Minute (Abschluss Sow, ab 25:26),

Betis wird exakt immer dann gefährlich, wenn das vorrückende SGE-Pressing überspielt werden kann, etwa in der 28. Minute (Abschluss Sow, hier ab 34:29) oder 39. Minute (Abschluss Knauff, hier ab 45:30).

Das war eine extrem starke erste Hälfte der SGE. Wenn man bedenkt, dass die Mannschaft in Sevilla einen Elfmeter verschossen hat und Knauff hier im Grunde einen weiteren hatte, war Betis nach drei Halbzeiten mit dem 1:2 Rückstand bestens bedient.

Neben den taktischen Analysen muss hier aber auch gesagt werden, dass gegen solche Gegner solche Mannschaftsleistungen nur möglich sind mit extremer Einzelspielerqualität, und über diese verfügt der aktuelle Eintracht-Kader. So war es in der ersten Halbzeit Knauff, mit dem Miranda, immerhin mit seinen 22 Jahren bereits einmaliger spanischer Nationalspieler, völlig überfordert war. Auf der anderen Seite sah es im Duell Kostic gegen Sabaly ähnlich aus, auch wenn Sabaly, oft unterstützt von Rodriguez, sich etwas besser schlug. Aber auch im Defensivverbund gewannen Sow und vor allem Hinteregger fast alle entscheidenden Duelle. Sow war in vielen Hinsichten deutlich stärker als beide Sechser der Spanier Canales (10 Länderspiele für Spanien) und Rodriguez (21 Länderspiele für Argentinien) – und das in allen dreien bis dahin gespielten Halbzeiten.

Die zweite Halbzeit

Die zweite Halbzeit ist sehr zerfahren, besonders bei der Eintracht erhöht sich deutlich die Fehlerquote. So sinkt die Passquote der SGE von 74% auf 67%, während die Passquote bei Betis von 80% auf 78% sinkt.

Trotzdem konnte die SGE fast über die gesamte Spielzeit die Spanier zumindest von ganz großen Abschlusschancen abhalten.

Ein Grund dafür war die enorme Zweikampfstärke der drei Verteidiger, ganz besonders Hinteregger, der Kettenfehler (oft eigene Stellungsfehler) mit starkem Zweikampfverhalten ausbügelte, ein gutes Beispiel ist die Situation in der 55. Minute – im Grunde eine der gefährlichsten Aktionen der Gäste im Spiel.

Hier gut zu sehen der Stellungsfehler von Hinteregger, der hier eigentlich genug Zeit hatte, den viel zu großen Abstand zu Ndicka zu verkleinern, zumal Knauff, Tuta und Lindström in der Zentrale 3 gg. 2 gegen die beiden Betis-Angreifer stehen. Canales und Joaquin erkennen die Lücke auch sofort, spielen den Ball hinein.

Allerdings ist die Zweikampfarbeit von Hinteregger gegen Joaquin dann überragend, sodass dieser nicht zum Abschluss kommen kann, Hinteregger kann den Abschluss von Joaquin blocken. (eintracht.tv ab 11:20).

Im weiteren Verlauf des Spiels wiederholen sich die beschriebenen Abläufe: Defensive Überzahl der SGE auf den Außen als wichtigstes Abwehrmittel nebst dem üblichen Pressing, Möglichkeiten für Betis bei zu großen Abständen in der letzten Reihe der SGE oder nach Pressingdurchbrüchen oder gelungenen Seitenwechseln, dazu Standards.

Obwohl die Eintracht kaum nachlässt und bei Kontern immer gefährlich bleibt, wird mit zunehmender Spieldauer die Feldüberlegenheit der Spanier und der Druck auf die SGE zusehends größer. Die größeren Chancen hat aber weiterhin zunächst die SGE, beispielsweise in der 62. Minute Kostic nach Kamada-Flanke von links und Torwartfehler (eintracht.tv ab 18:28), oder die Kostic-Freistoßflanke in der 63. Minute, die am Pfosten landet (eintracht.tv ab 19:31).

Den besten Abschluss haben die Spanier in der 65. Minute nach einem gelungenen Seitenwechsel (eines ihrer wichtigsten Angriffsmittel, wie oben herausgearbeitet) und einer starken Aktion von Joaquin gegen Kostic und Ndicka, die gegen den 40jährigen beide in ihren Zweikämpfen sehr schlecht aussehen – nachdem Joaquin frei flanken kann, muss Trapp den Kopfball von Juanmi mit seiner besten Parade des Spiels entschärfen.

In der 66. Minute bringt Glasner Hauge für Kamada, ein nachvollziehbarer Wechsel. Kamada hatte zwar einige gute Pässe und Aktionen, allerdings auch einige haarsträubende Fehlpässe in seinem Spiel, Hauge wirkte sehr engagiert und hat direkt einige Ballaktionen.

In der Schlussphase geben die Spanier ihren breiten Aufbau weitgehend auf, spielen jetzt oft nur noch mit einem Dreier-Aufbau und öfter mit langen Bällen, meist Richtung der offensiven Außen. Außerdem intensivieren sie das frühe Mittelfeldpressing/ Angriffspressing.

Hier gut zu sehen die Umstellung der Spanier: Aus dem breiten Viererkettenaufbau ist ein Dreier-Aufbau hinten geworden, statt den breiten Außen stehen diese jetzt hoch und den Bereich zwischen den Linien, also hinter den beiden Eintracht-6ern, besetzen sie hier mit gleich vier Spielern.

Aus dem breiten Aufbau ist also eine breite Spitze geworden und wie in dem Bild zu sehen, müssen Kostic und Knauff jetzt dauerhaft hinten die Außenbahnen schließen. Warum Glasner in dieser Phase nicht, wie in den vergangenen Spielen in ähnlichen Situationen, mit Lenz oder Touré eigene defensive Breite dagegensetzt, war schon sehr verwunderlich und im Grunde war es eine Frage der Zeit, bis das schiefgeht. Beide Außenbahnen waren gegen eine breite Spitze nun defensiv zu schwach besetzt, die Überzahl nicht mehr zuverlässig herzustellen. Dementsprechend bespielen die Spanier diese defensiven Außen der SGE jetzt praktisch mit jedem Ball und genau daraus resultiert dann auch das 0:1.

Hier die Situation, die den Angriff einleitet, es handelt sich um einen Doppelpass Ruibal-Fekir und hier im Bild ist gut zu sehen, dass Lindström nicht nur auf der Innenbahn ist, sondern auch ein bisschen Vorsprung gegen Ruibal hat, als beide den Sprint anziehen.

Den entscheidenden Fehler macht dann Lindström, der zwar den Ball zuerst erreicht, sich aber mit einem leichten Körpereinsatz von Ruibal einfach aus dem Zweikampf drücken lässt, das ist natürlich kein professionelles Zweikampfverhalten.

Hier die Situation nach dem verlorenen Zweikampf von Lindström. Tuta muss ganz auf die außen rücken, um den Gegner zu stellen und hinter ihm schließt niemand rechtzeitig die Lücke, Knauff verschläft seinen Einsatz hier völlig, lässt Fekir einfach laufen, aber auch Sow hat die Situation nicht rechtzeitig erkannt, sonst hätt er hinter Tuta einrücken müssen. Fekir erhält dann den Ball zurück und bringt die Flanke zum 0:1.

In dieser Situation lassen sich Knauff, Tuta und Lindström trotz 3 gg. 2 – Überzahl von Fekir und Ruibal ausspielen, die Kettenabsicherung hinter Tuta fällt einfach aus, das sind schlicht zu viele Fehler in einer Situation.

Die Verlängerung bringt dann nicht mehr allzu viel, zwei müde Mannschaften, die beide kaum mehr in der Lage sind, die gegnerische Defensive zu überspielen. Daher nur noch ein kurzer Blick auf zwei Situationen.

In der 109. Minute hat die SGE viel Glück, als Iglesias mit einem Kopfball an der Latte scheitert. Vorausgegangen war einer der typischen Seitenwechsel-Angriffe der Spanier mit Pass in den von Kostic mit Harakiri-Stellungsspiel freigelassenen LV-Raum hinter ihm und Flanke aus genau dieser Zone. Man muss es so hart sagen, wenn das Spiel da verloren geht, dann wäre das ziemlich auf das Konto des vollkommen untätigen Glasner gegangen, der hier sehenden Auges schlicht die notwendige Sicherung der von Kostic und Knauff nicht mehr zuverlässig zu sichernden Außen verpasste.

Das einzig halbwegs nachvollziehbare Kalkül ist, dass Glasner die eigene offensive Stärke nicht antasten wollte, was allerdings durchaus eine Art Russisches Roulette war, auch wenn es in diesem Fall letztlich gutging.

Kostic auf dem Platz zu lassen war jedenfalls richtig, er schlug nicht nur die Flanke, die dann in der 121. Minute ins Betis-Tor verlängert wurde, sondern holte mit einer Einzelaktion auch den Freistoß heraus. Das Tor ist somit analytisch wenig relevant, die SGE kann sich in dieser Situation in erster Linie bei Kostic bedanken und in zweiter bei Hinteregger, der die Situation im Sechzehner mit seinem Einsatz erzwingt.

Das Fazit

Die Eintracht ist verdient weitergekommen, hätte das Spiel nach drei Halbzeiten im Grunde für sich bereits entschieden haben müssen.

In der Schlussphase der zweiten Halbzeit des Rückspiels wurde der Druck zu groß, die von den Spaniern als solche offenbar ausgemachte Schwäche auf den defensiven Außen war zu groß, als dass man eine Mannschaft wie Betis da dauerhaft fernhalten konnte. Beim Gegentor passierten zu viele Fehler, in dieser Phase war auch das Nichtreagieren des SGE-Trainerteams mindestens fragwürdig.

Das setzte sich dann in der Verlängerung fort, trotzdem ist der Erfolg der SGE alles in allem durchaus verdient.

Die Entwicklung der Mannschaft ist gut zu sehen. Alle von Glasner eingeführte Elemente sind inzwischen recht gut verinnerlicht, die Fehlerquote in der hinteren Reihe konnte stark reduziert, die defensiven Abläufe besser automatisiert und geklärt werden. Die defensive Schwäche auf den Außen ist mit einer Schienenbesetzung Kostic, Knauff kein Geheimnis und wird in Kauf genommen zugunsten der daraus ja auch resultierenden extremen Offensivstärke.

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SGE – VfL Bochum 2:1 (0:1)

Gegen sehr aggressive und gut organisierte Bochumer gewinnt die SGE ihr Heimspiel und bleibt im Rennen um die europäischen Plätze. Die Analyse zum Spiel.

Die Aufstellung

Bochum: Riemann – Stafylidis, Bella-Kotchap, Masovic, Bockhorn – Osterhage (60. Pantovic), Losilla, Rexhbecaj (77. Löwen) – Holtmann (61. Locadia), Asasno (60. Antwi-Adjei) – Polter

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

Quelle: Youtube

Die erste Halbzeit

Ähnlich wie im Hinspiel hatte die SGE große Probleme mit der extrem aggressiven Zweikampfführung der Bochumer und deren sehr intensiven Pressing auf dem ganzen Platz. Allerdings gelang es der SGE diesmal sehr gut, die Schwächen des VfL zu nutzen und die technische Überlegenheit in ein erfolgreiches Spiel umzusetzen.

Trotz der technischen und spielerischen Überlegenheit waren die Gäste 90 Minuten sehr gut im Spiel und setzten der Eintracht stark zu. Überhaupt stehen die Bochumer mit einem eher unterdurchschnittlich besetzten Kader im gesicherten Mittelfeld. Wie hat VfL-Trainer Reis das geschafft?

Man kann das anhand des Spiels gut beobachten. Das VfL-Spiel besteht aus drei entscheidenden Elementen:

  1. Möglichst Risikofreies Aufbauspiel, oft mit langen Bällen ins Mittelfeld oder die Spitze. Die Bälle werden oft von Torwart Riemann lang gespielt.
  2. Pressing auf dem ganzen Platz. Der VfL bringt ganz bewusst den Gegner in Ballbesitz, presst dann extrem ballorientiert und geht auf Ballgewinne im Mittelfeld, um dann sehr schnell den Abschluss zu suchen
  3. Sehr starke defensive Zweikampfführung, hartes Einsteigen, taktische Fouls.
Hier eine Szene aus der 4. Minute. Gut zu sehen, dass der VfL in dieser Szene mit 9 Spielern im Bildausschnitte in der Eintracht-Hälfte presst. Der Abstand zur letzten Reihe wird auf Teufel komm raus eng gehalten, selbst wenn die letzte Reihe bis in die gegnerische Hälfte nachpressen muss wie in diesem Beispiel, in dem sich die SGE mit ihrer Passgenauigkeit und Kombinationsstärke zwar befreien kann.

Kamada macht dann einen kleinen Passfehler, weshalb der Ball dann bei der Bochumer Letzte-Reihe-Absicherung landet.

Das ist der Trick: Die Räume werden so eng gehalten, dass die kleinste Ungenauigkeit dazu führt, dass die Bochumer den Ball gewinnen. Für einen Abstiegskandidat eine enorm mutige, aufwendige, aber auch überaus effektive Strategie.

Das Spiel der SGE ist durchaus ähnlich angelegt, wenn auch mit größerem Schwerpunkt auf eigenen Ballbesitz und Spiel aus der und in die Tiefe.

