FC Barcelona – SGE 2:3 (0:2)

Wie es die SGE geschafft hat, den großen Gegner zu schlagen – in der Analyse.

Die Aufstellung

FC Barcelona: ter Stegen – Mingueza (61. Dest), Araujo, Garcia (70. L. de Jong), Jordi Alba – Pedri (46. F. de Jong), Busquets, Gavi – Dembélé, Aubameyang (61. Traoré), Ferran (80. Depay) – Trainer: Xavier Hernandez i Creus

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen (inkl. herausgeholte Elfmeter) und algorithmisch (aus statistischen Spieldaten) generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Das Spiel

Analytisch sind zur Erklärung des guten Ergebnisses für die SGE mehrere Faktoren entscheidend: Zum einen das frühe Führungstor, auf das Barca keine Antwort fand, zum zweiten das „den Gegner nicht ins Spiel kommen lassen“ der SGE. Doch wie funktionierte das genau? Drittens die Tatsache, dass Dembélé gut verteidigt werden konnte und viertens, dass das Schnellkombinationsspiel der SGE für Barca nur schwer zu verteidigen war und insbesondere Lindström und Kostic (mit ihrer Schnelligkeit) für Barca nicht zu halten waren. Im Detail:

  • das frühe Gegentor

Das 0:1 fällt aus einer längeren eigenen Ballpassage der SGE. Wie fast im gesamten Spiel bringt die SGE (durch Hinteregger) den ersten Aufbauball direkt lang in die Spitze auf den ansprintenden Lindström.

Hier die Angriffseinleitung durch Hinteregger. Lindstöm spielt mit dem diagonalen Weg in die Spitze seinen Schnelligkeitsvorteil aus, wodurch der „einfache“ lange Ball möglich wird. Hintereggers Pass ist gut, aber nicht optimal, sodass Lindström den nicht in vollem Lauf mitnehmen kann.

Dadurch kommt Barca wieder ins Spiel, kann sich defensiv wieder stellen. Die Eintracht spielt dann von links über Kamada und Rode einen Seitenwechsel. Der Ball landet bei Borré.

Gut zu sehen, dass die SGE mit sehr starker Boxbesetzung (Spieler gut gestaffelt) bei diesem Angriff Lindströms Gegenspieler Garcia stark unter Druck setzt. Garcia muss einerseits Lindström am Abschluss hindern und gleichzeitig eine Ablage auf den völlig freien Kamada oder Kostic verhindern, da der junge Pedri die Situation völlig verschlafen hat und die frische Abendluft in Camp Nou deckt statt Kamada. Garcia weiß sich dann nur zu helfen, indem er Lindström hält und zu Boden reißt – ein klarer Elfmeter.

So sehr die Situation auch von der SGE erzwungen gewesen ist, Garcias Zweikampfverhalten gegen Lindström hier ist natürlich katastrophal. Garcia hat mit seinen 21 Jahren bereits 15 Länderspiele für Spanien bestritten, hier kann er Lindström nicht adäquat bearbeiten. In den Bewegtbildern (eintracht.tv ab 7:40) ist gut zu sehen, dass Lindström vor dem Foul mit einem kurzen Sprint Garcia überläuft, was letztlich das Halten nach sich zieht.

  • das Verhindern des Barca-Spiels

Das Spiel der Spanier ist sehr auf die eigene breite Spitze ausgerichtet und zielt im Aufbau stark auf die beiden Außenstürmer, die wie immer sehr breit standen, also oft beide nahe der Außenlinie. Die Eintracht bekämpfte das wie im Hinspiel mit einer sehr disziplinierten (vor allem Kostic und Knauff) 5er-Kette. Immer wieder ergab sich das Bild wie hier in der 13. Minute:

Hier das sich immer wiederholende Bild: Die SGE hinten mit einer 5er Kette gegen die breite Spitze der Spanier, davor eine Viererreihe, die sehr ball- und Ballbesitzer-orientiert verschieben.

Entscheidend sind hier die Kettenabstände zwischen 5er- und 4er-Mittelfeldkette. Diese hält die SGE entgegen dem üblichen Spiel mit Angriffspressing sehr eng und tief. Hier im Bild sind die sehr knappen Abstände gut zu sehen, auch wie tief die SGE steht. Das Angriffspressingelement, das die SGE sonst standardmäßig spielt, hat Glasner in diesem Spiel weitgehend bzw. komplett abgeschaltet.

So hat die 5-4-Defensive der SGE immer und überall Zugriff und verwickelt die Spanier mit jedem Versuch, offensiv zu werden, ab dem Mittelfeld in gedoppelte Zweikämpfe. Aus diesen Ballgewinnen startet die SGE dann regelmäßig Konter.

Barca fällt gegen dieses 5-4-Mittelfeld Pressing über die gesamte Spielzeit kein geeignetes Gegenmittel ein. Ein wichtiger Schlüssel zum SGE-Erfolg.

  • Verteidigen von Dembélé

Mit Dembélé stand der im Barca-Spiel dominante Offensivspieler diesmal von Anfang an auf dem Platz und musste dementsprechend von der SGE bearbeitet werden. Das Problem bei Dembélé ist, dass er in praktisch allen technischen Disziplinen so stark ist, dass man ihn weder flanken, noch Sechzehnerpässe spielen, noch dribbeln, und schon gar nicht schießen lassen darf. Dembélé wurde daher von der SGE, wann immer möglich, sehr aggressiv gedoppelt, Kamada schob meist als dritte Absicherung zusätzlich in die Manöver gegen Dembélé.

Hier eine Situation, in der es sehr gut funktioniert. Ein typisches Barca-Manöver, Pedri startet nach außen, um einen Gegner etwas nach außen zu ziehen und innen den torgefährlichen Raum für Dembélé zu öffen. Der startet auch sofort das Tempodribbling, das aber von Kostic seitlich mitaufgenommen wird, Ndicka doppelt, Kamada gewinnt den Ball dann „aus dem Mittelfeld“: Die Arbeit der drei hier ist reif für einen Lehrfilm. (eintracht.tv ab 37:40)

Dieses Bearbeiten des Barca-Spielmachers war sicher ein sehr wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Auch das 0:2 durch Borré entstand aus einem Ballgewinn gegen Dembélé, allerdings im Mittelfeld, wo Jakic und Rode die Arbeit übernehmen, Borré „von vorne“ unterstützt. (eintracht.tv ab 41:19)

Hier die Situation direkt vor dem Tor. Rode und Jakic doppeln Dembélé, der spielt aus der Bedrängung einen schwachen Rückpass Richtung Busquets, den sich Jakic mit einem langen Bein holt und der dann von Kostic auf Borré durchgesteckt wird.

Borré nimmt den Ball mit und schießt ihn aus der zweiten Reihe ins Tor.

Die einzige ernstzunehmende Chance aus dem Spiel der Spanier in der ersten Halbzeit entstand aus einer Szene, in der Ndicka allein ins 1 gg. 1 gegen Dembélé musste:

Hier die Situation aus der 9. Minute: (eintracht.tv ab 14:10): Ndicka hat im 1 gg. 1 am Flügel gegen Dembélé keine Chance, Dembélé mit seinem typischen Move links am Verteidiger vorbei, die Flanke landet bei Aubameyang, der aus kurzer Distanz frei vor Trapp den Ball nicht richtig drücken kann.

Viel Glück für die SGE in dieser Szene, allerdings war das eine der ganz wenigen Situationen, in denen Kostic und Kamada/Rode nicht rechtzeitig die Überzahl gegen Dembélé herstellen konnten. Die Situation war aus einem Konter von Barcelona entstanden nach einem der wenigen Ballverluste der SGE im vorderen Drittel.

Mit zunehmender Spieldauer wirkte Dembélé von der SGE-Behandlung genervt, produzierte Konzentrationsfehler und war dann in der zweiten Halbzeit auch im 1 gg. 1 von Hinteregger, Rode und anderen in verschiedenen Situationen gut zu verteidigen, wenn er einmal etwas mehr Platz hatte. Ferran auf der anderen Seite war mit dem dauernden gedoppelt und gesichert werden im Grunde von Beginn an überfordert und kam kaum ins Spiel.

Mitte der zweiten Halbzeit schob Xavi Dembélé nach links, wohl in der Hoffnung, dass er sich dort besser würde durchsetzen können, allerdings ohne Erfolg – nun bearbeiteten eben Knauff und Touré den Barca-Star mit dem gleichen Ergebnis.

Für Dembélé spielte dann Traoré rechts und er brachte die linke Seite der SGE eher in Verlegenheit, zumindest erkannte er, dass er sich gegen die ballorientierten 3er-Blöcke nicht in direkte Dribblings ohne Tempo wagen sollte und stattdessen etwas früher auf Flanken setzen musste.

Hier die Situation direkt vor dem 1:3 für Barca in der 91. Minute: Die SGE stellt wie immer die 3er-Formation gegen die Flügelspieler, doch Traoré flankt aus der Situation. Hinteregger kann dann zwar den Abschluss von Luuk de Jong blocken, der Nachschuss von Busquets geht dann aber ins Tor.

Früheres Flanken wäre sicher eine Möglichkeit für Barca gewesen, dem Dauerdruck auf die Außenspieler zu entgehen, denn der große personelle Aufwand der SGE gegen Dembélé, Ferran und später Traoré ging, wie hier, u.a. auf Kosten der Rückraumbesetzung im zentralen Bereich.

  • eigene Schnellkombinationen und Flugbälle hinter die Barca-Kette

Die Situation vor der ersten Barca-Großchance oben (Dembélé-Aubameyang) ist interessant, da sie ex negativo einen wichtigen Teil des Glasner-Matchplans gegen Barca zeigte. Es wurde im eigenen Aufbau praktisch ausschließlich versucht, mit langen Flugbällen hinter die Barca-Kette die schnellen Stürmer zu schicken bzw. die hohen Bälle über die Kette zu verlängern und dann mit vielen Spielern nachzurücken, siehe oben. Was dagegen unbedingt vermieden werden sollte, waren Bälle, die vor der Kette herunterkamen und dann von Barca als zweite Bälle attackiert werden konnten, genau das passiert aber hier:

Hier der verunglückte Aufbaupass von Hinteregger. Der Ball landet in der „Sechser-Zone“, wo Barca mit extrem spielstarken Fußballern besetzt ist, die sehr schnell den Weg auf die Außenstürmer suchen. Hier auch zu sehen, dass die SGE mit 5 Spielern nachrückt, also sehr weit aufgerückt ist. So entsteht der Konter, der dann bei Aubameyang landet.

Neben diesem fast immer gleichen Aufbaumuster versuchte es die SGE mit den üblichen Schnellkombinationen, also einer eingespielten Stärke.

  • Lindström und Kostic

Lindström holte den frühen Elfmeter heraus, weil sein kurzer Antritt von Garcia nicht adäquat bearbeitet werden konnte. Er hatte einen derartigen Antritts- und Endgeschwindigkeitsvorteil gegenüber Jordi Alba, dass einem der 33jährige 82fache Kapitän der spanischen Nationalmannschaft leid tun musste, er wurde mal um mal von Lindström überlaufen. Wer sich das einmal ansehen will (es ist wirklich krass), dem sei die Riesenchance von Lindström zum 0:3 in der 58. Minute empfohlen (eintracht.tv ab 14:04):

Hier die Situation kurz nach dem Ballgewinn von Kostic links, Kostic hier in Ballbesitz. Unten hat Jordi Alba noch knapp 2 Meter Vorsprung auf Lindström.

Die SGE spielt dann eine Schnellkombination über Borré und Kamada mit Seitenwechsel:

Lindström hat Jordi Alba hier auf dem Sprintweg knapp 4 Meter abgenommen und kann allein Richtung ter Stegen laufen.

Dass Xavi auf die Sprintstärke von Lindström, die schon im Hinspiel ein Faktor war, weder personell noch taktisch reagierte und der Eintracht dieses Einfallstor einfach wieder anbot, ist eine ziemliche Fehlleistung des Barca-Trainers.

Kostic spielte im Dauerduell gegen Dembélé ebenso eine wichtige Rolle wie als Doppeltorschütze und Vorlagengeber. Das Tor zum 0:3 erzielt er inzwischen im Schlaf und selbstredend darf man Kostic nicht im Strafraum derartig frei zum Abschluss kommen lassen. (eintracht.tv ab 23:30). Aber auch in seinem defensiven Spiel- und Zweikampfverhalten hat der Spieler in dieser Saison noch einmal einen Entwicklungsschritt gemacht und so war auch eine solche Leistung gegen Barcelona als echter Schienenspieler möglich.

Die beiden Spieler sind auch auf europäischem Top-Niveau in der Lage, Spiele entscheiden zu können, wie kaum zu übersehen war.

Fazit

Es gelang der Eintracht über 90 Minuten, gnadenlos ihr Spiel durchzusetzen und es Barcelona aufzudrücken: Im Aufbau ausschließlich lange Bälle und dann Attackieren der zweiten Bälle oder Nachrücken, wenn Lindström, Borré oder Kostic in den Lauf angespielt werden konnten. Dadurch hatte Barca praktisch null Ballgewinne im Mittelfeld und konnte daher praktisch nie schnell nach vorne spielen. Dazu eine extreme Raumverengung in der Zentrale. Blieb für Barca nur noch das Spiel über die Außenstürmer, die (vor allem Dembélé) super-aggressiv und mit viel Laufaufwand gedoppelt und gedreifacht wurden (siehe oben im Detail). Wohingegen die SGE selbst viele Kontermöglichkeiten hatte und im vorderen Drittel nach den langen Bällen häufig torgefährlich werden konnte.

Das ist eine extreme taktische Leistung gewesen, die viel Geduld und Bereitschaft der Spieler voraussetzt. Es war ein brillanter Plan, der auf die eigenen Stärken und die Schwächen des Gegners perfekt abgestimmt war und von den eingesetzten Spielern mit enormem Aufwand und Einsatz umgesetzt wurde.

Im Grunde war das 0:2 zur Halbzeit und das 0:3 nach 90 Minuten für Barcelona noch schmeichelhaft, mindestens Knauff hätte kurz vor Abpfiff der ersten Halbzeit nach Weltklasseseitenwechselflugpass von Rode und tollem Dribbling noch auf 3:0 erhöhen können (eintracht.tv 49:14), ebenso Lindström in der oben gezeigten Szene aus der zweiten Halbzeit. Es gab weitere gute Einschussmöglichkeiten für die SGE.

Neben den oben dargestellten Schlüsseln spielte ein weiterer Faktor eine wichtige Rolle: Die hier immer wieder benannte technische Stärke der SGE. Die Mannschaft war ball- und passsicher genug, um sich aus dem Gegenpressing der Katalanen zu befreien, auch eigene längere Ballsequenzen zu bekommen und Konter und Schnellangriffe nachhaltig auf den Platz zu bekommen. Das dürfte für Außenstehende, die sich nicht seit Saisonbeginn ausgiebig analytisch mit der Mannschaft beschäftigt haben, vielleicht die größte Überraschung gewesen sein: Die Tatsache, dass die Eintracht-Elf (Startaufstellungswert laut transfermarkt.de 134 Mio. €) mit dem Starsensemble aus Barcelona (363 €) auch technisch mithalten konnte.

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SGE – SC Freiburg 1:2 (0:1)

Im Duell mit einem direkten Konkurrenten um die europäischen Plätze verlor die Eintracht, obwohl sie die bessere Mannschaft war. Wie konnte das passieren? Eine analytische Antwort.

Die Aufstellung

SCF: Flekken – Günter, N. Schlotterbeck, Lienhart, Kübler (82. Schmid) – Grifo (88. Haberer), Höfler, Eggestein, Sallai (61. Petersen) – Höler (61. K. Schlotterbeck), Demirovic (61. Jeong) – Trainer: Christian Streich

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch (aus statistischen Spieldaten) generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

Quelle: Youtube

Das Spiel

Die SGE war wie in fast allen Spielphasen die technisch etwas bessere Mannschaft, auch kombinationsstärker als die Freiburger, bestimmte das Spiel fast über die gesamte Spielzeit, machte aus den vielen Chancen aber viel zu wenig, nämlich nur ein Tor und schenkte den Gästen eines durch eine katastrophale Abwehrarbeit vor dem ersten Gegentor.

Ein kurzer Blick auf die Abschlüsse und Highlights des Spiels.

torfähige Abschlüsse und Tore:

11. Minute: Abschluss Borré

Nach Pressing-Ballgewinn im Mittelfeld und Schnellkombination über Rode, Hauge und Borré die erste Chance des Spiel. Borré bringt den freien Abschluss nicht einmal aufs Tor.

17. Minute: Abschluss Hauge

Wieder nach Pressing-Ballgewinn im Mittelfeld (Freiburg hatte technisch deutlich größere Probleme mit dem Engmachen der Räume als die SGE): Schnellkombination über Hauge, Kostic auf linksaußen, Kostics flache Hereingabe landet dann über Borré und Lindström wieder bei Hauge:

Hier die Passfolge: Kostic, Borré, Lindström, Hauge spielen hier eine One-Touch-Kombination im gegnerischen Sechzehner (sieht man auch nicht so oft), Hauges Abschluss ist dann eine Rückgabe, Hauge bekommt keinerlei Druck auf den Ball. Trotz klarer Überzahl in Ballnähe können die Freiburger den Abschluss nicht verhindern.

