VfB Stuttgart – SGE 2:3 (1:1)

Den ersten Sieg des Jahres holt die SGE trotz der Ausfälle von Kostic und Kamada gegen schwache Stuttgarter. Hier wieder ein genauerer Blick auf das Spiel, die Highlights, die taktischen Vorgänge und darauf, wie die beiden Stammspieler ersetzt wurden.

Die Aufstellung

VfB: Müller – Anton (85. Massimo), Mavropanos, Ito, Sosa – Mvumpa (80. Klimowicz), Endo, Mangala (59. Ahamada), Führich (81. Tomas) – Förster (59. Tibidi), Kalajdzic -Trainer: Matarazzo

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

Quelle: Youtube

Die erste Halbzeit

Aufgrund der notwendigen Wechsel (Kamada und Kostic nicht einsatzfähig) wechselte Glasner zwei Mal, brachte Lenz für Kostic und Jakic für Kamada. Außerdem begann Hasebe für Hintergger.

In den ersten Minuten hat die SGE bereits einige Ecken, die fast alle gefährlich werden. Hier lässt sich gut beobachten, dass an den Lauf- und Passwegen insbesondere bei Ecken offenbar stark gearbeitet wurde, was einige Spieler in den Interviews nach dem Spiel auch bestätigten.

Insgesamt hat die SGE in dem Spiel 14 Ecken, was hauptsächlich der erneut unübersehbaren technischen Überlegenheit der SGE geschuldet ist, und in zweiter Linie dem sehr aggressiven Passspiel der Eintracht. Viele Bälle werden wie üblich mit hohem Risiko sehr schnell in die Spitze oder in die torgefährlichen Räume gespielt, diese risikoreichen Offensivpässe sind meist ziemlich präzise (also technisch stark und sauber) und können von den SGE-Offensiven gut (also technisch präzise und sauber) verarbeitet werden.

Eine Abwehrreihe ist fast immer auf Fehler der gegnerischen Offensivaktionen angewiesen, das bedeutet im Umkehrschluss: Je präziser und technisch sauberer man spielt und spielen kann, desto schwieriger wird es für die Abwehrreihen, den Ball zu gewinnen. Je präziser Zuspiele und Verarbeitung sind, umso mehr sind die Defensivspieler auf Fouls oder Rettungsaktionen angewiesen, müssen also Freistöße, Einwürfe und Ecken produzieren.

Das Offensivspiel der SGE unter Glasner ist darauf angelegt,

erstens sehr direkt und technisch präzise in die Spitze zu spielen, den Gegner also dauernd herauszufordern, dazu zu zwingen, Standards zu produzieren

zweitens dann, wenn es dem Gegner einmal gelingt, einen Ball sauber zu gewinnen, diesen sofort mit sehr hohem Gegenpressing zu attackieren.

drittens die Offensivaktionen mit Überzahl in Ballnähe zu besetzen und die Bälle dann über Kurzpass- und Laufspielkombinationen in die torgefährlichen Zonen (Tiefenpässe, Sechzehnerpässe) zu Abschlüssen zu bringen.

viertens Standardsituationen zu Torszenen zu machen.

Vor dem 1:0 nur durch N´Dicka funktioniert das planmäßig.

Die ganze Sequenz beginnt nämlich genau mit einem solchen direkten Offensivpass in die Spitze von Tuta.

Das ist der lange Flugball von Tuta in die Spitze auf Borré. Der Pass ist sehr stark, genau in den Lauf des schnellen Borré.

Borré kann den Ball dann annehmen, Mavropanos läuft ihn an und klärt zur Ecke. Schon dieser Ecken-Abschluss ist dann gefählich, Jakic köpft knapp vorbei. Abstoß VfB. Die Mannschaft von Mattarazzo versucht den Ballbesitz über Flachpass/ Positionsspiel auszuspielen, was der Eintracht die Chance gibt, den Ball ganz vorne zu attackieren. Man kann es im Standbild nicht sehr gut zeigen, empfehlenswert wäre, die ganze Sequenz einmal anzusehen, ab dem Pass von Tuta in der 4. Minute (eintracht.tv ab 8:36) bis zum Tor. Denn hier zeigt sich das Glasner-Spiel in Reinkultur.

Die Stuttgarter spielen den Abstoß direkt in die Pressingfalle der SGE. Hier im Standbild zu sehen, dass Sow Anton sehr aggressiv angelaufen hat und dass mit Borré, Rode und Lenz drei Spieler alle Anspielstationen eng zustellen, Lindström sichert gegen Seitenwechsel. Anton versucht dann einen longline-Flugpass, den Sow aber blockt.

Dieses ultra-aggressive SGE-Pressing zwingt den Gegner zu unkontrollierten Offensivaktionen, alternativ zu Offensiv-1 gg. 1-Aktionen in der eigenen Hälfte. In dieser Szene landet der geblockte Ball dann bei Mavropanos, dessen Befreiungsschlag dann bei Chandler auf der anderen Seite.

Hier die Überzahl-Bildung der SGE. In dem eingefärbten Bereich vor Tuta hat die SGE ein 5 gg. 4 gestellt, also eine Überzahlsituation am Flügel. Dafür müssen sich Jakic, Rode und Sow natürlich in die Situation einschalten, ebenso wie Tuta von hinten.

Aus dieser Situation entsteht dann der nächste Eckball, den N´Dicka zum 1:0 verwandelt. Auch die Eckenausführung ist inzwischen stark verbessert, die Bälle fliegen jetzt meist hart auf den kurzen Pfosten, wo die SGE dann mehrfach besetzt ist, gelegentlich wird variiert, wie beim zweiten Tor nach Ecke durch Hrustic.

In dieser wie in einigen anderen Szenen in der ersten Hälfte ist gut zu sehen, dass die Verhaltensweisen, die der Trainer von den Spielern fordert, zunehmend besser umgesetzt werden können, allerdings verleitet das auch in eigenem Ballbesitz schnelle, aggressive Passspiel die Spieler in vielen Szenen zu hektischem bzw. überhasteten Abspielen. Auffällig, dass vor allem Spieler, die erst kurz auf Bundesliganiveau spielen, damit Probleme haben. Auch in der oben beschriebenen Situation geht der Ball zwischenzeitlich zweimal verloren, wird aber von den Stuttgartern wieder bei der SGE abgeliefert.

Während der gesamten ersten Hälfte tut sich der VfB mit der SGE-Spielanlage äußerst schwer. Die Mannschaft versucht es oft erfolglos über Positionsspiel wie oben, ansonsten wird oft Silas rechts gesucht.

Die SGE versucht es nur sehr selten über Aufbauspiel, aber auch dann geht meist schon der zweite oder dritte Ball Richtung Spitze oder vorderes Drittel mit schnellem Überzahl-Nachrücken.

Der VfB wird aus dem Spiel zweimal gefährlich, jeweils nach Stellungs- bzw. Zweikampffehlern von Hasebe, der als Innenverteidiger unverändert ein Sicherheitsrisiko darstellt. Die verschiedenen wiederkehrenden Fehler in der Einschätzung von Kopfbällen, aber auch im direkten 1 gg. 1 und am Boden sind hier seit Saisonbeginn hinreichend dokumentiert, auf weitere Beispielsammlungen wird hier daher verzichtet, im Stuttgart-Spiel wären erneut einige zu zeigen.

Die Stuttgarter kommen gegen Ende der ersten Halbzeit besser ins Spiel, kassieren dadurch allerdings auch SGE-Konter. Nach einem Ballgewinn von Sow ganz links gelingt der SGE über Rode und Chandler in der 38. Minute der stärkste dieser Konter in der Phase. Lindström schließt den auch gut ab, aber Müller kann halten. (eintracht.tv ab 41:57)

Hier, weil er so schön war, der Klassepass von Chandler auf Lindström vor der Großchance. Gut zu sehen der starke Weg von Lindström, allerdings auch der krasse Kettenfehler der VfB-Abwehr, die zwei Kettenhöhen hat und daher den No-Abseits-Raum für Lindström erst öffnen.

Dem Gegentor in der 42. Minute ging ein zu einfacher Passverlust von Lindström in der eigenen Hälfte voraus und schließlich ein schwaches 1 gg. 1 von Lenz gegen Silas. Lenz hat keine Distanz, bekommt keinen seitlichen, sondern frontalen Körperkontakt, weshalb ihm nur noch ein Foul bleibt. (eintracht.tv ab 45:00) Die Freistoßflanke verwandelt dann Anton zum 1:1, das ist schwer zu analysieren, da die genaue Zuteilung bei solchen Situationen nicht bekannt ist. Im übrigen kann so ein Freistoß nicht immer verteidigt werden. An der Situation hat sich aber gezeigt, dass Spieler wie Lindström noch zu große Schwächen in der Differenzierung haben (Wann muss ich schnell/kurz spielen, wann mit 1/2/mehr Kontakten, wann mit vollem Risiko, wann auf Sicherheit.)

Die zweite Halbzeit

Auch das 2:1 der SGE fällt aus einer der typischen Aktionen. Wie die meisten Anstöße wird auch dieser direkt lang nach vorne außen gespielt. Das macht auch Sinn, denn Glasner setzt ohnehin nicht sehr auf Positionsspiel über die hintere Linie und mit dem direkten Ball in die Spitze ist die SGE sofort wieder da, wo sie mit Überzahl-Schnellkombinationen, Pressing, aggressivem Angreifen zweiter Bälle ihr Spiel haben will. Hier funktioniert das wieder genau wie beim 1:0 nach Plan.

Das hier ist die Situation direkt nach dem langen Flugball direkt nach dem Anstoß. Man sieht, dass die SGE sofort wieder ganz vorne mit sechs Spielern in der Situation ist, die Passabstände sind gut. Hier ist der VfB eigentlich aufmerksam, steht in Gleichzahl, 6 gg.6, aber auch das ist gegen passtechnisch und laufintelligente Spieler wie Hrustic, Sow, Borré etc. zu wenig.
Das ist dann die Schnellkombination, die sie spielen. Es gab zuvor noch einige Stationen und diese schnellen Kombinationen auf engem Raum in die Spitze sind inzwischen neben dem Pressing die wichtigste Waffe der SGE. Borré steckt den Ball auf Hrustic durch, der etwas weit außen zum Abschluss kommt.

Es ließen sich in der zweiten Halbzeit ein halbes Dutzend weiterer Beispiele für derartige Kombinationen, oft wie hier mit 5, 6 Stationen one touch zeigen. Das ist wirklich beeindruckend und das hat man lange nicht in dieser Frequenz und Sicherheit von einer Eintracht-Mannschaft gesehen.

Die folgende Ecke verwandelt Hrustic nach einem abgesprochenen Flugball von Lenz in den Rückraum direkt.

An dem Geschehen ändert sich insgesamt auch in der zweiten Halbzeit wenig, der VfB hat trotz Rückstand gut damit zu tun, die SGE vom eigenen Tor fernzuhalten, bzw, sich aus dem Pressing zu befreien.

Noch ein Blick auf die übrigen beiden Tore, zunächst das Gegentor.

Hier die Vorbereitung zum Gegentor. Es ist beim Stand von 2:1 wieder das klassische SGE-Chaos ausgebrochen. Lenz, N´Dicka, Hasebe stehen richtig, die rechte Verteidigerposition ist unbesetzt, Tuta steht im Mittelfeld, Chandler genauso, die linke Stuttgarter Halbspitze ist offen wie ein Scheunentor.

Neben den Stellungsfehlern ist auch das Zwekiampfverhalten von Chandler katastrophal, man kann das nicht anders sagen. Er macht in dieser Szene alles falsch, was man falsch machen kann. Zunächst steht er falsch, erkennt die Gefahr zu spät. Dann versucht er den ballführenden Gegenspieler von außen anzugreifen statt so schnell wie möglich das Scheunentor hinten zuzulaufen.

Selbstverständlich spielen Fußballprofis ein solches Angebot zum Tor aus, da können Hasebe, und N´Dicka nicht mehr viel retten. Dieses Mal konnte die SGE dann noch das dritte Tor machen, schon im nächsten Spiel, egal wie der Gegner heißen wird, können diese dilettantischen Fehler wieder Punkte kosten, wie ja in dieser Saison ungefähr in jedem zweiten Spiel.

Das entscheidende 3:2 ist Ergebnis eines der typischen Verhaltensweisen der Mannschaft. Ein gewonnener zweiter Ball wird über Jakic, Chandler und Hrustic sofort offensiv und schnell gemacht.

Das ist die Kombination, mit der sich die SGE Tempo und Tiefe ins Spiel holt. Der Pass von Jakic auf Chandler ist entscheidend, weil er damit Ahamada aus dem Spiel nimmt. Chandler macht das auch stark, spielt sofort direkt weiter auf Hrustic, der wieder auf Jakic durchsteckt. Das geht zu schnell für die Stuttgarter.

Das ist stark gemacht und führt dazu, dass Jakic mit dem Ball im Tempodribbling und die ganze Mannschaft im 4 gg. 3 auf die VfB-Abwehr läuft.

Hier gut zu sehen: Jakic hat zwei gute Pass-Optionen, besonders Lindström macht einen sehr guten Laufweg zum Tor und muss den Ball eigentlich bekommen.

Aber Jakic versteht die Situation nicht, macht auch einen technischen Fehler und verdaddelt diese Topchance eigentlich.

Hier: Jakic immer noch am Ball, alle Stuttgarter wieder hinten, Lindström und Borré stehen, die Situation ist eigentlich nicht mehr gefährlich. Jakic spielt dann einen Notball auf Hauge. Hauge erkennt die Situation dann richtig, wartet kurz und passt den Ball Hrustic auf den starken linken Fuß.

Hrustic schießt dann Mavropanos an, von dessen Rücken der Ball ins Tor fliegt. Etwas Glück für die SGE und man hat in dieser Situation einige typische Abläufe sehen können. Das schnelle Spiel nach vorne, aber auch die spielerisch-technische Schwäche von Jakic beim Spiel in die Spitze. Schließlich das gute Verständnis von Hauge. Jakic ist in diesen und ähnlichen Situationen noch nicht sicher genug, er entscheidet, wie hier, noch zu oft falsch, traut sich schwierige Zuspiele (wie hier auf Lindström) nicht zu oder missversteht die Situation.

Fazit

Das Spiel reiht sich gut ein in die Leistungen der letzten Spiele. Das Offensivspiel ist und bleibt kaum zu stoppen, selbst wenn mit Kostic und Kamada zwei sehr wichtige Offensive fehlen.

Das liegt daran, dass das Spiel nicht mehr so stark auf Einzelspieler angewiesen ist, auch Positionen/ Systemfragen sind in dem Spiel, das Glasner spielen lässt, nicht so sehr entscheidend. Vielmehr geht es darum, in eigenem Ballbesitz Tempo und Überzahl zu schaffen, vor allem im vorderen Drittel. Dazu ist zunächst vor allem Laufarbeit nötig, und die können Spieler wie Rode, Sow und Hrustic ebenfalls leisten, gute Passspieler sind alle drei auch, ebenso Lenz und so lassen sich dadurch, dass vergleichsweise nominell viele defensivere Spieler auf dem Platz stehen, keine Rückschlüsse auf die Ausrichtung des Teams ziehen.

So war es dann auch. Trotz der Ausfälle spielte die SGE genauso dominant und offensiv wie in den vergangenen Wochen.

Dennoch sind Spieler wie Kostic oder Kamada dauerhaft nicht zu ersetzen. Man konnte ganz gut sehen, dass Lenz viel eher ein echter Schienenspieler ist als Kostic, auf seiner Seite entstanden kaum Kettenfehler und trotzdem war die linke Seite mit Lenz offensiv präsent. Das unterstreicht, wie wichtig eine taktische Lösung dafür wäre, Kostic von seinen Linksverteidigeraufgaben zu befreien.

Der Ausfall der Spieler konnte gegen Stuttgart gut aufgefangen werden da gegen diesen Gegner die technische Überlegenheit und die gruppentaktischen Abläufe ausreichten, um das Spiel zu gewinnen. Gegen stärkere Gegner werden auch individuelle Stärken wieder wichtiger.

Ein letztes Wort zu Hrustic: Der Spieler hat, das war bekannt, einen sehr starken linken Abschlussfuß. Dieser ist eine starke Waffe und Hrustic konnte sie zweimal mit Erfolg einbringen. Für seine Entwicklung wäre es wichtig, sein Passspiel, insbesondere das in die Spitze, zu verbessern, das gleiche gilt für Handlungsschnelligkeit und defensives Zweikampfverhalten. Hier muss er sich steigern, dann kann er ein sehr guter Bundesligaspieler werden. Andernfalls wird er sich trotz seiner besonderen Stärke im linken Fuß nicht gegen Spieler wie Sow oder Rode durchsetzen können.

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SGE – Arminia Bielefeld 0:2 (0:2)

Guter Fußball, gute Angriffe, es fehlt nur die Chancenverwertung oder Katastrophenspiel – wie ist das Spiel zu deuten? Ein Blick auf die beiden Gegentore und die Angriffsbemühungen der SGE in der Spielanalyse.

Die Aufstellung

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

Quelle: Youtube

Die erste Halbzeit (Re-Live)

Mit dem Anpfiff übernimmt die SGE das Kommando, trägt einige Angriffe vor, hat in der 3. Minute den ersten Kopfballabschluss durch N´Dicka nach Kostic-Ecke, einen ersten Torschuss von Chandler in der 4. Minute und fängt sich mit der ersten Aktion der Arminia in der 5. Minute das 0:1 ein.

Das Gegentor entsteht nach einem Kettenfehler auf der linken Abwehrseite.

Gut zu sehen: Kostic und N´Dicka stehen auf der gleichen Position, hinter den beiden öffnet sich ein breiter unbesetzter Raum, sodass Schöpf den Ball vor dem SGE-Sechzehner querlegen kann. Auf der Halbposition steht Hinteregger 1:2 gegen Okugawa und Serra.

Wenn schon N´Dicka und Kostic sich aus dem Spiel nehmen, statt, sich gegenseitig sichernd, den Gegner anzugreifen, müsste zumindest Sow den torgefährlichen Passweg hinter den beiden schließen, bzw. Hinteregger den Pass dann attackieren. Nichts davon findet statt, das bekannte SGE-Kettenchaos ist perfekt, es entsteht eine 3-4-Unterzahl im eigenen Sechzehner, Rode verschläft noch den Laufweg von Wimmer, der frei vor Trapp nur noch einschießen muss und das auch tut.

Der entscheidende Fehler liegt letztlich bei N´Dicka, der als linker Dreierkettenverteidiger niemals so weit auf die Außen rücken darf, solange der linke Schienenspieler Kostic in dem Zweikampf ist. N´Dicka hätte nach innen sichern müssen, Sow den Passweg von der anderen Seite verengen, Kostic den Zweikampf außen führen müssen.

Wie hier schon vom ersten Saisonspiel regelmäßig in mehr oder minder jedem Spiel dokumentiert, führt auch hier wieder ein krasser Kettenfehler zum 0:1. Das sind Abläufe, bei denen auch einmal etwas falsch und schief laufen kann, aber wenn diese Fehler in jedem Spiel auftreten, dann liegt hier ein strukturelles Problem vor und das Beheben solcher gruppentaktischer Strukturfehler ist Trainerarbeit.

Im weiteren Spielverlauf ist die Eintracht dauernd feldüberlegen, Bielefeld konzentriert sich verständlicherweise auf die Defensive und auf Konter. DSC-Trainer Kramer genügten wenige Maßnahmen, um das SGE-Offensivspiel zu behindern: Zum einen stellte er mit Cedric Brunner einen antrittsstarken, wendigen Gegenspieler Kostic auf die Füße und ließ seine Mannschaft bis zum 2:0 früh und hoch pressen und offensiv die Außenbahnen in der vorderen Reihe anspielen, besonders die linke letzte Reihe der SGE, nach dem 0:2 stand die Arminia tief und konzentrierte sich aufs Verteidigen und Kontern.

In der 15. Minute hat die SGE ihren ersten Abschluss, die erste ernste Torgelegenheit.

Hier der Pass von Sow auf Lindström. Lindström startet und ist dann mit seiner Schnelligkeit nicht mehr einzuholen.

Lindström läuft dann allein auf das Bielefelder Tor zu, vergibt die große Chance aber, weil er einen Abschlusstechnikfehler macht. Man kann das im Standbild nicht sehr gut zeigen, aber das Problem ist, dass er bei dem Abschluss etwas aus dem Tritt kommt, sich den Ball mit dem Kopf etwas zu weit vorlegt, dann wieder kurz zögert, an den herunterkommenden Ball deswegen nicht herankommt und den hochspringenden Ball Richtung Tor drücken muss, was sehr schwierig ist und schiefgeht. (eintracht.tv ab 18:53).

Das Spiel bleibt im Grunde bis zum Abpfiff einseitig, die Eintracht versucht es wie üblich über Schnellangriffe nach gewonnenen zweiten Bällen und Flugbälle aus der letzten Reihe oder der 6er-Reihe direkt in die Spitze, nach dem Rückstand auch gezwungenermaßen häufig über Positionsspiel aus der letzten Reihe, dazu unten mehr. Die sehr offensive Ausrichtung der SGE ist – insbesondere bei Rückstand – stark auf Breite in der vorderen Reihe angewiesen, also auf die beiden Außen Kostic und Chandler. Kostic wirkte gegen Bielefeld noch nicht topfit, Chandler ist in seinen offensiven Möglichkeiten zu beschränkt, als dass man sich von Einzelaktionen von ihm abhängig machen sollte. Er produziert häufig technische Fehler und falsche Anschlussentscheidungen in der vordersten Reihe. Ein Beispiel findet sich in der 26. Minute, als die SGE nach einem Ballgewinn in der hinteren Reihe einen Schnellangriff über Borré spielt und einen Durchbruch über außen schafft.

Hier die Situation nach dem Borré-Pass aus dem Mittelfeld in den Lauf von Chandler. Hier hat er noch 2 Meter Abstand zum nächsten Gegenspieler, die Box- und Rückraumbesetzung ist interessant. Hier hat Chandler drei gute Anschlussoptionen, die Flanke auf den freien Kamada, den Querpass durch den freien Passweg auf den ebenfalls freien Borré oder ein Tempodribbling auf die Grundlinie, um Winkel und Passwege für einen Rückpass zu schaffen.

Chandler ist mit der Situation überfordert, kappt ab, legt sich den Ball unergründlicher Weise auf den schwachen linken Fuß und flankt dann, nachdem die Bielefelder in aller Ruhe sämtliche Gegenspieler zugestellt haben, auf den inzwischen eng gedeckten Kamada.

Kurz danach fällt das Tor zum 0:2. Nach einer unübersichtlichen Situation im Mittelfeld und einigen verlorenen zweiten Bällen entsteht diese Situation:

Mit dem Ball auf Schöpf muss Hinteregger aus der Dreierkette hinten herausrücken, macht das auch, Tuta und N´Dicka sichern. Nicht ganz auf einer Höhe und auch seitlich etwas zu nah an Hinteregger, aber das ist grundsätzlich hier kein Kettenfehler. Links neben N´Dicka ist ein freier Raum entstanden, weil Kostic die Kette nicht ergänzt hat und die Notsituation auch etwas zu spät bemerkt.

Hier haben wir also eigentlich keinen Kettenfehler. Das Problem hier ist ein systematisches, gewissermaßen einkalkuliertes. Denn der Situation ist ja eine unübersichtliche Szene mit unklaren Ballbesitzwechseln vorausgegangen und Kostic spekuliert in solchen Szenen fast immer auf den eigenen Angriff, verlässt also die defensive Außenposition. Wenn es dumm läuft, passiert dabei genau so etwas hier: Der Ball landet irgendwie zentral bei einem Gegner, die Dreikette muss die Zentrale (gegen zwei Stürmer) absichern, dadurch entsteht ein Passweg direkt zum Tor.

Jeder Trainer, der mit Dreierkette spielt, muss solche Situationen einkalkulieren und ist sich des Risikos bewusst, dass daraus gelegentlich Großchancen bzw. Gegentore entstehen.

Dazu ist zu sagen, dass es naturgemäß kein System geben kann, das alle Gegentore verhindert, daher muss man als Trainer in jedem System gewisse Schwachpunkte in Kauf nehmen. Genau das tritt hier ein. Mit defensiv sehr aufmerksamen Schienenspielern (was Kostic bekanntlich nicht ist) lassen sich diese Risiken minimieren und man sieht auch, dass Kostic nur ein paar Meter zum Zugriff auf Wimmer fehlen, aber bei einem so schnellen und handlungsschnellen Spieler wie Wimmer reicht das dicke, um daraus eine gefährliche Abschlusssituation zu machen. Wie man dann gesehen hat.

Nach dem Tor stellt sich die Feldüberlegenheit der SGE direkt wieder ein und die vier Offensiven produzieren auch regelmäßig Abschlüsse. So etwa in der 32. Minute nach Zweikampfgewinn Lindström und starkem Grundlinien-Steckpass auf Borré, in der 35. Minute nach einem toll gespielten Angriff nach einem Freistoß im Mittelfeld und Positionsspiel über den aufgerückten Tuta, Abschluss Borré, der aus 10 Metern Bielefeld-TW Ortega abschießt.

Die zweite Halbzeit (Re-Live)

In der zweiten Halbzeit das gleiche Bild, die SGE ist noch überlegener als in HZ1, Bielefeld verteidigt den Vorsprung. Mit der Einwechslung von Hasebe konzentriert sich das Aufbauspiel aus der letzten Linie wieder stark auf ihn, das heißt, dass er wie üblich versucht, aus der hinteren Reihe mit seinen Pässen eine Abwehrlinie des Gegners zu überspielen. Das gelingt auch gelegentlich.

Eine typische Szene aus der 46. Minute:

Kamada bewegt sich „zwischen den Linien“, Hasebe passt zu Kamada, der sofort offen, also aufgedreht (mit dem Gesicht zum Gegnertor) den Ball an- und mitnehmen und den Angriff einleiten kann. Pieper rückt dann aus der Kette, Kamada lässt ihn kurz aussteigen und passt dann tief zu Kostic, der flankt.