Eine erste gute Chance hatte die SGE nach einem Ballverlust des VfL und der großen Stärke der SGE, den tiefen Schnellkombinationen, in diesem Fall über Hinteregger (Ballgewinn), Kamada, Knauff, Borré (Flanke von rechts), Abschluss Kamada. (eintracht.tv ab 6:47). In dieser Szene sieht man schon gut, wie die Bochumer zu bespielen und zu überwinden sind. Denn das sehr hohe Anlaufen und stetige Pressen der Bochumer ist durchaus riskant, da die Mannschaft auch im vorderen Bereich keine sehr hohe technische Qualität hat. So gehen viele Bälle an den Gegner und ob dieser das sofortige Gegenpressing überwinden kann oder nicht, hängt mit der Genauigkeit der Angriffsbemühungen und eben den technischen Fertigkeiten der Einzelspieler zusammen.

So zeichnen sich nach 10 Minuten die Punchlines deutlich ab: Beide Teams setzen auf sehr schnelles und direktes Spiel in die Spitze, der VfL verzichtet noch deutlicher auf Positionsspielversuche als die SGE und will jeden Ball in die SGE-Hälfte bringen, um die Bälle dort gewinnen zu können. Entweder VfL-Keeper Riemann oder einer der Abwehrspieler spielt fast alle Bälle als Flugbälle Richtung Mittelstürmer Holter oder auf einen der beiden schnellen Außen Holtmann und Asano. Die Eintracht, die unter Glasner einen ähnlichen Schwerpunkt hat, ist nur ein wenig variabler, hat aber mit der Zweikampfhärte und dem sehr engen Pressing der Bochumer zu kämpfen. Aber die SGE ist gut sichtbar praktisch auf jeder Position technisch-spielerisch besser besetzt als der VfL, auch das ist gut zu sehen und so gelingen der Eintracht zunächst die interessanteren Offensivszenen. Statistisch schlagen sich die Vorteile, die die SGE im vorderen Drittel hat, in einem sagenhaften Eckenverhältnis von 8:0 nieder.

Eckenverhältnisse sind deshalb besonders interessante statistische Werte, weil Ecken normalerweise von Abwehrspielern und Torhütern zu verhindern versucht werden. Einer Ecke geht also fast immer eine „Rettungsaktion“, also eine interessante Situation des Gegners voraus.

Trotzdem erzielt der VfL in der 19. Minute den Führungstreffer. Vorausgegangen war ein Konter nach einer sehr starken Balleroberung von Bella Kotchap fast an der eigenen Auslinie gegen Lindström und die Zweikampfführung des Bochumers ist in dieser Situation wirklich lehrbuchhaft, man sehe sich das gerne noch einmal an (eintracht.tv ab 22:48). Lindström hatte durch eine kurze Verzögerung allerdings sein Sprinttempo verloren und es dadurch dem Gegner ermöglicht, den Ball zu gewinnen.

Entscheidend ist nun, dass die SGE danach nicht ins Gegenpressing kommt.

Hier die Situation nach dem verlorenen Zweikampf von Lindström. Bella Kotchap spielt sofort auf Stafylidis. Hier der (kurze) Ballbesitzmoment von Stafylidis. Gut zu sehen, dass Sow und Jakic, die hier das Gegenpressing organisieren müssen, keinen Zugriff auf Stafylidis und Rexhbecaj haben und so der VfL unbehelligt Kontern kann.

Auf dem Standbild sieht man sehr gut, dass die 6er nicht press stehen und daher mit zwei Bällen die SGE mit Ausnahme der 3er-Absicherung in der letzten Reihe überspielt ist. Das ist allerdings auch eine sehr schwierige Situation, weil Lindström den Ball sehr weit vorne verliert.

Rexhbecaj spielt dann, vorbei an dem weit herausgerückten Ndicka einen Longline-Ball auf Asano, der mit der Ballannahme von Hinteregger umgegrätscht wird. Darüber, ob man das besser verteidigen kann, darf gestritten werden, dass Hinteregger so eine Kontersituation zur Not mit einem (taktischen) Foul stoppen muss, ist unstrittig. Er hat das offenbar als solche Notsituation aufgefasst, weshalb er zu diesem Mittel gegriffen hat (nachvollziehbar, da auch Ndicka zu diesem Zeitpunkt aus dem Spiel war und Tuta in der Zentrale demnach 1 gg 2 stand, jedenfalls musste Hinteregger das befürchten).

Der Standard selbst ist dann gut ausgeführt, kaum eine Chance für Hinteregger und Trapp, das Tor zu verhindern.

Die folgenden 10 bis 15 Minuten sind die stärksten des VfL in dem Spiel. Warum? Die Antwort ist sehr simpel: Die Fehlerquote der SGE erhöht sich brachial und typisch für Mannschaften in der Entwicklung, fällt auch die SGE in dieser extremen Stresssituation in Fehlverhalten zurück, die eigentlich bearbeitet waren.

Hier eine Szene aus der 23. Minute mit komplettem Kettenchaos seitens der SGE. Kurz zuvor hatte der zentral herausgerückte Hinteregger ein Kopfballduell geführt und verloren, was aber für Tuta und Ndicka erst Recht Grund sein sollte, eine (Abseits-)höhe zu halten. Stattdessen läuft Tuta hinten rein und öffnet damit einen No-Abseits-Raum. Viel Glück in dieser Szene, dass Asanos Ball exakt bei Tuta landet statt im Lauf des schnellen Holtmann.

Kurz danach, in der 24. Minute hat die SGE noch mehr Glück. Die vermutlich spielentscheidende Parade von Trapp (siehe Highlights oben) hält die SGE im Spiel. Vorausgegangen war einer der Ketten-Abstimmungsfehler, die hier regelmäßig als Einfallstore und Schwachpunkt der SGE gezeigt werden, so auch diesmal.

Tuta rückt, ohne Not, sehr weit aus der Dreierkette ohne von Knauff oder Kostic hinten vertreten zu werden. So steht die SGE hier, gut zu sehen im eingefärbten Bereich 2 gg. 3 direkt zum eigenen Tor. Eine Situation, die nie entstehen darf. Den entscheidenden Fehler hier macht Knauff, der nicht mit dem kurz zuvor außen eingelaufenen Losilla mitgeht, sondern im Halbraum stehen bleibt, sich mithin aus dem Spiel nimmt. Er muss hier einfach die 4 Meter nach hinten einrücken, dann passiert in der Situation nichts.

Denn der folgende Angriff über Holtmann, der hier den Ball gegen zwei Frankfurter behauptet und ihn dann kurz danach im Vollsprint Richtung Tor wiedererhält, läuft über genau diesen freien Losilla, den Knauff hier vollkommen freistehen lässt. Holtmann und Asano stehen kurz danach im Sechzehner der SGE 2 gg. 1 und Trapp rettet mit einer Weltklasseparade gegen Asano.

Hier also wieder das übliche Chaos auf den Schienenpositionen. Auch Kostic steht viel zu weit vorne. Gerade als erfahrener Spieler hätte er hier die Gefahr erkennen müssen und so schnell wie möglich die Kette hinten ergänzen, stattdessen verschläft er – wie so oft – die Szene vollkommen.

Das Zurückfallen in falsche Verhaltensmuster wird begleitet von einer auch im spielerischen Bereich erhöhte Fehlerquote, selbst der sonst sehr passsichere Sow lässt sich von der Aufregung anstecken und produziert teils haarsträubende Fehlpässe.

Doch die Mannschaft kämpft sich bald ins Spiel zurück. Ausschlaggebend dafür waren einige hart und erfolgreich geführte Zweikämpfe von Hinteregger (Bsp. gegen Asano in der 34. Minute, eintracht.tv ab 38:31), einige mutige Aktionen von Jakic und eine relativ schnell wiedergewonnene Pass- und Aktionssicherheit von Sow. Auch auffällig, dass in der ca. 10- bis 15-minütigen Stressphase Kostic wieder sehr häufig gesucht wurde. Auch die Ball- und Aktionssicherheit von Tuta und Ndicka hilft.

So kann die SGE bald die Kräfteverhältnisse wieder herstellen und hat in der 40. Minute mit einem Fasteigentor von Bella Kotchap eine Riesenchance zum Ausgleich. Dazu kommt eine Minute später ein elfmeterreifes Foul von Bockhorn an Kostic.

Damit ist die VfL-Druckphase abgewehrt, auch die jungen Knauff und Lindström haben wieder Aktionen und bis zur Halbzeit hat die SGE das Spiel wieder im Griff und auch wieder die besseren Offensivaktionen, u.a. eine gute Chance von Borré und ein Kopfballabschluss von Hinteregger nach Freistoßflanke Kostic. Es deutete sich schon an, dass der VfL Schwierigkeiten haben würde, das Spiel zu null zu beenden.

Die zweite Halbzeit

Mit Beginn der zweiten Hälfte macht die Eintracht da weiter, wo sie in der ersten Hälfte aufgehört hatte, übernimmt das Spielkommando. Der VfL wird mit den ersten Aktionen in eine tiefere Position am eigenen Strafraum gezwungen und im Grunde mit dem ersten Angriff erzielt die SGE den Ausgleich.

Ausgangspunkt ist ein gewonnener Zweikampf von Hinteregger gegen Polter ganz hinten. Pass auf Knauff rechts und Angriffseinleitung mit einem Pass auf Lindström ganz rechts.

Die Passwege vor dem Tor. Lindström und Knauff stehen außen 2 gg. 3, daher muss Lindström den Angriff abblasen, spielt zurück auf Sow, der den Angriff zunächst in die Zentrale verlagert (Kamada und Jakic kommen entgegen). Darauf folgt eine der typischen Schnellkombinationen der SGE, hier über Kamada und Jakic. Damit wird der Gegner „in Bewegung gebracht“, alle Bochumer orientieren sich wie von Geisterhand Richtung Zentrale.

Meistens entstehen dabei Freiräume außen, so auch hier.

Hier sehr schön zu sehen: Mit dem kurzen Doppelpass in der Zentrale ziehen Kamada und Jakic beide Innenverteidiger der Bochumer auf sich, so dass Stafylidis einrücken muss, um Borré nicht freistehen zu haben. Rexhbecaj hätte außen bleiben können (müssen), macht hier also einen Stellungsfehler. Durch diese Bewegungen stehen nun Knauff und Lindström rechts frei, bzw. 2 gg. 1 gegen Stafylidis. Kamada erkennt die Situation perfekt und spielt einen überragenden Chippass in den Lauf von Knauff außen.

Damit ist der Defensivblock des VfL ausgespielt.

…und Lindström kann aus rund 12 Meter völlig frei abschließen, hätte auch noch Abspielmöglichkeiten in der Box.

Lindströms (schwachen) Schuss lenkt Bochums Innenverteidiger Masovic dann ins eigene Tor.

Die SGE hat sich inzwischen gut auf die sehr durchschaubaren Angriffsbemühungen der Bochumer eingestellt, Hinteregger bekämpft Polter wirksam, die Außen Holtmann und Asano sind im 1 gg. 1 letztlich zu schwach, um die Eintracht dauerhaft zu gefährden und die auf sie gespielten Bälle zu einfach zu verteidigen. Außerdem kann sich die SGE besser aus den Pressingsituationen lösen, notfalls mit längeren Bällen. Das ist die Vorgehensweise in der zweiten Hälfte und damit ist Bochum weitgehend entzaubert, die spielerische Stärke der SGE kann sich durchsetzen.

In der 52. Minute fällt folgerichtig das 2:1-Führungstor. Leider zeigte die DAZN-Regie lieber jubelnde Kinder statt auf dem Spiel zu bleiben, sodass wir den Angriff hier erst ab der Station Kostic ansehen können.

Hier die entscheidende Angriffseinleitung. Borré mit einem extrem starken Pass auf Kostic, der Bockhorn überrennt.

Hier sehr gut sichtbar: Dass aus dieser Situation, in der Bochum noch ganz gut besetzt ist und verschoben hat, ein Tor werden kann, ist den speziellen Einzelfähigkeiten von Borré (Spielverständnis, Laufeinsatz, Borré hier wie oft als Spielmacher) und dem extremen Tempo und der trotzdem noch technischen Genauigkeit Kostics geschuldet.

Hier die Situation nach der Kostic-Hereingabe, die Knauff mit einem kleinen technischen Fehler zuerst fast verdaddelt den Ball dann aber noch auf Lindström bringt, der ihn dann auf den völlig freien Kamada spielt, Tor.

Durch den VfL-Rückstand verändert sich natürlich die Statik des Spiels etwas, der VfL kann sein „reines“ Programm jetzt nicht mehr abspulen, muss mehr eigenen Ball und Positionsspiel versuchen und wird damit anfällig für Pressingsituationen der SGE. Viel mehr als die immer gleichen langen Bälle von Riemann in die Spitze fällt den Bochumern aber nicht ein, das Spiel über eigenen Ballbesitz ist sehr offensichtlich ihre Sache nicht. Die Gäste sind, obwohl sie in der zweiten Hälfte sogar einen Überschuss an Ballbesitz haben, fast ausschließlich nach Standards gefährlich.