Hauge muss den direkt nehmen, daher ist das technisch sehr anspruchsvoll, aber das ist schon zum ersten Mal viel Glück für Freiburg. Wenn Hauge den einigermaßen gut trifft, ist das eine große Torchance aus 11 Metern. In dieser Szene sieht man aber auch, dass das extrem schnelle, laufintensive und mit wenigen Kontakten durchgeführt Kombinationsspiel der SGE nur sehr schwer zu verteidigen ist, selbst in defensiver Überzahl. In den Bewegtbildern sieht man noch viel besser, wie die Lauf- und Passwege inzwischen automatisiert sind: Kostics Hinterlaufen bei Ballbesitz Hauge auf dem Flügel, Borrés Antritt auf den kurzen Pfosten, Lindströms Erkennen der Situation in einem extrem engen Raum und die Ablage auf Hauge (eintracht.tv ab 19:24). Das sind wirklich starke Kombinationen, die in der Genauigkeit und Frequenz in der Bundesliga kaum einen Mannschaft spielt.

22. Minute: Erste Freiburger Chance

Nach einem überragenden Tiefenpass von Grifo auf Günther kann Ndicka dessen Hereingabe blocken. Vorausgegangen war ein einfacher Stellungsfehler von Tuta.

27. Minute: Abschluss Hauge

Dem Gegentor ging ein guter Angriff samt 20-Meter-Abschluss von Hauge voraus, den Flekken halten kann. Auch das ist eine durchaus gute Chance. Der Ball landet dann noch mehrfach bei Eintracht-Angreifern, deren Schüsse werden aber alle geblockt. Schließlich landet der Ball bei Ndicka.

27. Minute: Tor Grifo

Zum 0:1 kommen die Freiburger wie die Jungfrau zum Kinde, im Grunde ist das ihr erster wirklicher Abschluss und es brauchte ein Super-Abwehrchaos der SGE, um es überhaupt zu ermöglichen.

Zunächst spielt Ndicka zentral vor dem Freiburger Tor bei komplett aufgerückter SGE einen Katastrophenpass auf Rode, den sich Eggestein mit starkem Sliding Tackling vor Rode angelt. Sallai macht sehr schnell und aggressiv Druck auf Ndicka, ein Abdrehen und nach hinten Spielen wäre für Ndicka hier aber noch gut möglich gewesen, er trifft hier einfach eine sehr schlechte Entscheidung.

Danach spielen die Freiburger den Konter sehr schnell aus, Höler spielt den Ball von Eggestein direkt tief in die linke Spitze auf Demirovic, der direkt nach Halbrechts auf den mitgelaufenen Sallai. Nun verzögert sich der Angriff etwas, Zeit für die SGE, Zugriff und Ordnung zu organisieren, aber leider:

Hier die Situation bei dem Pass von Demirovic nach rechts. Im Grunde ist das hinten noch recht gut zu verteidigen. Wie man sieht, steht die SGE im hinteren Bereich sogar noch in 3-2-Überzahl, selbst wenn Grifo, Höler und Rode nachrücken, ergäbe sich noch keine Überzahl für Freiburg. Es kommt in einer solchen Situation natürlich auf die Organisation der Restverteidigung an und wie man sieht, kann auf Seiten der SGE keine Rede von so etwas wie Organisation sein. Stattdessen rennen Hinteregger, Tuta, Ndicka und letztlich auch Rode alle Richtung Zielspieler Sallai.

Man muss es so hart sagen: Dass im Rückwärtsgang nicht alle zum Ball rennen sollen, ist im Grunde Trainingsinhalt F-Jugend. Es sieht bei der Torvorlage von Sallai dann wirklich so aus: (kein Photoshop!)

Die Eintracht-Restverteidigung stellt ein 4 gg. 1 gegen Sallai und produziert damit ein 0 gg. 3 am/im eigene Sechzehner. Vor allem Rode und Tuta haben da bei Sallai wirklich nichts zu suchen und wären als Absicherung und um Passwege zuzustellen auf den Kettenpositionen oder mit 1:1-Zuordnung richtig gewesen.

Für Grifo ist es dann eine leichte Übung, den Ball ins Tor zu legen. Trapp ist chancenlos.

52. Minute: Abseitstor Lindström

Da es abseits war, ist das Tor nicht sonderlich analytisch relevant. Interessant aber ist, dass Lindström dieses 1 gg. 1 gegen Flekken sehr ruhig und technisch sauber löst und den Ball ins lange Eck legt. Diese Situationen beim Torabschluss waren zuletzt ein großes Problem bei Lindström und seine Aktion hier ist in diesem Sinne ein echter Fortschritt. (eintracht.tv ab 7:30).

54. Minute: Tor Kostic

Das Tor ist aus einem Tuta-Einwurf von rechts hinten entstanden.

Borré verlängert den Einwurf per Kopf zu Hauge. Die Freiburger Viererkette ist hier zu weit nach links eingerückt, die letzte Reihe hat keine ausreichende Breite mehr, auch Sallai ergänzt die letzte Reihe hier nicht, bzw. schlecht. Ganz links (hier nicht im Bildausschnitt) lauert Kostic alleine auf einen Pass zum Tor.

Hauge spielt den Ball dann perfekt getimt auf Kostic, der im 1 gg. 1 gegen Flekken den Ball ziemlich einfach und sicher verwandelt.

57. Minute: Abschluss Kostic

Glück für Freiburg. Nach einer Einzelaktion von Kostic geht der Ball nur knapp am langen Pfosten vorbei.

58. Minute: Abschluss Borré

Nach langem Flugball von Hinteregger aus der letzten Linie läuft Borré in der Spitze seinem Gegenspieler Nico Schlotterbeck davon, trifft aber nur das Außennetz.

68. Minute: Tor durch Petersen

Man kann viel darüber diskutieren, wie Petersen bei Freistoßflanken zu verteidigen ist. Darüber rätselt die halbe Liga, das ist wirklich schwierig. Nichts zu diskutieren gibt es hingegen über das Zweikampfverhalten von Tuta in der Situation, die zum Freistoß führt und dass man gegen die extrem Standard-starken Freiburger keine seitlichen Freistöße provozieren sollte, besonders wenn Petersen auf dem Platz ist, ist nun wirklich kein Geheimnis.

Tuta rennt frontal in den Gegenspieler, statt richtig Abstand zu halten, seitlich Tempo aufzunehmen und damit im Spiel zu bleiben. Das ist ein krasser Zweikampffehler, zumal die Situation nicht Richtung Tor ging.

Mit diesem individuellen Fehler ermöglicht Tuta den Freiburgern eine ihrer Lieblingsstandards: Seitliche Hereingabe Grifo auf Petersen.

83. Minute: Innenpfostenschuss Hrustic

Der Schuss war ein Freistoß von Hrustic in die Freiburger Mauer, erst den Nachschuss knallt Hrsutic dann an den Pfosten. Interessant ist die Entstehung des Freistoßes, denn das war ein toller Pass von Paciencia auf Jakic nach starkem Aufbauball von Hinteregger.

Hier die schnell gespielte Situation. Die starke Idee von Hinteregger und sein präziser Pass, die Weiterleitung in den Lauf von Jakic.

Der Pass von Paciencia ist nicht optimal, Jakic verliert bei der Ballmitnahme daher etwas Tempo, läuft aber dennoch mit hohem Tempo Richtung Flekken, was Lienhart veranlasst, ein ziemlich heikles Foul zu begehen. Das war knapp an der Notbremse und Lienhart sieht zu Recht gelb. Den Freistoß-Nachschuss schießt Hrustic dann an den Pfosten. Viel Glück für Freiburg.

86. Minute: Abseitstor Kamada

Nach einer technisch sehr starken Diagonalflanke von Jakic köpft Kamada den Ball aus kurzer Distanz am langen Pfosten ins Tor. Kamada stand aber knapp im Abseits, das Tor wird zurückgenommen.

93. Minute: Foul an Hinteregger im Strafraum

Nochmal viel Glück für Freiburg. Die Situation ist sicher eine Kann-Situation, das muss nicht gepfiffen werden, aber es gibt durchaus Schiedsrichter, die da Elfmeter geben, zumal Hinteregger wohl an den Ball gekommen wäre, wenn er nicht geschoben worden wäre.

Fazit

Im Duell zweier in den letzten Jahren Richtung oberes Tabellendrittel drängender Vereine war zu beobachten, dass beide noch einiges von den Top-4 der Liga trennt, auf Seiten Freiburg vor allem technisch stärkeres Personal, auf Seiten der SGE vor allem eine zu hohe Fehlerquote in der hinteren Reihe und bei Abschlüssen und letzten Bällen.

Ähnlich wie im Hinspiel war die SGE in vielen Belangen die bessere Mannschaft, insbesondere technisch überlegen. Die Freiburger haben mit Grifo aber einen Unterschiedsspieler, der in zwei Situationen zwei Tore produzierte.

Das hat das Spiel entschieden, sowie zwei Bereiche, in denen die Freiburger Vorteile haben, nämlich bei Standards und in der hinteren Reihe. Die Viererkette der Gäste produzierte schlicht einen krassen Fehler weniger als die hintere Reihe der SGE, die beim ersten Gegentor ein großzügiges Gastgeschenk verteilte.

Insbesondere Tuta wird inzwischen wieder zu einem Sicherheitsrisiko, im Grunde gehen beide Gegentore zu großen Teilen auf seine Kappe. Er ist ein junger Spieler, da sind auch größerer Formschwankungen nichts Ungewöhnliches. (Diese sind meist auf Rückfälle in früher falsch automatisierte Verhaltensmuster zurückzuführen. So auch hier. Zwischenzeitlich hatte Tuta seine Fehlerquote in den einschlägigen Situationen deutlich gesenkt.) Dennoch muss Tuta daran arbeiten, wenn er nachhaltig auf Bundesliganiveau spielen will. Es sollte auch dringend eine Alternative, mindestens ein starker Backup für Tuta gefunden werden.

Im Rennen um den Europa-League-Platz ist tabellarisch im Übrigen nichts verloren. Sofern Leipzig den DFB-Pokal gewinnt, reicht Platz sechs, den momentan Hoffenheim belegt, auch Platz sieben wäre dann mit Conference League noch europäisch, diesen Platz belegt derzeit Union Berlin, Hoffenheim und Berlin haben beide 5 Punkte Vorsprung vor der SGE, gegen beide muss die Eintracht noch spielen und zwischen Frankfurt und den beiden steht nur Köln, das ist also rein arithmetisch noch gut machbar, aber dafür müsste die SGE anfangen, zuverlässig zumindest die Spiele zu gewinnen, in denen sie die insgesamt besser Mannschaft ist. Das hat gegen Freiburg nicht geklappt.

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SGE – FC Barcelona 1:1 (0:0)

Das „Jahrhundertspiel“ Teil 1 in der Analyse.

Die Aufstellung

FC Barcelona: ter Stegen – Jordi Alba, Garcia, Piqué (23. Lenglet), Araújo – Gavi (de Jong), Busquets, Pedri – Ferran Torres, Aubameyang, Traoré (62. Dembélé)

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch (aus statistischen Spieldaten) generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

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Die Statistik

Die Highlights

Quelle: Youtube

Die Analyse

Für das gute Spiel und Ergebnis der Eintracht gab es mehrere ausschlaggebende Gründe:

  1. Barca-Rotation

Barcelona-Trainer Xavi rotierte zwei seiner zentralen und wichtigsten Spieler aus der Mannschaft, sowohl Mittelfeldspieler Frenkie de Jong als auch Spielmacher-Rechtsaußen Dembélé blieben draußen. Insbesondere das Fehlen von Dembélé machte sich stark bemerkbar und veränderte auch die Statik des Barca-Spiels. Dembélé-Ersatz Traoré ist zwar auch ein starker, antrittsstarker Rechtsaußen mit Stärken im 1 gg. 1, er ist aber eben kein Ideengeber und da Barca sonst von den Impulsen Dembélés stark abhängig ist, sah das Spiel der Gäste bis zur Dembélé – Einwechslung entsprechend aus und war von der SGE meist recht gut zu verteidigen.

Dass Xavi diese Wechsel vornahm und sie später korrigieren musste, um nicht als Verlierer vom Platz zu gehen, ist ein Indiz dafür, dass Xavi trotz anderslautender Beteuerungen die SGE ziemlich unterschätzt hatte.

2. Herausragende Einzelleistung von Hinteregger

Da die 5er-Kette bzw. die hintere Reihe insgesamt vergleichsweise breit stehen musste, um die beiden Außenstürmer mit Ballannahme bekämpfen zu können, kam viel darauf an, wie Hinteregger in der Zentrale die Situationen gegen Aubameyang & Co würde lösen können. Daher stand Hinteregger sehr oft im Fokus und Aubameyang kam fast über das gesamte Spiel nur dann zu Abschlüssen, wenn Hinteregger mal ein Fehler unterlief, wie in der 17. Minute (eintracht.tv ab 20:41), was aber selten vorkam. (Beim Gegentor steht er allerdings einen halben Meter zu tief, kann daher den ersten Steckpass von Ferran nicht verhindern.)

Stattdessen war Hinteregger in fast allen Situation extrem antizipations- und zweikampfstark, hier eine Szene aus der 28. Minute:

Das ist natürlich eine Großchance, starker Steckpass von Jordi Alba auf Gavi, aber Hinteregger ist hier schon auf dem Weg in den Zweikampf.
Selbst im Standbild ist das lehrbuchhafte Zweikampfverhalten von Hinteregger zu erkennen: Seitliches Anlaufen des Gegners, Körperkontakt mit der Körperseite, möglichst den eigenen Körper zwischen Gegner und Ball drücken, erst Arbeit mit dem Oberkörper, dann mit den Beinen, alles perfekt hier, in der bewegten Zeitlupe bei eintracht.tv ab 31:34 natürlich noch besser zu sehen.

Übrigens spielte Hinteregger auch einige sehr starke Aufbaupässe, meist flache Halbdistanzbälle, aber auch einige diagonale Flugbälle, war sehr passsicher.

3. Starke Breitenverteidigung der SGE

Die Eintracht-Kette war von Glasner sehr gut auf das extrem breite Barca- „Spiel in der Spitze“ vorbereitet worden und bearbeitete die Versuche, über die sehr weit außen postierten Außenstürmer zu spielen, durch breites und sehr schnelles, konsequentes Anlaufen. Hier eine Szene aus der Anfangsphase:

Die 5er-Kette der SGE steht breit, Knauff läuft den langen diagonalen Ball sehr weit nach außen und auf Ballgewinn an, hat Zugriff auf Ferran. So konnte die SGE das wichtigste offensive Element von Barca in dieser Szene und in vielen anderen blockieren.

Dazu mussten beide Schienenspieler Kostic und Knauff allerdings sehr diszipliniert nach hinten arbeiten, was sie in dieser und vielen anderen Szenen taten. Erst mit der Einwechslung von Dembélé bekommt Kostic links Probleme.

4. Starke Gegenpressing-Überwindungsstrategie der Eintracht

Wie in dem hier veröffentlichten Barca-Check bereits angenommen, passte die größte Eintracht-Stärke, die Spieleröffnung aus engen Räumen durch Schnellkombinationen, gewissermaßen perfekt auf das größte Einfallstor für Gegenangriffe bei Barcelona. Das zeigte sich bereits in der 6. Minute eindrucksvoll bei der Mega-Chance von Sow. Ausgangspunkt war ein von Barca abgefangener SGE-Angriff.

Hier der Moment des Ballgewinnes durch Sow nach einem Fehlpass von Jordi Alba in der eigenen Hälfte. Vor allem der LV von Barcelona, Jordi Alba, ist hier extrem weit aufgerückt, hinten bleibt nur noch eine Dreier-Absicherung gegen – man sieht es hier schon – 5 Spieler der SGE, die in den Angriff einbezogen werden können.

Sow leitet den Schnellangriff dann stark ein, überwindet zunächst 15 Meter per Tempodribbling, um den ersten Defensiven von Barca zu binden:

Hier der kurze Tiefenpass von Sow auf Borré. Sow zwingt damit Pedri einen langen Sprint nach links zu machen, so kann Pedri nicht die defensive Zentrale verstärken. Der Rest des Angriffs ist dann perfekt ausgespielt, Borré schließt mit einem weiteren Tempodribbling an, Lindström übersprintet Garcia (der Tempovorteil von Lindström hier ist krass) und bekommt den Ball von Borré perfekt in den Lauf gespielt.

Den Lindström-Rückpass auf Sow setzt dieser dann völlig freistehend neben das Tor, aber diese Situation zeigt, wie sehr die SGE-Stärke bei den Schnellkombinationen zum Tor das Barca-Gegenpressing überspielen kann (eintracht.tv ab 9:52).

5. Überzahl im Mittelfeld

Um möglichst viele Bälle schon zu blocken bzw. zu gewinnen, bevor sie bei den schnellen, 1 gg. 1 – starken Ferran und Traoré, später Dembélé landen konnten, setzte die SGE auf dauerhafte Überzahl im Mittelfeld und verzichtete dafür auch meist auf das sonst praktizierte Angriffspressing.

Hier eine Szene aus der 26. Minute, in der man sieht, dass die SGE sich auf das Mittelfeldpressing konzentriert, enger steht als sonst und somit auch das Risiko etwas minimiert, ausgespielt zu werden. Hier in der dunklen Zone 5-4-Überzahl in der Breite, 4-3-Überzahl in der Zentrale.

6. Eigenes SGE-Aufbauspiel hauptsächlich über Flugbälle auf die Außen

Die Eintracht probierte es aber durchaus auch über eigene Aufbausituationen und das gar nicht so unerfolgreich. Meist wurde ein 2- bis 3- Stationenaufbau versucht, fast immer mit Flugbällen aus dem defensiven Mittelfeldbereich Richtung offensive Außen, also wahlweise Kostic, Borré, Lindström oder Knauff. Ein sehr schönes Beispiel dafür findet sich in der 28. Minute mit dem Angriffsablauf Tuta-Sow-Knauff-Borré (eintracht.tv ab 31:46).

