SGE – FSV Mainz 05 1:0 (1:0)

Mit dem knappen Erfolg gegen Mainz deutet die SGE den nächsten Entwicklungsschritt an, spielt beinahe über 90 Minuten souverän, lässt dem Nachbarn kaum eine Chance und spielt vielleicht erstmals in dieser Saison durchgehend wie ein Europapokal-Aspirant.

Die Aufstellung

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch generierten Noten. Etwas zu stark wurde Trapp bewertet, der nicht sehr viel zu tun, aber offenbar starke Werte hatte.

Die Realaufstellung, also die Orte, wo die jeweiligen Spieler sich im Durchschnitt aufgehalten haben. Man sieht gut, dass Chandler und Kostic diesmal beide etwa gleich defensiv/offensiv agierten, die Linkslastigkeit im Offensivspiel also nicht mehr so stark zu Buche schlug.

Die Noten in Klammern oben sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Alle hier gezeigten Statistiken sind öffentlich zugänglich und zitiert nach bundesliga.desofascore.com und kicker.de.

Die Highlights

Quelle: Youtube.com

Die erste Halbzeit (Re-Live)

In den ersten Minuten ist gut zu erkennen, dass die Mainzer ebenfalls mit einer Dreierkette spielen, die defensiv zu einer Vierer- oder Fünferkette ergänzt wird. Im Aufbau stehen sie mit den Außenverteidigern breiter und weniger hoch als die SGE, laufen früh an und versuchen auf der jeweiligen Seite mit den jeweiligen Außenspielern und den beiden Achtern an die Pressinglinie nachzuschieben. Häufig versucht es die SGE über zweite Bälle. Insbesondere bei solchen Ablagen haben die Mainzer eine Schwäche, die die SGE auszunutzen versucht. Später mehr dazu.

Die Eintracht hat in der Anfangsviertelstunde einen guten Abschluss von Chandler in der 13. Minute, der aber analytisch kaum interessant ist. Vorausgegangen war eine abgewehrte SGE-Ecke und wildes Gegenpressing von Lindström, wodurch der Ball Chandler vor die Füße fällt.

In der 23. Minute dann der zweite gute Abschluss der SGE nach einem Fernschuss von Kostic aus rund 35 Metern Torentfernung, den Mainz-Keeper Zentner etwas falsch einschätzt, nicht gut abwehrt. Den Nachschuss kann Borré nicht kontrolliert aufs Tor bringen.

Fast im Gegenzug hat Sebastian Rode seinen ersten großen Auftritt in dem Spiel. Nach einem schwachen Chandler-Pass, den die Mainzer abfangen können, haben sie zum ersten Mal im Spiel die Chance auf einen Tiefenpass, also eine gute Toraktion.

Das ist die Situation direkt nach dem Pass von Stach. Gut zu sehen, dass Hinteregger aufgerückt ist, weil er sich mit der Angriffseinleitung durch Chandler in den Angriff einschalten wollte. Auch Chandler ist aufgerückt, er hatte den Fehlpass gespielt, der hier postwendend zurückkommt. Der Mainzer Passgeber Stach macht das auch stark, spielt den Ball schnell und steil in die Tiefe auf den völlig freien Aaron. In der Zentrale gut zu sehen, dass die Mainzer 3-2-Überzahl haben. Rode hat die Situation antizipiert und den Passweg recht tief angelaufen. Hier holt er sich den Stach-Pass mit einer sehr starken Notgrätsche.

In den Bewegtbildern (eintracht.tv ab 26:51) sieht man noch viel besser, was für eine gefährliche Situation das ist und wie Rode nach dem krassen Chandler-Fehlpass als einziger die Gefahr erkennt. Chandler selbst ist völlig überfordert, macht vor Schreck einfach gar nichts, statt sich defensiv zu orientieren. Rode hingegen realisiert sofort, dass der Pass nach außen der gefährliche und wahrscheinlichste ist, orientiert sich mit einem Blick, erkennt, dass Aaron außen den tiefen Pass fordert, macht zwei Schritte nach außen und ergrätscht den Ball. Das ist völlig unspektakulär und trotzdem eine extrem starke und für den Spielverlauf wichtige Aktion.

So eine Szene sieht man in keinem Zusammenschnitt, das taucht in kaum einer Statistik auf, entscheidet aber Spiele. Das wäre mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die erste große Chance der Mainzer gewesen und wenn die SGE da in Rückstand geht, läuft das Spiel anders.

Hasebe hat übrigens in der 34. Minute eine etwas anders gelagerte, aber ähnliche Antizipationsszene, bei der auch er einen der wenigen interessanten Mainzer Angriffe mit so einer Antizipation abfängt.

Hier gut zu sehen, dass die Defensive der SGE hier ungeordnet ist und dass Barreiro allein auf Trapp zuläuft, wenn der Pass von Burkardt durch kommt. Auch hier sieht man in den Bewegtbildern (eintracht.tv ab 37:51) noch viel besser, wie Hasebe die Situation rechtzeitig erkennt und den entscheidenden Schritt nach vorne macht, um den Passweg zuzustellen.

Das ist natürlich eine überragende Aktion von Hasebe und sehr wahrscheinlich „die“ spielentscheidende Aktion überhaupt, denn genau aus diesem Ballgewinn entsteht dann das 1:0 der SGE. Wenn er den nicht erwischt, steht es ziemlich sicher 0:1, stattdessen geht dann im Gegenzug die SGE in Führung. Trotzdem sieht man auch hier, dass Hasebe ein Sechser durch und durch ist, denn das ist eine typische Sechser-Bewegung. Ein gelernter Innenverteidiger hätte eher versucht, schnell in die Zentrale zu gelangen, um Barreiro zu stellen, bzw. hätte von vornherein die defensive Zentrale nicht verlassen. Und das ist das Problem mit Ungelernten in der hinteren Reihe: Risiko bedeutet immer beides: Chance auf Konter und Gefahr, dass es schiefgeht und dann hinten einschlägt. Genaugenommen steht Hasebe auch in dieser Situation falsch, weil viel zu offen und zu nah an N´Dicka. Er macht das dann, wie gesagt und zum Glück, überragend, aber ein systematisches Risiko bleibt das und systematische Risiken sind in der hinteren Reihe bekanntlich eher ungern gesehen.

Da die Mainzer sehr früh anlaufen, arbeitet die SGE im Aufbau mit relativ vielen Flugbällen, um dann zweite Bälle zu attackieren, wie oben schon bemerkt. Das ist eine Schwachstelle der Mainzer, und die Eintracht bespielt diese mit zunehmender Spieldauer häufiger. Diese Schwäche des Gegners resultiert aus der Struktur der Mainzer beim Pressing im vorderen Bereich.

Das ist eine Szene aus der 33. Minute. Hier gut zu sehen, dass neben den beiden Stürmern Burkardt und Onisiwo auch alle drei Mittelfeldspieler an der Pressingbewegung sehr weit vorne teilnehmen.

Dafür, dass die Mainzer das Risiko sehr hoch halten bei diesen Pressingsituationen, sind sie zu wenig effektiv, sie laufen die SGE-Defensivspieler zu selten aggressiv an, so dass die SGE die Mainzer mehrmals ohne großes eigenes Risiko locken kann, nur um dann den Ball per Flugball über das komplette Mittelfeld der Mainzer zu spielen.

So auch hier. N´Dicka spielt den Ball zu Trapp und der lang Richtung Borré.

Das ist der Ball von Trapp kurz bevor er auf dem Kopf von Hack landet. Hack ist eigentlich der zentrale Innenverteidiger der Mainzer, rückt aber immer heraus (meistens er, gelegentlich aber auch einer der beiden anderen Verteidiger), wenn lange Bälle zu verteidigen sind. Das Entscheidende sieht man hier in dem eingefärbten Bereich. Die SGE hat immer für ein paar Momente (bis Lee und Barreiro wieder auf der Mittelfeldreihe sind) Überzahl. Und diese Bälle werden dann regelmäßig attackiert und landen auch sehr häufig bei der SGE.

Diese Situationen sind natürlich interessant. Hier sieht man schon, dass Lindström sofort in den hinter Hack aufgehenden Raum in der Zentrale sprintet, für extrem schnelle Spieler wie Lindström, Kostic und Borré sind solche Räume ein gefundenes Fressen. Auch gut zu sehen, dass Borré gar nicht groß sein muss, um diese Kopfbälle abzulegen. In dieser Situation schiebt und drückt er gegen den 20 Zentimeter größeren Hack derart, dass dieser überhaupt nicht kontrolliert köpfen kann. Der Ball landet bei Rode. Die Anschlussaktion wird dann über Kamada zu langsam und schwach ausgespielt, aber auf dieses Angriffsmuster verlegt sich die SGE im weiteren Verlauf des Spiels häufiger. (Nicht nur in diesem Spiel.)

In der 35. Minute fällt das Tor für die SGE nach dem Ballgewinn von Hasebe, siehe oben. Das ist eine hektische, unübersichtliche Aktion über die linke Mainzer Seite mit einem langen Ball von Lee auf Onisiwo, der unkontrolliert bei Burkardt landet und den Hasebe dann abfängt. Hasebe spielt dann einen etwas ungenauen Pass in den Lauf von Kamada, der sofort von dem gegenpressenden Mainzer Stach attackiert wird. Kamada rutscht etwas weg und schafft es nur gerade so, den Ball auf Lindström im Mittelkreis zu spitzeln.

Hier der Moment der Ablage von Lindström auf Rode. Man sieht, dass Kamada beim Weiterspitzeln ausgerutscht ist und man sieht, dass der Raum hinter Hack offen ist. Auch gut zu sehen, dass Niakhaté hier durchaus noch Zugriff auf Borré hat. Den Rückpass von Lindström spielt dann Rode sehr präzise und gut getimt in den Lauf von Borré. Im Standbild zu sehen der starke Laufweg von Borré, der den freien Raum hinter Hack gezielt und im Bogen anläuft.

Danach begeht Niakhaté einen krassen individuellen Fehler, indem er versucht, den Rode-Pass zu ergrätschen, statt den Sprintzweikampf mit Borré anzunehmen. Borré läuft dadurch frei auf Mainz-TW Zentner zu. Zuletzt entscheidend für den Erfolg ist die extreme Schnelligkeit von Lindström, der dem Mainzer Bell komplett davonläuft (eintracht.tv ab 37:55) und schließlich den quergelegten Ball von Borré abstauben kann.

Wie schon gesagt, strukturell wird hier eine Mainzer Schwachstelle genutzt, nämlich das sehr häufige und weite Herausrücken des IV Hack. Das machen die Mainzer bewusst, um möglichst viel Pressing-Druck auf den Gegner zu bekommen, gegen extrem schnelle und handlungsschnelle Spieler wie Borré und Lindström ist das aber ein enormes Risiko, wie man hier sieht.

Noch ein Wort zu dem Borré-Laufweg: Das macht er hier perfekt, solche Laufwege werden mit den Stürmern immer wieder trainiert. Borré muss mit seinem Laufweg mehrere Dinge erreichen:

1. er muss „Land gewinnen“, also so viel wie möglich Abstand/Vorsprung erlangen bis zum Passmoment.

2. er kann nicht nach vorne laufen, da er sonst sofort im Abseits steht, braucht aber Bewegung, um nicht aus dem Stand ansprinten zu müssen.

3. er muss in den freien Raum hinter Hack kommen.

Daher diese gelaufene „Bogenlampe“, die alle drei Anforderungen ermöglicht. Diese Laufwege von Borré sind in jedem Spiel häufig zu beobachten. Sie sind eine seiner größten Stärken und ein wichtiges Element des SGE-Angriffsspiels geworden. Später noch ein weiteres Beispiel.

Das Tor ist eine Mischung aus schnellem Auffassungsvermögen von allen beteiligten SGE-Spielern, individueller Skills (Antiziptaion Hasebe, Passtechnik Rode, Laufweg von Borré, enorme Schnelligkeit Lindström), einem von Trainer Glasner und seinen Analysten sehr wahrscheinlich erkannten systematischen Einfallstor der Mainzer (weites Herausrücken von Hack und dadurch freier Raum in der Zentrale hinter ihm) und einem krassen individuellen Fehler von Niakhaté (nach dem Ball Grätschen statt Tempo Aufnehmen).

Die zweite Halbzeit (Re-Live)

In den ersten Minuten gibt es einige Änderungen zu beobachten. Zunächst kommt bei den Mainzern Boetius für Barreiro, das Mainzer Dreiermittelfeld bleibt bestehen, Lee wechselt nach rechts, Boetius übernimmt links. An der Statik des Mainzer Spiels ändert sich zunächst nichts Entscheidendes, gut zu sehen aber, dass sie ihr Pressing jetzt aggressiver und etwas höher ansetzen.

Die SGE hingegen presst nicht mehr durchgehend hoch, konzentriert sich auf Pressingfallen außen und auf Konter. Das ist natürlich mit einer Offensivbesetzung mit Kostic, Borré und Lindström eine ziemlich gute Idee, insbesondere da die Mainzer Deckung mit den Antritts- und Sprintstarken SGE-Spielern kaum mithalten kann.

Nach einem schwach geführten Zweikampf von Hasebe (wieder Stichwort kein IV) gegen Onisiwo haben die Mainzer in der 47. Minute einen ersten freien Abschluss rechts in der Box durch Burkardt, aber kein Problem für Trapp.

Das Pressing der Mainzer ist durchaus gelegentlich erfolgreich, etwa in der 51. Minute: Hinteregger mit schwacher Ballannahme wird von Boetius attackiert und bringt den Ball auf Onisiwu, N´Dicka muss vor Trapp retten/blocken. Schlechte Passentscheidung von Trapp, technischer Fehler Hinteregger, gut aufgepasst von N´Dicka (eintracht.tv ab 6:40).

In der 56. Minute kommt Hrustic für den nach wie vor nicht voll belastbaren Rode, ein positionsgetreuer Wechsel.

Für die positive Entwicklung der SGE gibt es neben den oben genannten Gründen einen weiteren Grund, der in fast allen Spielen der Vorrunde sichtbar war: Die SGE ist technisch stärker als fast alle Gegner. Und das hilft. Denn Ketten- und andere Defensivfehler, die dafür sorgen, dass Räume angeboten werden, können nur genutzt werden, wenn man die jeweiligen Situationen technisch sauber ausspielt.

Das Pressing der Mainzer und das der SGE ist in mancher Hinsicht ähnlich riskant und ambitioniert, die Räume wurden in dem Spiel von beiden Teams eng gehalten, nur konnte sich die SGE viel häufiger befreien und die Räume dahinter ansteuern, als die Mainzer. Vielleicht der entscheidende Schlüssel zur Überlegenheit der SGE. Ein Beispiel zur Veranschaulichung in der 57. Minute:

Hier recht gut zu sehen: Die SGE produziert hinten wieder Unordnung. N´Dicka steht knapp 5 (!) Meter hinter dem nächsten Kettenfragment, bestehend aus Hasebe und Chandler. Nochmal 4 Meter weiter vorne steht Hinteregger ohne jeden Kontakt zur Kette. Gut zu sehen, dass sich dadurch hinter Hasebe ein großer abseitsfreier Raum öffnet, den der schnelle Burkardt besetzt. Im Mittelkreis derweil, ebenfalls gut zu sehen: Der Ball landet bei Hack, Stach und Lee haben noch etwas Raum und gegen Sow und Kamada auch Überzahl.

Das ist ein springender Ball und nicht leicht zu verarbeiten, trotzdem schaffen es die Mainzer, ihn Stach auf den Fuß zu bringen, der dann sofort den Flugball in die Spitze spielen müsste.

Hier einige Sekunden später, der Moment in dem Stach eigentlich den Ball in die Spitze spielen müsste. Links am Bildrand gut zu sehen, dass die SGE-Kette immer noch keine einheitliche Höhe hat, Hinteregger immer noch keinen Zugriff auf Burkardt hat und die abseitsfreie Zone daher auch immer noch besteht. Das wäre auf ein Sprintduell Burkardt-Hasebe hinausgelaufen, wenn da ein vernünftiger Ball gespielt worden wäre. Stattdessen spielt Stach einen katastrophalen 3-Meter-Pass Richtung Boetius, den Sow sich abholt und den Konter einleiten kann.

Es ließen sich viele ähnlicher Szenen zeigen, in denen sich die Mainzer in diesen engen Situationen nicht gut zurechtfinden und sie nicht auflösen können. Hier gibt es ja nur zwei Erklärungsmöglichkeiten für das Verhalten von Stach. Entweder er hat diese ja nicht sehr komplizierte Situation überhaupt nicht erfasst (obwohl Burkardt kurz zuvor noch gewunken und den Ball gefordert hat), oder er traut sich den Pass nicht zu. Beides wäre ein echtes Qualitätsproblem und da zeigen sich doch schon größere Unterschiede zwischen Spielern wie dem jungen Stach und etwa den Frankfurter Sechsern Sow und Rode. Und natürlich macht das abseits aller Systeme und Taktik einen enormen Unterschied.

Sow machte mit dem gewonnen Ball dann übrigens das hier:

Sow spielt den Ball präzise durch zwei Mainzer auf Borré. Der lässt dann auf Kostic durch.

Aus dieser Situation entwickelt sich einer der interessantesten Abschlüsse der SGE in der 2. HZ. Lindström startet auf den kurzen Pfosten und Kostic knallt ihn mit dem 3. Kontakt vor Lindströms Füße, Zentner hat viel Glück, dass Lindström die Hereingabe um Zentimeter verpasst. Die gesamte Szene ist wirklich sehr interessant und zeigt recht anschaulich den Unterschied zwischen den beiden Teams. (eintracht.tv ab 13:08).

Noch ein Blick in die 61. Minute auf die größte Chance der 2. HZ, den Lattentreffer von Hrustic. Vorausgegangen ist ein langer Flugball über die Pressingzone der Mainzer, der aber bei Niakathé landet. Dann gleiches Prinzip wie im gesamten Spiel: Die SGE nutzt die technisch-spielerische Schwäche des Gegners.

Hier der Moment, in dem Hack nicht, wie von Niakhaté angezeigt, den Pass zum freien TW spielt, sondern einen Pass auf Niakhaté und damit direkt in die Pressingfalle der SGE.

Lindström attackiert den Ball sofort und Niakhaté kann ihn nur noch Chandler in den Fuß legen. Chandler spielt den Ball mit dem ersten Kontakt in die Spitze auf Borré, der behauptet ihn kurz und legt ihn dann auf Hrustic, der aus knapp 30 Metern Torentfernung mit seinem extrem präzisen linken Fuß den Ball an die Latte schießt. (eintracht.tv ab 16:35)

In der 67. Minute noch ein Blick auf die große spielerische Stärke der SGE und die Möglichkeiten, die aus der Struktur mit vielen Offensiven entspringen. Ein Element des Aufbauspiels der SGE ist das „Spiel aus der Spitze„. Dabei haben die Spieler ihre Grundposition in der Spitze und machen ihre Freilaufbewegungen von dort, meist ins Mittelfeld hinein. Das ist in der Theorie auch alles ziemlich klar, aber in dieser Szene sieht man sehr gut, wie zwei überragende Fußballer, in diesem Fall Hasebe und Lindström mit einem Pass und einer starken Bewegung eine ganze Bundesligamannschaft ausspielen können. Es ist eine der stärksten Aktionen der gesamten SGE-Vorrunde, man möge sich das bitte vor allem im Bewegtbild (eintracht.tv ab 23:08) noch einmal ansehen, im Standbild ist es schwer zu zeigen. (Auch in den Highlights oben wird die Szene gezeigt). Ausgangspunkt ist ein Freistoß für die SGE in der eigenen Hälfte. Alle Mainzer sind hinter dem Ball. Doch dann…

Man sieht, dass Lindström mit seinem etwas längeren Antritt seinen Gegner schon wieder abgeschüttelt hat und dass Hasebe mit einem seiner extrem präzisen Pässe durch den kompletten Mainzer Pressing-Block vier Gegner aus dem Spiel nimmt.

Lindström nimmt dann mit einer überragenden Abkapp-Bewegung und einem Antritt/Tempodribbling auf engstem Raum weitere drei Mainzer aus dem Spiel und wenn hier ja bereits frühzeitig darauf hingewiesen wurde, dass Lindström eines der größten Talente der SGE seit Jahren ist, so kann man das angesichts solcher Aktionen inzwischen gut und gerne auf die ganze Liga ausdehnen. Was er jedenfalls in dieser Szene mit Niakhaté, Stöger und Stach veranstaltet, machen in der Bundesliga nicht viele.

Gut zu sehen dass Lindström (mit den drei genarrten Niakathé, Stöger und Stach im Gepäck) und Borré nun 2 gg. 1 gegen Tauer stehen. Lindström passt dann auf Borré, der blank vor Zentner nur noch einschießen muss, doch Zentner hält mit einer starken Parade.

Schachmatt in zwei Zügen, bzw. hier von 11 gg. 11 zu 2 gg. 1 in der Endzone. Borré vergibt die Riesenchance dann gegen Zentner mit einem schwachen Abschluss, aber das ist extrem stark gespielt.

Klar sind das hier erst einmal Einzelleistungen. Der Weltklassepass von Hasebe, die überragende Aktion von Lindström, aber auch wieder das Raumverhalten von Borré, der sich dem Deckungsschatten von Tauer entzieht und so den Pass zum Tor erst möglich macht – aber diese Aktionen sind auch mannschaftlich durchaus geplant und werden gezielt durchgeführt.

Glasner hat der Mannschaft mit der personell starken Besetzung des vorderen Drittels (zusätzlich zu den Offensiven fast immer beide Außenbahnen plus mindestens einen nachrückenden Sechser) eine Struktur gegeben, in der sie ihre schnellen Angriffsimprovisationen durchführen kann. Bis ins Detail und bis in den letzten Pass können solche Angriffe natürlich nicht einstudiert werden, aber in dieser Szene kennen alle Beteiligten ihre (abgesprochenen, systematischen) Optionen und treffen in Sekundenbruchteilen die situativen Entscheidungen.

In den verbleibenden rund 25 Minuten versuchen die Mainzer naturgemäß alles, stellen um, attackieren früher, allein die engen Räume, die ihnen die Frankfurter lassen, sind für die begrenzten technischen Möglichkeiten der Mainzer zu eng. Sie schaffen es weder über Aufbauspiel, noch über Pressingballgewinne, noch über Einzelaktionen sich irgendwo (strukturell) entscheidend durchzusetzen. Entsprechend springen bis auf einen Fernschuss von Stach (80. Minute) und einen freien Abschluss von Aaron in der 90. Minute nach dem besten Angriff der Mainzer über die linke Frankfurter Abwehrseite (Kostic nicht im Kettenverbund) keine interessanten Abschlüsse mehr für die Gäste heraus.

Fazit

Die SGE war vielleicht zum ersten Mal in der Saison in praktisch allen Spielphasen dem Gegner überlegen, das Ergebnis mit 1:0 ist schmeichelhaft für die Mainzer.

Die Entwicklung der SGE in den letzten Wochen ist zwar nicht sehr überraschend, sie ließ sich von den ersten Spielen bis heute recht gut nachvollziehen und in Teilen auch absehen. Überraschend hingegen war, dass die Mainzer mit wenigen Ausnahmen überhaupt nicht in der Lage waren, die Schwächen der SGE irgendwie zu nutzen.

Das hatte verschiedene Gründe, unter anderem den, dass es der SGE besser als zuletzt gelang, Fehler zu vermeiden. So spielte Hasebe mit zwei kleinen Ausnahmen auch seinen defensiven Part diesmal weitgehend fehlerlos. Kostic arbeitete wieder etwas besser nach hinten, so dass es für die Mainzer nicht sehr viele Möglichkeiten über die linke Abwehrseite der SGE gab. Trotzdem brauchte die SGE Rodes Passgrätsche (siehe oben) und Hasebes abgefangenen Pass vor dem eigenen 1:0, um nicht zwei Großchancen der Mainzer zuzulassen.

Außerdem schafften sie es im Mannschaftsverbund erneut, praktisch über die gesamte Spielzeit und auf dem ganzen Platz dem Gegner nur wenige Spielmöglichkeiten zu lassen und ihn gleichzeitig in Pressingzonen zu lenken, alles oben im Text gezeigt.

Ein weiterer Grund ist die extreme Gefährlichkeit der SGE-Offensive, gegen die die Mainzer nie Gleich- oder Unterzahlsituationen im hinteren Drittel riskieren durften. Man hätte noch gut zeigen können, dass sie darauf teilweise mit ziemlich tiefen Absicherungen reagierten, was aber hier etwas den Rahmen sprengen würde. Vieles spricht dafür, dass sie großen Respekt vor den schnellen SGE-Stürmern hatten und deswegen auch in der Schlussphase nie komplett aufmachen konnten.

Die Mainzer waren der SGE heillos unterlegen, ähnlich wie schon Union Berlin zuvor und über weite Strecken des damaligen Spieles auch Leverkusen.

In dieser Verfassung dürfte die SGE in der Bundesliga nur schwer zu stoppen sein.

Entscheidend wird sein, wie Glasner und das Team in der Winterpause die beiden größten Probleme des eigenen Spiels, die zu häufigen Kettenfehler / Kettenbesetzung (Hasebe kein IV) und die weiter bestehende defensive Unwucht mit zu vielen Freiräumen hinter dem dauerstürmenden Kostic in den Griff bekommen.

Einschätzungen und Prognosen von außen sind eher schwierig, da ja die internen Abläufe im Spiel auch hier immer nur nachvollzogen werden können. Daher sollte man sich damit auch zurückhalten. Coach Glasner hat diese Baustellen jedenfalls als solche erkannt und die Arbeit daran als ein zentrales Thema für die Rückrundenvorbereitung auf Pressekonferenzen mehrfach benannt. Man darf gespannt sein.

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Borussia Mönchengladbach – SGE 2:3 (1:1)

Auch das Duell mit Ex-Trainer Hütter konnte die Eintracht gewinnen. Hütter sprach nach dem Spiel von einer unverdienten Niederlage, auch viele statistische Werte sprachen gegen die SGE. Aber war der Sieg unverdient? Ein analytischer Blick auf das Spiel.

Die Aufstellung

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und algorithmisch erstellten Noten.

In der Realaufstellung ist gut zu sehen, dass Da Costa etwas offensiver agierte als gegen Leverkusen. Die rote 17 ist der früh eingewechselte Rode.

Die Noten in Klammern sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Alle hier gezeigten Statistiken sind öffentlich zugänglich und zitiert nach bundesliga.de, sofascore.com und kicker.de.

Die Highlights

Quelle: Youtube.com

Die erste Halbzeit (Re-Live)

In der Anfangsphase ist gut zu erkennen, dass die Gladbacher sich von dem SGE-Pressing kaum nervös machen ließen, was auch daran lag, dass die SGE die Pressingsituationen nicht sehr konsequent durchzog.

Das 1:0 der Gladbacher in der 6. Minute ist dann auch ein starker Spielzug über die hintere Reihe. Der Ball wird über Bensebaini und Netz auf Koné links gespielt.

Das ist die Ausgangssituation. Die SGE steht hier noch gut, hat überall Zugriff. Oben sieht man den entscheidenden Zweikampf Jakic gegen Koné. Jakic führt den ganz schlecht, läuft den dribbelstarken Koné zu schnell an, rutscht auch noch etwas aus und ist damit aus dem Zweikampf. Koné löst das stark mit einem Tempodribbling in den Raum zwischen Da Costa und Sow, während Netz den Sprint in die Spitze anzieht. Da Costa erkennt die Situation und zieht den Sprint mit an.
Da Costa macht zunächst alles richtig und zieht den Sprint mit an, versucht dann aber mit einem langen Schritt den Pass von Koné zu erreichen, wie man hier im Standbild sieht.

Der lange Schritt bringt Da Costa aus dem Sprintrhythmus, Netz hat freie Bahn und kann dann mit dem nächsten Kontakt auch flanken. In den Bewegtbildern sieht man es noch viel besser (eintracht.tv ab 10:29).

Hier die Situation bei der Flanke. Die SGE-Kette steht weit auseinander, Tuta hat überhaupt keinen Kontakt mehr zu der Abwehrkette, beide Sechser sind vollkommen aus dem Spiel. Die Flanke von Netz kommt dann auf Scally, der den Ball auf den mitlaufenden Neuhaus in den verwaisten Rückraum zurücklegt.