Die Eintracht hat noch einige gute Kontermöglichkeiten, so etwa Knauff in der 69. Minute, und Hauge/Borré in der 84. Minute.

In der 72. Minute bringt Glasner Lenz für Lindström, Kostic rückt weiter vor; lenz spielt fortan die linke Schiene, wie üblich etwas defensiver als Kostic.

Auch Bochum-Trainer Reis nimmt einige Wechsel vor, die allerdings an den Abläufen im Spiel wenig ändern und daher hier nicht weiter relevant sind. Ähnliches gilt für die Wechsel auf SGE-Seite.

Fazit

Die SGE schafft gegen Bochum einen standesgemäßen Heimsieg.

Der größte Unterschied zwischen beiden Teams bestand in der Palette der Fähigkeiten. Während die Bochumer in ihrem sehr zweikampfintensiven Pressing plus schnellem Spiel in die Spitze ihre einzige echte Stärke haben, dieses aber eine mächtige Waffe darstellt, beherrscht auch die SGE ein wirksames Pressing, verfügt aber aufgrund der großen technischen Stärke des Kaders über weitere gute Skills im Bereich Kombinationsspiel, Schnelligkeit und Tiefenspiel. Auch im Positionsspiel ist die SGE stärker, auch wenn die Mannschaft dieses Element erneut kaum genutzt hat.

Bis zum 2:1 der SGE war das Spiel demgemäß umkämpft, insbesondere in der oben beschriebenen Druckphase der Bochumer in der ersten Halbzeit. In dieser Phase stachen vor allem Sow, Hinteregger und Kostic mit sehr großem Engagement und besonders konzentriertem Spiel heraus. Dadurch konnte die Mannschaft insgesamt die Fehlerquote wieder senken und das Spiel in den Griff bekommen. Danach fehlten den Bochumern die technischen und spielerischen Mittel, um eine erneute Druckphase wie in der ersten Halbzeit zu organisieren.

So bleibt ein verdienter Erfolg der Eintracht, die das Spiel in allen Bereichen als weiteren Schritt in der Entwicklung verbuchen.

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Betis Sevilla – SGE 1:2 (1:2)

Beim aktuellen Tabellenfünften von LaLiga gewann die Eintracht verdient. Wie kam der Sieg zustande? Ein analytischer Blick auf das Spiel.

Die Aufstellung

Betis: Bravo – Sabaly, Pezzela, Gonzalez, Ruibal (77. Tello) – Rodriguez, Carvalho (61. Miranda) – Canales, Fekir, Juanmi (61. Joaquin) – José (77. Iglesias)

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

Quelle: Youtube

Die erste Halbzeit

Im Interview nach dem Spiel verwies Trainer Glasner darauf, dass Betis die SGE in der Anfangsphase damit etwas überrascht habe, dass sie es häufig mit langen Bällen versuchten, was die Mannschaft normalerweise selten mache. Stimmt:

Hier eine Szene aus der 2. Minute. Diesem Abschluss von Canales geht ein langer Flugball von Torwart Bravo voraus, den Canales hier direkt abnimmt, nachdem der Ball einmal aufgesprungen war. Trapp hält.

Betis bleibt bei diesem Stilmittel auch im weiteren Verlauf des Spiels und setzt es gelegentlich ein.

Sehr auffällig war in der Anfangsphase, dass Glasner nicht nur aufstellungsseitig, sondern auch von der Ausrichtung her bei dem sehr offensiven Pressing blieb. Auch sonst schaltete die Eintracht nicht, wie noch gegen die Bayern, auf eine dauerhafte 5er-Kette um, sondern blieb bei dem sehr hohen, frühen Pressing mit vielen Spielern, auch in der vordersten Reihe, also gegen die Aufbauspieler der Spanier.

Hier ein sehr schönes, typisches Beispiel. Die SGE organisiert das Pressing in zwei Zonen, lässt dazwischen den zentralen Spieler frei stehen, allerdings mit Zugriff der 6er (hier Sow). Kommt der Pass in die Zentrale, wird der Gegner sofort attackiert. Hier auch gut zu sehen, wie weit beide Sechser nachrücken. Kostic und Knauff stehen beide deutlich tiefer als Sow und Jakic. Das ist auch richtig so. Auf diese Weise haben beide Schienenspieler Zugriff nach vorne, können aber, wenn nötig auch relativ schnell die Dreierkette hinten ergänzen. Ganz vorne attackiert Borré den Ballbesitzer.

Dieses sehr effektive Pressing der SGE schmeckte den Spaniern überhaupt nicht und war wohl der wichtigste Schlüssel zum Erfolg. Die SGE gewinnt dabei immer wieder die Bälle und spielt dann schnell zum Abschluss. So etwa in der 5. Minute (eintracht.tv ab 9:50). Hier Ballgewinn Sow/ Kostic – Flugball auf Lindström, Abschluss.

In der ersten Viertelstunde werden große Unterschiede in der Spielanlage der beiden Teams deutlich. Das auf klar vorbereitete Aktionen ausgelegte Spiel der Spanier kommt der SGE entgegen. Die größte defensive Schwachstelle der Eintracht, die offensiv besetzten Schienen, die beim Angriffspressing hoch und spekulativ stehen, konnten so fast nie überspielt werden und schafften es fast immer, rechtzeitig die 3er-Kette zu einer 5er-Kette zu ergänzen. Wohlgemerkt: fast.

In der 14. Minute erzielt Kostic das 0:1 für die SGE. Ausgangspunkt für das Tor ist ein gewonnener Zweikampf von Borré tief in der eigenen Hälfte.

Hier die entscheidende Szene. Borré doppelt Jakic, gewinnt den Zweikampf und Sow kann sich den freien Ball abholen.

Sow leitet mit einem Tempodribbling sofort den Angriff ein, über Borré und Lindström landet er dann rechts bei Knauff. Knauff leitet dann mit einem Pass auf Sow den Seitenwechsel ein.

Gut zu sehen: Betis ist noch nicht sortiert, obwohl eigentlich genug Zeit war. Die Viererkette der Spanier ist noch nicht hergestellt, Sabaly steht zu weit innen, Gonzalez hinten zu tief gegen Borré. Insgesamt, man sieht es hier, ist der Betis-Defensivblock komplett in die linke Spielfeldhälfte gerückt. Dennoch hätte Sow hier auch noch Lindström ganz rechts, Kamada zentral oder Knauff nach hinten anspielen können, entscheidet sich dann aber richtig für den völlig freien Kostic.

Der hebt den Ball dann über Betis-TW Bravo ins Tor. Ein Kunstschuss sicher, aber mit so etwas muss man bei Kostic immer rechnen und auch eine Flanke hätte in dieser Situation leicht sehr gefährlich werden können für Betis.

Insgesamt zeigt der Angriff mehrere typische Elemente des Eintracht-Spiels unter Glasner: Große mannschaftstaktische Geschlossenheit (Stürmer Borré gewinnt den Zweikampf tief in der eigenen Hälfte), schnelle Angriffseinleitung (über Sow), schnelle Herstellung von Überzahl-Situationen auf den Seiten, variables Spiel in der vorderen Reihe (viele Anschlussmöglichkeiten für Sow). Dazu kommt die technisch-spielerische Stärke der Einzelspieler, hier das gute Erkennen von Knauff/Sow, dass der Seitenwechsel die beste Option in der Szene ist.

Gefährlich wird es für die SGE fast immer, wenn sich Betis durch das (Gegen-)Pressing spielen kann, während die SGE-Außen offensiv stehen.

Das war schon in einigen Situationen zuvor sichtbar und exakt aus so einer Situation entsteht dann das 1:1 in der 30. Minute.

Ausgangspunkt ist ein langer Ball von Trapp Richtung Borré, den Betis abwehren kann. Eigentlich funktioniert die Zweite-Ball-Attacke der SGE, doch Knauff gerät bei der Ballannahme im Mittelfeld etwas ins Straucheln und gibt den Ball daher ab. Und so:

Hier gut zu sehen: Knauff und Kostic sind weit aufgerückt, können die Kette nicht mehr ergänzen, die SGE steht in der hinteren Reihe 3 gg. 4. Betis muss das schnell ausspielen und das machen sie sehr stark. Der Ball geht sofort auf Fekir.

Fekir geht dann ins 1 gg 1 gegen Ndicka, zieht mit einer schnellen Bewegung und seinem starkem Antritt auf die Innenbahn, bekommt so seinen starken linken Fuß freigelaufen und muss gegen Trapp nur noch einschießen. Ndicka hätte hier klarer die Innenbahn schließen müssen, indem er einen Schritte weiter vorne steht.

Bei dieser Notaktion unterläuft Hinteregger dann noch ein Stellungsfehler (eintracht.tv ab 34:49), weil er Ndicka nicht nach innen sichert, sondern sich Richtung eines einlaufenden Gegners orientiert, aber das kann in solchen unübersichtlichen Situationen immer passieren.

Überhaupt ist das eine etwas unglückliche Situation. Mit der sehr offensiven, aggressiven Herangehensweise nimmt Glasner das Risiko solcher Situationen natürlich in Kauf. Das ist eine bewusste Entscheidung und angesichts der Offensivstärke des Kaders auch aus analytischer Sicht im Grunde vollkommen richtig.

Auch in diesem Spiel wieder sehr auffällig: Die SGE ist auch diesem Gegner technisch keineswegs unterlegen, was durchaus bemerkenswert ist, da Betis eine der stärksten Teams in der spanischen Liga ist. Der einzige Spieler auf SGE-Seite, der in der ersten Halbzeit eine (zu) hohe Fehlerquote bei eigenem Ballbesitz hat und (zu) viele Situationen nicht richtig löst (meist überhastet), ist, wie schon in den Spielen zuvor, Jakic.

Hier ein Beispiel aus der aus der 29. Minute. Nach einem Seitenwechsel spielt Kostic den Ball auf die Halbposition auf Jakic und man sieht hier, dass das eine Drucksituation ist, Kostic und Jakic müssen 2 gg. 2 spielen. Jakic hat drei Optionen: Doppelpass mit Kostic, Rückpass auf Sow, Aufdrehen und Spielfortsetzung über Kamada.

Stattdessen hält er den Ball, wartet zu lange (bis Kostic von Sabaly zugelaufen ist) und versucht dann (etwas unmotiviert) den Ball zu Kostic zu bringen. Rodriguez geht dazwischen und blockt den Pass. Das gibt dann Einwurf für Frankfurt, aber es ist eine von vielen kleinen Situationen, in denen Jakic falsche Anschluss-Entscheidungen trifft. Kollege Sow ist da viel stärker und sicherer. Bei Jakic wird es darauf ankommen, dass er sich in diesen Situationen (hoher Gegnerdruck, wenig Entscheidungszeit) entwickelt und eine höherere Quote richtiger Entscheidungen erreicht, wenn er den nächsten Entwicklungsschritt gehen will.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Jakic hat durchaus kein schlechtes Spiel gemacht, viele Bälle gewonnen, sehr fleißig und konzentriert verschoben, hatte auch einige sehr gute Anschlussaktionen. Wie gesagt, allein die Positivquote in den ganz engen Situationen ist im Vergleich zu den Mitspielern zu niedrig.

Noch ein kurzer Blick auf das 1:2 der SGE in der 32. Minute. In den Highlights (oben) kann man gut sehen, dass dem Tor ein krasser Fehlpass von Gonzalez auf Sow vorausgeht, es folgt eine überragende Einzelleistung von Lindström und ein Abstaubertor von Kamada. Das Tor ist analytisch nicht sehr relevant, auf die großen Qualitäten von Lindström wurde hier schon hingewiesen als andere ihn noch für nicht bundesligatauglich hielten. Inzwischen und insbesondere bei solchen Aktionen auf der internationalen Bühne dürfte sich inzwischen eher die Frage stellen, wie lange die SGE den Spieler halten kann. So kann´s gehen – aber die betreffenden Kollegen sind vermutlich momentan auch sowieso noch damit beschäftigt, zu verstehen, wie die Mannschaft so gut spielen kann, ganz ohne ihren Lieblingsspieler Hasebe, ohne den doch die Mannschaft angeblich nur die Hälfte wert ist.

Die zweite Halbzeit

In der 51. Minute gibt es Elfmeter für die SGE und die Situation, die dazu führt, ist interessant, da sie die wichtigsten Elemente des Spiels repräsentiert: SGE-Schwachstelle „überspieltes Pressing“, etwas unsauber gespielte Betis-Angriffe, starke SGE-Konter (nicht zu haltender Lindström). Vorausgegangen ist nämlich ein Angriff der Spanier, bei dem sie einmal das SGE-Pressing überspielen konnten – mit den oben genannten Folgen:

Hier wieder gut zu sehen: Weil Kostic und Knauff und hier zusätzlich noch Tuta zum Pressing aufgerückt sind, das Pressing aber überspielt wird, steht die SGE jetzt 2 gg. 3 – Unterzahl in der letzten Reihe. Der Pass von Fekir ist dann auch gut.

Trapp muss weit aus dem Tor laufen und den Ball außerhalb des 16ers nach vorne klären. Dieser Trapp-Pass landet dann bei Lindström, aus dessen Zweikampf mit Ruibal, bei dem diesem der Ball an den Arm springt, entspringt dann der Elfmeter. Den Borré bekanntlich ziemlich schwach verschießt.