Auch der Ecke in der 47. Minute, aus der dann das 1:0 entstand, ging ein solches Aufbauspiel voraus:

Hier der lange Aufbaupass auf Außen Lindström. Lindström geht dann gegen Jordi Alba und Busquets direkt und mit vollem Risiko ins Tempodribbling, kann die beiden alten Herren abschütteln, in den 16er dribbeln und fällt dort.

Das gibt zwar zu Recht keinen Elfmeter, aber der Nachschuss von Jakic wird zur Ecke abgefälscht und diese abgewehrte Ecke schießt Knauff dann zum 1:0 für die SGE ins Tor.

Das Fazit

Wer die Entwicklung der SGE in dieser Saison aus der Nähe verfolgt hat, dürfte kaum überrascht gewesen sein davon, dass die Stärken der Eintracht perfekt auf die Schwächen von Barca passen, dass sie mit ihren extrem starken Schnellkombinationen auch ein Barca-Gegenpressing überwinden kann und dass die Eintracht mit Lindström, Knauff und Kostic drei Spieler mit Tempovorteilen hat, die von Barca in direkten Duellen kaum zu halten sind. Eine Szene, in der das sehr deutlich wird, ist die Riesenchance von Lindström in der 49. Minute (eintracht.tv ab 3:41), bei der Barca weder ein Gegenpressing gelingt, noch die Mannschaft von Xavi irgendeine Chance gegen das Tempospiel von Kostic, Borré und Lindström hat.

Auch das inzwischen perfekt automatisierte Pressing ist für jeden Gegner unangenehm und kann von der Mannschaft auch in verschiedene Spielfeldzonen verlagert werden.

Erstaunlich hingegen, dass die 3er-5er-Kette auch gegen Barca inzwischen fast fehlerfrei arbeiten kann und dass Spieler wie Borré, Kamada, Knauff, Lindström und Sow auch auf dem ganz hohen Niveau das hohe Tempo mitgehen können, ohne größere technische Probleme zu bekommen. Nur bei Tuta und Jakic war häufiger zu sehen, dass sie auf diesem Niveau noch an Grenzen kommen.

Insbesondere in der Situation, in der Tuta die Rote Karte erhält, wird das deutlich:

Der Rückpass von Kamada ist natürlich schwach, aber trotzdem muss Tuta da einfach wegbleiben, denn Pedri kann den Ball gar nicht kontrollieren und auf seinem Weg nach außen ist Knauff noch als Absicherung da. Überhaupt ist das eine Szene am gegnerischen Strafraum, wo man sich sicher keine Rote Karte abholen muss.

Erst mit der Einwechslung von Dembélé und de Jong änderte sich das Spiel und erst danach war Barcelona das bessere Team. Wie wichtig Dembélé für Barca ist, wurde beim 1:1-Ausgleich sichtbar, denn die Idee zu dem Spielzug und die Ermöglichung geht auf seine Kappe.

Hier zu sehen, wie die beiden Spieler die Situation gezielt stellen. Als Dembélé sein Tempodribbling nach innen startet, bewegt sich de Jong von der Innen- auf die Außenbahn. Dieser gegenläufige Lauf-Passweg ist einstudiert. Verhindert werden kann das nur von Kostic im Zweikampf mit Dembélé oder von Ndicka, wenn er körperlich eng an de Jong steht. Auch Hinteregger hätte mit dem Tiefenpass von Dembélé sofort press an Ferran rücken müssen, verpasst das aber.

Im Grunde ist das ein Standardspielzug, in dieser Präzision, wie hier von Barcelona gespielt, aber nur sehr schwer zu verteidigen.

Insgesamt war die Eintracht sehr präzise auf den Gegner vorbereitet, besonders die größte Stärke der Spanier, das Spiel über ihre Außenstürmer, aber auch die Diagonalanspiele in die Spitze konnten gut verteidigt werden, wenn auch nur mit extremem körperlichen und Laufaufwand.

Selbst nach der roten Karte gegen Tuta blieb die Eintracht sehr mutig, offensiv und aufmerksam. Insgesamt war die Eintracht über die komplette Spielzeit die gefährlichere Mannschaft, 16:7 Torschüsse und 1,77 : 1,29 XGoals sprechen auch statistisch eine deutliche Sprache.

Xavi dürfte im Rückspiel von Anfang seine beste Elf aufstellen.

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Barca-Check

Am Donnerstag steht das wohl aufsehenerregendste Spiel der letzten Jahre an. Mit dem FC Barcelona stellt sich eines der europäischen Top-Teams im Waldstadion vor, das in der aktuellen Verfassung auch aktuell zu den besten Teams Europas gehören dürfte. Ein kurzer analytischer Blick auf Barca anhand des Spiels vom Sonntag gegen Sevilla und ein Ausblick auf die Aussichten der SGE.

Die Gegner-Analyse

Barcelona hat viele Stärken, sowohl im taktischen, als auch insbesondere im individuellen Bereich. Die wichtigsten Merkmale im Barca-Spiel sind:

Erstens

Die Mannschaft hat mit Dembélé einen sehr präsenten Spielmacher, der allerdings nicht in der Zentrale spielt, sondern fast immer von der Rechtsaußenposition. Kaum ein Angriff, bei dem Dembélé nicht einbezogen wäre, das ist sehr auffällig. Dabei wird er meist als Vorbereiter gesucht, also nicht direkt zum Tor angespielt. So entstand auch das einzige Tor gegen Sevilla.

Hier der lange Flugball von Piqué auf de Jong, der den Ball per Kopf auf Dembélé verlängert. De Jong hatte zuvor einen Tiefensprint angesetzt, wollte eigentlich zum Tor angespielt werden, kann den Pass dann aber nur verlängern.
Hier der Rückpass von Dembélé auf Pedri. Sevilla vergisst hier völlig die Rückraumsicherung, steht sehr tief.

Pedri macht dann das Tor aus der zweiten Reihe mit einer überragenden Einzelleistung und einem extrem präzisen Abschluss.

In dieser Szene, bei dem langen Pass auf de Jong sieht man aber auch ein weiteres Strukturmerkmal des Barca-Spiels:

Zweitens

Mit viel Ballbesitzaufwand und hoher Passgenauigkeit versucht Barca, wenn sie nicht über Dembele spielen oder durch Dribblings Räume für Flachpassspiel zu eröffnen (was gegen Sevilla selten gelang, weil der Gegner sich sehr darauf konzentrierte, tief und breit zu stehen), auffällig häufig entweder diagonale Flug- oder Chippässe in die Spitze (wie hier auf De Jong), oder auch Longline-Flugbälle auf den schnellen Linksaußen Ferran.

Drittens

Barca baut, wie viele europäische Top-Teams, mit viel Personal in der Spitze auf. Es ergibt sich im eigenen Aufbau dann eine sehr breite 4er-Spitze:

Barca steht hier mit 4 Spielern in der vorderen Spitze. Auffällig ist, wie weit außen die Außenstürmer stehen, sowohl Dembélé als auch Ferran stehen direkt an der Auslinie, verschaffen sich so Räume und provozieren gleichzeitig, dass die zentralen Verteidiger des Gegners zu weit auseinanderrücken, weil sie Breite herstellen müssen. Man sieht hier, dass das gelingt, die Abstände der Sevilla-4er-Kette zwischen Innen- und Außenverteidger sind zu groß, beide Außenstürmer sind trotzdem anspielbar.

Viertens

Ähnlich wie Nagelsmann bei bei Bayern setzt Barca-Trainer Xavi zur Absicherung der oft sehr offensiven Formation, die oft nur mit einem 2er-Aufbau, also bei eigenem Ballbesitz hinten in 2-4-4-Formation steht, in erster Linie auf schnelles Gegenpressing. Das hat gegen Sevilla in fast allen Situationen sehr gut funktioniert. Trotzdem ist das, wie bei fast allen Spitzenteams, die auf Ballbesitz-Gegenpressing setzen, ein Einfalltor für Konter, so wurde auch Sevilla fast nur dann gefährlich, wenn nach Balleroberungen das Gegenpressing von Barcelona einmal überspielt werden konnte.

Fünftens

Bei Ballbesitz/Aufbau des Gegners zieht sich Barca je nach Ballort in eine 4er- bzw. 6er-Kette zurück, wobei Dembélé und Ferran, also Rechts- und Linksaußen – ähnlich wie bei der SGE Knauff und Kostic – als „Schienenspieler“ agieren und die Viererkette hinten rechts und links ergänzen. Da Sevilla nur sehr selten in eigene Aufbau-/Positionsspielsituationen kam, war das nur selten der Fall, wie hier in der 24. Minute:

Man sieht Barcas 6er-Kette mit den äußeren Gliedern Dembélé und Ferran rechts und links. Man sieht aber auch, dass die Barca-Kette vergleichsweise eng steht, daher ganz außen etwas zu große Räume ermöglicht. Sevilla besetzt hier auch beide Außenräume, muss um diese Situation provozieren zu können, mit 6 Spielern in der vorderen Reihe plus Ballbesitzer Jordan agieren, also mit 7 Spielern im vorderen Drittel arbeiten – was natürlich ein enormes Konterrisiko birgt.

Ändert sich der Ballort des Gegners Richtung eigene Hälfte bzw. eigenes Tor, schieben Dembélé und Ferran schnell wieder nach vorn, Barca steht dann mit 4er-Kette hinten:

Bei solchen Manövern entstehen hinter den herausrückenden Schienen Freiräume, die angelaufen und angespielt werden könnten, was Sevilla auch versucht (am unteren Bildrand).

Sechstens

Eine weitere Stärke von Barca sind Standards. Meist getreten von Dembélé wurden sowohl Ecken als auch insbesondere seitliche Freistöße mehrfach sehr gefährlich und sind nur schwer zu verteidigen

Fazit und Ausblick

Die große Frage „Hat die SGE eine Chance“ kann so pauschal natürlich kaum beantwortet werden.

Das erste Problem wird darin bestehen, dass die SGE technisch stark unterlegen sein wird, was in der Bundesliga im Grunde nur gegen 4 Gegner der Fall ist, also ungewohnt.

Das zweite große Problem dürfte sein, dass die SGE-Kette nach wie vor nicht immer schnell genug und richtig antizipiert bzw. immer noch gelegentlich Stellungsfehler produziert und Barcelona mit seinem stark auf Ballbesitz und Positionsspiel angelegten Spiel sehr auf das Provozieren solcher Kettenfehler aus ist. Dabei nutzt Barca häufig wiederkehrende Muster:

  • Longline-Flugbälle in den Lauf der Außenstürmer Ferran und Dembélé.
  • diagonale Chip- oder Flugbälle in die Spitze
  • Tiefenbälle nach Schnellkombinationen in der Zentrale (über de Jong und Pedri), allerdings versuchten sie das gegen Sevilla selten

Das Hauptmerkmal des Barca-Angriffsspiel ist also ein variables Positionsspiel mit „Spiel aus der Spitze“, also einem Vierer-Sturm, deren Mitglieder entweder (oft aus dem Abseits) entgegen kommen, um in den Fuß angespielt werden zu können oder Tiefenläufe mit einigen Metern Anlauf anbieten (oft außen links Ferran) bzw. (sehr oft) Spiel über Dembélé.

Es wird darauf ankommen, wie die defensive 5er-Kette der SGE das verteidigen kann. Große Tempoprobleme dürfte Tuta mit Ferran haben, die immer etwas wacklige defensive linke Seite mit Ndicka/Kostic wird mit dem in fast jedem Angriff einbezogenen Dembélé viel zu tun haben. Insbesondere die enorme individuelle Stärke Barcas wird die SGE vor große Herausforderungen stellen, Dembélé dürfte derzeit einer der weltweit besten Rechtsaußen sein, mit Pedri und Ferran verfügt Barca über zwei weitere Spieler an der Schwelle zur Weltklasse.

Dennoch: Das Team ist nicht unverwundbar und mit Trapp hat die SGE sogar auf einer Position die Nase ziemlich vorn (ter Stegen wirkte gegen Sevilla nicht sehr sicher und hätte mit einem Fehler kurz vor Schluss fast noch einen Gegentreffer verursacht). Besonders interessant wird sein, inwiefern die SGE ihre eigenen Offensivwaffen einsetzen kann. Insbesondere die Stärke bei Schnellkombinationen nach Ballgewinn dürfte Barca wehtun, denn das ist ihr größtes Einfallstor für Gegenangriffe. Zudem könnte die Barca-Kette mit dem enormen Tempo von Kostic und Lindström Probleme bekommen, Piqué ist nicht der antrittsstärkste und der junge Araujo produziert regelmäßig kleinere Stellungsfehler und ist, ähnlich wie Tuta, in manchen Zweikampfsituationen (noch) zu ungestüm.

Auch das von der SGE meist durchgeführte frühe Dauerpressing dürfte Barca nicht gefallen, zumal wenn sie hinten nur mit 2-2-Aufbau agieren.

Von den Feldspielern war gegen Sevilla eigentlich nur der inzwischen 38jährige Dani Alves, der allerdings in der EL nicht spielberechtigt ist, sehr fehleranfällig und so etwas wie ein Schwachpunkt. Ihn dürfte der junge Sergino Dest ersetzen. Auch das Duell Dest-Kostic könnte eines sein, indem die SGE einen Vorteil hat.

Barca ist qualitativ grob auf einem Niveau mit den Bayern einzuordnen, legt auch das Spiel ähnlich an und gegen derart ambitioniert auf Ballbesitz-Gegenpressing spielende Gegner sah die SGE – wie ja auch in den beiden Spielen gegen die Bayern in dieser Saison – so fürchterlich schlecht nicht aus. Sofern frühe Gegentore verhindert werden können, dürften die beiden Spiele also durchaus – mindestens taktisch – interessant werden.

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SGE – Greuther Fürth 0:0

Trotz totaler Überlegenheit in allen Belangen kommt die SGE nur zu einem Punkt. Nach wie vor ist die Mannschaft nicht in der Lage, massiv und tief stehende Fünferketten zu überwinden. Dafür gibt es einige Gründe. Ein analytischer Blick darauf.

Die Aufstellung

Fürth: Linde – Itter, Viergever, Bauer – Willems (84. Asta), Christiansen, Raschl (66. Green), Meyerhöfer – Tillmann – Hrgota (84. Pululu), Nielsen (56. Leweling) – Trainer: Leitl

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch (aus statistischen Spieldaten) generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

Quelle:Youtube

Das Spiel

Während das gesamten Spiels ergab sich die Spielsituation, dass Fürth der SGE weitgehend den Ballbesitz überließ, gelegentlich eigene Konter versuchte, jedoch keine einzige Spielphase dominant gestalten konnte und in allen Spielphasen unterlegen war. Die SGE selbst kam mit Ausnahme einer einzigen Situation kaum in Bedrängnis, erspielte sich aber zu selten selbst große Chancen. Daher in diesem Spiel ein besonderer Blick auf die Probleme der SGE bei eigenem Ballbesitz gegen eine tief und breit stehende Kette.

Hier eine Szene aus der Anfangsphase: Die Fünferkette der Fürther steht sehr diszipliniert, hat gute Abstände auf dem ganzen Feld. Die sehr breite Kette und die 5-3-Defensive ist natürlich schwer zu bespielen, da aus dieser Formation jeder offensive Versuch sofort nach vorne und abgesichert, also aggressiv, attackiert werden kann.

Genau das machen die Fürther, rücken bei jedem ersten Offensivball der SGE sofort schnell und ohne zögern in die Zweikämpfe.

Gegen eine solche Formation helfen vor allem:

  • gewonnene Offensivzweikämpfe vor allem am Flügel + Hereingabe

Davon gab es schlicht zu wenig. Wenn es Kostic oder Knauff einmal gelang, sich offensiv durchzusetzen, wurde es auch direkt gefährlich. Ein schönes Beispiel ist der Abschluss von Kamada in der 33. Minute, nachdem Kostic außen gleich zwei Fürther auf sich gezogen und ausgespielt hatte. Kamada schießt dann neben das Tor. (eintracht.tv ab 34:40). Insebsondere Knauff tat sich sehr schwer, hatte in dieser Hinsicht praktisch kaum erfolgreiche Situationen. Das einzige gelungene 1 gg. 1 rechts mit Abschluss Kamada gelang nicht Knauff, sondern Kostic in der 69. Minute, als er nach einer von ihm getretenen Ecke noch rechts außen weilte. Kamada vergibt die Hereingabe von Kostic völlig freistehend. Der Volley-Abschluss war allerdings technisch auch sehr anspruchsvoll (eintracht.tv ab 26:14).

  • schnelle, direkte Seitenwechsel in der vorderen Reihe

Die größte Chance der zweiten Halbzeit in der 80. Minute entsteht aus einem solchen Seitenwechsel.

Hier der lange Ball von Knauff auf Kostic. Hinter dem letzten Fürther Verteidiger entsteht ein kleiner Raum. Diesen bedient Knauff mit dem langen Seitenwechsel-Flugball.

Die Kostic-Flanke landet dann über Knauff bei Paciencia, dessen Abschluss aus 12 Metern aber vollkommen ungenau ist und von Linde einfach gehalten werden kann. Trotzdem ist das ein gutes taktisches Mittel gegen solche breiten Ketten, denn auch die breite Kette muss natürlich seitlich verschieben und bei diesen Bewegungen entstehen auf der anderen Seite Räume, die dann genutzt werden können.