Neuhaus schießt den Ball dann recht unbedrängt ins Tor der SGE. Das ist wieder einmal ein Beispiel für das nach wie vor noch zu oft chaotische Defensivverhalten der Mannschaft. Hier stimmt im Grunde nichts. Tuta ist zu weit vorne, Da Costa nimmt sich selbst aus dem Spiel, in der Zentrale gibt es praktisch keine Absprachen, natürlich hätte N´Dicka hier auf den Rückpass auf Neuhaus spekulieren und herausrücken können. Auch die Abstände zwischen Kette und beiden 6ern ist viel zu groß und über das erbarmungswürdige Kopfballzweikampfverhalten von Kostic gegen Scally legen wir lieber den Mantel des Schweigens. Auch Hinteregger rückt viel zu weit nach außen, die Flanke von Netz kann er nie im Leben verhindern und damit zieht er N´Dicka ein Stück mit nach rechts. Er hätte die Unterstützung für da Costa Tuta (der als rechter IV dafür auch zuständig ist) überlassen müssen. Netz konnte den Ball nur mit dem ersten Kontakt flanken, sonst wäre er von Da Costa wieder in den Zweikampf verwickelt worden. Hinteregger macht hier also einen Stellungsfehler, der ihm als gelerntem IV nicht passieren sollte. Das war aber nicht entscheidend, sondern in erster Linie das mangelhafte Verhalten von Jakic, das lange Bein von Da Costa, der Stellungsfehler von Tuta und das inexistente Kopfballzweikampfverhalten von Kostic.

Allerdings war das von Gladbach auch wirklich gut und mit viel Präzision herausgespielt.

In der 9. Minute und 14. Minute hat die SGE ihre ersten guten Angriffe, einmal nach einem Konter nach Ballgewinn Kamada in der eigenen Hälfte und einmal nach einem Aufbau-Flugball von Trapp und aggressivem Attackieren des 2. Balles durch Da Costa, Borré und Lindström, und jeweils Flügellauf Kostic links. Beide Hereingaben sind zu ungenau, Lindström kann sie jeweils nicht verwerten. (eintracht.tv ab 13:06 und 18:02)

In den ersten 20 Minuten ist deutlich zu sehen, dass die Gladbacher es immer wieder mit eigenem Aufbau- und Positionsspiel versuchen, trotz ihrer misslichen Lage also recht ambitioniert Fußball spielen. Das führt zwar auch zu einigen Fehlpässen und Ballverlusten, aber auch zu sehr guten Szenen, während die Eintracht von der großen Ballsicherheit des Gegners etwas überrascht wirkt. Hütter sprach nach dem Spiel davon, seine Mannschaft hätte in der ersten Halbzeit 2:0 führen müssen, dabei dürfte er vor allem zwei Szenen mit Trapp-Paraden im Kopf gehabt haben, eine davon in der 17. Minute, die allerdings abseits war und eine in der 25. Minute, als Plea aus recht spitzem Winkel rechts frei aufs Tor schießen kann, Trapp aber pariert.

Vorausgegangen war einer der SGE-üblichen Ketten- und Abstimmungsfehler.

Hier sieht man wieder das Ketten-Chaos. Die 5 Kettenspieler stehen weder in der Breite noch Höhe irgendwie gestaffelt, Hinteregger bekämpft im Mittelfeld Embolo, N´Dicka läuft allein nach hinten, Kostic trabt unmotiviert nach hinten und kommt dann erneut zu spät. Dass eine 5er-Verteidigungskette wie hier wirklich auf 5 verschiedenen Höhen steht und keinerlei Breitenstaffelung mehr hat, ist erstaunlich.

Viel Glück also für die SGE hier, dass Plea den Ball dann nicht Richtung lange Ecke bringen kann, sondern auf Trapp schießt, der zur Ecke lenkt. Diese krassen Kettenfehler müssen abgestellt werden, wenn die SGE in dieser Saison wieder um die Champions League – Plätze mitspielen will.

In der 28. Minute kommt Rode für den verletzten Jakic, ein positionsgetreuer Wechsel, Rode übernimmt die 6er-Position von Jakic.

Das Spiel bleibt recht ausgeglichen, auch die SGE hat regelmäßig, vor allem über Kostic gefährliche Situationen und man ahnt hier schon das Problem der Gladbacher, die mit großem Aufwand immer in Ballbesitz zu bleiben versuchen, ihre Passstärke und technischen Vorteile zu nutzen versuchen, aber selten zu guten Abschlüssen kommen. Die SGE spielt bis zum Halbzeitpfiff etwas zielstrebiger, allerdings auch einfacher und man sieht hier schon in einigen Szenen, dass die Gastgeber große Probleme mit den schnellen, wendigen SGE-Angreifern Kostic, Kamada, Borré und Lindström haben, insbesondere Kamada und Kostic bekommen sie kaum unter Kontrolle.

In der 39. Minute bekommt Tuta die Gelbe Karte, weil er mal wieder seinen Gegenspieler frontal umrennt. In den vergangenen Spielanalysen hier wurde schon mehrfach auf diesen Fehler hingewiesen, der Tuta regelmäßig unterläuft. Er muss versuchen, das Tempo des Gegenspielers seitlich aufzunehmen, statt einfach frontal auf ihn draufzurennen. (eintracht.tv ab 43:29) Mit seinen viel zu häufigen Stellungs- und Anlauffehlern wird Tuta inzwischen zu einem Sicherheitsrisiko. Solche Sachen können im Training eigentlich ganz gut bearbeitet werden, etwas rätselhaft, dass das fortwährend nicht geschieht.

In der 45. Minute erzielt Borré das 1:1 nach einem Ballgewinn und Konter im Angriffsdrittel nach einer Angriffspressingaktion. Vorausgegangen war ein Aufbauspiel der Gladbacher über Sommer und Zakaria, allerdings ging hier ein krasser Abstimmungsfehler der Gladbacher voraus.

Hier gut zu sehen, dass die Gladbacher erstens keine Positionsspiel-Formation eingenommen haben, dafür müsste sich Ginter breit rechts hinten anbieten. Außerdem sieht man hier, dass gleich zwei Gladbacher, Ginter und Neuhaus, per Winken Sommer das Zeichen geben, den Ball lang zu spielen. Das macht Sommer aber nicht, sondern versucht es mit einem flachen Pass links heraus auf Zakaria. Man sieht hier auch schon, dass das ein riskanter Pass ist, da die SGE hier gut eine Pressingfalle bauen kann.
Hier die Pressing-Falle der SGE. Entscheidend ist der Move von Borré, der den Passweg auf Benes unmöglich macht und daher Zakaria ins Dribbling zwingt, das Borré dann selbst attackiert.

Zakaria legt sich den Ball zu weit vor, Sow holt ihn sich ab, spielt auf Rode, der auf Lindström rechts und Lindström schafft es mit eine tollen Einzelaktion vorbei an Bensebaini, spielt den Ball in die Zentrale auf Borré, der nur noch einschieben muss.

Hier der Moment des Abspiels und es ist gut zu sehen, dass Ginter hier das Abseits aufhebt, weil er nicht die Kettenhöhe hält. A und O des Kettenspiels ist das Halten der Höhe. Wie man hier sieht, geht sonst der No-Abseitsraum auf und Borré muss nur noch einschieben.

Das Spiel war in der ersten Halbzeit ziemlich ausgeglichen, das 1:1 ein recht angemessenes Ergebnis. Wie Hütter in der PK nach dem Spiel zu der Einschätzung kam, seine Mannschaft hätte nach der ersten Halbzeit 2:0 führen müssen, bleibt sein Geheimnis. Die Gladbacher spielten nicht schlecht, sehr ambitioniert und mit Risiko, hatten aber kaum gefährliche Abschlüsse und bei mindestens zwei Angriffen über Kostic auch etwas Glück. Das 1:0 der Gladbacher wurde ebenso von einem Kettenfehler begünstigt wie der 1:1-Ausgleich der SGE.

Die zweite Halbzeit (Re-Live)

Bereits in der 50. Minute erzielt die SGE die 1:2-Führung und dabei wurden die Gladbacher klassisch ausgespielt. Vorausgegangen war ein langer Ballbesitz und Seitenverlagerung über Positionsspiel der SGE. Ausgangspunkt war ein Einwurf rechts von Da Costa, es folgte eine Spielverlagerung und dann der Tiefenangriff über links.

Hier der komplette Angriffsvortrag der SGE. Mit sieben Pässen ohne dass ein Gladbacher dazwischenkam zum Tor. Entscheidend war das Tempodribbling von N´Dicka und die überragende Finte von Kamada gegen Koné nach Pass 5 (eintracht.tv ab 4:53) und der dann auch perfekte Pass auf N´Dicka. Allerdings sieht die Kettenverteidigung der Gladbacher dabei auch nicht sehr gut aus.

Hier gut zu sehen der viel zu große Abstand zwischen Innen- und Außenverteidiger. Was Ginter in dem Halbraum abseits seiner Position in der Kette verloren hat, ist ebenfalls völlig unklar. Das sieht aber schon stark nach den Versuchen aus, mit riesigen Abständen und viel zu weitem Herausrücken aus der der Kette das eigene Tor zu verteidigen, die man in Frankfurt aus der vergangenen Saison bestens kennt. Ein Chaos, das auch Glasner noch nicht ganz aufräumen konnte, siehe oben. Die SGE nutzt den riesigen Freiraum, der sich zwischen Scally, Ginter und Zakaria auftut, eiskalt, solche Situationen lässt sich Kamada natürlich nicht entgehen.

N´Dicka ersprintet den Ball kurz vor der Grundlinie und spielt direkt in den Rückraum, (den die Gladbacher dann auch noch völlig vergessen) wo Lindström mit seiner starken Technik keine Probleme hat, den Ball ins Tor zu schießen.

Beim Elfmeter in der 52. Minute, der zum 2:2 führt, liegt erneut ein starker Angriff der Gladbacher einerseits vor, andererseits erneut eine schlechte Rückraumsicherung der SGE. Die Gladbacher starten den Angriff rechts, können von der SGE nicht gestoppt werden und spielen dann im vorderen Drittel eine Spielverlagerung nach links, also Richtung Netz auf Linksaußen.

Hier die entscheidende Situation. Netz spielt einen Rückpass auf Koné und hier sieht man, dass die SGE eigentlich noch recht gut steht. Tuta und N´Dicka haben eine Höhe, Sow könnte sich in die Zentrale orientieren, Hinteregger den Zweikampf mit Koné aufnehmen und Da Costa mit zwei schnellen Schritten wieder auf die Innenbahn kommen.

Stattdessen versucht aber Lindström von hinten/außen in den Zweikampf mit Koné zu kommen, Hinteregger macht nur ein paar Schritte in den 16er und Da Costa bleibt auf der Außenbahn stehen. Erst als Koné schon in den 16er gedribbelt ist, greift Da Costa ihn von außen aus an, obwohl Tuta Koné schon vom Tor weg gelenkt hatte. Drei kleine Abstimmungsfehler und das Desaster ist perfekt. Koné nimmt Da Costas Einladung dann auch dankend an. Dieses Gegentor wäre noch leichter zu verhindern gewesen als das erste und ist ziemlich glücklich für Gladbach, die Situation war ja im Grunde verteidigt.

Da Costa macht seinen Fehler hier aber umgehend wieder gut, indem er in der 55. Minute den entscheidenden Ballgewinn hat, der dann zum Tor führt. Da Costa ist in der Situation sehr aufmerksam und energisch und holt sich eine Kopfballverlängerung vor Netz. Der Ball landet dann bei Hinteregger.

Das ist der Ablauf zum Tor. Hinteregger passt auf den vollkommen freien Kamada, der dann Doppelpass mit Borré spielt und allein auf das Gladbacher Tor zulaufen und einschießen kann. Das ist eine tolle Aktion von Kamada und Borré, aber mit Kettenspiel hat das Gladbacher Abwehrverhalten nicht viel zu tun. Zakaria bildet mit Bensebaini und Ginter gewissermaßen ein No-Abseits- und No-Zugriff-Dreieick, der Traum jedes Stürmers, weshalb Borré in aller Ruhe den Pass auf Kamada durchstecken kann. Zakaria steht zwei Meter hinter der Abseitslinie und er und Ginter haben überhaupt keine Bindung, viel zu große Abstände und machen den Raum freiwillig auf.

Es ist hier ein ähnliches Problem wie bei der SGE mit Hasebe: Zakaria ist kein Innenverteidiger, sondern 6er und solche krassen Stellungsfehler passieren einem gelernten IV normalerweise nicht. Hütter löste genau mit solchen Maßnahmen und ausbleibenden Verbesserungen der defensiven Arbeit schon bei der SGE eine Gegentorflut aus und so ist es jetzt bei den Gladbachern wieder. Trotzdem natürlich eine sehr schöne Schnellkombination über Hinteregger, Kamada und Borré nach Ballgewinn Da Costa.

Nach dem 2:3 verlieren die Gladbacher etwas die Linie, versuchen es mit langen Bällen und machen viele Fehler. Die SGE ist nun mit dem Pressing wieder konsequenter und setzt die Gastgeber stark unter Druck. In dieser Phase hätte die Eintracht das Spiel gut und gerne entscheiden können, Abschlüsse gab es genug:

58. Minute Lindström aus 20 Metern nach Konter und Zuspiel von Rode knapp am Tor vorbei

Nochmal 58. Minute: Riesenchance von Lindström nach Pressingballgewinn Rode und starker Vorarbeit Kostic aus knapp 12 Metern an den Außenpfosten.

60. Minute Riesenchance für Lindström nach abgefangenem Abschlag von Sommer und Schnellangriff erst über Kostic links und dann über Sow, Da Costa und Rode rechts. Zakaria blockt Lindströms Schuss kurz vor dem Tor.

In der 67. Minute foult der bereits mit gelb verwarnte Tuta Embolo grenzwertig. Er steht nun kurz vor der gelb-roten Karte, doch Trainer Glasner reagiert nicht – warum auch immer.

In der 70. Minute ist es dann soweit: Tuta wird nach einem Foul an Thuram mit Gelb-Rot zum Duschen geschickt.

In der 73. Minute kommt Hasebe für Borré, damit ist die Dreierkette komplettiert, Hasebe spielt zentral, N´Dicka links und Hinteregger rechts.

Hier eine Szene aus der 75. Minute, Ballbesitz Gladbach links offensiv. Gut zu sehen die 5er-Kette hinten, 3 davor und Lindström als einziger Konterstürmer.

In der letzten Viertelstunde schnürt die Borussia die SGE hinten ein, allerdings ohne die ganz großen Torchancen zu erspielen. Dennoch musste Trapp in der 81. Minute gegen Ginter nach Flanke von links, in der 89. Minute gegen Fernschuss Ginter und in der 93. Minute gegen Herrmanns Volleyschuss aus 11 Metern jeweils mit starken Paraden klären.

In der 83. Minute kommen Lenz für Sow und Barkok für Lindström. Kostic geht in die vordere Reihe für Lindström, Lenz übernimmt die linke Verteidigerseite von Kostic und Barkok geht auf die Position von Sow.

In der 93. Minute übersieht Schiedsrichter Petersen eine klare Tätlichkeit von Plea gegen Lenz, der diesen am Boden liegend in die Seite tritt.

Das Fazit

Entgegen der Einschätzung von Borussen-Trainer Hütter war das 2:3 nicht unverdient, die SGE war etwas zielstrebiger, die Gladbacher waren in der letzten Reihe noch ungeordneter als die SGE. Alle drei Treffer der Eintracht waren gut herausgespielt, während Gladbach einen Elfmeter brauchte, dessen Zustandekommen etwas glücklich für die Gladbacher war.

Viele der Trends der letzten Wochen bestätigen und verfestigen sich, das Pressing als starke Waffe, ebenso wie die enorme individuelle Klasse der vier Offensiven Kamada, Kostic, Lindström und Borré und ihr immer besseres Zusammenspiel. Eine solch spiel- und sprintstarke Offensive wird jedem Gegner Probleme bereiten. Die sich findende Offensive ist, wie hier von Saisonbeginn gezeigt, eine seit Monaten sich abzeichnende Entwicklung und keineswegs sehr überraschend.

Weiterhin problematisch sind die immer noch zu häufigen Kettenfehler hinten und insbesondere das Zweikampfverhalten und die zu häufigen Stellungsfehler von Tuta, vor allem das falsche Eintreten in Sprintzweikämpfe.

Letztes zum Thema Lindström. Noch am 19.10. war in der Frankfurter Rundschau zu lesen: „Generell gilt: Die Mannschaft ist im Vergleich zur Vorsaison lange nicht so leistungsstark, obwohl in André Silva und Amin Younes nur zwei Leistungsträger den Verein verlassen haben. Doch drei der sechs Zugänge bleiben den Beweis schuldig, die Mannschaft auch nur annähernd auf ein ähnliches Level heben zu können. Nie wurde es deutlicher als gegen Hertha BSC, als Glasner auf die Schnapsidee kam, seine Offensive mit Jesper Lindström, Jens Petter Hauge und Sam Lammers zu besetzen. Alle drei sind in dieser Verfassung auf diesem Niveau nicht konkurrenzfähig. Auch die übrigen Neuen sind bisher eher Mitläufer: Christopher Lenz ist seit Wochen verletzt, Kristijan Jakic ein großer Kämpfer, aber ohne große Linie und Rafael Borré halt nur 1,74 Meter klein und körperlich unterlegen.“

Beinahe alles an diesem Kommentar war und ist Nonsens und zeugt von ziemlich großem Unverständnis der Abläufe und Anforderungen eines Profifussballspiels. Und weil das so ist, müssen jetzt irgendwelche Narrative von wegen „Leistungsexplosion“ bei Lindström und ähnliches erfunden werden, um nicht ganz blamiert dazustehen. Man sollte darauf nicht hereinfallen, die Entwicklung des Spielers war vom ersten Tag bei der SGE gut abzusehen, das war auch nicht sehr schwer. Es wäre wirklich wünschenswert, dass auch das mediale Umfeld die Spieler fair und auf Basis von genauen Beobachtungen und mit Expertise bewerten würde, statt möglichst fest auf den Busch zu klopfen, weil das vielleicht mehr Klicks bringt.

sgefussballanalyse kam übrigens bereits im Bericht zum Augsburg-Spiel zu dem Ergebnis: „… Aber auch die komplette Offensive mit Lindström, Hauge, Hrustic, Kamada und den sehr starken Kostic und Borré hat unübersehbar ein gutes Spiel gemacht.“ Und am 27.10. zum Antwerpen-Spiel: „Wie schon gegen Köln machte Lindström ein starkes Spiel nach seiner Einwechslung und entschied das Spiel im Alleingang für die SGE. Es ist nach der kurzen Zeit schon zu erkennen, dass Lindström eines der größten SGE-Talente seit Jahren ist.“

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SGE – Bayer Leverkusen 5:2 (2:2)

Gegen die hoch gehandelten und starken Leverkusener brachte die SGE zum ersten Mal in der Saison ihre (individuelle) Klasse umfänglich und nachhaltig auf den Platz. Ein analytischer Blick auf die sieben Tore und den Einfluss von Trainer Glasner.

Die Aufstellung

Oben: Die Aufstellung mit Toren, Vorlagen und Noten. Die algorithmisch erstellten Noten zeigen etwas zu schwache Bewertungen für Kamada, der ein recht gutes Spiel machte, Da Costa, der ebenfalls gut spielte und vor allem Hinteregger. Dazu mehr unten.

In der Realaufstellung ist gut zu sehen, dass die SGE erneut zu einem 4-2-4 tendiert, diese Ordnung ergibt sich inzwischen in fast allen Spielen mehr oder minder deutlich.

Die Noten in Klammern sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler. Auch die Informationen zur Realaufstellung sind Zitate nach sofascore.com.

Die Statistik

Die Daten sind zitiert nach kicker.de und sofascore.com
Die Daten sind zitiert nach bundesliga.com und sofascore.com.
Die Daten sind öffentlich zugänglich und zitiert nach bundesliga.com.

Die Highlights

Quelle: Youtube.com

Die erste Halbzeit (Re-Live)

Die beiden zentralen Problemfelder des bisherigen SGE-Spiels ging Glasner diesmal aufstellungsseitig an. Mit Hinteregger spielte ein gelernter Innenverteidiger auf der zentralen Position in der 4er-Kette, mit Da Costa ein im Vergleich zu Chandler defensiv disziplinierterer und auch etwas zweikampfstärkerer Spieler.

Vom Anpfiff an war deutlich zu sehen, dass die SGE auch gegen den technisch starken Gegner wieder auf ihr inzwischen zuverlässig starkes und konsequentes Pressing setzte. Auch die Leverkusener hatten damit von Anfang an Probleme. Das Führungstor der Leverkusener in der 5. Minute entstand nach einem Pressingballgewinn der SGE im linken vorderen Angriffsdrittel und einer schwachen Flanke von Kostic. Hradecky konnte den Ball leicht abfangen und den Gegenangriff einleiten.

Hier der von Hradecky auf Tapsoba geworfene Ball. Tapsoba leitet den Angriff nicht einmal besonders aggressiv ein, wundert sich fast über den großen Freiraum vor ihm, spielt dann aber einen guten ersten offensiven Ball in die zentrale auf Schick. Hier auch gut zu sehen, dass der komplette Pressing- und Offensivblock der SGE aufgerückt und damit aus dem Spiel ist.

Diaby dribbelt kurz Richtung Innenverteidigung der SGE an.

Daraus ergibt sich diese Situation. Wirtz sprintet aus der Zentrale leicht nach außen in die Spitze und bekommt den Ball von Diaby in den Lauf gespielt. Jakic hat aber N´Dicka nach hinten gesichert und startet gegen Wirtz in den Zweikampf.

Diese Situation ist eigentlich noch gut zu verteidigen und das Tor fällt dann auch etwas unglücklich. Auch wenn es merkwürdig klingt: In dieser Szene kann man sehr gut den Unterschied zwischen einem gelernten Innenverteidiger und einem nicht gelernten Innenverteidiger beobachten (eintracht.tv ab 7:40): Hinteregger hat immer den Rückraum im Blick (Schulterblick), schaut sich mehrmals um, läuft nicht in den Fünfmeterraum Richtung Grundlinie, sondern sichert richtig den Rückraum. Auch Jakic macht eigentlich alles richtig, läuft Wirtz nicht zu schnell an. Letzterer spielt dann den Ball mit der Hacke in den Rückraum.

Die Situation ist etwas unglücklich, denn Hinteregger hat den Rückraum eigentlich so gesichert, dass Andrich nicht zum Abschluss kommen kann. Der Ball landet mit etwas Glück für die Leverkusener bei Schick, der ihn dann aus der Drehung ins Tor schießt. Gut zu sehen, dass Tuta nicht nur grundsätzlich zu tief steht, sondern auch nicht am Gegenspieler.

Tuta macht hier einen Stellungsfehler, von denen ihm noch zu viele unterlaufen. Die Entwicklung des jungen Spielers ist eigentlich sehr gut, aber diese Fehler, vor allem zu tiefes Stehen in Box-Situationen dürfen einem Innenverteidiger eigentlich nicht passieren, jedenfalls nicht so regelmäßig wie es bei Tuta noch der Fall ist. Hier kann und muss er den nächsten Schritt schaffen. Aber auch N´Dicka hätte mit etwas schnellerem Zurücklaufen den Passweg noch zustellen können.

Solche Gegentore können aber passieren, hier liegt kein systematisches Versagen der Kette vor, stattdessen sind zwei Spieler (N´Dicka und Tuta) mit kleineren individuellen Fehlern beteiligt.

Noch zum Thema Hinteregger. In den letzten Spielen war immer wieder zu sehen, dass Hasebe als Innenverteidiger Fehler macht, die gut damit zu erklären sind, dass er kein gelernter Innenverteidiger ist, ein klassisches Besispiel ist das Rückraum sichern. Hasebe vergisst das praktisch immer, Hinteregger deutlich seltener. Noch ein Beispiel aus der 47. Minute, wo man es noch deutlicher sieht:

Hier ist Diaby rechts gegen N´Dicka im Zweikampf. Er gewinnt das Duell auch, hat aber keine Anspielmöglichkeit, weil Hinteregger den Rückpassweg zustellt und Tuta den Passweg auf Adli. Die Kette arbeitet hier perfekt.
Und hier nochmal das 1:1 der Hoffenheimer im letzten Bundesligaspiel, eine sehr ähnliche Szene. Gut zu sehen, dass Hasebe zu tief steht und so weder den Rückpassweg zustellen kann, noch Zugriff auf Dabbur hat. Hinteregger oben macht es viel besser.

Die Leverkusener haben in der 13. Minute noch eine Halbchance nach einer Ecke (Kopfball von Tah), aber bereits in diesen ersten 20 Minuten zeichnet sich ab, dass das SGE-Pressing auch den Leverkusenern das Leben sehr schwer macht.

Hier eine Szene aus der 13. Minute und man sieht sehr gut, wie das Pressing funktioniert. Lindström hat zuvor Tapsoba von außen angelaufen, so dass diesem nur noch ein Rückpass auf Hradecky bleibt. Der wird dann mit einem 15 Meter-Sprint von Borré attackiert, während in der zweiten Reihe beide 6er (Andrich und Aranguiz) von Sow und Jakic mit Zugriff gedeckt sind und Kamada sich Richtung Tah orientiert. Hradecky bleibt keine Wahl als den Ball lang zu schlagen. Der landet dann im Seitenaus.

Das bis zur Entscheidung fast durchgängig zu spielen mit diesem Personalaufwand und in letzter Konsequenz bis auf den Torwart zu pressen, ist gegen einen Gegner wie Leverkusen fast schon frech und es ist eine taktische Augenweide, dabei zuzusehen. Alle drei vorderen Pressingspieler (Kamada, ganz besonders der sehr fleißige Borré, Lindström) haben inzwischen sichtlich Spaß daran, die jeweiligen Defensivspieler mit ihrer Schnelligkeit und Aggressivität in die Bredouille zu bringen bzw. zu unkontrollierten langen Bällen zu zwingen. Hier hat die Mannschaft unter Glasner mit Abstand den größten Schritt nach vorne gemacht und spielt das mit großer Überzeugung in dem Wissen, dass das eine extrem starke Waffe ist. Die Mannschaft wirkt auch körperlich so auf der Höhe, dass sie dieses laufaufwendige Spiel mehr oder minder problemlos über 90 Minuten spielen kann. (Allerdings wechselt Glasner auffällig oft die 6er nach Möglichkeit aus, was darauf zurückzuführen sein dürfte, dass das besonders auf diesen Positionen irgendwann doch an die Substanz geht.)

Das zweite Tor der Leverkusener in der 22. Minute ist ein Witz, analytisch völlig irrelevant. Ein geklärter Freistoß, bei dem der Ball Sow an die Hand springt. Für solche Situationen Elfmeter zu geben, ist Wahnsinn, Sow hatte den Zweikampf eigentlich gewonnen.

Der Spielverlauf zuvor hatte aber schon angedeutet, dass die SGE in diesem Spiel kaum ohne Torerfolg bleiben würde, und das 2:1 durch Tuta fällt auch schon in der 23. Minute nach einer Ecke. Der Standard selbst ist nicht so sehr interessant, dafür aber die Entstehung der Ecke. Voraus ging nämlich ein Freistoß ganz links, den Kostic mit einem langen Verlagerungspass auf Da Costa ausführt. Da Costa und Sow spielen dann mit einem einfachen Lauf-Pass-Spiel drei Leverkusener aus. (eintracht.tv ab 35:25) Und es lohnt sich, das im Re-Live anzuschauen, weil es von allen drei Beteiligten extrem stark und clever ausgespielt ist und zeigt, welch großartige Fußballer alle drei sind.

Bei der Ecke selbst stehen die Leverkusener schlecht, konzentrieren sich auf den kurzen Pfosten, versuchen zu dritt an den Kopfball zu kommen, den dann aber Hinteregger auf Tuta verlängern kann. Der steht hinter 3 Leverkusenern völlig frei und muss nur einschieben.