Das alles zeigt sich auch in der zweiten Halbzeit, die SGE braucht in einigen Szenen etwas Glück und zum Teil überragende Notaktionen wie das extrem gut getimte Tackling von Ndicka in der 54. Minute, mit dem er den Ball vor dem einschussbereiten Canales zur Ecke lenkt. (eintracht.tv ab 11:24).

Die SGE produziert allerdings – meist über Konter – eine Reihe guter bis sehr guter Abschlussmöglichkeiten. Einige Beispiele:

  • 55. Minute: Konter über Lindström und Kamada – Abschluss Kostic von links (eintracht.tv ab 12:12)
  • 64. Minute: Borré-Abschluss nach Tuta-Ballgewinn in der gegnerischen Hälfte im Gegenpressing
  • 67. Minute: Borré-Abschluss nach durch SGE-Pressing erzwungenem Rück-Fehlpass von Gonzalez (der mit dem von der SGE erzeugten hohen Dauer-Pressingdruck oft überfordert war) und Hackenablage Kamada

In dieser Phase von der 50. bis zur 70. Minute hätte die SGE das Duell schon vor dem Rückspiel gut und gerne für sich entscheiden können. Aber auch danach blieb die Eintracht immer gefährlich.

Auffällig auch: Die Kettenfehlerproblematik scheint inzwischen wirklich bearbeitet worden zu sein. Wenn die Kette hinten ergänzt wird, funktioniert sie meist. Auch hier zeigt sich inzwischen eine gewisser Variabilität, sogar Kamada fand sich in der Kette wieder:

Hier eine Szene aus der 76. Minute: Die Kette wird hinten von Kamada zur Viererkette ergänzt, Jakic und Hauge organisieren sofort den Gegnerdruck, auch die Abstände der Mannschaftsteile ist perfekt.

Kurz darauf wechselt Glasner Kamada allerdings aus und bringt mit Lenz einen defensiv stärkeren Außenverteidiger.

In der Schlussphase konzentrierte sich die SGE dann auf die defensive Absicherung, spielte etwas konsequenter 4er- bzw. 5er – Kette in der letzten Reihe.

Hier die Organisation der letzten Reihe in der Schlussphase. Der herausgerückte Ndicka (dessen Deckungsschatten den Halbraum schließt), wird von einer Viererkette gesichert, Kostic organisiert den Gegnerdruck, kein Durchkommen für Betis.

Auch in der Nachspielzeit hat die SGE nach Kontern und Abschlüssen von Lammers und Kostic die besseren Abschlüsse.

Fazit

Auch Betis war nie in der Lage, die SGE-Offensive mit Kostic, Lindström, Kamada, Borré und Knauff wirksam in den Griff zu bekommen. Wie hier schon in den letzten Wochen gezeigt ist diese Offensivabteilung auch auf sehr hohem Niveau kaum zu halten. Dazu kommt das immer besser eingespielte Pressing, das unter Glasner inzwischen deutlich intensiver, aggressiver und besser abgestimmt durchgeführt wird als noch unter Hütter. Diese Spielanlage schlug sich auch in der Statistik nieder: Trotz 65% Ballbesitz pro Betis spielte sich 30% des Spiels im Defensivdrittel von Sevilla ab, nur 26% in dem hinteren Eintracht-Drittel. Zudem macht die Mannschaft langsam aber sicher auch Fortschritte in der letzten Reihe.

Letzteres sind ziemlich sicher hauptsächlich trainingsseitige Verbesserung, aber auch die Tatsache, dass Glasner zuletzt auf echte Innenverteidiger gesetzt hat und nicht mehr mit Hasebe einen Mittelfeldspieler in der hinteren Reihe aufbietet, der immer ein Sicherheitsrisiko war, (warum wurde hier in den vorangegangenen Analysen episch dargestellt), sowie die Tatsache, dass die drei hinten sich in den letzten Wochen etwas einspielen konnten, trägt sichtlich dazu bei, dass die Mannschaft in der letzten Reihe Sicherheit gewonnen hat.

In der Offensive haperte es ohnehin zumeist nur an Kleinigkeiten in der Abstimmung, mit Knauff wurde der spielerisch-technische rechts-links-Gap geschlossen, das nun noch höhere Pressing birgt zwar auch noch größere Risiken, durch die bessere Abstimmung hinten werden diese aber gleichzeitig auch etwas reduziert und sowohl Hertha als auch Betis fanden selten ein Mittel dagegen.

Es gibt aus analytischer Sicht nach wie vor Hoffnung, dass sich die SGE rechtzeitig vor dem Saisonfinale soweit gefunden und das vom Trainer geforderte Spiel so verinnerlicht hat, dass sie aus eigener Kraft die wichtigen anstehenden Spiele so erfolgreich bestreiten kann, wie es der qualitativ hochwertige Kader eigentlich nahelegt.

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Hertha BSC Berlin – SGE 1:4 (0:1)

Nach dem Mainz-Spiel gelang der SGE zum zweiten Mal in der Saison ein durchweg überzeugendes Spiel. Ein Blick auf die 5 Tore und die neue besetzte Seite mit Ansgar Knauff.

Die Aufstellung

Hertha: Lotka – Pekarik, Boyata, Kempf, Mittelstädt – Serdar, Tousart, Darida (56. Selke) – Lee (56. Boateng), Jovetic, Richter (56. Bellfodil)

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

Quelle: Youtube

Die erste Halbzeit

Das Spiel lässt sich aus SGE-Sicht kurz zusammenfassen: Hertha hatte fast über 90 Minuten kaum eine Chance. Anhand der 5 Tore lässt sich das Spiel gut analysieren, die Treffer waren logische Folge des Spielgeschehens insgesamt.

Zunächst ließ schon die Startaufstellung hoffen, dass die SGE an die stärkeren Spiele gegen Vorrundenende würde anknüpfen können:

Die stärkste Waffe der SGE, die Vierer-Offensive mit Kostic, Kamada, Borré und Lindström durfte/konnte wieder gemeinsam beginnen, dazu traute sich Glasner erstmals, auch die rechte Seite sehr offensiv zu besetzen, indem mit Knauff ein weiterer Offensivspieler die rechte Schienenseite besetzte.

Bereits in den letzten Spielen hatte sich angedeutet, dass Kostic seine defensiven Aufgaben ernster nimmt, auch in diesem Spiel war das zu beobachten. Ebenso Knauff auf der anderen Seite, der auch fleißig nach hinten arbeitete. Das klappte aber nicht immer, später mehr dazu.

Mit einer 4er- /5er – Kette verteidigte die SGE insgesamt aber nur solche Situationen, in denen die Hertha über klaren eigenen Ballbesitz gezielte Angriffe über Positionsspiel startete (was nicht sehr oft vorkam), die übrigen, unklareren Situationen bekämpfte die SGE wie üblich durch aggressives Gegen bzw. Angriffspressing plus Dreierkette als Absicherung.

Sehr auffällig war, dass mit dem technisch starken, schnellen Knauff die Linkslastigkeit des SGE – Spiels nicht mehr stattfindet, was die Mannschaft deutlich schwerer ausrechenbar macht. Zu Knauff später mehr.

Besonders mit der Schnelligkeit der Eintracht-Offensive hatten die Berliner große Probleme, bereits in den ersten 20 Minuten hatte die SGE mehrere Chancen, die aus dem Tempovorteil im Angriffsdrittel resultierten, die größte vielleicht durch Lindström in der 15. Minute, als er nach starkem Ballgewinn von Borré allein auf Hertha-Torwart Lotka zulief, sich aber den Ball zu weit vorlegte (eintracht.tv ab 19:24).

Nur zwei Minuten später, in der 17. Minute fällt das 1:0 für die SGE.

Hier die Ausgangssituation vor der Angriffseinleitung. Gut zu sehen, dass die Hertha Lindström und Borré frei stehen lässt, keinerlei Zugriff insbesondere auf Lindström hat. Der bekommt den Pass von Kostic und leitet mit einem Tempodribbling sofort den Angriff ein.

Auch in dieser Szene zeigt die SGE ihr übliches Angriffsverhalten: Alle Bälle werden so schnell wie möglich offensiv und tief verarbeitet.

Hier die Szene nach Lindströms Antritt mit Ball: Das komplette Hertha-Mittelfeld ist mit dieser einfachen Aktion überspielt, Lindström kann dem freien Kostic den Ball Richtung Grundlinie in den Lauf passen.

Der Pass ist dann nicht ganz optimal, so dass Kostic ihn zunächst gegen zwei Berliner behaupten muss. Das macht er stark, flankt auf Knauff, der den Ball über Lotka ins Tor köpft. Auch Mittelstädt macht im Kopfballduell mit Knauff keine gute Figur, den entscheidenden Freiraum erarbeitet aber Lindström, wobei gesagt werden muss, dass die Hertha es den Frankfurtern hier mit schwachem Stellungsspiel im Mittelfeld (wie gesehen) auch sehr leicht macht.

In der 23. Minute hat die SGE eine längere Phase Ballbesitz mit Positionsspiel. (eintracht.tv ab 27:36) Das ist erwähnenswert, da dieses Angriffsmittel seit der frühen Phase der Saison kaum noch zur Anwendung kommt, was bei der hohen technischen Qualität des SGE-Kaders sehr fragwürdig ist/ war. In dieser Szene sucht die Mannschaft mit insgesamt 12 Pässen hintereinander ohne dass ein Berliner dazwischen gekommen wäre, einem abgebrochenen Tiefenversuch über links schließlich den Weg über die rechte Seite. Der letzte Ball von Lindström in die Spitze kommt dann zu schwach, aber das war ein starker Angriff. Es bleibt zu beobachten, ob die Mannschaft sich solches Positionsspiel auch wieder gegen Mannschaften zutraut, die im Pressing besser koordiniert und aggressiver in den Zweikämpfen sind als die Hertha (also ungefähr alle).

Bis zur Halbzeitpause produziert die Eintracht-Offensive eine Torchance nach der anderen, meist wie üblich über Schnellkombinationen nach gewonnenen zweiten Bällen im Mittelfeldbereich. Es wird aber auch weiterhin wieder variabler versucht, etwa durch einen diagonalen Seitenwechsel aus der letzten Reihe in die Spitze (eintracht.tv ab 34:34, hier auf Lindström/Knauff. Knauffs Flanke ist dann schwach, dennoch: sehr verwunderlich, warum das nicht sowieso öfter versucht wird. Kostic spielt diese sehr langen Flugbälle sehr präzise und zuverlässig).

Die Hertha kommt weder mit den schnellen Angriffen und den schnellen Offensivspielern der SGE zurecht, noch mit dem sehr frühen, aufwendigen und dauerhaften Angriffspressing der Eintracht. Das neue Team von Fredi Bobic lieferte fast alle Bälle brav bei der SGE ab. Nach vorne gelang den Berlinern praktisch nichts, obwohl die SGE durchaus mit den verbliebenen 3 Defensiven manches anbot und auch wieder mehrmals Kettenchaos produzierte. Das einzige Mal, dass das von den Berlinern genutzt werden konnte, war die Situation in der 32. Minute, in der Lee von Ndicka vermeintlich im Strafraum gefoult wurde.

Hier gut zu sehen, dass bei Kempfs Pass die SGE mit einer sage und schreibe 2er-Kette hinten steht. Weder Knauff noch Kostic denken an ihre defensiven Aufgaben, Hinteregger orientiert sich ins Mittefeld.

Das ist hier ein mannschaftstaktisches Missverständnis, jedenfalls kann man das nur hoffen, denn so wird man auf die Dauer nicht solche langen Flugbälle verteidigen können. Hier muss entweder Kempf von den Offensiven sofort mit Angriffspressing angelaufen werden, damit er den Ball nicht frei spielen kann, oder die Kette muss hinten zur Viererkette ergänzt werden. In der letzten Linie zweimal außen 1-1 zu stehen und vorne trotzdem kein Pressing spielen, ist Harakiri. Viel Glück hier für die SGE, dass Lee die Chance vertändelt und Schiri Osmers keinen Elfmeter verhängt.

In der Schlussphase der 1. HZ kommt die Hertha etwas besser ins Spiel, außer einigen Standards kommt dabei aber wenig herum.

Die zweite Halbzeit

Bereits in der 48. Minute erzielt die SGE das 2:0. Vorausgegangen war ein Eckball der SGE, den die Hertha zunächst abwehren kann. Entscheidend für die Entstehung des Tores ist zunächst die starke Ecken-Absicherung der SGE hier.

Das ist die Situation nach der abgewehrten Ecke. Der Ball landet bei Sow und man sieht hier, dass die Eintracht in dem Raum am Sechzehner mit 4-2-Überzahl steht. Man sieht auch, dass die Hertha etwas unkoordiniert herausläuft, immerhin läuft Jovetic Richtung Knauff, der den Ball von Sow bekommt.

Danach lässt Knauff mit einer starken Bewegung Jovetic stehen (das ist gut gemacht von Knauff, das Zweikampfverhalten von Jovetic in dieser Szene ist allerdings auch vollkommen lächerlich, siehe eintracht.tv ab 4:36.)