Einen solchen Wechsel mit Kurzpässen versuchte die SGE bspw. in der 91. Minute über Rode, Sow und Hauge zu Kostic, dessen Flankenfuß so freigespielt wurde. Die Flanke ist dann aber ungefährlich. (eintracht.tv ab 48:57)

  • Schussstärke aus der zweiten Reihe

Kam natürlich zu selten, aber immerhin Knauff versuchte es mit diesem Element einmal ziemlich gefährlich nach einem abgewehrten seitlichen Freistoß. In der 41. Minute muss Linde seinen Abschluss über das Tor lenken. (eintracht.tv ab 42:53)

  • präzise Flanken auf kopfballstarke Spieler zum Abschluss

War in der ersten Halbzeit kaum ein Thema, mit der Einwechslung von Paciencia in der 59. Minute dann eher, aber sehr gefährlich war das auch dann nicht, obwohl Kostic es jetzt viel häufiger mit diesem Element versucht. Die größte Chance nach einer Kostic-Flanke vergibt letztlich Knauff in der 64. Minute, der aus bester Abschlussposition aber versucht, den Ball per Kopf noch einmal in die Mitte zu legen. (eintracht.tv ab 21:50)

  • diagonale (Flug-)bälle in die tiefe Spitze, bei aufgerückten Kettenspielern

Ein solcher Angriff gelang der SGE beispielsweise in der 34. Minute. Hier:

Hier der lange Diagonalpass in die Spitze. Kamada ist rechtzeitig gestartet, Meyerhöfer war aufgerückt, hinter ihm ergibt sich der Freiraum. Auch ein recht guter Ball von Jakic, ziemlich freie Bahn für Kamada.

Kamada vertändelt den Ball dann im Dribbling gegen Bauer, aber das ist eine gute Möglichkeit, solche breite Ketten auszuspielen.

Auch die größte Chance im Spiel entstand dann in der 42. Minute aus genau so einem diagonalen Spitzenball, diesmal von Sow auf Lindström. Die SGE hatte diesen Sow-Pass zuvor mit einer Schnellkombination über Kostic-Kamada-Borré vorbereitet:

Hier die starke Kombination und der diagonale Pass von Sow auf Lindström und in dieser Situation kann Itter den schnellen Lindström dann nicht halten.

Lindström scheitert dann mit seinem Abschluss an Linde.

In der 45. Minute gelingt Hasebe noch ein großartiger Tiefenpass auf Lindström, aber auch den vergibt er gegen Linde etwas unentschlossen.

Einen weiteren dieser langen diagonalen Aufbaupässe gelingt Hasebe in der 78. Minute:

Hier der 55-Meter-Sensationspass von Hasebe. Der landet exakt und unerreichbar für die Fürther Verteidiger im Fuß von Hauge.

Hauge Kostic und Paciencia spielen das dann auch recht gut aus, die Kostic-Flanke auf den Kopf von Paciencia ist dann aber nicht optimal und Paciencia kann den nicht verwerten.

Um solche Situationen erzielen zu können, müssen also Flanken-, Pass- oder Schussfüße freigespielt werden. Das gelang der SGE zu selten. Warum?

Die Offensivspieler der SGE wurden mit dem ersten Offensivball sofort attackiert. Hier sieht man, dass Itter sehr schnell und aggressiv aus der Kette läuft, Lindström wird vom defensiven Mittelfeldspieler Christiansen gedoppelt und bricht den Angriff dann sofort ab.

Ein weiterer Grund ist das sehr starke 1 gg. 1 – Verhalten der Fürther. Ein lehrbuchhafter frontaler Zweikampf von Itter gegen Lindström lässt sich z.B. in der 39. Minute beobachten. Itter macht in dieser Szene alles perfekt, hält gegen den antrittsstarken Lindström die Distanz etwas größer, verzögert ihn so, zwingt Lindström zum Abdrehen und versucht ihn dann in der Drehung zu attackieren. Lindström holt in der Situation ziemlich clever noch einen Freistoß heraus, aber das Zweikampfverhalten von Itter war hier wie sehr oft überaus wirksam. (eintracht.tv ab 41:33)

Dass die Fürther genau so auf der hinteren Reihe agieren würden, war nicht sehr überraschend. Viel zu oft, wie hier in der 22. Minute, brachen die Offensiven der SGE die Aktionen sofort ab, wenn sie das Gefühl hatten, sich nicht drehen zu können oder direkte Schnellkombinationen im vorderen Bereich ihnen zu riskant vorkamen. Hier wäre ein schneller Seitenwechsel über Sow und Kamada durchaus möglich gewesen. Warum Lindström und Co. oft mit so wenig Risiko agierten, ist schwer zu sagen, eventuell spielt da in den Hinterköpfen tatsächlich das anstehende Barcelona-Spiel ein Rolle.

Die zweite Schwierigkeit, die sich aus der Fürther 5-3-Verteidigung ergab, ist, dass der Versuch der SGE, in den vorderen Außenräumen Überzahlsituationen herzustellen, um darin und daraus dann die Schnellkombinationen zum Tor zu spielen, häufig von den Fürthern verhindert werden konnte, eben weil sie das mit sehr viel anwesendem Personal zustellen konnten. Hier eine Situation aus der 81. Minute:

Hier im abgedunkelten Bereich der übliche Versuch der Überzahlherstellung durch die SGE. In dem kleinen Flügelraum sind gleich vier SGE-Spieler präsent, dazu Sow hinten als Anspielstation. Durch die breite Verteidigungslinie der Fürther können diese hier allerdings eine Flügelunterzahl verhindern und haben hier sogar eine 5-4-Überzahl.

Damit wurde eine weitere wichtige SGE-Waffe, das Schnellkombinationsspiel aus den Flügelräumen, erheblich erschwert und konnte nur selten gewinnbringend eingesetzt werden.

Die Fürther hatten in der ersten Halbzeit eine gute Chance: In der 17. Minute musste Trapp gegen Hrgota im 1 gg. 1 klären. Vorausgegangen war die einzige etwas längere Angriffssequenz der Fürther und ein schlecht abgewehrter langer Ball in den Eintracht 16er von Tuta auf Willems.

Danach entsteht diese Situation. Man sieht, dass die Kette hinten von Kostic ergänzt wird und richtig steht, keine Abseitsräume offen, Tuta im richtigen Raum etwas herausgerückt. Man sieht hier aber schon, dass Tillmann zwischen Tuta und Jakic zu frei steht, um Tillmann mit der Ballannahme attackieren zu können.

Das sind einfach 30 Zentimeter zu viel Abstand, aber genau diese Kleinigkeiten entscheiden oft über den Erfolg. Hier steht die SGE eigentlich 3 gg. 2 und lässt sich trotzdem ausspielen.

Hier dann der überragende Pass von Willems auf den gut getimt startenden Hrgota, Trapp muss den dann im 1 gg. 1 gegen Hrgota entschärfen. Trotzdem gut zu sehen, dass hier kein Kettenfehler vorliegt, das war gut gemacht von Willems, Tillmann und Hrgota, den Zugriff hätte die SGE zuvor beim Willems-Tillmann-Doppelpass haben müssen.

Fazit

Die Eintracht war den Fürthern in allen Belangen, auch den statistischen, heillos überlegen, dabei kamen aber zu wenige Großchancen heraus. Insbesondere in der zweiten Hälfte, in der die SGE sage und schreibe 76 Prozent Ballbesitz hatte, aber bis auf den guten Abschluss von Paciencia in der 80. Minute kaum zu gefährlichen Abschlüssen kam, zeigte erneut, welch große Schwierigkeiten die SGE gegen gut organisierte, tiefe und breite Defensivblöcke hat.

Die Gründe dafür wurden oben zusammengetragen. Neben den Möglichkeiten der defensiven Organisation (Verhinderung von Überzahlsituationen der SGE) und dem enorm stark eingespielten und abgestimmten individualtaktischen Verhalten der gesamten Fürther Mannschaft spielten weitere Aspekte eine entscheidende Rolle:

Zum einen spielte die SGE-Offensivreihe fast über das ganze Spiel, aber besonders in der ersten halben Stunde mit zu wenig Risiko, insbesondere offensive 1 gg. 1-Situationen wurden zu selten gesucht;

Zweitens enthielt das Offensivspiel zu viele individuelle Fehler, also falsche Entscheidungen, technische Fehler.

Letzteres ist und bleibt die entscheidende Ressource jeder Mannschaft. So vergaben in den beiden Situationen, die am ehesten zum Tor hätten führen können – Lindström in der ersten und Paciencia in der zweiten Halbzeit -die Spieler die Situationen, in dem sie technische Fehler machten, bzw. die korrekte Technik nicht beherrschten, die notwendig gewesen wäre, um die beiden Abschlüsse zu verwandeln.

Taktisch hingegen war das durchaus kein schlechtes Spiel, die SGE versuchte es variabel, startete Angriffe von verschiedenen Positionen und probierte es mit allen möglichen Elementen, die es gegen einen solchen Gegner braucht.

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RB Leipzig – SGE 0:0

Mit dem Punkt in Leipzig kann die Eintracht sehr zufrieden sein. Das Spiel blieb torlos, trotzdem ein kurzer analytischer Blick auf die wichtigsten Momente.

(Hinweis: Das Wappen der Leipziger wird hier nicht gezeigt, da die Seite werbefrei ist und bleiben soll. Das gilt umso mehr für ein Unternehmen, das von einem Rechtspopulisten geführt wird)

Die Aufstellung

Leipzig: Gulacsi – Simakan, Orban, Guardiol – Henrichs, Laimer (84. Haidara), Kampl (60. Forsberg), Angelino – Olmo (84. Szoboszlai) – Nkunku, Silva (72. Poulsen)

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch (aus statistischen Spieldaten) generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

Quelle: Youtube

Die erste Halbzeit

Auffällig: Die SGE setzte das Pressing – wie schon gegen Betis – etwas tiefer an als gegen technisch schwächere Gegner. Ähnlich die Leipziger. Da beide Teams große Stärken im Bereich Schnellkombinationen (aus engen Räumen) haben, ist es wenig verwunderlich, dass auch die Leipziger oft aus einer etwas tieferen Kompaktheit attackierten.

Hier gut zu sehen das Leipziger defensive 5-2-3-Konstrukt, mit dem sie die SGE bei deren Aufbau empfing. Gut zu sehen, dass die Leipziger das gelegentlich ziemlich tief stellen, hier (eine Szene aus der 15. Minute) komplett in der eigenen Hälfte. Es wird dann meist der Aufbauweg (erster Ball) der SGE abgewartet und dann dieser erste Ball attackiert.

Das Pressing der SGE hingegen wie üblich früh und extrem ballorientiert:

Hier gut zu sehen, dass auf SGE-Seite sechs Spieler an dem routinemäßigen Angriffspressing beteiligt sind, hier kurz nachdem der Ball Gvardiols Fuß verlassen hat.

Diese wie viele andere Situationen kann die SGE dann entschärfen, auch die technisch sehr starken Leipziger tun sich mit dem enormen Handlungsdruck schwer, der schon im Aufbau und im hinteren Mittelfeldbereich durch das frühe SGE-Pressing entsteht.

Aber auch die Leipziger haben spontanes Pressing an die hintere SGE-Reihe durchaus im Repertoire, was in der 20. Minute zu einer der besten Chancen der Leipziger in der ersten Halbzeit führt.

Gut zu sehen, dass Ndicka hier nach einem Rückpass von Lindström sofort attackiert wird, zwei Leipziger stellen die zentralen Anspielpunkte zu, Ndicka kann nur noch zu Trapp zurückpassen.

Auch Trapp wird dann sofort attackiert und kann sich nur noch mit einem unkontrollierten Befreiungsschlag helfen, der dann wieder bei den Leipzigern landet und von Kampl und Angelino sofort per Doppelpass scharf gemacht wird, die Hereingabe von Kampl köpft Silva dann zwar stark Richtung langes Eck, aber Hinteregger kann kurz vor der Linie klären. (eintracht.tv ab 25:57).

Die Eintracht bekämpfte die Tiefenpassversuche der Leipziger mit meist guter Staffelung hinten, die Dreierverteidigung hat sich wirklich stark konsolidiert und eingespielt. Die großen Chancen der Leipziger entstanden fast immer nach kleineren technischen Stockfehlern – wie von Hinteregger in der 26. Minute (eintracht.tv ab 30:41), der dann letztlich zu dem Scheibenschießen auf Trapp und dem Zweite-Reihe-Schuss von Nkunku führte, den Trapp dann mit einer starken Reaktion gerade noch so an den Pfosten lenkt – und teils krassen Fehlpässen, der schlimmste von Rode in der 46. Minute (eintracht.tv ab 51:08), der zu dem später wegen Abseits zurückgepfiffenen Tor von Nkunku führt (hier viel Glück für die SGE, dass Nkunku den Ball nicht für den einschussbereiten Henrichs durchließ, der stand nämlich nicht im Abseits und das Tor hätte gezählt.)

Die größte SGE Chance entsteht nach einer der üblichen Schnellkombinationen nach einem schwachen Tempodribbling von Simakan direkt in die aufgestellte SGE-Abwehrformation:

Hier der Moment, in dem Ndicka in dem Zweikampf mit Simakan, der sich den Ball zu weit vorlegt, den Ball gewinnt. Gut hier zu sehen die starke Staffelung der SGE: Alle Flachpass-Optionen sind eng gedeckt, und in der Spielzone außen hat die SGE 4-3-Überzahl – kein Durchkommen für die Leipziger.

So sah das häufig aus, allerdings waren die Leipziger gewarnt, dass genau so etwas – aufgerückte Verteidiger und Ballverlust – gegen die SGE mit ihren extrem schnellen Offensiven keine gute Idee ist. Und so:

Vier Pässe one-touch (mit dem ersten Zuspiel auf Borré) und ein Antritt von Lindström und Leipzig war ausgespielt, Lindström läuft auf Leipzig-Keeper Gulasci zu.

Lindström entscheidet sich dann aber fälschlicherweise für ein praktisch unmögliches Abspiel auf Borré, statt den Ball in die von Gulasci im Grunde nicht mehr abzudeckende lange Torecke zu legen. Diese zu häufigen Fehlentscheidungen von Lindström in den Abschluss- bzw. Letzter-Pass-Entscheidungen bleiben ein Problem und sollten mit dem Spieler schleunigst trainingsseitig bearbeitet werden. (Die ganze Szene hier ab 40:49).

Die Leipziger boten nicht nur in der ersten Halbzeit durchaus einige solcher Möglichkeiten an, die Situation oben ist aber eine der ganz wenigen, in denen die SGE den Angriff technisch sauber und konzentriert genug ausführte.

Mit zunehmender Spieldauer erhöhen die Leipziger den Anteil der Angriffspressingsituationen deutlich, der Druck auf die SGE wächst. Der zweite Lattentreffer der Leipziger durch Laimer (41. Minute) ist kein Kettenfehler und auch kein sonstwie systematischer Fehler, also analytisch nicht so interessant, eher ein Abstimmungsproblem der drei hier defensiv agierenden Mittelfeldspieler Rode, Jakic und Kamada, die sich zu sehr auf den linken Halbraum konzentrieren und Laimer in dem anderen freistehen lassen (eintracht.tv ab 45:39).

Die zweite Halbzeit

Glasner bringt in der Pause Hrustic für Rode, aus welchem Grund auch immer. Das Problem der zu hohen Fehlerquote im Passspiel wird durch diese Hereinnahme noch erhöht statt gesenkt: Während Rode immerhin eine Passquote von 75% aufwies, schaffte Hrustic gerade einmal 61% Passquote – viel zu wenig für einen Mittelfeldspieler, alle Kollegen auf den Positionen, also Jakic (76%) und Kamada (91%) waren deutlich besser. 61% Passquote ist für einen 6er/ 8er im Grunde Kategorie Fehlpassfestival.

Durch den Wechsel wird das SGE-Spiel also noch anfälliger, auch defensiv ist Hrustic schwächer als Rode, die Statistiker von kicker.de zählten bei Hrustic null gewonnene Zweikämpfe.

Es entwickelt sich in der zweiten Hälfte insgesamt ein Spiel, in dem die hintere Reihe der SGE häufig gefordert ist, die Situationen aber entweder mit Einzelskills (Beispiel Trapp mit Unterstützung von Tuta in der 52. Minute gegen Nkunku) oder gutem Kettenverhalten bereinigen kann.

Insgesamt ist insbesondere in der 2. Hälfte das Pressing der SGE aber deutlich weniger intensiv als sonst üblich. Hier dürfte der ersten Pressing-Reihe mit Lindström, Borré und Kamada das Spiel vom Donnerstag schlicht zu sehr in den Knochen gesteckt haben.

Umso wichtiger, dass die tiefe Kettenverteidigung in der letzten Reihe und die Einzelaktionen der Defensivreihe auf hohem Niveau funktionierten.

Die wirklich großen Leipziger Torchancen resultieren folgerichtig aus den relativ selten ermöglichten Kontern. Selten möglich waren die vor allem, weil die Eintracht-Defensive nicht sehr oft sehr weit aufrückte, das Risiko also deutlich niedriger ansetzte als sonst. Die wohl größte Chance der Leipziger entstand aus einem Konter nach Ballverlust Jakic im Mittelfeld in der 62. Minute.

Das ist wirklich ein Ballverlust aus der Hölle, die komplette SGE aufgerückt, gegen drei spielstarke und zwei schnelle Leipziger (Nkunku und Laimer). Von Laimer landet der Ball bei Silva, der mit zwei Kontakten Nkunku in den Lauf passt. Hier auch gut zu sehen: Ndicka hat in dem Moment, in dem Laimer hier seinen Sprint ansetzt, noch rund 10 Meter Vorsprung auf Laimer.