Dem 2:2 in der 30. Minute geht ein missratenes Pressing der Gäste und eine vertikale Aufbaukombination über drei Stationen voraus.

Das ist der Pass von Hinteregger auf Borré. Gut zu sehen im Standbild, dass Aranguiz auf einen Pass auf Kamada spekuliert und deswegen Sow verlässt. Sow steht dann völlig frei und kann den kurzen Rückpass von Borré per „tödlichen“ Uwe-Bein-Gedächtnispass dem hier schon startenden Lindström in den Lauf spielen. Hier auch gut zu sehen, dass die SGE gleich mit drei Spielern (Kamada, Borré Lindström) zwischen den Linien offene Passwege sucht. Das führt letztlich dazu, dass Aranguiz spekulieren muss und Sow verlässt. Der Pressing-Fehler der Leverkusener ist also durchaus erzwungen.

Auch dieses Aufbauelement, Passwege zwischen die Linien zu suchen, funktioniert inzwischen sehr gut und zuverlässig, es gäbe noch einige andere Szenen, an denen man das zeigen kann. Auch hier ist eine deutliche Verbesserung unter Glasner zu erkennen. Hier funktioniert es perfekt und Lindström ist so schnell, dass er von Tapsoba, der kurz den Zugriff verliert, nicht mehr eingeholt werden kann. Auch Lindströms Torabschluss ist sehr stark.

Die zweite Halbzeit (Re-Live)

In der Halbzeit muss Glasner wechseln, Lindström bleibt mit Magenproblemen draußen, Hauge kommt, ein positionsgetreuer Wechsel.

Das 3:2 der SGE in der 50. Minute ist analytisch erneut nicht sehr relevant. Das Tor fällt nach einer Ecke. Die Ecke enstand durch eine abgeblockte Kostic-Halbfeldflanke. Die Leverkusener schaffen es dann nicht, den Ball zu klären und N´Dicka staubt ab.

Nach der Führung erhöhen die Gäste wenig überraschend deutlich das Risiko, wodurch es bald zu Kontermöglichkeiten für die SGE kommt, insbesondere da die Leverkusener viele Situationen zu überhastet ausführen. Einen ersten sehr gefährlichen Abschluss hat Borré in der 52. Minute nach einem solchen Konter über Kamada (eintracht.tv ab 8:40).

Die SGE reagiert auch auf die Aufregung im Bayer-Spiel, lässt jetzt mehr Aufbaupässe zu, steht mit der hinteren Reihe etwas tiefer und mit mehr Personal (beide 6er pressen jetzt nicht mehr immer mit), und lauert unübersehbar auf Konter. In dieser Phase hat die Eintracht eine Reihe weiterer guter Abschlüsse, weiterhin auch nach Standards, aber auch die Leverkusener kommen zu Chancen etwa Diaby in der 57. Minute, nachdem Diaby und Frimpong sich rechts einmal durchspielen konnten und Kostic den Zweikampf gegen Frimpong verliert. (eintracht.tv ab 13:40).

In der 64. Minute kam Lenz für Hauge. Hauge war verletzt, offenbar eine Muskelverletzung und durch die Einwechslung von Lenz ändert sich etwas die Statik des SGE-Spiels, was ihm aber, wenig überraschend, zugute kam. Denn mit der Einwechslung von Lenz waren nun die wiederkehrenden defensiven Problemen der SGE allesamt behoben. Die Innenverteidigung war mit Tuta, Hinteregger und N´Dicka nun eine echte Innenverteidigung mit drei gelernten Verteidigern und Kostic wurde fortan von Lenz abgesichert. Ergebnis: In der letzten halben Stunde für sich genommen erzielte die SGE ein 2:0 gegen Bayer Leverkusen und entschied das Spiel damit.

Die Formation war fortan ein 5-2-3 mit Lenz und Da Costa als offensiv ausgerichtete Außenverteidiger.

Das spielentscheidende 4:2 fiel nach einem von Lenz eingeleiteten und von Kostic entscheidend vorbereiteten Konter. Ausgangspunkt ist ein schwacher Flugball des Leverkuseners Tah in die Spitze. Hinteregger kann den ohne Mühe per Kopf nach links auf Lenz weiterleiten.

Hier im Schema der Angriffsvortrag mit einem Doppelpass Lenz-Kostic und über den Umweg Sow der Tiefenpass in die Spitze auf den tief gestarteten Kostic, der dann Richtung Kamada flankt. Dem Tor geht also wieder einer der überragenden Sow-Pässe voraus.

Hincapie kann dann zunächst gegen Kamada klären.

Hier die Situation direkt nach dem von Hincapie abgewehrten Ball. Gut zu sehen, dass Leverkusen komplett den Rückraum vergisst, dort ein sehr großer Raum entsteht, in dem sich Jakic völlig frei bewegen kann. Er schießt den Ball dann Vollspann ins Tor.

Solche freien Rückräume entstehen häufig. Die Rückraumsicherung ist eine der schwierigsten defensiven taktischen Aufgaben überhaupt. Hier sind gleich vier Leverkusener Verteidiger viel zu nah am eigenen Tor, zwei hätten gegen Kamada und Borré gereicht. In diese freien Rückräume müssen natürlich die Mittelfeldspieler nachrücken, hier macht das Jakic stark, trifft den Ball perfekt und entscheidet damit das Spiel. Glasner ließ in der Pressekonferenz nach dem Spiel durchblicken, dass diese Rückraumabschlüsse der 6er ganz gezielte taktische Manöver sind und zum Konzept gehören.

Quelle: Youtube.com

Noch eine kurze Erklärung dafür, wie es der SGE gelang, die schnellen Außen der Leverkusener und den spielstarken Wirtz aus dem Spiel zu nehmen. Der Schlüssel sind drei Maßnahmen. Zunächst ist das offensive Pressing zu nennen, das den Leverkusenern kaum Möglichkeiten ließ, ihre offensiv starken Spieler gezielt einzusetzen. Zweitens spielten N´Dicka, später Lenz links sehr aggressiv und eng gegen Diaby und Frimpong, ebenso Da Costa rechts gegen Adli. Die beiden zentralen Wirtz und Schick (der allerdings auch viele technische Fehler produzierte) wurden spätestens in der zweiten Halbzeit meist durch ein starkes Abwehr- und Mittelfeldkettenverteidigen aus dem Spiel genommen bzw. entschärft. Hier ein Beispiel:

Hier eine Szene aus der 68. Minute. Die SGE hier mit einer 5-3-Kettenverteidigung. Im Standbild zu sehen, dass hier alles passt. Die Ketten arbeiten auf einer Höhe, die Abstände stimmen, Da Costa rückt richtig gegen den Ballbesitzer Hincapie heraus. Adli muss nach außen sprinten, kann sich also nur breit (horizontal) anbieten, Da Costa behält Zugriff. Hincapie entscheidet sich aber für einen Pass in die Zentrale. Wirtz´ Versuch der Weiterleitung auf Adli landet dann bei Tuta, der den Passweg sichert.

Das letzte Tor des Spiels entsteht in der 76. Minute nach einem starken 45 Meter – Flugball von Trapp auf Kostic. Mit dem Zuspiel startet letzterer in ein Tempodribbling gegen Palacios, der ebenfalls kein Zweikampfmittel gegen Kostic findet, ihn bis zur Grundlinie „begleitet“ und Kostic schließlich den Ball auf Borré in den Sechzehner chippen lässt. Dieses Zweikampfverhalten von Palacios ist rätselhaft.

Hier der Moment des Rückpasses von Borré auf Sow nach dem Kostic-Pass. Gut zu sehen, dass die Leverkusener erneut mit der kompletten 4er-Kette zu nah am eigenen Tor stehen, den Rückraum erneut völlig vergessen haben und diesmal mit Jakic und Sow sogar beide Eintracht-6er mehr oder minder frei und einschussbereit stehen. Sow lässt sich das dann nicht entgehen und schießt denn Ball technisch stark mit der Innenseite ins lange Eck.

Hier kommt also wieder das Element der Rückraumbesetzung durch nachrückende 6er zum Tragen.

Damit ist das Spiel natürlich entschieden, die SGE behält auch in den verbleibenden 20 Minuten die Spielkontrolle. Auch einige offensive Umstellungen durch Seoane ändern daran nichts mehr.

Das Fazit

Durch die Besetzung der defensiven Zentrale mit Hinteregger wirkten auch die beiden anderen Innenverteidiger Tuta und N´Dicka deutlich sicherer, die Kette agierte insgesamt erstmals seit langem weitgehend fehlerfrei – ein Schlüssel zum Erfolg. Mit einer defensiven Absicherung links wie nach der Lenz-Einwechslung und einer echten gelernten Innenverteidigung könnten auch perspektivisch die wichtigsten Problemfelder gut bearbeitet werden.

Dass die Offensivabteilung technisch und läuferisch, sowie insbesondere durch die Neuzugänge Borré und Lindström jetzt auch in Sachen Sprintfähigkeit zu den Top 5 der Bundesliga zu zählen ist, und dass es offensiv nur eine Frage der Zeit war, bis diese technisch extrem starke Besetzung sich einspielt, war seit Monaten, im Grunde seit Saisonbeginn zu sehen. Sow und N´Dicka haben deutlich den nächsten Entwicklungsschritt gemacht, insbesondere Sow ist mit seinem starken Passspiel und auch seiner starken Innenseite inzwischen ein starker Spielmacher. Mit Kostic hat die SGE außerdem einen Spieler, den nach wie vor kein Gegner in der Bundesliga kontrollieren kann. Mit Frimpong hatte Kostic zwar über weite Strecken einen ernsthaften Gegenspieler, der ihn stark forderte, aber Kostic war letztlich erneut an fast allen offensiven Aktionen und Toren beteiligt.

Dennoch sei auch nach einem solch starken Spiel, das praktisch alle analytisch seit Saisonbeginn nachvollziehbaren und beobachtbaren taktischen Entwicklungsschritte und Lösungsmöglichkeiten in komprimierter Form vorführte, daran erinnert, dass das Team nach wie vor mitten in der Entwicklung steckt und damit auch Rückschläge zu erwarten sind.

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Fenerbahçe Istanbul – SGE 1:1 (1:1)

Das Unentschieden reichte, um den ersten Platz der EL-Vorrundengruppe zu sichern. Wie immer ein analytischer Blick auf das Spiel und seine wichtigsten Situationen.

Die Aufstellung und Spielerbewertungen

Oben die automatischen Spielerbewertungen. Hasebe kommt hier aufgrund seines Fehlers vor dem Tor etwas zu schlecht weg, er machte ein solides Spiel. Das gleiche gilt für Sow, der wegen seines Tores zu gut bewertet wird, er war durch sein Übersehen des Kettenproblems hinter ihm durchaus nicht ganz unschuldig an dem Chaos beim 1:1. Ebenfalls etwas besser als durch die Automatik ist Da Costa einzuschätzen, der ein recht gutes Spiel rechts zeigte.

Links die Realaufstellung, bei der man gut sieht, dass die SGE faktisch mit einer 4er-Kette hinten spielte, um Kostic seine Linksaußenposition zu „finanzieren“.

Die Noten in Klammern sind Übersetzungen der Bewertungen der Seite sofascore.com. Sie werden automatisch generiert anhand der individuellen Spieldaten jedes einzelnen Spielers. Nur bei der Torwartposition muss die Note etwas angepasst werden, da die algorithmischen Bewertungen systematisch negativer ausfallen als die der Feldspieler.

Die Statistik

Die Daten sind öffentlich zugänglich und zitiert nach den Seiten kicker.de und sofascore.com. Auf beiden Seiten gibt es viele weitere statistische Daten zu dem Spiel.

Die erste Halbzeit (Re-Live)

Den ersten guten Abschluss hatte Borré in der 3. Minute nach einer schwachen Kopfballabwehr und Flugball von Hasebe diagonal in die Spitze.

Kamada hat in der 10. Minute bereits den zweiten gefährlichen Abschluss der SGE nach einem Gegenpressing links und Ballgewinn von N´Dicka.

Hier gut zu sehen, dass der rechte Schienenspieler der Istanbuler, Sangaré, aufgerückt ist und den Zugriff auf Kostic verloren hat. Er kommt dann im weiteren Verlauf der Szene noch einmal kurz an den Ball, verliert ihn dann aber wieder an Kamada, der dann den Ball in den Lauf von Kostic spielt.

Das ist eine klassische Konterstituation und man sieht hier eine der größten Schwächen des 3er-Ketten-plus-Schienenspieler-Spiels, nämlich die enorme Konteranfälligkeit bei eigenem Ballverlust auf den außen. Hier verliert die Fener-Defensive den Zugriff auf Kostic.

Hier der Moment des Kamada-Abschlusses nach der Kostic-Flanke. Gut zu sehen, dass er völlig frei ca. 12 Meter vor dem Tor abschließen kann. Szalai, der für ihn hier zuständig wäre, hat sich von Hauges Laufweg etwas Richtung kurzer Pfosten ziehen lassen.

Das ist sehr schwach verteidigt von Fenerbahce, Kamada vergibt diese Riesenchance aber kläglich.

Es ist schon erstaunlich, dass es immer noch Gegner gibt, die von dem Tempospiel über Kostic überrascht wirken. In der Anfangsphase des Spiels bekommen die Türken Kostic überhaupt nicht in den Griff, eine Minute (11.) später ist er wieder durch und seine Hereingabe ist etwas zu ungenau, sonst wäre die SGE schon wieder frei zum Abschluss gekommen.

Bei dem Abseitstor der Gastgeber in der 13. Minute liegt übrigens kein Kettenfehler vor, im Gegenteil arbeitet die Restverteidigung (3er-Kette Chandler-Hasebe-Tuta) hier perfekt.

Das ist der Moment des Abspiels von Zajc auf Berisha. Gut zu sehen, dass Tuta und Chandler hier Hasebe mit den richtigen Abständen und auf der gleichen Höhe absichern. So müssen die Fener-Stürmer entweder sich sehr flach anbieten (was dann für die Verteidiger recht gut zu ersprinten ist), oder sie stehen, wie hier, beide im Abseits. Im Re-Live ist gut zu sehen, dass Tuta eine Sekunde zuvor den entscheidenden Schritt nach vorne macht, um mit Chandler auf einer Höhe zu stehen und damit beide Stürmer des Gegners ins Abseits zu stellen. (eintracht.tv ab 17:32)

Die SGE ist den Türken in der ersten Halbzeit heillos überlegen, fast in allen Belangen besser. In der 23. Minute hat sie die nächste Chance durch Jakic. Vorausgegangen ist ein typisches Aufbau-Muster der SGE und ein typischer mannschaftstaktischer Fehler der Gastgeber.

Hier gut zu sehen das gezielte Aufbaumanöver der SGE. Die Linienabstände der Türken zwischen hinterer Reihe und Mittelfeld sind hier deutlich zu groß, Kamada bewegt sich „zwischen den Linien“, also hinter der Mittelfeldreihe der Türken. Hasebe sucht mit seinen Aufbaupässen häufig genau solche Situationen und spielt dann einen stark getimten Flachpass auf Kamada, der aufdrehen und den Angriff einleiten kann. (eintracht.tv ab 27:55)

Der Ball kommt dann über Hauge (mit sehr starkem Steilpass in die Spitze) zu Jakic, der frei vor Fener-Torwart Özer von Sangaré mit einem sehr starken Tackling fair vom Ball getrennt wird. Dieser Angriffsvortrag zeigt aber vor allem, warum Hasebe auch unter Glasner wieder regelmäßig spielt: Die Zuverlässigkeit, mit der er solche Angriffe einleitet, sind natürlich nicht zu unterschätzen auch wenn das auf den ersten Blick ein simpler 15m-Flachpass ist. Der muss schon sehr präzise gespielt werden und solche Flachpässe durch die Zentrale bergen ein enormes Konterrisiko – verständlich, dass die SGE-Trainer für solche Bälle einen überragenden Passgeber wie Hasebe aufstellen.

Es gab weitere gute Angriffe der SGE mit interessanten Abschlüssen, es würde den Rahmen hier sprengen, auf alle einzugehen. Die türkische Mannschaft hatte dem Spiel der SGE kaum etwas entgegenzusetzen. Daran zeigt sich aber auch erneut das neben dem häufigen Defensiv-Chaos größte Problem des SGE-Spiels, nämlich der schon bekannte Chancenwucher. Das bis dahin überlegen geführte Spiel hätte bei etwas größerer Ruhe im Abschluss und technisch besser ausgeführten Abschlussaktionen gut und gerne 2:0 stehen können und wäre damit entschieden gewesen. Allein die hier gezeigten Szenen mit den Abschlüssen von Borré, Kamada und Jakic waren gute Torchancen. Glasner führte das in der Pressekonferenz am Tag danach ebenfalls an und verwies darauf, dass der Abschluss der nächste Bereich sei, in dem man sich verbessern wolle. Allerdings ist das trainingsseitig kaum zu machen, solche Individualtechniken sind im Erwachsenenalter nur noch sehr, schwer zu verbessern, hier dürfte es früher oder später doch noch zu personellen Veränderungen in der Spitze kommen.

Dass der Abgang von Silva doch so schwer wiegen würde, war nicht unbedingt abzusehen, viele der Silva-Tore waren „Abstauber“ oder Elfmeter, Situationen also, von denen man hätte annehmen dürfen, dass auch ein etwas weniger technisch sauberer Spieler diese zu einem annehmbaren Prozentsatz noch in Tore verwandelt. Das Bild, das sich derzeit bietet, zeigt aber, dass die SGE zwar immer noch ähnlich viele gute Torabschlusssituationen herausspielen kann wie in der vergangenen Saison, dabei aber deutlich weniger Tore erzielt. Genaueres dazu und woran das liegt in einer der kommenden Analysen.

Dabei ist das Team inzwischen in einigen Elementen sehr sicher geworden. Insbesondere das unter Glasner etwas intensivere und besser organisierte Pressing wird jetzt wieder fast durchgängig gespielt, der Offensivblock lässt kaum einen ruhigen Spielaufbau des Gegners zu und so gewinnt die Mannschaft insgesamt sehr viele Bälle im vorderen und im Mittelfeldbereich. Das funktioniert jetzt sehr zuverlässig und führt dazu, dass die SGE phasenweise, oder wie gegen Istanbul, im Grunde ein ganzes Spiel dominant gestalten kann. Aus einer solchen Situation ist auch die 0:1-Führung der SGE entstanden und hier kann man gut sehen, wie ein solches modernes Pressing durchgeführt wird.

Ausgangspunkt ist ein ziemlich ungenauer Flugpass von Sow Richtung Borré, der aber bei Kim landet, wie man hier sieht. Borré erkennt aber, dass er Kim mit Ballannahme attackieren kann und sprintet den Fener-Verteidiger so an, dass er den Ball nicht ruhig kontrollieren kann. Entscheidend ist nun, dass Kamada ebenfalls in den Zweikampf sprintet und den Ball dann gewinnen kann.
Das ist der Moment des Ballgewinnes durch Kamada. Man sieht sehr gut, dass die Fener-Defensive in einem großen Raum zwischen den beiden Verteidigern Aziz und Szalai keinen Zugriff mehr hat und nicht mehr besetzt ist. Das ist natürlich dem kurz zuvor noch eigenem Ballbesitz geschuldet und genau in diesem Raum spielt die SGE dann das Tor heraus. Kamada kann sich mit einem Pass auf Kostic befreien und damit ist natürlich das Scheunentor offen. Kostic macht das dann auch ganz stark, dribbelt in den verwaisten Raum und passt auf Sow, der den dann auch sehr ruhig und sicher mit der Innenseite einschiebt.

Das ist wirklich eine sehr starke Aktion. Solch eine Pressingsituation kann nur funktionieren, wenn es eine Initiation gibt, also einen Moment, in dem man das Pressing gut starten kann. Das sind meistens irgendwie unsaubere Pässe (durchaus auch solche vom eigenen Mitspieler wie hier), die von einem Gegner absehbar nicht leicht kontrolliert werden können und daher gut zu attackieren sind. Entscheidend ist, dass der erste Pressingspieler (hier Borré) mit Ballannahme des Gegners (hier Kim) diesen so stört, dass er mit dem ersten bzw. zweiten Kontakt keinen Sicherungspass (hier zurück zu TW Özer) spielen kann. (Unbedingt im Re-Live ab 34:23 ansehen: Den Laufweg von Borré, der genau diesen Passweg auf Özer unmöglich macht) Dadurch wird Kim zum Abdrehen nach Außen gezwungen, wo Kamada in den Zweikampf sprintet, den er letztlich für sich entscheidet.

Das ist ein gezieltes Manöver der beiden und solche gruppentaktischen Moves kann man im Training sehr gut einschleifen und wenn die so konsequent und stark durchgeführt werden wie hier, sind sie natürlich eine starke Waffe. Solche Situationen stellt die SGE laufend und mit regelmäßigem Erfolg.

Dass ein solch riskantes Angriffsspiel natürlich ein erhebliches Risiko birgt, zeigt dann das Gegentor. Fener kann sich einmal mit einer Spielverlagerung aus dem Pressing befreien und einen vertikalen Pass spielen. Tuta grätscht zwar noch dazwischen, kann den Ball aber nicht kontrollieren, stattdessen kann Zajc ihn nach rechtsaußen passen.

Das ist der entscheidende Pass vor dem Gegentor. Gut zu sehen, dass Kostic rund 10 Meter von seiner defensiven Position entfernt ist und nicht einmal den inneren Passweg zugelaufen hat. So kann Zajc den Ball noch vor ihm nach außen passen. Irfan Can ist vollkommen blank. Man sieht hier schon, dass N´Dicka bereits den Weg nach außen angetreten hat, dadurch Hasebe in der Zentrale 1 gg. 2 steht. Auch gut zu sehen, dass Tuta die Kette in der Zentrale verlassen hat (warum auch immer) und Sow und Chandler die Kette noch nicht vervollständigt haben.

Sow sieht das Problem auch gar nicht und bleibt im weiteren Verlauf der Szene auf seiner 6er-Position. Chandler läuft zwar in die Kette, aber nicht weit und schnell genug, sodass dann die wahnwitzige Situation entsteht, dass die SGE in der Zentrale bei Flankenball außen immer noch 1 gg. 2 gegen die beiden Fenerbahce-Stürmer Berisha und Pelkas steht.

Das ist der Moment der Flanke. Gut zu sehen, dass Hasebe in der Zentrale nach wie vor 1 gg. 2 steht, weil Sow die Gefahr nicht erkannt und nicht mitbekommen hat, dass Tuta und N´Dicka die Deckung verlassen haben, und weil Chandler zu spät gestartet ist und daher nicht mehr eingreifen kann. Hasebe hätte hier versuchen können, die beiden Stürmer ins Abseits zu stellen, indem er auf Sechzehnerhöhe bleibt.

Der Ball wird dann von Irfan Can so schlecht geflankt, dass er exakt bei Hasebe landet, der ihn eigentlich nur klären muss, ihn stattdessen mit einem technischen Fehler Berisha in die Füße spielt, der dann nur noch einschieben muss. Diese Situation ist, wie in allen Spielen zuvor nur ein weiteres Beispiel für das nach wie vor nicht bereinigte defensive Chaos, das ja aus der vergangenen Saison bestens bekannt ist. Im Re-Live ist sehr gut die totale Unlust von Kostic zu sehen, hier den völlig freien Can zu decken. Einer der sprintstärksten Spieler der Bundesliga wackelt nach hinten als plagten ihn erste Altersbeschwerden, wartet zwischendurch noch zweimal, ob nicht vielleicht irgendeiner den Ball gewinnt und der Kelch des nach hinten Laufens irgendwie noch an ihm vorbeigeht – das ist mittlerweile wirklich nur noch lächerlich. (eintracht.tv ab 46:41) Völlig unverständlich, warum wie vor ihm Hütter jetzt auch Glasner wie von Sinnen dabei zusieht, wie Kostic zwar in jedem Spiel mindestens ein Tor der SGE vorbereitet oder schießt, aber auch mindestens ein Tor verschuldet, alle Gegner wieder einfach nur die Bälle auf die völlig freie linke Abwehrseite der SGE spielen müssen und das wirklich auch in praktisch jedem Spiel zu mindestens einem Gegentor führt, wenn nicht zu drei wie gegen Hoffenheim. Kostic ist schlicht kein Schienenspieler. So wenig wie Hasebe ein Innenverteidiger ist und zwei Spieler auf Positionen zu haben, auf denen Defensivstärke wichtig ist, die aber defensivschwach sind, führt regelmäßig zu unnötigen Gegentoren und Punktverlusten. Das ist ja nicht sehr überraschend. Um es noch einmal deutlich zu machen: Das kann man den beiden nicht vorwerfen. Dass sie positionsfremd spielen müssen, ist ja nicht ihre Schuld, wenn man aber ihre extremen Stärken – Aufbaubälle, Passspiel und strategische Angriffseinleitung bei Hasebe, Schnelligkeit und überragende Vorbereitungs- und Abschlusstechniken bei Kostic – auf dem Platz haben möchte, dann ist es Aufgabe des jeweiligen Trainers, eine Formation zu finden, in der die beiden ihre Stärken einbringen können, ohne das erfolgreich Aufgebaute umgehend mit dem eigenen Hintern wieder einzureißen, um es einmal bildlich auszudrücken. Die SGE wird auch weiterhin ihre Stärke ergebnisseitig nicht nachhaltig auf den Platz bekommen, wenn sich an diesem Problem nichts ändert. Ein 1:1 gegen die in allen Belangen unterlegenen Türken ist ja nun wirklich kein gutes Ergebnis, so wenig wie die Niederlage gegen die ja keineswegs überlegenen Hoffenheimer ein gutes Ergebnis war und so wenig wie dieser starke Eintracht-Kader auf Platz 12 in der Tabelle herumdümpeln muss.

Die zweite Halbzeit (Re-Live)

Da beiden Teams offenbar das Ergebnis des parallelen Spiels bekannt war und somit es für beide um nicht mehr viel ging, der SGE ein Unentschieden reichte und mit etwas weniger Risiko die Chancen gut standen, das gegen die selten gefährlichen Istanbuler gut über die Runden bringen zu können, ergaben sich in der zweiten Hälfte nur wenige analytisch interessante Szenen. Auffällig nur, dass die SGE mit ihrer Offensivreihe immer gefährlich werden kann.

Ein schönes Beispiel findet sich etwa in der 56. Minute (eintracht.tv ab 12:39). Das ist ein Spontanangriff mit Ausgangspunkt Chandler rechts, in dem man gut sieht, wie Chandler, Borré, Kamada, vor allem Hauge und Kostic eine 4 gg. 3 -Angriffsorganisation mit einer schnellen Spielverlagerung in die Spitze lösen. Kostic kommt zum Abschluss, der Ball geht knapp am Tor vorbei.

In der 60. Minute kommt Paciencia für Borré. Ein positionsgetreuer Wechsel.

In der 69. Minute kommen Da Costa für Chandler, Rode für Jakic und Lammers für Hauge. Diese Wechsel waren weder notwendig noch irgendwie taktisch bedingt. Es ging offenbar darum, Spielern aus der zweiten Reihe etwas Spielzeit zu geben. Gut nachvollziehbar.

In der 74. Minute haben Lammers und Paciencia eine starke Szene nach einem Gegenpressing im vorderen Drittel links, bei der Lammers dann auch zum Abschluss kommt. (eintracht.tv ab 29:53). Starke Aktion von beiden.

In der 77. Minute kommt Hrustic für Sow, ebenfalls ein Wechsel, der hauptsächlich Hrustic etwas Spielpraxis bescheren sollte.

Dass in der zweiten Halbzeit kaum mehr nennenswerte Offensivaktionen entstehen, liegt daran, dass beide Teams, vor allem die Gastgeber, nicht mehr sehr viel in ein gezieltes Angriffsspiel investieren. Die wenigen gelungenen Angriffsversuche der Türken vergeben sie mit technischen Schwächen vor allem bei den letzten Bällen.

Bei beiden Teams ließ überdies sichtbar die Konzentration nach, was die Fehlerquote erhöhte und zusätzlich dafür sorgte, dass es nur noch wenige Torsituationen gab. Es ließe sich das an einigen Beispielen zeigen, aber das soll den Lesern erspart bleiben, die meisten dürften es ja selbst gesehen haben.