Die wichtigste Erkenntnis dieser wie vieler anderer Szenen ist jedoch, dass mit Knauff tatsächlich die Probleme auf der rechten Seite gelöst werden könnten. Er erkennt hier nicht nur, dass er die Szene mit einem 1 gg. 1 lösen muss, er ist auch schnell genug, das dann umzusetzen. Insbesondere seine Flankentechnik ist ungefähr 2 Klassen besser als die von Chandler und Da Costa, man möge sich das in dieser Szene noch einmal in aller Ruhe ansehen.

Hier der Moment der Flanke. Knauff spielt den Ball mit der Innenseite, dreht den Fuß sehr weit nach außen beim Flanken. Dadurch ist die Kontrolle besonders hoch.

Wer möchte, kann mal darauf achten: Knauff versucht seine Hereingaben fast immer mit dieser Technik zu spielen.

Die Flanke ist präzise, gut getimt und sehr sauber mit der vorderen Innenseite gespielt, lehrbuchmäßig.

Auch die Übersicht von Ndicka, der den Ball in der Mitte auf den völlig freien Tuta ablegt, ist natürlich stark.

Das 2:0 ist zu diesem Zeitpunkt hochverdient.

Bereits in der 55. Minute fällt das 3:0 für die SGE. Vorausgegangen war ein einfacher Ballverlust der Hertha im Mittelfeld und ein langer Flugball von Hinteregger auf Borré.

Hier die Situation nach dem langen Ball von Hinteregger. Borré ist zwar auf dem Weg Richtung Hertha-Tor, Boyata ist aber recht gut in dem Zweikampf. Lotka stürmt dennoch heraus und versucht den Ball zu klären.

Entgegen den allseitigen Einschätzungen ist diese Torwartverhalten nicht falsch (obwohl Boyata den Zweikampf wohl gewonnen hätte). Der Torwart kann in solchen Situationen den Verteidiger doppeln und so wie hier auch die Bälle klären. Lotkas Fehler hier besteht durchaus nicht darin, dass er „zu weit“ aus seinem Tor herauskommt, sondern nur darin, dass er den, Ball, statt ihn sauber zu klären, Lindström in den Fuß spielt. Lindström chippt den Ball dann aus gut 25 Metern über Lotka ins leere Tor.

In der 56. Minute nimmt Korkut Darida und Lee heraus. Etwas seltsam, da Darida zu den stärkeren Berlinern zählte. Für ihn spielt dann Boateng im Mittelfeld, allerdings ein bisschen so, als würde er lieber wieder für die SGE spielen.

In der 61. Minute erzielt der kurz zuvor eingewechselte Berliner Selke den Anschlusstreffer. Vorausgegangen war ein Ballverlust der SGE im Aufbau auf der linken Seite, bzw. ein verunglückter Seitenwechselversuch von Tuta.

Hier der lange, seitenwechselnde Tuta-Flugball, den Kostic so gerade eben noch vor der Auslinie erwischt hat und nun davon ausgeht, dass Ndicka ihn bekommt. Ndicka will aber Kostic sichern und geht davon aus, dass dieser den Ball noch erreichen kann. Ein klassisches nimm-du-ihn-ich-hab-ihn-sicher, Tousart geht dazwischen und leitet den Angriff ein, den Selke schließlich vollendet.

Beim Selke-Abschluss fehlt bei der SGE die Rückraumsicherung, das kann bei einer solchen „unkontrollierten“ Abwehraktion aber passieren, kein struktureller Fehler seitens der SGE in dieser Szene.

Mehr oder minder im Gegenzug stellt Borré auf 4:1. Der Ursprung des Angriffs ist ein extrem starker Zweikampf von Sow gegen Selke, hier:

Gut zu sehen, wie Sow seinen Körper zwischen Selke und Ball schiebt. Selke hat keine Chance, den Zweikampf zu gewinnen und Sow leitet dann mit einem kurzen Rückpass auf Ndicka den nächsten SGE-Angriff ein.

Ndicka spielt den Ball direkt auf Kamada an der Mittellinie.

Hier die Situation kurz nach dem Pass auf Kamada, der Boateng mit einer Ballmitnahmefinte bereits zwei Meter abgenommen hat, im Laufe des Sprintduells kommen zwei weitere dazu. Das sind allerdings auch Reihenabstände aus der Hölle seitens Hertha, hier beträgt der Abstand Boyata-Boateng rund 15 Meter, das macht es der SGE auch recht einfach.

Kamada und Borré machen das dann auch gut, Kamada dribbelt schnell und aggressiv die Berliner Innenverteidiung an, Borré hält die linke Außenbahn, aber mit direktem Kontakt zum Gegenspieler.

Hier gut zu sehen, dass die Hertha-Restverteidigung es eigentlich ganz gut macht, zurückweicht, beide Sicherungspositionen hält und Kamada daher ziemlich lange warten muss. Borré bietet auch nicht den einfacheren Pass zum Tor an, sondern fordert den Ball in den Fuß, was Kamada offenbar etwas irritiert, auch deshalb wartet er wohl sehr lange mit dem Pass auf Borré.

Doch Borrés Idee ist gut, er bekommt den Ball in den Fuß, gewinnt das 1 gg. 1 gegen Boyata und schießt dann ein.

Damit ist das Spiel entschieden, auch in den letzten 30 Minuten ändert sich nichts an den Verhältnissen, die SGE bleibt bis zum Abpfiff die in praktisch allen Belangen bessere Mannschaft, beide Teams fahren den Aufwand nach der Entscheidung etwas zurück.

Fazit

Zum zweiten Mal (nach dem Mainz-Spiel) in dieser Saison ist die SGE in einem Spiel durchgängig die bessere Mannschaft und überlässt dem Gegner im Grunde keine einzige längere Spielphase. Das gelingt fast ausschließlich den Top-Mannschaften in der Bundesliga, sollte allerdings nicht überbewertet werden, ist die Hertha-Mannschaft doch in dieser Verfassung kaum bundesligatauglich.

Was hier mantraartig wiederholt wird, zeigte sich auch in diesem Spiel: Erneut war die SGE die technisch deutlich stärkere Mannschaft, die Viereroffensive Kostic-Kamada-Lindstöm-Börré ist von praktisch keinem Bundesliga-Gegner auszuschalten, mit Knauff kommt nun ein weiterer technisch sehr starker Spieler dazu. Die Offensive gehört personell ziemlich sicher zu den Top-4 bis 6 in der Bundesliga.

Die größte Frage in den kommenden Spielen wird sein, ob Glasner bei der super-offensiven Doppelbesetzung außen bleibt. Das ist aus analytischer Sicht durchaus sinnvoll. Eine äußere Schienenbahn mit einem echten Außenverteidiger zu besetzen, also mit Chandler, Touré, Durm oder Da Costa, ist hingegen, wie in den letzten Wochen gezeigt, auf die Dauer nicht sonderlich zielführend, da diese 3-4-3 Formation nur dann einen Vorteil bringt, wenn der Außenspieler die dauernd auf ihn wartenden technischen Aufgaben in der vorderen Reihe gut lösen kann. Knauff und Kostic können das, müssen wiederum ihre defensiven Aufgaben adäquat erledigen. Ob und wie das gegen stärkere Gegner funktioniert, wird abzuwarten sein.

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SGE – FC Bayern München 0:1 (0:0)

Trotz guten Spiels verliert die SGE gegen die Bayern. Hier der Versuch, das Spiel zu erklären und zu beantworten, woran es diesmal gelegen hat.

Die Aufstellung

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

Quelle: Youtube

Die erste Halbzeit

Die Veränderungen in der Startaufstellung der SGE deuteten die Marschroute schon an, mit Lindström, Kostic und Knauff starteten die drei schnellsten Spieler, die im Offensivbereich zur Verfügung stehen und diese wurden auch häufig schnell und direkt gesucht. Dieses schnelle Spiel in die Spitze (noch schneller als ohnehin schon) war das häufigste Mittel, mit dem versucht wurde, eigene Offensivaktionen zu generieren, das zweite bestand in dem Versuch, vor allem durch Pressingmaßnahmen Spielanteile zu erlangen. Auch das gelang durchaus gelegentlich, insgesamt waren die Bayern aber extrem überlegen, die SGE konnte letztlich nur etwas mehr als 30 Prozent Ballbesitz erzielen.

Trotz des Bayern-Dauerdrucks ließ die SGE nur relativ wenige klare Tormöglichkeiten der Münchner zu, hauptsächlich weil mit Lenz und Da Costa als defensivstärkere Außen(verteidiger) auch die Kettenfehlerhäufigkeit etwas reduziert werden konnte.

Hier einige Belege für

  • Konteraktionen
  • Spielanteile durch Pressing
  • besseres Kettenverhalten

Die große Schwäche der Bayern, nämlich ihre fehlende defensive Geschlossenheit bei eigenem Ballbesitz (Nagelsmann nimmt das offenbar zugunsten der krassen offensiven Überzahl, die seine Mannschaft dadurch herstellen kann, in Kauf) führt bereits in der 6. Minute zur ersten Großchance der SGE nach einem Konter. Ausgangspunkt war genau eine solche Situation, wie oben beschrieben (die übrigens inzwischen von einem Großteil der Bayern-Gegner z.T. sehr erfolgreich bespielt wird).

Hier der von den Bayern häufig praktizierte Wahnsinn gut zu sehen: Die Mannschaft ist völlig sorglos derartig weit aufgerückt, dass jeder Ballverlust zu einer massiven Unterzahlsituation führen kann. Hrustic gewinnt hier im Mittelfeld einen unklaren Ball, bringt ihn auf Kostic und der kann mit Lindström und Knauff 3 gg. 2 auf das Bayern-Tor laufen.

Genau das tut Kostic. In der Folge (eintracht.tv ab 13:28) versucht er Lindström direkt ins Sprint – 1 gg. 1 gegen Süle zu schicken. Das gelingt dann nicht ganz, weil Süle einfach zu gut in der Zweikampfantizipation ist, aber Lindström zeigt in dieser Szene sein ganzes Potenzial, erkennt, dass er sich schnell für eine offensive Anschlussaktion entscheiden muss, kappt in die Mitte ab und spielt einen Steckpass auf Kostic, der die Situation ebenfalls perfekt verstanden und den Weg in die Spitze gemacht hat.

Hier die Situation nach dem überragenden Steckpass von Lindström auf Kostic. Ulreich macht das gut, zwingt Kostic zu einer spontanen Aktion. Kostic legt den Ball mit dem rechten Fuß am Tor vorbei. Hier gut zu sehen, dass er zwei gute Abspielmöglichkeiten hatte.

Das war die bis dahin größte Chance des Spiels in der 7. Minute.

Die Bayern versuchten in der gesamten ersten Halbzeit über sehr hohes Aufbau- und Positionsspiel gefährliche Situationen zu erzeugen, das gelang aber nur selten.

Die SGE empfing die Bayern meist in einem 5-3- Defensivblock, der zunächst die Zentrale in Überzahl halten sollte und dann je nach Seite verschob, um die jeweilige Angriffsseite der Bayern mit Überzahl zu besetzen.

Hier eine Situation aus der 31. Minute. Gut zu sehen der 5-3- Block der SGE, hier auch alles korrekt, in dem von den Bayern von hinten angespielten Halbraum sind Sow und Tuta herausgerückt gute Abstände in der Kette, auf alle Gegner, sowohl außen als auch zwischen den Linien voller Passzugriff (sollte ein Pass auf diese Spieler gespielt werden, ist ein SGE-Defensiver direkt im Zweikampf).

Obwohl die Mannschaft aus guten Gründen gegen die Bayern deutlich seltener ihr Angriffspressing anwendete, lauerten Lindström, Kostic und Knauff durchaus regelmäßig auf entsprechende Möglichkeiten, wie in der 37. Minute, als sich Kimmich in den tiefen Aufbau der Bayern einschaltete und direkt mit Süle ein Missverständnis produzierte (eintracht.tv ab 43:32).

Hier der Pass von Kimmich auf Upamecano. Kimmich war schon von Lindström attackiert worden, hier zieht Kostic Richtung Upamecano. Das Pressing ist erfolgreich, Upamecano sieht sich genötigt, den Ball lang zu spielen, er landet bei Hinteregger.

Die Eintracht macht ihre Sache defensiv gut, die beste Chance der Bayern ist eine Einzelaktion von Kimmich in der 39. Minute, ein Schuss aus der zweiten Reihe, den Trapp zwar halten kann, danach aber den Nachschuss von Coman nur mit vollem Risiko abwehren kann. Bei dieser Aktion zieht sich Trapp eine Verletzung im Gesicht zu. (eintracht.tv ab 46:45).

Die zweite Halbzeit

Auch nach der Pause ändert sich am Spielgeschehen wenig, die Bayern sind dauerhaft überlegen, die SGE versucht es mit Kontern und in der Anfangsphase der zweiten Hälfte auch häufiger mit dem Pressing in der vordersten Linie.

Die größte Chance der Bayern haben sie nach Standardsituationen, insbesondere nach zwei Ecken in der 53. Minute.

Die nächste Top-Chance der Bayern erspielen diese sich in der 60. Minute und diese Situation ist interessant, da sie die spielerische Qualität der Bayern zeigt, aber auch, dass die SGE-Viererkette in dem Spiel häufig sehr gut und konzentriert gearbeitet hat.