Die starke Kostic-Flanke landet bei Chandler, der damit aber nichts anzufangen weiß und sie über das Tor schießt. (eintracht.tv ab 5:10)

Das sind die Situationen, die Glasner von den Spielern fordert, das geht natürlich besonders gut, wenn ein sehr starker Passgeber wie Hasebe auf dem Feld ist. Diese Szenen zu provozieren dürfte der Hintergrund der Hasebe-Einwechslung gewesen sein.

Überhaupt kommt die SGE regelmäßig zu recht guten Tiefenpässen, etwa in der 53. Minute nach einem Pass Sow-Kostic (Hereingabe landet bei den Bielefeldern, eintracht.tv ab 12:26), in der 62. Minute nach einem Positionsaubauspiel über Hasebe und Borré auf Kostic (Kostic-Hereingabe landet bei Bielefeld) oder einem tollen Hasebe-Pass auf Ache Richtung Grundlinie in der der 86. Minute nach Positionsaufbauspiel über Kostic (eintracht.tv ab 45:27), Aches Hereingabe ist zu ungenau, die Box-Besetzung aber auch zu unklar und unpräzise. Es gäbe einige weitere Beispiele.

Die Bielefelder haben also trotz großem personellen Aufwand und sehr tief stehendem Defensivblock große Mühe, die SGE-Offensive vom Tor fernzuhalten, insbesondere Lindström ist im 1 gg. 1 kaum zu halten. In der 55. Minute tanzt er Vasiliadis am rechten Flügel aus, tempodribbelt kurz an und legt dann im Sechzehner quer auf Kamada, der aber nicht zu einem guten Abschluss kommt. In der 57. Minute ist er nach Positionsaufbauspiel und Rode-Pass im Grunde durch, legt sich den Ball dann aber etwas zu weit vor, Ortega hält. Weitere gute Torsituationen erspielt die SGE in der 64. Minute nach einer guten Kurpasskombination Lindstöm-Paciencia-Kamada-Borré, in der 65. Minute nach einem Positionsaufbauspiel aus der letzten Reihe über Tuta-Kamada-Borré-Kamada-Kostic, der schließlich ans Außennetz schießt (ein Querpass auf Paciencia wäre da auch möglich gewesen). In der 93. Minute hat Borré nach einem Pass vom Gegner noch die Riesenchance zum 1:2 frei vor Ortega, doch der hält auch diesen Ball.

Auch nach Ecken hat die SGE einige Abschlüsse, fabriziert ein Halbchancenfestival, das geht phasenweise wirklich im Minutentakt und die Bielefelder haben in vielen dieser Situationen auch viel Spielglück.

Mit dem Wechsel Paciencia-Rode in der 61. Minute ändert sich die Statik der SGE ein wenig, Kamada spielt jetzt so eine Art 8, bedient gelegentlich die 6er-Position neben Sow, bespielt aber hauptsächlich weiterhin seine linke offensive Halbposition bzw. die 10. Die Dreierkette hinten bleibt als Aufbau- und Restverteidigungslinie bestehen.

Die Bielefelder kommen in der 2. HZ nur noch sehr selten zu Konterabschlüssen, den interessantesten hat Wimmer in der 71. Minute.

Hier der Moment, in dem Schöpf den Pass in die Spitze spielt. Tuta steht fünf Meter zu tief, holt damit gleich 3 Gegenspieler aus dem Abseits. Der Ghost-Tuta zeigt die richtige Positionierung des Spielers an. Auch N´Dicka und Chandler sind weit von ihren korrekten Kettenpositionen entfernt.

Nun ist es 20 Minuten vor Spielende und 0:2-Rückstand nicht sehr verwunderlich, dass hinten auch einmal die Ordnung verloren gehen kann, aber die Stellungsfehler und das erneute Chaos hier sind schon extrem, Tuta muss ja nur rechtzeitig auf eine Höhe mit Hasebe kommen, der als zentraler Verteidiger die Kettenhöhe vorgibt. Die Bielefelder spielen die Situation dann über links aus, Wimmer vergibt dann in der Zentrale frei vor Trapp und schießt über das Tor. Viel Glück für die SGE. Wie auch in der 81. Minute, als Okugawa frei vor Trapp den Ball ans Außennetz drischt.

Das Fazit

Wie das Spiel gegen Augsburg bringt das Bielefeld-Spiel wenig neue Erkenntnisse. Die Eintracht war auch den Arminen technisch hoch überlegen, spielte auch taktisch den ambitionierteren Fußball und verlor dennoch letztlich nicht ganz unverdient.

DSC-Trainer Kramer hat seine Mannschaft so gut es ging auf die Eintracht eingestellt, hat sie zunächst ganz vorn pressen lassen, blieb so im Spiel und hat bei eigenem Ballbesitz stark die vordersten Außen angesteuert. Außerdem hat er mit Brunner als direkten Gegenspieler gegen Kostic diesen oft recht gut bekämpfen können. Die SGE hat mit einem Kettenfehler und einem weiteren systematischen Fehler den Gästen das Toreschießen ermöglicht.

Das zweite Tor war der Knackpunkt des Spiels, denn damit haben die Bielefelder ihre Angriffspressingambitionen fast vollständig fahren lassen und fortan tiefstehend die Führung verteidigt. Das ist eine passende manschaftstaktische Reaktion gewesen und dennoch konnte die SGE, meist über Kamada, Sow, Lindström und Borré viele gute Angriffe einleiten und kam auch zu einigen interessanten Abschlüssen, der Raum zum Spielen wurde dann aber schon sehr eng.

Das Spiel ist aus analytischer Sicht keineswegs ein dramatischer Rückschritt. Die Eintracht hat 90 Minuten nach vorne gespielt, allerdings manifestieren sich nach nun 20 Spieltagen immer deutlicher zwei Baustellen.

1 – Die Kettenfehler in der hinteren Reihe

Diese relativ einfachen, krassen Fehler sind eigentlich recht gut trainingsseitig zu bearbeiten, das bestätigte auch Glasner vor der Winterpause, indem er sagte, er verlange da auch mehr von sich selbst. Man hat von außen naturgemäß keinen Einblick, warum sie hier partout nicht entscheidend weiterkommen, daher können wir nur konstatieren, dass es so ist. So lange sich daran nichts ändert, hat die Mannschaft aber keine Chance, aus eigener Kraft regelmäßig und zuverlässig Spiele in der Bundesliga zu gewinnen. Es stellt sich nach wie vor die Frage, ob eine Viererkette, in der die Abläufe deutlich einfacher und klarer sind, dieser defensiv unsicheren Mannschaft nicht besser auf die Sprünge helfen würde als die oft asymetrisch ergänzte Dreierkette. Diese Unklarheit („muss ich jetzt nach außen rücken oder nicht und wenn ja, wie weit?“) führte zum 0:1.

2 – Die Außenbahnen

Der Eintracht-Kader verfügt mit Chandler, Da Costa, Durm und Touré über vier Spieler, die von den Anlagen her rechte Verteidiger einer Viererkette mit guten bis befriedigenden Offensivqualitäten sind. Ein echter Schienenspieler – stark im offensiven 1 gg. 1, stark in der offensiven Handlungsschnelligkeit, gleichzeitig stark im Erkennen defensiver Notwendigkeiten, souverän stark in den Kettenabläufen in der letzten Reihe – ist keiner von ihnen. Das gleiche Problem zeigt sich im übrigen auf der anderen Seite. Da ist ein echter Linksaußen (Kostic) fortwährend mit den defensiven Abläufen und Handlungsentscheidungen überfordert. In den Realaufstellungen und auch in vielen Einzelsituationen zeigt sich, dass die Mannschaft oft zu einem 4-2-4 tendiert mit Außenstürmer Kostic links plus Chandler als Rechtsverteidiger. Warum man dem nicht Rechnung trägt, die Abläufe klärt und der Mannschaft durch Absicherungen auf den Außen Sicherheit gibt, bleibt etwas rätselhaft. Durm und Chandler können durchaus auch als linke Verteidiger eingesetzt werden, der Ausfall von Lenz ist also nicht unbedingt ein schlagendes Gegenargument.

Einige der Fehler waren zwischenzeitlich auch sichtbar angegangen worden, etwa das Durchsichern bei weit herausrückenden Außenverteidigern, inzwischen sind die Spieler aber zum Teil wieder in die alten, falschen Verhaltensweisen zurückgefallen. Auch das ist nicht sehr außergewöhnlich und trainingsseitig wieder korrigierbar.

Um also die Eingangsfrage analytisch zu beantworten: Nein, das war durchaus kein Katastrophenspiel der SGE, es reiht sich konsistent in die (nicht-lineare) Entwicklung des Teams. Einige Fehler in den defensiven Abläufen, die schon besser funktionierten, waren wieder ein spielentscheidendes Problem, das muss besser automatisiert oder systemseitig vereinfacht werden. Hier zeigt sich zwar tatsächlich ein kleiner Rückschritt, aber das gehört dazu.

Trainer Glasner, so viel ist sicher, wird die Arbeit bis auf weiteres nicht ausgehen.

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FC Augsburg – SGE

Die Eintracht konnte zwar das Spiel gegen die Augsburger fast über die ganze Spielzeit dominieren, trotzdem gelang kein zweiter Treffer. Warum das so war und wie die SGE den Kostic-Ausfall zu kompensieren versuchte, hier in der Analyse.

Die Aufstellungen

Die Statistik

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Highlights

Quelle:: Youtube

Die erste Halbzeit (Re-Live)

Glasner blieb bei seinem Kurs, möglichst wenig an der Statik des Spiels zu ändern, was ihn gegen Augsburg dazu zwang, auf einen echten Offensiven zu verzichten. Kostic, der wegen einer Covid-Erkrankung fehlte, spielt, wie hier und auch statistisch immer gut zu sehen, im Grunde einen nur gelegentlich bis in die letzte Reihe mitarbeitenden Linksaußen, also eine vorwiegend offensive Position. Mit der Besetzung mit zwei Außenverteidigern Chandler und Touré auf den Außenbahnen plus Dreierkette dahinter ergab sich also eine vergleichsweise defensive Aufstellung. Der offensive Qualitätsverlust war der Mannschaft über die 90 Minuten anzumerken, so viel vorab.

Die Augsburger begannen mit einem recht klassischen 4-4-2, also doppelter Besetzung auf den Außen.

Erwartungsgemäß ergab sich recht schnell eine leichte Feldüberlegenheit der SGE, die bis zum Abpfiff währte (siehe oben Statistik Feldaufenthalt) und die hauptsächlich mit der klaren technischen Überlegenheit der SGE zu erklären ist, der Präzisionsunterschied zwischen den Teams war unübersehbar.

Taktisch setzte Glasner wieder auf das übliche sehr frühe und aggressive Pressing, Konzentration auf zweite Bälle im Mittelfeld und eine von Chandler und Touré situativ zur Vierer- oder gar Fünferkette ergänzte Dreierkette hinten.

Das frühe Anlaufen brachte bereits in der 5. Minute die erste Chance. Nach einem katastrophalen Rückpass von Dorsch, den Lindström ergattert.

Hier die Situation nach Dorschs Fehlpass, Ballbesitz Lindström. Gut zu sehen, dass Kamada im Rückraum und auch Borré am Fünfer frei stehen. Hier spielt Lindström den Ball Richtung Borré, aber Dorsch kann ihn blocken und Gouweleeuw dann klären.

In dieser Szene zeigt sich, was später während des gesamten Spiels häufig zu beobachten ist. Die Augsburger haben, ähnlich wie der BVB vergangene Woche, große Probleme mit der enormen Schnelligkeit von Lindström, der aber in den letzten Aktionen technische bzw. bezüglich der Handlungsschnellig- und -richtigkeit (kleine) Fehler macht. Hier hätte er einen Pass auf Kamada versuchen müssen, entscheidet sich also für den falschen Pass.

Ebenfalls gut zu sehen ist in den ersten 10 Minuten, dass die Augsburger trotz ihrer technischen Unterlegenheit taktisch durchaus ambitioniert spielen, mit großem Personalaufwand ebenfalls früh pressen, auch über eigenen Ballbesitz und Positionsspiel nach vorne spielen. Weinzierl lässt seine Mannschaft keineswegs nur auf Zerstören spielen und in der 11. Minute kommt Pepi nach einem Stolperer von Kamada und schnellem Konter der Augsburger zu einem ersten gefährlichen Abschluss. Der Schuss von Pepi geht weit daneben und er stand wohl auch im Abseits, aber da konnte man schon gut sehen, dass die Gastgeber gewonnene Bälle sehr schnell und auch gezielt in die Spitze spielen können. Kurz darauf haben die Augsburger einen weiteren Abschluss mit einem Fernschuss von Dorsch. Den Gastgebern gelingt es auch im weiteren Spielverlauf mehrfach, solche (kurzen) Druckphasen herzustellen.

Der Führungstreffer in der 22. Minute ist im Grunde der erste gefährliche Abschluss der SGE. Vorausgegangen war eigentlich ein Angriffsversuch der Augsburger über Gregoritsch (der mit der Nr. 8 spielte, obwohl seine Nr. eigentlich die 11 ist) nach einem verlorenen Einwurf der SGE.

Das ist der entscheidende Moment des Rückpasses von Gregoritsch auf Dorsch im Mittelfeld. Gut zu sehen, dass Gregoritsch zwar nach hinten von Tuta zugestellt wird, den Ball aber frei passen kann. Man sieht auch, dass Dorsch hier einen langen Ausfallschritt machen muss, um ihn überhaupt noch zu bekommen. Man sieht auch, dass Rode auf dem Weg ist, diesen schwachen Pass sofort zu attackieren.

Das macht er dann auch.

Hier gut zu sehen: Dorsch muss, um den schlecht gespielten Ball überhaupt sichern zu können, sich RIchtung eigenes Tor drehen und hat hier nur noch die Möglichkeit ins Dribbling gegen Rode zu gehen oder den Ball „irgendwohin“ zu passen. Er spielt den Ball dann auf Lindström, da steht wirklich weit und breit kein Augsburger.

Lindström macht das dann sehr stark, nimmt den Ball an, und sucht sofort eine Anspielstation, um das Spiel so schnell wie möglich zu machen.

Es entsteht ein 3 gg. 2 zum Tor mit zwei zurückeilenden Augsburg-Verteidigern (Gregoritsch und Gummy, letzterer nicht im Bildausschnitt). Hier der SGE-Move. Das X ist ungefähr der Beginn der Aktion, Lindströms Pass auf Borré. Danach läuft Lindström in die Spitze nach rechts, während Borré sofort den diagonalen Lauf in die andere Richtung startet und Kamada den Sprint in die Spitze anzieht.

Mit diesen Lauf- und Passwegen erzielt die SGE notwendiger Weise eine freie Anspielstation. Entscheidend ist der Dribblingweg von Borré, der damit den Innenverteidiger Gouweleeuw bindet (auf sich zieht), der daher auch nicht mehr den Passweg auf Kamada zustellen kann. Der Pass Borré-Kamada ist nicht ganz optimal, aber Kamada erreicht ihn, umkurvt FCA-Torwart Gikiewicz und macht das 0:1 für die SGE. Solche 3 gg. 2 – Kombinationen, insbesondere mit zurückeilenden Gegenspielern, werden im Training in Standardspielformen sehr häufig geübt. Warum, sieht man hier. Ein toller, spontaner Schnellangriff der SGE mit einem überragenden Abschluss durch Kamada.

In der 29. Minute hat Lindström die große Chance zum 0:2. Vorausgegangen war Aufbauspiel der SGE über Ramaj und Tuta und hier sieht man wieder einen auch diesmal häufigen Aufbauweg der SGE, nämlich das Attackieren zweiter Bälle. Die Szene ist sehr interessant, da sie uns viel über das Spiel und die Entwicklung der Mannschaft verrät.

Zunächst einmal sehen wir hier, dass die Augsburger ebenfalls mit Angriffspressing spielen und das auch konsequent durchführen.

Hier die Situation vor der Riesenchance für Lindström. Augsburg presst alle flachen Anspielstationen zu, dafür müssen auch die 6er Dorsch und Maier teils sehr weit in den Offensivbereich nachrücken, was sie tun, wie man hier sieht. Tuta wird dann zu dem langen Ball gezwungen.

Diese „Notbälle“ sind aber durchaus Teil des Spielkonzeptes der SGE, denn dass beide 6er des Gegners so weit aufgerückt sind, kann man sich natürlich auch zunutze machen. Zum Beispiel indem man den langen Ball mit einem großen Festmach- und Wandstürmer vorne gewinnt (wie etwa Leverkusen mit Schick), oder aber indem man den zweiten Ball erst provoziert und ihn dann koordiniert attackiert. Genau das macht die SGE hier und in vielen anderen Szenen nicht nur in diesem Spiel. Dieses Element ist während der Saison immer wichtiger geworden.

Das ist der Moment, in dem der Tuta-Ball bei Gumny ankommt. Man sieht hier, dass Borré hinter ihn gelaufen ist. Das ist wichtig, denn somit wird Gumny dazu gezwungen, den Ball nach vorne abzuwehren, er kann ihn nicht einfach zu Gouweleeuw durchlassen. Auch gut zu sehen, dass Sow und Kamada hier 2 gg. 1 gegen Maier stehen, also egal wo der zweite Ball herunterkommt, sie ihn attackieren können. Der Ball landet bei Sow, Lindström startet in die Spitze.

Sow zeigt dann eine absolute Weltklasseaktion (bitte unbedingt noch einmal ansehen, eintracht.tv ab 33:36), nimmt den Ball kurz an und mit und passt ihn Lindström in den Lauf, der mit etwas Vorsprung, aber verfolgt von Oxford auf Gikiewicz zusprintet. Lindström macht das danach übrigens ebenfalls überragend, nimmt mit einer kurzen Bewegung Oxford aus dem Spiel, schießt den Ball dann etwas unglücklich an den Außenpfosten, vielleicht wäre da die lange Ecke eine bessere Option gewesen, aber die Chance selbst kann sich nur ein so schneller und technisch starker Spieler wie Lindström überhaupt erspielen.

In der 38. Minute erzielen die Gastgeber den Ausgleich. Gregoritsch schießt den Ball dem jungen EIntracht-Ersatzkeeper Ramaj in die kurze Ecke, weshalb sich bald alle einig waren, dass das sein Fehler war. Diese Ansicht ist diskutabel, denn natürlich sollte der Ball nicht in der Torwartecke einschlagen, der Ball ist Gregoritsch wohl über den Fuß gerutscht, er wollte flanken, Ramaj war also im Grunde schon auf dem richtigen Weg. Analytisch ist auch viel interessanter, dass dem Tor ein Kettenfehler vorausging, was auch Glasner nach dem Spiel monierte.

Hier gut zu sehen, dass bei dem Flugball auf Gregoritsch die SGE eigentlich hinten Gleichzahl hat, die Situation also kontrollierbar ist. Allerdings stehen Chandler und N´Dicka hier weder am Mann, noch auf einer Höhe mit Hasebe. Somit ist Gregoritsch weder gedeckt noch steht er im Abseits.

Das ist ein Stellungsfehler von N´Dicka. Hier wurde schon mehrfach darauf hingewiesen, dass es beim Detailtraining Kettenverteidigung durchaus unterschiedliche Schulen gibt. So kann der Trainer hier entweder „Durchschieben“ fordern, also ein mannorientiertes seitliches Verschieben. Dann müssten Chandler und N´Dicka hier längst an den Gegenspielern stehen, oder er fordert, die naheliegende Variante, dass alle drei Kettenverteidiger hier eine Höhe halten, also die von Hasebe, womit sowohl Gregoritsch als auch Pepi im Abseits stünden.

Der wiederholte Verzicht der SGE-Ketten in solchen Situationen darauf, auf Abseits zu spielen, lässt vermuten, dass Glasner hier mannorientiertes, sicherndes Schieben fordert, dahingehend äußerte er sich auch nach dem Spiel im Interview mit DAZN, aber auch das funktioniert hier nicht. So oder so ein Kettenfehler.

Nach dem Ausgleich gelingt Augsburg bis zur Halbzeit ihre zweite wirksame Druckphase des Spiels mit drei nicht ungefährlichen Abschlüssen bzw. Hereingaben, Ramaj kann alle drei entschärfen.

Die zweite Halbzeit (Re-Live)

Weinzierl wechselt in der Halbzeit doppelt, Pedersen kommt für den unauffälligen Zeqiri links offensiv positionsgetreu und Uduokhai für Iago defensiv. Damit ist die linke Seite der Augsburger komplett neu besetzt.

Direkt mit der ersten Aktion in der 46. Minute haben die Gastgeber auch die erste Großchance der zweiten Halbzeit. Nach einem verschlafenen Pressingeinsatz von Touré rechts und einem longline-Pass der Augsburger überläuft Pedersen linksaußen Tuta, passt auf Pepi am ersten Pfosten, der aus 7 Metern Torentfernung zum Glück für die SGE schwach abschließt, Ramaj kann halten. (eintracht.tv ab 2:31). Kurz darauf holt Pedersen mit seiner Schnelligkeit eine Ecke heraus, Weinzierls Plan, Tutas fehlende Schnelligkeit besser auszunutzen, gelingt also gleich mit zwei Aktionen.

Obwohl es die SGE nicht einmal besonders darauf anlegt und weiterhin versucht, eigenen Ballbesitz zügig zum Abschluss zu bringen, übernimmt sie jetzt zunehmend die Spielkontrolle. Das liegt in erster Linie an der technischen Überlegenheit der SGE, da gibt es wenig taktisch hineinzugeheimnissen. Die Spielanlage der beiden Teams ist durchaus ähnlich, nur landen auf Seiten der Augsburger viel mehr Pässe beim Gegner oder im Nirgendwo.

Aus der Feldüberlegenheit entstehen auch regelmäßig interessante Abschlüsse, etwa von Touré am langen Pfosten nach Chandler-Flanke von links in der 59. Minute nach Positionsspiel über die Zentrale Hasebe-Rode-Chandler und in der 61. Minute nach exakt dem gleichen Muster, diesmal ging ein Aufbauflugball Sow-Chandler voraus. Touré macht in der ersten Situation einen technischen Abschlussfehler (aber sehr schwierig), beim zweiten traut er sich den Abschluss gar nicht erst zu und vertändelt die Situation. In dieser Druckphase wird immer wieder Chandler links gesucht, der rechte Offensive der Augsburger, Vargas, zeigt hier das Kostic-Syndrom, arbeitet zu selten konsequent nach hinten. Ähnlich auch wieder in der 64. Minute: Ballgewinn Touré im MIttelfeld, Pass nach außen auf Chandler, dessen gute Flanke köpft Kamada und wird dann selbst von Oxford am Kopf getroffen.

In dieser Phase sieht man, warum Chandler in den letzten Wochen regelmäßig spielt. Bei all seinen bekannten Schwächen sind seine Hereingaben recht präzise und auch obwohl er sich als Linksaußen jeden Ball auf den rechten Fuß legen muss, provoziert er hier innerhalb von fünf Minuten drei gute Abschlüsse für die SGE. Chandler macht in dieser Phase ein sehr gutes Spiel.

In der 68. Minute wechselt Weinzierl doppelt, nimmt Gregoritsch und Vargas vom Feld, bringt mit Niederlechner und Hahn zwei konterstarke Stürmer. Damit ändert sich etwas die Ausrichtung der Gastgeber, die jetzt stärker auf Konter aus sind. Weitere Elemente des Augsburger Spiels in der letzten Spielphase sind direkte Flugbälle aus der letzten Reihe in die Spitze und – man sieht jetzt deutlich, dass die Augsburger auf den einen Punkt spielen – sie sind bemüht, das Spiel häufig anzuhalten, Zeit von der Uhr zu nehmen. Sie begehen viele kleine und größere taktische Fouls und haben es bei eigenen Standardsituationen nicht eilig mit der Ausführung.

In der 78. Minute kommt Jakic für Rode aus den bekannten Gründen. Ein positionsgetreuer Wechsel. In der 81. Minute kommen Paciencia und Hinteregger für Borré und Chandler. Der Hinteregger-Chandler-Wechsel ist etwas unverständlich, denn in der 2. HZ liefen fast alle Abschlusssituationen über ihn. N´Dicka übernimmt die linke Außenbahn.

Danach entsteht die erste längere Druckphase der Augsburger in der zweiten Halbzeit. Wie im ersten Abschnitt setzen die Augsburger vieles auf diese Schlussphase, das ist sehr gut sichtbar ein wichtiger Teil des Matchplans.

Durch das erhöhte Risiko der Augsburger entstehen allerdings auch Freiräume für die SGE. Besonders in der 88. Minute. Ausgangspunkt zu der Situation, die allgemein als (vergebener) Matchball für die SGE bewertet wurde, war ein von der SGE abgefangener Angriff der Augsburger und schnelles Umschalten. Nachdem Hasebe die Hereingabe von Hahn zu Sow entschärft hat, passt dieser nach links zu N´Dicka.

Das ist der Moment des Abspiels von N´Dicka, der einen starken, harten longline-Pass auf den nach außen sprintenden Paciencia (nicht im Bild) spielt. Hier gut zu sehen, dass mit dem Ball gleich sieben Augsburger vorläufig überspielt sind. Maier kommt hier viel zu spät ins Gegenpressing, hat die Situation auch nicht gut antizipiert (im Bewegtbild sieht man, dass er in den Zweikampf trabt statt zu sprinten und N´Dicka auch nicht aggressiv anläuft). Kamada und Dorsch hingegen haben den Braten gerochen und ziehen die Sprints in die gefährliche Zone an.
Hier der Moment, in dem Paciencia den N´Dicka-Pass annimmt. Paciencia macht das dann überragend gegen Dorsch, dreht sich um den Gegenspieler und schafft es, Kamada den Ball gut in den Lauf zu passen.
Das ist der Pass von Kamada auf Lindström. Der Ball kommt perfekt, Lindström bekommt ihn so in den Lauf gespielt, dass Pedersen keine Chance hat, in den Zweikampf zu kommen. Lindström muss eigentlich nur einschieben, vergibt aber gegen den auch stark herauskommenden Gikiewicz.