Fazit

Die SGE war dem Gegner in allen Belangen überlegen, es ist schon eine Leistung, so ein Spiel nicht zu gerwinnen. Entscheidend war das Gegentor, dazu wurde oben alles Nötige gesagt.

In der zweiten Halbzeit entstanden kaum mehr interessante Szenen, beide Teams spielten mit wenig Risiko, die SGE blieb aber die bessere Mannschaft.

Trotz der nach wie vor bestehenden defensiven Probleme hat die Eintracht also den Gruppensieg in der EL-Vorrunde erreicht und das war auch trotz der vielen Probleme vollkommen verdient. Was nur noch einmal mehr zeigt, dass der aktuelle Kader vor allem in der vorderen Reihe extrem stark besetzt ist und gegen jeden Gegner Chancen und Tore produzieren kann.

Trainer Glasner und die Mannschaft sollten schnellstens einen Weg finden, Kostic und Hasebe so ins Spiel einzubinden, dass ihre Stärken zur Geltung kommen ohne dass ihre Schwächen den Mannschaftserfolg gefährden. Das ist die Aufgabe des Trainers. In der zweiten Halbzeit wurde das Problem hauptsächlich dadurch gelöst, dass N´Dicka wieder häufig den Linksverteidiger gab und Chandler/Da Costa rechts die Kette disziplinierter ergänzten. Dadurch entsteht dann aber wieder die extreme Linkslastigkeit des Offensivspiels (siehe oben, die Realaufstellung).

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TSG Hoffenheim – SGE 3:2 (2:1)

Nach drei knapp gewonnenen Spielen verlor die SGE das Spiel gegen die Sinzheimer, hauptsächlich weil deren Offensive das Durcheinander in der SGE-Defensive auszunutzen verstand. Wie immer ein analytischer Blick auf die fünf Tore und das sonstige Geschehen im Spiel.

Die Aufstellung

Die Spielerbewertungen in Klammern sind automatisch generiert, Werte unter 6,0 sind eher schwach, Werte über 8,0 sehr stark. Sie folgen den relevanten Einzelspielerstatistiken. Sie sind zitiert nach sofascore.com. Dort finden sich viele weitere Daten zu dem Spiel.

Die Statistik

Die Daten sind zitiert nach sofascore.com und kicker.de. Auf beiden Seiten finden sich viel weitere statistische Daten.
Wie man sieht hatten die Hoffenheimer ein leichtes Übergewicht an Ballaktionen im vorderen Drittel. Die Daten entstammen sofascore.com.

Die erste Halbzeit (Re-Live)

Bereits in den ersten Sequenzen ist zu sehen, dass die Hoffenheimer der SGE keinen ruhigen Spielaufbau erlauben wollen. Ballaktionen von Hasebe werden in der ersten Halbzeit sofort angelaufen, meist von Dabbur.

Hier (31. Minute) gut zu sehen das 5-2-3 der Hoffenheimer bei zenrtralem SGE-Aufbau. Sie schließen alle Anspielräume in der Zentralen und zwingen die SGE zu einem Aufbau über außen. Hasebe kann keinen vertikalen Pass spielen, hier spielt er den Ball dann auf N´Dicka.

Das funktioniert für die Hoffenheimer recht gut, insbesondere weil man mit der sehr breiten Kette Kostic fast immer früh stellen und doppeln kann. Diese konsequente Deckungsarbeit führt dazu, dass Hasebe praktisch keine vertikalen Bälle spielen kann und er mit zunehmender Spielzeit im Aufbau auf die Außen ausweicht, um die Angriffe einleiten zu können. Ein ganz guter Move, da somit der Plan der Hoffenheimer, ihn aus dem Aufbauspiel zu nehmen, konterkariert wird, aber es bringt nichts ein (Beispiel 36. Minute, eintracht.tv ab 38:35)

Der erste gute Abschluss der SGE lässt trotzdem nicht lange auf sich warten und Hasebe ist mit einem starken Aufbaupass an dem Positionsspiel beteiligt (5. Minute).

Hier der Angriffsvortrag in der Übersicht: Vier Pässe von Hasebe bis in die Spitze ohne Hoffenheimer Ballgewinn (2, 3, 4, 5). Das ist stark gespielt, ein guter Positionsangriff. Besonders die Laufwege von Borré (diagonal Richtung Spitze) und Kamada (auf den kurzen Pfosten) sind stark und entscheidend für den Erfolg. Aber auch die Angriffseinleitung von Hasebe und vor allem Sow mit Tempodribbling (2) ist stark. Die Hoffenheimer werden hier klassisch ausgespielt. Kamada bringt den Ball dann nicht aufs Tor.

Interessant ist dieser Move vor allem, weil diese Art Angriffsvortrag (Positionsangriff aus der hinteren Reihe) zuletzt ein eher selten versuchtes Element war und in der Ausführung oft unsicher. Diesmal hat es sehr gut geklappt.

Auf Seiten der SGE wird sehr weit nach vorne geschoben und früh gepresst. Die SGE ist damit in der Anfangsphase und bis ca. zur 20. Minute in vielen, auch längeren Sequenzen recht dominant, das wieder häufiger praktizierte Angriffspressing führt in der gesamten ersten Halbzeit zu einigen Ballbesitzen und Möglichkeiten. Dieses Element ist wieder regelmäßig zu sehen und ein wichtiger, starker Bestandteil der Spielidee geworden.

In der 7. Minute hat die SGE die Riesenchance zur Führung nach einem Kostic-Freistoß von rechts.

Hier sieht man den völlig freien Kopfball von Borré aus gut 11 Metern. Das ist für einen Mittelstürmer eine Top-Chance.

Klar können Chancen vergeben werden, aber einen solch freien Kopfball weit neben das Tor zu köpfen, ist schon Chancenwucher und das ist neben den vielen Kettenfehlern das Hauptproblem der SGE, das sich durch die gesamte Saison zieht und viele Punkte kostet.

Abschlusstechniken können im erwachsenen Alter kaum trainingsseitig verbessert werden. Borré ist ein starker, sehr fleißiger Fußballer, in fast jedem Spiel ein Aktivposten für die SGE. In den Abschlusstechniken ist er aber zu schwach, um als Zielspieler zuverlässig Tore zu machen, diese Erkenntnis ist in fast jedem Spiel zu bestätigen. Das Spiel mit einem zweiten Stürmer mit Stärken im Abschluss, wie Paciencia, Ache oder Lammers, drängt sich geradezu auf. Hier ist aus analytischer Sicht praktisch nur aufstellungsseitig eine Lösung zu finden.

In der 15. Minute spielt die SGE einen Positionsangriff mit Spielverlagerung von rechts (Einwurf Chandler) über Borré und Kamada nach links auf Kostic. Dessen Flanke kann Raum nur zur Ecke klären. Aus dieser Ecke entsteht dann die 0:1-Führung. Das Tor ist eine offensichtlich einstudierte Eckballvariante über Lindström und Kostic. (eintracht.tv ab 17:36) Borré verwertet den Flankenball von Lindström stark. Analytisch ist eine solche Standardsituation aber nicht allzu interessant.

Auch in der darauf folgenden Phase bleibt die SGE aggressiv und presst nach wie vor früh und hoch. Die Hoffenheimer sind bemüht, sich daraus mit Passspiel zu lösen, tun sich damit aber sichtlich schwer. Eine exemplarische Sequenz wäre die 18. Minute (eintracht.tv ab 20:20 bis 20:50 Ballgewinn Kostic). Man kann hier sehr genau das Pressingverhalten der SGE studieren, mit den 3 Offensiven oin der vorderen Reihe, die seitlich verschieben und anlaufen und dahinter den 6ern und Schienenspielern, die bei seitlichen Aufbauversuchen der Hoffenheimer nachrücken.

Der 1:1-Ausgleich der Hoffenheimer in der 24. Minute ist die erste Aktion, in der es den Hoffenheimern gelingt, das SGE-Pressing zu überspielen. ursächlich ist ein Stellungsfehler von Kamada, der im 3er-Pressing rund 10m zu tief steht und damit den Pass in den Lauf von Vogt auf Posch ermöglicht. Das ist zwar ein Fehler, muss aber lange nicht zum Gegentor führen. Entscheidend hierfür ist vielmehr ein SGE-typischer Kettenfehler.

Das ist der entscheidende Moment des Passes in die Tiefe von Posch auf Bebou und hier gut zu sehen, dass die SGE hier noch recht gut gestaffelt steht, allerdings ist der Abstand zwischen Kette und 6ern (der eingefärbte Raum) etwas zu groß. Außen steht die Kette hier noch gut, aber man sieht das Unheil schon kommen, denn N´Dicka ist bereits auf dem Weg, seinen Raum als Innenverteidiger zu verlassen und den Raum von Kostic anzulaufen.

Das ist ein klassischer Kettenfehler. Der Innenverteidiger darf im Grunde niemals seinen Halbraum zugunsten einer Außenbahn verlassen. Das richtige Verhalten hier wäre: N´Dicka hält den Halbraum, verteidigt mit Distanz zum Gegenspieler, Kostic sprintet nach hinten in seinem Raum ins 1-1. Das findet aber nicht statt, sondern N´Dicka läuft in den Zweikampf. Das ist nicht Kostics Fehler, sondern der von N´Dicka. Dadurch ergibt sich dann folgende Situation:

Hier gut zu sehen, dass durch den falschen Weg von N´Dicka nach außen der Passweg auf Dabbur aufgeht. Dabbur kann den Ball dann gegen Hasebe sichern, legt ihn zurück auf den nachrückenden Geiger, der ihn dann ins Tor schießt.

Das Tor wäre sehr wahrscheinlich nicht gefallen, wenn N´Dicka die zentrale Halbposition gehalten hätte und Kostic den Sprint mit Bebou angezogen hätte. Dass Kostic diese Wege in die defensive Tiefe nicht immer macht, ist keine Ausrede, N´Dicka hätte Kostic zumindest die Chance geben müssen, von der Halbposition hätte er dann immer noch Bebou anlaufen können. Auch Hasebe sieht nicht sehr gut aus, da er in dieser Situation schneller den Passweg zu Dabbur zulaufen muss, aber das ist für einen nicht gelernten Innenverteidiger kein eingeschliffener Automatismus, hier also kein großer Vorwurf an Hasebe. Auch beide Sechser vergessen dann, den Rückraum zu sichern, so dass Geiger schließlich unbehelligt einschießen kann.

Das ist zwar ein Kettenfehler, allerdings auch ein starker Schuss von Geiger, ein bisschen Pech für Trapp, dass Geiger den so perfekt trifft.

Der Ausgangspunkt für die Hoffenheimer Führung ist ein gutes Pressing der SGE, Jakic gewinnt im Mittelfeld den Ball, dribbelt dann auch richtig auf die Hoffenheimer Innenverteidigung zu

Das ist der Moment, in dem Jakic den Ball spielen muss, er hat drei gute Optionen, alle drei Passwege sind offen. Jakic spielt aber gar keinen Pass, sondern verzögert viel zu lange, bis alle Passwege geschlossen sind.
Das ist der Moment des Abspiels. Gut zu sehen, dass der Pass auf Kamada, den Jakic versucht, nicht mehr möglich ist, Borré im Deckungsschatten steht und nur noch ein Pass auf Lindström möglich gewesen wäre.

Das ist eine 4-3-Situation direkt zum Tor, das muss Jakic viel besser auflösen. Stattdessen spielt er einen haarsträubenden Fehlpass. Nach dem letzten Spiel gegen Union, in dem viele dieser Situationen (Bälle in die Spitze) gut gespielt wurden, klappte das hier in einer entscheidenden Aktion gar nicht. Das lag wie auch schon in den Wochen vor dem Union-Spiel nicht an den Laufwegen (die waren von allen drei Anspielmöglichkeiten recht gut), sondern an der ausbleibenden Passentscheidung von Jakic, es ist also ein Zuspiel-Problem, keines der Laufwege.

Hier die Situation bei der Angriffseinleitung der Hoffenheimer, es folgt ein Dreiecksspiel von Dabbur über Rutter auf Samasseku und dann auf den rechtsaußen freien Bebou. Man sieht auf SGE-Seite, dass weder Chandler noch Kostic hier die 3er- zu einer 4erkette ergänzen.

Der Fehler liegt hier am ehesten Bei Kostic, da Chandler hier wohl die verlassene Jakic-Position besetzen will, um Gleichzahl in der MF-Zentrale herzustellen. Man sieht, dass auch Posch noch in die Spitze läuft, was kein Problem wäre, wenn Kostic schnell die Linksverteidiger-Position besetzen würde. Stattdessen lässt die SGE einen technisch starken und schnellen Stürmer wie Bebou hier völlig freistehen. Das kann kaum gutgehen.

Bebou schießt dann aus spitzem Winkel aufs Tor, Trapp kann den Ball aber nicht gut abwehren und legt ihn Rutter vor die Füße, der ihn dann nur noch einschieben muss. Das ist auch eine schwache Abwehr von Trapp, sein erster Fehler mit Torfolge in dieser Saison.

Hier die Situation bei der Abwehr von Trapp. Den letzten und entscheidenden Fehler macht Tuta, der aus unerfindlichen Gründen ins eigene Tor gelaufen ist, statt seinen Gegenspieler Rutter zu decken. Das ist natürlich vollkommen hanebüchen und Rutter, bei dem der Ball dann landet, kann den in aller Ruhe ins Tor schieben.

Eine solche Fülle von teils krassem Fehlverhalten wird ein Gegner wie die starken Hoffenheimer früher oder später in Tore ummünzen, das ist nicht sehr überraschend. Gegen diesen Gegner, der immer versucht, in offensiven Situationen außen breit zu besetzen, mit Dreierkette zu verteidigen, ist schon arg mutig, Kostic und Chandler verteidigen hier im Grunde nicht mit und stehen in ungefährlichen Räumen statt die Kette zu ergänzen, dazu kommen dann Fehler von Trapp und Tuta.

33. Minute: Riesenchance Hoffenheim (Rutter) N´Dicka klärt auf der Linie nach Kettenfehler und Chandler ohne Zuordnung (Vorbereitung über Kostic-Seite).

Die 2. Halbzeit (Re-Live)

In der 46. Minute hat die SGE eine Riesenchance von Borré. Die Entstehung ist sehr interessant und empfehlenswert, sich im Re-Live einmal anzuschauen, da man hier gut sieht, wie das Pressing mit anschließendem Schnellangriff in die Spitze funktionieren kann und wie stark die SGE-Offensive Torchancen auch in Unterzahl herausspielen kann.

Hier die Situation. Gut zu sehen, dass die Hoffeneimer Kette sehr weit nach rechts rückt, um Kostic immer kontrollieren zu können. Dabei, man sieht es hier, entstehen größere Abstände am linken Ende der Kette Hier löst es die SGE sehr gut auf. Kostic spielt kurz auf Sow, der mit einem überragenden Tempodribbling in die Zentrale und einem guten Pass auf Jakic das Spiel Richtung linke Kettenseite verlagert, die Kette ins Laufen bringt und somit die Chance entscheidend einleitet.

Jakic spielt dann einen klasse Pass auf Borré (der das auch mit einem tollen Laufweg ermöglicht), der wird dann im letzten Moment geblockt.

In der 52. Minute hat die SGE die nächste große Abschlussmöglichkeiten nach einer Kostic-Ecke. Kamada, Tuta und Jakic scheitern mit ihren Abschlüssen. Glück für Hoffenheim. In der 57. Minute scheitert Chandler nach überragendem Flugball von Kamada in die Spitze freistehend vor Baumann kläglich.

In der 58. Minute kommt Paciencia für Lindström, ein sehr nachvollziehbarer Wechsel. Lindström war neben seiner tollen Vorlage zum 0:1 fast gar nicht im Spiel. Das liegt teilweise an ihm und zu vielen kleinen Stockfehlern, zum anderen aber auch daran, dass das Spiel der SGE wieder sehr stark auf Kostic ausgerichtet war und er kaum eingebunden wird. Außerdem schrie auch das SGE-Spiel gegen Hoffenheim, wie auch schon gegen Union, nach einem echten Abschlussstürmer.

In der 59. Minute fällt das entscheidende 3:1 für Hoffenheim. Ausgangspunkt ist ein Aufbauspiel der SGE und ein Fehlpass von Hasebe.

Hier der Fehlpass, der zu dem Gegentor führt. Die Hoffenheimer zwingen Hasebe zu einem Andribbeln in die Pressingszone. Hasebe spielt Bebou den Ball dann in die Füße.

Das ist natürlich ein schwerer Aufbaufehler, aber die Hoffenheimer spielen das gar nicht direkt zum Tor, sondern stellen über Ballzirkulation und eine Seitenverlagerung einen neuen Angriff. (eintracht.tv ab 14:22).

Hier wieder gut zu sehen: Die Hoffenheimer Spielanlage mit wenigen Bällen in der Zentrale um die Kette des Gegners zentral engzuziehen mit dem Rechtsaußen ganz breit, also fast an der Auslinie. Wir sehen den sehr großen Abstand von N´Dicka zu Bebou, da besteht natürlich kein Zugriff mehr.

Ein so breit angelegtes Offensivspiel ist mit einer Viererkette schwer zu verteidigen, hier wäre eine 5er/6erkette zielführender, Kostic spielte gegen Hoffenheim aber in kaum einer Situation seinen defensiven Part, weshalb dann oft mit Vierer, manchmal, siehe oben, auch mit 3erkette verteidigt werden musste. Das sind natürlich gezielte Manöver der Hoffenheimer, die die Schwachstelle mit einem immerzu fehlenden linken Kettenspieler hier nutzen. Bebou flankt den dann rein, Hasebe wehrt in zu kurz ab, der Ball landet bei Samassekou, der ihn mit etwas Glück aus der zweiten Reihe ins Tor schießt. Dabei auch wieder zu sehen die schwache Rückraumbesetzung der SGE, Jakic steht viel zu weit weg von Samasseku.

In der 68. Minute kommt Rode für Jakic. Ein nachvollziehbarer Wechsel, Jakic fiel im Laufe des Spiels wieder in alte Muster, hielt Bälle zu lange, verschlief beim 1:3 den Rückpass auf Samassekou, hatte aber auch einen starken Pass auf Borré. Außerdem kommt Hauge für Kamada, auch dieser Wechsel ist nachvollziehbar, Kamada war wenig im Spiel. Beide Wechsel sind positionsgetreu.

Kurz und gut: Das zweite Tor der SGE in der 72. Minute. Zwei sehr starke Aktionen der beiden Beteiligten. Eine weitere Topflanke von Kostic und Paciencia verwertet die ebenfalls großartig, Ballannahme mit der Brust, Abschluss mit links – der 3:2 – Anschlusstreffer für die SGE ist eine Co-Produktion von Kostic und Paciencia nach einem Einwurf links.

Weitere Abschlüsse hat die SGE in der 77. Minute, Flanke N´Dicka nach Positionsangriff über Hasebe und Kostic, Paciencia verpasst, Nachschuss Chandler weit drüber, in der 82. Minute, diesmal nach einem langen Flugball aus der hinteren Reihe von Hasebe auf Paciencia linksaußen, Flanke Paciencia, Richards klärt vor Borré zur Ecke.

In der 83. Minute kommt Ache für Chandler, ein nachvollziehbarer Wechsel, Ache kam schon in den letzten Spielen regelmäßig für die Brechstangen-Schlussphase als zusätzlicher Abschlussstürmer und die rechte Seite war Offensiv ohnehin kaum eingebunden. In dieser letzten Schlussphase übernimmt Hauge die rechte Seite, mit Borré, Paciencia und Ache sind drei Spitzen in der Zentrale.

Weitere SGE-Abschlüsse: 86. Hauge im Sechzehner nach Kostic-Rückpass und schnellem Aufbauspiel über Hasebe/Rode/Borré, Posch klärt zur Ecke. 87. Borré nach kurzer Ecke und Schnellkombination linksaußen und starkem Pass von Hauge.

Fazit

Viele neue Erkenntnisse bringt das Spiel nicht. Deutlich war der Unterschied in der Spielanlage beider Teams zu sehen, die zwar beide in einem 3-4-3 antraten, aber doch sehr unterschiedlich agierten.

Die Gastgeber spielten sehr streng aus der defensiven Positionierung, die Kette wurde bei zentralen oder halbzentralen Angriffen der SGE sehr konsequent zu einer 5er, nicht selten in der Schlussphase auch zu einer 6er-Kette ergänzt. Das Pressing wurde aus einer zentral eng anlaufenden 3er-Reihe immer mit Druck auf den ersten Aufbauball nach außen gelenkt und dann attackiert. Nicht sehr originell, aber gut und risikoarm und sehr zuverlässig durchgeführt. Die SGE presste etwas aggressiver, mehr im 1 gg 1 und höher und entwickelte so einige sehr druckvolle Sequenzen und Spielphasen. Das Aufbauspiel war deutlich ambitionierter als das des Gegners, es gab deutlich mehr Positionsangriffe als auf Seiten der Hoffenheimer. Allerdings tendierten erneut fast alle diese Angriffe nach links, also Richtung Kostic. Der spielte zwar erneut stark, viele seiner Flanken waren scharf und präzise, aber letztlich brachten auch sie nur noch das eine Paciencia-Tor ein.

So stark Kostic nach vorne spielte, so sehr bleibt seine defensive Schwäche/Unlust problematisch. Die Hoffenheimer bespielten den freien Raum auf der verwaisten linken SGE-Abwehrseite ein ums andere Mal und erzielten alle drei Treffer über diese Seite.

Es bleibt nach wie vor äußerst fraglich, ob ein Offensivspiel fast ausschließlich über Kostic und hinter ihm folglich unentwegt freie Räume wirklich eine dauerhaft sinnvolle Strategie ist. Den Hoffenheimern hat es mehr oder weniger gereicht, Hasebe die Passwege zuzustellen, Kostic mit breiter Kette zu bearbeiten und Bebou in dessen Rücken zu stellen. So kassiert man zwar zwei Tore mit Kostic-Beteiligung, aber man kann auch drei über seine Seite schießen. Hoeneß hat die SGE im Grunde ausgecoacht, das ist aber auch nicht sehr schwierig.

Dass die SGE trotzdem zwei Treffer erzielt und in fast allen wichtigen Zahlen vor den Gastgebern liegt, bestätigt auch den Spieleindruck, wonach die Eintracht auch in diesem Spiel bei weitem nicht die schwächere Mannschaft war oder die schwächeren Einzelspieler auf dem Platz hatte.

Spielerbewertungen

Im Offensivspiel war Kostic erneut der auffälligste SGE-Spieler, allerdings war sein Defensivspiel im Grunde inexistent und das bleibt ein Problem. Außer ihm fielen vor allem der eingewechselte Paciencia und Borré mit vielen guten Aktionen auf.

Die übrigen Spieler zeigten durchwachsene Leistungen. Lindström war mit Ausnahme seiner Torvorlage kaum im Spiel und wurde zurecht ausgewechselt, bei Chandler überwogen ebenfalls eher die negativen Situationen.

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SGE – Union Berlin 2:1 (1:1)

Nachdem in der Analyse zum Antwerpen-Spiel die Rolle von Hasebe im Fokus des Interesses stand, ist es nunmehr die Frage, wieso die Mannschaft „plötzlich“ so viel besser spielt, als noch vor kurzem gegen Hertha oder Fürth.

Die Aufstellung

Die Spielerbewertungen und viele weitere Daten sind öffentlich zugänglich bei sofascore.com

Die Statistik

Die statistischen Werte sind zitiert nach kicker.de und sofascore.com. Auf den verlinkten Seiten finden sich viele weitere Daten.

Die erste Halbzeit

Zunächst auffällig: Union bespielt die Eintracht meist aus einem recht aggressiven Mittelfeldpressing, in den ersten Sequenzen und auch später gelegentlich auch mit Angriffpressing in der vorderen Linie. Der defensive Block der Gäste ist recht defensiv aufgestellt, meist mit einer 5-3-Verteidigung, in der zweiten Halbzeit dann auch häufiger in 4-2-Verteidigung. Union ist stark auf Umschaltaktionen/Konter aus. Eine Konstellation, die der SGE in der bisherigen Saison meist große Probleme bereitete. Das lag zumeist an Timing-Problemen beim Anlaufen offener Räume und an technischen Fehlern oder Unsicherheiten im Passspiel, vor allem beim letzten Pass. Es war zu erwarten, dass sich das mit zunehmender Übung/Eingespieltheit bessert und genau das zeigte sich bereits in der ersten Halbzeit gegen Antwerpen und nun auch gegen Union Berlin.

Ein Element der Spielidee-Entwicklung, die hier schon länger beobachtet wird, sind die Tiefenläufe der Offensiven und die Anspiele der Aufbau- und Mittelfeldspieler aus geordnetem Spielaufbau. Ein gutes Beispiel ist die 3. Minute. (eintracht.tv ab 5:53)

Das ist der Moment, in dem Lindström den Angriff initiiert. Er startet seinen Tiefensprint nach außen und nutzt den zwischen Baumgartl und Außenlinie offenen Raum. Den kann nur ein sehr schneller Spieler anlaufen, der seinem Gegenspieler im Sprintduell einige Meter abnehmen oder zumindest einen Vorsprung verteidigen kann. Lindström mit seiner enormen Schnelligkeit ist dafür prädestiniert.

Tuta sieht den Passweg und spielt den anspruchsvollen Flugball stark in den Lauf von Lindström. Eine sehr gute Angriffausführung der beiden.

Lindström überspielt dann mit einem starken Offensiv-1 gg. 1 Baumgartl, gelangt so in die torgefährliche Vorlagenzone und kann den Ball dann in den Rückraum passen.

Hier das Ergebnis des Manövers: Borré kann völlig frei perfekt von Lindström angespielt werden. Das ist natürlich eine Großchance, nur tritt Borré dann komplett am Ball vorbei. Zu wenig für einen Stürmer, der Ball muss zumindest aufs Tor kommen.

Sehr gut zu sehen in der Anfangsphase die sehr unterschiedliche Spielanlage. Das SGE-Spiel ist deutlich variabler als das der Gäste (was stark an die stärkeren ersten Spiele erinnert), die Unioner setzen fast ausschließlich auf Konter/Balleroberungen und versuchen alle Bälle, auch aus der hinteren Reihe, sehr schnell auf die offensiven Reihen zu bekommen.

Das funktioniert aber kaum, vor allem weil die SGE viele Flachpassversuche der Berliner mit ihren beiden schnellen, antizipationsstarken 6ern Sow und Jakic gut angreifen kann. Eine perfekte Beispielssequenz, in der man auch die großen technischen Schwächern der Berliner Aufbauspieler gut sehen kann, ist die 6. Minute (eintracht.tv ab 9:22).

Gleichzeitig ist das ein Beispiel für das zweite regelmäßige Element des SGE-Offensivspiels: Der Schnellangriff in die Spitze nach Balleroberung im Mittelfeld.

Hier die Situation vor dem Ballgewinn durch Sow. Zunächst sieht man, dass IV Knoche den Pass im MIttelfeld spielt und Union in der Zentrale völlig offen ist. Sow holt sich den Ball dann gegen Prömel, der Sow in seinem Rücken nicht erwartet.

Sow schickt dann den tief startenden Borré direkt Richtung Tor. Der Pass ist auch gut, ebenso wie Borrés Abschluss, denn er schießt den Ball ins Tor. Der Treffer zählt dann nicht, weil Borré knapp im Abseits war. Aber diese Situation ist ein schönes Beispiel für einen Angriff mit wenigen Pässen nach Interception (in diesem Fall einer) zum Torabschluss.

Hier der Pass von Sow in die Spitze auf Borré. Gut zu sehen, dass die Zentrale der Berliner völlig offen ist. Hier hätte Borré etwas verzögern müssen, um nicht im Abseits zu stehen. Für einen interessanten Abschluss hätte es ziemlich sicher trotzdem gereicht.