Hier gut zu sehen: Die SGE-5er-Kette steht gut, hält die Abseitshöhe, Hinteregger ist auch richtig herausgerückt, Hrustic hat Zugriff auf Gnabry. Der chippt den Ball trotzdem so stark auf Lewandoski, dass der frei vor Trapp zum Abschluss kommt.

Diese Bayern-Chance kann kaum verhindert werden und die Situation zeigt auch, dass nicht jedem Abschluss unbedingt ein Abwehrfehler vorausgehen muss. Diese Situation ist von Gnabry und Lewandowski einfach extrem stark gelöst worden. Trapp kommt dann schnell und heraus, macht sich groß und verhindert so den Rückstand.

Den stärksten eigenen Angriff in der zweiten Halbzeit spielt die SGE in der 64. Minute, interessanter Weise ist das kein klassischer Konter.

Hier der Angriff in der Übersicht. N´Dicka leitet ein, Lenz spielt einen Longline-Flugball auf Kostic, der Hrustic den Ball in den Lauf legt.

Hrustic ist mit der Ballannahme im Sprinttempo in Richtung Bayern-Tor, allerdings noch mit Zugriff von Kimmich. Doch Hrustic spielt Kimmich mit einer Finte aus und ist dann mit vollem Tempo allein Richtung Bayern-Tor von Kimmich nur noch mit einem taktischen Foul zu stoppen.

Hier die Situation beim Kimmich-Foul. Gut zu sehen, dass die SGE hier eine 3 gg. 2 – Überzahl direkt am Bayern-Tor hat. Das ist aber auch der Moment des Fouls von Kimmich, der dafür die Gelbe Karte sieht.

Der Freistoß bringt dann nichts ein.

In der 67. Minute bringt Nagelsmann Sané für Sabitzer und das ist ein sehr riskanter und offensiver Wechsel. Sané spielt meist von der 10er-Position, soll offenbar Lewandowski dabei unterstützen, die Schnittstellen der SGE-Kette anzulaufen. Und genau das funktioniert kaum 3 Minuten später perfekt.

Das Tor der Bayern in der 70. Minute war eine starke Aktion von Kimmich und Sané, die SGE macht hier ausdrücklich keinen krassen Kettenfehler. Ein kurzer Blick noch darauf.

Das entscheidende Problem ist ein Stellungsfehler von Hrustic.

Das ist der erste Tiefenpass von Upamecano auf Musiala, der den Ball dann kurz hält, auf Kimmich weiterleitet, dessen Pass dann Sané zum Tor abschließt. Bei diesem Upamecano-Pass hat die SGE den Zugriff auf Musiala komplett verloren, weil Hrustic 10 Meter zu weit vorne steht und sein Position verlassen hat.

Danach nimmt das Unheil seinen Lauf, Lenz muss Musiala von außen angreifen.

Hier gut zu sehen: Lenz und Sow verlassen ihre Positionen, versuchen Musiala zu doppeln, wodurch der Raum hinter Sow aufgeht, Kimmich läuft ihn an, bekommt den Ball und die SGE ist ausgespielt. Hält Hrustic hier seine Position, kann das Tor nicht fallen.

Anders als der Sky-„Experte“ Lothar Matthäus (übrigens unter Zustimmung von SGE-Coach Glasner) nach dem Spiel meinte, macht Tuta in der Situation keinen Fehler.

Das ist die Situation beim Pass von Kimmich. Die Bayern spielen hier 3 gg. 2 direkt zum SGE-Tor. Sané kann Kimmich zeigen, wo er den Ball hinhaben will, das ist nicht mehr zu verteidigen. Einzig Da Costa hätte, wenn er das früh erkannt hätte, den Zweikampf mit Sané noch ansprinten können.

Fazit

Wie in den vergangenen Duellen mit den Bayern hat die SGE es dem großen Gegner sehr schwer gemacht, Nagelsmann musste mit der Sané-Einwechslung voll ins Risiko gehen, um die eine entscheidende Situation zum Tor heraufzubeschwören, er hatte den richtige Riecher dahingehend, dass er die Zentrale mit Tempo verstärkt hat.

Auf Seiten der SGE machte Hrustic den entscheidenden Stellungsfehler, ziemlich unnötig und ärgerlich. Allerdings ist Hrustic kein 6er, hatte auch viele gute Aktionen und dass er mit dem richtigen Stellungsspiel oft Probleme hat, ist keine Neuigkeit. Ein überragendes Torwartspiel zeigte Kevin Trapp und hielt die SGE bis zum Ende im Spiel.

So verlief das Spiel letztlich ähnlich wie die vorangegangenen: Die SGE hat in zwei Situationen (mit Kostic ganz am Anfang des Spiels und mit Hrustic beim Kimmich-Foul) zwei große Möglichkeiten in Führung zu gehen. Die eine vergibt sie selbst, die andere verhindert Kimmich mit einem taktischen Foul.

Positiv ist, dass die Mannschaft wenige Fehler in der Kette hinten gemacht hat und nach wie vor sehr motiviert und konzentriert wirkt.

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1.FC Köln – SGE 1:0 (0:0)

Auch in Köln konnte die SGE keine Punkte mitnehmen, erneut gelang kein Tor und den Kölnern reichte daher ein Treffer durch Torjäger Modeste. Ein analytischer Blick auf die Auswärtsniederlage.

Die Aufstellung

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

Quelle: Youtube

Die erste Halbzeit

Analytisch natürlich irrelevant, aber kleine Randnotiz: Der Platzwart der Kölner hat offenbar bereits ordentlich Karneval gefeiert:

Da davon auszugehen ist, dass das Thema System nach dem punktemäßig schwachen Start in die Rückwunde wieder diskutiert werden dürfte, und hier ja auch bereits mehrfach die Frage nach der Sinnhaftigkeit der 3er/5er-Kette gestellt wurde, hier nochmal ein Beispiel für die Problematik, die im SGE-Spiel häufig entsteht:

Hier eine Szene aus der 7. Minute. Gut sichtbar, dass zwischen N´Dicka, Sow und Kostic ein sehr großer freier Raum direkt vor der letzten Linie der SGE entsteht, in den Ljubicic auch sofort startet. Uth schafft dann kein gutes Abspiel und spielt Ljubicic in den Rücken an, aber das ist eine sehr typische Situation.

Vorangegangen war eine unklare Aktion im Mittelfeld mit wechselnden Ballbesitzen. Kostic spekuliert auf den Ballgewinn und steht daher sehr weit außen und offensiv. Dadurch entsteht der zu große Freiraum. Nun werden sich solche Freiräume in jeder Formation einmal ergeben, aber das kommt  bei der SGE einfach zu oft vor und die Räume sind auch einfach zu groß. So bringt man dann auch Gegner, die technisch eigentlich unterlegen sind, ins Spiel und genau das ist in der Anfangsphase des Spiels passiert. Die Kölner konnten ihre letzten Bälle praktisch nie gefährlich hereingeben, aber für dieses Problem muss eine Lösung gefunden werden, nach wie vor.

Wie gesagt schaffen es die Kölner im Anschluss bei zwei Hereingaben nicht, den Ball zu einem eigenen Mann zu spielen, stattdessen landen beide Flanken bei Hinteregger und auch die folgende Aktion ist sehr interessant, denn sie zeigt das enorme spielerische Potenzial der SGE.

Gut zu sehen, dass die Kölner nach der zweiten abgewehrten Hereingabe sofort ins Gegenpressing gehen. Das ist nicht besonders gut gestellt, sie lassen den SGE-Spielern jeweils etwas zu viel Platz. Dennoch braucht es eine sehr gute Passtechnik und Übersicht bei allen Beteiligten, um sich mit einem Tiefenpass aus so einer Pressingsituation zu lösen und Jakic, Borré, Sow und Kostic lösen das hier perfekt, Sow schickt mit dem dritten Pass Kostic Richtung Kölner Tor.

Besonders die enorme Passstärke von Sow ist hier entscheidend, der Spieler schafft es inzwischen regelmäßig, solche Szenen mit tollen Pässen zu lösen, aber auch Kostics antizipierendes Ansprinten war wichtig. Der Ball geht dann über Jakic auf Lindström rechts, der Hector aussteigen lässt und wieder auf Kostic am langen Pfosten flankt.

Das ist die Situation, die die SGE mit 5 Pässen ohne Gegnerkontakt vom eigenen Sechzehner aus herausgespielt hat. Lindström gibt den Ball dann präzise auf Kostic herein, der aus 5 Metern frei am langen Pfosten den Ball nicht trifft. Viel Glück für Köln in dieser Szene.

Das ist eine der Schnellkombinationen, die die SGE inzwischen praktisch gegen jeden Gegner durchführen kann, hier ist eine gute Entwicklung nicht zu übersehen.

Zwei Minuten später hat Rode nach einem gewonnen Pressing-Zweikampf von Lindström linksaußen und einem perfekten Querpass im Kölner Strafraum die zweite Riesenchance zur Führung. Die Szene ist analytisch nicht sehr relevant, weil das im Grunde eine Einzelleistung von Lindström war und die Qualitäten dieses Spielers hier oft genug betont wurden. Rode macht beim Abschluss einen technischen Fehler. Das kann zwar immer passieren, aber das war dann die zweite Szene, in der die SGE eigentlich treffen muss. Das war viel Glück für Köln, das in der Anfangsphase die SGE-Offensive und insbesondere Lindström nicht wirksam bekämpfen konnte. Erst in der 17. Minute haben die Kölner nach Stellungsfehlern von Chandler und vor allem Hinteregger ihre erste gute Toraktion, bei der Trapp halten muss.

Die Spielanlagen beider Teams sind gut sichtbar unterschiedlich. Während die Kölner viel über tiefen Aufbau, schnelles Pass- und Positionsspiel, also längere eigene Ballbesitzpassagen spielen, ist das Spiel der SGE wie schon in den Spielen zuvor fast ausschließlich auf schnelles Spiel ins vordere Drittel ausgelegt. Beinahe jeder Ball soll sofort schnell gemacht werden, egal von wo auf dem Platz versucht die SGE vertikale Angriffe zu starten. Wie schon in den Spielen zuvor ist das für die Gegner zwar schwer zu bespielen, aber wie schon gegen Wolfsburg gehen dabei auch viel zu viele Bälle verloren, wodurch die SGE viel hinterherläuft, was trotz großer Laufbereitschaft regelmäßig dazu führt, dass sich der Gegnerdruck irgendwann erhöht. So auch gegen Köln. Mit ihren langen, geplanten Ballbesitzphasen spielen sie immer häufiger auch gute Torsituationen heraus, die größte ist eine Doppelchance von Andersson und Özcan in der 26. Minute.

Dennoch: Die SGE ist recht gut im Spiel, produziert zwar etwas zu viele Ballverluste aufgrund technischer Fehler, bleibt aber gefährlich. Das aggressive und direkte Passspiel bringt auch die Kölner gelegentlich in die Bredouille, meist dann, wenn Lindström seine Füße im Spiel hat, etwa in der 35. Minute vor dem Abschluss von Borré (eintracht.tv ab 36:44), ebenfalls in der 38. Minute nach einer Kombination links über Rode-Lindström-Chandler-Borré-Lindström, dessen Querpass im 16er von den Kölner zur Ecke gelenkt wird.

Auffällig auch, dass die defensive Organisation etwas besser ist als in vielen Spielen der bisherigen Saison. Das war auch gegen Wolfsburg schon zu sehen, Glasner und das Team konnten die Fehlerhäufigkeit etwas reduzieren, Abläufe klären. Hier eine Szene aus der 45. Minute.

Hier funktioniert die variable 3er-5er-Kette: Kostic, N´Dicka, Hinteregger und Chandler bilden hinter dem herausgerückten Tuta eine Viererkette, haben überall Zugriff und können Uth hier ins abseits stellen, weil sie eine Höhe halten.

Die zweite Halbzeit

In der 46. Minute bringt Glasner Kamada für Rode, ein positionsgetreuer Wechsel, Rode hat meistens etwas vor Sow und Jakic gespielt.

Die ersten Minuten der zweiten Halbzeit sind ereignisarm. Beide Mannschaften schaffen es gegen die Pressingreihen kaum einmal, gezielte Angriffe zu spielen. Das Spiel bleibt auch ziemlich zweikampfintensiv mit vielen Unterbrechungen.

Auffällig: Wie schon in der ersten Halbzeit hat die SGE etwas häufiger interessante Strafraumszenen als die Kölner. Während bei diesen häufig schon vorletzte Bälle zu ungenau gespielt werden, hapert es bei der SGE erneut an den letzten Aktionen zum Abschluss. Beispiele wären ein gut geführter Angriff nach Ballgewinn im eigenen Abwehrdrittel über Tuta und Borré, Flanke Kostic, schlechte Boxbesetzung (ähnliches Problem gegen Wolfsburg, siehe die Analyse dazu).

Bei der Boxbesetzung gibt es drei Linien, die besetzt/angelaufen werden müssen: Eine direkt vor dem Tor, also direkt an den hintersten Verteidigern, kurz und lang, dann ungefähr Höhe Elfmeterpunkt, ebenfalls kurz und lang und die dritte Line im Rückraum, etwa Höhe 16er-Linie, ebenfalls möglichst kurz und lang.