Der 4-Stationen-Konter der SGE war großartig gespielt, besonders die überragende Aktion von Paciencia und der Weltklasse-Pass von Kamada auf Lindström.

Lindström hätte mit diesem und zwei weiteren Abschlüssen zuvor das Spiel entscheiden können. Dass er im Abschluss nach wie vor etwas unsicher ist, ihm da noch das Herz in die Hose rutscht, ist kaum zu übersehen. In dieser Situation vielleicht am deutlichsten. Er fordert den Ball sehr entschlossen, zieht den Sprint im richtigen Moment an und in dem Moment, in dem er dann frei vor dem Tor steht, zögert er einen Sekundenbruchteil zu lange, man sieht das in den Bewegtbildern sehr gut und mit diesem kurzen Zögern gibt er Gikiewicz die Chance dazu, einen halben Schritt zu nahe heranzukommen und den möglichen Einschusswinkel entscheidend zu verkürzen (die ganze Aktion bei eintracht.tv ab 43:16).

In der Nachspielzeit haben die Augsburger nach dem zweiten krassen Kettenfehler der SGE (Touré steht zu tief, hebt das Abseits auf) noch die Chance auf den Siegtreffer, doch Ramaj ist sehr aufmerksam und hält gegen Niederlechner. Diese Abseits-Aufhebungs-Kettenfehler (wie beim 1:1) werden zunehmend zum größten Schwachpunkt der SGE.

Fazit

Wie schon im Hinspiel war die SGE die bessere Mannschaft und muss das Spiel eigentlich gewinnen. Das sind insgesamt 4 Punkte zu wenig aus den beiden Spielen und das ist natürlich sehr ärgerlich.

Trotz der SGE-Überlegenheit in fast allen Bereichen haben die Augsburger durchaus ein gutes, auch taktisch ambitioniertes Spiel und der Eintracht das Leben – wie üblich – ziemlich schwer gemacht, vor allem mit ihrem frühen Pressing in einigen Spielphasen, der defensiven Stärke und dem Matchplan, der sich gezielt auf eigene Druckphasen in den Anfangs- und Schlussphasen der Halbzeiten konzentrierte.

Das Spiel war trotz des etwas unbefriedigenden Ergebnisses durchaus kein Rückschritt in der Entwicklung der Mannschaft (was auch kein Drama wäre, Entwicklungen inkludieren immer auch Rückschritte und Krisen). Auffällig ist, dass – wie von Glasner angekündigt – tatsächlich die Menge krasserer Kettenfehler im Vergleich zur Vorrunde etwas reduziert werden konnte, auch wenn das 1:1 wieder aus einem solchen resultierte und die Augsburger in der Nachspielzeit nach einem fast identischen Kettenfehler (Touré) um ein Haar noch den Siegtreffer hätten erzielen können.

Das Offensivspiel der SGE hingegen ist auch in diesem Spiel stark, präzise und ambitioniert gewesen, Chandler konnte Kostic zwar nicht ersetzen, war aber in der 2. HZ stark ins Spiel eingebunden und an vielen guten Aktionen beteiligt (einige Beispiele siehe oben) und machte ein für seine Verhältnisse sehr gutes Spiel.

Glasner und die Mannschaft entwickeln gut sichtbar die Elemente, auf die Glasner besonderen Wert legt, fortlaufend weiter. Die zentralen Stilmittel sind inzwischen ein sehr direktes Aufbauspiel über wenige Stationen bis zum Abschluss, schnelle Konter und Schnellangriffe nach gezielten Ballgewinnen im Mittelfeld (zweite Bälle) und ein dauerhaftes Schaffen von Pressingsituationen praktisch auf dem ganzen Platz.

Die wichtigste Waffe der SGE ist die extrem starke und schnelle 4er-Offensive mit Kostic, Borré, Kamada und Lindström. Hier ist allerdings auch der Qualitätsverlust und damit die Auswirkungen auf das SGE-Spiel am größten, wenn einer der vier ausfällt. Nur Hauge und Paciencia sind in der Lage, das Niveau einigermaßen zu halten, daher ist es etwas fragwürdig, warum Glasner statt auf eine etwas anders strukturierte 4er-Reihe (etwa in einem 4-2-3-1) auf die defensivere Variante mit Chandler und Touré setzte, aber solche Einschätzungen von außen sollten grundsätzlich nur mit großer Vorsicht geäußert werden, es fehlt schlicht der Einblick in Trainingsleistungen und taktische Gesamtplanung.

Insgesamt zeichnet sich auch in dieser Saison ab, dass die Eintracht zu den besten 4-8 Teams der Liga zählt, auf entscheidenden Positionen aber Spieler hat, die noch in der Entwicklung sind und daher größere Unsicherheiten in den großen Stresssitautionen haben, wie zum Beispiel Lindström im Abschluss.

Mittelfristig wird es darauf ankommen, diese Kategorie von Spielern länger zu halten als zuletzt bei Haller, Silva, Wolf oder Jovic möglich, denn mit zunehmender Erfahrung werden diese Spieler naturgemäß ruhiger und stärker in den entscheidenden Momenten. Bei der derzeitigen Entwicklung dürften Spieler wie Kamada, Lindström, aber auch N´Dicka und Sow sehr bald für die Clubs auf dem ganz hohen Niveau interessant werden und dann sind sie nur noch mit einer Champions-League-Perspektive zu halten.

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SGE – Borussia Dortmund 2:3 (2:0)

Im ersten Spiel des Jahres verspielt die SGE eine 2:0-Führung und geht ohne Punkte aus dem Spiel. Verdient oder nicht? Was waren die Ursachen? Und war Lammers schuld? Alles Wichtige zum Spiel.

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch generierten Noten.

Die Realaufstellung, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben. Man sieht gut, dass Chandler im Grunde einen rechten Verteidiger spielte, während Kostic fast ausschließlich offensiv agierte.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

Quelle: Youtube

Die erste Halbzeit (Re-Live)

In den ersten Sequenzen zeigen sich schon einige Muster, bei denen es dann im ganzen Spiel bleiben wird, vor allem die unterschiedliche Spielanlage der beiden Teams. Der BVB spielt sehr viel über eigenen Ballbesitz und Aufbau-/Positionsspiel, die Eintracht setzt auf Pressing, Konter und Schnellangriffe.

Die erste Großchance hat der BVB und dabei kann man gut sehen, wie die Dortmunder aufbauen.

Gut zu sehen, dass hier die Option „langer Ball“ gesucht wird mit einer breiten 4er-Spitze, also vier Spielern in der vorderen Reihe. Die SGE-Viererkette steht hier beim Pass von Hummels nicht optimal, N´Dicka zwei Meter zu tief, Kostic drei zu hoch. Dadurch öffnet sich hinter Kostic der Raum für Meunier. Um möglichst viel Abstand zu Kostic zu haben, geht Meunier fast bis an die Seitenauslinie und fast bis an die Abseitslinie, die N´Dicka noch zwei Meter nach hinten verschiebt.

Den folgenden langen Ball kann nur der Außenverteidiger, also Kostic, direkt bekämpfen.

Hier der Moment als der Flugball von Hummels bei Meunier ankommt. N´Dicka muss die Innenbahn halten, ist auch viel zu weit weg, um da selbst eingreifen zu können, Kostic muss den Zweikampf führen. Man sieht aber hier, dass die zwei Meter, die er zuvor zu weit vorne gestanden hat, ihm jetzt fehlen. So muss er gegen die Laufrichtung von Meunier in den Zweikampf sprinten und hat daher keine Chance, den zu gewinnen.

Auf diesem Niveau geht es, wie hier, oft um Kleinigkeiten, also zum Beispiel vier Meter, die man zu weit vorne steht. In dieser Situation hier nimmt Meunier den Ball dann an und mit, knallt ihn aufs Tor, Trapp lenkt ihn mit einer spektakulären Parade an den Pfosten. Viel Glück für die SGE. (eintracht.tv ab 5:28)

In der Anfangsphase ist der BVB insgesamt stark, versucht die SGE mit den eigenen Waffen, also intensivem (Gegen-)pressing, zu schlagen und hat weitere Abschlüsse.

Erst in der 10. Minute kommt die SGE mit ihrer ersten längeren Ballbesitz-Sequenz ins Spiel.

Dem Freistoß, der in der 15. Minute zum Tor führt, geht eine unübersichtliche Situation im Mittelfeld voraus, entscheidend ist ein gutes Gegenpressing mit Ballgewinn von Hrustic nach einem schwachen Pass von Brandt. Erwähnenswert ist, dass der Angriff zuvor von Hinteregger eingeleitet worden war, der sich dann auch bis in die Spitze mitbewegt, wo er dann von Can gefoult wird, was zu dem Freistoß führt. Gutes situatives Einschalten von Hinteregger in dieser Szene. Die Ausführung Kostic-Borré ist eine einfache, einstudierte Standardvariante, analytisch nicht sehr relevant. Das 1:0 ist zu diesem Zeitpunkt glücklich, im Grunde der erste Abschluss der SGE.

Mit der Führung wird die SGE deutlich stärker. Die Abläufe verändern sich aber kaum, Dortmund versucht über Ballbesitz und Aufbau das Spiel zu dominieren, die SGE baut immer wieder Pressing-Fallen auf und versucht mit Schnellangriffen zum Abschluss zu kommen.

Aus genau so einer Situation entsteht dann auch das 2:0.

Hier das Pressing-Manöver der SGE. Borré und Kamada stellen die nächsten Anspielpositionen zu, Rode hat Zugriff auf Brandt, Hrustic bewegt sich in den Passweg Meunier-Brandt. Meunier kann eigentlich nur zu Hummels spielen (gefährlich, weil er sofort von Lindström wieder angelaufen werden kann), oder zu Bellingham oder Guerreiro mit Flugbällen. Der auf Bellingham müsste schon sehr genau kommen, außerdem hat Rode da noch Zugriff, also bleibt Meunier nur der Seitenwechsel auf Guerreiro, der in einer solch engen Situation mit Abstand technisch anspruchsvollste Ball. Meunier entscheidet sich schließlich dafür, einen Druckpass auf Brandt zu versuchen, der aber bei Hrustic landet.

Von Hrustic springt der Ball zu Borré und dann spult die SGE ihr Schnellangriff-Programm ab. Kurzer Rückpass auf Rode, der sofort mit dem Tiefenpass nach links auf Kostic.

Neben dem Ballgewinn von Hrustic entscheidend ist hier eine starke Aktion von Borré. Denn nach dem Rode-Anspiel auf Kostic geht dieser nicht ins 1 gg. 1 außen, sondern versucht einen Querpass vor dem 16er, der dann in der Zentrale bei Borré landet.

Das „X“ ist ungefähr der Startpunkt nach dem Kostic-Zuspiel. Borré hält den Ball und dribbelt die BVB-Viererkette nach außen an bis Kostic ganz frei steht.

Das ist ein kluger Dribblingweg von Borré. Man sieht, dass Meunier verzögern und die Innenbahn halten will, Borré also nicht attackiert, Can sich ebenfalls nicht zuständig fühlt und ebenfalls nicht herausrückt. So ist Dahoud allein in dem Zweikampf gegen Borré und Kostic steht außen frei. Die kleine Abstimmungsunsicherheit in der BVB-Kette wird hier von Borré provoziert. Kostic bringt den Ball dann in die Zentrale auf Kamada, etwas glücklich landet er dann wieder bei Borré, der einschießen kann.

Diese Dribblingwege aus der Zentrale sind ein schwieriger Fall für jede Viererkette, weil sie eine „nicht intuitive“ Bewegung der beiden beteiligten Verteidiger (Innen- und Außenverteidiger) erfordern. Entscheidend ist dabei der Raum. In dem Standbild oben ist gut zu sehen, dass Borré sich hier im Halbraum bewegt, also Can zuständig ist und herausrücken muss. Das tut er aber nicht, weil Borré sich mit dem seitlichen Weg Richtung Außenbahn aus Cans Raum und Zuständigkeitsbereich herausbewegt, aber Meunier kann das Herausrücken nicht übernehmen. Der Fehler liegt also hier hauptsächlich bei Can, der weder nach rechts schiebt, noch herausrückt und bei Meunier, der zu weit innen steht. Deswegen bekommen die Dortmunder keinen Druck auf Borré. Eine starke Aktion von Borré, die die Dortmunder Abwehr verunsichert und zu einem Stellungsfehler zwingt.

Nach dem 2:0 wird die SGE deutlich stärker, trotzdem bleiben die Dortmunder mit ihrem konsequenten Spiel über die Außen, vor allem über die Freiräume hinter Kostic eigentlich immer gefährlich. (Bsp. 27. Minute, „Spiel über den Dritten„, Meunier-Brandt-Malen rechts, eintracht.tv ab 31:03)

Nach einer von den Dortmundern abgewehrten Ecke hat der (noch) aufgerückte N´Dicka in der 29. Minute die Chance zum 3:0. Die Szene ist analytisch nicht sehr relevant, es ist eine „Standardsituation aus dem Spiel“, nämlich Spielfortsetzung nach einer abgewehrten Ecke. Es ist dann ein Zusammenspiel Chandler-Lindström-N´Dicka, das zu dem Pfostenschuss führt. In Standbildern lässt sich da wenig zeigen, aber wer sich das nochmal anschaut (eintracht.tv ab 33:03), der achte auf den Laufweg und das feine Füßchen von Lindström, der die Situation erkennt und den Ball nicht einfach nur vors Tor knallt, sondern N´Dicka gezielt anspielt. Pures Glück für den BVB in dieser Szene, das Spiel wäre mit einem 3:0 wohl entschieden gewesen.

Überhaupt Lindström. Er war von den Dortmundern kaum zu verteidigen. Der Spieler ist so schnell und technisch stark, dass er sehr häufig einfach nur „geschickt“ werden muss. Bei einem solchen Speed ist es dann auch gar nicht mehr so wichtig, ob die Bälle in seinen Lauf sehr genau gespielt werden, er ersprintet sie sowieso. Er hatte in dem Spiel etwas Pech im Abschluss, bzw. technische Abschlussfehler im Spiel, sonst hätte er das Spiel mit zwei Aktionen entscheiden können.

Aber er ist natürlich auch im Anlaufen beim Pressing so schnell, weshalb er dabei auch viele Bälle gewinnt, die ein etwas weniger schneller Spieler nicht bekommen oder es auch gar nicht erst versuchen würde. So etwa in der 34. Minute. Lindström ergattert einen krassen Fehlpass von Dahoud in der hinteren Reihe und sprintet auf Kobel zu, kommt auch frei zum Abschluss, trifft aber den Ball nicht richtig und daher nur das Außennetz. (eintracht.tv ab 37:52). Mit seiner Schnelligkeit auch im Anlaufen sorgt er darüber hinaus fortwährend für Unsicherheit beim Gegner. Allein der auf ihn zusprintende Lindström veranlasste einen erfahrenen Spieler wie Hummels zuweilen zu hektischen technischen Fehlern (Bsp. eintracht.tv ab 39:15).

Dennoch: Auch die Dortmunder bleiben immer gefährlich, Flanken und letzte Zuspiele sind aber oft so ungenau, dass die Eintracht-Verteidiger klären können. Das führt allerdings zu einigen Standards, u.a. insgesamt 5 Ecken allein in der ersten Halbzeit für den BVB. Eine davon führt in der 46. Minute zu einem Pfostentreffer.

Das 2:0 für die SGE entsprach bis dahin kaum dem Spielverlauf, war schmeichelhaft für die Eintracht. Kurioser Weise hätten sich die Dortmunder dennoch auch nicht über ein 0:3 beschweren dürfen, insbesondere da sie Lindström kaum in den Griff bekamen.

Die zweite Halbzeit (Re-Live)

Beide Trainer wechseln nicht und zunächst bleibt auch alles beim Alten. Die Dortmunder versuchen es weiterhin mit ihrem aufbaulastigen Ballbesitzspiel, mit dem sie gezielt die Dreier-Offensive mit vielen nachrückenden MIttelfeldspielern und Außenverteidigern ins Spiel bringen wollen, die Eintracht geht auf Konter, Schnellkombinationen und zweite Bälle.

Und wieder ist es Lindström, der in der 47. Minute die Riesenchance zum 3:0 hat. Die Entstehung ist ein klassisches Attackieren des zweiten Balles.

Langer Abschlag Trapp, ungenauer Pass Guerreiro auf Bellingham, der von Rode attackiert wird und von Bellingham springt der Ball in den Lauf von Lindström.

Lindström startet dann sofort mit vollem Tempo Richtung Can (der das aber auch völlig falsch verteidigt, Lindström den Gefallen tut und ihm mitten im Tempodribbling entgegen geht statt zu verzögern, und sich so praktisch selbst aus dem Spiel nimmt), tunnelt ihn und steht vollkommen frei vor Kobel, trifft den Ball aber nicht richtig, so dass Kobel halten kann. (eintracht.tv ab 3:08) Sehr viel Glück für den BVB.

Die SGE spielt mit der 2:0-Führung im Rücken passiver als in der ersten HZ. „Passiv“ bedeutet in diesem Zusammenhang hauptsächlich: selteneres Angriffspressing, bei eigenem Ballbesitz auch längere Stafetten ohne Schnellangriffsversuch, selteneres Nachrücken der 6er, und Außenverteidiger. Der jetzt tiefer stehende Defensivblock ist aber für die Borussen ebenfalls schwer zu bespielen. Mit Ausnahme eines Abschlusses von Haaland nach Flanke Guerreiro und schwacher Tuta-Abwehr in der 62. Minute und einem völlig verzogenen Schuss von Brandt in der 63. Minute nach einem gewonnenen 1 gg. 1 von Meunier gegen Hrustic und Kostic kommen sie kaum zum Abschluss.

In der 66. Minute wird dann auf beiden Seiten gewechselt. Bei den Dortmundern kommt Hazard für Brandt, der tatsächlich schwach gespielt hatte. Auf Seiten der SGE kommen Lammers für Lindström und Jakic für Rode. Beide Eintracht-Wechsel sind nicht nachvollziehbar, außer durch Verletzungen kaum zu begründen. Mit Rode verließ der letzte echte, erfahrene Sechser das Feld, der zuvor stark gespielt hatte und mit Lindström der stärkste Offensivspieler, den die Dortmunder nie kontrollieren konnten und der sie bis dahin immer wieder daran gehindert hatte, richtig aufzumachen.

Glasner erklärte nach dem Spiel, beide Spieler seien müde bzw. angeschlagen gewesen.

Bei der Borussia ändert sich mit dem Wechsel etwas die Statik. Hazard spielt fortan Linksaußen, Malen weiter Rechtsaußen, Haaland und Reus besetzen die Spitze, Reus eher als hängende Spitze. Dahoud und Bellingham spielen ein 2er-Mittelfeld, der BVB spielt jetzt ein sehr offensives, flügellastiges 4-2-4.

Neben der bereits erwähnten Passivität ist eine weitere Ursache des nun schwächer werdenden SGE-Spiels, dass die Mannschaft die eigenen Ballgewinne nicht mehr in Ruhe und sauber ausspielt, sondern jeden Ball sofort schnell und tief spielen will, auch wenn noch gar keine Anspielmöglichkeit besteht. (Beispiel 70. Minute Ballgewinn N´Dicka, Kostic mit einfachem Fehlpass ins nirgendwo, eintracht.tv ab 25:56)

In der Aktion danach entsteht der 2:1-Anschlusstreffer, der die Dortmunder endgültig zurück ins Spiel bringt. Langer Abstoß Trapp direkt auf den Kopf von Hummels, dessen Kopfball direkt bei Hinteregger landet. Der macht nun zunächst einen krassen technischen Fehler und „veredelt“ diesen dann noch indem er aus der Kette stürmt. Entscheidend für das Gegentor ist aber nicht nur Hintereggers Fehler.

Hinteregger stürzt aus der Kette, hinter ihm öffnet sich der Raum, Reus spielt ihn dann auch direkt auf Haaland. Unten ist Chandler gegen den schnellen Hazard auf der Außenbahn, hat da keine Chance mehr ranzukommen. So entsteht nun ein 2 gg. 1 (Haaland, Hazard gg. Tuta), keine Chance für Tuta, das alleine zu verteidigen.

Haaland spielt den Ball dann in den Lauf von Hazard, der allein vor Trapp stark vollendet. Das Gegentor hatte also insgesamt mehrere Gründe. Auf dem Standbild sind neben dem Fehler von Hinteregger zwei weitere (strukturelle) Fehler zu sehen. Zum einen die zu großen Abstände zwischen Viererkette und 6ern in diesen Situationen (großes Thema schon die ganze Saison), hier mit der Besetzung Hrustic, Jakic. Hinteregger macht zu viele dieser Fehler, auch in dieser Saison ist es nicht sein erster, das gleiche bei Hasebe. In einer echten Viererkette ist das nicht so problematisch, da sie eine cirka 10 Meter größere Breite hat.

Links und rechts beide Systeme, gleiche Situation, Hinteregger aus dem Spiel. Links die tatsächliche Situation, rechts das Spiel mit Viererkette. Links gut zu sehen Chandler auf der Außenbahn kann nicht eingreifen, Hintereggers Fehler und Chandlers fehlende Antizipation führen zum 2 gg. 1 direkt zum Torabschluss. Rechts die Ordnung mit einer echten Viererkette. Der rechte Außenverteidiger (Chandler) ist auf der Innenbahn, die Situation bleibt trotz Hintereggers Fehler ein gut zu verteidigendes 2 gg. 2.

Gut zu sehen: Der Hinteregger-Fehler darf in einer Viererkette passieren, in der Dreierkette nicht.

Nach dem Spiel machte Glasner vor allem das fehlende Offensivspiel in dieser Phase für das Kippen des Spieles verantwortlich, insbesondere zu viele Rückpässe auf Trapp. Das ist korrekt und es ließen sich einige Szenen zeigen, in denen die SGE sich selbst in Bedrängnis bringt, indem sie Angriffe einfach abbläst. Das vielleicht krasseste Beispiel aus der 74. Minute:

Das ist eine abgewehrte Ecke. Hinteregger hat vier mehr oder minder riskante Anspieloptionen in Breite und Tiefe, entscheidet sich dann aber für einen 30-Meter-Rückpass auf Trapp.

Da der Pass von Hinteregger auch noch zu schwach gespielt ist, attackieren ihn die Dortmunder, Trapp bleibt nichts übrig, als den Ball ins Seitenaus zu schießen.

Allerdings versucht die SGE durchaus auch weiter nach vorne zu spielen, hat auch gelegentlich noch Angriffe mit Abschlüssen, meist über Kostic und Borré.

In der 79. Minute bringt Glasner Hasebe für Kamada, also ein defensiver Wechsel, Hasebe geht ins Mittelfeld. Damit ändert sich die Statik des Spiels, die SGE spielt jetzt ein 3-5-2, so zeigt es auch Glasner von der Seite an.

In der 86. Minute erzielen die Dortmunder das 2:2. Bei dem Tor liegt weder ein gravierender Kettenfehler vor, noch überhaupt ein großer Abwehrfehler. Solche Tore können fallen, das haben die Dortmunder gut gespielt, ihre Qualität in den 1 gg. 1 – Situationen ausgespielt und bei der Flanke das Glück, dass die so perfekt kommt und die SGE hinten Bellingham nicht zugeordnet bekommt. Den einzigen gravierenden Stellungsfehler macht in der Entstehung Hrustic, der viel zu weit aus dem Mittelfeldverband herausrückt und so den entscheidenden Passweg Meunier-Malen öffnet.

Hrustic steht viel zu weit aufgerückt, verteidigt die Außenlinie. Kostic trabt wie üblich nach hinten, auch Jakic steht viel zu weit aufgerückt.

Auch bei der Spielfortsetzung und dem Pass von Malen auf Reus fehlt Hrustic dann natürlich, während die Kette und Hasebe das Fehlen von Kostic mit richtigen Laufwegen kompensieren können. Danach ist die Situation nicht mehr strukturell zu kontrollieren. Der viel gescholtene Lammers sieht in der Situation auch nicht besonders glücklich aus, aber er versucht hier als Mittelstürmer die Position von Hrustic (die dieser sinnlos verlassen hat) zu stopfen, da steht er dann beim Malen-Reus-Pass nicht richtig, aber ihm das vorzuwerfen ist natürlich unsinnig.

Beim 2:3-Siegtreffer der Dortmunder schließlich ist es dann Jakic, der die Situation ermöglicht.

Den von Hazard zuvor sehr schwach gespielten Chipball köpft Hasebe Richtung Jakic. Doch der macht keinen Schritt zum Ball, sondern bleibt stehen. Deshalb kann sich Hazard den Ball dann wieder holen und ihn in die Zentrale spielen, wo er dann bei Dahoud landet.

Klarer Fehler von Jakic in dieser Situation, aber auch schon zuvor stand er fast in jeder Situation zuverlässig falsch, spielte viel zu undiszipliniert, übermotiviert (mit voller Leidenschaft, was im Fußball, wie bereits erwähnt eher störend ist als hilfreich) und zu aggressiv. Aber auch Jakic ist ein junger Spieler, der Entwicklungszeit braucht, gerade auf einer solch zentralen Position. Zwischen ihm und Rode liegen aktuell noch Welten, das hat man heute gesehen.

Fazit

Der knappe Sieg der Dortmunder ist etwas zu viel des Schlechten, ein Unentschieden wäre ebenfalls ein angemessenes Ergebnis für das Spiel gewesen, vor allem weil die Dortmunder bis zu den Auswechslungen von Lindström und später auch Kamada die Vierer-Eintrachtoffensive nicht zuverlässig verteidigen konnte.

Der Knackpunkt war die Auswechslung von Rode. Jakic und Hrustic sind (noch) keine 6er, die alleine die sehr komplexen vor allem antizipatorischen Aufgaben in der Mittelfeldzentrale lösen können, wie man in der Entstehung der beiden Gegentore sehen kann. Die beiden Spieler waren gegen diesen Gegner damit schlicht überfordert, was der Hauptgrund dafür war, dass die Dortmunder in der 2. Halbzeit den Druck auf das Tor der SGE erhöhen konnten.