Mit Ballgewinn zieht Laimer den Sprint an und Ndicka hat trotz Vorsprung in diesem Sprintduell nicht den Hauch einer Chance. Das ist wirklich krass und hier (ab 17:51) gut zu sehen.

Hier das Ende vom Lied: Der Extremsprinter Laimer hat die gesamte SGE abgehängt und steht völlig blank 11 Meter vor Trapp.

Trapp hält den dann mit seinem starken Stellungsspiel und einer Weltklasseparade. Trapp ist im Grunde seit Saisonbeginn und weit darüber hinaus die Lebensversicherung der SGE. Kaum ein Team könnte sich in der Bundesliga regelmäßig derartige defensive Fehlleistungen erlauben wie die Eintracht, die mit diesem Torwart hinter sich fast in jedem Spiel einen mehr gut hat als jeder Gegner. Mit ungefähr jedem anderen Bundesligatorwart im Tor gewinnt Leipzig dieses Spiel 2:0.

Der Clickbait-Journalismus, der Trapp in der frühen Saisonphase eine Krise andichten wollte, weil er einmal eine Ecke verhindern wollte, was dann fast schief gegangen wäre, ist inzwischen restlos blamiert, bleibt aber natürlich wider jeder Expertise bei seinem lächerlichen Narrativ. Tatsache ist, dass Trapp vom ersten Spieltag an – ähnlich wie in den vergangenen Spielzeiten – die SGE in praktisch jedem Spiel in der Partie hält, wie hier auch regelmäßig dokumentiert.

Neben den individuellen Stärken, über die der Kader verfügt, hat die SGE aber auch einen Trainer, der es endlich geschafft hat, das Chaos in der letzten Reihe etwas zu lichten.

Hier eine Szene aus der 71. Minute. Die Kette funktioniert leidlich, Knauff ist etwas zu weit außen, Hinteregger und Tuta mit etwas zu geringem Abstand, aber grundsätzlich steht die Kette gut. Sie hat hinter dem im richtigen Raum etwas herausgeschobenen Hinteregger eine Höhe, die Abstände sind ok, Jakic als Sechser attackiert Nkunku aus dem Mittelfeldbereich. Auch das ist exakt richtig koordiniert.

Das ist nur eine von vielen Szenen, in denen die hintere Reihe der SGE (fast) fehlerfrei arbeitet, ein Phänomen, das man in der vergangenen Saison und auch lange in dieser nur selten im Eintracht-Spiel beobachten konnte. Das ist offenbar trainingsseitig massiv bearbeitet worden, und so etwas bringt natürlich sofort Punkte. Zum Beispiel einen wichtigen gegen hoch dotierte Leipziger, gegen die die SGE plötzlich – trotz zweier englischer Wochen in den Knochen, die der Gegner nicht hatte und die der Eintracht sichtlich zusetzten – zu null spielen kann – wer hätte das gedacht?

Dennoch: Die Leipziger werden in der Schlussphase immer stärker und gefährlicher, Nkunku und Poulsen haben weitere gute Abschlussmöglichkeiten, die von der SGE teilweise durchaus auch mit etwas Glück vereitelt oder schlicht vergeben werden.

Das Fazit

Der Kader der Leipziger wird auf transfermarkt.de auf 454 Millionen Euro Marktwert taxiert, der der SGE auf knapp 200 Millionen – und das, obwohl der SGE-Kader sogar sechs Spieler mehr aufweist als der der Leipziger.

Dazu fehlte auf Seiten der SGE mit Sow der neben Kostic und Trapp in den letzten Wochen alles überragende Akteur. Hinzu kam, dass die SGE zwei englische Wochen hinter sich hat, während Leipzig im Grunde zwei Wochen regenerieren konnte. Auch die Tatsache, dass mit den anstehenden Duellen gegen den FC Barcelona für viele auch routiniertere Eintracht-Profis die Spiele ihres Lebens anstehen, was auch schon erfahrenere Teams als die Eintracht vom Bundesliga-Alltag abgelenkt hat, darf nicht ganz vergessen werden.

Dafür also, dass die SGE mit einigem Gepäck in das Spiel gegangen ist, ist das Ergebnis ein sehr gutes. Der Punkt war glücklich, die SGE hatte im Grunde in keiner Spielphase nachhaltige Dominanz, aber ziemlich wertvoll, insbesondere da zwei Konkurrenten um die europäischen Plätze, Hoffenheim und Freiburg, überraschend 2 (Freiburg gegen Fürth) bzw. sogar 3 Punkte (Hoffenheim gegen Hertha) liegen gelassen haben.

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SGE – Betis Sevilla

Ähnlich wie im Hinspiel entwickelte sich ein ziemlich dynamisches Spiel mit zwei Teams, die beide sehr offensiv denken. Trotzdem kam es nicht zu allzu vielen Torsituationen. Ein analytischer Blick auf die wichtigsten Szenen.

Die Aufstellung

Betis: Rui Silva – Miranda (46. Juanmi), Bartra, Pezzella, Sabaly – Canales (67. Carvalho), Rodriguez – Ruibal, Fekir (111. Sánchez), Joaquin (67. Lainez) – José (79. Iglesias)

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch (aus statistischen Spieldaten) generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

Quelle: Youtube

Die erste Halbzeit

Die Analyse konzentriert sich in diesem Spiel auf die Anfangsphase, die starke SGE-Phase gegen Ende der ersten Hälfte, die Phase vor dem Gegentor und die Tore und Großchancen.

Kurz zur Anfangsphase und den Spielanlagen.

Zunächst einmal reproduzierten beide Teams anlagenseitig das Spiel in Sevilla, die SGE setzte wie üblich auf ihr Pressing, wenn auch etwas tiefer und später angepresst wurde als sonst.

Hier gut zu sehen, der sehr breite Aufbau von Betis, beide Außenverteidiger stehen nicht hoch, sondern in direkter Flachpassnähe zu den Innenverteidigern – typisch für ein Team, das Positionsspiel versucht, also die Angriffe über eigenen Ballbesitz und Passstafetten und Flugbälle. Ebenfalls gut ersichtlich, dass die SGE hier noch nicht die Aufbauspieler der Spanier attackiert, was sie in vielen Spielen sonst macht.

Glasner und die Mannschaft haben ihr Pressingverhalten also durchaus etwas dem Spielstand und der Tatsache, dass ein Unentschieden gereicht hätte, angepasst.

Das Offensivspiel der Spanier geht dann zumeist über wenige Stationen Richtung offensive Außen, wo dann entweder direkt der Durchbruch (gewonnene 1 gg. 1 bzw. Flanken/ Hereingaben) gesucht wird, oder mit einem Seitenwechsel die Räume auf der anderen Seite bespielt werden. Das spielen sie praktisch wie im Schlaf, das ist sehr stark automatisiert und entspricht auch den personellen Stärken des Kaders. Mit diesem auf Breite ausgelegten Spiel haben Teams, die wie die SGE mit einer zentral orientierten 3-2-Verteidigung naturgemäß oft Probleme.

Die Entstehung der größten Chance des gesamten Spiels, nämlich des Lattentreffer von Knauff in der 14. Minute zeigt die weiteren wichtigen Charakteristika des Spiels.

Hier der dem SGE-Konter vorausgehende Aufbauversuch von Betis. Oben sieht man, dass die Spanier hier in der vorderen Linie extrem breit stehen, also hier schon auf den Seitenwechselanschluss spekulieren.

Durch das breite Stellen des Offensivspiels bleiben in der jeweiligen Aktion oft nur 2 bis 3 Spieler, um die Aktion durchzuführen. Hier:

Im abgedunkelten Bereich steht Sevilla 2 gg. 4, Sabaly kommt von hinten, aber selbst wenn er sich noch in den Angriff einschalten kann, steht die SGE immer noch in Überzahl.

Das ist die Idee der SGE gegen das breite Spiel der Gäste: Man versucht, auf den Seiten möglichst immer Überzahl zu haben und in diesen Überzahlräumen sehr früh und aggressiv zu attackieren. In dem Beispiel oben ist Hinteregger im Zweikampf gegen José sehr weit außen, um die Überzahl herstellen zu können und gewinnt den Zweikampf auch. Hier geht das SGE-Konzept auf, wichtig dabei ist aber auch das Einrücken von Knauff in die Kette auf der rechten Seite, da sonst die Betis-Spieler auf der anderen Seite zum Tor hin freistünden.

Nach dem Ballgewinn von Hinteregger greifen nun die SGE-Automatismen, die Mannschaft startet sofort einen Schnellangriff.

Hier die Kombination mit der die SGE den Angriff einleitet. Nach dem Ballgewinn von Hinteregger gehen, man sieht es hier, Sabaly, Fekir und Rodriguez sofort ins Gegenpressing, aber die Kombinationsstärke „aus engen Räumen“, wie es in der Fachsprache heißt, ist ein Schwerpunkt seit Glasners Antritt und funktioniert inzwischen in vielen Situationen sehr gut. Kostic und Kamada spielen hier auf engstem Raum einen Doppelpass und Kostic rennt dann einfach mit Ball am Fuß durch die beiden etwas schlecht gestaffelten Fekir und Rodriguez. Damit sind – inklusive der auf der anderen Seite auf den Seitenwechsel wartenden – sechs Betis-Spieler überspielt.

Dieses technisch saubere, schnelle Lösen aus engen Räumen ist, wie hier auch in anderen Spielen schon gezeigt, neben dem Pressing die stärkste Waffe der SGE. Hier einmal der gesamte Angriff in der Übersicht:

8 Pässe ohne Gegnerkontakt.

Das war nicht nur die größte Chance des Spiels, sondern auch der beste Angriff. Den ganzen Angriff kann man sich hier ab 20:04 noch einmal ansehen.

Damit ist Sow in der Situation diesen Uwe-Bein-Gedächtnispass auf Knauff spielen zu können. Sows Pass ist perfekt, Knauffs Laufweg ebenfalls, Betis-Torwart Rui Silva kommt Knauff entgegen, Knauffs Abschluss wird dann von Rui Silva noch an die Latte abgefälscht.

Hier also in einer Szene die wichtigsten taktischen Maßnahmen der SGE gegen Betis: Auf den immerzu angesteuerten offensiven Außenseiten Herstellung von Überzahl plus das übliche Mittelfeld- und Angriffspressing, schnelles Umschalten mit schnellen Passkombinationen und Tiefenpässen.

Das ist nicht der einzige dieser Angriffe in der ersten Halbzeit. Wie überhaupt die SGE das gefährlichere Team ist. 7:3 Schüsse und 3:0 Torschüsse legen das auch statistisch nahe. Ab der 20. Minute ist die Eintracht teilweise minutenlang in Ballbesitz und erarbeitet sich mehr Spielanteile als die Gäste.

Weitere Beispiel für schnelles Kombinationsspiel finden sich in der 19. Minute (Abschluss Sow, ab 25:26),

Betis wird exakt immer dann gefährlich, wenn das vorrückende SGE-Pressing überspielt werden kann, etwa in der 28. Minute (Abschluss Sow, hier ab 34:29) oder 39. Minute (Abschluss Knauff, hier ab 45:30).

Das war eine extrem starke erste Hälfte der SGE. Wenn man bedenkt, dass die Mannschaft in Sevilla einen Elfmeter verschossen hat und Knauff hier im Grunde einen weiteren hatte, war Betis nach drei Halbzeiten mit dem 1:2 Rückstand bestens bedient.

Neben den taktischen Analysen muss hier aber auch gesagt werden, dass gegen solche Gegner solche Mannschaftsleistungen nur möglich sind mit extremer Einzelspielerqualität, und über diese verfügt der aktuelle Eintracht-Kader. So war es in der ersten Halbzeit Knauff, mit dem Miranda, immerhin mit seinen 22 Jahren bereits einmaliger spanischer Nationalspieler, völlig überfordert war. Auf der anderen Seite sah es im Duell Kostic gegen Sabaly ähnlich aus, auch wenn Sabaly, oft unterstützt von Rodriguez, sich etwas besser schlug. Aber auch im Defensivverbund gewannen Sow und vor allem Hinteregger fast alle entscheidenden Duelle. Sow war in vielen Hinsichten deutlich stärker als beide Sechser der Spanier Canales (10 Länderspiele für Spanien) und Rodriguez (21 Länderspiele für Argentinien) – und das in allen dreien bis dahin gespielten Halbzeiten.

Die zweite Halbzeit

Die zweite Halbzeit ist sehr zerfahren, besonders bei der Eintracht erhöht sich deutlich die Fehlerquote. So sinkt die Passquote der SGE von 74% auf 67%, während die Passquote bei Betis von 80% auf 78% sinkt.

Trotzdem konnte die SGE fast über die gesamte Spielzeit die Spanier zumindest von ganz großen Abschlusschancen abhalten.

Ein Grund dafür war die enorme Zweikampfstärke der drei Verteidiger, ganz besonders Hinteregger, der Kettenfehler (oft eigene Stellungsfehler) mit starkem Zweikampfverhalten ausbügelte, ein gutes Beispiel ist die Situation in der 55. Minute – im Grunde eine der gefährlichsten Aktionen der Gäste im Spiel.

Hier gut zu sehen der Stellungsfehler von Hinteregger, der hier eigentlich genug Zeit hatte, den viel zu großen Abstand zu Ndicka zu verkleinern, zumal Knauff, Tuta und Lindström in der Zentrale 3 gg. 2 gegen die beiden Betis-Angreifer stehen. Canales und Joaquin erkennen die Lücke auch sofort, spielen den Ball hinein.

Allerdings ist die Zweikampfarbeit von Hinteregger gegen Joaquin dann überragend, sodass dieser nicht zum Abschluss kommen kann, Hinteregger kann den Abschluss von Joaquin blocken. (eintracht.tv ab 11:20).

Im weiteren Verlauf des Spiels wiederholen sich die beschriebenen Abläufe: Defensive Überzahl der SGE auf den Außen als wichtigstes Abwehrmittel nebst dem üblichen Pressing, Möglichkeiten für Betis bei zu großen Abständen in der letzten Reihe der SGE oder nach Pressingdurchbrüchen oder gelungenen Seitenwechseln, dazu Standards.

Obwohl die Eintracht kaum nachlässt und bei Kontern immer gefährlich bleibt, wird mit zunehmender Spieldauer die Feldüberlegenheit der Spanier und der Druck auf die SGE zusehends größer. Die größeren Chancen hat aber weiterhin zunächst die SGE, beispielsweise in der 62. Minute Kostic nach Kamada-Flanke von links und Torwartfehler (eintracht.tv ab 18:28), oder die Kostic-Freistoßflanke in der 63. Minute, die am Pfosten landet (eintracht.tv ab 19:31).

Den besten Abschluss haben die Spanier in der 65. Minute nach einem gelungenen Seitenwechsel (eines ihrer wichtigsten Angriffsmittel, wie oben herausgearbeitet) und einer starken Aktion von Joaquin gegen Kostic und Ndicka, die gegen den 40jährigen beide in ihren Zweikämpfen sehr schlecht aussehen – nachdem Joaquin frei flanken kann, muss Trapp den Kopfball von Juanmi mit seiner besten Parade des Spiels entschärfen.

In der 66. Minute bringt Glasner Hauge für Kamada, ein nachvollziehbarer Wechsel. Kamada hatte zwar einige gute Pässe und Aktionen, allerdings auch einige haarsträubende Fehlpässe in seinem Spiel, Hauge wirkte sehr engagiert und hat direkt einige Ballaktionen.

In der Schlussphase geben die Spanier ihren breiten Aufbau weitgehend auf, spielen jetzt oft nur noch mit einem Dreier-Aufbau und öfter mit langen Bällen, meist Richtung der offensiven Außen. Außerdem intensivieren sie das frühe Mittelfeldpressing/ Angriffspressing.

Hier gut zu sehen die Umstellung der Spanier: Aus dem breiten Viererkettenaufbau ist ein Dreier-Aufbau hinten geworden, statt den breiten Außen stehen diese jetzt hoch und den Bereich zwischen den Linien, also hinter den beiden Eintracht-6ern, besetzen sie hier mit gleich vier Spielern.

Aus dem breiten Aufbau ist also eine breite Spitze geworden und wie in dem Bild zu sehen, müssen Kostic und Knauff jetzt dauerhaft hinten die Außenbahnen schließen. Warum Glasner in dieser Phase nicht, wie in den vergangenen Spielen in ähnlichen Situationen, mit Lenz oder Touré eigene defensive Breite dagegensetzt, war schon sehr verwunderlich und im Grunde war es eine Frage der Zeit, bis das schiefgeht. Beide Außenbahnen waren gegen eine breite Spitze nun defensiv zu schwach besetzt, die Überzahl nicht mehr zuverlässig herzustellen. Dementsprechend bespielen die Spanier diese defensiven Außen der SGE jetzt praktisch mit jedem Ball und genau daraus resultiert dann auch das 0:1.

Hier die Situation, die den Angriff einleitet, es handelt sich um einen Doppelpass Ruibal-Fekir und hier im Bild ist gut zu sehen, dass Lindström nicht nur auf der Innenbahn ist, sondern auch ein bisschen Vorsprung gegen Ruibal hat, als beide den Sprint anziehen.

Den entscheidenden Fehler macht dann Lindström, der zwar den Ball zuerst erreicht, sich aber mit einem leichten Körpereinsatz von Ruibal einfach aus dem Zweikampf drücken lässt, das ist natürlich kein professionelles Zweikampfverhalten.