Auch das Element Angriffe mit Ballzirkulation/Seitenverlagerungen aus der hinteren Reihe / Positionsspiel versucht die SGE nun wieder häufiger, tut sich aber sehr schwer damit, aus solchen Sequenzen heraus Tempo in die Spitze zu bekommen und diese Angriffe richten sich fast ausschließlich nach links und dort auf Kostic. Das ist nach wie vor das am wenigsten gut funktionierende Element des SGE-Offensivspiels. Ein weiteres Beispiel für so einen Schnellangriff kann in der 36. Minute besichtigt werden, hier über Lindström, Borré und Kostic. (eintracht.tv ab 39:00)

Eines der wenigen Beispiele, wo das bis in die Spitze gespielt werden kann, ist eine Sequenz in der 18. Minute (eintracht.tv ab 20:55). Ausgangspunkt ist Hasebe und im Bewegtbild kann man gut sehen, wie das Aufbauspiel über Hasebe funktioniert und warum er aus der hinteren Reihe zentral  oft andribbelt.

Hier das Andribbeln von Hasebe und man sieht , dass er einen Gegner auf sich zieht, bei einem zweiten lenkt er den Blick auf sich, so dass sicht Tuta im Rücken ungesehen freilaufen kann. Der Pass kommt dann auch auf Tuta, der dadurch genug Freiraum und auch Zeit hat, um den Angriff einzuleiten.

Tuta startet dann ein erneut langes Longline-Tempodribbling und die SGE verlagert dann über Borré, Sow und Kamada hinter der Spitze die Seite bis ganz links auf Kostic, dessen Hereingabe aber schwach ist.

Den fast identischen Angriff spielt die SGE in der 41. Minute und da klappt es viel besser.

Hier die Angriffsaktion, wieder über den von hinten andribbelnden Tuta, Seitenverlagerung erst in der offensiven Mittelfeldreihe über Borré und Kamada nach links auf Kostic.

Kostic spielt dann eine starke Hereingabe an den Fünfmeterraum, wo Borré nur noch einschieben muss, den Ball aber weit über das Tor schießt. Die Abschlussschwäche Borrés wird insgesamt langsam aber sicher zum Problem. Das ist in dem Spiel schon die zweite Großchance, die er vergibt, in den Spielen zuvor sah es nicht viel anders aus.

Diese Sequenz(en) ist aber eigentlich kein wirkliches Pass-Positionsspiel, da die gesamte Einleitung über das Tempodribbling rechts von Tuta stattfindet, aber zumindest im vorderen Bereich wird über mehrere Stationen dann die Seite verlagert und in die Spitze gespielt. Dieses Element wird weiter zu beobachten sein und vor allem ob die Mannschaft auch in diesem Bereich bald Fortschritte macht.

In den Szenen ist auch ein weiteres regelmäßiges und zunehmend häufiger eingesetztes Mittel des Aufbauspiels zu beobachten, nämlich das Tempodribbling der Innenverteidiger von der hinteren Reihe bis hinter die Spitze. Hier ist es Tuta, kurz darauf, in der 21. Minute N´Dicka über links, der mit einem solchen Lauf den Angriff einleitet. (eintracht.tv ab 24:01).

Aus dieser zweiten Situation entsteht dann eine Ecke, die Sow nach einer verunglückten Abwehr der Berliner aus dem Rückraum zur 1:0-Führung nutzt.

Entscheidend für das sehr druckvolle Spiel ist neben einer etwas höheren Erfolgsquote bei eigenen Angriffsmanövern aber vor allem das wieder viel wirkungsvollere und konsequenter durchgeführte Pressing und Gegenpressing. Dafür gibt es besonders in der ersten Halbzeit unzählige Beispiele. Hier nur eines, wo man es im Standbild gut sehen kann.

Das ist ein springender Ball, ein schlecht gespielter Flugball von Tuta aus der hinteren Reihe. Chandler leitet das Angriffspressing ein, alle hinter ihm machen mit. Man sieht, dass alle SGE-Spieler Zugriff auf die möglichen Anspielstationen haben. Baumgartl verliert unter dem Anlaufdruck von Chandler Geduld und Ruhe und kickt den Ball Chandler an die Brust.

Gegen technisch stark limitierte Verteidiger wie Baumgartl oder auch Knoche ist so ein Pressing fast immer wirksam und die SGE hat das in der ersten Halbzeit sehr stark und oft betrieben. Glasner lobte dieses Verhalten nach dem Spiel auch ausdrücklich. Gut zu beobachten die Szene auch bei eintracht.tv ab 22:40.

Noch ein kurzer Blick auf Hasebe. Wie im Antwerpen-Spiel schon zu beobachten zieht es ihn zunehmend ins Mittelfeld, was nicht sehr verwunderlich ist und was dazu führt, dass Tuta und N´Dicka hinter ihm häufig als Innenverteidigungs-Pärchen arbeiten müssen. Es gab in der 2.HZ zwei Situationen, in denen das beinahe ins Auge gegangen wäre, das Gegentor fällt nach einer ähnlichen Ungeordnetheit.

Die größte Chance der Berliner resultiert aus einem Kettenfehler der SGE in der 24. Minute. Diese wurden hier bei den anderen Analysen aber so ausführlich gezeigt, dass aus Redundanz-Gründen hier darauf verzichtet wird. Das bleibt aber ein Problem.

Ein weiteres regelmäßiges Angriffsmittel sind lange Flach- oder Flugbälle aus der hinteren Reihe oder aus dem defensiven MF in die Spitze oder hinter die Spitzen. Viele dieser Bälle kommen von Hasebe, aber auch Trapp und Tuta spielen die manchmal. Sie brachten aber gegen Berlin wenig ein. Ein Beispiel ist die Sequenz in der 25. Minute. Der Ball auf Borré geht zwar verloren, das Gegenpressing führt dann aber zu dem Lattenkopfball von Kamada nach Kostic-Flanke. (eintracht.tv ab 27:38). Den besten dieser Pässe im ganzen Spiel nach starkem Tiefenlauf von Lindström spielt Jakic in der 34. Minute. Da hält nur Kostic mit seinem Weltklassepass auf Lindström in der 2.HZ mit, siehe unten.

Hier der Sensationspass von Jakic auf Lindström, der mit seiner enormen Schnelligkeit den Pass überhaupt erst möglich macht. Es wird immer deutlicher, dass die im Vergleich zur letzten Saison jetzt deutlich höheren Schnelligkeit des Angriffspersonals mit zunehmender Eingespieltheit zu einer guten Waffe der SGE wird.

Baumgartl verhindert das 2:0 durch Lindström dann mit einem wirklich überragenden Sliding Tackling und vollem Risiko. Die Sequenz ist wirklich sehenswert. (eintracht.tv ab 37:02)

Die zweite Halbzeit (Re-Live)

Im zweiten Durchgang wird es für die SGE schwieriger, die Berliner sind etwas aggressiver und auch stärker in den Pressingsituationen, bauen breiter auf und setzen mehr auf eigene Ballbesitzphasen. Die SGE verzichtet jetzt öfter auf frühes Pressing, steht oft etwas tiefer. Die zweite Hälfte zeigt einen überragenden Kostic und dass die Mannschaft ihn nun wieder häufig sucht, ist gegen die überforderte linke Defensivseite auch eine gute Idee. Hier einige der stärksten Kostic-Aktionen in der Analyse.

Zunächst aber das Gegentor:

Der Ausgangspunkt ist ein Rückpass von Hasebe zu Trapp, der angegriffen wird und einen Befreiungsschlag Richtung Kostic spielt, wo der Ball dann aber nicht ankommt. Der hohe Ball landet bei einem Berliner, der ihn unkontrolliert Richtung Mittellinie köpft. Dort landet er bei Jakic, der ihn leicht bedrängt auch nicht kontrollieren kann und ihn unglücklich nach links köpft. (eintracht.tv ab 15:14)

Hier der entscheidende Moment des Ballverlustes an Awoniyi, der dann sofort ein Tempodribbling Richtung rechtsaußen startet, Lindström und Jakic hinterher. Man sieht hier, dass die SGE hinten ungeordnet ist, obwohl nach einem Freistoß zuvor und dem langen Trapp-Ball genug Zeit gewesen wäre, sich zu sortieren. Stattdessen sind weder Kostic, der sich sehr viel Zeit läßt, auf seine linke Defensivseite zurückzukehren, noch Chandler in die Kette eingerückt. Auch Hasebe besetzt nicht seine Position, sondern steht links von beiden Innenverteidigern.

In der Folge passieren drei entscheidende Fehler, die zum Tor führen:

Erster Fehler: Abschalten. Das ist der Moment, in dem Awoniyi den Sprint gegen Lindström wieder anzieht. Alle drei möglichen Unterstützer winken, weil sie meinen, der Ball sei im Aus. Diese Winkerei bringt natürlich nichts und ist im Grunde unprofessionell. Jakic verabschiedet sich dabei auch komplett aus der Aktion und läuft aus.

Den zweiten Fehler macht, auch wenn es für seine Fans ungemütlich ist, Hasebe mit schwachem Stellungsspiel. Er rückt ohne Not viel zu weit aus der Kette nach links.

Hier sehr deutlich zu sehen, dass Jakic den Passweg hinter Sow nach seiner Unaufmerksamkeit nicht mehr rechtzeitig zulaufen kann und dass Hasbe durch sein zu weites Herauslaufen und zu undistanziertes 1 gg. 1 – Verhalten jetzt hinter Awoniyi auf der Außenbahn landet. Als zentraler Innenverteidiger der Dreierkette!

Das sind krasse Fehler von Hasebe und Jakic. Warum Chandler nicht die Kette hinten unterstützt, dürfte ebenfalls sein Geheimnis bleiben, ist aber nicht relevant für den weiteren Ablauf.

Hier der Kontakt N´Dicka-Awoniyi, der zum Elfmeter führt. Man sieht, dass N´Dicka als jetzt zuständiger Verteidiger in das von Hasebe zu früh verlorene Duell hineindoppeln muss. Das macht er etwas zu ungestüm. Fehler Nr. 3.

Das etwas zu ungestüme Zweikampfverhalten von N´Dicka ist ein eher kleiner individueller Fehler, der ihm nicht allzu häufig passiert. Fehleranalytisch ist das nicht sehr relevant, denn N´Dicka kommt ohnehin zu spät, der Angriff der Berliner wird durch sein Foul gar nicht unterbunden, sondern Awoniyi kann auf  Becker passen, der ihn dann frei vor Trapp an den Pfosten schießt. Selbst ohne N´Dickas Foul wäre da also die beste Chance der Berliner im Spiel und viel Glück für die SGE gewesen.

Den berechtigten Elfmeter verwandelt Kruse.

Dann ein kleine Sammlung von Kostic-Angriffen der 2. HZ:

47. Minute: Kostic gewinnt den Ball (Interception) im Gegenpressing vorne, überrennt den bemitleidenswerten Friedrich, flankt gut auf Lindström, der aber kein gutes Timing beim Anlaufen des Kopfballes hat und die Kostic-Flanke knapp verpasst. (eintracht.tv ab 2:16).

In der 66. Minute vielleicht das anschaulichste Beispiel für die Unfähigkeit der Berliner, Kostic unter Kontrolle zu bringen. Er startet in der eigenen Hälfte, behauptet sich alleine und ohne Unterstützung gegen drei Berliner Gegenspieler, bringt aus dieser engen Situation noch eine starke Flanke, die zwar bei den Berlinern landet. Die können den Ball aber aufgrund ihrer technischen Schwächen nicht kontrollieren, Kamadas Abschluss wird dann aber geblockt. (eintracht.tv ab 21:12)

In der 68. Minute, auch diese Situation lohnt es sich, im Re-Live noch einmal anzusehen, der präziseste und längste Aufbaupass des ganzen Spiels, Kostic von links hinten auf Lindström rechts vorne. Das ist nichts anderes als ein Weltklassepass, den so präzise in der Bundesliga nicht viele spielen. (eintracht.tv ab 23:56).

In der 70. Minute wieder ein Tempodribbling von N´Dicka aus der eigenen Hälfte, Pass auf Kostic, die Flanke verpasst der kurz zuvor eingewechselte Paciencia gegen Luthe. Der von den Berlinern schwach abgewehrte Ball wird dann von Jakic noch einmal gefährlich auf Paciencia gepasst, doch der Pass ist etwas zu lang.

Das 2:1 in der 95. Minute entsteht aus einer Situation, in der die SGE in der Schlussphase alles nach vorn wirft und die Berliner sehr tief stehen.

Hier der Pass von Sow auf Kostic, der dann eine seiner Präzisionsflanken auf N´Dicka spielt. N´Dicka versenkt den dann sehr stark per Kopf. Hier aber auch gut zu sehen, dass die SGE gleich mit drei enorm kopfballstarken Spielern vorne steht, das ist für die Berliner sehr schwer zu verteidigen.

Die Szene gibt auch einen Hinweis darauf, warum die SGE so häufig kurz vor Schluss trifft. Dieses „Brechstangen“-Spiel muss nämlich durchaus gut organisiert und eingeübt sein. Dass die SGE das sehr gezielt einsetzen kann, sieht man hier. Die Formation ist kein Zufall.

Außerhalb von starken Kostic-Aktionen hatte die SGE in der 84. Minute nach einer tollen Einzelaktion des kurz zuvor eingewechselten Ache und dessen Flanke auf Paciencia eine weitere Großchance. Paciencia wird aber entscheidend gestört, das Foul reichte Schiri Stegemann aber nicht für einen Elfmeter, und in der 91. Minute, wieder Ache auf rechtsaußen und Hereingabe auf Paciencia.

Fazit

Die SGE geht als vollkommen verdienter Sieger vom Platz, das bestätigte auch Union-Trainer Fischer nach dem Spiel: „Sie waren in allen Belangen besser als wir.“

Diese Entwicklung zeichnete sich seit Wochen ab, wie hier immer wieder dokumentiert. Die Offensive der SGE mit Kamada, Borré, Lindström, aber auch den Back-Ups Paciencia, Ache und Hauge gehören zum besten, was in der Bundesliga zu finden ist. Dass das neue Element Schnelligkeit, das durch Borré und Lindström ins SGE-Angriffsspiel eingebracht wird, erst mit der Zeit wirksam werden kann, weil es dabei viel um abgestimmte Lauf-Pass-Wege geht, war klar und sichtbar. Nun gelingen die Pässe in die Spitze zunehmend besser, wodurch das SGE-Spiel gefährlicher wird. Die hier gezeigten Angriffselemente waren alle schon seit Wochen zu beobachteten, scheiterten aber meist an Ungenauigkeiten in der Ausführung.

Nach der Hereinnahme von Paciencia zeigte sich deutlich, dass dieser Spieler ganz andere Anspielmöglichkeiten in die Spitze bot, als zuvor Borré. Die enorm hohe Quote an guten Bällen in die Spitze konnten nun ergänzt werden durch Kopfball-Flanken. Sollte die SGE weiterhin so dominant spielen wie gegen Berlin, dürfte sich bald die Frage stellen, ob ein Spiel mit zwei echten Spitzen nicht effektiver ist und ob man diese offensive Option wirklich dauerhaft zugunsten eines Liberos, der an den entscheidenden Offensivsequenzen praktisch nie beteiligt ist, opfern will.

Mit Kostic hat die SGE, das hat das Spiel erneut gezeigt, einen der derzeit stärksten Offensivspieler der Bundesliga, auf der offensiven Außenbahn/Halbposition dürfte er auch in Europa zu den präzisesten und schnellsten gehören und die SGE tut gut daran, diesem Spieler eine zentrale Rolle im Spiel zukommen zu lassen. Das muss aber, wie gegen Berlin von einer starken rechten Seite und guten vorbereitenden Spielzügen ergänzt werden.

Die Probleme im hinteren Bereich bleiben allerdings bestehen, auch wenn Tuta und N´Dicka in diesem Spiel nun weitgehend fehlerfrei hinten als Innenverteidiger-Duo agierten.

Die positiven Entwicklungen sind zu sehen, aber das bedeutet nicht, dass die SGE jetzt alle Spiele gewinnt. Die Probleme sind nicht vom Tisch und Entwicklungen sind nie linear.

Spielerbewertungen

Auffällig stark waren N´Dicka und Tuta, die mit ihren Tempoläufen beide auch viele Impulse nach vorne setzen konnten, hier wird gut sichtbar ein neues Aufbau-Element etabliert. Kostic machte ein überragendes Spiel, solch überragende Einzelleistungen eines Spielers sieht man selten. Beide Sechser (mit Ausnahme des Gegentores) und der eingewechselte Ache zeigten gute Leistungen. Aber auch alle anderen Spieler agierten weitgehend auf hohem Niveau, keiner fiel auffällig ab.

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SGE – Royal Antwerpen 2:2

Zuletzt spielte die SGE mit der Dreierkette, so auch gegen Antwerpen. Inzwischen wird in sämtlichen Medien der 38jährige Hasebe als, wo nicht genialer, so doch für die Mannschaft wichtiger Spielmacher aus der hinteren Reihe gefeiert. Eine etwas kritischere Sicht auf die zentrale Rolle und sein Spiel wird nur noch hier vertreten. Daher nun ein noch etwas genauerer Blick auf die Aktionen Hasebes und natürlich die Highlights des Spiels.

Die Aufstellung

Die Statistik

Alle Statistiken und noch viele mehr zu dem Spiel sind öffentlich zugänglich bei den Spielberichten von kicker.de und sofascore.

Die erste Halbzeit (Re-Live)

Den ersten guten Angriff über Positionsspiel leitet Hasebe in der 3. Minute mit einem starken Flachpass ein.

Das ist ein großartiger Pass von Hasebe. Mit diesem Zuspiel ist, wie man hier sieht, die halbe Antwerpener Mannschaft (5 Feldspieler!) überspielt. Der Angriff wird dann mit einer Ablage von Borré auf Kamada fortgesetzt, Kamada schickt Kostic, dessen etwas überhastete Hereingabe keinen Abnehmer findet.

Obwohl die SGE in der Anfangsphase wie im ganzen Spiel die technisch stärkere Mannschaft ist, haben die Gäste durchaus Spielanteile, sind mit ihrem sehr mutigen 4-3-3 nach vorne mit mehr Spielern besetzt als die SGE und pressen von Beginn an früh.

In der 12. Minute erzielt die SGE das 1:0 und die Entstehung ist durchaus interessant, denn was sich bereits im Freiburg-Spiel angedeutet hat, wird hier wirksam, nämlich die gesteigerte Bereitschaft von Kostic, die Kette von links zur Viererkette zu vervollständigen. Dem Tor geht ein einfaches Viererkettenverteidigen voraus. Genaugenommen entseht die Situation aber schon früher, nämlich bei einem sehr schlecht organisierten Positionsspiel der Belgier, bei dem sie es nicht schaffen, ausreichende Abstände im eigenen Spiel herzustellen. Das ist ein Problem, das man bei den Gästen häufiger beobachten konnte und das man als Gegner durchaus öfter hätte ausnutzen können. Ein ganz kurzer Blick darauf:

Hier läuft Fischer von außen Richtung Zentrale, wo ihm Nainggolan (der mit der Nr. 4 spielte, obwohl im Kader der Antwerpener die Nr. 4 nicht vergeben ist, und Nainggolan eigentlich die 44 trägt) im Weg steht. Das ist nicht ganz unwichtig, denn Fischer wollte offenbar aus der engen Pressing-Situation herauspassen (auf Dwomoh), was aber durch den falschen Abstand des Mitspielers unmöglich war.
Hier die Situation direkt vor dem entscheidenden Ballgewinn von Tuta. Durch die schlechten Abstände zuvor, müssen die Gäste weiter in der engen Situation spielen und Vines versucht dann den Pass auf Samatta. Auch hier sehen wir die viel zu kurzen Abstände, Frey steht nur ein paar Meter hinter seinem eigenen Mitspieler und ist damit aus dem Spiel, aber auch der Passabstand Vines-Samatta ist viel zu kurz. Das kann kaum gutgehen. (eintracht.tv ab 14:30)

Aber auch aus SGE-Sicht ist das eine recht interessante Situation. Sie spielt hier, wie sehr oft, schlicht klassische Viererkette mit N´Dicka und Hasebe als Innenverteidiger und jeder, der einmal eine Viererkette mit einer Leistungsmannschaft einstudiert hat, weiß, dass genau dieser Ballgewinn von Tuta als rechtem Verteidiger das Ziel der ganzen Viererkettenveranstaltung ist. Hasebe spielt hier einen handelsüblichen rechten Innenverteidiger. Tuta antizipiert den Pass gut, das ist aber 4er-Ketten-Routine. Gut gespielt, aber nichts als ein taktisches Basic. Entscheidend ist vielmehr die sehr starke Anschlussaktion von Tuta. Er erkennt die Situation und dribbelt sofort mit Tempo die Kette der Antwerpener an und schafft somit eine Multioption.

Hier die Situation beim Abspiel auf Chandler. Man sieht, dass Tuta mit seinem Andribbeln gleich drei Gegner bindet, sowohl Chandler rechts als auch Kamada in der Zentrale Freiräume vorfinden und Tuta – man achte auf die Blickrichtung der Antwerpener – die ganze Aufmerksamkeit auf sich richtet.

Den Pass auf Chandler flankt dieser sehr stark direkt auf Kamada, der ihn mit etwas Glück verwerten kann. Ein solcher Konterangriff lässt wirklich das Trainerherz höher schlagen, denn solche Situationen können und werden im Training natürlich dauernd geübt und es macht wirklich Spaß zu sehen, wie eine Mannschaft das dann im Spiel umsetzen kann. Und so ganz einfach ist es nicht, Tuta muss das sofort erkennen, muss richtig zunächst den IV der Belgier anpeilen, dann eine Passentscheidung fällen, Chandler muss den tiefen Sprint im richtigen Moment anziehen und die Flanke technisch sauber ausführen, Kamada muss den langen Pfosten anlaufen im Rücken der abgelenkten Verteidiger und natürlich müssen die Abstände immer stimmen. Hier passt alles, ein einfaches Tor mit Lehrbuchqualität. Mit Spielmacherromantik hat das aber wirklich rein gar nichts zu tun, Hasebe ist hier nichts als ein sichernder Viererketten-IV.

Die erste große Chance der Belgier entsteht in der 16. Minute nach einer Ecke. Die Ecke ist nach einem langen Ball der Antwerpener entstanden, bei dem Hasebe das Kopfballduell gegen Frey komplett verweigert.

Hier kann man das sogar im Standbild gut sehen. Hasebe geht nicht einmal hoch, er steht nur neben Frey und lässt ihn frei köpfen.

Tuta muss dann in das Laufduell, kann den Ball aber nur zur Ecke klären. Er sieht da auch nicht sehr gut aus, aber das Problem liegt hier strukturell in der Unbedrängtheit des Vorlagengebers Frey. Die Ecke ist die beste Chance der Gäste. Trapp sieht bei dem Flankenball nicht sehr gut aus, hält dann aber zweimal gegen die Antwerpener Stürmer.

In der 25. Minute hat die SGE den nächsten guten Abschluss. Sie entsteht nach einem Chandler -Einwurf rechts vorne. Der Einwurf entstand nach einem recht guten Aufbauflugball von Tuta auf Borré. Kamada kann im Anschluss den Ball nicht verwerten, auch Kostics Nachschuss ist ungefährlich. (eintracht.tv ab 24:32)

Nächste SGE-Chance in der 28. Minute. Wieder ein Blick auf die Entstehung. Die Situation ist ein Konter. Der Ballgewinn ist, exakt wie beim 1:0 ein einfaches Viererkettenspiel.

Hier sehr gut zu sehen die SGE-Viererkette. Alle stehen richtig (eine Höhe), der Außenverteidiger N´Dicka rückt heraus und kann den Pass der Antwerpener attackieren. Klassisches, einfaches Viererkettenspiel, gut antizipiert von N´Dicka, aber das ist Routinearbeit.

Der Ball landet etwas unkontrolliert bei Jakic, der die Situation gut löst und sofort einen Pass in den Lauf von Lindström rechts außen spielt. Lindström macht es auch gut, geht sofort ins Tempodribbling und in den Sechzehner.

Hier gut zu sehen: Durch seine Schnelligkeit und eine starke Abkappbewegung kann Lindström zwei Gegenspieler binden. Auch hier steht die Antwerpener Verteidigung offen wie ein Scheunentor, Kostic steht im Rücken völlig frei, doch Lindström übersieht ihn, schließt selbst ab, aber neben das Tor.

Solch überhastete Aktionen unterlaufen Lindström noch zu oft. Hier muss er ruhiger und geduldiger werden. Trotzdem war das wieder ein starker, schneller Konter der SGE und auch wieder ein Angriff über rechts. Hier ist wie schon in Freiburg gut zu sehen, dass die Mannschaft phasenweise bewusst die rechte Seite öfter einbindet.

Der 1:1-Ausgleich fällt nach einer Ecke. Der Eckball entstand nach einem Konter der Belgier nach einem Fehlpass von Chandler in die Spitze. Da auch Kostic aufgerückt ist, muss die SGE das mit einer Notbesetzung vertzeidigen.

Gut zu sehen, dass die übrig gebliebene 3er-Sicherung beide Außen nicht mehr sichern kann. Auf der rechten Abwehrseite sind sogar zwei Spieler offensiv frei, rechts Dwomoh, der aber den Sprint in die Spitze nicht anzieht. Die Antwerpener spielen das aber dann nicht gut aus, der Pass von Fischer kommt zu spät auf Samatta. Kostic ist weit davon entfernt, eine defensive Rolle spielen zu können.

Torztdem kann Samatta frei Flanken, der Ball prallt von Fischer ins Toraus, doch der Schiedsrichter gibt dennoch einen Eckball. Die Ecke ist eine einstudierte Variante, man konnte schon im Stadion sehen, dass sie das mit Zeichen abgesprochen haben. Schwer zu verteidigen und auch etwas unglücklich. Wie auch die Eckenzuordnung in dieser Situation.

In der 35. Minute hat die SGE den nächsten Abschluss durch Jakic. Knapp daneben. Der ursprüngliche Angriff war übrigens durch den zweiten relevanten Aufbaupass von Hasebe eingeleitet worden. Ähnlich wie in der 3. Minute ein tolles Zuspiel, das erneut die halbe Antwerpener Mannschaft aus dem Spiel nimmt.

In der 40. Minute spielt die SGE einen Konterangriff. Der erste Ball auf Kostic kommt von Hasebe und ist gut gespielt (allerdings auch unbedrängt). Entscheidend ist aber der schnelle Flugball von Kostic longline auf Kamada und vor allem dessen starkes Dribbling und der Rückpass auf Lindström. Der vergibt frei aus elf Metern kläglich und ballert den Ball in die Wolken.

In der 45. Minute hat die SGE eine weitere große Chance, vielleicht der beste Angriff der ersten Halbzeit. Ausgangspunkt ist ein abgefangener langer Ball von Trapp. Der geht dann an Tuta und weiter ganz nach rechts auf Chandler.

Hier gut zu sehen der Angriffsvortrag. Entscheidend ist zunächst ein Kettenfehler der Antwerpener, man sieht, dass der Kettenabstand IV-LV viel zu groß ist. Lindström macht das sehr stark, wartet lange genug, also bis Chandler ihm den Ball in den Lauf spielen kann.

Das passiert dann auch und Lindström macht das dann sehr stark, geht Richtung Grundlinie und seine Hereingabe auf Borré ist gut, letzterer schießt den Ball aus 4 Metern über das Tor. Auch die folgende Ecke bringt zwei interessante Abschlüsse.

Die zweite Halbzeit (Re-Live)

In der zweiten Halbzeit gelingen der SGE, ähnlich wie in der 1. Halbzeit, mehrere Pässe in die Spitze, jeweils in torgefährliche Vorbereitungszonen, fast immer nach Kontern, also keine Hasebe-Beteiligung, sowohl über Kamada und Borré, als auch Lindström, die aber aus diesen torgefährlichen Vorbereitungszonen nicht zum Abschluss gebracht werden. Das sind fast immer Timingprobleme im Freilauf- bzw. Passverhalten.

Bis zur 60. Minute ist die SGE vollkommen überlegen, kann aber aus dem sehr einseitigen Ballbesitz kaum Abschluss-Kapital schlagen. Das Aufbauspiel ist jetzt wieder sehr linkslastig, was auch viel mit der Hasebe-Rolle zu tun hat, dazu mehr im Fazit.

Erst danach werden die Gäste wieder aktiver, haben in der 64. Minute die erste gute Chance nach einem Passspiel aus der Mittelfeldzentrale nach rechtsaußen. Kostic spielt in dieser Situation wieder einmal verfrüht linksaußen.