Der viel gescholtene Lammers war kaum im Spiel eingebunden, machte aber außer dem kleinen Stellungsfehler, der ihm unterlief, als er versuchte die von Hrustic hinterlassene Lücke zu stopfen, auch nichts falsch. Es ist etwas rätselhaft, warum sich nun alle auf ihn einschießen.

Wenn Lindström und Rode in der 66. Minute wirklich so müde waren, dass sie ausgewechselt werden mussten und Glasner die Statik des Spiels so wenig wie möglich ändern wollte, dann war der Lammers-Wechsel einfach das naheliegendste, da er Lindström von allen Alternativen in der Spielweise noch am ehesten ähnelt. Man hätte sicher darüber nachdenken können, Borré nach außen oder hinter die Spitze zu ziehen und den etwas aggressiveren Paciencia zu bringen, aber Glasner erklärte nach dem Spiel, dass Paciencia nicht richtig fit war und Lammers gut trainiert hatte.

Alles in allem waren die Dortmunder der SGE in praktisch jeder statistischen Hinsicht überlegen (siehe oben), fast das ganze Spiel über das dominante Team und auch technisch stärker als die SGE. Das ist aber auch nicht sehr überraschend. Für den Saisonerfolg werden eher nicht die beiden Top-Spiele gegen Dortmund und Bayern ausschlaggebend sein, sondern die Frage, ob die SGE an die souveräne Leistung vom Mainz-Spiel auch gegen die kommenden Gegner (Augsburg, Bielefeld, Stuttgart) anschließen kann und es schafft, in diesen Spielen zuverlässig zu punkten.

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SGE – FSV Mainz 05 1:0 (1:0)

Mit dem knappen Erfolg gegen Mainz deutet die SGE den nächsten Entwicklungsschritt an, spielt beinahe über 90 Minuten souverän, lässt dem Nachbarn kaum eine Chance und spielt vielleicht erstmals in dieser Saison durchgehend wie ein Europapokal-Aspirant.

Die Aufstellung

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch generierten Noten. Etwas zu stark wurde Trapp bewertet, der nicht sehr viel zu tun, aber offenbar starke Werte hatte.

Die Realaufstellung, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben. Man sieht gut, dass Chandler und Kostic diesmal beide etwa gleich defensiv/offensiv agierten, die Linkslastigkeit im Offensivspiel also nicht mehr so stark zu Buche schlug.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Alle hier gezeigten Statistiken sind öffentlich zugänglich und zitiert nach bundesliga.desofascore.com und kicker.de.

Die Highlights

Quelle: Youtube.com

Die erste Halbzeit (Re-Live)

In den ersten Minuten ist gut zu erkennen, dass die Mainzer ebenfalls mit einer Dreierkette spielen, die defensiv zu einer Vierer- oder Fünferkette ergänzt wird. Im Aufbau stehen sie mit den Außenverteidigern breiter und weniger hoch als die SGE, laufen früh an und versuchen auf der jeweiligen Seite mit den jeweiligen Außenspielern und den beiden Achtern an die Pressinglinie nachzuschieben. Häufig versucht es die SGE über zweite Bälle. Insbesondere bei solchen Ablagen haben die Mainzer eine Schwäche, die die SGE auszunutzen versucht. Später mehr dazu.

Die Eintracht hat in der Anfangsviertelstunde einen guten Abschluss von Chandler in der 13. Minute, der aber analytisch kaum interessant ist. Vorausgegangen war eine abgewehrte SGE-Ecke und wildes Gegenpressing von Lindström, wodurch der Ball Chandler vor die Füße fällt.

In der 23. Minute dann der zweite gute Abschluss der SGE nach einem Fernschuss von Kostic aus rund 35 Metern Torentfernung, den Mainz-Keeper Zentner etwas falsch einschätzt, nicht gut abwehrt. Den Nachschuss kann Borré nicht kontrolliert aufs Tor bringen.

Fast im Gegenzug hat Sebastian Rode seinen ersten großen Auftritt in dem Spiel. Nach einem schwachen Chandler-Pass, den die Mainzer abfangen können, haben sie zum ersten Mal im Spiel die Chance auf einen Tiefenpass, also eine gute Toraktion.

Das ist die Situation direkt nach dem Pass von Stach. Gut zu sehen, dass Hinteregger aufgerückt ist, weil er sich mit der Angriffseinleitung durch Chandler in den Angriff einschalten wollte. Auch Chandler ist aufgerückt, er hatte den Fehlpass gespielt, der hier postwendend zurückkommt. Der Mainzer Passgeber Stach macht das auch stark, spielt den Ball schnell und steil in die Tiefe auf den völlig freien Aaron. In der Zentrale gut zu sehen, dass die Mainzer 3-2-Überzahl haben. Rode hat die Situation antizipiert und den Passweg recht tief angelaufen. Hier holt er sich den Stach-Pass mit einer sehr starken Notgrätsche.

In den Bewegtbildern (eintracht.tv ab 26:51) sieht man noch viel besser, was für eine gefährliche Situation das ist und wie Rode nach dem krassen Chandler-Fehlpass als einziger die Gefahr erkennt. Chandler selbst ist völlig überfordert, macht vor Schreck einfach gar nichts, statt sich defensiv zu orientieren. Rode hingegen realisiert sofort, dass der Pass nach außen der gefährliche und wahrscheinlichste ist, orientiert sich mit einem Blick, erkennt, dass Aaron außen den tiefen Pass fordert, macht zwei Schritte nach außen und ergrätscht den Ball. Das ist völlig unspektakulär und trotzdem eine extrem starke und für den Spielverlauf wichtige Aktion.

So eine Szene sieht man in keinem Zusammenschnitt, das taucht in kaum einer Statistik auf, entscheidet aber Spiele. Das wäre mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die erste große Chance der Mainzer gewesen und wenn die SGE da in Rückstand geht, läuft das Spiel anders.

Hasebe hat übrigens in der 34. Minute eine etwas anders gelagerte, aber ähnliche Antizipationsszene, bei der auch er einen der wenigen interessanten Mainzer Angriffe mit so einer Antizipation abfängt.

Hier gut zu sehen, dass die Defensive der SGE hier ungeordnet ist und dass Barreiro allein auf Trapp zuläuft, wenn der Pass von Burkardt durch kommt. Auch hier sieht man in den Bewegtbildern (eintracht.tv ab 37:51) noch viel besser, wie Hasebe die Situation rechtzeitig erkennt und den entscheidenden Schritt nach vorne macht, um den Passweg zuzustellen.

Das ist natürlich eine überragende Aktion von Hasebe und sehr wahrscheinlich „die“ spielentscheidende Aktion überhaupt, denn genau aus diesem Ballgewinn entsteht dann das 1:0 der SGE. Wenn er den nicht erwischt, steht es ziemlich sicher 0:1, stattdessen geht dann im Gegenzug die SGE in Führung. Trotzdem sieht man auch hier, dass Hasebe ein Sechser durch und durch ist, denn das ist eine typische Sechser-Bewegung. Ein gelernter Innenverteidiger hätte eher versucht, schnell in die Zentrale zu gelangen, um Barreiro zu stellen, bzw. hätte von vornherein die defensive Zentrale nicht verlassen. Und das ist das Problem mit Ungelernten in der hinteren Reihe: Risiko bedeutet immer beides: Chance auf Konter und Gefahr, dass es schiefgeht und dann hinten einschlägt. Genaugenommen steht Hasebe auch in dieser Situation falsch, weil viel zu offen und zu nah an N´Dicka. Er macht das dann, wie gesagt und zum Glück, überragend, aber ein systematisches Risiko bleibt das und systematische Risiken sind in der hinteren Reihe bekanntlich eher ungern gesehen.

Da die Mainzer sehr früh anlaufen, arbeitet die SGE im Aufbau mit relativ vielen Flugbällen, um dann zweite Bälle zu attackieren, wie oben schon bemerkt. Das ist eine Schwachstelle der Mainzer, und die Eintracht bespielt diese mit zunehmender Spieldauer häufiger. Diese Schwäche des Gegners resultiert aus der Struktur der Mainzer beim Pressing im vorderen Bereich.

Das ist eine Szene aus der 33. Minute. Hier gut zu sehen, dass neben den beiden Stürmern Burkardt und Onisiwo auch alle drei Mittelfeldspieler an der Pressingbewegung sehr weit vorne teilnehmen.

Dafür, dass die Mainzer das Risiko sehr hoch halten bei diesen Pressingsituationen, sind sie zu wenig effektiv, sie laufen die SGE-Defensivspieler zu selten aggressiv an, so dass die SGE die Mainzer mehrmals ohne großes eigenes Risiko locken kann, nur um dann den Ball per Flugball über das komplette Mittelfeld der Mainzer zu spielen.

So auch hier. N´Dicka spielt den Ball zu Trapp und der lang Richtung Borré.

Das ist der Ball von Trapp kurz bevor er auf dem Kopf von Hack landet. Hack ist eigentlich der zentrale Innenverteidiger der Mainzer, rückt aber immer heraus (meistens er, gelegentlich aber auch einer der beiden anderen Verteidiger), wenn lange Bälle zu verteidigen sind. Das Entscheidende sieht man hier in dem eingefärbten Bereich. Die SGE hat immer für ein paar Momente (bis Lee und Barreiro wieder auf der Mittelfeldreihe sind) Überzahl. Und diese Bälle werden dann regelmäßig attackiert und landen auch sehr häufig bei der SGE.

Diese Situationen sind natürlich interessant. Hier sieht man schon, dass Lindström sofort in den hinter Hack aufgehenden Raum in der Zentrale sprintet, für extrem schnelle Spieler wie Lindström, Kostic und Borré sind solche Räume ein gefundenes Fressen. Auch gut zu sehen, dass Borré gar nicht groß sein muss, um diese Kopfbälle abzulegen. In dieser Situation schiebt und drückt er gegen den 20 Zentimeter größeren Hack derart, dass dieser überhaupt nicht kontrolliert köpfen kann. Der Ball landet bei Rode. Die Anschlussaktion wird dann über Kamada zu langsam und schwach ausgespielt, aber auf dieses Angriffsmuster verlegt sich die SGE im weiteren Verlauf des Spiels häufiger. (Nicht nur in diesem Spiel.)

In der 35. Minute fällt das Tor für die SGE nach dem Ballgewinn von Hasebe, siehe oben. Das ist eine hektische, unübersichtliche Aktion über die linke Mainzer Seite mit einem langen Ball von Lee auf Onisiwo, der unkontrolliert bei Burkardt landet und den Hasebe dann abfängt. Hasebe spielt dann einen etwas ungenauen Pass in den Lauf von Kamada, der sofort von dem gegenpressenden Mainzer Stach attackiert wird. Kamada rutscht etwas weg und schafft es nur gerade so, den Ball auf Lindström im Mittelkreis zu spitzeln.

Hier der Moment der Ablage von Lindström auf Rode. Man sieht, dass Kamada beim Weiterspitzeln ausgerutscht ist und man sieht, dass der Raum hinter Hack offen ist. Auch gut zu sehen, dass Niakhaté hier durchaus noch Zugriff auf Borré hat. Den Rückpass von Lindström spielt dann Rode sehr präzise und gut getimt in den Lauf von Borré. Im Standbild zu sehen der starke Laufweg von Borré, der den freien Raum hinter Hack gezielt und im Bogen anläuft.

Danach begeht Niakhaté einen krassen individuellen Fehler, indem er versucht, den Rode-Pass zu ergrätschen, statt den Sprintzweikampf mit Borré anzunehmen. Borré läuft dadurch frei auf Mainz-TW Zentner zu. Zuletzt entscheidend für den Erfolg ist die extreme Schnelligkeit von Lindström, der dem Mainzer Bell komplett davonläuft (eintracht.tv ab 37:55) und schließlich den quergelegten Ball von Borré abstauben kann.

Wie schon gesagt, strukturell wird hier eine Mainzer Schwachstelle genutzt, nämlich das sehr häufige und weite Herausrücken des IV Hack. Das machen die Mainzer bewusst, um möglichst viel Pressing-Druck auf den Gegner zu bekommen, gegen extrem schnelle und handlungsschnelle Spieler wie Borré und Lindström ist das aber ein enormes Risiko, wie man hier sieht.

Noch ein Wort zu dem Borré-Laufweg: Das macht er hier perfekt, solche Laufwege werden mit den Stürmern immer wieder trainiert. Borré muss mit seinem Laufweg mehrere Dinge erreichen:

1. er muss „Land gewinnen“, also so viel wie möglich Abstand/Vorsprung erlangen bis zum Passmoment.

2. er kann nicht nach vorne laufen, da er sonst sofort im Abseits steht, braucht aber Bewegung, um nicht aus dem Stand ansprinten zu müssen.

3. er muss in den freien Raum hinter Hack kommen.

Daher diese gelaufene „Bogenlampe“, die alle drei Anforderungen ermöglicht. Diese Laufwege von Borré sind in jedem Spiel häufig zu beobachten. Sie sind eine seiner größten Stärken und ein wichtiges Element des SGE-Angriffsspiels geworden. Später noch ein weiteres Beispiel.

Das Tor ist eine Mischung aus schnellem Auffassungsvermögen von allen beteiligten SGE-Spielern, individueller Skills (Antiziptaion Hasebe, Passtechnik Rode, Laufweg von Borré, enorme Schnelligkeit Lindström), einem von Trainer Glasner und seinen Analysten sehr wahrscheinlich erkannten systematischen Einfallstor der Mainzer (weites Herausrücken von Hack und dadurch freier Raum in der Zentrale hinter ihm) und einem krassen individuellen Fehler von Niakhaté (nach dem Ball Grätschen statt Tempo Aufnehmen).

Die zweite Halbzeit (Re-Live)

In den ersten Minuten gibt es einige Änderungen zu beobachten. Zunächst kommt bei den Mainzern Boetius für Barreiro, das Mainzer Dreiermittelfeld bleibt bestehen, Lee wechselt nach rechts, Boetius übernimmt links. An der Statik des Mainzer Spiels ändert sich zunächst nichts Entscheidendes, gut zu sehen aber, dass sie ihr Pressing jetzt aggressiver und etwas höher ansetzen.

Die SGE hingegen presst nicht mehr durchgehend hoch, konzentriert sich auf Pressingfallen außen und auf Konter. Das ist natürlich mit einer Offensivbesetzung mit Kostic, Borré und Lindström eine ziemlich gute Idee, insbesondere da die Mainzer Deckung mit den Antritts- und Sprintstarken SGE-Spielern kaum mithalten kann.

Nach einem schwach geführten Zweikampf von Hasebe (wieder Stichwort kein IV) gegen Onisiwo haben die Mainzer in der 47. Minute einen ersten freien Abschluss rechts in der Box durch Burkardt, aber kein Problem für Trapp.

Das Pressing der Mainzer ist durchaus gelegentlich erfolgreich, etwa in der 51. Minute: Hinteregger mit schwacher Ballannahme wird von Boetius attackiert und bringt den Ball auf Onisiwu, N´Dicka muss vor Trapp retten/blocken. Schlechte Passentscheidung von Trapp, technischer Fehler Hinteregger, gut aufgepasst von N´Dicka (eintracht.tv ab 6:40).

In der 56. Minute kommt Hrustic für den nach wie vor nicht voll belastbaren Rode, ein positionsgetreuer Wechsel.

Für die positive Entwicklung der SGE gibt es neben den oben genannten Gründen einen weiteren Grund, der in fast allen Spielen der Vorrunde sichtbar war: Die SGE ist technisch stärker als fast alle Gegner. Und das hilft. Denn Ketten- und andere Defensivfehler, die dafür sorgen, dass Räume angeboten werden, können nur genutzt werden, wenn man die jeweiligen Situationen technisch sauber ausspielt.

Das Pressing der Mainzer und das der SGE ist in mancher Hinsicht ähnlich riskant und ambitioniert, die Räume wurden in dem Spiel von beiden Teams eng gehalten, nur konnte sich die SGE viel häufiger befreien und die Räume dahinter ansteuern, als die Mainzer. Vielleicht der entscheidende Schlüssel zur Überlegenheit der SGE. Ein Beispiel zur Veranschaulichung in der 57. Minute:

Hier recht gut zu sehen: Die SGE produziert hinten wieder Unordnung. N´Dicka steht knapp 5 (!) Meter hinter dem nächsten Kettenfragment, bestehend aus Hasebe und Chandler. Nochmal 4 Meter weiter vorne steht Hinteregger ohne jeden Kontakt zur Kette. Gut zu sehen, dass sich dadurch hinter Hasebe ein großer abseitsfreier Raum öffnet, den der schnelle Burkardt besetzt. Im Mittelkreis derweil, ebenfalls gut zu sehen: Der Ball landet bei Hack, Stach und Lee haben noch etwas Raum und gegen Sow und Kamada auch Überzahl.

Das ist ein springender Ball und nicht leicht zu verarbeiten, trotzdem schaffen es die Mainzer, ihn Stach auf den Fuß zu bringen, der dann sofort den Flugball in die Spitze spielen müsste.

Hier einige Sekunden später, der Moment in dem Stach eigentlich den Ball in die Spitze spielen müsste. Links am Bildrand gut zu sehen, dass die SGE-Kette immer noch keine einheitliche Höhe hat, Hinteregger immer noch keinen Zugriff auf Burkardt hat und die abseitsfreie Zone daher auch immer noch besteht. Das wäre auf ein Sprintduell Burkardt-Hasebe hinausgelaufen, wenn da ein vernünftiger Ball gespielt worden wäre. Stattdessen spielt Stach einen katastrophalen 3-Meter-Pass Richtung Boetius, den Sow sich abholt und den Konter einleiten kann.

Es ließen sich viele ähnlicher Szenen zeigen, in denen sich die Mainzer in diesen engen Situationen nicht gut zurechtfinden und sie nicht auflösen können. Hier gibt es ja nur zwei Erklärungsmöglichkeiten für das Verhalten von Stach. Entweder er hat diese ja nicht sehr komplizierte Situation überhaupt nicht erfasst (obwohl Burkardt kurz zuvor noch gewunken und den Ball gefordert hat), oder er traut sich den Pass nicht zu. Beides wäre ein echtes Qualitätsproblem und da zeigen sich doch schon größere Unterschiede zwischen Spielern wie dem jungen Stach und etwa den Frankfurter Sechsern Sow und Rode. Und natürlich macht das abseits aller Systeme und Taktik einen enormen Unterschied.

Sow machte mit dem gewonnen Ball dann übrigens das hier:

Sow spielt den Ball präzise durch zwei Mainzer auf Borré. Der lässt dann auf Kostic durch.

Aus dieser Situation entwickelt sich einer der interessantesten Abschlüsse der SGE in der 2. HZ. Lindström startet auf den kurzen Pfosten und Kostic knallt ihn mit dem 3. Kontakt vor Lindströms Füße, Zentner hat viel Glück, dass Lindström die Hereingabe um Zentimeter verpasst. Die gesamte Szene ist wirklich sehr interessant und zeigt recht anschaulich den Unterschied zwischen den beiden Teams. (eintracht.tv ab 13:08).

Noch ein Blick in die 61. Minute auf die größte Chance der 2. HZ, den Lattentreffer von Hrustic. Vorausgegangen ist ein langer Flugball über die Pressingzone der Mainzer, der aber bei Niakathé landet. Dann gleiches Prinzip wie im gesamten Spiel: Die SGE nutzt die technisch-spielerische Schwäche des Gegners.

Hier der Moment, in dem Hack nicht, wie von Niakhaté angezeigt, den Pass zum freien TW spielt, sondern einen Pass auf Niakhaté und damit direkt in die Pressingfalle der SGE.

Lindström attackiert den Ball sofort und Niakhaté kann ihn nur noch Chandler in den Fuß legen. Chandler spielt den Ball mit dem ersten Kontakt in die Spitze auf Borré, der behauptet ihn kurz und legt ihn dann auf Hrustic, der aus knapp 30 Metern Torentfernung mit seinem extrem präzisen linken Fuß den Ball an die Latte schießt. (eintracht.tv ab 16:35)

In der 67. Minute noch ein Blick auf die große spielerische Stärke der SGE und die Möglichkeiten, die aus der Struktur mit vielen Offensiven entspringen. Ein Element des Aufbauspiels der SGE ist das „Spiel aus der Spitze„. Dabei haben die Spieler ihre Grundposition in der Spitze und machen ihre Freilaufbewegungen von dort, meist ins Mittelfeld hinein. Das ist in der Theorie auch alles ziemlich klar, aber in dieser Szene sieht man sehr gut, wie zwei überragende Fußballer, in diesem Fall Hasebe und Lindström mit einem Pass und einer starken Bewegung eine ganze Bundesligamannschaft ausspielen können. Es ist eine der stärksten Aktionen der gesamten SGE-Vorrunde, man möge sich das bitte vor allem im Bewegtbild (eintracht.tv ab 23:08) noch einmal ansehen, im Standbild ist es schwer zu zeigen. (Auch in den Highlights oben wird die Szene gezeigt). Ausgangspunkt ist ein Freistoß für die SGE in der eigenen Hälfte. Alle Mainzer sind hinter dem Ball. Doch dann…

Man sieht, dass Lindström mit seinem etwas längeren Antritt seinen Gegner schon wieder abgeschüttelt hat und dass Hasebe mit einem seiner extrem präzisen Pässe durch den kompletten Mainzer Pressing-Block vier Gegner aus dem Spiel nimmt.

Lindström nimmt dann mit einer überragenden Abkapp-Bewegung und einem Antritt/Tempodribbling auf engstem Raum weitere drei Mainzer aus dem Spiel und wenn hier ja bereits frühzeitig darauf hingewiesen wurde, dass Lindström eines der größten Talente der SGE seit Jahren ist, so kann man das angesichts solcher Aktionen inzwischen gut und gerne auf die ganze Liga ausdehnen. Was er jedenfalls in dieser Szene mit Niakhaté, Stöger und Stach veranstaltet, machen in der Bundesliga nicht viele.

Gut zu sehen dass Lindström (mit den drei genarrten Niakathé, Stöger und Stach im Gepäck) und Borré nun 2 gg. 1 gegen Tauer stehen. Lindström passt dann auf Borré, der blank vor Zentner nur noch einschießen muss, doch Zentner hält mit einer starken Parade.

Schachmatt in zwei Zügen, bzw. hier von 11 gg. 11 zu 2 gg. 1 in der Endzone. Borré vergibt die Riesenchance dann gegen Zentner mit einem schwachen Abschluss, aber das ist extrem stark gespielt.

Klar sind das hier erst einmal Einzelleistungen. Der Weltklassepass von Hasebe, die überragende Aktion von Lindström, aber auch wieder das Raumverhalten von Borré, der sich dem Deckungsschatten von Tauer entzieht und so den Pass zum Tor erst möglich macht – aber diese Aktionen sind auch mannschaftlich durchaus geplant und werden gezielt durchgeführt.

Glasner hat der Mannschaft mit der personell starken Besetzung des vorderen Drittels (zusätzlich zu den Offensiven fast immer beide Außenbahnen plus mindestens einen nachrückenden Sechser) eine Struktur gegeben, in der sie ihre schnellen Angriffsimprovisationen durchführen kann. Bis ins Detail und bis in den letzten Pass können solche Angriffe natürlich nicht einstudiert werden, aber in dieser Szene kennen alle Beteiligten ihre (abgesprochenen, systematischen) Optionen und treffen in Sekundenbruchteilen die situativen Entscheidungen.

In den verbleibenden rund 25 Minuten versuchen die Mainzer naturgemäß alles, stellen um, attackieren früher, allein die engen Räume, die ihnen die Frankfurter lassen, sind für die begrenzten technischen Möglichkeiten der Mainzer zu eng. Sie schaffen es weder über Aufbauspiel, noch über Pressingballgewinne, noch über Einzelaktionen sich irgendwo (strukturell) entscheidend durchzusetzen. Entsprechend springen bis auf einen Fernschuss von Stach (80. Minute) und einen freien Abschluss von Aaron in der 90. Minute nach dem besten Angriff der Mainzer über die linke Frankfurter Abwehrseite (Kostic nicht im Kettenverbund) keine interessanten Abschlüsse mehr für die Gäste heraus.

Fazit

Die SGE war vielleicht zum ersten Mal in der Saison in praktisch allen Spielphasen dem Gegner überlegen, das Ergebnis mit 1:0 ist schmeichelhaft für die Mainzer.

Die Entwicklung der SGE in den letzten Wochen ist zwar nicht sehr überraschend, sie ließ sich von den ersten Spielen bis heute recht gut nachvollziehen und in Teilen auch absehen. Überraschend hingegen war, dass die Mainzer mit wenigen Ausnahmen überhaupt nicht in der Lage waren, die Schwächen der SGE irgendwie zu nutzen.

Das hatte verschiedene Gründe, unter anderem den, dass es der SGE besser als zuletzt gelang, Fehler zu vermeiden. So spielte Hasebe mit zwei kleinen Ausnahmen auch seinen defensiven Part diesmal weitgehend fehlerlos. Kostic arbeitete wieder etwas besser nach hinten, so dass es für die Mainzer nicht sehr viele Möglichkeiten über die linke Abwehrseite der SGE gab. Trotzdem brauchte die SGE Rodes Passgrätsche (siehe oben) und Hasebes abgefangenen Pass vor dem eigenen 1:0, um nicht zwei Großchancen der Mainzer zuzulassen.

Außerdem schafften sie es im Mannschaftsverbund erneut, praktisch über die gesamte Spielzeit und auf dem ganzen Platz dem Gegner nur wenige Spielmöglichkeiten zu lassen und ihn gleichzeitig in Pressingzonen zu lenken, alles oben im Text gezeigt.

Ein weiterer Grund ist die extreme Gefährlichkeit der SGE-Offensive, gegen die die Mainzer nie Gleich- oder Unterzahlsituationen im hinteren Drittel riskieren durften. Man hätte noch gut zeigen können, dass sie darauf teilweise mit ziemlich tiefen Absicherungen reagierten, was aber hier etwas den Rahmen sprengen würde. Vieles spricht dafür, dass sie großen Respekt vor den schnellen SGE-Stürmern hatten und deswegen auch in der Schlussphase nie komplett aufmachen konnten.