In dieser Szene aus der 63. Minute gut zu sehen: die vordere Besetzungslinie ist nur einfach besetzt, Lindström hat seinen Laufweg verschlafen, bzw. ihn aus irgendeinem Grund abgebrochen, obwohl die zweite Reihe mit Borré und Chandler eigentlich gut besetzt ist. Der Ball, man sieht es im Bild, landet dann bei dem zweiten Kölner Verteidiger auf der hinteren Linie.

Solche Boxbesetzungsprobleme passieren der SGE zu oft. Hätte Lindström hier den richtigen Weg gemacht, hätte er eine Topchance gehabt.

Neben den Problemen in der Box und bei den letzten Aktionen bleibt das zweite Hauptproblem die eigene aggressive offensive Spielweise. Jeden Ball sofort auf dem direktest möglichen Weg zum Tor verarbeiten zu wollen, ist oft nicht die beste Lösung und führt zu einer großen Zahl völlig überhasteter Angriffsversuche. Das war schon gegen Wolfsburg Thema, jetzt wieder.

Die Kölner reduzieren mit zunehmender Spieldauer etwas das Risiko im eigenen Spiel, spielen jetzt viel häufiger lange Bälle, deutlich weniger über Positionsspiel von hinten. Gleichzeitig konzentrieren sie sich stark darauf, die Stärken der SGE auszuschalten, stehen also tiefer und bemühen sich, die offensiven Überzahlsituationen, die die SGE häufig zu stellen versucht, mit viel eigenem Personal zu vermeiden.

Die Eintracht spielt die eigenen Angriffe jetzt noch hektischer und ebenfalls mit weniger Risiko als in anderen Spielphasen. Trotzdem bleibt sie das Team, das die etwas interessanten Szenen vorne hat, während den Kölnern bis zur 70. Minute außer einem Abschluss von Ljubicic wenig gelingt. Allerdings sind das auf Eintracht-Seite auch maximal Halbchancen, das Spiel insgesamt zerfahren.

In der 76. Minute kommt Hauge für Lindström, womit Glasner seinen stärksten Offensivspieler vom Feld nimmt.

Hier ein typisches Beispiel für das Abkippen von aggressivem Spiel nach vorne in überhastete Aktionen. Man sieht, dass die Kölner mit zwei Linien und sehr guten Abständen den hohen langen Ball in die Spitze eigentlich verunmöglichen. Jakic hat aber gute Anspielmöglichkeiten für einen Seitenwechsel, Tuta wäre eine Möglichkeit, aber auch ein langer Ball auf Chandler, auch über Sow ließe sich das Spiel wohl verlagern, aber Jakic spielt einen sehr ungenauen Flugball irgendwie Richtung Kölner Tor, der wohl bei Hauge landen sollte.

Das ist inzwischen ein echtes Problem: Einen sichernden Ball oder Seitenwechsel initiieren die SGE-Spieler nur sehr selten, sodass man davon ausgehen muss, dass dieses Immer-direkt-nach-vorne so gefordert wird. Das ist, wie hier im Beispiel aber viel zu oft keine adäquate Herangehensweise. Der Ball von Jakic landet bei FC-Torwart Horn.

Den interessantesten Angriff der gesamten zweiten Hälfte hat die SGE in der 79. Minute nach einer abgefangenen Ecke der Kölner und einem Konter über Jakic-Kostic-Hauge-Jakic-Kamada.

Hier die Szene beim letzten Pass. Kamada hat das vorher sehr gut gemacht, den entscheidenden Zweikampf gewonnen, behält auch hier die Übersicht, sieht den mitgelaufenen Borré und versucht den Pass. Er öffnet aber etwas zu früh, zeigt zu deutlich, was er vorhat, sodass Ljubicic den Pass antizipieren kann und den Passweg rechtzeitig zustellt.

Der Ball landet dann wieder bei Kamada, der ihn auch richtig direkt noch einmal nach innen spielt, aber auch da kommt ein Kölner noch dazwischen.

Noch ein Blick auf das Gegentor. Es ist ein krasser Stellungsfehler von N´Dicka.

Hier der Kettenfehler der SGE. Während Da Costa, Tuta und Hinteregger gut stehen, eine Höhe halten, öffnet N´Dicka mit seinem katastrophalen Stellungsspiel eine 2 Meter breite No-Abseits-Zone. Damit ist Modeste nicht abseits, kann alleine auf Trapp zulaufen und das Tor erzielen. Das Standbild zeigt einen Fehler wie aus dem Lehrbuch, Kapitel „So darf eine Viererkette nie aussehen.“ N´Dicka holt mit seinen Fehler gleich zwei Kölner aus dem Abseits.

Fazit

Das Spiel war durchaus im Rahmen der derzeitigen Möglichkeiten des Teams. Die Mannschaft kommt seit einigen Wochen nicht dazu, die wiederkehrenden Fehler zu beseitigen. Das sind aber eher keine systematischen Fehler, bzw. mannschaftstaktische Fragen oder ähnliches.

Wie oben gezeigt, wiederholen sich auch in diesem Spiel Probleme bei der Boxbesetzung (gruppentaktisch/individualtaktisch, Bsp. Lindström), den Enstcheidungen bei letzten Pässen (ebenfalls gruppen- und individuaktaktisch, Bsp. Jakic, Kamada), der zu sehr auf schnelles Erreichen der torgefährlichen bzw. Angriffszonen fixierte Spielaufbau (gruppen-/ mannschaftstaktische Probleme) und nach wie vor die Kettenfehler (gruppentaktisch), wenn auch hier mit etwas geringerer Fehlerhäufigkeit, das Gegentor entsteht aber wieder aus genau so einer Situation.

Um es einmal deutlich zu sagen: Wenn Fußballspieler nicht lernen können, wie man eine Kettenhöhe in der letzten Reihe stellt und hält, sind sie für die Anforderungen des gehobenen Profibereichs letztlich nicht geeignet, ebenso wenig ein Trainer, der nicht in der Lage ist, eine weitgehend zuverlässige Kettenverteidigung einzuführen.

Und viel mehr Möglichkeiten gibt es nicht: Entweder der Spieler N´Dicka ist vollständig unbelehrbar, oder Glasner ist methodisch nicht in der Lage, das richtige Verhalten mit den Spielern so einzuschleifen, dass zumindest solche krassen Fehler nicht passieren. (Falls der Ball zu Modeste von Kamada kam, ändert das ja nichts daran, dass N´Dicka hinten falsch steht.)

Insgesamt war der Spielverlauf erneut unglücklich, die SGE war im Grunde 90 Minuten lang das latent etwas gefährlichere Team, die Kölner kamen außer in zwei kürzeren Spielphasen in der ersten und zweiten Halbzeit kaum zu gefährlichen selbst initiierten Angriffen, der Sieg war für die Gastgeber dementsprechend eher glücklich. (Der oben verlinkte Zusammenschnitt von Bela Rethy ist amüsant, hat aber mit dem wirklichen Verlauf des Spiels wenig zu tun. Besonders dass er suggeriert, Kamada habe den Ball vor dem Tor da irgendwie kontrolliert hingespielt, ist Rethy-typisch etwas wunderlich.) Dazu hatten die Kölner zweimal Glück, dass sie keinen Elfmeter gegen sich verhängt bekamen, jeweils nach Fouls an Borré (der erste vor der Chance von Rode in der ersten Halbzeit, der zweite in der zweiten Halbzeit, eintracht.tv ab 37:15).

Das Spiel der SGE war insgesamt gar nicht so sehr schlecht, es bleibt eine Frage der Zeit, wann sich das Spiel über Schnellkombinationen auch wieder in Toren auszahlt, die aufgeführten (zu) vielen Probleme im eigenen Spiel müssen aber dringend bearbeitet werden.

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SGE – VfL Wolfsburg 0:2 (0:1)

Es bleibt dabei: Die SGE ist trotz großem technischen und spielerischen Potential nicht in der Lage, zuverlässig Bundesligaspiele zu gewinnen. Ein Blick auf die Gründe und den Entwicklungsstand der Mannschaft.

Die Aufstellung

VfL: Casteels – Brooks, Bornauw, Lacroix – Roussilon (72. Steffen), Vranckx (62. Gerhardt), Arnold, Baku – Philipp (62. Lukebakio), Wind (90. Bialek), Kruse

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

Quelle: Youtube

Die erste Halbzeit

Gleich in den ersten Minuten wieder das gewohnte Bild aus den vergangenen Spielen: Die SGE verlagert das Spiel so schnell und präzise wie möglich in das Angriffsdrittel und versucht dort mit aggressivem Pressing und Schnellkombinationen zum Tor zu kommen. Ähnlich wie der VfB Stuttgart vor einer Woche haben auch die Wolfsburger insbesondere mit dem SGE-Pressing große Probleme und kommen in der Anfangsphase kaum einmal aus der eigenen Hälfte. Die SGE bestimmt das Spiel und kommt auch zu einigen interessanten abschlussnahen Situationen. Nur ein Beispiel aus der 7. Minute, an dem man gut sehen kann, wie die SGE ihre Angriffe plant und durchführt, wie der VfL das bekämpft und woran auch viele andere Situationen gescheitert sind:

Gut zu sehen: Sow, Jakic und Tuta schalten sich am Flügel ein, mit Da Costa stellt die SGE ein Pass-Dreieck bzw. -Viereck. Tuta hat mehrere Anspielstationen, entscheidet sich für einen Steilpass auf Da Costa außen.

Wie schon im VfB-Spiel hier gezeigt: Dieses Stellen von gruppentaktischen Ausspielmöglichkeiten funktioniert inzwischen sehr gut und automatisch, hier ist die Entwicklung des Teams sehr gut sichtbar:

Das ist der Moment der Da Costa – Flanke. Man sieht, dass die Wolfsburger mit 5 Spielern im 16er besetzt sind, die direkt torgefährlichen Borré und Lenz sind eng gedeckt. Lindström steht im Deckungsschatten, der einzige freie Spieler ist Kamada an der 16er-Linie. Die Flanke von Da Costa kommt dann nicht optimal, fliegt nur ungefähr in die Richtung von Borré, ist also etwas zu kurz, zu weit vom Tor weg und in Borrés Rücken.

Borré muss dann vom Tor weg laufen, verlängert per Kopf Richtung Lenz, was schon eine spontane Notaktion ist, und Lenz kommt auch nicht an den Ball, TW Casteels kann ihn aufnehmen.

Diese Situation ist einerseits gut herausgespielt, aber hier passieren mehrere auch strukturelle Fehler, also solche, die man auch in vielen anderen Situationen, nicht nur in diesem Spiel sehen kann:

  • Mangelnde technische Qualität bei Flanken

Die Flanken von Da Costa, aber auch die von Chandler sind zu oft nicht präzise genug. Bei Flanken ist aber die absolute Präzision entscheidend, diese Flugbälle müssen im besten Fall knapp über den vorderen tornahen Innenverteidiger des Gegners gespielt werden, so dass dieser den Ball gerade nicht erreichen kann. Dahinter ist der torgefährliche Raum.

Hier ist das der Raum direkt hinter Bornauw. Auf diesen spekuliert Borré auch. Die zweite gute Option wäre eine Flanke in den freien Raum vor Kamada.

Beide Räume sind, man sieht es hier, sehr klein und müssen zudem hoch angespielt werden, also technisch maximal anspruchsvoll. Da Costas Hereingabe kommt dann wie gesagt viel zu ungenau.

  • Schwaches Anlaufen der Flankenabnehmer

Auf dem Bild ist gut zu sehen, dass Lenz dafür, dass er auf die lange Flanke (langer Pfosten) spekuliert, beim Zeitpunkt der Flanke zu nah am Tor (am Gegenspieler) steht und so kaum anspielbar ist. Borré steht besser, aber auch er ist etwas zu nah am Tor, hätte auch dann kaum mit Anlauf in die Flanke starten können, wenn sie perfekt gekommen wäre. Kamada steht zu zentral und Lindström verschläft seinen Laufweg Richtung Grundlinie.

Es gäbe in diesem wie in vielen anderen Spielen viele Szenen, in denen diese Probleme bei Flanken zu sehen sind. Aber nicht nur Flanken sind ein wichtiges Thema, überhaupt sind sowohl Da Costa als auch Chandler im Grunde keine Schienenspieler, sondern klassische rechte Verteidiger mit Stärken auf dieser Position. In dem praktizierten 3-4-3 spielen sie aber dauerhaft halbe Rechtsaußen, sind also regelmäßig diejenigen, die die letzte Passentscheidung vor dem Abschluss treffen müssen. Das sind extrem schwierige Situationen, die präzise und mit dem exakt richtigen Timing entschieden und durchgeführt werden müssen. Genau dieses Fähigkeiten sind aber ausgewiesene Schwächen der beiden. Ein weiteres Beispiel ist die 34. Minute, in der die SGE eine ihrer starken Schnellkombinationen spielt und Jakic mit einem guten Tiefenpass Da Costa im 16er freispielt der dann aber wieder viel zu lange für die Anschlussentscheidung braucht und Sow im Rückraum übersieht.

Da Costa ist, um nicht missverstanden zu werden, ein starker RV, vielleicht einer der stärksten der Liga – ein Rechtsaußen ist er definitiv nicht, weil ihm die dazu nötigen Skills fehlen. Diese Position muss er aber in dieser Formation und bei dem Dauerdruck, den die SGE regelmäßig macht, spielen und das ist ein Problem und ein Grund dafür, dass in dem Spiel gegen Wolfsburg so wenige klare Torchancen für die SGE erspielt werden konnten.