Hier eine Szene aus der 65. Minute, die ein Problem des Angriffsspiels der SGE illustriert. Man sieht, dass fünf Spieler (Kamada, Kostic, Jakic, Sow, Chandler) auf Pass- oder Vorbereitungspositionen stehen, nur Borré in der Spitze (1-7-Unterzahl).

Der Angriff läuft dann über Kostic, der Richtung 16er läuft und den Ball dann aufs Tor knallt. Dieses Spiel mit nur einer Spitze erfordert natürlich dauerndes Anlaufen der Spitzenpositionen aus dem Mittelfeldbereich. Nicht nur hier, auch in den Situationen zuvor, wo es gelang, in die torgefährlichen Vorlagenzonen zu gelangen, fehlte die Anspielmöglichkeit bzw. richtige Laufwege. Auch Glasner erklärte später, dass die Boxbesetzung personell zu schwach war.

In der 69. Minute kommt Lammers für Borré. Nicht ganz unverständlich, Borré hatte wenige gute Situationen, Lammers ist eher ein Abschlussstürmer und Borré hatte einige schwächere Abschlüsse.

In der 71. Minute erzielen die Gäste das 2:1 nach einem Freistoß, bei dem Trapp nicht sehr gut aussieht. Das Tor wird dann aber wegen abseits zurückgenommen. Die Situation ist analytisch nicht sehr relevant. Diese Bälle sind immer recht schwierig zu verteidigen.

In dieser Phase versucht Hasebe mehrmals die Initiative zu ergreifen und startet Tempodribblings nach vorne.

Hier eine solche Szene. Wieder sieht man die fehlende Spitzenbesetzung, außerdem haben die Antwerpener hier 8-4-Überzahl. Das kann kaum gutgehen, ist nicht vorbereitet und leider purer Aktionismus von Hasebe. Diesen Ball spielt er dann dem Gegner in die Füße. (eintracht.tv 29:29)

Hasebe merkt offenbar selbst, dass er von hinten kaum Einfuss auf das Spiel nehmen kann. Mit Dribblings aus der letzten Reihe kann die fehlende offensive Positionierung aber nicht kompensiert werden, da solche Läufe für den Gegner recht einfach zu verteidigen sind.

In der 78. Minute kommt Hauge für Lindström, verständlicher Wechsel. In der zweiten Halbzeit mit zunehmender Linkslastigkeit und nachlassender Struktur des Offensivspiels ging Lindström zunehmend unter.

In der Phase von der 60. bis zur 85. Minute verliert die SGE weitgehend die Spielkontrolle. Die Antwerpener pressen jetzt mit ihren vier, bisweilen fünf Offensiven, unterstützt von den Außenverteidigern und können so ihre technische Unterlegenheit wettmachen. Mit Ausnahme eines Kostic-Fernschusses hat die SGE keine Abschlüsse.

Hasebe ist in dieser Phase abgesehen von den Dribblings, die nichts einbringen, unsichtbar.

Erst in der 88. Minute hat die SGE wieder eine etwas stärkere Sequenz, insbesondere nach zwei guten Aktionen und starkem Passspiel von Lammers, Kamada, Chandler und Sow. (eintracht.tv ab 87:07)

Aus dieser Situation fällt gegen die aufgerückte SGE dann das 1:2 nach einem krassen Fehler der Notverteidigung.

Das hier ist der entscheidende Moment. Die SGE agiert als 3er-Absicherung und man sieht hier schon, dass die Abstände der Kettenmitglieder bedenklich groß sind, womit die Absicherung praktisch unmöglich wird.. Dennoch wäre das hier noch zu verteidigen gewesen, wenn alle drei Verteidiger sich schnell aus der Situation nach hinten absetzen, um den Angriff zu verzögern und den Mitspielern das Zurücklaufen zu ermöglichen. Stattdessen startet Tuta auf den Tiefenpass, kann ihn aber nicht gewinnen.

Das ist ein krasser Fehler von Tuta, den Ball darf er nur attackieren, wenn er ihn sicher gewinnt. Nach dem Tuta-Fehler entsteht diese Situation:

Gut zu sehen, dass Tuta sich damit aus dem Spiel genommen hat, die SGE also nur noch 2 gg. 2 steht. Auch das wäre durch Verzögern immer noch zu kontrollieren gewesen, doch wie die zehn kleinen Jägermeister verabschieden sich die SGE-Verteidiger aus der Situation. Hasebe reproduziert den Tuta-Fehler in erstaunlicher Präzision, rennt auf Samatta ohne eine Chance auf einen Ballgewinn und öffnet damit das Scheunentor. Samatta und Yusuf sind gute, schnelle Fußballer und spielen das 2:1 gegen N´Dicka dann natürlich ohne Probleme aus zum 1:2.

Wie in allen Spielen mit Hasebe als Innenverteidiger gezeigt, sind dessen krassen Stellungs- und Entscheidungsfehler ein Sicherheitsrisiko, das regelmäßig zu Gegentoren führt, so auch hier wieder. Den größeren Fehler macht aber Tuta, dem das als gelerntem Innenverteidiger noch viel weniger passieren darf als dem gelernten Mittelfeldspieler Hasebe. Man kann sicher auch über das schwache Gegenpressing von Lammers und Kostic beim Pass von Nainggolan diskutieren, das müssen die beiden auch besser spielen. Sich aber in der letzten Reihe von einem 3 gg. 2 freiwillig in ein 1 gg 2 zu verabschieden, ist eher Slapstick als Profisport.

In der 90. Minute kommen Paciencia und Rode für Kamada und Jakic. Der Paciencia-Wechsel ist klar das Ziehen der letzten Waffe, nämlich des Systems Kostic und nachvollziehbar, der Rode-Wechsel ist positionsgetreu.

In der Schlussphase wird vonseiten der SGE einfach jeder Ball zu Kostic gespielt, der sie reinzuflanken versucht. Hasebe spielt nun noch mehr im Mittelfeldbereich.

Der 2:2-Ausgleich entsteht nach einem abgefangenen Einwurf rechts an der Mittellinie. Hasebe köpft den longline geworfenen Ball einfach nach vorne, wo ihn Rode, Sow und Paciencia mit schnellem Passspiel sichern können. Rode leitet mit einem Querpass auf Hauge dann die entscheidende Spielverlagerung ein. (eintracht.tv ab 49:15).

Hier sieht man sehr gut, dass ohne Hauges ruhige Spielfortsetzung und N´Dickas Tempodribbling Kostic keinen Freiraum gehabt hätte, sondern sofort von dem rechten Außenverteidiger der Belgier hätte attackiert werden können. So zieht N´Dicka ihn mit seiner Aktion kurz auf sich, was Kostic dann reicht, um Paciencia den Ball perfekt auf den Kopf zu flanken. Paciencia macht das auch sehr, sehr stark.

Fazit

Das Ergebnis war für die Belgier nicht ganz unverdient, da sie es taktisch verstanden, ihre technische Untrelegenheit auszugleichen. Insebsondere bei ihrem Führungstreffer nutzten sie die (individuellen) Schwächen in der Frankfurter Konterabsicherung gut aus.

Besonderes Interesse galt in dieser Analyse dem zuletzt als entscheidender Spielmacher gefeierten Hasebe. Gegen Antwerpen führte ein Doppelfehler von Tuta und Hasebe zum Rückstand. An den beiden SGE-Toren und den gefährlichen Aktionen war er kaum beteiligt. Sein Passspiel bestand hauptsächlich aus für den Aufbau und die Organisation der Angriffe irrelevanten Quer- und einfachen Aufbaupässen, er spielte aber auch 5 teilweise starke Tiefenpässe, aus denen auch mehr hätte werden können. Aber ist das genug, um zu rechtfertigen, dass im SGE-Spiel dauerhaft eine offensivere Position geopfert wird? Und warum spielt Hasebe dann nicht im defensiven Mittelfeld, wo seine Zweikampffehler nicht so durchschlagen und seine Kopfballschwäche weniger problematisch ist? Der genauere Blick auf sein Spiel liefert dafür kaum Argumente.

Auffällig, wie schon vermutet, die starke Linkslastigkeit von Hasebes Passentscheidungen. Er ist ein wichtiger Faktor für diese Einseitigkeit, da er deutlich überproportioniert den Weg nach links, ganz besonders zu Kostic sucht.

In dem Spiel war übrigens gut zu sehen, dass recht klar und einfach strukturierte Aufbauspielzüge sehr gut auch von zwei Innenverteidigern initiiert werden können. Der Gegner aus Antwerpen hatte dadurch einen zusätzlichen Offensiven bzw. Mittelfelspieler zur Verfügung, was ein wichtiger Grund für das starke Pressing der Gäste war.

Dennoch war die SGE das bessere Team mit den besseren Möglichkeiten und Abschlüssen. Die Mannschaft bringt sich nach wie vor durch eigene Abwehr- und Umschaltfehler wie beim 1:2 um den Erfolg, aber das ist hier in den vorangegangen Analysen ja ausreichend gezeigt worden.

Um das Spiel zu verstehen, ist immer der Blick auf die Abläufe in den konkreten Kleingruppensituationen entscheidend. Der Blick auf Systeme und Aufstellungen führt immer zu einer verzerrten Wahrnehmung, wie auch Glasner in der Anfangsphase der Saison den Journalisten noch zu erklären versuchte, inzwischen hat er das, wie man in den Pressekonferenzen besichtigen kann, aufgegeben. Demnächst hier mehr dazu, warum der SGE-Coach mit seiner berühmten „Es ist scheißegal“-Erklärung recht hatte.

Spielerbewertungen

Die individuellen Fehler wurden oben ausreichend gezeigt. Davon abegesehen zeigten alle Spieler ordentliche Leistungen. N´Dicka war erneut ein auffälliger Aktivposten, ebenso Kamada. Bei beiden bestätigen den Eindruck auch die statistischen Zahlen. Kostic im Spiel nach vorne und Paciencia mit seinem Kopfball waren letztlich entscheidend für den späten Ausgleich und daher auch als positive Erscheinungen zu nennen.

Unser besonderes Augenmerk auf Hasebe bestätigte eher die Eindrücke aus den vorangegangenen Analysen. Er ist und bleibt ein guter Passgeber und kann dem Spiel der SGE in einem Teilbereich, nämlich bei Tiefenbällen in oder hinter die Spitze helfen. Zusätzliche „Struktur“, was auch immer das konkret sein soll, bringt er damit aber kaum ins Spiel und seine regelmäßigen Fehler im Kettenspiel wie seine extreme Kopfballschwäche waren auch im Antwerpen-Spiel wieder zu bewundern. Es ist und bleibt Abwägungssache, ob das zusätzliche Element im Aufbau Glasner das erhöhte Risiko wert ist. Hasebe hat gegen Antwerpen insgesamt ein durchwachsenes Spiel gemacht ohne eine allzu wichtige Figur im SGE-Spiel gewesen zu sein.

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SC Freiburg – SGE

Gegen den SC Freiburg schafft die Eintracht den zweiten Auswärtssieg in Folge. Wie konnte die zuletzt angeblich so schwache Mannschaft das schaffen?

Vor dem Spiel

Nachdem kurzfristig Martin Hinteregger verletzungsbedingt ausgefallen war, entschied sich Glasner erneut für eine 3-4-3-Aufstellung mit drei rein Defensiven (Tuta, Hasebe, N´Dicka), zwei Schienenspielern (Chandler, Kostic), zwei 6ern (Jakic, Sow) und drei Offensiven (Lindström, Borré, Kamada):

Trapp – Tuta, Hasebe, N´Dicka – Chandler, Jakic, Sow, Kostic – Borré, Lindström, Kamada

Die erste Halbzeit (Re-Live)

Sehr auffällig ist, dass die SGE von Beginn an wieder mit Angriffspressing spielt, dieses Element auch über weite Strecken der ersten Halbzeit immer wieder effektiv nutzt und damit die Freiburger offenbar überrascht. Auch die Analysten von Streich dürften beobachtet haben, dass die SGE das seit etwa dem Köln-Spiel weitgehend nicht mehr angewendet hat.

Das ist die erste Aktion nach dem Anstoß der SGE. Gut zu sehen, dass die Mannschaft sofort in vorderster Linie presst. Direkt am Pressing beteiligt sind Lindström, Borré, Kamada und Kostic, also alle vier Offensiven, Sow sichert dahinter, auch Chandler und Jakic sichern mit etwas Abstand. Auch gut zu sehen der Deckungsschatten von Borré, in dem gleich zwei Freiburger stehen und nicht anspielbar sind. So muss Lienhart nach links auf Gulde passen, also mitten in die Pressingfalle der SGE. Gulde passt den Ball dann Kostic in die Füße.

Aus der Situation ist keine gefährliche Aktion entstanden, aber gerade dieses Pressing in den ersten Minuten hat die Freiburger zu vielen Fehlern gezwungen und die Mannschaft etwas verunsichert. Aus SGE-Sicht wie gesagt sehr interessant, dass sie das jetzt wieder anwendet.

In der 2. Minute haben die Freiburger die erste gute Tormöglichkeit nach einer Flanke von Günter. Jeong vergibt freistehend aus 11m ziemlich kläglich. Glück für die SGE.

Hier die Situation und der krasse Abwehrfehler der SGE. Die Situation ist nach einem Einwurf für die Freiburger entstanden, Günter hatte zu Grifo geworfen, der auf Günter zurücklegte. Die SGE vergisst erneut, wie zuletzt gegen Fürth, den Einwerfer in die Deckungsplanung einzubeziehen. Wir sehen hier, dass Lindström das dann auffällt und er seinen Gegenspieler verlässt, um den Ballführenden anzugreifen. Man sieht auch, dass Hasebe einen Raum deckt, der völlig torungefährlich und bereits mehrfach gesichert ist.

Solche Fehler sind, bei aller Liebe und Nachsicht, weder einer Profimannschaft würdig, noch einer halbwegs professionell geführten Jugendmannschaft. Das ist gruppentaktisches Verhalten, das im Grunde eine U11 richtig machen kann und man wird auf den Sportplätzen der Region viele Kindermannschaften finden, deren Trainer daran denken, dass der Einwerfer ja dann auch wieder am Spiel teilnimmt. Solche Fehler sind wirklich erschreckend. Wenn die Freiburger hier das 1:0 machen, wäre das nichts als die angemessene Bestrafung für derartige Anfängerfehler gewesen. Auch das Stellungsspiel von Hasebe hier ist fragwürdig, er besetzt hier einen Raum, der nicht besetzt werden muss. Er könnte genauso gut einen Kaffee trinken gehen. Klar hätte hier mit dem Einwurf sofort durchgeschoben werden müssen, dann hätte die Positionierung von Hasebe auch Sinn ergeben. (Jakic auf Günter, Tuta übernimmt Jakics Position, Hasebe die von Tuta). Das passiert aber nicht, sondern Günter (der davon offensichtlich selbst überrascht ist) kann frei flanken.

Solange die SGE solche Fehler macht, ist es eine Frage der Zeit, wann diese wieder bestraft werden.

Sehr erfreulich hingegen, dass die Eintracht neben dem Angriffspressing auch das Positionsspiel aus der letzten Reihe wiederentdeckt hat. Die hier bereits geäußerte Vermutung, wonach Glasner diese Elemente zuletzt nur temporär gecancelt hat, bzw. sie aus anderen Gründen nicht mehr eingesetzt wurden, bestätigt sich also.

EIn schönes Beispiel dafür, wie die SGE das, durchaus gefällig, macht, ist die 5. Minute. Es würde den Rahmen sprengen, die Szene hier im Detail zu zeigen aber wer sich das einmal ansehen möchte, der kann das bei eintracht.tv ab 8:23 bis 9:36 tun. Das ist eine sehr lange Sequenz, in der man gut sieht, wie die Eintracht mit Seiten- und Tiefenverlagerungen, einem Doppelpass Sow-Kostic am linken Flügel, Gegenpressing (bei einem kurzen Ballverlust), vielen kurzen Pässen und schließlich einem großartigen Flugball von Hasebe auf Chandler nach einem diagonalen Sprint von diesem in die Spitze sehr sauber und gut vorbereitet, gezielt und geplant eine große Torchance herausspielt, die Chandler dann mit einem technischen Fehler verdaddelt. Besonders empfehlenswert für alle, die immer noch nach der Spielidee der SGE suchen. In dieser Szene sind einige der sich wiederholenden SGE-Elemente des Positionsspiels enthalten und gut zu besichtigen.

In der 11. Minute der erste sehr interessante Abschluss der SGE nach Positionsspiel rechts über Jakic, Lindström und Kamada

Hier das Abspiel von Kamada auf Lindström. Gut zu sehen, dass Lindström Kamada nicht nur mit seinem Lauf- den Passweg zeigt, sondern auch noch mit dem Arm anzeigt, wo er ihn hin haben will. Kamada dribbelt den Innenverteidiger Lienhart an und passt im richtigen Moment gut getimet in die Spitze.
Durch dieses Zusammenspiel ist Lindström durch, in der Mitte gibt es aber keine gute Anschlussmöglichkeit/Anspielstation und er muss aus schwierigem Winkel gegen Flekken abschließen, Flekken kann den halten.

Wichtig an dieser Szene ist aber, dass man hier sieht, wie ein sehr schneller und spielintelligenter Spieler wie Lindström im Zusammenspiel mit einem ebenso intelligenten und spielstarken Mitspieler wie Kamada solche Situationen mit einem Tiefensprint und Antritt/Pass im richtigen Moment erzwingen kann. Hier ist das sauber gespielt, aber etwas zu weit außen. Aber selbst wenn beispielsweise Kamada den Ball nicht sauber hätte spielen können, er etwas abgefälscht worden wäre oder ähnliches, jeder Ball der Richtung Tor fliegt oder rollt, landet jetzt bei Lindström, den niemand mehr einholen kann.

In den ersten Minuten kann Hasebe drei Mal freie Flugbälle aus der hinteren Reihe nach vorne spielen und das ist schon etwas merkwürdig, denn dass diese Bälle oft gestochen scharf und die Anschlussaktionen für die Abwehrspieler dann sehr schwer zu verteidigen sind, dass Hasebe nach wie vor einer der stärksten Passgeber der Bundesliga ist, dürfte einem Trainer wie Streich, der das seit Jahren beobachtet, nicht entgangen sein. Der einzige Gegner, der in dieser Saison Hasebe derart gewähren ließ, waren die Griechen von Olympiakos Piräus mit dem bekannten Ergebnis. Etwas rätselhaft, dass die Freiburger Hasebe unentwegt frei das Spiel aufbauen lassen. Das spielt der SGE in die Karten.

Hier eine Szene aus der 13. Minute:

Noch in der Freiburger Hälfte kann Hasebe in aller Ruhe seine Optionen durchschauen, während Chandler unten schon etwas ungeduldig wird. Hasebe entscheidet sich dann für den Pass auf Borré, der wie meistens präzise ankommt, Borrés Pass auf den wieder einmal tief laufenden Lindström ist aber schwach und landet im Aus.

Dennoch ist es einigermaßen unerklärlich, warum die Freiburger Hasebe fortwährend schalten und walten ließen. Das ist so ungefähr das Letzte, was man gegen die SGE machen sollte. Überhaupt ist das Pressingverhalten der Freiburger etwas merkwürdig. Sie beschränken sich fast ausschließlich auf Mittelfeldpressing und auch das ist, wie hier, nicht sehr intensiv.

18. Minute, zweiter Abschluss Freiburg, wieder nach einem „Einwurfdoppelpass“, die Flanke von rechts ist etwas zu hoch, Grifos Kopfball ist ungefährlich, Trapp hält.

Der erste für ihr Spiel typische Angriff gelingt den Freiburgern in der 19. Minute und das ist auch ihre bis dahin beste Chance. Der Angriff wird von Günter links eingeleitet, es folgt eine Querpassstaffette über Höler nach rechts auf Kübler, der wieder zurück auf Höler passt, dessen direkten Abschluss Trapp aber mit einer guten Parade halten kann. Kostic kommt gegen Kübler etwas zu spät, den eigentlichen Fehler machen aber Sow/Jakic in der Zentrale, die den quer-Passweg nicht zustellen, bzw. Höler nicht richtig decken.

In der 25. Minute nächste Trapp-Parade nach einer etwas zu lang geratenen Halbfeldflanke von Grifo, die eventuell ins hintere Toreck gefallen wäre.

Gleiche Minute, nächster Abschluss, diesmal für die SGE nach einem Doppelpass Jakic-Lindström-Jakic durch die Zentrale, Jakic schießt aber genau auf Flekken.

In der 33. Minute hat die SGE, wieder nach einem völlig freien Hasebe-Aufbaupass eine gute Chance, Borré und Kamada vergeben die aber ohne den Ball überhaupt zum Abschluss zu bringen.

Eine Minute später dann das 0:1 durch Lindström und diesem Angriff ging ebenfalls ein Aufbaupass von Hasebe voraus. Diesmal ist das ein Flachpass auf Kamada, eher ein Verlegenheitspass, dann Kamada ist im Zweikampf, eng gedeckt und kann den Ball auch gar nicht annehmen, der Freiburger Gegenspieler allerdings auch nicht, und so landet er bei Lindström, der sofort den Angriff einleitet, Richtung Freiburger Innenverteidiger andribbelt, eigentlich etwas zu früh auf Jakic passt, der daher nicht mit einem Kontakt Doppelpass spielen kann. Außerdem macht er einen kleinen technischen Fehler bei der Ballannahme.

Hier die Situation nach der Ballmitnahme von Jakic. Trotz mehrfacher Betrachtung der Szene ist nicht endgültig zu klären, ob der Kübler-Klärungsversuch überhaupt nötig war, sehr vieles spricht dafür, dass Eggestein und Gulde Jakic hätten ablaufen können, überhaupt ist das ein etwas seltsames Verhalten des Freiburger Rechsverteidigers, der von seine Position in die Mitte spurtet und einen Klärungsversuch in die Zentrale versucht. Das ist immer riskant und eine absolute Notaktion. Jedenfalls landet der Ball dann bei Lindström, der ihn technisch sehr stark mit zwei Kontakten verwertet.

Noch zwei Anmerkungen zu dem Tor. Zunächst ist das wieder eine Aktion, die zu großen Teilen auf das Konto von Lindström geht, der die Aktion nach dem Zweikampf von Kamada gedankenschnell einleitet, sofort die Tiefe bzw. die Freiburger Deckung andribbelt und dann einen Doppelpass mit Jakic versucht. Das gelingt dann zwar nicht ganz, die Situation ist aber so schnell gespielt und gefährlich, dass die Freiburger das nicht mehr koordiniert verteidigen können.

Zum anderen ist das Tor ein schönes Beispiel dafür, welch großer Unsinn das unentwegte Sportjournalisten-Gerede von „Leidenschaft“ und „Mentalität“ etc. ist. Solche Tugenden sind im Mannschaftssport oftmals schlicht hinderlich. Kübler ist hier sicherlich „mit voller Leidenschaft“, „brutaler Mentalität“, und 150 Prozent Einsatz zu Werke gegangen, nur führt Derartiges nicht selten zu genau solch falschem oder fahrlässigem Verhalten. Wer einmal in der Praxis mit zumindest halbwegs professionellen Teams gearbeitet hat, weiß, dass Abgeklärtheit, ein kühler Kopf und sichereres, angemessenes individualtaktisches Verhalten deutlich hilfreicher beim Fußballspielen sind, als volle Leidenschaft. Letztere ist besser im Liebes- als im Fußballspiel aufgehoben.

Die Freiburger antworten zügig mit der nächsten Großchance auf den Rückstand. Nach einem katastrophalen Fehlverhalten von Hasebe im Zweikampf mit Höler, kann dieser den Ball in der 36. Minute auf den tief startenden Jeong weiterleiten, Tuta und Trapp können das Gegentor mit vereinten Kräften, Sow den Nachschuss verhindern. Diese Hasebe-Fehler, hier wieder zu frühes, falsches Herausstarten auf den Ball  sind in den voangegangenen Analysen so ausführlich gezeigt worden, dass aus Redundanzgründen hier darauf verzichtet wird. Diese Fehler werden offenbar nicht abgestellt, egal wie viel Trainingszeit Glasner mit Hasebe auch haben mag und das bleibt damit weiterhin ein Quell für Gegentore.

Stattdessen ein kurzer Blick auf das Offensivspiel der Freiburger. Hier gut zu sehen, dass sie bei Ballbesitz mit sehr vielen Spielern, praktisch der ganzen Mannschaft, Kombinationsmöglichkeiten im vorderen Drittel suchen.

Die Szene ist aus der 37. Minute (eintracht.tv 40:00), wieder nach so einem Einwurf-Doppelpass (es ist wirklich zum Schreien) startet der Ballbesitzer Günter Richtung SGE-16er und hat nun viele Anschlussoptionen. Er könnte den Ball auf Grifo durchstecken, auf Jeong flanken, auf Kübler verlagern oder eine Rückpass spielen, auch ein 1-1 gegen Jakic ist eine gute Option. Er entscheidet sich schließlich für einen Doppelpassversuch mit Eggestein, der nicht ganz gelingt, weil Sow dazwischengrätschen kann.

Dennoch sind das sehr gut gestellte Angriffe und ein sehr ambitioniertes Offensivspiel, das man in der Bundesliga nicht so oft sieht.

Die Eintracht hat das über weite Strecken des Spiels gut bearbeiten können, hat wenige Kettenfehler gemacht und einige Fehlerquellen, wie das Durchsichern bei Herausrückendem Außenverteidiger auch trainingsseitig verbessert, das sieht man.

In der 40. Minute hat die SGE nach einem Konter über Kostic die nächste Großchance, Kamada vergibt. Das war ein sehr starkes Dribbling von Kostic, der damit Kamada völlig freigespielt hat. Der Pass ist nicht ganz leicht zu nehmen, aber Kamada verzieht ihn völlig und er geht weit übers Tor.

Das 0:2 durch Kostic in der 41. Minute ist analytisch vollkommen irrelevant. Es fällt nach einem Einwurf der SGE von Chandler und einem etwas unmotivierten taktischen Foul von Grifo an Jakic. Die Freistoßflanke von Kostic ist etwas zu lang und springt dann ohne dass ein Spieler den Ball noch berührt hätte, ins Tor. Solche Treffer sind gar nicht so selten, das passiert immer, wenn der Torwart in der Antizipation nicht ganz sicher ist, ob er an den Ball kommt, bzw. einer seiner Inneverteidiger. Das ist natürlich trotzdem ein Torwartfehler, wenn auch ein sehr, sehr unglücklicher. Etwas Glück für die SGE, die aber in der Kamada-Szene kurz zuvor auch gut in Führung hätte gehen können.

Die zweite Halbzeit (Re-Live)

Die erste Chance in der zweiten Halbzeit hat wieder die SGE nach einem Konter über Lindström, der mit einem sehr starken Tempodribbling über den halben Platz Borré freispielt, dessen Abschluss von Flekken aber ohne Probleme gehalten wird. (47. Minute)

In den ersten Minuten der 2. HZ ist gut zu sehen, dass die SGE das Angriffspressing wieder abgestellt hat, sich sehr aufs Verteidigen konzentriert und auf Konter spielt.

In der 50. Minute hat die SGE Glück, als nach einem Freistoß Höfler den Ball an den Pfosten köpft. Die Szene ist, davon abgesehen, dass es eine schöne Freistoßvariante der Freiburger war (Höfler läuft der Flanke entgegen) analytisch nicht weiter relevant. Das ist sehr schwer zu verteidigen.

In der 53. Minute eine weitere Antwort auf die in den vorangegangenen Analysen formulierten Fragen: Nein, das falsche seitliche Zweikampfverhalten von Tuta wurde trotz Länderspielpause nicht korrigiert, er holt sich stattdessen nach Reproduktion des Fehlers und Umrennen des Freiburgers Schade die Gelbe Karte ab. Auch dieser Fehler (falsches Anlaufen eines seitlich dribbelnden Gegners) wurde hier hinlänglich dokumentiert, wer es sich noch einmal in besonders krasser Form anschauen möchte, bittesehr: eintracht.tv 08:55. Man fragt sich wirklich manchmal, was so eine Profimannschaft im Training macht, wenn solches Fehlverhalten nicht korrigiert wird.