Die Mainzer waren der SGE heillos unterlegen, ähnlich wie schon Union Berlin zuvor und über weite Strecken des damaligen Spieles auch Leverkusen.

In dieser Verfassung dürfte die SGE in der Bundesliga nur schwer zu stoppen sein.

Entscheidend wird sein, wie Glasner und das Team in der Winterpause die beiden größten Probleme des eigenen Spiels, die zu häufigen Kettenfehler / Kettenbesetzung (Hasebe kein IV) und die weiter bestehende defensive Unwucht mit zu vielen Freiräumen hinter dem dauerstürmenden Kostic in den Griff bekommen.

Einschätzungen und Prognosen von außen sind eher schwierig, da ja die internen Abläufe im Spiel auch hier immer nur nachvollzogen werden können. Daher sollte man sich damit auch zurückhalten. Coach Glasner hat diese Baustellen jedenfalls als solche erkannt und die Arbeit daran als ein zentrales Thema für die Rückrundenvorbereitung auf Pressekonferenzen mehrfach benannt. Man darf gespannt sein.

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Borussia Mönchengladbach – SGE 2:3 (1:1)

Auch das Duell mit Ex-Trainer Hütter konnte die Eintracht gewinnen. Hütter sprach nach dem Spiel von einer unverdienten Niederlage, auch viele statistische Werte sprachen gegen die SGE. Aber war der Sieg unverdient? Ein analytischer Blick auf das Spiel.

Die Aufstellung

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch erstellten Noten.

In der Realaufstellung ist gut zu sehen, dass Da Costa etwas offensiver agierte als gegen Leverkusen. Die rote 17 ist der früh eingewechselte Rode.

Die Noten in Klammern sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Alle hier gezeigten Statistiken sind öffentlich zugänglich und zitiert nach bundesliga.de, sofascore.com und kicker.de.

Die Highlights

Quelle: Youtube.com

Die erste Halbzeit (Re-Live)

In der Anfangsphase ist gut zu erkennen, dass die Gladbacher sich von dem SGE-Pressing kaum nervös machen ließen, was auch daran lag, dass die SGE die Pressingsituationen nicht sehr konsequent durchzog.

Das 1:0 der Gladbacher in der 6. Minute ist dann auch ein starker Spielzug über die hintere Reihe. Der Ball wird über Bensebaini und Netz auf Koné links gespielt.

Das ist die Ausgangssituation. Die SGE steht hier noch gut, hat überall Zugriff. Oben sieht man den entscheidenden Zweikampf Jakic gegen Koné. Jakic führt den ganz schlecht, läuft den dribbelstarken Koné zu schnell an, rutscht auch noch etwas aus und ist damit aus dem Zweikampf. Koné löst das stark mit einem Tempodribbling in den Raum zwischen Da Costa und Sow, während Netz den Sprint in die Spitze anzieht. Da Costa erkennt die Situation und zieht den Sprint mit an.
Da Costa macht zunächst alles richtig und zieht den Sprint mit an, versucht dann aber mit einem langen Schritt den Pass von Koné zu erreichen, wie man hier im Standbild sieht.

Der lange Schritt bringt Da Costa aus dem Sprintrhythmus, Netz hat freie Bahn und kann dann mit dem nächsten Kontakt auch flanken. In den Bewegtbildern sieht man es noch viel besser (eintracht.tv ab 10:29).

Hier die Situation bei der Flanke. Die SGE-Kette steht weit auseinander, Tuta hat überhaupt keinen Kontakt mehr zu der Abwehrkette, beide Sechser sind vollkommen aus dem Spiel. Die Flanke von Netz kommt dann auf Scally, der den Ball auf den mitlaufenden Neuhaus in den verwaisten Rückraum zurücklegt.

Neuhaus schießt den Ball dann recht unbedrängt ins Tor der SGE. Das ist wieder einmal ein Beispiel für das nach wie vor noch zu oft chaotische Defensivverhalten der Mannschaft. Hier stimmt im Grunde nichts. Tuta ist zu weit vorne, Da Costa nimmt sich selbst aus dem Spiel, in der Zentrale gibt es praktisch keine Absprachen, natürlich hätte N´Dicka hier auf den Rückpass auf Neuhaus spekulieren und herausrücken können. Auch die Abstände zwischen Kette und beiden 6ern ist viel zu groß und über das erbarmungswürdige Kopfballzweikampfverhalten von Kostic gegen Scally legen wir lieber den Mantel des Schweigens. Auch Hinteregger rückt viel zu weit nach außen, die Flanke von Netz kann er nie im Leben verhindern und damit zieht er N´Dicka ein Stück mit nach rechts. Er hätte die Unterstützung für da Costa Tuta (der als rechter IV dafür auch zuständig ist) überlassen müssen. Netz konnte den Ball nur mit dem ersten Kontakt flanken, sonst wäre er von Da Costa wieder in den Zweikampf verwickelt worden. Hinteregger macht hier also einen Stellungsfehler, der ihm als gelerntem IV nicht passieren sollte. Das war aber nicht entscheidend, sondern in erster Linie das mangelhafte Verhalten von Jakic, das lange Bein von Da Costa, der Stellungsfehler von Tuta und das inexistente Kopfballzweikampfverhalten von Kostic.

Allerdings war das von Gladbach auch wirklich gut und mit viel Präzision herausgespielt.

In der 9. Minute und 14. Minute hat die SGE ihre ersten guten Angriffe, einmal nach einem Konter nach Ballgewinn Kamada in der eigenen Hälfte und einmal nach einem Aufbau-Flugball von Trapp und aggressivem Attackieren des 2. Balles durch Da Costa, Borré und Lindström, und jeweils Flügellauf Kostic links. Beide Hereingaben sind zu ungenau, Lindström kann sie jeweils nicht verwerten. (eintracht.tv ab 13:06 und 18:02)

In den ersten 20 Minuten ist deutlich zu sehen, dass die Gladbacher es immer wieder mit eigenem Aufbau- und Positionsspiel versuchen, trotz ihrer misslichen Lage also recht ambitioniert Fußball spielen. Das führt zwar auch zu einigen Fehlpässen und Ballverlusten, aber auch zu sehr guten Szenen, während die Eintracht von der großen Ballsicherheit des Gegners etwas überrascht wirkt. Hütter sprach nach dem Spiel davon, seine Mannschaft hätte in der ersten Halbzeit 2:0 führen müssen, dabei dürfte er vor allem zwei Szenen mit Trapp-Paraden im Kopf gehabt haben, eine davon in der 17. Minute, die allerdings abseits war und eine in der 25. Minute, als Plea aus recht spitzem Winkel rechts frei aufs Tor schießen kann, Trapp aber pariert.

Vorausgegangen war einer der SGE-üblichen Ketten- und Abstimmungsfehler.

Hier sieht man wieder das Ketten-Chaos. Die 5 Kettenspieler stehen weder in der Breite noch Höhe irgendwie gestaffelt, Hinteregger bekämpft im Mittelfeld Embolo, N´Dicka läuft allein nach hinten, Kostic trabt unmotiviert nach hinten und kommt dann erneut zu spät. Dass eine 5er-Verteidigungskette wie hier wirklich auf 5 verschiedenen Höhen steht und keinerlei Breitenstaffelung mehr hat, ist erstaunlich.

Viel Glück also für die SGE hier, dass Plea den Ball dann nicht Richtung lange Ecke bringen kann, sondern auf Trapp schießt, der zur Ecke lenkt. Diese krassen Kettenfehler müssen abgestellt werden, wenn die SGE in dieser Saison wieder um die Champions League – Plätze mitspielen will.

In der 28. Minute kommt Rode für den verletzten Jakic, ein positionsgetreuer Wechsel, Rode übernimmt die 6er-Position von Jakic.

Das Spiel bleibt recht ausgeglichen, auch die SGE hat regelmäßig, vor allem über Kostic gefährliche Situationen und man ahnt hier schon das Problem der Gladbacher, die mit großem Aufwand immer in Ballbesitz zu bleiben versuchen, ihre Passstärke und technischen Vorteile zu nutzen versuchen, aber selten zu guten Abschlüssen kommen. Die SGE spielt bis zum Halbzeitpfiff etwas zielstrebiger, allerdings auch einfacher und man sieht hier schon in einigen Szenen, dass die Gastgeber große Probleme mit den schnellen, wendigen SGE-Angreifern Kostic, Kamada, Borré und Lindström haben, insbesondere Kamada und Kostic bekommen sie kaum unter Kontrolle.

In der 39. Minute bekommt Tuta die Gelbe Karte, weil er mal wieder seinen Gegenspieler frontal umrennt. In den vergangenen Spielanalysen hier wurde schon mehrfach auf diesen Fehler hingewiesen, der Tuta regelmäßig unterläuft. Er muss versuchen, das Tempo des Gegenspielers seitlich aufzunehmen, statt einfach frontal auf ihn draufzurennen. (eintracht.tv ab 43:29) Mit seinen viel zu häufigen Stellungs- und Anlauffehlern wird Tuta inzwischen zu einem Sicherheitsrisiko. Solche Sachen können im Training eigentlich ganz gut bearbeitet werden, etwas rätselhaft, dass das fortwährend nicht geschieht.

In der 45. Minute erzielt Borré das 1:1 nach einem Ballgewinn und Konter im Angriffsdrittel nach einer Angriffspressingaktion. Vorausgegangen war ein Aufbauspiel der Gladbacher über Sommer und Zakaria, allerdings ging hier ein krasser Abstimmungsfehler der Gladbacher voraus.

Hier gut zu sehen, dass die Gladbacher erstens keine Positionsspiel-Formation eingenommen haben, dafür müsste sich Ginter breit rechts hinten anbieten. Außerdem sieht man hier, dass gleich zwei Gladbacher, Ginter und Neuhaus, per Winken Sommer das Zeichen geben, den Ball lang zu spielen. Das macht Sommer aber nicht, sondern versucht es mit einem flachen Pass links heraus auf Zakaria. Man sieht hier auch schon, dass das ein riskanter Pass ist, da die SGE hier gut eine Pressingfalle bauen kann.
Hier die Pressing-Falle der SGE. Entscheidend ist der Move von Borré, der den Passweg auf Benes unmöglich macht und daher Zakaria ins Dribbling zwingt, das Borré dann selbst attackiert.

Zakaria legt sich den Ball zu weit vor, Sow holt ihn sich ab, spielt auf Rode, der auf Lindström rechts und Lindström schafft es mit eine tollen Einzelaktion vorbei an Bensebaini, spielt den Ball in die Zentrale auf Borré, der nur noch einschieben muss.

Hier der Moment des Abspiels und es ist gut zu sehen, dass Ginter hier das Abseits aufhebt, weil er nicht die Kettenhöhe hält. A und O des Kettenspiels ist das Halten der Höhe. Wie man hier sieht, geht sonst der No-Abseitsraum auf und Borré muss nur noch einschieben.

Das Spiel war in der ersten Halbzeit ziemlich ausgeglichen, das 1:1 ein recht angemessenes Ergebnis. Wie Hütter in der PK nach dem Spiel zu der Einschätzung kam, seine Mannschaft hätte nach der ersten Halbzeit 2:0 führen müssen, bleibt sein Geheimnis. Die Gladbacher spielten nicht schlecht, sehr ambitioniert und mit Risiko, hatten aber kaum gefährliche Abschlüsse und bei mindestens zwei Angriffen über Kostic auch etwas Glück. Das 1:0 der Gladbacher wurde ebenso von einem Kettenfehler begünstigt wie der 1:1-Ausgleich der SGE.

Die zweite Halbzeit (Re-Live)

Bereits in der 50. Minute erzielt die SGE die 1:2-Führung und dabei wurden die Gladbacher klassisch ausgespielt. Vorausgegangen war ein langer Ballbesitz und Seitenverlagerung über Positionsspiel der SGE. Ausgangspunkt war ein Einwurf rechts von Da Costa, es folgte eine Spielverlagerung und dann der Tiefenangriff über links.

Hier der komplette Angriffsvortrag der SGE. Mit sieben Pässen ohne dass ein Gladbacher dazwischenkam zum Tor. Entscheidend war das Tempodribbling von N´Dicka und die überragende Finte von Kamada gegen Koné nach Pass 5 (eintracht.tv ab 4:53) und der dann auch perfekte Pass auf N´Dicka. Allerdings sieht die Kettenverteidigung der Gladbacher dabei auch nicht sehr gut aus.

Hier gut zu sehen der viel zu große Abstand zwischen Innen- und Außenverteidiger. Was Ginter in dem Halbraum abseits seiner Position in der Kette verloren hat, ist ebenfalls völlig unklar. Das sieht aber schon stark nach den Versuchen aus, mit riesigen Abständen und viel zu weitem Herausrücken aus der der Kette das eigene Tor zu verteidigen, die man in Frankfurt aus der vergangenen Saison bestens kennt. Ein Chaos, das auch Glasner noch nicht ganz aufräumen konnte, siehe oben. Die SGE nutzt den riesigen Freiraum, der sich zwischen Scally, Ginter und Zakaria auftut, eiskalt, solche Situationen lässt sich Kamada natürlich nicht entgehen.

N´Dicka ersprintet den Ball kurz vor der Grundlinie und spielt direkt in den Rückraum, (den die Gladbacher dann auch noch völlig vergessen) wo Lindström mit seiner starken Technik keine Probleme hat, den Ball ins Tor zu schießen.

Beim Elfmeter in der 52. Minute, der zum 2:2 führt, liegt erneut ein starker Angriff der Gladbacher einerseits vor, andererseits erneut eine schlechte Rückraumsicherung der SGE. Die Gladbacher starten den Angriff rechts, können von der SGE nicht gestoppt werden und spielen dann im vorderen Drittel eine Spielverlagerung nach links, also Richtung Netz auf Linksaußen.

Hier die entscheidende Situation. Netz spielt einen Rückpass auf Koné und hier sieht man, dass die SGE eigentlich noch recht gut steht. Tuta und N´Dicka haben eine Höhe, Sow könnte sich in die Zentrale orientieren, Hinteregger den Zweikampf mit Koné aufnehmen und Da Costa mit zwei schnellen Schritten wieder auf die Innenbahn kommen.

Stattdessen versucht aber Lindström von hinten/außen in den Zweikampf mit Koné zu kommen, Hinteregger macht nur ein paar Schritte in den 16er und Da Costa bleibt auf der Außenbahn stehen. Erst als Koné schon in den 16er gedribbelt ist, greift Da Costa ihn von außen aus an, obwohl Tuta Koné schon vom Tor weg gelenkt hatte. Drei kleine Abstimmungsfehler und das Desaster ist perfekt. Koné nimmt Da Costas Einladung dann auch dankend an. Dieses Gegentor wäre noch leichter zu verhindern gewesen als das erste und ist ziemlich glücklich für Gladbach, die Situation war ja im Grunde verteidigt.

Da Costa macht seinen Fehler hier aber umgehend wieder gut, indem er in der 55. Minute den entscheidenden Ballgewinn hat, der dann zum Tor führt. Da Costa ist in der Situation sehr aufmerksam und energisch und holt sich eine Kopfballverlängerung vor Netz. Der Ball landet dann bei Hinteregger.

Das ist der Ablauf zum Tor. Hinteregger passt auf den vollkommen freien Kamada, der dann Doppelpass mit Borré spielt und allein auf das Gladbacher Tor zulaufen und einschießen kann. Das ist eine tolle Aktion von Kamada und Borré, aber mit Kettenspiel hat das Gladbacher Abwehrverhalten nicht viel zu tun. Zakaria bildet mit Bensebaini und Ginter gewissermaßen ein No-Abseits- und No-Zugriff-Dreieick, der Traum jedes Stürmers, weshalb Borré in aller Ruhe den Pass auf Kamada durchstecken kann. Zakaria steht zwei Meter hinter der Abseitslinie und er und Ginter haben überhaupt keine Bindung, viel zu große Abstände und machen den Raum freiwillig auf.

Es ist hier ein ähnliches Problem wie bei der SGE mit Hasebe: Zakaria ist kein Innenverteidiger, sondern 6er und solche krassen Stellungsfehler passieren einem gelernten IV normalerweise nicht. Hütter löste genau mit solchen Maßnahmen und ausbleibenden Verbesserungen der defensiven Arbeit schon bei der SGE eine Gegentorflut aus und so ist es jetzt bei den Gladbachern wieder. Trotzdem natürlich eine sehr schöne Schnellkombination über Hinteregger, Kamada und Borré nach Ballgewinn Da Costa.

Nach dem 2:3 verlieren die Gladbacher etwas die Linie, versuchen es mit langen Bällen und machen viele Fehler. Die SGE ist nun mit dem Pressing wieder konsequenter und setzt die Gastgeber stark unter Druck. In dieser Phase hätte die Eintracht das Spiel gut und gerne entscheiden können, Abschlüsse gab es genug:

58. Minute Lindström aus 20 Metern nach Konter und Zuspiel von Rode knapp am Tor vorbei

Nochmal 58. Minute: Riesenchance von Lindström nach Pressingballgewinn Rode und starker Vorarbeit Kostic aus knapp 12 Metern an den Außenpfosten.

60. Minute Riesenchance für Lindström nach abgefangenem Abschlag von Sommer und Schnellangriff erst über Kostic links und dann über Sow, Da Costa und Rode rechts. Zakaria blockt Lindströms Schuss kurz vor dem Tor.

In der 67. Minute foult der bereits mit gelb verwarnte Tuta Embolo grenzwertig. Er steht nun kurz vor der gelb-roten Karte, doch Trainer Glasner reagiert nicht – warum auch immer.

In der 70. Minute ist es dann soweit: Tuta wird nach einem Foul an Thuram mit Gelb-Rot zum Duschen geschickt.

In der 73. Minute kommt Hasebe für Borré, damit ist die Dreierkette komplettiert, Hasebe spielt zentral, N´Dicka links und Hinteregger rechts.

Hier eine Szene aus der 75. Minute, Ballbesitz Gladbach links offensiv. Gut zu sehen die 5er-Kette hinten, 3 davor und Lindström als einziger Konterstürmer.

In der letzten Viertelstunde schnürt die Borussia die SGE hinten ein, allerdings ohne die ganz großen Torchancen zu erspielen. Dennoch musste Trapp in der 81. Minute gegen Ginter nach Flanke von links, in der 89. Minute gegen Fernschuss Ginter und in der 93. Minute gegen Herrmanns Volleyschuss aus 11 Metern jeweils mit starken Paraden klären.

In der 83. Minute kommen Lenz für Sow und Barkok für Lindström. Kostic geht in die vordere Reihe für Lindström, Lenz übernimmt die linke Verteidigerseite von Kostic und Barkok geht auf die Position von Sow.

In der 93. Minute übersieht Schiedsrichter Petersen eine klare Tätlichkeit von Plea gegen Lenz, der diesen am Boden liegend in die Seite tritt.

Das Fazit

Entgegen der Einschätzung von Borussen-Trainer Hütter war das 2:3 nicht unverdient, die SGE war etwas zielstrebiger, die Gladbacher waren in der letzten Reihe noch ungeordneter als die SGE. Alle drei Treffer der Eintracht waren gut herausgespielt, während Gladbach einen Elfmeter brauchte, dessen Zustandekommen etwas glücklich für die Gladbacher war.

Viele der Trends der letzten Wochen bestätigen und verfestigen sich, das Pressing als starke Waffe, ebenso wie die enorme individuelle Klasse der vier Offensiven Kamada, Kostic, Lindström und Borré und ihr immer besseres Zusammenspiel. Eine solch spiel- und sprintstarke Offensive wird jedem Gegner Probleme bereiten. Die sich findende Offensive ist, wie hier von Saisonbeginn gezeigt, eine seit Monaten sich abzeichnende Entwicklung und keineswegs sehr überraschend.

Weiterhin problematisch sind die immer noch zu häufigen Kettenfehler hinten und insbesondere das Zweikampfverhalten und die zu häufigen Stellungsfehler von Tuta, vor allem das falsche Eintreten in Sprintzweikämpfe.

Letztes zum Thema Lindström. Noch am 19.10. war in der Frankfurter Rundschau zu lesen: „Generell gilt: Die Mannschaft ist im Vergleich zur Vorsaison lange nicht so leistungsstark, obwohl in André Silva und Amin Younes nur zwei Leistungsträger den Verein verlassen haben. Doch drei der sechs Zugänge bleiben den Beweis schuldig, die Mannschaft auch nur annähernd auf ein ähnliches Level heben zu können. Nie wurde es deutlicher als gegen Hertha BSC, als Glasner auf die Schnapsidee kam, seine Offensive mit Jesper Lindström, Jens Petter Hauge und Sam Lammers zu besetzen. Alle drei sind in dieser Verfassung auf diesem Niveau nicht konkurrenzfähig. Auch die übrigen Neuen sind bisher eher Mitläufer: Christopher Lenz ist seit Wochen verletzt, Kristijan Jakic ein großer Kämpfer, aber ohne große Linie und Rafael Borré halt nur 1,74 Meter klein und körperlich unterlegen.“

Beinahe alles an diesem Kommentar war und ist Nonsens und zeugt von ziemlich großem Unverständnis der Abläufe und Anforderungen eines Profifussballspiels. Und weil das so ist, müssen jetzt irgendwelche Narrative von wegen „Leistungsexplosion“ bei Lindström und ähnliches erfunden werden, um nicht ganz blamiert dazustehen. Man sollte darauf nicht hereinfallen, die Entwicklung des Spielers war vom ersten Tag bei der SGE gut abzusehen, das war auch nicht sehr schwer. Es wäre wirklich wünschenswert, dass auch das mediale Umfeld die Spieler fair und auf Basis von genauen Beobachtungen und mit Expertise bewerten würde, statt möglichst fest auf den Busch zu klopfen, weil das vielleicht mehr Klicks bringt.

sgefussballanalyse kam übrigens bereits im Bericht zum Augsburg-Spiel zu dem Ergebnis: „… Aber auch die komplette Offensive mit Lindström, Hauge, Hrustic, Kamada und den sehr starken Kostic und Borré hat unübersehbar ein gutes Spiel gemacht.“ Und am 27.10. zum Antwerpen-Spiel: „Wie schon gegen Köln machte Lindström ein starkes Spiel nach seiner Einwechslung und entschied das Spiel im Alleingang für die SGE. Es ist nach der kurzen Zeit schon zu erkennen, dass Lindström eines der größten SGE-Talente seit Jahren ist.“

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SGE – Bayer Leverkusen 5:2 (2:2)

Gegen die hoch gehandelten und starken Leverkusener brachte die SGE zum ersten Mal in der Saison ihre (individuelle) Klasse umfänglich und nachhaltig auf den Platz. Ein analytischer Blick auf die sieben Tore und den Einfluss von Trainer Glasner.

Die Aufstellung

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und Noten. Die algorithmisch erstellten Noten zeigen etwas zu schwache Bewertungen für Kamada, der ein recht gutes Spiel machte, Da Costa, der ebenfalls gut spielte und vor allem Hinteregger. Dazu mehr unten.

In der Realaufstellung ist gut zu sehen, dass die SGE erneut zu einem 4-2-4 tendiert, diese Ordnung ergibt sich inzwischen in fast allen Spielen mehr oder minder deutlich.

Die Noten in Klammern sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Daten sind zitiert nach kicker.de und sofascore.com
Die Daten sind zitiert nach bundesliga.com und sofascore.com.
Die Daten sind öffentlich zugänglich und zitiert nach bundesliga.com.

Die Highlights

Quelle: Youtube.com

Die erste Halbzeit (Re-Live)

Die beiden zentralen Problemfelder des bisherigen SGE-Spiels ging Glasner diesmal aufstellungsseitig an. Mit Hinteregger spielte ein gelernter Innenverteidiger auf der zentralen Position in der 4er-Kette, mit Da Costa ein im Vergleich zu Chandler defensiv disziplinierterer und auch etwas zweikampfstärkerer Spieler.

Vom Anpfiff an war deutlich zu sehen, dass die SGE auch gegen den technisch starken Gegner wieder auf ihr inzwischen zuverlässig starkes und konsequentes Pressing setzte. Auch die Leverkusener hatten damit von Anfang an Probleme. Das Führungstor der Leverkusener in der 5. Minute entstand nach einem Pressingballgewinn der SGE im linken vorderen Angriffsdrittel und einer schwachen Flanke von Kostic. Hradecky konnte den Ball leicht abfangen und den Gegenangriff einleiten.

Hier der von Hradecky auf Tapsoba geworfene Ball. Tapsoba leitet den Angriff nicht einmal besonders aggressiv ein, wundert sich fast über den großen Freiraum vor ihm, spielt dann aber einen guten ersten offensiven Ball in die zentrale auf Schick. Hier auch gut zu sehen, dass der komplette Pressing- und Offensivblock der SGE aufgerückt und damit aus dem Spiel ist.

Diaby dribbelt kurz Richtung Innenverteidigung der SGE an.

Daraus ergibt sich diese Situation. Wirtz sprintet aus der Zentrale leicht nach außen in die Spitze und bekommt den Ball von Diaby in den Lauf gespielt. Jakic hat aber N´Dicka nach hinten gesichert und startet gegen Wirtz in den Zweikampf.

Diese Situation ist eigentlich noch gut zu verteidigen und das Tor fällt dann auch etwas unglücklich. Auch wenn es merkwürdig klingt: In dieser Szene kann man sehr gut den Unterschied zwischen einem gelernten Innenverteidiger und einem nicht gelernten Innenverteidiger beobachten (eintracht.tv ab 7:40): Hinteregger hat immer den Rückraum im Blick (Schulterblick), schaut sich mehrmals um, läuft nicht in den Fünfmeterraum Richtung Grundlinie, sondern sichert richtig den Rückraum. Auch Jakic macht eigentlich alles richtig, läuft Wirtz nicht zu schnell an. Letzterer spielt dann den Ball mit der Hacke in den Rückraum.