Bis zur 20. Minute spielt die SGE dominant, lässt wenige Abschlüsse der Wolfsburger zu, kommt aber selbst nur zu sehr wenigen guten Chancen. In der 26. Minute kommt es dann zu der bzw. einer spielentscheidenden Szene, dem Foul von Hinteregger an Kruse.

Bei der Entstehung kommt es erneut zu Verkettungen falschen Abwehrverhaltens, allerdings war die Situation durchaus unglücklich, der Situation ging nämlich ein Foul der Wolfsburger voraus. Ein Blick auf die Entstehung.

Das ist die Ausgangssituation vor dem Tor. Die SGE hatte einen Angriff rechts geplant und durchgeführt, daher sind Jakic und Sow rechts auf- und eingerückt. Der Befreiungsschlag der Wolfsburger landet zunächst in dem Zweikampf Baku-Lenz. Baku schiebt Lenz weg, sodass dieser nicht köpfen kann. Man sieht auch, dass sich hinten die 3er-Kette formiert, hier aber noch nicht die Positionen gefunden hat.

In dem Standbild kann man auch schon erahnen, dass der Kettenabstand zwischen Abwehr- und Mittelfeldkette zu groß ist bzw. die Dreierkette hier press an die Viererkette nachrücken muss.

Hier der lange Ball von Baku nach vorne. Gut zu sehen, dass die Abwehrkette viel zu tief steht, gleich drei Wolfsburger ohne direkten Zugriff der SGE-Verteidiger zwischen den Linien stehen. Philipp lässt den herunterkommenden Ball auf Wind tropfen, der dann den Tiefenpass auf Kruse spielen kann.

Dieser herunterkommende Ball hätte natürlich von einem SGE-Verteidiger attackiert werden müssen, am ehesten von Hintergger, der aber viel zu weit hinten steht und keine Chance hat, hier zum Kopfball zu gehen. Dieses zu tiefe Stehen ist letztlich entscheidend, denn durch den komplett fehlenden Zugriff kann Hinteregger weder den Ball gewinnen, noch mit einem taktischen Foul den Konter unterbrechen.

Stattdessen landet der Ball dann bei Kruse am Strafraumeck, die SGE ist komplett überspielt. Aber auch hier wäre das noch zu verteidigen gewesen, allerdings läuft Tuta nicht sehr gut und zu schnell in den Zweikampf. (Dass Kruse eher nicht das Sprintduell suchen würde, kann man wissen, wenn man den Spieler kennt. Daher blieb nur noch das Abkappen, Tuta hätte also unbedingt die Innenbahn halten müssen, nachdem er nicht seitlich in den Zweikampf kommt. Dann hätte Hinteregger nicht so in den Zweikampf mit Kruse rauschen müssen. eintracht.tv ab 31:35).

Hier die Situation direkt vor dem Hinteregger-Foul. Gut zu sehen: Aufgrund des schnellen Zurücklaufens von Jakic und der Angriffsverzögerung der Wolfsburger (wegen der Philipp inzwischen abseits steht), ist das hier eine 4:2-Überzahl der SGE.

Die Situation ist nicht optimal, aber noch zu verteidigen, Kruse hat mit seiner Abkappbewegung eine neue Situation geschaffen, die eigentlich wieder günstiger für die SGE ist. Hinteregger rennt Kruse dann einfach um, statt die Innenbahn zu halten, den direkten Torschussweg zuzustellen und damit den Mitspielern (insbesondere Tuta) die Möglichkeit zu geben, wieder ins Spiel zu kommen.

Wie hier immer und immer wieder dokumentiert, gibt der Eintracht-Kader eigentlich keine Dreierkette her, insbesondere da weder Hasebe noch Hinteregger die dafür notwendigen defensiven Stärken mitbringen (Hinteregger zu schwach in der Antizipation und in den Sicherungs- bzw. Attacke-Entscheidungen, Hasebe viel zu kopfballschwach und mit schwacher Sicherungsorientierung). Ilsanker ist seltsamer Weise völlig raus und damit als einziger, der zumindest annähernd einen zentralen IV einer Dreierkette darstellt, kein Thema.

Der entscheidende Fehler ist zudem hier, wie gesehen, der zu große Abstand der beiden Ketten, also ein recht einfacher Kettenfehler. Davon produziert die SGE übrigens auch weitere, den krassesten in der 36. Minute, in der Wind eine Riesenchance vergibt, Glück für die SGE. (Wer sich das Abwehrchaos mit einem unmotiviert aus der Ketten rennenden Tuta und Da Costa, der rechts einen 10 Meter tiefen No-Abseits-Raum eröffnet, einmal in Ruhe ansehen will: eintracht.tv ab 40:48) Insgesamt lässt die SGE in dem Spiel aber wenig zu, dazu mehr im Fazit.

Dennoch bleibt die Eintracht das druckvollere Team und erspielt sich weiterhin Chancen. Die größte wohl in der 41. Minute nach einem gewonnen Ball von Hinteregger und einer weiteren starken Kombination über Lindström-Borré-Lindström, der dann das Laufduell mit Brooks gewinnt, frei vor Casteels abzieht und dabei den freien Jakic in der Mitte übersieht. Hier also eine falsche Abschlussentscheidung von Lindström.

Das zieht sich dann auch weiter durch das Spiel: Viele SGE-Ballgewinne, viele sehr gute Angriffssituationen, meist provoziert durch Lindström, den auch die Wolfsburger nie halten können, der aber in den letzter-Pass-Entscheidungen sehr unsicher ist und oft krasse Fehlentscheidungen trifft. Neben den hier dokumentierten gibt es weitere solche Szenen, bspw. in der 51. Minute, wo er nach Ballgewinn und Klassepass von Lenz ebenfalls viel zu lange für seine Anschlussentscheidung braucht und so eine weitere gute Chance verdaddelt. (eintracht.tv ab 7:26)

Durch das druckvolle Spiel werden auch wieder insgesamt 6 Ecken allein in der ersten Hälfte provoziert.

Die Eintracht schafft es trotz klarer Überlegenheit und einer Offensive, die auch dieser Gegner eigentlich nie dauerhaft kontrollieren kann, mit 0:1 in die Pause zu gehen.

Die zweite Halbzeit

An dem Bild der ersten Halbzeit ändert sich auch im Spielverlauf der zweiten Hälfte kaum etwas, die SGE bleibt dominant, aber zu ungefährlich. Die SGE hat über das gesamte Spiel ein 35% zu 18% – Angriffsdrittel-Übergewicht, das ist sehr deutlich. Vorteile haben die Wolfsburger nach wie vor in stehenden Zweikämpfen. Sie versuchen solche körperintensiven Zweikämpfe zu provozieren, auch durch ihr mannschaftstaktisches Verhalten, also etwas tieferes, personalintensives Aufnehmen der SGE-Angriffe.

Häufig ergibt sich dadurch dieses Bild. Die Wolfsburger stehen eng zusammen, mit recht guten Kettenabständen und ohne Angriffspressing, was das Zusammenstehen erleichtert. In der letzten Reihe stehen sie mit einer breiten 5er-Kette, was es der SGE erschweren soll, die gefährlichen Überzahlsituationen zu stellen.

Das ist ein einfaches, aber gutes mannschaftstaktisches Mittel, das für die Wolfsburger auch recht gut funktioniert.

Die Eintracht versucht diesen Block fast nie durch Positionsspiel von hinten zu überwinden, sondern spielt die Bälle sehr schnell und früh in die Spitze (oft auch einfach mit gezielten Flugbällen), um von dort aus die Schnellkombinationen zu starten. Sowohl Lindström als auch Borré schaffen es mit ihrer Schnelligkeit und guten Laufwegen auch regelmäßig trotz der breiten Kette des Gegners in Freiräumen anspielbar zu sein. Vor allem Tuta spielt viele starke Pässe in die Spitze, so auch in dieser Szene aus der 60. Minute.

In der 62. Minute kommt es dann zu mehreren Wechseln. Auf Seiten der SGE kommt Kostic für Lenz, ein positionsgetreuer Wechsel, der aber die Statik des Eintracht-Spiels durchaus Richtung Offensive verschiebt.

Bei Wolfsburg kommen Lukebakio und Gerhardt für Philipp und Vranckx, positionsgetreue Wechsel, der schnelle Lukebakio ist natürlich als Konterstürmer eine gute Waffe für die letzte halbe Stunde.

In der 70. Minute bringt Glasner Knauff für Da Costa und Paciencia für Borré – eine ganz gut nachvollziehbare Reaktion auf das tiefe Verteidigen des Gegners. Mit Knauff kommt ein Spieler mit besseren Qualitäten im Bereich Abschlussentscheidungen und technische Präzision, mit Paciencia die Option, auch hohe Flanken zu verwerten.

Und man sieht den Unterschied auch sofort. Die erste Flanke von Knauff landet direkt auf dem Kopf von Jakic, der den Ball aber etwas über das Tor zieht. (73. Minute, eintracht.tv ab 29:19).

Gegen die dann immer tiefer stehenden Wolfsburger tut sich die SGE zunehmend schwer. Das liegt vor allem daran, dass die wichtigsten Waffen der SGE von den Wolfsburgern recht gut ausgeschaltet werden, indem sie die Schnelligkeit von Kostic und Lindström durch tiefes Stehen entschärfen und durch die engeren Abstände und das personalintensive Schieben die Überzahl/Gleichzahl-Situationen mit Schnellkombinationen erschweren. Dazu kommt, dass die SGE auch hektisch wird und die Bälle zunehmend überhastet zum Tor zu spielen versucht, was für das anspruchsvolle Flachpassspiel zusätzliches Gift ist.

In der 94. Minute erzielt Lukebakio nach einem langen Schlag von Casteels und einer schwachen Kopfballrückgabe von Hinteregger das entscheidende 2:0. Das ist kein großer Abwehrfehler, sondern eher ein individueller, analytisch also kaum interessant.

Das Fazit

Analytisch war das ein etwas seltsames Spiel, denn obwohl dem entscheidenden 0:1 ein mehrfach fehlerhaftes Verhalten der SGE-Defensivspieler vorausging, kann man konstatieren, dass das Spiel was die Defensive (letzte Reihe) betrifft, eher ein Schritt nach vorne war. Die SGE produzierte nur sehr wenige Kettenfehler und insbesondere Sow gewann viele wichtige Zweikämpfe und machte ein starkes Spiel.

Da hier immer wieder die vielen Fehler der SGE-Abwehrkette gezeigt wurden, mal ein kurzer Blick auf eine Situation, in der alles gut funktioniert.

Hier gut zu sehen, Tuta und Hinteregger haben ein Höhe, ebenso außen N´Dicka, der den ballführenden Lukebakio stellt, Sow kommt zum seitlichen Doppeln, Kostic sprintet ebenfalls in den Zweikampf und in der Zentrale sichern Hinteregger und Tuta die beiden VfL-Stürmer. Der Abstand Hinteregger-N´Dicka ist hier vielleicht noch etwas zu groß, die Schnittstelle wird aber dann von Sow gesichert.

Hier wie in einigen anderen Szenen sieht man, dass sich die defensive Organisation durchaus verbessert, allerdings sind immer noch einige krasse Fehler im Kettenspiel, einer davon hat auch diesmal wieder das entscheidende Gegentor begünstigt.

Ansonsten ist interessant, dass in diesem wie auch in den vorangegangen Spielen sich ein Problem wiederholt, das schon in der Vorrunde lange dafür gesorgt hat, dass Spiele nicht gewonnen wurden: Die letzten Bälle, bzw. falsche Abschlussentscheidungen bzw. falsche Anschlussentscheidungen und Fehler beim Timing bei den letzten oder vorletzten Pässen. Das war zwischenzeitlich deutlich besser, mit der Verunsicherung kommen nun auch diese Fehler wieder. Die Spieler reproduzieren wieder falsche Verhaltensweisen, die sie bereits überwunden hatten, auch das ist aber letztlich ein sehr üblicher Entwicklungsverlauf.

Das SGE-Spiel läuft aktuell viel über sehr junge Spieler wie Lindström oder Jakic, die deutlich sichtbar noch nicht sehr gefestigt sind in ihrer Spielanlage und mit den Anforderungen der Bundesliga und denen des eigenen Trainers noch stark gefordert sind.

Daher sind solche Rückschritte, das Zurückfallen in alte, falsche Verhaltensmuster nicht überraschend oder außergewöhnlich. Sobald diese letzten Aktionen wieder erfolgreicher durchgeführt werden, wird die SGE auch wieder Tore erzielen und Spiele gewinnen.

Was bleibt, ist die Frage, ob es einem solchen Team nicht guttäte, wenn mehr Spieler auf ihren jeweils besten Positionen spielen könnten, statt positionsfremd viele Aufgaben übernehmen zu müssen, die ihrem Stärkenprofil unzureichend entsprechen, was die Abläufe zusätzlich verkompliziert. Das Abrücken von der Viererkette und der komplette Verzicht auf Positionsspielangriffe aus der letzten Reihe bleiben ebenso Fragwürdigkeiten wie die nach wie vor häufigen individuellen Zweikampffehler der Kettenspieler.

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