In der 55. Minute haben die Freiburger die nächste Großchance, Schade verpasst eine starke Flanke von Jeong frei vor Trapp nur knapp. Viel Glück für die SGE.

Obwohl die Eintracht ihr starkes Spiel aus der ersten Halbzeit jetzt komplett eingestellt hat und den Spielaufbau durch lange Schläge und Kerzen ersetzt, hat sie hin und wieder über Lindström gute Konterchancen. So auch in der 55. Minute nach einem langen Schlag von Sow, einer schwachen Abwehr der Freiburger und einem Tempodribbling von Lindström, der dann aus 16 Meter selbst abschließt. Das hätte man vielleicht etwas besser ausspielen können (Pass auf Kostic), der Abschluss war aber gut und Flekken muss eine gute Parade zeigen, um den abzuwehren.

In der 56. Minute haben die Freiburger nach einem Konter nach einer SGE-Ecke die bisher beste Chance des Spiels. Wieder nach einem etwas fragwürdigen Zweikampfverhalten von Hasebe, diesmal gegen Höler (viel Glück, dass er hier nicht gelb sieht).

Da auch Kostic seine Linksverteidigerposition nicht besetzt, müssen nun Sow und Lindström die Kette links besetzen, werden aber überspielt. Die Flanke von Jeong kann N´Dicka nur verlängern. Der Ball landet am langen Pfosten bei Grifo, dessen Schuss Tuta auf der Linie abwehren kann.

Im direkten Gegenzug hat dann Kamada die Riesenchance zum 0:3.

Der Konter läuft über Borré, Sow und Jakic, der sich mit einer starken Bewegung aufdrehen kann und dann nach rechts auf den völlig freien Kamada passt. Hier das Passspiel und die tolle Einzelleistung von Jakic, der mit dieser Aufdrehwegung den Angriff ermöglicht.

Der Pass auf Kamada hätte etwas härter kommen müssen, trotzdem ist das eine große Chance für ihn. Er schießt aber knapp daneben.

Insgesamt spielt die SGE in der 2. Halbzeit sehr defensiv.

Hier eine Szene aus der 63. Minute. Die Eintracht spielt hier mit einer 5-4-Verteidigung. In dieser, wie in vielen anderen Situationen steht die Kette gut, Höhe und Abstände passen, auch die Mittelfeldreihe arbeitet gut und ohne Fehler.

In der 65. Minute wechselt Glasner Chandler aus, Touré kommt, ein nachvollziehbarer Wechsel, Chandler war wenig ins Spiel eingebunden. Nicht sehr nachvollziehbar hingegen ist angesichts der Leistungen von Chandler und Touré, warum Da Costa seit Wochen vollkommen außen vor ist.

In der 68. Minute hat Borré einen Abschluss aus guter Position, verzieht aber völlig. Vorangegangen war ein starker Flugball von Tuta aus der hinteren Reihe.

Auch Freiburg hat weiter regelmäßig Chancen. Die nächste in der 70. Minute nach einem Freistoß und einem Schußversuch von Höler.

Im Re-Live ist gut zu sehen, dass nun, im Gegensatz zu der ursprünglichen Einstellung, die Freiburger mit Angriffspressing spielen, die SGE davon aber nicht allzu beeindruckt ist und den enormen Druck, der von dem jetzt aggressiven Anlaufen des Ballführenden ausgeht, mit zunehmender Spielzeit wieder mit eigenen Ballstaffetten und bei Ballverlust mit Gegenpressing zu beantworten versucht. Das gelingt auch mitunter durchaus gut und ist eindeutig die bessere Reaktion als das teilweise Einigeln der vergangenen Spiele und auch der ersten Phase der zweiten Halbzeit dieses Spiels.

Ein sehr gutes Beispiel ist die Passage in der 71. Minute (eintracht.tv ab 26:57). Schließlich gewinnt N´Dicka den Ball im Gegenpressing gegen Sallai und leitet mit einem Tempodribbling einen Frankfurter Angriff ein. Aus dem wird dann zwar nichts (weil Kostic etwas überhastet flankt), aber das ist eine gute Situation, um zu besichtigen, wie stark die SGE im Gegenpressing in diesem Spiel war und auch, wie technisch sauber das Passspiel unter hohem Druck sein kann.

Die Freiburger kommen in dieser Phase über Halbchancen und einige Abschlüsse nach Standards kaum hinaus.

In der 74. Minute bringt Glasner Rode für Sow und Ache für Lindström. Die Auswechslung ist nachvollziehbar, ist kein Qualitätsverlust und Jakic war in diesem Spiel etwas öfter in Kontersituationen einbezogen. Der zweite Wechsel ist etwas weniger verständlich. Lindström war bei den Kontern deutlich gefährlicher als Borré und Kamada und Ache ist als technisch limitierter, reiner Abschlussstürmer eine etwas rätselhafte Einwechslung bei 2:0-Führung in Freiburg. Solche Wechsel können aber natürlich auch immer noch andere Gründe haben, als rein taktische oder leistungsbedingte, bspw. Gründe der Belastungssteuerung, Schonung, Spielzeitverteilung etc.

In der 78. Minute hat die SGE die nächste gute Angriffsaktion nach einem langen Ball von Trapp.

Hier die Aktion. Touré gewinnt den zweiten Ball, legt direkt auf Rode und auch der mit einem Kontakt in den Lauf von Borré (der dann nicht mehr, wie noch hier Standbild einige Sekunden zuvor, im Abseits steht).

Auch diese Spieleröffnung bleibt ein Mittel der SGE, das hin und wieder gut funktioniert, wie in dieser Szene. Borré macht dann auch ein gutes Tempodribbling Richtung Grundlinie, seinen Rückpass auf Kamada können die Freiburger aber klären, den hätte Borré evtl. etwas früher auf Ache querlegen können (eintracht.tv ab 34:32).

In dieser Phase zeigt sich auch die Stärke der Dreierverteidigung, die hier ja auch schon ausführlich anhand ihrer Schwächen kritisiert wurde. Wenn alle Spieler konsequent mitmachen und dadurch keine totaler Einseitigkeit der Offensive entsteht, ist das System besonders wegen seiner Flexibilität beliebt. Mit wenigen Laufwegen ist sowohl defensiv als auch offensiv eine deutliche Überzahl zu erlaufen. In diesem Spiel war Kostic deutlich bemühter, seine defensiven Aufgaben zu erfüllen, als zuvor, was dazu führte, dass das 3-4-3 viel besser funktionierte.

Hier eine Szene aus der 80. Minute. Nach einem erneuten Einwurf-Doppelpass überläuft Kübler Kamada und es entsteht diese Situation. Man sieht, dass beide Schienenspieler die Kette ergänzt haben, auch dass die Kette mit guten Abständen und guter Höhe agiert, auch dass Jakic und Rode beide ballnahen Rückraumspieler decken. Als nächstes hätte Kostic Kübler angreifen müssen, der flankt aber aus dem Halbfeld, Tuta kann ohne Probleme und Gegenspieler klären.

Kurz darauf, in der 82. Minute funktioniert es dann weniger gut, Kostic und Kamada sind links mit dem 2 gg. 1 gegen Sallai überfordert, dessen Flanke kann Günter Richtung langer SGE-Pfosten schießen, N´Dicka rettet kurz vor der Linie, der Schuss wäre aber wohl vorbeigegangen.

Die Freiburger versuchen den Druck in dieser Schlussphase deutlich zu erhöhen. Auffällig, dass sie das sehr oft über rechts versuchen. Die defensive Zweikampf- und Stellungsspielschwäche von Kostic soll da wohl ausgenutzt werden, was auch mehrmals funktioniert.

In der 85. Minute kommt Ilsanker für Borré. Ein defensiver Wechsel, nachvollziehbar. Ilsanker verstärkt das Mittelfeld, bildet jetzt mit Rode und Jakic eine Dreier-Mittelfeldzentrale – eine reine Sicherheitsmaßnahme, die Freiburger hatten selten über die Zentrale gespielt.

In der 90. Minute hat Touré noch einen Abschluss nach Konter über Kostic, schießt den aber in die Wolken.

Fazit

Zunächst einmal ist festzustellen, dass mit Glasner ein neues, bisher eher ungewohntes Element dazugekommen ist: Spielcoaching. Während Hütter mehr oder weniger immer den gleichen Fußball spielen ließ, auf Spielverläufe, Stärken/Schwächen des Gegners kaum reagierte, coacht Glasner viel stärker, nimmt taktische Elemente aus dem Spiel, bringt sie wieder ein, richtet die Mannschaft auf den jeweiligen Gegner aus, etc. Das ist nicht immer ganz nachvollziehbar, bisher aber durchaus gewinnbringend.

So hat er in der ersten Halbzeit das Spiel der SGE im Vergleich zum Fürth-Spiel wieder mit Angriffspressing und verstärktem Positionsspiel angelegt, eine sehr richtige Entscheidung, die SGE ging mit 2:0-Führung in die Halbzeit.

In der zweiten Halbzeit wurden beide Elemente zunächst wieder weniger bedient, stattdessen auf Konter gelauert, auch das brachte durchaus einige Aktionen und war auch nach hinten weitgehend zielführend und einigermaßen sicher. Erst mit zunehmender Spieldauer, bemühte sich die SGE, wieder aktiver zu sein, beantwortete aber den Druck in der Schlussphase häufig wieder mit konsequentem Spiel aus der 5er-Kette, schließlich wurde mit Ilsankers Einwechslung auf Halten geschaltet.

Bemerkenswert ist, dass insgesamt vergleichsweise sehr wenige Kettenfehler gemacht wurden, die Probleme im Zweikampfverhalten, besonders bei Tuta, Hasebe, aber auch besonders bei Kamada bleiben bestehen, ebenfalls teilweise krasse taktische Fehler, etwa bei Einwurf Gegner.

Das gute Spiel der SGE ist aber keine große Überraschung, hier wurde seit Wochen darauf hingewiesen, dass die Leistungen zu negativ bewertet wurden, der Kader zu den stärksten 6-8 der Bundesliga zählt und bei verbesserter Eingespieltheit und weniger gruppentaktischen Fehlern die SGE zuverlässig Bundesligaspiele gewinnen kann.

Gegen Freiburg hatte die Eintracht erneut technische Vorteile, das war unübersehbar, nur Bayern und Dortmund waren in dieser Kategorie in dieser Saison wirklich sichtbar besser.

Nun hat die SGE, nach 12 Spieltagen, einen Punkt mehr auf dem Konto als zum gleichen Zeitpunkt in der vergangenen Saison und belegt in der Europa League zusätzlich Platz eins in der Gruppe, eine Zusatzbelastung, die das Hütter-Team letzte Saison nicht hatte. Wer hätte das gedacht?

Spielerbewertungen

Besonders auffällig stark spielte N´Dicka, der viele Zweikämpfe gewann, auch nach vorn Aktionen hatte und mit einer Zweikampfquote von 67% ein wichtiger Aktivposten war.

In der Offensive bestätigte Lindström seine gute Form der vergangenen Wochen und hat nun bereits zum dritten Mal in dieser Saison den Unterschied gemacht. Wie hier bereits seit Saisonbeginn dokumentiert, einer der interessantesten Einkäufe und eines der größten SGE-Talente seit Jahren. Deshalb muss hier auch nicht, wie in praktisch allen anderen Medien, die den jungen Mann jetzt monatelang niedergemacht haben, nun metaphernreich ein neues Narrativ erfunden werden, wonach das Tor jetzt angeblich eine „Befreiung“, eine „Reifeprüfung“ , ein geplatzter Knoten oder sonst verräterisch Wolkiges gewesen sein soll. Es ist ganz im Gegenteil die logische Folge seiner bisher gezeigten guten Leistungen.

Auch Jakic hat ein gutes Spiel gemacht und war diesmal auch in den Werten Passquote und Zweikampfquote etwas stärker als der aber auch starke Sow.

Aber auch die übrige Mannschaft hat gute Leistungen gezeigt, Hasebe hatte viele gute Aufbaubälle, aber auch wieder haarsträubende Stellungs-/Zweikampffehler, ebenso Tuta. Chandler war kaum im Spiel eingebunden und fiel etwas ab, sein Ersatz Touré war deutlich auffälliger.

Wer der Meinung ist, diese Analyse oder die Seite sei eine Spende (PayPal) wert, dem und der sei herzlich gedankt (über den Link kann auch per Kreditkarte gespendet werden).

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Nach einem Drittel der SGE-Saison: Eine Zwischenbilanz

„Klar ist, dass diese Eintracht nicht besser ist als ihr Tabellenplatz“, schrieb der Eintracht-Reporter der Frankfurter Rundschau nach dem 11. Spieltag in seinem Kommentar zur Lage der SGE – allerdings nicht in dieser, sondern in der vergangenen Saison. Damals nach elf Spieltagen. Die Eintracht war mit 13 Punkten (ein Punkt mehr als jetzt) Neunter bei acht Punkten Rückstand auf den damals Viertplatzierten VfL Wolfsburg.

Nach dem „Klar ist…“-Kommentar in der fr verlor die SGE von den darauf folgenden elf Bundesligaspielen kein einziges, gab exakt vier Punkte ab, war die punktemäßig beste Mannschaft der Liga und gewann schließlich gegen den späteren Meister Bayern München nach einer ersten Halbzeit wie man sie lange nicht von einer Eintracht-Mannschaft gesehen hatte. Am Ende verpasste sie bekanntlich nur um einen einzigen Punkt die erstmalige Champions-League-Qualifikation. So kann man sich täuschen.

Aus der Sache kann man lernen. Zum Beispiel, dass man meistens falsch liegt, wenn man den Status Quo eines Teams einfach unverändert in die Zukunft projiziert oder annimmt, dynamische Lernprozesse wie die einer Fußballmannschaft verliefen linear.

Stattdessen legt die fr in dieser Saison noch einmal einen drauf, erklärt hochtalentierte Spieler für bundesligauntauglich, verkündet, Trainer Glasner müsse zu seinem Glück, das laut fr darin bestand, Hasebe als Libero und Kostic als linken Schienenspieler aufzubieten, „gezwungen“ werden und bewertet die gleichzeitige Aufstellung der Spieler Lammers, Hauge und Lindström im Spiel gegen Hertha BSC als „Schnapsidee“.

Aus spielanalytischer Sicht ergeben sich jedenfalls – damals wie heute – ganz andere Einschätzungen.

1 – Das Asymmetrie-Problem

Zuletzt sorgte eine Statistik des „kicker“ für Aufsehen, wonach alle SGE-Tore dieser Saison über links oder die Zentrale „eingeleitet“ worden seien, was in der Tat ein taktisches Problem der SGE spiegelt, das schon im Verlauf der vergangenen Saison auftrat, nämlich die viel diskutierte Linkslastigkeit.

Doch was sind die Gründe dafür?

Der Hauptgrund ist die defensive Unlust des linken Schienenspielers Filip Kostic. Wenn die SGE in dem Lieblingssystem der Frankfurter Sportjournaille, also 3-4-3 mit zwei Schienenspielern links und rechts, spielt, muss die Dreierkette regelmäßig defensiv von den Schienenspielern zu einer 4er- bzw. 5er-Kette ergänzt werden.

Faktisch entsteht im SGE-Spiel immer wieder die Situation wie hier im Spiel gegen Fürth. Man sieht, dass der rechte Schienenspieler Touré die 3er-Kette hinten zu einer 4er-Kette ergänzt, während Kostic auf der Linksaußenposition steht und keine Chance hat, noch rechtzeitig die linke Außenverteidigerposition in der Kette zu besetzen, oder den freien Ballbesitzer Leweling unter Druck zu setzen.

Dieser Szene war ein Aufbauspiel der SGE vorangegangen, in dem der Ball auf der 6er-Position verloren wurde, also eine frühe Angriffs-Aufbauphase. In einer solchen Aufbauphase müssen beide Schienenspieler auf einer Mittelfeldposition abwarten, wie sich der Angriff entwickelt, ob er etwa über links oder rechts fortgesetzt wird, oder der Ball, wie hier, bereits bei den 6ern verlorengeht. Touré macht es richtig und kann dementsprechend bei dem Ballverlust seine defensive Aufgabe wahrnehmen. Kostic hingegen ist bereits auf der Außenstürmerposition auf Halbachtstellung bereit für den (ausbleibenden) Angriff.

Dieses Verhalten von Kostic ist sehr regelmäßig zu beobachten und führt dazu, dass der rechte Schienenspieler, wie hier, fast immer defensiv bleiben muss, und gleichzeitig der einfachste Weg nach vorne der nach links über den Linksaußen Kostic ist.

Dazu kommt die individuelle Qualität von Kostic als Linksaußen, was insgesamt dazu führt, dass insbesondere die Aufbauspieler der vergangenen Saison, vor allem Hinteregger und Hasebe, Kostic fast automatisch suchen. So entsteht die Linkslastigkeit des Spiels.

Glasner hatte das zu Saisonbeginn auch erkannt, in Pressekonferenzen auch expliziert und schließlich mit einer echten Viererkette (mit Lenz als echte Absicherung hinter Kostic) das Problem behoben. Dass er, obwohl er mit Durm einen zweiten Linksverteidiger zur Verfügung hat, nach Lenz´ Verletzung doch wieder auf Kostic als Schienenspieler setzte, ist unverständlich und führte exakt wieder zu dem gleichen Resultat wie in der vergangenen Saison.

2 – Nicht-Innenverteidiger Hasebe und Kettenfehler

Auch das zweite dauerhafte Problem der vergangenen Saison ging Glasner zunächst an, um es dann doch wieder zu reproduzieren, nämlich die Fehlbesetzung von Hasebe als Innenverteidiger. Da die Kette, wie oben gezeigt, fast immer faktisch als Viererkette agiert, muss Hasebe meist einen echten Innenverteidiger spielen. Der Spieler hat aber Schwächen sowohl im Kopfballzweikampf wie auch im 1 gg. 1 – Timing bei bestimmten flachen Zweikämpfen, macht zu viele Fehler im Stellungsspiel und ist inzwischen auch nicht mehr der Schnellste. Hasebes Stärken liegen ja unübersehbar im Pass- und Aufbauspiel, vor allem seine Flugbälle in die Spitze sind nach wie vor eine Augenweide, auch seine gut getimten Flachpässe sind noch immer sehr gut, ein wirklich starker Zweikämpfer war er aber auch zu seinen besten Zeiten nicht und es ist überaus fraglich, warum man ihn unentwegt positionsfremd aufstellt. Wenn man meint, auf seine Qualitäten im Aufbauspiel nicht verzichten zu können, wäre seine angestammte 6er-Position eine naheliegende Alternative.

Dass Hasebe keine defensive Stabilität bringt, wurde hier regelmäßig auch statistisch untermauert. Inzwischen liegt seine persönliche Saisonbilanz bei einem Torverhältnis von 5:12 (SGE mit Hasebe auf dem Platz, 540 Minuten), wohingegen die Mannschaft ohne Hasebe auf eine Bilanz von 12:9 Toren (in 880 Minuten) kommt. Auf 90 Minuten heruntergebrochen heißt das, dass die SGE mit Hasebe auf dem Platz 0,8 : 2 verloren, ohne ihn 1,3 : 1 gewonnen hat. Das ist schon ein krasser Unterschied und wiederlegt in jedem Fall die These, Hasebe sei in irgendeiner Form ein defensiv stabilisierender Faktor.

Allerdings fabriziert die SGE-Hintermannschaft auch unabhängig von Hasebe regelmäßig Kettenfehler, die auch in dieser Saison eine ganze Reihe an Punkten gekostet haben, ganz besonders in den Spielen gegen Hertha und Bochum, aber auch schon zuvor.

Zwar ist das bei Glasner schon etwas besser geworden, aber wie hier in den einzelnen Spielanalysen ausführlich gezeigt wurde, handelt es sich nach wie vor um wiederkehrende, also vermutlich strukturelle Fehler. Und diese zu beheben ist Trainerarbeit. Auch das Argument, es gebe zu wenig Trainigszeit, ist hier nicht stichhaltig. Besonders fehleranfällige Spieler wie Tuta, Touré oder auch Hasebe sind keine Nationalspieler, es hätte also genügend Zeit gegeben, mit diesen das oft fehlerhafte Verhalten zu bearbeiten.

3 – Die zurückgenommenen Weiterentwicklungen

Warum Glasner schließlich doch die eigentlich eingemotteten Probleme wieder installierte, bleibt so rätselhaft wie die Tatsache, dass er zwei neue taktische Elemente, die das Team durchaus weitergebracht hatten, weitgehend wieder zurücknahm, namentlich das dauerhaft frühe Angriffspressing und den gezielten Spielaufbau von hinten bis in die Spitze über Flachpasskombinationen und Spielverlagerungen.

Hier ein Beispiel für das Angriffspressing aus der frühen Saisonphase gegen Borussia Dortmund. Alle Anspielstationen der Dortmunder sind zugestellt oder mit Zweikampfzugriff, die Dortmunder müssen schließlich den Ball über den Torwart lang nach vorne schlagen. Wer sich die ersten 20 Minuten des Spiels noch einmal ansieht, wird erkennen, dass das Pressing der SGE den Dortmundern große Probleme bereitete und die BVB-Führung nach 23 Minuten in dieser Phase eher glücklich war.

Bis zum Köln-Spiel versuchte die Mannschaft das bei jeder sich bietenden Situation zu praktizieren, also sehr häufig. Mit der Umstellung im Antwerpen-Spiel sieht man das Element nur noch selten.

Ein ähnliches Schicksal widerfuhr dem zweiten Entwicklungselement, das Glasner neu eingeführt hatte, den Positionsangriffen aus der hinteren Reihe bis in die Spitze. Während man dieses Element bis zum Köln-Spiel in fast jedem Spiel regelmäßig erkennen konnte, wurde es mit der Umstellung auf das alte System und die risikoärmere, defensivere Ausrichtung weitgehend fallengelassen.

Hier die Kombination zum Tor von Lammers gegen den VfL Wolfsburg. Gut zu sehen, dass die SGE hier einen Angriff mit 11 Pässen spielt ohne dass ein Wolfsburger an den Ball gekommen wäre. Ein Angriffsvortrag, den man nur selten von Teams der unteren Tabellenhälfte sieht und ein recht sicheres Indiz für eine vergleichsweise starke Spielanlage. Zumal hier der erste Tiefenball auf Kamada (8) mit der der Spielverlagerungsrunde über rechts (3-7) nahezu perfekt vorbereitet war.

Auch im Spiel gegen Köln erzielte die SGE ihr Tor nach einem solchen Angriffsvortrag, diesmal von Da Costa und Borré stark eingeleitet.

Danach, mit der System- und Ausrichtungsumstellung waren beide Elemente, Angriffspressing und mannschaftliches Positionsspiel, nur noch selten oder gar nicht mehr zu sehen.

4 – Verloren gegangene Dominanz

Dadurch änderte sich das Spiel der SGE. Waren in der frühen Saisonphase (besonders die Spiele gegen Waldhof, Augsburg, Stuttgart, Bielefeld, erste 20 Minuten gegen Dortmund) die neuen taktischen Elemente noch ausschlaggebend für eine in der vergangenen Saison selten gesehene Dominanz, verflüchtigte sich das mit der Zeit vollkommen. Am krassesten spiegelt sich das in einem Vergleich der Spiele gegen Augsburg (0:0) und Fürth (2:1).

Wo die SGE gegen die Augsburger total überlegen war und das Spiel nur aufgrund der extrem schwachen Chancenverwertung nicht gewinnen konnte (kicker-Schlagzeile damals: „Frankfurt verzweifelt an Chancenverwertung und trennt sich torlos vom FCA“), was sich auch in den Zahlen spiegelte (62% Ballbesitz, 21:4 Torschüsse), ging die Spieldominanz nach und nach verloren. Gegen die Fürther, leistungsmäßig eigentlich noch etwas schwächer einzuschätzen als Augsburg, erzielte die SGE noch 46% Ballbesitz und eine Torschussbilanz von 16:20 für Fürth. Ein solch atemberaubender Wandel innerhalb einer Halbrunde ist nur schwer zu erklären.

Warum Glasner plötzlich das zuvor vielversprechende Konzept weitgehend wieder einkassierte, zum Spiel mit 3er- bzw. 5er – Kette zurückkehrte, ist schwer zu erklären und liegt im Bereich der Spekulation.

Eine Prognose über die weitere Entwicklung der Mannschaft ist derzeit äußerst schwierig. Während bis zum Köln-Spiel so etwas wie ein spielerischer Durchbruch in der Luft lag, ist seither keine Weiterentwicklung mehr zu beobachten, genaugenommen ist die SGE wieder total davon abhängig, inwieweit und wie gut der jeweilige Gegner mit dem linkslastigen, eher reaktiven Spiel zu bespielen ist. Selbst individuell schwache Teams mit guter taktischer Einstellung, wie zuletzt Fürth, werden wie in der Schlussphase der vergangenen Saison zu einem fast unüberwindlichen Hindernis.

Allerdings ist in fast allen Spielen zu sehen gewesen, dass der SGE-Kader technisch/individuell auch in dieser Saison wieder zu den 6 bis 8 stärksten der Liga zu zählen sein dürfte. Mit Ausnahme des Dortmund- und Bayern-Spiels war die Mannschaft allen Gegnern technisch mindestens gleichwertig.

Analytisch lässt sich festhalten, dass die vielen Umstellungen und Änderungen durch den Trainer der Mannschaft nicht sehr geholfen haben und die zunächst vorsichtig positive Entwicklung dadurch gestoppt wurde. Auch einfachere taktische Fehler wurden nicht nachhaltig behoben. Das Trainerteam wird, wenn es mit der Mannschaft bald zuverlässig Spiele gewinnen können will, schnell eine Linie finden müssen, die ein Einspielen des Teams ermöglicht und die notwendigen Fehlerkorrekturen (im Detail siehe oben) trainingsseitig abstellen müssen. Je schneller das gelingt, umso größer sind die Aussichten, dass sich bald wieder bessere Spiele und Ergebnisse einstellen.

Zuletzt ließ Coach Glasner verlauten, er erwarte von sich selbst künftig mehr. Das sollte zu schaffen sein.

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Greuther Fürth – SGE

Das Spiel in Fürth wurde in der letzten Sekunde gewonnen, wirft aber einige Fragen auf. Nach dem tatsächlichen Potenzial der Mannschaft, aber auch bezüglich der Entscheidungen von Trainer Glasner. Der Versuch einer spielanalytisch belegbaren Einordnung.

Vor dem Spiel

Erneut verändert Glasner die Aufstellung. Hinteregger kommt in der hinteren Reihe für Hasebe, Durm spielt rechts für Touré, Kostic links für Chandler. Die Doppel-6 bespielen Sow und Jakic, in der vorderen Reihe spielen Kamada, Lindström und Borré. Auffällig und etwas ungewöhnlich: Mit Barkok ist ein Spieler gar nicht im Kader, der im letzten Spiel noch von Beginn an spielte. Mit Marco Meyerhöfer spielte übrigens ein im Eintracht-NLZ ausgebildetes Talent bei den Fürthern RV in der Viererkette, mit Luca Itter wurde ein weiteres SGE-NLZ-Talent später eingewechselt.

Die erste Halbzeit (Re-Live)

Die ersten 10 Minuten verlaufen völlig ereignislos. Die SGE verweigert erstmals in dieser Saison weitgehend jeden konstruktiven Spielaufbau, ist nur auf Risikominimierung bedacht, die Fürther sind in dieser Hinsicht deutlich bemühter aber individuell zu limitiert um die SGE in Gefahr zu bringen.

Der erste Abschluss des Spiels gelingt Filip Kostic in der 14. Minute nach einem langen Pass von Trapp, den Willems abwehren kann. Der abgewehrte Ball landet bei Jakic, der ihn ungenau Richtung linksaußen in die Spitze spielt, Meyerhöfer kann abwehren, allerdings ebenfalls unkontrolliert, wodurch der Ball bei Kostic landet, der nach kurzem Andribbeln aus 20 Metern Torentfernung abschließt, allerdings völlig harmlos, Fürth-TW Funk kann halten.

Bis zur 20. Minute gelingt beiden Teams kein einziger gelungener Angriff bis in die vordere Reihe.