Die Situation ist etwas unglücklich, denn Hinteregger hat den Rückraum eigentlich so gesichert, dass Andrich nicht zum Abschluss kommen kann. Der Ball landet mit etwas Glück für die Leverkusener bei Schick, der ihn dann aus der Drehung ins Tor schießt. Gut zu sehen, dass Tuta nicht nur grundsätzlich zu tief steht, sondern auch nicht am Gegenspieler.

Tuta macht hier einen Stellungsfehler, von denen ihm noch zu viele unterlaufen. Die Entwicklung des jungen Spielers ist eigentlich sehr gut, aber diese Fehler, vor allem zu tiefes Stehen in Box-Situationen dürfen einem Innenverteidiger eigentlich nicht passieren, jedenfalls nicht so regelmäßig wie es bei Tuta noch der Fall ist. Hier kann und muss er den nächsten Schritt schaffen. Aber auch N´Dicka hätte mit etwas schnellerem Zurücklaufen den Passweg noch zustellen können.

Solche Gegentore können aber passieren, hier liegt kein systematisches Versagen der Kette vor, stattdessen sind zwei Spieler (N´Dicka und Tuta) mit kleineren individuellen Fehlern beteiligt.

Noch zum Thema Hinteregger. In den letzten Spielen war immer wieder zu sehen, dass Hasebe als Innenverteidiger Fehler macht, die gut damit zu erklären sind, dass er kein gelernter Innenverteidiger ist, ein klassisches Besispiel ist das Rückraum sichern. Hasebe vergisst das praktisch immer, Hinteregger deutlich seltener. Noch ein Beispiel aus der 47. Minute, wo man es noch deutlicher sieht:

Hier ist Diaby rechts gegen N´Dicka im Zweikampf. Er gewinnt das Duell auch, hat aber keine Anspielmöglichkeit, weil Hinteregger den Rückpassweg zustellt und Tuta den Passweg auf Adli. Die Kette arbeitet hier perfekt.
Und hier nochmal das 1:1 der Hoffenheimer im letzten Bundesligaspiel, eine sehr ähnliche Szene. Gut zu sehen, dass Hasebe zu tief steht und so weder den Rückpassweg zustellen kann, noch Zugriff auf Dabbur hat. Hinteregger oben macht es viel besser.

Die Leverkusener haben in der 13. Minute noch eine Halbchance nach einer Ecke (Kopfball von Tah), aber bereits in diesen ersten 20 Minuten zeichnet sich ab, dass das SGE-Pressing auch den Leverkusenern das Leben sehr schwer macht.

Hier eine Szene aus der 13. Minute und man sieht sehr gut, wie das Pressing funktioniert. Lindström hat zuvor Tapsoba von außen angelaufen, so dass diesem nur noch ein Rückpass auf Hradecky bleibt. Der wird dann mit einem 15 Meter-Sprint von Borré attackiert, während in der zweiten Reihe beide 6er (Andrich und Aranguiz) von Sow und Jakic mit Zugriff gedeckt sind und Kamada sich Richtung Tah orientiert. Hradecky bleibt keine Wahl als den Ball lang zu schlagen. Der landet dann im Seitenaus.

Das bis zur Entscheidung fast durchgängig zu spielen mit diesem Personalaufwand und in letzter Konsequenz bis auf den Torwart zu pressen, ist gegen einen Gegner wie Leverkusen fast schon frech und es ist eine taktische Augenweide, dabei zuzusehen. Alle drei vorderen Pressingspieler (Kamada, ganz besonders der sehr fleißige Borré, Lindström) haben inzwischen sichtlich Spaß daran, die jeweiligen Defensivspieler mit ihrer Schnelligkeit und Aggressivität in die Bredouille zu bringen bzw. zu unkontrollierten langen Bällen zu zwingen. Hier hat die Mannschaft unter Glasner mit Abstand den größten Schritt nach vorne gemacht und spielt das mit großer Überzeugung in dem Wissen, dass das eine extrem starke Waffe ist. Die Mannschaft wirkt auch körperlich so auf der Höhe, dass sie dieses laufaufwendige Spiel mehr oder minder problemlos über 90 Minuten spielen kann. (Allerdings wechselt Glasner auffällig oft die 6er nach Möglichkeit aus, was darauf zurückzuführen sein dürfte, dass das besonders auf diesen Positionen irgendwann doch an die Substanz geht.)

Das zweite Tor der Leverkusener in der 22. Minute ist ein Witz, analytisch völlig irrelevant. Ein geklärter Freistoß, bei dem der Ball Sow an die Hand springt. Für solche Situationen Elfmeter zu geben, ist Wahnsinn, Sow hatte den Zweikampf eigentlich gewonnen.

Der Spielverlauf zuvor hatte aber schon angedeutet, dass die SGE in diesem Spiel kaum ohne Torerfolg bleiben würde, und das 2:1 durch Tuta fällt auch schon in der 23. Minute nach einer Ecke. Der Standard selbst ist nicht so sehr interessant, dafür aber die Entstehung der Ecke. Voraus ging nämlich ein Freistoß ganz links, den Kostic mit einem langen Verlagerungspass auf Da Costa ausführt. Da Costa und Sow spielen dann mit einem einfachen Lauf-Pass-Spiel drei Leverkusener aus. (eintracht.tv ab 35:25) Und es lohnt sich, das im Re-Live anzuschauen, weil es von allen drei Beteiligten extrem stark und clever ausgespielt ist und zeigt, welch großartige Fußballer alle drei sind.

Bei der Ecke selbst stehen die Leverkusener schlecht, konzentrieren sich auf den kurzen Pfosten, versuchen zu dritt an den Kopfball zu kommen, den dann aber Hinteregger auf Tuta verlängern kann. Der steht hinter 3 Leverkusenern völlig frei und muss nur einschieben.

Dem 2:2 in der 30. Minute geht ein missratenes Pressing der Gäste und eine vertikale Aufbaukombination über drei Stationen voraus.

Das ist der Pass von Hinteregger auf Borré. Gut zu sehen im Standbild, dass Aranguiz auf einen Pass auf Kamada spekuliert und deswegen Sow verlässt. Sow steht dann völlig frei und kann den kurzen Rückpass von Borré per „tödlichen“ Uwe-Bein-Gedächtnispass dem hier schon startenden Lindström in den Lauf spielen. Hier auch gut zu sehen, dass die SGE gleich mit drei Spielern (Kamada, Borré Lindström) zwischen den Linien offene Passwege sucht. Das führt letztlich dazu, dass Aranguiz spekulieren muss und Sow verlässt. Der Pressing-Fehler der Leverkusener ist also durchaus erzwungen.

Auch dieses Aufbauelement, Passwege zwischen die Linien zu suchen, funktioniert inzwischen sehr gut und zuverlässig, es gäbe noch einige andere Szenen, an denen man das zeigen kann. Auch hier ist eine deutliche Verbesserung unter Glasner zu erkennen. Hier funktioniert es perfekt und Lindström ist so schnell, dass er von Tapsoba, der kurz den Zugriff verliert, nicht mehr eingeholt werden kann. Auch Lindströms Torabschluss ist sehr stark.

Die zweite Halbzeit (Re-Live)

In der Halbzeit muss Glasner wechseln, Lindström bleibt mit Magenproblemen draußen, Hauge kommt, ein positionsgetreuer Wechsel.

Das 3:2 der SGE in der 50. Minute ist analytisch erneut nicht sehr relevant. Das Tor fällt nach einer Ecke. Die Ecke enstand durch eine abgeblockte Kostic-Halbfeldflanke. Die Leverkusener schaffen es dann nicht, den Ball zu klären und N´Dicka staubt ab.

Nach der Führung erhöhen die Gäste wenig überraschend deutlich das Risiko, wodurch es bald zu Kontermöglichkeiten für die SGE kommt, insbesondere da die Leverkusener viele Situationen zu überhastet ausführen. Einen ersten sehr gefährlichen Abschluss hat Borré in der 52. Minute nach einem solchen Konter über Kamada (eintracht.tv ab 8:40).

Die SGE reagiert auch auf die Aufregung im Bayer-Spiel, lässt jetzt mehr Aufbaupässe zu, steht mit der hinteren Reihe etwas tiefer und mit mehr Personal (beide 6er pressen jetzt nicht mehr immer mit), und lauert unübersehbar auf Konter. In dieser Phase hat die Eintracht eine Reihe weiterer guter Abschlüsse, weiterhin auch nach Standards, aber auch die Leverkusener kommen zu Chancen etwa Diaby in der 57. Minute, nachdem Diaby und Frimpong sich rechts einmal durchspielen konnten und Kostic den Zweikampf gegen Frimpong verliert. (eintracht.tv ab 13:40).

In der 64. Minute kam Lenz für Hauge. Hauge war verletzt, offenbar eine Muskelverletzung und durch die Einwechslung von Lenz ändert sich etwas die Statik des SGE-Spiels, was ihm aber, wenig überraschend, zugute kam. Denn mit der Einwechslung von Lenz waren nun die wiederkehrenden defensiven Problemen der SGE allesamt behoben. Die Innenverteidigung war mit Tuta, Hinteregger und N´Dicka nun eine echte Innenverteidigung mit drei gelernten Verteidigern und Kostic wurde fortan von Lenz abgesichert. Ergebnis: In der letzten halben Stunde für sich genommen erzielte die SGE ein 2:0 gegen Bayer Leverkusen und entschied das Spiel damit.

Die Formation war fortan ein 5-2-3 mit Lenz und Da Costa als offensiv ausgerichtete Außenverteidiger.

Das spielentscheidende 4:2 fiel nach einem von Lenz eingeleiteten und von Kostic entscheidend vorbereiteten Konter. Ausgangspunkt ist ein schwacher Flugball des Leverkuseners Tah in die Spitze. Hinteregger kann den ohne Mühe per Kopf nach links auf Lenz weiterleiten.

Hier im Schema der Angriffsvortrag mit einem Doppelpass Lenz-Kostic und über den Umweg Sow der Tiefenpass in die Spitze auf den tief gestarteten Kostic, der dann Richtung Kamada flankt. Dem Tor geht also wieder einer der überragenden Sow-Pässe voraus.

Hincapie kann dann zunächst gegen Kamada klären.

Hier die Situation direkt nach dem von Hincapie abgewehrten Ball. Gut zu sehen, dass Leverkusen komplett den Rückraum vergisst, dort ein sehr großer Raum entsteht, in dem sich Jakic völlig frei bewegen kann. Er schießt den Ball dann Vollspann ins Tor.

Solche freien Rückräume entstehen häufig. Die Rückraumsicherung ist eine der schwierigsten defensiven taktischen Aufgaben überhaupt. Hier sind gleich vier Leverkusener Verteidiger viel zu nah am eigenen Tor, zwei hätten gegen Kamada und Borré gereicht. In diese freien Rückräume müssen natürlich die Mittelfeldspieler nachrücken, hier macht das Jakic stark, trifft den Ball perfekt und entscheidet damit das Spiel. Glasner ließ in der Pressekonferenz nach dem Spiel durchblicken, dass diese Rückraumabschlüsse der 6er ganz gezielte taktische Manöver sind und zum Konzept gehören.

Quelle: Youtube.com

Noch eine kurze Erklärung dafür, wie es der SGE gelang, die schnellen Außen der Leverkusener und den spielstarken Wirtz aus dem Spiel zu nehmen. Der Schlüssel sind drei Maßnahmen. Zunächst ist das offensive Pressing zu nennen, das den Leverkusenern kaum Möglichkeiten ließ, ihre offensiv starken Spieler gezielt einzusetzen. Zweitens spielten N´Dicka, später Lenz links sehr aggressiv und eng gegen Diaby und Frimpong, ebenso Da Costa rechts gegen Adli. Die beiden zentralen Wirtz und Schick (der allerdings auch viele technische Fehler produzierte) wurden spätestens in der zweiten Halbzeit meist durch ein starkes Abwehr- und Mittelfeldkettenverteidigen aus dem Spiel genommen bzw. entschärft. Hier ein Beispiel:

Hier eine Szene aus der 68. Minute. Die SGE hier mit einer 5-3-Kettenverteidigung. Im Standbild zu sehen, dass hier alles passt. Die Ketten arbeiten auf einer Höhe, die Abstände stimmen, Da Costa rückt richtig gegen den Ballbesitzer Hincapie heraus. Adli muss nach außen sprinten, kann sich also nur breit (horizontal) anbieten, Da Costa behält Zugriff. Hincapie entscheidet sich aber für einen Pass in die Zentrale. Wirtz´ Versuch der Weiterleitung auf Adli landet dann bei Tuta, der den Passweg sichert.

Das letzte Tor des Spiels entsteht in der 76. Minute nach einem starken 45 Meter – Flugball von Trapp auf Kostic. Mit dem Zuspiel startet letzterer in ein Tempodribbling gegen Palacios, der ebenfalls kein Zweikampfmittel gegen Kostic findet, ihn bis zur Grundlinie „begleitet“ und Kostic schließlich den Ball auf Borré in den Sechzehner chippen lässt. Dieses Zweikampfverhalten von Palacios ist rätselhaft.

Hier der Moment des Rückpasses von Borré auf Sow nach dem Kostic-Pass. Gut zu sehen, dass die Leverkusener erneut mit der kompletten 4er-Kette zu nah am eigenen Tor stehen, den Rückraum erneut völlig vergessen haben und diesmal mit Jakic und Sow sogar beide Eintracht-6er mehr oder minder frei und einschussbereit stehen. Sow lässt sich das dann nicht entgehen und schießt denn Ball technisch stark mit der Innenseite ins lange Eck.

Hier kommt also wieder das Element der Rückraumbesetzung durch nachrückende 6er zum Tragen.

Damit ist das Spiel natürlich entschieden, die SGE behält auch in den verbleibenden 20 Minuten die Spielkontrolle. Auch einige offensive Umstellungen durch Seoane ändern daran nichts mehr.

Das Fazit

Durch die Besetzung der defensiven Zentrale mit Hinteregger wirkten auch die beiden anderen Innenverteidiger Tuta und N´Dicka deutlich sicherer, die Kette agierte insgesamt erstmals seit langem weitgehend fehlerfrei – ein Schlüssel zum Erfolg. Mit einer defensiven Absicherung links wie nach der Lenz-Einwechslung und einer echten gelernten Innenverteidigung könnten auch perspektivisch die wichtigsten Problemfelder gut bearbeitet werden.

Dass die Offensivabteilung technisch und läuferisch, sowie insbesondere durch die Neuzugänge Borré und Lindström jetzt auch in Sachen Sprintfähigkeit zu den Top 5 der Bundesliga zu zählen ist, und dass es offensiv nur eine Frage der Zeit war, bis diese technisch extrem starke Besetzung sich einspielt, war seit Monaten, im Grunde seit Saisonbeginn zu sehen. Sow und N´Dicka haben deutlich den nächsten Entwicklungsschritt gemacht, insbesondere Sow ist mit seinem starken Passspiel und auch seiner starken Innenseite inzwischen ein starker Spielmacher. Mit Kostic hat die SGE außerdem einen Spieler, den nach wie vor kein Gegner in der Bundesliga kontrollieren kann. Mit Frimpong hatte Kostic zwar über weite Strecken einen ernsthaften Gegenspieler, der ihn stark forderte, aber Kostic war letztlich erneut an fast allen offensiven Aktionen und Toren beteiligt.

Dennoch sei auch nach einem solch starken Spiel, das praktisch alle analytisch seit Saisonbeginn nachvollziehbaren und beobachtbaren taktischen Entwicklungsschritte und Lösungsmöglichkeiten in komprimierter Form vorführte, daran erinnert, dass das Team nach wie vor mitten in der Entwicklung steckt und damit auch Rückschläge zu erwarten sind.

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Fenerbahçe Istanbul – SGE 1:1 (1:1)

Das Unentschieden reichte, um den ersten Platz der EL-Vorrundengruppe zu sichern. Wie immer ein analytischer Blick auf das Spiel und seine wichtigsten Situationen.

Die Aufstellung und Spielerbewertungen

Oben die automatischen Spielerbewertungen. Hasebe kommt hier aufgrund seines Fehlers vor dem Tor etwas zu schlecht weg, er machte ein solides Spiel. Das gleiche gilt für Sow, der wegen seines Tores zu gut bewertet wird, er war durch sein Übersehen des Kettenproblems hinter ihm durchaus nicht ganz unschuldig an dem Chaos beim 1:1. Ebenfalls etwas besser als durch die Automatik ist Da Costa einzuschätzen, der ein recht gutes Spiel rechts zeigte.

Links die Realaufstellung, bei der man gut sieht, dass die SGE faktisch mit einer 4er-Kette hinten spielte, um Kostic seine Linksaußenposition zu „finanzieren“.

Die Noten in Klammern sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler.

Die Statistik

Die Daten sind öffentlich zugänglich und zitiert nach den Seiten kicker.de und sofascore.com. Auf beiden Seiten gibt es viele weitere statistische Daten zu dem Spiel.

Die erste Halbzeit (Re-Live)

Den ersten guten Abschluss hatte Borré in der 3. Minute nach einer schwachen Kopfballabwehr und Flugball von Hasebe diagonal in die Spitze.

Kamada hat in der 10. Minute bereits den zweiten gefährlichen Abschluss der SGE nach einem Gegenpressing links und Ballgewinn von N´Dicka.

Hier gut zu sehen, dass der rechte Schienenspieler der Istanbuler, Sangaré, aufgerückt ist und den Zugriff auf Kostic verloren hat. Er kommt dann im weiteren Verlauf der Szene noch einmal kurz an den Ball, verliert ihn dann aber wieder an Kamada, der dann den Ball in den Lauf von Kostic spielt.

Das ist eine klassische Konterstituation und man sieht hier eine der größten Schwächen des 3er-Ketten-plus-Schienenspieler-Spiels, nämlich die enorme Konteranfälligkeit bei eigenem Ballverlust auf den außen. Hier verliert die Fener-Defensive den Zugriff auf Kostic.

Hier der Moment des Kamada-Abschlusses nach der Kostic-Flanke. Gut zu sehen, dass er völlig frei ca. 12 Meter vor dem Tor abschließen kann. Szalai, der für ihn hier zuständig wäre, hat sich von Hauges Laufweg etwas Richtung kurzer Pfosten ziehen lassen.

Das ist sehr schwach verteidigt von Fenerbahce, Kamada vergibt diese Riesenchance aber kläglich.

Es ist schon erstaunlich, dass es immer noch Gegner gibt, die von dem Tempospiel über Kostic überrascht wirken. In der Anfangsphase des Spiels bekommen die Türken Kostic überhaupt nicht in den Griff, eine Minute (11.) später ist er wieder durch und seine Hereingabe ist etwas zu ungenau, sonst wäre die SGE schon wieder frei zum Abschluss gekommen.

Bei dem Abseitstor der Gastgeber in der 13. Minute liegt übrigens kein Kettenfehler vor, im Gegenteil arbeitet die Restverteidigung (3er-Kette Chandler-Hasebe-Tuta) hier perfekt.

Das ist der Moment des Abspiels von Zajc auf Berisha. Gut zu sehen, dass Tuta und Chandler hier Hasebe mit den richtigen Abständen und auf der gleichen Höhe absichern. So müssen die Fener-Stürmer entweder sich sehr flach anbieten (was dann für die Verteidiger recht gut zu ersprinten ist), oder sie stehen, wie hier, beide im Abseits. Im Re-Live ist gut zu sehen, dass Tuta eine Sekunde zuvor den entscheidenden Schritt nach vorne macht, um mit Chandler auf einer Höhe zu stehen und damit beide Stürmer des Gegners ins Abseits zu stellen. (eintracht.tv ab 17:32)

Die SGE ist den Türken in der ersten Halbzeit heillos überlegen, fast in allen Belangen besser. In der 23. Minute hat sie die nächste Chance durch Jakic. Vorausgegangen ist ein typisches Aufbau-Muster der SGE und ein typischer mannschaftstaktischer Fehler der Gastgeber.

Hier gut zu sehen das gezielte Aufbaumanöver der SGE. Die Linienabstände der Türken zwischen hinterer Reihe und Mittelfeld sind hier deutlich zu groß, Kamada bewegt sich „zwischen den Linien“, also hinter der Mittelfeldreihe der Türken. Hasebe sucht mit seinen Aufbaupässen häufig genau solche Situationen und spielt dann einen stark getimten Flachpass auf Kamada, der aufdrehen und den Angriff einleiten kann. (eintracht.tv ab 27:55)

Der Ball kommt dann über Hauge (mit sehr starkem Steilpass in die Spitze) zu Jakic, der frei vor Fener-Torwart Özer von Sangaré mit einem sehr starken Tackling fair vom Ball getrennt wird. Dieser Angriffsvortrag zeigt aber vor allem, warum Hasebe auch unter Glasner wieder regelmäßig spielt: Die Zuverlässigkeit, mit der er solche Angriffe einleitet, sind natürlich nicht zu unterschätzen auch wenn das auf den ersten Blick ein simpler 15m-Flachpass ist. Der muss schon sehr präzise gespielt werden und solche Flachpässe durch die Zentrale bergen ein enormes Konterrisiko – verständlich, dass die SGE-Trainer für solche Bälle einen überragenden Passgeber wie Hasebe aufstellen.

Es gab weitere gute Angriffe der SGE mit interessanten Abschlüssen, es würde den Rahmen hier sprengen, auf alle einzugehen. Die türkische Mannschaft hatte dem Spiel der SGE kaum etwas entgegenzusetzen. Daran zeigt sich aber auch erneut das neben dem häufigen Defensiv-Chaos größte Problem des SGE-Spiels, nämlich der schon bekannte Chancenwucher. Das bis dahin überlegen geführte Spiel hätte bei etwas größerer Ruhe im Abschluss und technisch besser ausgeführten Abschlussaktionen gut und gerne 2:0 stehen können und wäre damit entschieden gewesen. Allein die hier gezeigten Szenen mit den Abschlüssen von Borré, Kamada und Jakic waren gute Torchancen. Glasner führte das in der Pressekonferenz am Tag danach ebenfalls an und verwies darauf, dass der Abschluss der nächste Bereich sei, in dem man sich verbessern wolle. Allerdings ist das trainingsseitig kaum zu machen, solche Individualtechniken sind im Erwachsenenalter nur noch sehr, schwer zu verbessern, hier dürfte es früher oder später doch noch zu personellen Veränderungen in der Spitze kommen.

Dass der Abgang von Silva doch so schwer wiegen würde, war nicht unbedingt abzusehen, viele der Silva-Tore waren „Abstauber“ oder Elfmeter, Situationen also, von denen man hätte annehmen dürfen, dass auch ein etwas weniger technisch sauberer Spieler diese zu einem annehmbaren Prozentsatz noch in Tore verwandelt. Das Bild, das sich derzeit bietet, zeigt aber, dass die SGE zwar immer noch ähnlich viele gute Torabschlusssituationen herausspielen kann wie in der vergangenen Saison, dabei aber deutlich weniger Tore erzielt. Genaueres dazu und woran das liegt in einer der kommenden Analysen.

Dabei ist das Team inzwischen in einigen Elementen sehr sicher geworden. Insbesondere das unter Glasner etwas intensivere und besser organisierte Pressing wird jetzt wieder fast durchgängig gespielt, der Offensivblock lässt kaum einen ruhigen Spielaufbau des Gegners zu und so gewinnt die Mannschaft insgesamt sehr viele Bälle im vorderen und im Mittelfeldbereich. Das funktioniert jetzt sehr zuverlässig und führt dazu, dass die SGE phasenweise, oder wie gegen Istanbul, im Grunde ein ganzes Spiel dominant gestalten kann. Aus einer solchen Situation ist auch die 0:1-Führung der SGE entstanden und hier kann man gut sehen, wie ein solches modernes Pressing durchgeführt wird.

Ausgangspunkt ist ein ziemlich ungenauer Flugpass von Sow Richtung Borré, der aber bei Kim landet, wie man hier sieht. Borré erkennt aber, dass er Kim mit Ballannahme attackieren kann und sprintet den Fener-Verteidiger so an, dass er den Ball nicht ruhig kontrollieren kann. Entscheidend ist nun, dass Kamada ebenfalls in den Zweikampf sprintet und den Ball dann gewinnen kann.
Das ist der Moment des Ballgewinnes durch Kamada. Man sieht sehr gut, dass die Fener-Defensive in einem großen Raum zwischen den beiden Verteidigern Aziz und Szalai keinen Zugriff mehr hat und nicht mehr besetzt ist. Das ist natürlich dem kurz zuvor noch eigenem Ballbesitz geschuldet und genau in diesem Raum spielt die SGE dann das Tor heraus. Kamada kann sich mit einem Pass auf Kostic befreien und damit ist natürlich das Scheunentor offen. Kostic macht das dann auch ganz stark, dribbelt in den verwaisten Raum und passt auf Sow, der den dann auch sehr ruhig und sicher mit der Innenseite einschiebt.

Das ist wirklich eine sehr starke Aktion. Solch eine Pressingsituation kann nur funktionieren, wenn es eine Initiation gibt, also einen Moment, in dem man das Pressing gut starten kann. Das sind meistens irgendwie unsaubere Pässe (durchaus auch solche vom eigenen Mitspieler wie hier), die von einem Gegner absehbar nicht leicht kontrolliert werden können und daher gut zu attackieren sind. Entscheidend ist, dass der erste Pressingspieler (hier Borré) mit Ballannahme des Gegners (hier Kim) diesen so stört, dass er mit dem ersten bzw. zweiten Kontakt keinen Sicherungspass (hier zurück zu TW Özer) spielen kann. (Unbedingt im Re-Live ab 34:23 ansehen: Den Laufweg von Borré, der genau diesen Passweg auf Özer unmöglich macht) Dadurch wird Kim zum Abdrehen nach Außen gezwungen, wo Kamada in den Zweikampf sprintet, den er letztlich für sich entscheidet.

Das ist ein gezieltes Manöver der beiden und solche gruppentaktischen Moves kann man im Training sehr gut einschleifen und wenn die so konsequent und stark durchgeführt werden wie hier, sind sie natürlich eine starke Waffe. Solche Situationen stellt die SGE laufend und mit regelmäßigem Erfolg.