Hier die Situation nach dem verlorenen Zweikampf von Lindström. Tuta muss ganz auf die außen rücken, um den Gegner zu stellen und hinter ihm schließt niemand rechtzeitig die Lücke, Knauff verschläft seinen Einsatz hier völlig, lässt Fekir einfach laufen, aber auch Sow hat die Situation nicht rechtzeitig erkannt, sonst hätt er hinter Tuta einrücken müssen. Fekir erhält dann den Ball zurück und bringt die Flanke zum 0:1.

In dieser Situation lassen sich Knauff, Tuta und Lindström trotz 3 gg. 2 – Überzahl von Fekir und Ruibal ausspielen, die Kettenabsicherung hinter Tuta fällt einfach aus, das sind schlicht zu viele Fehler in einer Situation.

Die Verlängerung bringt dann nicht mehr allzu viel, zwei müde Mannschaften, die beide kaum mehr in der Lage sind, die gegnerische Defensive zu überspielen. Daher nur noch ein kurzer Blick auf zwei Situationen.

In der 109. Minute hat die SGE viel Glück, als Iglesias mit einem Kopfball an der Latte scheitert. Vorausgegangen war einer der typischen Seitenwechsel-Angriffe der Spanier mit Pass in den von Kostic mit Harakiri-Stellungsspiel freigelassenen LV-Raum hinter ihm und Flanke aus genau dieser Zone. Man muss es so hart sagen, wenn das Spiel da verloren geht, dann wäre das ziemlich auf das Konto des vollkommen untätigen Glasner gegangen, der hier sehenden Auges schlicht die notwendige Sicherung der von Kostic und Knauff nicht mehr zuverlässig zu sichernden Außen verpasste.

Das einzig halbwegs nachvollziehbare Kalkül ist, dass Glasner die eigene offensive Stärke nicht antasten wollte, was allerdings durchaus eine Art Russisches Roulette war, auch wenn es in diesem Fall letztlich gutging.

Kostic auf dem Platz zu lassen war jedenfalls richtig, er schlug nicht nur die Flanke, die dann in der 121. Minute ins Betis-Tor verlängert wurde, sondern holte mit einer Einzelaktion auch den Freistoß heraus. Das Tor ist somit analytisch wenig relevant, die SGE kann sich in dieser Situation in erster Linie bei Kostic bedanken und in zweiter bei Hinteregger, der die Situation im Sechzehner mit seinem Einsatz erzwingt.

Das Fazit

Die Eintracht ist verdient weitergekommen, hätte das Spiel nach drei Halbzeiten im Grunde für sich bereits entschieden haben müssen.

In der Schlussphase der zweiten Halbzeit des Rückspiels wurde der Druck zu groß, die von den Spaniern als solche offenbar ausgemachte Schwäche auf den defensiven Außen war zu groß, als dass man eine Mannschaft wie Betis da dauerhaft fernhalten konnte. Beim Gegentor passierten zu viele Fehler, in dieser Phase war auch das Nichtreagieren des SGE-Trainerteams mindestens fragwürdig.

Das setzte sich dann in der Verlängerung fort, trotzdem ist der Erfolg der SGE alles in allem durchaus verdient.

Die Entwicklung der Mannschaft ist gut zu sehen. Alle von Glasner eingeführte Elemente sind inzwischen recht gut verinnerlicht, die Fehlerquote in der hinteren Reihe konnte stark reduziert, die defensiven Abläufe besser automatisiert und geklärt werden. Die defensive Schwäche auf den Außen ist mit einer Schienenbesetzung Kostic, Knauff kein Geheimnis und wird in Kauf genommen zugunsten der daraus ja auch resultierenden extremen Offensivstärke.

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SGE – VfL Bochum 2:1 (0:1)

Gegen sehr aggressive und gut organisierte Bochumer gewinnt die SGE ihr Heimspiel und bleibt im Rennen um die europäischen Plätze. Die Analyse zum Spiel.

Die Aufstellung

Bochum: Riemann – Stafylidis, Bella-Kotchap, Masovic, Bockhorn – Osterhage (60. Pantovic), Losilla, Rexhbecaj (77. Löwen) – Holtmann (61. Locadia), Asasno (60. Antwi-Adjei) – Polter

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

Quelle: Youtube

Die erste Halbzeit

Ähnlich wie im Hinspiel hatte die SGE große Probleme mit der extrem aggressiven Zweikampfführung der Bochumer und deren sehr intensiven Pressing auf dem ganzen Platz. Allerdings gelang es der SGE diesmal sehr gut, die Schwächen des VfL zu nutzen und die technische Überlegenheit in ein erfolgreiches Spiel umzusetzen.

Trotz der technischen und spielerischen Überlegenheit waren die Gäste 90 Minuten sehr gut im Spiel und setzten der Eintracht stark zu. Überhaupt stehen die Bochumer mit einem eher unterdurchschnittlich besetzten Kader im gesicherten Mittelfeld. Wie hat VfL-Trainer Reis das geschafft?

Man kann das anhand des Spiels gut beobachten. Das VfL-Spiel besteht aus drei entscheidenden Elementen:

  1. Möglichst Risikofreies Aufbauspiel, oft mit langen Bällen ins Mittelfeld oder die Spitze. Die Bälle werden oft von Torwart Riemann lang gespielt.
  2. Pressing auf dem ganzen Platz. Der VfL bringt ganz bewusst den Gegner in Ballbesitz, presst dann extrem ballorientiert und geht auf Ballgewinne im Mittelfeld, um dann sehr schnell den Abschluss zu suchen
  3. Sehr starke defensive Zweikampfführung, hartes Einsteigen, taktische Fouls.
Hier eine Szene aus der 4. Minute. Gut zu sehen, dass der VfL in dieser Szene mit 9 Spielern im Bildausschnitte in der Eintracht-Hälfte presst. Der Abstand zur letzten Reihe wird auf Teufel komm raus eng gehalten, selbst wenn die letzte Reihe bis in die gegnerische Hälfte nachpressen muss wie in diesem Beispiel, in dem sich die SGE mit ihrer Passgenauigkeit und Kombinationsstärke zwar befreien kann.

Kamada macht dann einen kleinen Passfehler, weshalb der Ball dann bei der Bochumer Letzte-Reihe-Absicherung landet.

Das ist der Trick: Die Räume werden so eng gehalten, dass die kleinste Ungenauigkeit dazu führt, dass die Bochumer den Ball gewinnen. Für einen Abstiegskandidat eine enorm mutige, aufwendige, aber auch überaus effektive Strategie.

Das Spiel der SGE ist durchaus ähnlich angelegt, wenn auch mit größerem Schwerpunkt auf eigenen Ballbesitz und Spiel aus der und in die Tiefe.

Eine erste gute Chance hatte die SGE nach einem Ballverlust des VfL und der großen Stärke der SGE, den tiefen Schnellkombinationen, in diesem Fall über Hinteregger (Ballgewinn), Kamada, Knauff, Borré (Flanke von rechts), Abschluss Kamada. (eintracht.tv ab 6:47). In dieser Szene sieht man schon gut, wie die Bochumer zu bespielen und zu überwinden sind. Denn das sehr hohe Anlaufen und stetige Pressen der Bochumer ist durchaus riskant, da die Mannschaft auch im vorderen Bereich keine sehr hohe technische Qualität hat. So gehen viele Bälle an den Gegner und ob dieser das sofortige Gegenpressing überwinden kann oder nicht, hängt mit der Genauigkeit der Angriffsbemühungen und eben den technischen Fertigkeiten der Einzelspieler zusammen.

So zeichnen sich nach 10 Minuten die Punchlines deutlich ab: Beide Teams setzen auf sehr schnelles und direktes Spiel in die Spitze, der VfL verzichtet noch deutlicher auf Positionsspielversuche als die SGE und will jeden Ball in die SGE-Hälfte bringen, um die Bälle dort gewinnen zu können. Entweder VfL-Keeper Riemann oder einer der Abwehrspieler spielt fast alle Bälle als Flugbälle Richtung Mittelstürmer Holter oder auf einen der beiden schnellen Außen Holtmann und Asano. Die Eintracht, die unter Glasner einen ähnlichen Schwerpunkt hat, ist nur ein wenig variabler, hat aber mit der Zweikampfhärte und dem sehr engen Pressing der Bochumer zu kämpfen. Aber die SGE ist gut sichtbar praktisch auf jeder Position technisch-spielerisch besser besetzt als der VfL, auch das ist gut zu sehen und so gelingen der Eintracht zunächst die interessanteren Offensivszenen. Statistisch schlagen sich die Vorteile, die die SGE im vorderen Drittel hat, in einem sagenhaften Eckenverhältnis von 8:0 nieder.

Eckenverhältnisse sind deshalb besonders interessante statistische Werte, weil Ecken normalerweise von Abwehrspielern und Torhütern zu verhindern versucht werden. Einer Ecke geht also fast immer eine „Rettungsaktion“, also eine interessante Situation des Gegners voraus.

Trotzdem erzielt der VfL in der 19. Minute den Führungstreffer. Vorausgegangen war ein Konter nach einer sehr starken Balleroberung von Bella Kotchap fast an der eigenen Auslinie gegen Lindström und die Zweikampfführung des Bochumers ist in dieser Situation wirklich lehrbuchhaft, man sehe sich das gerne noch einmal an (eintracht.tv ab 22:48). Lindström hatte durch eine kurze Verzögerung allerdings sein Sprinttempo verloren und es dadurch dem Gegner ermöglicht, den Ball zu gewinnen.

Entscheidend ist nun, dass die SGE danach nicht ins Gegenpressing kommt.

Hier die Situation nach dem verlorenen Zweikampf von Lindström. Bella Kotchap spielt sofort auf Stafylidis. Hier der (kurze) Ballbesitzmoment von Stafylidis. Gut zu sehen, dass Sow und Jakic, die hier das Gegenpressing organisieren müssen, keinen Zugriff auf Stafylidis und Rexhbecaj haben und so der VfL unbehelligt Kontern kann.

Auf dem Standbild sieht man sehr gut, dass die 6er nicht press stehen und daher mit zwei Bällen die SGE mit Ausnahme der 3er-Absicherung in der letzten Reihe überspielt ist. Das ist allerdings auch eine sehr schwierige Situation, weil Lindström den Ball sehr weit vorne verliert.

Rexhbecaj spielt dann, vorbei an dem weit herausgerückten Ndicka einen Longline-Ball auf Asano, der mit der Ballannahme von Hinteregger umgegrätscht wird. Darüber, ob man das besser verteidigen kann, darf gestritten werden, dass Hinteregger so eine Kontersituation zur Not mit einem (taktischen) Foul stoppen muss, ist unstrittig. Er hat das offenbar als solche Notsituation aufgefasst, weshalb er zu diesem Mittel gegriffen hat (nachvollziehbar, da auch Ndicka zu diesem Zeitpunkt aus dem Spiel war und Tuta in der Zentrale demnach 1 gg 2 stand, jedenfalls musste Hinteregger das befürchten).

Der Standard selbst ist dann gut ausgeführt, kaum eine Chance für Hinteregger und Trapp, das Tor zu verhindern.

Die folgenden 10 bis 15 Minuten sind die stärksten des VfL in dem Spiel. Warum? Die Antwort ist sehr simpel: Die Fehlerquote der SGE erhöht sich brachial und typisch für Mannschaften in der Entwicklung, fällt auch die SGE in dieser extremen Stresssituation in Fehlverhalten zurück, die eigentlich bearbeitet waren.

Hier eine Szene aus der 23. Minute mit komplettem Kettenchaos seitens der SGE. Kurz zuvor hatte der zentral herausgerückte Hinteregger ein Kopfballduell geführt und verloren, was aber für Tuta und Ndicka erst Recht Grund sein sollte, eine (Abseits-)höhe zu halten. Stattdessen läuft Tuta hinten rein und öffnet damit einen No-Abseits-Raum. Viel Glück in dieser Szene, dass Asanos Ball exakt bei Tuta landet statt im Lauf des schnellen Holtmann.

Kurz danach, in der 24. Minute hat die SGE noch mehr Glück. Die vermutlich spielentscheidende Parade von Trapp (siehe Highlights oben) hält die SGE im Spiel. Vorausgegangen war einer der Ketten-Abstimmungsfehler, die hier regelmäßig als Einfallstore und Schwachpunkt der SGE gezeigt werden, so auch diesmal.

Tuta rückt, ohne Not, sehr weit aus der Dreierkette ohne von Knauff oder Kostic hinten vertreten zu werden. So steht die SGE hier, gut zu sehen im eingefärbten Bereich 2 gg. 3 direkt zum eigenen Tor. Eine Situation, die nie entstehen darf. Den entscheidenden Fehler hier macht Knauff, der nicht mit dem kurz zuvor außen eingelaufenen Losilla mitgeht, sondern im Halbraum stehen bleibt, sich mithin aus dem Spiel nimmt. Er muss hier einfach die 4 Meter nach hinten einrücken, dann passiert in der Situation nichts.

Denn der folgende Angriff über Holtmann, der hier den Ball gegen zwei Frankfurter behauptet und ihn dann kurz danach im Vollsprint Richtung Tor wiedererhält, läuft über genau diesen freien Losilla, den Knauff hier vollkommen freistehen lässt. Holtmann und Asano stehen kurz danach im Sechzehner der SGE 2 gg. 1 und Trapp rettet mit einer Weltklasseparade gegen Asano.

Hier also wieder das übliche Chaos auf den Schienenpositionen. Auch Kostic steht viel zu weit vorne. Gerade als erfahrener Spieler hätte er hier die Gefahr erkennen müssen und so schnell wie möglich die Kette hinten ergänzen, stattdessen verschläft er – wie so oft – die Szene vollkommen.

Das Zurückfallen in falsche Verhaltensmuster wird begleitet von einer auch im spielerischen Bereich erhöhte Fehlerquote, selbst der sonst sehr passsichere Sow lässt sich von der Aufregung anstecken und produziert teils haarsträubende Fehlpässe.

Doch die Mannschaft kämpft sich bald ins Spiel zurück. Ausschlaggebend dafür waren einige hart und erfolgreich geführte Zweikämpfe von Hinteregger (Bsp. gegen Asano in der 34. Minute, eintracht.tv ab 38:31), einige mutige Aktionen von Jakic und eine relativ schnell wiedergewonnene Pass- und Aktionssicherheit von Sow. Auch auffällig, dass in der ca. 10- bis 15-minütigen Stressphase Kostic wieder sehr häufig gesucht wurde. Auch die Ball- und Aktionssicherheit von Tuta und Ndicka hilft.

So kann die SGE bald die Kräfteverhältnisse wieder herstellen und hat in der 40. Minute mit einem Fasteigentor von Bella Kotchap eine Riesenchance zum Ausgleich. Dazu kommt eine Minute später ein elfmeterreifes Foul von Bockhorn an Kostic.

Damit ist die VfL-Druckphase abgewehrt, auch die jungen Knauff und Lindström haben wieder Aktionen und bis zur Halbzeit hat die SGE das Spiel wieder im Griff und auch wieder die besseren Offensivaktionen, u.a. eine gute Chance von Borré und ein Kopfballabschluss von Hinteregger nach Freistoßflanke Kostic. Es deutete sich schon an, dass der VfL Schwierigkeiten haben würde, das Spiel zu null zu beenden.

Die zweite Halbzeit

Mit Beginn der zweiten Hälfte macht die Eintracht da weiter, wo sie in der ersten Hälfte aufgehört hatte, übernimmt das Spielkommando. Der VfL wird mit den ersten Aktionen in eine tiefere Position am eigenen Strafraum gezwungen und im Grunde mit dem ersten Angriff erzielt die SGE den Ausgleich.

Ausgangspunkt ist ein gewonnener Zweikampf von Hinteregger gegen Polter ganz hinten. Pass auf Knauff rechts und Angriffseinleitung mit einem Pass auf Lindström ganz rechts.

Die Passwege vor dem Tor. Lindström und Knauff stehen außen 2 gg. 3, daher muss Lindström den Angriff abblasen, spielt zurück auf Sow, der den Angriff zunächst in die Zentrale verlagert (Kamada und Jakic kommen entgegen). Darauf folgt eine der typischen Schnellkombinationen der SGE, hier über Kamada und Jakic. Damit wird der Gegner „in Bewegung gebracht“, alle Bochumer orientieren sich wie von Geisterhand Richtung Zentrale.

Meistens entstehen dabei Freiräume außen, so auch hier.

Hier sehr schön zu sehen: Mit dem kurzen Doppelpass in der Zentrale ziehen Kamada und Jakic beide Innenverteidiger der Bochumer auf sich, so dass Stafylidis einrücken muss, um Borré nicht freistehen zu haben. Rexhbecaj hätte außen bleiben können (müssen), macht hier also einen Stellungsfehler. Durch diese Bewegungen stehen nun Knauff und Lindström rechts frei, bzw. 2 gg. 1 gegen Stafylidis. Kamada erkennt die Situation perfekt und spielt einen überragenden Chippass in den Lauf von Knauff außen.

Damit ist der Defensivblock des VfL ausgespielt.

…und Lindström kann aus rund 12 Meter völlig frei abschließen, hätte auch noch Abspielmöglichkeiten in der Box.

Lindströms (schwachen) Schuss lenkt Bochums Innenverteidiger Masovic dann ins eigene Tor.

Die SGE hat sich inzwischen gut auf die sehr durchschaubaren Angriffsbemühungen der Bochumer eingestellt, Hinteregger bekämpft Polter wirksam, die Außen Holtmann und Asano sind im 1 gg. 1 letztlich zu schwach, um die Eintracht dauerhaft zu gefährden und die auf sie gespielten Bälle zu einfach zu verteidigen. Außerdem kann sich die SGE besser aus den Pressingsituationen lösen, notfalls mit längeren Bällen. Das ist die Vorgehensweise in der zweiten Hälfte und damit ist Bochum weitgehend entzaubert, die spielerische Stärke der SGE kann sich durchsetzen.