Stattdessen ein kleiner Exkurs zum Thema Zweikampfverhalten an einem Beispiel aus der 21. Minute.

In der Trainingslehre wird grob zwischen drei defensiven 1 gg. 1 – Arten unterschieden: frontales 1 gg 1 in der Zentrale, frontales 1 gg. 1 auf der Außenposition, 1 gg. 1 mit einem Gegner, der mit dem Rücken zum Tor steht.

In allen drei Kategorien gibt es leicht unterschiedliche „Schulen“, klar ist aber dass es unterschiedliche Verhaltensweisen des Verteidigers gibt, je nachdem, ob der jeweilige Angreifer mit hohem oder mittlerem Tempo auf den Verteidiger zuläuft, oder ob er steht bzw. nur sehr niedriges Tempo hat. Im ersten Fall muss der Verteidiger verzögern, um dem Angreifer Tempo zu nehmen und den eigenen Mitspielern die Möglichkeit zu geben, den Angreifer seitlich zu attackieren. Das ist eine übliche Form des Doppelns. Wenn der Zweikampf außen geführt wird, steht der Verteidiger auf der Innenbahn und verzögert, d.h. er läuft seitwärts-rückwärts und versucht dem Angreifer das Tempo zu nehmen und ihn zu einer 1 gg. 1 – Entscheidung zu zwingen. Exakt ein solches Manöver führt N´Dicka hier gegen den Fürther Leweling durch und er führt diesen Zweikampf absolut lehrbuchmäßig. Sollten hier Jugendtrainer/ Amateurtrainer oder sonstwie ernsthaft Interessierte mitlesen, ist diese Szene (eintracht.tv ab 22.05) sehr zu empfehlen.

Hier der Flugball des Fürthers Christiansen nach außen auf Leweling, Hier schon zu sehen, dass N´Dicka einen guten Laufweg macht, den Gegner nach außen auf der Innenbahn anläuft.

Leweling nimmt den Ball an- und mit und versucht, mit hohem Tempo das Dribbling zu bestreiten.

Hier die Grundkonstellation des Zweikampfs. Gut zu sehen, dass N´Dicka seitlich und auf der Innenbahn steht. Man sieht auch, dass N´Dicka nach innen gesichert wird. Leweling hat drei Möglichkeiten: 1. Entweder er versucht N´Dicka nach innen auszudribbeln, die aussichtsloseste Möglichkeit, da N´Dicka diesen Weg schon mit seinem Körper zustellt und er nach innen gedoppelt wird. 2. bleibt ein Tempodribbling nach außen und 3. ein Abwarten (Tempo herausnehmen), um ein Passspiel (z.B. nach Hinterlaufen durch einen Mitspieler) zu ermöglichen. N´Dicka müsste auf Optionen 1 und 2 jeweils mit einem seitlichen Anlaufen des Gegenspielers reagieren, auf Option 3 mit entweder weiterem Verzögern, oder, wenn sich die Situation ergibt, attackieren auf Ballgewinn mit dem Fuß.

Man ahnt hier schon, wie komplex und voraussetzungsreich allein eine solche Standard-1 gg. 1 – Situation ist. All diese Sitautionen werden mit den Spielern in den NLZs und auch im Aktiven-/Profibereich immer und immer wieder geübt, Fehlverhalten korrigiert. Das kostet viel Trainingszeit, ist aber sehr wichtig. In dieser Situation sieht man, wie N´Dicka die Situaton erst verzögert und als Leweling sein Lauftempo fast ganz verloren hat und mit einer Alibi-Finte verzögert und damit weiter Tempo verliert, im richtigen Moment den Schritt Richtung Ball macht und ihn sich einfach abholt.

Hier gut zu sehen, wie N´Dicka im richtigen Moment den Schritt zum Ball macht und ihn gewinnt.

Sehr zu empfehlen, sich diese Szene im Bewegtbild anzuschauen, da sieht man es noch viel besser als in dem Standbild.

Das ist eine tolle Aktion von N´Dicka, auch die übrigen Kette arbeitet hier übrigens gut und besetzt schnell alle Sicherungspositionen auf den weiteren Kettenpositionen.

Es würde hier den Rahmen sprengen, auch das im Detail zu zeigen, aber ergänzend sei erwähnt, dass in der 22. Minute ein ebenfalls lehrbuchhaftes Doppeln von Lindström und Durm gegen Hrgota zu beobachten ist (eintracht.tv 23:30 bis 23:35), mit klarem Ballgewinn durch Durm.

In beiden Fällen kann die SGE aus diesen starken Ballgewinnen kein Kapital schlagen. Gleich mehr zu den Gründen.

In der 29. Minute fordert Kamada nach einem angeblichen Foul an ihm Elfmeter, der aber zu Recht nicht gegeben wird. Interessant ist aber die Entstehung, denn hier gelingt Borré bei einem seiner oft einsamen Angriffspressingversuche tatsächlich einmal ein Ballgewinn. Den Pass in die Zentrale auf Kamada kann dieser dann nicht weiter verwerten. Die Szene ist zwar analytisch nicht weiter relevant, zeigt aber immerhin, dass die Verteidiger der Fürther, hier Griesbeck, alles andere als sichere und gute Aufbauspieler sind. Borré gewinnt relativ leicht den Ball.

In der 35. Minute gelingt ein SGE-Pressing, auch der Anschluss (Seitenverlagerung) gelingt, Durms Flanke ist dann aber zu unpräzise und landet beim TW der Fürther.

In der 44. Minute haben die Fürther ihren ersten Abschluss Richtung Tor nach einer Flanke von der linken Fürther Angriffsseite und schlechter defensiver Boxbesetzung der SGE. Auch das ist ein wiederkehrender Fehler der vergangenen Spiele, aber auch nicht ganz leicht zu verteidigen. Hinteregger und Durm sehen nicht sehr gut aus, Hrgota setzt den Abschluss ans Außennetz.

Das Spiel bleibt bis zur Halbzeitpause vollkommen zerfahren. Die SGE hat sichtbar keine Lust, ausgekontert zu werden und wie gegen Bochum in Rückstand zu gehen und verweigert daher weitgehend einen flachen, passreichen und daher riskanten Spielaufbau. Die meisten Aufbaubälle werden mehr oder weniger unambitioniert lang nach vorne geschlagen, oft schon von Trapp als Abschläge. Fürth ist bemühter, spielt ambitionierter nach vorne, ist aber mit der Aufgabe das Spiel zu machen, technisch überfordert. Auch die Fürther reagieren auf Pressingversuche der SGE teils mit weiten Schlägen, sodass das Treiben auf dem Platz phasenweise etwas an Tennis erinnert. (Bsp. 32. Minute, eintracht.tv 33:15 bis 34:38)

Das Spiel ist bis dahin unansehnlich und arm an Höhepunkten. Die SGE macht eine für den Freund des gepflegten Angriffspiels schlechte Partie. Dennoch: Das ganze folgt durchaus einem erkennbaren Plan. Die Glasner-Elf will auf Teufel komm raus einen Rückstand verhindern und ebenso auf Teufel komm raus nicht wieder in Pressing-Fallen laufen wie gegen Bochum und die Fürther spielen es sehr ähnlich wie die Bochumer, ebenfalls mit frühem Pressing und 4-3-3. Das Verhindern ist hier erste Priorität. Die eigenen Angriffsbemühungen der SGE beschränken sich auf Angriffs- oder Mittelfeldpressing bei Ballbesitz Fürth und lange Bälle, bei denen dann die zweiten Bälle attackiert werden. Man mag das schlechten Fußball nennen, aber geplant ist es durchaus und wer einmal auf hohem Niveau Fußballmannschaften trainiert und gecoacht hat, weiß, dass eine solche Vorgehensweise in manchen Situationen nötig und angezeigt und einfach das erfolgversprechendste ist. Es ging für die SGE in diesem Spiel um nichts anderes als die drei Punkte und um dieses zu erzwingen, war es vor allem wichtig, nicht in Rückstand zu geraten und dafür meinte Glasner offensichtlich, das Risiko von Fehlern hinten minimieren zu müssen. So zwang die SGE den Gegner, selber das Spiel zu machen, um dann selbst pressen und kontern zu können. In der Halbzeitpause vermeldete die Statistik ganze 37 Prozent Ballbesitz für die SGE – gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten. Das ist kein Zufall.

Klar ist ein solches Vorgehen diskutabel, aber wer das Spiel gesehen hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass die Fürther mit dem vielen Ballbesitz kaum etwas anfangen konnten, es also praktisch nie gefährlich für die SGE wurde, andererseits die SGE einige gute Ballgewinne hatte, die auszuspielen waren. Das ganz große Problem der SGE und dieses Bundesligaspiels war in der 1. HZ, dass die SGE überhaupt nicht in der Lage war, die relativ vielen Ballgewinne gegen technisch und spielerisch fehleranfällige Fürther irgendwie zu nutzen. Stattdessen produzierte das Glasner-Team genauso viele Fehler wie die Fürther und die Spieler lieferten die Bälle oft gleich wieder bei diesen ab. Es ließen sich dutzende Beispiele dafür zeigen. Damit sollen die Leser und Leserinnen hier aber verschont werden.

Für die Taktik-Freunde noch ein Hinweis: Die SGE spielte auch gegen Fürth nicht mit einer Dreierkette, das ist nur nominell so, tatsächlich wird die Kette fast immer entweder durch Durm rechts oder Kostic links zu einer Viererkette ergänzt, in seltenen Fällen auch von beiden zu einer Fünferkette. Auch hierfür ließen sich viele Beispiele finden, aber das ist nichts Neues und im Grunde seit Wochen die gleiche Vorgehensweise.

Die zweite Halbzeit

Glasner wechselt einmal, bringt Touré für Durm positionsgetreu rechts. Durm hatte zuvor ein unterdurchschnittliches, durchwachsenes Spiel gemacht, der Wechsel ist schon nachvollziehbar.

In der 48. Minute hat Fürth eine Halbchance zum 1:0 nach einer Flanke von rechts, Willems` Schuss wird von Kamada geblockt. Vorausgegangen war ein Einwurf, bei dem die SGE wieder Deckungsfehler macht.

Hier im Grunde alles in einem Bild. Der völlig ungedeckte Einwerfer Meyerhöfer, bei dem der abgewehrte Ball dann wieder landet und der in der Zentrale vollkommen ungedeckte Willems.

Man wundert sich manchmal wirklich welche Kleinode man bei beim Re-Live-Ansehen so findet. Den Einwerfer, wie hier, beim Deckungsverhalten zu vergessen, ist wirklich putzig für eine Profimannschaft, da dürfte die U15 der SGE Ärger mit dem Trainer bekommen, wenn sie das macht und auch eine torgefährliche Position im Rückraum so ungedeckt zu lassen wie hier Willems, wird in der Bundesliga normalerweise bestraft. Viel, viel Glück hier für die SGE.

In der 50. Minute produziert die SGE einen krassen Kettenfehler. Auch das ist wirklich selten zu beobachten. Diese Kettenfehler sind hier vom ersten Spieltag an Thema und das Kettenspiel ist nach wie vor offenbar nicht ganz klar.

Hier sind 5 Fehler im Bild, wer findet sie? 1. Tuta rennt wieder einmal vorwärts in einen seitlichen Zweikampf (richtiges Verhalten siehe oben) 2. Touré vergisst, dass er einen Gegenspieler hat, den er verfolgen muss. 3. Der Zweikampfführer Tuta wird nicht nach hinten/innen gesichert (Jakic stellt die Auslinie auf der anderen Seite zu, da wird Willems wohl kaum hinspielen). 4. Hinteregger steht zwei Meter zu tief. 5. N´Dicka steht drei Meter zu tief. Beide öffnen damit einen Raum von 3 Metern hinter Touré, in den Hrgota sprinten kann, ohne abseits gestellt zu werden.

Das ist schon spekatkulär. Hrgota und Willems spielen den Doppelpass, Hrgota kommt frei zum Flanken.

In der 52. Minute der erste Abschluss der SGE in der 2. HZ. Langer Ball von Tuta auf Lindström, der den Ball gut erläuft und kontrolliert und sofort aus 18 Metern Torentfernung abschließt, Funk kann den abwehren. Analytisch keine sehr relevante Situation, aber ein guter Pass von Tuta und eine schöne Einzelleistung von Lindström.

In der 53. Minute der erste gelungene Schnellangriff der SGE im gesamten Spiel nach einem hinten abgefangenen Einwurf der Fürther, einem sehr guten Spieleröffnungspass von Tuta auf Borré, der den direkt auf Kamada weiterleitet. Die Kombination endet dann im 16er der Fürther etwas wirr und Sow schließt den dann neben das Tor ab. Interessant ist hier aber ein weiteres Problem, das im Grunde seit Jahren besteht und hier auch immer wieder gezeigt wird.

Hier die weitere Durchführung des Konters. Kostic muss, um Kamada hier die Passmöglichkeit nach vorne zu öffnen, von ganz hinten über den kompletten Platz sprinten. Das hat mehrere Nachteile. Erstens muss Kamada hier warten und verzögern (gut zu sehen im Re-Live eintracht.tv ab 9:18) und zweitens kann der Ball nur am äußeren Fürther Verteidiger vorbei nach außen gespielt werden. Die Option, Kostic zum Tor hin, also innen am Verteidiger vorbei anzuspielen, ist schlicht nicht möglich, wenn Kostic hier noch 8 Meter Rückstand zur hinteren Linie der Fürther hat. Außerdem sind diese ewigen langen Sprints sehr anstrengend und verringern die Wahrscheinlichkeit sauberer technischer Ausführung der Anschlussaktionen.

Es sind viele Nachteile, die es bringt, Kostic auf der Außenbahn so defensiv spielen zu lassen und es ist nicht ganz klar, welchen Vorteil das genau bringen soll. Glasner und Hütter, die das ja beide offenbar für sinnvoll halten, sowie die Experten von der Frankfurter Rundschau, die das mit viel Selbstvertrauen zu Saisonbeginn forderten, müssten einmal einen nachvollziehbaren nennen.

Immerhin ist das ein gutes Beispiel dafür, wie Kostic angemessen ins Spiel einbezogen werden kann, nämlich wie hier gut vorbereitet durch die Zentrale.

Die bis dahin beste Chance und den besten Angriff der 2. HZ hat die SGE in der 54. Minute nach einem erneut starken Aufbaupass von Tuta auf Lindström, der mit einer überragenden Bewegung seinen Gegner aus dem Spiel nimmt (eintracht.tv 10:38, für diejenigen, die immer noch meinen, Lindström sei ein bundesligauntauglicher Fehleinkauf), mit einer kleinen Täuschung und Abkappbewegung den nächsten Fürther stehenlässt und den Angriff dann auf Kamada verlagert.

Hier sehr gut zu sehen, dass nach der Lindström- Aktion Kamada drei Passmöglichkeiten in die Spitze (Kostic, Jakic, Borré) hat, er wählt auch richtig den direktesten und gefährlichsten, sein Pass ist aber etwas zu hart gespielt und Christiansen kann das vor dem einschussbereiten Jakic gerade so zur Ecke weggrätschen. Viel Glück für Fürth hier.

Bei der folgenden Ecke verhindert Schiedsrichter Siebert einen recht interessanten Abschluss von Kostic, weil er im Passweg steht.

Die Eintracht ist in der zweiten Halbzeit jetzt um Spielaufbau bemüht und ziemlich druckvoll.

Nächster guter Schnellangriff in der 57. Minute nach gewonnenem zweiten Ball rechtsaußen von Lindström, dann wieder mit Spielverlagerung über Kamada nach halblinks in die Spitze zu Kostic, der aus 15 Metern mit seinem starken linken Fuß abschließt, aber am langen Pfosten vorbei. Glück für Fürth.

In der 59. Minute der nächste gute Schnellangriff der SGE, diesmal nach Positionsspiel in der gegnerischen Hälfte.

Hier die Einleitung über Kostic und Sow und wer hier regelmäßig mitliest, kennt diesen Spielzug schon aus den letzten Spielanalysen. Auch hier klappt das wieder sehr gut.

Nach dem Pass nimmt Kamada mit einer einfachen kleinen Bewegung seinen Gegenspieler Christiansen aus dem Spiel, das ist großartig von Kamada gemacht, allerdings rennt Christiansen da auch sehr optimistisch in den Zweikampf (eintracht.tv 14:52). Auch die Angriffsfortsetzung von Kamada ist stark, er geht sofort ins Tempodribbling.

Hier gut zu sehen, dass sich in dieser Situation ein großer Passweg auf Lindström öffnet, weil die Fürther Kette ins seitliche Laufen kommt. Das ist natürlich ein Silbertablett, weil Lindström hier auch bereits den gegenläufigen Passweg anbietet und das muss ein Bundesliga-10er sehen und ohne nachfragen spielen, dann steht Lindström frei vor dem Tor. Stattdessen zögert Kamada und spielt dann den sichereren aber deutlich weniger erfolgversprechenden auf Touré. Im Piräus-Spiel gab es schon eine ähnliche Situation, in der Kamada zu lange zögert und sich einen Steilpass nicht zutraut.

Auch Touré zögert dann viel zu lange und verbaselt diesen Topangriff komplett. Das ist im Grunde eine Riesenchance, schöner kann man es nicht angeboten bekommen.

Wer sich die Szene im Re-Live noch einmal ansieht, kann übrigens auch bewundern, wie eine Viererkette richtig funktioniert, die Fürther machen das nämlich ziemlich gut, wodurch der Passweg auf Lindström auch nur sehr kurz offen ist. Auch das vorbereitende Positionspiel vor dem Pass auf Kamada von der SGE ist schöner Anschauungsunterricht für geplante SGE-Angriffe und die viel vermisste so genannte „Spielidee“.

Nach einem krassen Stellungsfehler von Kostic kommen die Fürther kurz danach noch zu einer Halbchance, aber in der Phase in der zweiten Halbzeit bis zur 60. Minute muss man bei aller Kritik sagen, dass die SGE in diesen 15 Minuten die klar bessere Mannschaft ist und mit ein bisschen weniger weichen Knien und ein bisschen Glück zwei Tore schießen kann. Die Fürther wirken jetzt doch oft ziemlich überfordert.

Zweiter kleiner Exkurs zum Thema richtiges 1 gg. 1 – Verhalten, wieder mit N´Dicka gegen Leweling. Diesmal ist es ein „Zweikampf gg. Gegner mit Rücken zum Tor“. Bei dieser Zweikampfart ist es wichtig, dass man keinen direkten Körperkontakt zum Gegner hat, damit sich dieser nicht „um einen herumdrehen“ kann. Der Verteidiger sollte also immer etwa eine Unterarmlänge Abstand halten, um bei einem Aufrehen des Gegners seitlich in den Zweikampf gehen zu können und nicht „ausgedreht“ zu werden.

In der Szene aus der 62. Minute sieht man, dass N´Dicka es falsch macht. Er hat nicht nur Körperkontakt, sondern drückt noch von hinten gegen Leweling.

Leweling macht genau das richtige, dreht sich nach links um N´Dicka herum und sprintet mit Ball Richtung Sechzehner.

In der 64. Minute der nächste SGE-Abschluss von Jakic, wieder nach einer guten Schnellkombination nach langem weitem Ball von Trapp, Kopfballweiterleitung Borré nach links auf Kostic, starkem Dribbling Kostic und dann schöner Ablage von Lindström auf Jakic. Gut gespielt, knapp daneben, etwas Glück für Fürth.

In der 68. Minute viel Schiri-Glück für Fürth, nachdem sich Lindström links gut gegen Sarpei durchsetzt, allein Richtung Grundlinie gehen kann und ein Halten an ihm dann gegen ihn als Freistoß gepfiffen wird. Eine Fehlentscheidung des Schiedrichters Siebert, der, ohne eine Mannschaft zu benachteiligen, viele falsche Entscheidungen hatte und sich etwas dem Niveau des Spiels anpasste.

69. Minute: Abschluss Touré aus spitzem Winkel, vielleicht 7 Meter Torentfernung.

Hier gut zu sehen, dass Touré den besser noch einmal in die Zentrale auf Lindström gepasst hätte, eine etwas überhastete Aktion von Touré, allerdings auch tatsächlich eine gute Schusschance, die man schon auch so nutzen kann. Der geht auch nur recht knapp drüber.

In der 71. Minute wechselt Glasner doppelt, Rode kommt für Sow und Ache für Lindström. Beide Wechsel sind etwas fragwürdig, Jakic war wie immer etwas fehleranfälliger als Sow, letzterer wirkte allerdings nach einem Schuss, den er mit dem Hinterkopf abgewehrt hatte, etwas angeschlagen. Der Lindström-Wechsel hingegen war kaum verständlich, Lindström war bis dahin ein Aktivposten, während Borré sehr wenige Aktionen hatte.

74. Minute: Riesenkonterchance der SGE, Ache läuft von linksaußen völlig allein auf das Fürther Tor, Ache weiß mit der Situation aber wenig anzufangen und schießt den Ball nach schwachem Tempodribbling und zu langem Zögern weit über´s Tor.

In der 75. Minute hat Fürth eine hundertprozentige Chance nach einem etwas glücklichen Ballgewinn von Hrgota in der Zentrale. Pass auf Willems links.

Hier sieht man die Situation bei der Hereingabe von Willems. Wieder funktioniert das Durchsichern nicht, Jakic verweigert zum wiederholten Mal den Weg auf die richtige Position hinter dem Außenverteidiger.

Diese dauernd wiederkehrenden Situationen sind mittlerweile ein dauerhaftes Sicherheitsrisiko geworden, und das ist nichts anderes als Trainerarbeit, die hier nach wie vor schlicht ausbleibt. Dass Itter mit dem Zuspiel von Willems rein gar nichts anzufangen weiß, ist bedenklich, Glück für die Eintracht.

Dennoch: Das Tor in der 75. Minute für die SGE ist nach dem Spielverlauf der 2. Halbzeit aus analytischer Sicht nicht sehr überraschend. Der Angriff für die SGE sieht ähnlich aus wie 5 bis 7 Situationen zuvor, die Fürther sind mit dem eigenen Spielaufbau und dem nun ja, löchrigen Pressing der SGE teilweise heillos überfordert, so auch hier.

Hier die Situation, in der die SGE den Ball gewinnt, es ist ein krasser Fehler von Meyerhöfer, der mit Leweling hier im Aufbauspiel einen Doppelpass spielt, die Ballannahme aber völlig misslingt, sodass Borré ihn in einen Zweikampf zwingen und Kamada sich den Ball zentral vor dem Fürther Tor einfach abholen kann.

Entscheidend für das Tor ist dann aber die überragende Vorarbeit von Kamada, der mit einer sehr starken Bewegung Griesbeck aussteigen lässt und den Ball perfekt auf Rode durchsteckt, das ist wirklich überragend von Kamada gemacht. Auch Rode macht das dann stark, muss den Ball aber nur noch einschieben.

Hier der entscheidnde Moment, die Fürther haben mit Sarpei, Christiansen und Griesbeck eigentlich noch eine recht gute Dreieck-Notverteidigung, nur darf eben Griesbeck sich hier nicht von Kamada austanzen lassen, denn dadurch entsteht eine 2 gg. 1 Situation direkt zum Tor und das nutzen Kamada und Rode dann sehr gut und technisch sauber zum 0:1.

In der 78. Minute noch ein guter Abschluss der Fürther, nachdem sie sich rechts gut durchgesetzt haben (sehr schwache Zweikampfführung von Kamada und Jakic), der eingewechselte Itter semmelt den aber aus elf Metern Torentfernung freistehend in die Wolken. Glück für die SGE.

Nächste Topsituation für die SGE nach Positionsspiel in der 80. Minute. Statt den Ball rechtzeitig auf Kostic links durchzustecken wartet Jakic hier viel zu lange und schafft es am Ende nicht einmal, den Pass überhaupt zu spielen. Viel Glück für Fürth.

Auch danach läuft ein Angriff der SGE nach dem nächsten Richtung Fürther Tor. Beispiele zum Nachsehen: 82. Minute (eintracht.tv 38:13) Touré verbaselt rechtsaußen, 85. Minute (eintracht.tv 41:23) Kamada schickt Kostic ins 1 gg 1, Kostic-Flanke ins Leere, 86. Minute (eintracht.tv 42:42) Borré Pass auf Ache im Abseits.

Sollte die SGE demnächst schaffen, die Bälle in die bzw. in der Spitze regelmäßig sauber zu Abschlüssen zu machen, dürfte es für viele Gegner ungemütlich werden.

Erst in der 87. Minute haben die Fürther ihren dritten interessanten Abschluss in der zweiten Halbzeit. Man kann die Entstehung im Re-Live wegen eines Schnittes schlecht erkennen, aber es sieht wieder nach einem gruppentaktischen Fehler auf der Rechtsverteidigerposition aus. Das ist aber auch ein toller Tiefenlauf von Itter und ein starkes longline – Zuspiel von Hrgota zuvor. Trapp hält den Abschluss von Tillmann mit einer starken Parade, auch der Nachschuss von Hrgota wird geblockt. Starke Aktion der Fürther, die ein Tor verdient gehabt hätte, aber auch starke Aktion von Trapp.

In der 89. Minute kommen Ilsanker für Kamada und Chandler für den erst zur Halbzeit eingewechselten Touré, die SGE spielt fortan im 5-3-2.

Jetzt wird die SGE von den Fürthern hinten einige Minuten festgenagelt, 91. Minute: Fernschuss von Fein wird von der N´Dicka zur Ecke geklärt.

Diese Ecke verwandeln die Fürther dann zum 1:1 durch Itten, die Standardsituation ist analytisch kaum relevant, schwer zu verteidigen, eine Frage der Zuordnung, auch Trapp sieht da nicht sehr gut aus, entscheidend war die Kopfballverlängerung durch Ilsanker.

In der 93. Minute ein weiterer starker Angriff der Fürther, Rode kann einen schwachen Rückpass von Hrgota blocken.

In der 93. Minute dann das viel geschmähte „System Kostic“. Langer Ball von Rode auf Kostic.

Hier der Pass von Rode auf den völlig freien Kostic.

Dessen Flanke wird von N’Dicka per Kopf leicht verlängert und von Borré dann am langen Pfosten ins Tor gedrückt.

Fazit und Spielerbewertungen

Das Spiel über Kostic ist nicht an sich problematisch, sondern nur die Systemhaftigkeit des immer gleichen Aufbauspiels. Hier sieht man, dass das natürlich eine großartige Waffe ist, einen Spieler wie ihn mit seinem extrem präzisen linken Fuss in den eigenen Reihen zu haben. Das kann in vielen Spielen den Unterschied machen.

Das Spiel wurde und wird in fast allen Einschätzungen zu negativ gesehen, wie fast alle SGE-Spiele zuvor auch. Einen sehr empfehlenswerten Beitrag zum Thema verzerrte Sicht der Berichterstattung gibt es derzeit in der App „Wir sind 12“ im Blog „Am Büdchen“ („Mit etwas mehr Ahnung als Meinung“)

In der ersten Halbzeit hat die Mannschaft jedes Risiko verweigert und dementsprechend schlecht gespielt. In der zweiten Halbzeit hat sie das Spiel 45 Minuten lang bestimmt, war die technisch bessere Mannschaft und die Fürther hatten in vielen Situationen Glück, dass die letzten Pässe der SGE nicht kamen, sie haben aber viel zu viele eigene Fehler gemacht und so die SGE auch eingeladen. Und irgendwann kommt dann eben der Ball von Kamada einmal und Rode macht ihn dann rein.

Auch wenn sich die Fürther in der Schlussphase gut und gerne ein Unentschieden hätten erkämpfen können, war der Sieg der SGE letztlich aufgrund der zweiten Halbzeit durchaus nicht vollkommen unverdient, wenn auch etwas glücklich.

Aus einer durchwachsenen Mannschaft kann man Tuta mit vielen guten Aufbaubällen und vergleichsweise wenigen krassen Zweikampffehlern, Kamada mit einigen guten Aktionen und einer tollen Torvorbereitung, Lindström als Aktivposten, Trapp mit zwei starken Paraden und vor allem den sehr starken Rode herausheben. Borré war kaum im Spiel und Jakic mit zu hoher Fehlerquote.

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