Dass ein solch riskantes Angriffsspiel natürlich ein erhebliches Risiko birgt, zeigt dann das Gegentor. Fener kann sich einmal mit einer Spielverlagerung aus dem Pressing befreien und einen vertikalen Pass spielen. Tuta grätscht zwar noch dazwischen, kann den Ball aber nicht kontrollieren, stattdessen kann Zajc ihn nach rechtsaußen passen.

Das ist der entscheidende Pass vor dem Gegentor. Gut zu sehen, dass Kostic rund 10 Meter von seiner defensiven Position entfernt ist und nicht einmal den inneren Passweg zugelaufen hat. So kann Zajc den Ball noch vor ihm nach außen passen. Irfan Can ist vollkommen blank. Man sieht hier schon, dass N´Dicka bereits den Weg nach außen angetreten hat, dadurch Hasebe in der Zentrale 1 gg. 2 steht. Auch gut zu sehen, dass Tuta die Kette in der Zentrale verlassen hat (warum auch immer) und Sow und Chandler die Kette noch nicht vervollständigt haben.

Sow sieht das Problem auch gar nicht und bleibt im weiteren Verlauf der Szene auf seiner 6er-Position. Chandler läuft zwar in die Kette, aber nicht weit und schnell genug, sodass dann die wahnwitzige Situation entsteht, dass die SGE in der Zentrale bei Flankenball außen immer noch 1 gg. 2 gegen die beiden Fenerbahce-Stürmer Berisha und Pelkas steht.

Das ist der Moment der Flanke. Gut zu sehen, dass Hasebe in der Zentrale nach wie vor 1 gg. 2 steht, weil Sow die Gefahr nicht erkannt und nicht mitbekommen hat, dass Tuta und N´Dicka die Deckung verlassen haben, und weil Chandler zu spät gestartet ist und daher nicht mehr eingreifen kann. Hasebe hätte hier versuchen können, die beiden Stürmer ins Abseits zu stellen, indem er auf Sechzehnerhöhe bleibt.

Der Ball wird dann von Irfan Can so schlecht geflankt, dass er exakt bei Hasebe landet, der ihn eigentlich nur klären muss, ihn stattdessen mit einem technischen Fehler Berisha in die Füße spielt, der dann nur noch einschieben muss. Diese Situation ist, wie in allen Spielen zuvor nur ein weiteres Beispiel für das nach wie vor nicht bereinigte defensive Chaos, das ja aus der vergangenen Saison bestens bekannt ist. Im Re-Live ist sehr gut die totale Unlust von Kostic zu sehen, hier den völlig freien Can zu decken. Einer der sprintstärksten Spieler der Bundesliga wackelt nach hinten als plagten ihn erste Altersbeschwerden, wartet zwischendurch noch zweimal, ob nicht vielleicht irgendeiner den Ball gewinnt und der Kelch des nach hinten Laufens irgendwie noch an ihm vorbeigeht – das ist mittlerweile wirklich nur noch lächerlich. (eintracht.tv ab 46:41) Völlig unverständlich, warum wie vor ihm Hütter jetzt auch Glasner wie von Sinnen dabei zusieht, wie Kostic zwar in jedem Spiel mindestens ein Tor der SGE vorbereitet oder schießt, aber auch mindestens ein Tor verschuldet, alle Gegner wieder einfach nur die Bälle auf die völlig freie linke Abwehrseite der SGE spielen müssen und das wirklich auch in praktisch jedem Spiel zu mindestens einem Gegentor führt, wenn nicht zu drei wie gegen Hoffenheim. Kostic ist schlicht kein Schienenspieler. So wenig wie Hasebe ein Innenverteidiger ist und zwei Spieler auf Positionen zu haben, auf denen Defensivstärke wichtig ist, die aber defensivschwach sind, führt regelmäßig zu unnötigen Gegentoren und Punktverlusten. Das ist ja nicht sehr überraschend. Um es noch einmal deutlich zu machen: Das kann man den beiden nicht vorwerfen. Dass sie positionsfremd spielen müssen, ist ja nicht ihre Schuld, wenn man aber ihre extremen Stärken – Aufbaubälle, Passspiel und strategische Angriffseinleitung bei Hasebe, Schnelligkeit und überragende Vorbereitungs- und Abschlusstechniken bei Kostic – auf dem Platz haben möchte, dann ist es Aufgabe des jeweiligen Trainers, eine Formation zu finden, in der die beiden ihre Stärken einbringen können, ohne das erfolgreich Aufgebaute umgehend mit dem eigenen Hintern wieder einzureißen, um es einmal bildlich auszudrücken. Die SGE wird auch weiterhin ihre Stärke ergebnisseitig nicht nachhaltig auf den Platz bekommen, wenn sich an diesem Problem nichts ändert. Ein 1:1 gegen die in allen Belangen unterlegenen Türken ist ja nun wirklich kein gutes Ergebnis, so wenig wie die Niederlage gegen die ja keineswegs überlegenen Hoffenheimer ein gutes Ergebnis war und so wenig wie dieser starke Eintracht-Kader auf Platz 12 in der Tabelle herumdümpeln muss.

Die zweite Halbzeit (Re-Live)

Da beiden Teams offenbar das Ergebnis des parallelen Spiels bekannt war und somit es für beide um nicht mehr viel ging, der SGE ein Unentschieden reichte und mit etwas weniger Risiko die Chancen gut standen, das gegen die selten gefährlichen Istanbuler gut über die Runden bringen zu können, ergaben sich in der zweiten Hälfte nur wenige analytisch interessante Szenen. Auffällig nur, dass die SGE mit ihrer Offensivreihe immer gefährlich werden kann.

Ein schönes Beispiel findet sich etwa in der 56. Minute (eintracht.tv ab 12:39). Das ist ein Spontanangriff mit Ausgangspunkt Chandler rechts, in dem man gut sieht, wie Chandler, Borré, Kamada, vor allem Hauge und Kostic eine 4 gg. 3 -Angriffsorganisation mit einer schnellen Spielverlagerung in die Spitze lösen. Kostic kommt zum Abschluss, der Ball geht knapp am Tor vorbei.

In der 60. Minute kommt Paciencia für Borré. Ein positionsgetreuer Wechsel.

In der 69. Minute kommen Da Costa für Chandler, Rode für Jakic und Lammers für Hauge. Diese Wechsel waren weder notwendig noch irgendwie taktisch bedingt. Es ging offenbar darum, Spielern aus der zweiten Reihe etwas Spielzeit zu geben. Gut nachvollziehbar.

In der 74. Minute haben Lammers und Paciencia eine starke Szene nach einem Gegenpressing im vorderen Drittel links, bei der Lammers dann auch zum Abschluss kommt. (eintracht.tv ab 29:53). Starke Aktion von beiden.

In der 77. Minute kommt Hrustic für Sow, ebenfalls ein Wechsel, der hauptsächlich Hrustic etwas Spielpraxis bescheren sollte.

Dass in der zweiten Halbzeit kaum mehr nennenswerte Offensivaktionen entstehen, liegt daran, dass beide Teams, vor allem die Gastgeber, nicht mehr sehr viel in ein gezieltes Angriffsspiel investieren. Die wenigen gelungenen Angriffsversuche der Türken vergeben sie mit technischen Schwächen vor allem bei den letzten Bällen.

Bei beiden Teams ließ überdies sichtbar die Konzentration nach, was die Fehlerquote erhöhte und zusätzlich dafür sorgte, dass es nur noch wenige Torsituationen gab. Es ließe sich das an einigen Beispielen zeigen, aber das soll den Lesern erspart bleiben, die meisten dürften es ja selbst gesehen haben.

Fazit

Die SGE war dem Gegner in allen Belangen überlegen, es ist schon eine Leistung, so ein Spiel nicht zu gerwinnen. Entscheidend war das Gegentor, dazu wurde oben alles Nötige gesagt.

In der zweiten Halbzeit entstanden kaum mehr interessante Szenen, beide Teams spielten mit wenig Risiko, die SGE blieb aber die bessere Mannschaft.

Trotz der nach wie vor bestehenden defensiven Probleme hat die Eintracht also den Gruppensieg in der EL-Vorrunde erreicht und das war auch trotz der vielen Probleme vollkommen verdient. Was nur noch einmal mehr zeigt, dass der aktuelle Kader vor allem in der vorderen Reihe extrem stark besetzt ist und gegen jeden Gegner Chancen und Tore produzieren kann.

Trainer Glasner und die Mannschaft sollten schnellstens einen Weg finden, Kostic und Hasebe so ins Spiel einzubinden, dass ihre Stärken zur Geltung kommen ohne dass ihre Schwächen den Mannschaftserfolg gefährden. Das ist die Aufgabe des Trainers. In der zweiten Halbzeit wurde das Problem hauptsächlich dadurch gelöst, dass N´Dicka wieder häufig den Linksverteidiger gab und Chandler/Da Costa rechts die Kette disziplinierter ergänzten. Dadurch entsteht dann aber wieder die extreme Linkslastigkeit des Offensivspiels (siehe oben, die Realaufstellung).

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TSG Hoffenheim – SGE 3:2 (2:1)

Nach drei knapp gewonnenen Spielen verlor die SGE das Spiel gegen die Sinzheimer, hauptsächlich weil deren Offensive das Durcheinander in der SGE-Defensive auszunutzen verstand. Wie immer ein analytischer Blick auf die fünf Tore und das sonstige Geschehen im Spiel.

Die Aufstellung

Die Spielerbewertungen in Klammern sind automatisch generiert, Werte unter 6,0 sind eher schwach, Werte über 8,0 sehr stark. Sie folgen den relevanten Einzelspielerstatistiken. Sie sind zitiert nach sofascore.com. Dort finden sich viele weitere Daten zu dem Spiel.

Die Statistik

Die Daten sind zitiert nach sofascore.com und kicker.de. Auf beiden Seiten finden sich viel weitere statistische Daten.
Wie man sieht hatten die Hoffenheimer ein leichtes Übergewicht an Ballaktionen im vorderen Drittel. Die Daten entstammen sofascore.com.

Die erste Halbzeit (Re-Live)

Bereits in den ersten Sequenzen ist zu sehen, dass die Hoffenheimer der SGE keinen ruhigen Spielaufbau erlauben wollen. Ballaktionen von Hasebe werden in der ersten Halbzeit sofort angelaufen, meist von Dabbur.

Hier (31. Minute) gut zu sehen das 5-2-3 der Hoffenheimer bei zenrtralem SGE-Aufbau. Sie schließen alle Anspielräume in der Zentralen und zwingen die SGE zu einem Aufbau über außen. Hasebe kann keinen vertikalen Pass spielen, hier spielt er den Ball dann auf N´Dicka.

Das funktioniert für die Hoffenheimer recht gut, insbesondere weil man mit der sehr breiten Kette Kostic fast immer früh stellen und doppeln kann. Diese konsequente Deckungsarbeit führt dazu, dass Hasebe praktisch keine vertikalen Bälle spielen kann und er mit zunehmender Spielzeit im Aufbau auf die Außen ausweicht, um die Angriffe einleiten zu können. Ein ganz guter Move, da somit der Plan der Hoffenheimer, ihn aus dem Aufbauspiel zu nehmen, konterkariert wird, aber es bringt nichts ein (Beispiel 36. Minute, eintracht.tv ab 38:35)

Der erste gute Abschluss der SGE lässt trotzdem nicht lange auf sich warten und Hasebe ist mit einem starken Aufbaupass an dem Positionsspiel beteiligt (5. Minute).

Hier der Angriffsvortrag in der Übersicht: Vier Pässe von Hasebe bis in die Spitze ohne Hoffenheimer Ballgewinn (2, 3, 4, 5). Das ist stark gespielt, ein guter Positionsangriff. Besonders die Laufwege von Borré (diagonal Richtung Spitze) und Kamada (auf den kurzen Pfosten) sind stark und entscheidend für den Erfolg. Aber auch die Angriffseinleitung von Hasebe und vor allem Sow mit Tempodribbling (2) ist stark. Die Hoffenheimer werden hier klassisch ausgespielt. Kamada bringt den Ball dann nicht aufs Tor.

Interessant ist dieser Move vor allem, weil diese Art Angriffsvortrag (Positionsangriff aus der hinteren Reihe) zuletzt ein eher selten versuchtes Element war und in der Ausführung oft unsicher. Diesmal hat es sehr gut geklappt.

Auf Seiten der SGE wird sehr weit nach vorne geschoben und früh gepresst. Die SGE ist damit in der Anfangsphase und bis ca. zur 20. Minute in vielen, auch längeren Sequenzen recht dominant, das wieder häufiger praktizierte Angriffspressing führt in der gesamten ersten Halbzeit zu einigen Ballbesitzen und Möglichkeiten. Dieses Element ist wieder regelmäßig zu sehen und ein wichtiger, starker Bestandteil der Spielidee geworden.

In der 7. Minute hat die SGE die Riesenchance zur Führung nach einem Kostic-Freistoß von rechts.

Hier sieht man den völlig freien Kopfball von Borré aus gut 11 Metern. Das ist für einen Mittelstürmer eine Top-Chance.

Klar können Chancen vergeben werden, aber einen solch freien Kopfball weit neben das Tor zu köpfen, ist schon Chancenwucher und das ist neben den vielen Kettenfehlern das Hauptproblem der SGE, das sich durch die gesamte Saison zieht und viele Punkte kostet.

Abschlusstechniken können im erwachsenen Alter kaum trainingsseitig verbessert werden. Borré ist ein starker, sehr fleißiger Fußballer, in fast jedem Spiel ein Aktivposten für die SGE. In den Abschlusstechniken ist er aber zu schwach, um als Zielspieler zuverlässig Tore zu machen, diese Erkenntnis ist in fast jedem Spiel zu bestätigen. Das Spiel mit einem zweiten Stürmer mit Stärken im Abschluss, wie Paciencia, Ache oder Lammers, drängt sich geradezu auf. Hier ist aus analytischer Sicht praktisch nur aufstellungsseitig eine Lösung zu finden.

In der 15. Minute spielt die SGE einen Positionsangriff mit Spielverlagerung von rechts (Einwurf Chandler) über Borré und Kamada nach links auf Kostic. Dessen Flanke kann Raum nur zur Ecke klären. Aus dieser Ecke entsteht dann die 0:1-Führung. Das Tor ist eine offensichtlich einstudierte Eckballvariante über Lindström und Kostic. (eintracht.tv ab 17:36) Borré verwertet den Flankenball von Lindström stark. Analytisch ist eine solche Standardsituation aber nicht allzu interessant.

Auch in der darauf folgenden Phase bleibt die SGE aggressiv und presst nach wie vor früh und hoch. Die Hoffenheimer sind bemüht, sich daraus mit Passspiel zu lösen, tun sich damit aber sichtlich schwer. Eine exemplarische Sequenz wäre die 18. Minute (eintracht.tv ab 20:20 bis 20:50 Ballgewinn Kostic). Man kann hier sehr genau das Pressingverhalten der SGE studieren, mit den 3 Offensiven oin der vorderen Reihe, die seitlich verschieben und anlaufen und dahinter den 6ern und Schienenspielern, die bei seitlichen Aufbauversuchen der Hoffenheimer nachrücken.

Der 1:1-Ausgleich der Hoffenheimer in der 24. Minute ist die erste Aktion, in der es den Hoffenheimern gelingt, das SGE-Pressing zu überspielen. ursächlich ist ein Stellungsfehler von Kamada, der im 3er-Pressing rund 10m zu tief steht und damit den Pass in den Lauf von Vogt auf Posch ermöglicht. Das ist zwar ein Fehler, muss aber lange nicht zum Gegentor führen. Entscheidend hierfür ist vielmehr ein SGE-typischer Kettenfehler.

Das ist der entscheidende Moment des Passes in die Tiefe von Posch auf Bebou und hier gut zu sehen, dass die SGE hier noch recht gut gestaffelt steht, allerdings ist der Abstand zwischen Kette und 6ern (der eingefärbte Raum) etwas zu groß. Außen steht die Kette hier noch gut, aber man sieht das Unheil schon kommen, denn N´Dicka ist bereits auf dem Weg, seinen Raum als Innenverteidiger zu verlassen und den Raum von Kostic anzulaufen.

Das ist ein klassischer Kettenfehler. Der Innenverteidiger darf im Grunde niemals seinen Halbraum zugunsten einer Außenbahn verlassen. Das richtige Verhalten hier wäre: N´Dicka hält den Halbraum, verteidigt mit Distanz zum Gegenspieler, Kostic sprintet nach hinten in seinem Raum ins 1-1. Das findet aber nicht statt, sondern N´Dicka läuft in den Zweikampf. Das ist nicht Kostics Fehler, sondern der von N´Dicka. Dadurch ergibt sich dann folgende Situation:

Hier gut zu sehen, dass durch den falschen Weg von N´Dicka nach außen der Passweg auf Dabbur aufgeht. Dabbur kann den Ball dann gegen Hasebe sichern, legt ihn zurück auf den nachrückenden Geiger, der ihn dann ins Tor schießt.

Das Tor wäre sehr wahrscheinlich nicht gefallen, wenn N´Dicka die zentrale Halbposition gehalten hätte und Kostic den Sprint mit Bebou angezogen hätte. Dass Kostic diese Wege in die defensive Tiefe nicht immer macht, ist keine Ausrede, N´Dicka hätte Kostic zumindest die Chance geben müssen, von der Halbposition hätte er dann immer noch Bebou anlaufen können. Auch Hasebe sieht nicht sehr gut aus, da er in dieser Situation schneller den Passweg zu Dabbur zulaufen muss, aber das ist für einen nicht gelernten Innenverteidiger kein eingeschliffener Automatismus, hier also kein großer Vorwurf an Hasebe. Auch beide Sechser vergessen dann, den Rückraum zu sichern, so dass Geiger schließlich unbehelligt einschießen kann.

Das ist zwar ein Kettenfehler, allerdings auch ein starker Schuss von Geiger, ein bisschen Pech für Trapp, dass Geiger den so perfekt trifft.

Der Ausgangspunkt für die Hoffenheimer Führung ist ein gutes Pressing der SGE, Jakic gewinnt im Mittelfeld den Ball, dribbelt dann auch richtig auf die Hoffenheimer Innenverteidigung zu

Das ist der Moment, in dem Jakic den Ball spielen muss, er hat drei gute Optionen, alle drei Passwege sind offen. Jakic spielt aber gar keinen Pass, sondern verzögert viel zu lange, bis alle Passwege geschlossen sind.
Das ist der Moment des Abspiels. Gut zu sehen, dass der Pass auf Kamada, den Jakic versucht, nicht mehr möglich ist, Borré im Deckungsschatten steht und nur noch ein Pass auf Lindström möglich gewesen wäre.

Das ist eine 4-3-Situation direkt zum Tor, das muss Jakic viel besser auflösen. Stattdessen spielt er einen haarsträubenden Fehlpass. Nach dem letzten Spiel gegen Union, in dem viele dieser Situationen (Bälle in die Spitze) gut gespielt wurden, klappte das hier in einer entscheidenden Aktion gar nicht. Das lag wie auch schon in den Wochen vor dem Union-Spiel nicht an den Laufwegen (die waren von allen drei Anspielmöglichkeiten recht gut), sondern an der ausbleibenden Passentscheidung von Jakic, es ist also ein Zuspiel-Problem, keines der Laufwege.

Hier die Situation bei der Angriffseinleitung der Hoffenheimer, es folgt ein Dreiecksspiel von Dabbur über Rutter auf Samasseku und dann auf den rechtsaußen freien Bebou. Man sieht auf SGE-Seite, dass weder Chandler noch Kostic hier die 3er- zu einer 4erkette ergänzen.

Der Fehler liegt hier am ehesten Bei Kostic, da Chandler hier wohl die verlassene Jakic-Position besetzen will, um Gleichzahl in der MF-Zentrale herzustellen. Man sieht, dass auch Posch noch in die Spitze läuft, was kein Problem wäre, wenn Kostic schnell die Linksverteidiger-Position besetzen würde. Stattdessen lässt die SGE einen technisch starken und schnellen Stürmer wie Bebou hier völlig freistehen. Das kann kaum gutgehen.

Bebou schießt dann aus spitzem Winkel aufs Tor, Trapp kann den Ball aber nicht gut abwehren und legt ihn Rutter vor die Füße, der ihn dann nur noch einschieben muss. Das ist auch eine schwache Abwehr von Trapp, sein erster Fehler mit Torfolge in dieser Saison.

Hier die Situation bei der Abwehr von Trapp. Den letzten und entscheidenden Fehler macht Tuta, der aus unerfindlichen Gründen ins eigene Tor gelaufen ist, statt seinen Gegenspieler Rutter zu decken. Das ist natürlich vollkommen hanebüchen und Rutter, bei dem der Ball dann landet, kann den in aller Ruhe ins Tor schieben.

Eine solche Fülle von teils krassem Fehlverhalten wird ein Gegner wie die starken Hoffenheimer früher oder später in Tore ummünzen, das ist nicht sehr überraschend. Gegen diesen Gegner, der immer versucht, in offensiven Situationen außen breit zu besetzen, mit Dreierkette zu verteidigen, ist schon arg mutig, Kostic und Chandler verteidigen hier im Grunde nicht mit und stehen in ungefährlichen Räumen statt die Kette zu ergänzen, dazu kommen dann Fehler von Trapp und Tuta.

33. Minute: Riesenchance Hoffenheim (Rutter) N´Dicka klärt auf der Linie nach Kettenfehler und Chandler ohne Zuordnung (Vorbereitung über Kostic-Seite).

Die 2. Halbzeit (Re-Live)

In der 46. Minute hat die SGE eine Riesenchance von Borré. Die Entstehung ist sehr interessant und empfehlenswert, sich im Re-Live einmal anzuschauen, da man hier gut sieht, wie das Pressing mit anschließendem Schnellangriff in die Spitze funktionieren kann und wie stark die SGE-Offensive Torchancen auch in Unterzahl herausspielen kann.

Hier die Situation. Gut zu sehen, dass die Hoffeneimer Kette sehr weit nach rechts rückt, um Kostic immer kontrollieren zu können. Dabei, man sieht es hier, entstehen größere Abstände am linken Ende der Kette Hier löst es die SGE sehr gut auf. Kostic spielt kurz auf Sow, der mit einem überragenden Tempodribbling in die Zentrale und einem guten Pass auf Jakic das Spiel Richtung linke Kettenseite verlagert, die Kette ins Laufen bringt und somit die Chance entscheidend einleitet.

Jakic spielt dann einen klasse Pass auf Borré (der das auch mit einem tollen Laufweg ermöglicht), der wird dann im letzten Moment geblockt.

In der 52. Minute hat die SGE die nächste große Abschlussmöglichkeiten nach einer Kostic-Ecke. Kamada, Tuta und Jakic scheitern mit ihren Abschlüssen. Glück für Hoffenheim. In der 57. Minute scheitert Chandler nach überragendem Flugball von Kamada in die Spitze freistehend vor Baumann kläglich.

In der 58. Minute kommt Paciencia für Lindström, ein sehr nachvollziehbarer Wechsel. Lindström war neben seiner tollen Vorlage zum 0:1 fast gar nicht im Spiel. Das liegt teilweise an ihm und zu vielen kleinen Stockfehlern, zum anderen aber auch daran, dass das Spiel der SGE wieder sehr stark auf Kostic ausgerichtet war und er kaum eingebunden wird. Außerdem schrie auch das SGE-Spiel gegen Hoffenheim, wie auch schon gegen Union, nach einem echten Abschlussstürmer.

In der 59. Minute fällt das entscheidende 3:1 für Hoffenheim. Ausgangspunkt ist ein Aufbauspiel der SGE und ein Fehlpass von Hasebe.

Hier der Fehlpass, der zu dem Gegentor führt. Die Hoffenheimer zwingen Hasebe zu einem Andribbeln in die Pressingszone. Hasebe spielt Bebou den Ball dann in die Füße.

Das ist natürlich ein schwerer Aufbaufehler, aber die Hoffenheimer spielen das gar nicht direkt zum Tor, sondern stellen über Ballzirkulation und eine Seitenverlagerung einen neuen Angriff. (eintracht.tv ab 14:22).

Hier wieder gut zu sehen: Die Hoffenheimer Spielanlage mit wenigen Bällen in der Zentrale um die Kette des Gegners zentral engzuziehen mit dem Rechtsaußen ganz breit, also fast an der Auslinie. Wir sehen den sehr großen Abstand von N´Dicka zu Bebou, da besteht natürlich kein Zugriff mehr.

Ein so breit angelegtes Offensivspiel ist mit einer Viererkette schwer zu verteidigen, hier wäre eine 5er/6erkette zielführender, Kostic spielte gegen Hoffenheim aber in kaum einer Situation seinen defensiven Part, weshalb dann oft mit Vierer, manchmal, siehe oben, auch mit 3erkette verteidigt werden musste. Das sind natürlich gezielte Manöver der Hoffenheimer, die die Schwachstelle mit einem immerzu fehlenden linken Kettenspieler hier nutzen. Bebou flankt den dann rein, Hasebe wehrt in zu kurz ab, der Ball landet bei Samassekou, der ihn mit etwas Glück aus der zweiten Reihe ins Tor schießt. Dabei auch wieder zu sehen die schwache Rückraumbesetzung der SGE, Jakic steht viel zu weit weg von Samasseku.

In der 68. Minute kommt Rode für Jakic. Ein nachvollziehbarer Wechsel, Jakic fiel im Laufe des Spiels wieder in alte Muster, hielt Bälle zu lange, verschlief beim 1:3 den Rückpass auf Samassekou, hatte aber auch einen starken Pass auf Borré. Außerdem kommt Hauge für Kamada, auch dieser Wechsel ist nachvollziehbar, Kamada war wenig im Spiel. Beide Wechsel sind positionsgetreu.