In der 52. Minute fällt folgerichtig das 2:1-Führungstor. Leider zeigte die DAZN-Regie lieber jubelnde Kinder statt auf dem Spiel zu bleiben, sodass wir den Angriff hier erst ab der Station Kostic ansehen können.

Hier die entscheidende Angriffseinleitung. Borré mit einem extrem starken Pass auf Kostic, der Bockhorn überrennt.

Hier sehr gut sichtbar: Dass aus dieser Situation, in der Bochum noch ganz gut besetzt ist und verschoben hat, ein Tor werden kann, ist den speziellen Einzelfähigkeiten von Borré (Spielverständnis, Laufeinsatz, Borré hier wie oft als Spielmacher) und dem extremen Tempo und der trotzdem noch technischen Genauigkeit Kostics geschuldet.

Hier die Situation nach der Kostic-Hereingabe, die Knauff mit einem kleinen technischen Fehler zuerst fast verdaddelt den Ball dann aber noch auf Lindström bringt, der ihn dann auf den völlig freien Kamada spielt, Tor.

Durch den VfL-Rückstand verändert sich natürlich die Statik des Spiels etwas, der VfL kann sein „reines“ Programm jetzt nicht mehr abspulen, muss mehr eigenen Ball und Positionsspiel versuchen und wird damit anfällig für Pressingsituationen der SGE. Viel mehr als die immer gleichen langen Bälle von Riemann in die Spitze fällt den Bochumern aber nicht ein, das Spiel über eigenen Ballbesitz ist sehr offensichtlich ihre Sache nicht. Die Gäste sind, obwohl sie in der zweiten Hälfte sogar einen Überschuss an Ballbesitz haben, fast ausschließlich nach Standards gefährlich.

Die Eintracht hat noch einige gute Kontermöglichkeiten, so etwa Knauff in der 69. Minute, und Hauge/Borré in der 84. Minute.

In der 72. Minute bringt Glasner Lenz für Lindström, Kostic rückt weiter vor; lenz spielt fortan die linke Schiene, wie üblich etwas defensiver als Kostic.

Auch Bochum-Trainer Reis nimmt einige Wechsel vor, die allerdings an den Abläufen im Spiel wenig ändern und daher hier nicht weiter relevant sind. Ähnliches gilt für die Wechsel auf SGE-Seite.

Fazit

Die SGE schafft gegen Bochum einen standesgemäßen Heimsieg.

Der größte Unterschied zwischen beiden Teams bestand in der Palette der Fähigkeiten. Während die Bochumer in ihrem sehr zweikampfintensiven Pressing plus schnellem Spiel in die Spitze ihre einzige echte Stärke haben, dieses aber eine mächtige Waffe darstellt, beherrscht auch die SGE ein wirksames Pressing, verfügt aber aufgrund der großen technischen Stärke des Kaders über weitere gute Skills im Bereich Kombinationsspiel, Schnelligkeit und Tiefenspiel. Auch im Positionsspiel ist die SGE stärker, auch wenn die Mannschaft dieses Element erneut kaum genutzt hat.

Bis zum 2:1 der SGE war das Spiel demgemäß umkämpft, insbesondere in der oben beschriebenen Druckphase der Bochumer in der ersten Halbzeit. In dieser Phase stachen vor allem Sow, Hinteregger und Kostic mit sehr großem Engagement und besonders konzentriertem Spiel heraus. Dadurch konnte die Mannschaft insgesamt die Fehlerquote wieder senken und das Spiel in den Griff bekommen. Danach fehlten den Bochumern die technischen und spielerischen Mittel, um eine erneute Druckphase wie in der ersten Halbzeit zu organisieren.

So bleibt ein verdienter Erfolg der Eintracht, die das Spiel in allen Bereichen als weiteren Schritt in der Entwicklung verbuchen.

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Betis Sevilla – SGE 1:2 (1:2)

Beim aktuellen Tabellenfünften von LaLiga gewann die Eintracht verdient. Wie kam der Sieg zustande? Ein analytischer Blick auf das Spiel.

Die Aufstellung

Betis: Bravo – Sabaly, Pezzela, Gonzalez, Ruibal (77. Tello) – Rodriguez, Carvalho (61. Miranda) – Canales, Fekir, Juanmi (61. Joaquin) – José (77. Iglesias)

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

Quelle: Youtube

Die erste Halbzeit

Im Interview nach dem Spiel verwies Trainer Glasner darauf, dass Betis die SGE in der Anfangsphase damit etwas überrascht habe, dass sie es häufig mit langen Bällen versuchten, was die Mannschaft normalerweise selten mache. Stimmt:

Hier eine Szene aus der 2. Minute. Diesem Abschluss von Canales geht ein langer Flugball von Torwart Bravo voraus, den Canales hier direkt abnimmt, nachdem der Ball einmal aufgesprungen war. Trapp hält.

Betis bleibt bei diesem Stilmittel auch im weiteren Verlauf des Spiels und setzt es gelegentlich ein.

Sehr auffällig war in der Anfangsphase, dass Glasner nicht nur aufstellungsseitig, sondern auch von der Ausrichtung her bei dem sehr offensiven Pressing blieb. Auch sonst schaltete die Eintracht nicht, wie noch gegen die Bayern, auf eine dauerhafte 5er-Kette um, sondern blieb bei dem sehr hohen, frühen Pressing mit vielen Spielern, auch in der vordersten Reihe, also gegen die Aufbauspieler der Spanier.

Hier ein sehr schönes, typisches Beispiel. Die SGE organisiert das Pressing in zwei Zonen, lässt dazwischen den zentralen Spieler frei stehen, allerdings mit Zugriff der 6er (hier Sow). Kommt der Pass in die Zentrale, wird der Gegner sofort attackiert. Hier auch gut zu sehen, wie weit beide Sechser nachrücken. Kostic und Knauff stehen beide deutlich tiefer als Sow und Jakic. Das ist auch richtig so. Auf diese Weise haben beide Schienenspieler Zugriff nach vorne, können aber, wenn nötig auch relativ schnell die Dreierkette hinten ergänzen. Ganz vorne attackiert Borré den Ballbesitzer.

Dieses sehr effektive Pressing der SGE schmeckte den Spaniern überhaupt nicht und war wohl der wichtigste Schlüssel zum Erfolg. Die SGE gewinnt dabei immer wieder die Bälle und spielt dann schnell zum Abschluss. So etwa in der 5. Minute (eintracht.tv ab 9:50). Hier Ballgewinn Sow/ Kostic – Flugball auf Lindström, Abschluss.

In der ersten Viertelstunde werden große Unterschiede in der Spielanlage der beiden Teams deutlich. Das auf klar vorbereitete Aktionen ausgelegte Spiel der Spanier kommt der SGE entgegen. Die größte defensive Schwachstelle der Eintracht, die offensiv besetzten Schienen, die beim Angriffspressing hoch und spekulativ stehen, konnten so fast nie überspielt werden und schafften es fast immer, rechtzeitig die 3er-Kette zu einer 5er-Kette zu ergänzen. Wohlgemerkt: fast.

In der 14. Minute erzielt Kostic das 0:1 für die SGE. Ausgangspunkt für das Tor ist ein gewonnener Zweikampf von Borré tief in der eigenen Hälfte.

Hier die entscheidende Szene. Borré doppelt Jakic, gewinnt den Zweikampf und Sow kann sich den freien Ball abholen.

Sow leitet mit einem Tempodribbling sofort den Angriff ein, über Borré und Lindström landet er dann rechts bei Knauff. Knauff leitet dann mit einem Pass auf Sow den Seitenwechsel ein.

Gut zu sehen: Betis ist noch nicht sortiert, obwohl eigentlich genug Zeit war. Die Viererkette der Spanier ist noch nicht hergestellt, Sabaly steht zu weit innen, Gonzalez hinten zu tief gegen Borré. Insgesamt, man sieht es hier, ist der Betis-Defensivblock komplett in die linke Spielfeldhälfte gerückt. Dennoch hätte Sow hier auch noch Lindström ganz rechts, Kamada zentral oder Knauff nach hinten anspielen können, entscheidet sich dann aber richtig für den völlig freien Kostic.

Der hebt den Ball dann über Betis-TW Bravo ins Tor. Ein Kunstschuss sicher, aber mit so etwas muss man bei Kostic immer rechnen und auch eine Flanke hätte in dieser Situation leicht sehr gefährlich werden können für Betis.

Insgesamt zeigt der Angriff mehrere typische Elemente des Eintracht-Spiels unter Glasner: Große mannschaftstaktische Geschlossenheit (Stürmer Borré gewinnt den Zweikampf tief in der eigenen Hälfte), schnelle Angriffseinleitung (über Sow), schnelle Herstellung von Überzahl-Situationen auf den Seiten, variables Spiel in der vorderen Reihe (viele Anschlussmöglichkeiten für Sow). Dazu kommt die technisch-spielerische Stärke der Einzelspieler, hier das gute Erkennen von Knauff/Sow, dass der Seitenwechsel die beste Option in der Szene ist.

Gefährlich wird es für die SGE fast immer, wenn sich Betis durch das (Gegen-)Pressing spielen kann, während die SGE-Außen offensiv stehen.

Das war schon in einigen Situationen zuvor sichtbar und exakt aus so einer Situation entsteht dann das 1:1 in der 30. Minute.

Ausgangspunkt ist ein langer Ball von Trapp Richtung Borré, den Betis abwehren kann. Eigentlich funktioniert die Zweite-Ball-Attacke der SGE, doch Knauff gerät bei der Ballannahme im Mittelfeld etwas ins Straucheln und gibt den Ball daher ab. Und so:

Hier gut zu sehen: Knauff und Kostic sind weit aufgerückt, können die Kette nicht mehr ergänzen, die SGE steht in der hinteren Reihe 3 gg. 4. Betis muss das schnell ausspielen und das machen sie sehr stark. Der Ball geht sofort auf Fekir.

Fekir geht dann ins 1 gg 1 gegen Ndicka, zieht mit einer schnellen Bewegung und seinem starkem Antritt auf die Innenbahn, bekommt so seinen starken linken Fuß freigelaufen und muss gegen Trapp nur noch einschießen. Ndicka hätte hier klarer die Innenbahn schließen müssen, indem er einen Schritte weiter vorne steht.

Bei dieser Notaktion unterläuft Hinteregger dann noch ein Stellungsfehler (eintracht.tv ab 34:49), weil er Ndicka nicht nach innen sichert, sondern sich Richtung eines einlaufenden Gegners orientiert, aber das kann in solchen unübersichtlichen Situationen immer passieren.

Überhaupt ist das eine etwas unglückliche Situation. Mit der sehr offensiven, aggressiven Herangehensweise nimmt Glasner das Risiko solcher Situationen natürlich in Kauf. Das ist eine bewusste Entscheidung und angesichts der Offensivstärke des Kaders auch aus analytischer Sicht im Grunde vollkommen richtig.

Auch in diesem Spiel wieder sehr auffällig: Die SGE ist auch diesem Gegner technisch keineswegs unterlegen, was durchaus bemerkenswert ist, da Betis eine der stärksten Teams in der spanischen Liga ist. Der einzige Spieler auf SGE-Seite, der in der ersten Halbzeit eine (zu) hohe Fehlerquote bei eigenem Ballbesitz hat und (zu) viele Situationen nicht richtig löst (meist überhastet), ist, wie schon in den Spielen zuvor, Jakic.

Hier ein Beispiel aus der aus der 29. Minute. Nach einem Seitenwechsel spielt Kostic den Ball auf die Halbposition auf Jakic und man sieht hier, dass das eine Drucksituation ist, Kostic und Jakic müssen 2 gg. 2 spielen. Jakic hat drei Optionen: Doppelpass mit Kostic, Rückpass auf Sow, Aufdrehen und Spielfortsetzung über Kamada.

Stattdessen hält er den Ball, wartet zu lange (bis Kostic von Sabaly zugelaufen ist) und versucht dann (etwas unmotiviert) den Ball zu Kostic zu bringen. Rodriguez geht dazwischen und blockt den Pass. Das gibt dann Einwurf für Frankfurt, aber es ist eine von vielen kleinen Situationen, in denen Jakic falsche Anschluss-Entscheidungen trifft. Kollege Sow ist da viel stärker und sicherer. Bei Jakic wird es darauf ankommen, dass er sich in diesen Situationen (hoher Gegnerdruck, wenig Entscheidungszeit) entwickelt und eine höherere Quote richtiger Entscheidungen erreicht, wenn er den nächsten Entwicklungsschritt gehen will.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Jakic hat durchaus kein schlechtes Spiel gemacht, viele Bälle gewonnen, sehr fleißig und konzentriert verschoben, hatte auch einige sehr gute Anschlussaktionen. Wie gesagt, allein die Positivquote in den ganz engen Situationen ist im Vergleich zu den Mitspielern zu niedrig.

Noch ein kurzer Blick auf das 1:2 der SGE in der 32. Minute. In den Highlights (oben) kann man gut sehen, dass dem Tor ein krasser Fehlpass von Gonzalez auf Sow vorausgeht, es folgt eine überragende Einzelleistung von Lindström und ein Abstaubertor von Kamada. Das Tor ist analytisch nicht sehr relevant, auf die großen Qualitäten von Lindström wurde hier schon hingewiesen als andere ihn noch für nicht bundesligatauglich hielten. Inzwischen und insbesondere bei solchen Aktionen auf der internationalen Bühne dürfte sich inzwischen eher die Frage stellen, wie lange die SGE den Spieler halten kann. So kann´s gehen – aber die betreffenden Kollegen sind vermutlich momentan auch sowieso noch damit beschäftigt, zu verstehen, wie die Mannschaft so gut spielen kann, ganz ohne ihren Lieblingsspieler Hasebe, ohne den doch die Mannschaft angeblich nur die Hälfte wert ist.

Die zweite Halbzeit

In der 51. Minute gibt es Elfmeter für die SGE und die Situation, die dazu führt, ist interessant, da sie die wichtigsten Elemente des Spiels repräsentiert: SGE-Schwachstelle „überspieltes Pressing“, etwas unsauber gespielte Betis-Angriffe, starke SGE-Konter (nicht zu haltender Lindström). Vorausgegangen ist nämlich ein Angriff der Spanier, bei dem sie einmal das SGE-Pressing überspielen konnten – mit den oben genannten Folgen:

Hier wieder gut zu sehen: Weil Kostic und Knauff und hier zusätzlich noch Tuta zum Pressing aufgerückt sind, das Pressing aber überspielt wird, steht die SGE jetzt 2 gg. 3 – Unterzahl in der letzten Reihe. Der Pass von Fekir ist dann auch gut.

Trapp muss weit aus dem Tor laufen und den Ball außerhalb des 16ers nach vorne klären. Dieser Trapp-Pass landet dann bei Lindström, aus dessen Zweikampf mit Ruibal, bei dem diesem der Ball an den Arm springt, entspringt dann der Elfmeter. Den Borré bekanntlich ziemlich schwach verschießt.

Das alles zeigt sich auch in der zweiten Halbzeit, die SGE braucht in einigen Szenen etwas Glück und zum Teil überragende Notaktionen wie das extrem gut getimte Tackling von Ndicka in der 54. Minute, mit dem er den Ball vor dem einschussbereiten Canales zur Ecke lenkt. (eintracht.tv ab 11:24).

Die SGE produziert allerdings – meist über Konter – eine Reihe guter bis sehr guter Abschlussmöglichkeiten. Einige Beispiele:

  • 55. Minute: Konter über Lindström und Kamada – Abschluss Kostic von links (eintracht.tv ab 12:12)
  • 64. Minute: Borré-Abschluss nach Tuta-Ballgewinn in der gegnerischen Hälfte im Gegenpressing
  • 67. Minute: Borré-Abschluss nach durch SGE-Pressing erzwungenem Rück-Fehlpass von Gonzalez (der mit dem von der SGE erzeugten hohen Dauer-Pressingdruck oft überfordert war) und Hackenablage Kamada

In dieser Phase von der 50. bis zur 70. Minute hätte die SGE das Duell schon vor dem Rückspiel gut und gerne für sich entscheiden können. Aber auch danach blieb die Eintracht immer gefährlich.

Auffällig auch: Die Kettenfehlerproblematik scheint inzwischen wirklich bearbeitet worden zu sein. Wenn die Kette hinten ergänzt wird, funktioniert sie meist. Auch hier zeigt sich inzwischen eine gewisser Variabilität, sogar Kamada fand sich in der Kette wieder:

Hier eine Szene aus der 76. Minute: Die Kette wird hinten von Kamada zur Viererkette ergänzt, Jakic und Hauge organisieren sofort den Gegnerdruck, auch die Abstände der Mannschaftsteile ist perfekt.

Kurz darauf wechselt Glasner Kamada allerdings aus und bringt mit Lenz einen defensiv stärkeren Außenverteidiger.

In der Schlussphase konzentrierte sich die SGE dann auf die defensive Absicherung, spielte etwas konsequenter 4er- bzw. 5er – Kette in der letzten Reihe.

Hier die Organisation der letzten Reihe in der Schlussphase. Der herausgerückte Ndicka (dessen Deckungsschatten den Halbraum schließt), wird von einer Viererkette gesichert, Kostic organisiert den Gegnerdruck, kein Durchkommen für Betis.

Auch in der Nachspielzeit hat die SGE nach Kontern und Abschlüssen von Lammers und Kostic die besseren Abschlüsse.