Kurz und gut: Das zweite Tor der SGE in der 72. Minute. Zwei sehr starke Aktionen der beiden Beteiligten. Eine weitere Topflanke von Kostic und Paciencia verwertet die ebenfalls großartig, Ballannahme mit der Brust, Abschluss mit links – der 3:2 – Anschlusstreffer für die SGE ist eine Co-Produktion von Kostic und Paciencia nach einem Einwurf links.

Weitere Abschlüsse hat die SGE in der 77. Minute, Flanke N´Dicka nach Positionsangriff über Hasebe und Kostic, Paciencia verpasst, Nachschuss Chandler weit drüber, in der 82. Minute, diesmal nach einem langen Flugball aus der hinteren Reihe von Hasebe auf Paciencia linksaußen, Flanke Paciencia, Richards klärt vor Borré zur Ecke.

In der 83. Minute kommt Ache für Chandler, ein nachvollziehbarer Wechsel, Ache kam schon in den letzten Spielen regelmäßig für die Brechstangen-Schlussphase als zusätzlicher Abschlussstürmer und die rechte Seite war Offensiv ohnehin kaum eingebunden. In dieser letzten Schlussphase übernimmt Hauge die rechte Seite, mit Borré, Paciencia und Ache sind drei Spitzen in der Zentrale.

Weitere SGE-Abschlüsse: 86. Hauge im Sechzehner nach Kostic-Rückpass und schnellem Aufbauspiel über Hasebe/Rode/Borré, Posch klärt zur Ecke. 87. Borré nach kurzer Ecke und Schnellkombination linksaußen und starkem Pass von Hauge.

Fazit

Viele neue Erkenntnisse bringt das Spiel nicht. Deutlich war der Unterschied in der Spielanlage beider Teams zu sehen, die zwar beide in einem 3-4-3 antraten, aber doch sehr unterschiedlich agierten.

Die Gastgeber spielten sehr streng aus der defensiven Positionierung, die Kette wurde bei zentralen oder halbzentralen Angriffen der SGE sehr konsequent zu einer 5er, nicht selten in der Schlussphase auch zu einer 6er-Kette ergänzt. Das Pressing wurde aus einer zentral eng anlaufenden 3er-Reihe immer mit Druck auf den ersten Aufbauball nach außen gelenkt und dann attackiert. Nicht sehr originell, aber gut und risikoarm und sehr zuverlässig durchgeführt. Die SGE presste etwas aggressiver, mehr im 1 gg 1 und höher und entwickelte so einige sehr druckvolle Sequenzen und Spielphasen. Das Aufbauspiel war deutlich ambitionierter als das des Gegners, es gab deutlich mehr Positionsangriffe als auf Seiten der Hoffenheimer. Allerdings tendierten erneut fast alle diese Angriffe nach links, also Richtung Kostic. Der spielte zwar erneut stark, viele seiner Flanken waren scharf und präzise, aber letztlich brachten auch sie nur noch das eine Paciencia-Tor ein.

So stark Kostic nach vorne spielte, so sehr bleibt seine defensive Schwäche/Unlust problematisch. Die Hoffenheimer bespielten den freien Raum auf der verwaisten linken SGE-Abwehrseite ein ums andere Mal und erzielten alle drei Treffer über diese Seite.

Es bleibt nach wie vor äußerst fraglich, ob ein Offensivspiel fast ausschließlich über Kostic und hinter ihm folglich unentwegt freie Räume wirklich eine dauerhaft sinnvolle Strategie ist. Den Hoffenheimern hat es mehr oder weniger gereicht, Hasebe die Passwege zuzustellen, Kostic mit breiter Kette zu bearbeiten und Bebou in dessen Rücken zu stellen. So kassiert man zwar zwei Tore mit Kostic-Beteiligung, aber man kann auch drei über seine Seite schießen. Hoeneß hat die SGE im Grunde ausgecoacht, das ist aber auch nicht sehr schwierig.

Dass die SGE trotzdem zwei Treffer erzielt und in fast allen wichtigen Zahlen vor den Gastgebern liegt, bestätigt auch den Spieleindruck, wonach die Eintracht auch in diesem Spiel bei weitem nicht die schwächere Mannschaft war oder die schwächeren Einzelspieler auf dem Platz hatte.

Spielerbewertungen

Im Offensivspiel war Kostic erneut der auffälligste SGE-Spieler, allerdings war sein Defensivspiel im Grunde inexistent und das bleibt ein Problem. Außer ihm fielen vor allem der eingewechselte Paciencia und Borré mit vielen guten Aktionen auf.

Die übrigen Spieler zeigten durchwachsene Leistungen. Lindström war mit Ausnahme seiner Torvorlage kaum im Spiel und wurde zurecht ausgewechselt, bei Chandler überwogen ebenfalls eher die negativen Situationen.

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SGE – Union Berlin 2:1 (1:1)

Nachdem in der Analyse zum Antwerpen-Spiel die Rolle von Hasebe im Fokus des Interesses stand, ist es nunmehr die Frage, wieso die Mannschaft „plötzlich“ so viel besser spielt, als noch vor kurzem gegen Hertha oder Fürth.

Die Aufstellung

Die Spielerbewertungen und viele weitere Daten sind öffentlich zugänglich bei sofascore.com

Die Statistik

Die statistischen Werte sind zitiert nach kicker.de und sofascore.com. Auf den verlinkten Seiten finden sich viele weitere Daten.

Die erste Halbzeit

Zunächst auffällig: Union bespielt die Eintracht meist aus einem recht aggressiven Mittelfeldpressing, in den ersten Sequenzen und auch später gelegentlich auch mit Angriffpressing in der vorderen Linie. Der defensive Block der Gäste ist recht defensiv aufgestellt, meist mit einer 5-3-Verteidigung, in der zweiten Halbzeit dann auch häufiger in 4-2-Verteidigung. Union ist stark auf Umschaltaktionen/Konter aus. Eine Konstellation, die der SGE in der bisherigen Saison meist große Probleme bereitete. Das lag zumeist an Timing-Problemen beim Anlaufen offener Räume und an technischen Fehlern oder Unsicherheiten im Passspiel, vor allem beim letzten Pass. Es war zu erwarten, dass sich das mit zunehmender Übung/Eingespieltheit bessert und genau das zeigte sich bereits in der ersten Halbzeit gegen Antwerpen und nun auch gegen Union Berlin.

Ein Element der Spielidee-Entwicklung, die hier schon länger beobachtet wird, sind die Tiefenläufe der Offensiven und die Anspiele der Aufbau- und Mittelfeldspieler aus geordnetem Spielaufbau. Ein gutes Beispiel ist die 3. Minute. (eintracht.tv ab 5:53)

Das ist der Moment, in dem Lindström den Angriff initiiert. Er startet seinen Tiefensprint nach außen und nutzt den zwischen Baumgartl und Außenlinie offenen Raum. Den kann nur ein sehr schneller Spieler anlaufen, der seinem Gegenspieler im Sprintduell einige Meter abnehmen oder zumindest einen Vorsprung verteidigen kann. Lindström mit seiner enormen Schnelligkeit ist dafür prädestiniert.

Tuta sieht den Passweg und spielt den anspruchsvollen Flugball stark in den Lauf von Lindström. Eine sehr gute Angriffausführung der beiden.

Lindström überspielt dann mit einem starken Offensiv-1 gg. 1 Baumgartl, gelangt so in die torgefährliche Vorlagenzone und kann den Ball dann in den Rückraum passen.

Hier das Ergebnis des Manövers: Borré kann völlig frei perfekt von Lindström angespielt werden. Das ist natürlich eine Großchance, nur tritt Borré dann komplett am Ball vorbei. Zu wenig für einen Stürmer, der Ball muss zumindest aufs Tor kommen.

Sehr gut zu sehen in der Anfangsphase die sehr unterschiedliche Spielanlage. Das SGE-Spiel ist deutlich variabler als das der Gäste (was stark an die stärkeren ersten Spiele erinnert), die Unioner setzen fast ausschließlich auf Konter/Balleroberungen und versuchen alle Bälle, auch aus der hinteren Reihe, sehr schnell auf die offensiven Reihen zu bekommen.

Das funktioniert aber kaum, vor allem weil die SGE viele Flachpassversuche der Berliner mit ihren beiden schnellen, antizipationsstarken 6ern Sow und Jakic gut angreifen kann. Eine perfekte Beispielssequenz, in der man auch die großen technischen Schwächern der Berliner Aufbauspieler gut sehen kann, ist die 6. Minute (eintracht.tv ab 9:22).

Gleichzeitig ist das ein Beispiel für das zweite regelmäßige Element des SGE-Offensivspiels: Der Schnellangriff in die Spitze nach Balleroberung im Mittelfeld.

Hier die Situation vor dem Ballgewinn durch Sow. Zunächst sieht man, dass IV Knoche den Pass im MIttelfeld spielt und Union in der Zentrale völlig offen ist. Sow holt sich den Ball dann gegen Prömel, der Sow in seinem Rücken nicht erwartet.

Sow schickt dann den tief startenden Borré direkt Richtung Tor. Der Pass ist auch gut, ebenso wie Borrés Abschluss, denn er schießt den Ball ins Tor. Der Treffer zählt dann nicht, weil Borré knapp im Abseits war. Aber diese Situation ist ein schönes Beispiel für einen Angriff mit wenigen Pässen nach Interception (in diesem Fall einer) zum Torabschluss.

Hier der Pass von Sow in die Spitze auf Borré. Gut zu sehen, dass die Zentrale der Berliner völlig offen ist. Hier hätte Borré etwas verzögern müssen, um nicht im Abseits zu stehen. Für einen interessanten Abschluss hätte es ziemlich sicher trotzdem gereicht.

Auch das Element Angriffe mit Ballzirkulation/Seitenverlagerungen aus der hinteren Reihe / Positionsspiel versucht die SGE nun wieder häufiger, tut sich aber sehr schwer damit, aus solchen Sequenzen heraus Tempo in die Spitze zu bekommen und diese Angriffe richten sich fast ausschließlich nach links und dort auf Kostic. Das ist nach wie vor das am wenigsten gut funktionierende Element des SGE-Offensivspiels. Ein weiteres Beispiel für so einen Schnellangriff kann in der 36. Minute besichtigt werden, hier über Lindström, Borré und Kostic. (eintracht.tv ab 39:00)

Eines der wenigen Beispiele, wo das bis in die Spitze gespielt werden kann, ist eine Sequenz in der 18. Minute (eintracht.tv ab 20:55). Ausgangspunkt ist Hasebe und im Bewegtbild kann man gut sehen, wie das Aufbauspiel über Hasebe funktioniert und warum er aus der hinteren Reihe zentral  oft andribbelt.

Hier das Andribbeln von Hasebe und man sieht , dass er einen Gegner auf sich zieht, bei einem zweiten lenkt er den Blick auf sich, so dass sicht Tuta im Rücken ungesehen freilaufen kann. Der Pass kommt dann auch auf Tuta, der dadurch genug Freiraum und auch Zeit hat, um den Angriff einzuleiten.

Tuta startet dann ein erneut langes Longline-Tempodribbling und die SGE verlagert dann über Borré, Sow und Kamada hinter der Spitze die Seite bis ganz links auf Kostic, dessen Hereingabe aber schwach ist.

Den fast identischen Angriff spielt die SGE in der 41. Minute und da klappt es viel besser.

Hier die Angriffsaktion, wieder über den von hinten andribbelnden Tuta, Seitenverlagerung erst in der offensiven Mittelfeldreihe über Borré und Kamada nach links auf Kostic.

Kostic spielt dann eine starke Hereingabe an den Fünfmeterraum, wo Borré nur noch einschieben muss, den Ball aber weit über das Tor schießt. Die Abschlussschwäche Borrés wird insgesamt langsam aber sicher zum Problem. Das ist in dem Spiel schon die zweite Großchance, die er vergibt, in den Spielen zuvor sah es nicht viel anders aus.

Diese Sequenz(en) ist aber eigentlich kein wirkliches Pass-Positionsspiel, da die gesamte Einleitung über das Tempodribbling rechts von Tuta stattfindet, aber zumindest im vorderen Bereich wird über mehrere Stationen dann die Seite verlagert und in die Spitze gespielt. Dieses Element wird weiter zu beobachten sein und vor allem ob die Mannschaft auch in diesem Bereich bald Fortschritte macht.

In den Szenen ist auch ein weiteres regelmäßiges und zunehmend häufiger eingesetztes Mittel des Aufbauspiels zu beobachten, nämlich das Tempodribbling der Innenverteidiger von der hinteren Reihe bis hinter die Spitze. Hier ist es Tuta, kurz darauf, in der 21. Minute N´Dicka über links, der mit einem solchen Lauf den Angriff einleitet. (eintracht.tv ab 24:01).

Aus dieser zweiten Situation entsteht dann eine Ecke, die Sow nach einer verunglückten Abwehr der Berliner aus dem Rückraum zur 1:0-Führung nutzt.

Entscheidend für das sehr druckvolle Spiel ist neben einer etwas höheren Erfolgsquote bei eigenen Angriffsmanövern aber vor allem das wieder viel wirkungsvollere und konsequenter durchgeführte Pressing und Gegenpressing. Dafür gibt es besonders in der ersten Halbzeit unzählige Beispiele. Hier nur eines, wo man es im Standbild gut sehen kann.

Das ist ein springender Ball, ein schlecht gespielter Flugball von Tuta aus der hinteren Reihe. Chandler leitet das Angriffspressing ein, alle hinter ihm machen mit. Man sieht, dass alle SGE-Spieler Zugriff auf die möglichen Anspielstationen haben. Baumgartl verliert unter dem Anlaufdruck von Chandler Geduld und Ruhe und kickt den Ball Chandler an die Brust.

Gegen technisch stark limitierte Verteidiger wie Baumgartl oder auch Knoche ist so ein Pressing fast immer wirksam und die SGE hat das in der ersten Halbzeit sehr stark und oft betrieben. Glasner lobte dieses Verhalten nach dem Spiel auch ausdrücklich. Gut zu beobachten die Szene auch bei eintracht.tv ab 22:40.

Noch ein kurzer Blick auf Hasebe. Wie im Antwerpen-Spiel schon zu beobachten zieht es ihn zunehmend ins Mittelfeld, was nicht sehr verwunderlich ist und was dazu führt, dass Tuta und N´Dicka hinter ihm häufig als Innenverteidigungs-Pärchen arbeiten müssen. Es gab in der 2.HZ zwei Situationen, in denen das beinahe ins Auge gegangen wäre, das Gegentor fällt nach einer ähnlichen Ungeordnetheit.

Die größte Chance der Berliner resultiert aus einem Kettenfehler der SGE in der 24. Minute. Diese wurden hier bei den anderen Analysen aber so ausführlich gezeigt, dass aus Redundanz-Gründen hier darauf verzichtet wird. Das bleibt aber ein Problem.

Ein weiteres regelmäßiges Angriffsmittel sind lange Flach- oder Flugbälle aus der hinteren Reihe oder aus dem defensiven MF in die Spitze oder hinter die Spitzen. Viele dieser Bälle kommen von Hasebe, aber auch Trapp und Tuta spielen die manchmal. Sie brachten aber gegen Berlin wenig ein. Ein Beispiel ist die Sequenz in der 25. Minute. Der Ball auf Borré geht zwar verloren, das Gegenpressing führt dann aber zu dem Lattenkopfball von Kamada nach Kostic-Flanke. (eintracht.tv ab 27:38). Den besten dieser Pässe im ganzen Spiel nach starkem Tiefenlauf von Lindström spielt Jakic in der 34. Minute. Da hält nur Kostic mit seinem Weltklassepass auf Lindström in der 2.HZ mit, siehe unten.

Hier der Sensationspass von Jakic auf Lindström, der mit seiner enormen Schnelligkeit den Pass überhaupt erst möglich macht. Es wird immer deutlicher, dass die im Vergleich zur letzten Saison jetzt deutlich höheren Schnelligkeit des Angriffspersonals mit zunehmender Eingespieltheit zu einer guten Waffe der SGE wird.

Baumgartl verhindert das 2:0 durch Lindström dann mit einem wirklich überragenden Sliding Tackling und vollem Risiko. Die Sequenz ist wirklich sehenswert. (eintracht.tv ab 37:02)

Die zweite Halbzeit (Re-Live)

Im zweiten Durchgang wird es für die SGE schwieriger, die Berliner sind etwas aggressiver und auch stärker in den Pressingsituationen, bauen breiter auf und setzen mehr auf eigene Ballbesitzphasen. Die SGE verzichtet jetzt öfter auf frühes Pressing, steht oft etwas tiefer. Die zweite Hälfte zeigt einen überragenden Kostic und dass die Mannschaft ihn nun wieder häufig sucht, ist gegen die überforderte linke Defensivseite auch eine gute Idee. Hier einige der stärksten Kostic-Aktionen in der Analyse.

Zunächst aber das Gegentor:

Der Ausgangspunkt ist ein Rückpass von Hasebe zu Trapp, der angegriffen wird und einen Befreiungsschlag Richtung Kostic spielt, wo der Ball dann aber nicht ankommt. Der hohe Ball landet bei einem Berliner, der ihn unkontrolliert Richtung Mittellinie köpft. Dort landet er bei Jakic, der ihn leicht bedrängt auch nicht kontrollieren kann und ihn unglücklich nach links köpft. (eintracht.tv ab 15:14)

Hier der entscheidende Moment des Ballverlustes an Awoniyi, der dann sofort ein Tempodribbling Richtung rechtsaußen startet, Lindström und Jakic hinterher. Man sieht hier, dass die SGE hinten ungeordnet ist, obwohl nach einem Freistoß zuvor und dem langen Trapp-Ball genug Zeit gewesen wäre, sich zu sortieren. Stattdessen sind weder Kostic, der sich sehr viel Zeit läßt, auf seine linke Defensivseite zurückzukehren, noch Chandler in die Kette eingerückt. Auch Hasebe besetzt nicht seine Position, sondern steht links von beiden Innenverteidigern.

In der Folge passieren drei entscheidende Fehler, die zum Tor führen:

Erster Fehler: Abschalten. Das ist der Moment, in dem Awoniyi den Sprint gegen Lindström wieder anzieht. Alle drei möglichen Unterstützer winken, weil sie meinen, der Ball sei im Aus. Diese Winkerei bringt natürlich nichts und ist im Grunde unprofessionell. Jakic verabschiedet sich dabei auch komplett aus der Aktion und läuft aus.

Den zweiten Fehler macht, auch wenn es für seine Fans ungemütlich ist, Hasebe mit schwachem Stellungsspiel. Er rückt ohne Not viel zu weit aus der Kette nach links.

Hier sehr deutlich zu sehen, dass Jakic den Passweg hinter Sow nach seiner Unaufmerksamkeit nicht mehr rechtzeitig zulaufen kann und dass Hasbe durch sein zu weites Herauslaufen und zu undistanziertes 1 gg. 1 – Verhalten jetzt hinter Awoniyi auf der Außenbahn landet. Als zentraler Innenverteidiger der Dreierkette!

Das sind krasse Fehler von Hasebe und Jakic. Warum Chandler nicht die Kette hinten unterstützt, dürfte ebenfalls sein Geheimnis bleiben, ist aber nicht relevant für den weiteren Ablauf.

Hier der Kontakt N´Dicka-Awoniyi, der zum Elfmeter führt. Man sieht, dass N´Dicka als jetzt zuständiger Verteidiger in das von Hasebe zu früh verlorene Duell hineindoppeln muss. Das macht er etwas zu ungestüm. Fehler Nr. 3.

Das etwas zu ungestüme Zweikampfverhalten von N´Dicka ist ein eher kleiner individueller Fehler, der ihm nicht allzu häufig passiert. Fehleranalytisch ist das nicht sehr relevant, denn N´Dicka kommt ohnehin zu spät, der Angriff der Berliner wird durch sein Foul gar nicht unterbunden, sondern Awoniyi kann auf  Becker passen, der ihn dann frei vor Trapp an den Pfosten schießt. Selbst ohne N´Dickas Foul wäre da also die beste Chance der Berliner im Spiel und viel Glück für die SGE gewesen.

Den berechtigten Elfmeter verwandelt Kruse.

Dann ein kleine Sammlung von Kostic-Angriffen der 2. HZ:

47. Minute: Kostic gewinnt den Ball (Interception) im Gegenpressing vorne, überrennt den bemitleidenswerten Friedrich, flankt gut auf Lindström, der aber kein gutes Timing beim Anlaufen des Kopfballes hat und die Kostic-Flanke knapp verpasst. (eintracht.tv ab 2:16).

In der 66. Minute vielleicht das anschaulichste Beispiel für die Unfähigkeit der Berliner, Kostic unter Kontrolle zu bringen. Er startet in der eigenen Hälfte, behauptet sich alleine und ohne Unterstützung gegen drei Berliner Gegenspieler, bringt aus dieser engen Situation noch eine starke Flanke, die zwar bei den Berlinern landet. Die können den Ball aber aufgrund ihrer technischen Schwächen nicht kontrollieren, Kamadas Abschluss wird dann aber geblockt. (eintracht.tv ab 21:12)

In der 68. Minute, auch diese Situation lohnt es sich, im Re-Live noch einmal anzusehen, der präziseste und längste Aufbaupass des ganzen Spiels, Kostic von links hinten auf Lindström rechts vorne. Das ist nichts anderes als ein Weltklassepass, den so präzise in der Bundesliga nicht viele spielen. (eintracht.tv ab 23:56).

In der 70. Minute wieder ein Tempodribbling von N´Dicka aus der eigenen Hälfte, Pass auf Kostic, die Flanke verpasst der kurz zuvor eingewechselte Paciencia gegen Luthe. Der von den Berlinern schwach abgewehrte Ball wird dann von Jakic noch einmal gefährlich auf Paciencia gepasst, doch der Pass ist etwas zu lang.

Das 2:1 in der 95. Minute entsteht aus einer Situation, in der die SGE in der Schlussphase alles nach vorn wirft und die Berliner sehr tief stehen.

Hier der Pass von Sow auf Kostic, der dann eine seiner Präzisionsflanken auf N´Dicka spielt. N´Dicka versenkt den dann sehr stark per Kopf. Hier aber auch gut zu sehen, dass die SGE gleich mit drei enorm kopfballstarken Spielern vorne steht, das ist für die Berliner sehr schwer zu verteidigen.

Die Szene gibt auch einen Hinweis darauf, warum die SGE so häufig kurz vor Schluss trifft. Dieses „Brechstangen“-Spiel muss nämlich durchaus gut organisiert und eingeübt sein. Dass die SGE das sehr gezielt einsetzen kann, sieht man hier. Die Formation ist kein Zufall.

Außerhalb von starken Kostic-Aktionen hatte die SGE in der 84. Minute nach einer tollen Einzelaktion des kurz zuvor eingewechselten Ache und dessen Flanke auf Paciencia eine weitere Großchance. Paciencia wird aber entscheidend gestört, das Foul reichte Schiri Stegemann aber nicht für einen Elfmeter, und in der 91. Minute, wieder Ache auf rechtsaußen und Hereingabe auf Paciencia.

Fazit

Die SGE geht als vollkommen verdienter Sieger vom Platz, das bestätigte auch Union-Trainer Fischer nach dem Spiel: „Sie waren in allen Belangen besser als wir.“

Diese Entwicklung zeichnete sich seit Wochen ab, wie hier immer wieder dokumentiert. Die Offensive der SGE mit Kamada, Borré, Lindström, aber auch den Back-Ups Paciencia, Ache und Hauge gehören zum besten, was in der Bundesliga zu finden ist. Dass das neue Element Schnelligkeit, das durch Borré und Lindström ins SGE-Angriffsspiel eingebracht wird, erst mit der Zeit wirksam werden kann, weil es dabei viel um abgestimmte Lauf-Pass-Wege geht, war klar und sichtbar. Nun gelingen die Pässe in die Spitze zunehmend besser, wodurch das SGE-Spiel gefährlicher wird. Die hier gezeigten Angriffselemente waren alle schon seit Wochen zu beobachteten, scheiterten aber meist an Ungenauigkeiten in der Ausführung.

Nach der Hereinnahme von Paciencia zeigte sich deutlich, dass dieser Spieler ganz andere Anspielmöglichkeiten in die Spitze bot, als zuvor Borré. Die enorm hohe Quote an guten Bällen in die Spitze konnten nun ergänzt werden durch Kopfball-Flanken. Sollte die SGE weiterhin so dominant spielen wie gegen Berlin, dürfte sich bald die Frage stellen, ob ein Spiel mit zwei echten Spitzen nicht effektiver ist und ob man diese offensive Option wirklich dauerhaft zugunsten eines Liberos, der an den entscheidenden Offensivsequenzen praktisch nie beteiligt ist, opfern will.

Mit Kostic hat die SGE, das hat das Spiel erneut gezeigt, einen der derzeit stärksten Offensivspieler der Bundesliga, auf der offensiven Außenbahn/Halbposition dürfte er auch in Europa zu den präzisesten und schnellsten gehören und die SGE tut gut daran, diesem Spieler eine zentrale Rolle im Spiel zukommen zu lassen. Das muss aber, wie gegen Berlin von einer starken rechten Seite und guten vorbereitenden Spielzügen ergänzt werden.

Die Probleme im hinteren Bereich bleiben allerdings bestehen, auch wenn Tuta und N´Dicka in diesem Spiel nun weitgehend fehlerfrei hinten als Innenverteidiger-Duo agierten.

Die positiven Entwicklungen sind zu sehen, aber das bedeutet nicht, dass die SGE jetzt alle Spiele gewinnt. Die Probleme sind nicht vom Tisch und Entwicklungen sind nie linear.

Spielerbewertungen

Auffällig stark waren N´Dicka und Tuta, die mit ihren Tempoläufen beide auch viele Impulse nach vorne setzen konnten, hier wird gut sichtbar ein neues Aufbau-Element etabliert. Kostic machte ein überragendes Spiel, solch überragende Einzelleistungen eines Spielers sieht man selten. Beide Sechser (mit Ausnahme des Gegentores) und der eingewechselte Ache zeigten gute Leistungen. Aber auch alle anderen Spieler agierten weitgehend auf hohem Niveau, keiner fiel auffällig ab.

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