Fazit

Auch Betis war nie in der Lage, die SGE-Offensive mit Kostic, Lindström, Kamada, Borré und Knauff wirksam in den Griff zu bekommen. Wie hier schon in den letzten Wochen gezeigt ist diese Offensivabteilung auch auf sehr hohem Niveau kaum zu halten. Dazu kommt das immer besser eingespielte Pressing, das unter Glasner inzwischen deutlich intensiver, aggressiver und besser abgestimmt durchgeführt wird als noch unter Hütter. Diese Spielanlage schlug sich auch in der Statistik nieder: Trotz 65% Ballbesitz pro Betis spielte sich 30% des Spiels im Defensivdrittel von Sevilla ab, nur 26% in dem hinteren Eintracht-Drittel. Zudem macht die Mannschaft langsam aber sicher auch Fortschritte in der letzten Reihe.

Letzteres sind ziemlich sicher hauptsächlich trainingsseitige Verbesserung, aber auch die Tatsache, dass Glasner zuletzt auf echte Innenverteidiger gesetzt hat und nicht mehr mit Hasebe einen Mittelfeldspieler in der hinteren Reihe aufbietet, der immer ein Sicherheitsrisiko war, (warum wurde hier in den vorangegangenen Analysen episch dargestellt), sowie die Tatsache, dass die drei hinten sich in den letzten Wochen etwas einspielen konnten, trägt sichtlich dazu bei, dass die Mannschaft in der letzten Reihe Sicherheit gewonnen hat.

In der Offensive haperte es ohnehin zumeist nur an Kleinigkeiten in der Abstimmung, mit Knauff wurde der spielerisch-technische rechts-links-Gap geschlossen, das nun noch höhere Pressing birgt zwar auch noch größere Risiken, durch die bessere Abstimmung hinten werden diese aber gleichzeitig auch etwas reduziert und sowohl Hertha als auch Betis fanden selten ein Mittel dagegen.

Es gibt aus analytischer Sicht nach wie vor Hoffnung, dass sich die SGE rechtzeitig vor dem Saisonfinale soweit gefunden und das vom Trainer geforderte Spiel so verinnerlicht hat, dass sie aus eigener Kraft die wichtigen anstehenden Spiele so erfolgreich bestreiten kann, wie es der qualitativ hochwertige Kader eigentlich nahelegt.

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Hertha BSC Berlin – SGE 1:4 (0:1)

Nach dem Mainz-Spiel gelang der SGE zum zweiten Mal in der Saison ein durchweg überzeugendes Spiel. Ein Blick auf die 5 Tore und die neue besetzte Seite mit Ansgar Knauff.

Die Aufstellung

Hertha: Lotka – Pekarik, Boyata, Kempf, Mittelstädt – Serdar, Tousart, Darida (56. Selke) – Lee (56. Boateng), Jovetic, Richter (56. Bellfodil)

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch generierten Noten.

Die Realaufstellung der SGE, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Highlights

Quelle: Youtube

Die erste Halbzeit

Das Spiel lässt sich aus SGE-Sicht kurz zusammenfassen: Hertha hatte fast über 90 Minuten kaum eine Chance. Anhand der 5 Tore lässt sich das Spiel gut analysieren, die Treffer waren logische Folge des Spielgeschehens insgesamt.

Zunächst ließ schon die Startaufstellung hoffen, dass die SGE an die stärkeren Spiele gegen Vorrundenende würde anknüpfen können:

Die stärkste Waffe der SGE, die Vierer-Offensive mit Kostic, Kamada, Borré und Lindström durfte/konnte wieder gemeinsam beginnen, dazu traute sich Glasner erstmals, auch die rechte Seite sehr offensiv zu besetzen, indem mit Knauff ein weiterer Offensivspieler die rechte Schienenseite besetzte.

Bereits in den letzten Spielen hatte sich angedeutet, dass Kostic seine defensiven Aufgaben ernster nimmt, auch in diesem Spiel war das zu beobachten. Ebenso Knauff auf der anderen Seite, der auch fleißig nach hinten arbeitete. Das klappte aber nicht immer, später mehr dazu.

Mit einer 4er- /5er – Kette verteidigte die SGE insgesamt aber nur solche Situationen, in denen die Hertha über klaren eigenen Ballbesitz gezielte Angriffe über Positionsspiel startete (was nicht sehr oft vorkam), die übrigen, unklareren Situationen bekämpfte die SGE wie üblich durch aggressives Gegen bzw. Angriffspressing plus Dreierkette als Absicherung.

Sehr auffällig war, dass mit dem technisch starken, schnellen Knauff die Linkslastigkeit des SGE – Spiels nicht mehr stattfindet, was die Mannschaft deutlich schwerer ausrechenbar macht. Zu Knauff später mehr.

Besonders mit der Schnelligkeit der Eintracht-Offensive hatten die Berliner große Probleme, bereits in den ersten 20 Minuten hatte die SGE mehrere Chancen, die aus dem Tempovorteil im Angriffsdrittel resultierten, die größte vielleicht durch Lindström in der 15. Minute, als er nach starkem Ballgewinn von Borré allein auf Hertha-Torwart Lotka zulief, sich aber den Ball zu weit vorlegte (eintracht.tv ab 19:24).

Nur zwei Minuten später, in der 17. Minute fällt das 1:0 für die SGE.

Hier die Ausgangssituation vor der Angriffseinleitung. Gut zu sehen, dass die Hertha Lindström und Borré frei stehen lässt, keinerlei Zugriff insbesondere auf Lindström hat. Der bekommt den Pass von Kostic und leitet mit einem Tempodribbling sofort den Angriff ein.

Auch in dieser Szene zeigt die SGE ihr übliches Angriffsverhalten: Alle Bälle werden so schnell wie möglich offensiv und tief verarbeitet.

Hier die Szene nach Lindströms Antritt mit Ball: Das komplette Hertha-Mittelfeld ist mit dieser einfachen Aktion überspielt, Lindström kann dem freien Kostic den Ball Richtung Grundlinie in den Lauf passen.

Der Pass ist dann nicht ganz optimal, so dass Kostic ihn zunächst gegen zwei Berliner behaupten muss. Das macht er stark, flankt auf Knauff, der den Ball über Lotka ins Tor köpft. Auch Mittelstädt macht im Kopfballduell mit Knauff keine gute Figur, den entscheidenden Freiraum erarbeitet aber Lindström, wobei gesagt werden muss, dass die Hertha es den Frankfurtern hier mit schwachem Stellungsspiel im Mittelfeld (wie gesehen) auch sehr leicht macht.

In der 23. Minute hat die SGE eine längere Phase Ballbesitz mit Positionsspiel. (eintracht.tv ab 27:36) Das ist erwähnenswert, da dieses Angriffsmittel seit der frühen Phase der Saison kaum noch zur Anwendung kommt, was bei der hohen technischen Qualität des SGE-Kaders sehr fragwürdig ist/ war. In dieser Szene sucht die Mannschaft mit insgesamt 12 Pässen hintereinander ohne dass ein Berliner dazwischen gekommen wäre, einem abgebrochenen Tiefenversuch über links schließlich den Weg über die rechte Seite. Der letzte Ball von Lindström in die Spitze kommt dann zu schwach, aber das war ein starker Angriff. Es bleibt zu beobachten, ob die Mannschaft sich solches Positionsspiel auch wieder gegen Mannschaften zutraut, die im Pressing besser koordiniert und aggressiver in den Zweikämpfen sind als die Hertha (also ungefähr alle).

Bis zur Halbzeitpause produziert die Eintracht-Offensive eine Torchance nach der anderen, meist wie üblich über Schnellkombinationen nach gewonnenen zweiten Bällen im Mittelfeldbereich. Es wird aber auch weiterhin wieder variabler versucht, etwa durch einen diagonalen Seitenwechsel aus der letzten Reihe in die Spitze (eintracht.tv ab 34:34, hier auf Lindström/Knauff. Knauffs Flanke ist dann schwach, dennoch: sehr verwunderlich, warum das nicht sowieso öfter versucht wird. Kostic spielt diese sehr langen Flugbälle sehr präzise und zuverlässig).

Die Hertha kommt weder mit den schnellen Angriffen und den schnellen Offensivspielern der SGE zurecht, noch mit dem sehr frühen, aufwendigen und dauerhaften Angriffspressing der Eintracht. Das neue Team von Fredi Bobic lieferte fast alle Bälle brav bei der SGE ab. Nach vorne gelang den Berlinern praktisch nichts, obwohl die SGE durchaus mit den verbliebenen 3 Defensiven manches anbot und auch wieder mehrmals Kettenchaos produzierte. Das einzige Mal, dass das von den Berlinern genutzt werden konnte, war die Situation in der 32. Minute, in der Lee von Ndicka vermeintlich im Strafraum gefoult wurde.

Hier gut zu sehen, dass bei Kempfs Pass die SGE mit einer sage und schreibe 2er-Kette hinten steht. Weder Knauff noch Kostic denken an ihre defensiven Aufgaben, Hinteregger orientiert sich ins Mittefeld.

Das ist hier ein mannschaftstaktisches Missverständnis, jedenfalls kann man das nur hoffen, denn so wird man auf die Dauer nicht solche langen Flugbälle verteidigen können. Hier muss entweder Kempf von den Offensiven sofort mit Angriffspressing angelaufen werden, damit er den Ball nicht frei spielen kann, oder die Kette muss hinten zur Viererkette ergänzt werden. In der letzten Linie zweimal außen 1-1 zu stehen und vorne trotzdem kein Pressing spielen, ist Harakiri. Viel Glück hier für die SGE, dass Lee die Chance vertändelt und Schiri Osmers keinen Elfmeter verhängt.

In der Schlussphase der 1. HZ kommt die Hertha etwas besser ins Spiel, außer einigen Standards kommt dabei aber wenig herum.

Die zweite Halbzeit

Bereits in der 48. Minute erzielt die SGE das 2:0. Vorausgegangen war ein Eckball der SGE, den die Hertha zunächst abwehren kann. Entscheidend für die Entstehung des Tores ist zunächst die starke Ecken-Absicherung der SGE hier.

Das ist die Situation nach der abgewehrten Ecke. Der Ball landet bei Sow und man sieht hier, dass die Eintracht in dem Raum am Sechzehner mit 4-2-Überzahl steht. Man sieht auch, dass die Hertha etwas unkoordiniert herausläuft, immerhin läuft Jovetic Richtung Knauff, der den Ball von Sow bekommt.

Danach lässt Knauff mit einer starken Bewegung Jovetic stehen (das ist gut gemacht von Knauff, das Zweikampfverhalten von Jovetic in dieser Szene ist allerdings auch vollkommen lächerlich, siehe eintracht.tv ab 4:36.)

Die wichtigste Erkenntnis dieser wie vieler anderer Szenen ist jedoch, dass mit Knauff tatsächlich die Probleme auf der rechten Seite gelöst werden könnten. Er erkennt hier nicht nur, dass er die Szene mit einem 1 gg. 1 lösen muss, er ist auch schnell genug, das dann umzusetzen. Insbesondere seine Flankentechnik ist ungefähr 2 Klassen besser als die von Chandler und Da Costa, man möge sich das in dieser Szene noch einmal in aller Ruhe ansehen.

Hier der Moment der Flanke. Knauff spielt den Ball mit der Innenseite, dreht den Fuß sehr weit nach außen beim Flanken. Dadurch ist die Kontrolle besonders hoch.

Wer möchte, kann mal darauf achten: Knauff versucht seine Hereingaben fast immer mit dieser Technik zu spielen.

Die Flanke ist präzise, gut getimt und sehr sauber mit der vorderen Innenseite gespielt, lehrbuchmäßig.

Auch die Übersicht von Ndicka, der den Ball in der Mitte auf den völlig freien Tuta ablegt, ist natürlich stark.

Das 2:0 ist zu diesem Zeitpunkt hochverdient.

Bereits in der 55. Minute fällt das 3:0 für die SGE. Vorausgegangen war ein einfacher Ballverlust der Hertha im Mittelfeld und ein langer Flugball von Hinteregger auf Borré.

Hier die Situation nach dem langen Ball von Hinteregger. Borré ist zwar auf dem Weg Richtung Hertha-Tor, Boyata ist aber recht gut in dem Zweikampf. Lotka stürmt dennoch heraus und versucht den Ball zu klären.

Entgegen den allseitigen Einschätzungen ist diese Torwartverhalten nicht falsch (obwohl Boyata den Zweikampf wohl gewonnen hätte). Der Torwart kann in solchen Situationen den Verteidiger doppeln und so wie hier auch die Bälle klären. Lotkas Fehler hier besteht durchaus nicht darin, dass er „zu weit“ aus seinem Tor herauskommt, sondern nur darin, dass er den, Ball, statt ihn sauber zu klären, Lindström in den Fuß spielt. Lindström chippt den Ball dann aus gut 25 Metern über Lotka ins leere Tor.

In der 56. Minute nimmt Korkut Darida und Lee heraus. Etwas seltsam, da Darida zu den stärkeren Berlinern zählte. Für ihn spielt dann Boateng im Mittelfeld, allerdings ein bisschen so, als würde er lieber wieder für die SGE spielen.

In der 61. Minute erzielt der kurz zuvor eingewechselte Berliner Selke den Anschlusstreffer. Vorausgegangen war ein Ballverlust der SGE im Aufbau auf der linken Seite, bzw. ein verunglückter Seitenwechselversuch von Tuta.

Hier der lange, seitenwechselnde Tuta-Flugball, den Kostic so gerade eben noch vor der Auslinie erwischt hat und nun davon ausgeht, dass Ndicka ihn bekommt. Ndicka will aber Kostic sichern und geht davon aus, dass dieser den Ball noch erreichen kann. Ein klassisches nimm-du-ihn-ich-hab-ihn-sicher, Tousart geht dazwischen und leitet den Angriff ein, den Selke schließlich vollendet.

Beim Selke-Abschluss fehlt bei der SGE die Rückraumsicherung, das kann bei einer solchen „unkontrollierten“ Abwehraktion aber passieren, kein struktureller Fehler seitens der SGE in dieser Szene.

Mehr oder minder im Gegenzug stellt Borré auf 4:1. Der Ursprung des Angriffs ist ein extrem starker Zweikampf von Sow gegen Selke, hier:

Gut zu sehen, wie Sow seinen Körper zwischen Selke und Ball schiebt. Selke hat keine Chance, den Zweikampf zu gewinnen und Sow leitet dann mit einem kurzen Rückpass auf Ndicka den nächsten SGE-Angriff ein.

Ndicka spielt den Ball direkt auf Kamada an der Mittellinie.

Hier die Situation kurz nach dem Pass auf Kamada, der Boateng mit einer Ballmitnahmefinte bereits zwei Meter abgenommen hat, im Laufe des Sprintduells kommen zwei weitere dazu. Das sind allerdings auch Reihenabstände aus der Hölle seitens Hertha, hier beträgt der Abstand Boyata-Boateng rund 15 Meter, das macht es der SGE auch recht einfach.

Kamada und Borré machen das dann auch gut, Kamada dribbelt schnell und aggressiv die Berliner Innenverteidiung an, Borré hält die linke Außenbahn, aber mit direktem Kontakt zum Gegenspieler.

Hier gut zu sehen, dass die Hertha-Restverteidigung es eigentlich ganz gut macht, zurückweicht, beide Sicherungspositionen hält und Kamada daher ziemlich lange warten muss. Borré bietet auch nicht den einfacheren Pass zum Tor an, sondern fordert den Ball in den Fuß, was Kamada offenbar etwas irritiert, auch deshalb wartet er wohl sehr lange mit dem Pass auf Borré.

Doch Borrés Idee ist gut, er bekommt den Ball in den Fuß, gewinnt das 1 gg. 1 gegen Boyata und schießt dann ein.

Damit ist das Spiel entschieden, auch in den letzten 30 Minuten ändert sich nichts an den Verhältnissen, die SGE bleibt bis zum Abpfiff die in praktisch allen Belangen bessere Mannschaft, beide Teams fahren den Aufwand nach der Entscheidung etwas zurück.

Fazit

Zum zweiten Mal (nach dem Mainz-Spiel) in dieser Saison ist die SGE in einem Spiel durchgängig die bessere Mannschaft und überlässt dem Gegner im Grunde keine einzige längere Spielphase. Das gelingt fast ausschließlich den Top-Mannschaften in der Bundesliga, sollte allerdings nicht überbewertet werden, ist die Hertha-Mannschaft doch in dieser Verfassung kaum bundesligatauglich.

Was hier mantraartig wiederholt wird, zeigte sich auch in diesem Spiel: Erneut war die SGE die technisch deutlich stärkere Mannschaft, die Viereroffensive Kostic-Kamada-Lindstöm-Börré ist von praktisch keinem Bundesliga-Gegner auszuschalten, mit Knauff kommt nun ein weiterer technisch sehr starker Spieler dazu. Die Offensive gehört personell ziemlich sicher zu den Top-4 bis 6 in der Bundesliga.

Die größte Frage in den kommenden Spielen wird sein, ob Glasner bei der super-offensiven Doppelbesetzung außen bleibt. Das ist aus analytischer Sicht durchaus sinnvoll. Eine äußere Schienenbahn mit einem echten Außenverteidiger zu besetzen, also mit Chandler, Touré, Durm oder Da Costa, ist hingegen, wie in den letzten Wochen gezeigt, auf die Dauer nicht sonderlich zielführend, da diese 3-4-3 Formation nur dann einen Vorteil bringt, wenn der Außenspieler die dauernd auf ihn wartenden technischen Aufgaben in der vorderen Reihe gut lösen kann. Knauff und Kostic können das, müssen wiederum ihre defensiven Aufgaben adäquat erledigen. Ob und wie das gegen stärkere Gegner funktioniert, wird abzuwarten sein.

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